Poetische Tafeln (Q106): Unterschied zwischen den Versionen

Eigenschaft / Dichtung/Theologie
 
Eigenschaft / Dichtung/Theologie: [aq]§. VI[/aq]. Traun ohne die Kündigkeit vieler Wissenschafft/ kan iemand den Nahmen eines Poeten so unmüglich behaupten/ als ein Vogel ohne Flügel sich in die Lufft erheben; ¶ Es ist hie nicht genug die arme Rede zwingen/ ¶ [...][S][...][G: [aq]part. 2. ad D. Zincgrefium[/aq].][...] ¶ sang weiland der Schlesische [aq]Virgil[/aq]. Hr. Opitz. / Rang
 
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Eigenschaft / Dichtung/Theologie: [aq]§. VI[/aq]. Traun ohne die Kündigkeit vieler Wissenschafft/ kan iemand den Nahmen eines Poeten so unmüglich behaupten/ als ein Vogel ohne Flügel sich in die Lufft erheben; ¶ Es ist hie nicht genug die arme Rede zwingen/ ¶ [...][S][...][G: [aq]part. 2. ad D. Zincgrefium[/aq].][...] ¶ sang weiland der Schlesische [aq]Virgil[/aq]. Hr. Opitz. / Fundstelle
 
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Version vom 21. Juni 2022, 09:20 Uhr

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Poetische Tafeln
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    Aussagen

