Buchner, August
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[1]So kann ich sagen/ wenn ich den Himmel ümbschreiben will: Der schöne Himmelsbau/ das Haus der Götter/ die Himmels-burg/ das Gewelbe des Himmels[2]
Hanmann, Enoch
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[3]WEnn man die stets unterschidenen Thone unnd mancherley Außsprüche deß Mundes bedencket/ kan man anderst nicht/ als mit dem [aq]Cicero[/aq] in dem 1. Buch seiner Tusculanischen Fragen eine Göttlichkeit deß Menschlichen Verstandes hierauß schliessen.[4]
Opitz, Martin
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[5]Die erfindung der dinge ist nichts anders als eine sinnreiche faßung aller sachen die wir uns einbilden können/ der Himlischen und jrrdischen/ die Leben haben und nicht haben/ welche ein Poete jhm zue beschreiben und herfür zue bringen vornimpt:[6]Nachmals haben die heiden jhre Götter angerufen/ das sie jhnen zue vollbringung des werckes beystehen wollen: denen wir Christen nicht allein folgen/ sondern auch an frömigkeit billich sollen uberlegen sein.[7]Hymni oder Lobgesänge waren vorzeiten/ die sie jhren Göttern vor dem altare zue singen pflagen/ und wir unserem GOtt singen sollen. Dergleichen ist der lobgesang den Heinsius unserem erlöser/ und der den ich auff die Christnacht geschrieben habe.[8][zu den Sylven, J.T.: sie begreiffen auch allerley geistliche unnd weltliche getichte][9]Dann Juuenalis setzet inn einem orte [griech., eben dieselben auß zue lachen/ die sich in jhren buhlereyen mit griechischen wörtern behelffen: in dem andern orte aber thut er es darumb/ das er die schändliche sünde/ daran Christen auch nicht gedencken sollen/ lateinisch auß zuesprechen abschew treget][10]Dann solches stehet eben so ubel als die reimen der lateini-[Sschen verse; deren exempel zwar bey den gutten Autoren wenig zue finden/ der Mönche bücher aber vor etzlich hundert Jahren alle voll sindt gewesen.][11]
Weise, Christian
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[12][aq]Nec poenitere methodi me potuit, cujus quidem ea constar veritas, ut nihil in carminibus Gentilium, nihil in canticis Psalmorum sacris, nihil in casibus nunc obviis reperiatur, quod facilem dispondendi vel imitandi rationem non admittat[/aq].[13][aq]VIII[/aq]. Vor Alters brauchte man lauter kurtze und einsylbichte Reime/ welches man in vielen Kirchen-Liedern noch zu ersehen hat. Und man kan es auch zu unserer Zeit gar wol inacht nehmen. ¶ Ich gebe diß Exempel: Auff den Todes-Fall eines geliebten Kindes/ welches bey dem letzten Abschiede den vornehmen Eltern noch die Hand gereichet hatte: [S ¶ Ihr Eltern/ weint ihr noch? Denckt an den Sterbens-Tag/][14]Und also muß ich mich wundern/ warum etliche die Kirchen-Lieder aus dem vorigen [aq]Seculo[/aq], Z. E. Nun freut euch lieben Christen gemein: Da die erste Zeile nicht gereimet wird/ durch den dritten Reim gleichsam verbessern wollen.[15][aq]XXXV[/aq]. Was in den gemeinen Kirchen-Liedern vor Madrigalische Oden sind/ da sonderlich der Herr Lutherus und andere/ welche ihm gefolget sind/ dessentwegen freye Zeilen gelassen haben/ daß sie mit ihren Centner-Worten/ desto besser haben können zurechte kommen/ das ist eine Sache/ die wenig von unsern neuen Leuten verstehen wollen/ und die sich wol der Mühe verlohnt/ daß unten absonderlich und ausführlich davon gehandelt wird.[16][aq]XXXVII[/aq]. An sich selber/ ist es in der Music nichts unangenehmes/ wenn gleich ein Text [aq]in prosa[/aq] gesungen wird. Wir haben auch Kirchen-Lieder/ als: Gieb unsern Fürsten und aller Obrigkeit/ etc. Meine Seele erhebet den HErren/ etc. GOtt sey uns gnädig und barmhertzig/ u. d. gl. welche von den Leuten mit eben so guter Anmuth gesungen werden/ als wenn sich alle Zeilen noch so lieblich reimten/ und ich muß bekennen/ das alte Grabelied: Ich war ein kleines Kindelein/ hat etwas [aq]charmantes[/aq] in sich/ ob gleich die letzte [aq]Strophe[/aq] wegen der Reime schlecht bestellet ist. ¶ GOtt gsegn' euch/ Vatr und Mutter/[17]Und wie bey den Jesuitischen [aq]Operen[/aq] solche Dinge mehrentheils [aq]per Protasin[/aq] und [aq]Apodosin tractiret[/aq] werden; Also geschach allemahl in der [aq]Apodosi[/aq] die [aq]Application[/aq] auff die schwere Mühwaltung der Obrigkeit.[18]Denn es ist doch nunmehr zu langsam/ wenn etliche einfältige Deutschen sich über die Sprache erzürnen wollen/ daß sie lieber den schwartzen Mann in der sechsten Bitte im Catechismo/ als ein Frantzösisches Wörtgen in Brieffen oder Versen ansehen.[19][aq]XXXVII[/aq]. Und dannenhero/ ob wol die [aq]trochaeischen[/aq] in Geistl. Liedern zu finden seyn/ wenn sich gleichsam ein verliebter [aq]raptus[/aq] mercken läst/ als in den Liedern: JESU meine Freude etc. Freu dich sehr/ O meine Seele/ etc. Dennoch gibt es die Erfahrung daß die jambischen einen bessern Nachdruck haben/ und öffters gebraucht werden. Ge-[Sstalt ich von dieser Gattung etliche wenig Exempel weisen kan. ¶ Als [aq]1683[/aq]. der Entsatz vor Wien glücklich erfolgte; hatte ich in unserm [aq]Gymnasio[/aq] bey einem [aq]Actu[/aq] wenig Tage vorher diese [aq]Arie[/aq] singen lassen: ¶ GOtt/ wende dich von deinem Grimme/][20][aq]X[/aq]. In Kirchen-Musicken giebt es viel Aenderungen/ wenn dergleichen Verse zu gewisser Zeit angebracht werden. Ich will doch etwas setzen/ daß ich unsern Hrn. Kriegern zugefallen/ bey der Raths-Wahl/ nach der Music eingerichtet habe. ¶ [aq]An. M DC LXXXIV[/aq]. ¶ WOl dir du hast es gut![21][aq]An. M DC LXXXV[/aq]. ¶ IHr Väter freuet euch/ die Wohlfahrt bleibt bestehn/[22][aq]An. M DC LXXXVI[/aq]. ¶ DEr HErr ist groß/ Er ist erhöht/[23][aq]An. M DC LXXXVIII[/aq]. ¶ PReise Jerusalem den HErrn/ lobe Zion deinen GOtt. ¶ Liebstes Zittau tritt herfür/[24][aq]XVIII[/aq]. Der innerliche Nutzen/ da die Verse vor sich selbst etwas verrichten können/ ist dreyerley. [... 2. Man lernet seine und andere [aq]affecten[/aq] vergnügen/ daß sie einer gewissen [aq]meditation[/aq] desto lieber nachhängen/ man mag es nun mit geistlichen Liedern/ mit Tugend-Liedern/ auch wol mit verliebten [aq]arien[/aq] versuchen.][25][aq]III[/aq]. Als auch Deutschland hin und wieder mit Klöstern und [aq]consequenter[/aq] mit guten Schulen besetzt war/ so muste doch der Lateinischen Kirche zu Ehren lauter Latein/ mit der Jugend [aq]tractirt[/aq] werden/ [S und was die Mutter-Sprache belangete/ so blieb sie einmahl wie das andere bey ihrer Einfalt/ und gleich wie es die Griechen und Lateiner viel Mühe gekostet hatte ihre Mutter-Sprache bey den [aq]Grammaticis, Oratoribus & Poëtis[/aq] zu [aq]excoliren[/aq]; so kunte man