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    (unpag.) [10]
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    (unpag.-unpag.) [33-38]
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    (unpag.-unpag.) [407-410]
    WIe zeiget sich nun als auf einem öffentlichen SchauPlatze das keusche und liebseelige Jungfräulein/ die Poeterey/ allen denen/ die zu ihr ein Belieben tragen/ und an Sinnreichen Erfindungen die Augen des Gemüthes belustigen wollen. Der Nahme den sie führet/ stammet nach [aq]Boccatii[/aq] Bericht in [aq]Genealogiâ Deorum[/aq], von dem Griechischen Worte [griech.], welches so viel heißt als machen/ weil der Poet nach den Grund-sätzen seiner Kunst den Vers oder Reim machet/ damit er so wohl was wahrhafftig ist/ zierlich beschreibet/ als auch/ etwas von ihm selbst erfindet/ und solches/ ob es vorhin nichts war/ geschicklich ausbildet und gestaltet. In welchem Stücke die Poesie etwas Göttliches bey sich hat/ nach Außage des unvergleichlichen Heldes der gelehrten [aq]Jul. Caes. Scaligeri[/aq]. Die andere Wissenschafften/ [G: [aq]Lib. I. Pöet. c. 1[/aq].] spricht er/ erzehlen blößlich das Ding oder Wesen/ wie es an ihm selbst etwa gewesen oder sey; Die Poesie aber machet gleichsam eine andere Natur/ zwinget (was sonst ungut) mehr als ein gutes zu haben: und also ist sie Göttlich/ und machet ihre Liebhaber zu Nachfolgern und Vorstellern alles dessen/ was Göttlich/ himmlisch/ herrlich/ hoch/ in der Natur das anmuthigste/ und in der Tugend das [S] lieblichste sein kan. [...] ¶ [aq]§. II[/aq]. Nicht weniger nachdencklich ist bey uns Deutschen der Nahme Tichter/ und Tichtkunst/ vom tichten/ oder dichten/ welches entweder so viel heißt als/ etwas genau zusammen fügen/ daß es an einander bleibet/ oder einem Dinge scharff nachsinnen und genau nachdencken: In welchem Verstande die H. Schrifft saget/ daß das tichten und trachten des Menschen böse sey/ von Jugend auf. [aq]I[/aq]. B. Mos. [aq]VI. 5[/aq]. Syrach [aq]XVII. 30[/aq].
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    [aq]§. III[/aq]. Die Bild-Kunst eignet ihr ein Himmel-blaues Kleid zu/ damit man aus dem eußerlichen Zeichen ihre innerliche Eigenschafft beurtheilen könne. Keine Farbe stehet ihr besser an als diese/ weil sie ihrem ersten Ursprunge nach himmlisch ist/ und anfänglich zu dem Gottesdienst gebrauchet worden. Der gelehrte Holländer [aq]Anton. Rodorn. Scriekkius[/aq] sagt davon also: [aq]Divi-[/aq] [G: [aq]lib. I. adversar. Scal. l d.[/aq]] [aq]nam esse Poeticam antiqui & recentiores omnes crediderunt, & loquuntur. Metri originem suggestam afflatu divino, quod magnum mundum certâ ratione quasi metro dirigat, ipso vero videmus[/aq]. Und der [aq]Phoenix[/aq] unserer Zeit [aq]Casp. Barth[/aq]. meldet über die Worte [aq]Papiae: Theologi Poetae ideò dicebantur, quoniam de Diis carmina faciebant; Sane verò antiqua Theologia humana in[/aq] [G: [aq]V. m. Augustin. l. 6. de C. D. c. 5. p. m. 584[/aq].] [aq]literis Poeticis & mysteria Numinum introducta ab iisdem, ut exemplo Orphei vides apud Lactantium[/aq]. Ja auch nach dem Zeugnisse des allerberedesten unter den Römern/ [aq]Ciceronis[/aq], hat niemals ein Barbarisches und wildes Volck den Nahmen eines Poeten vernachtheiliget/ sondern sie sind allezeit hoch und heilig gehalten worden. Um welcher Ursache willen auch die alten Heyden vor gewiß und unfehlbar gegläubet: Es könte keiner sich mit dieser holdseligen Nymphen befreunden/ wenn ihn nicht die mildreiche Gunst des Himmels vor anderen Leuten [S] beglückseliget/ und seiner Natur eine sondere Fähigkeit eingepräget/ dadurch der Verstand erleuchtet/ und die Sinnen begeistert würden. Welches [aq]Socrates[/aq] andeuten wollen/ wenn er zu dem [aq]Jone[/aq] gesprochen: Wenn er (jo) von dem [aq]Homero[/aq] wohl reden wolte/ so könte ihm hierinn nicht so wohl die Kunst behülfflich seyn/ als eine Göttliche Gewalt/ die ihn bewegen müste; gleich als ein Magnetstein/ welcher nicht allein das Eisen an sich zeucht/ sondern auch demselben eine Ziehungs-Krafft/ mittheilet/ daß ein ander Eisen daran hangen bleibet/ eben als das vorige am Magnet. Als wolt er sagen; man sehe zwar/ daß von dem Magneten das Eisen angezogen würde/ aber die Ursache wäre unbekant: Solche Bewandniß hätte es auch mit der Poeterey/ die sich auf eine unerforschliche Weise in dieses oder jenes Natur befindet. ¶ [aq]§. IV[/aq]. Bey einem ieglichen/ der sich einer Kunst ergeben will/ werden nach Außage der Weltweisen/ dreyerley erfordert: Nemlich die Natur/ die Unterweisung und die Ubung In allen andern Wissenschafften können die zwo letzten Stücke viel verrichten/ In der Poesie aber wird nothwendig die natürliche Neigung vorangesetzet; Wohin des [aq]Ciceronis[/aq] Worte zielen: [aq]Sic à summis ho-[/aq] [G: [aq]Orat. pro Arch[/aq].] [aq]minibus eruditissimisque accepimus, coeterarum rerum studia & doctrinâ, & praeceptis & arte constare; Poetam naturâ ipsâ valere & mentis viribus excitari, & quasi divino Spiritu afflari[/aq]; Welchen [G: [aq]lib. 2[/aq].] nicht ungleich seind die in den [aq]Tusculani[/aq]schen Fragen gelesen werden: [aq]Mihi verò ne haec quidem notiora & illustriora carere vi divinâ videntur, ut ego aut Poetam grave plerumque carmen sine coelesti aliquo mentis instinctu, putem fundere & c[/aq]. Und [aq]Ovidius[/aq] hat frey heraus bekant: ¶ Es ist ein Gott in uns/ so bald sich der nur reget ¶ Brennt unser Geist auch an und wird mit ihm beweget.
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