leicht gedencken/ daß den Deutschen ihre Zierligkeit nicht von sich selbst kommen oder von dem Himmel fallen würde.][26][aq]VI[/aq]. Doch so schlecht als sich die Sorge von vielen [aq]seculis[/aq] angelassen/ so ein guter Wechsel entstund auch mit der Deutschen Sprache zu Anfang des vorigen seculi, welchen wir der wunderbaren [aq]providenz[/aq] Gottes zuschreiben müssen. Denn gleich wie GOtt/ als er dort eine Stiffts-Hütten vonnöthen hatte/ den [aq]Bezaleel[/aq] mit einer geschickten Hand begabete/ daß er in Sti-[Scken/ Schnitzen/ Goldarbeiten/ Steinschneiden und andern/ dergleichen Dinge [aq]praesti[/aq]rte/ die er von andern weder gesehen noch gelernet hatte; so war es auch dazumahl beschaffen/ als Gott das wichtige [aq]reformations[/aq]-Werck wolte vor sich gehen lassen/ da bekam der Herr Lutherus so eine unvergleichliche und wunderschöne Manier deutsch zuschreiben/ daß er bey seiner guten Sache zugleich mit dem ungemeinen [aq]stylo[/aq] durchdringen konte. ¶ [aq]VII[/aq]. Nun kamen allerhand gute [aq]studia[/aq] mit der Religion empor/ und da man der Jugend die besten [aq]Autores[/aq] wiederum in die Hände kommen ließ/ so kunte es nicht fehlen/ es muste auch etwas darvon den deutschen Versen eingepflantzet werden; ja der Herr Lutherus war ein guter [aq]Musicus[/aq] darbey/ hatte auch [aq]correspondenz[/aq] mit den vornehmsten [aq]Musicis[/aq], und dannenhero ward er in seinen Versen durch drey sonderbahre Stücke treflich [aq]secundi[/aq]rt. Vor eins hatte er die [aq]Reali[/aq]tät/ das ist/ er verstund die Sache wol/ und ließ sichs einen Ernst seyn die Worte mit einem tapffren Nachdruck hinzuschreiben. Darnach hat-[S]te er die Reinigkeit und die geschickte [aq]construction[/aq] der Sprache. Endlich den Verstand von der [aq]Scansion[/aq] und der Liebligkeit/ das ist/ die [aq]conformi[/aq]tät der Worte mit dem Gesange. ¶ [aq]VIII[/aq]. Ich weiß wol/ des Herrn Lutheri Verse sind dreyerley: Etliche hat er gezwungen gemacht/ wenn er ein Lateinisch Lied hat [aq]verti[/aq]ren wollen; etliche hat er geschwinde hingemacht/ wenn er guten Freunden zugefallen etwas geschrieben/ dazu er keinen sonderlichen Fleiß gebraucht/ und also zu reden/ die damahlige Mode der Meister-Sänger mit gehalten hat: an etlichen aber hat er seine Kunst und seine Andacht gewiesen/ hat auch vermuthlich etwas [aq]praesti[/aq]ret/ darinne er noch von keinem [aq]poëten[/aq] ist übertroffen worden. ¶ [aq]1[/aq]. Wenn dieser theure Mann kein Lied gemacht hätte/ als: Nun freuet euch/ lieben Christen gemein/ oder: Eine feste Burg ist unser GOtt etc. so würde er dieß Lob verdienen; denn wie hat jedwedere Zeile ihren eigenen Verstand? Wie deutlich und ungezwungen läufft der [aq]Sensus[/aq]? und war vor ein unvergleichlicher Macht-Spruch steckt allzeit in der letzten Zeile/ welche deswegen an keinen Reim gebunden ist/ damit der [aq]emphati[/aq]schen Rede nichts abgebrochen wird. [S] ¶ [aq]2[/aq]. Ist etwas [aq]curieuses[/aq] in diesen Liedern/ so ist es die freye Madrigalische Art mit der letzten Zeile: Denn ob gleich die Brüder in Böhmen ihre Lieder meistens so eingerichtet haben/ daß die letzte Zeile mit den obigen den dritten Reim macht; ob auch wohl die meisten/ zu unserer Zeit etwas kluges in dem Reime gesucht haben. Z. E. Herr Rist: ¶ GOtt sey gelobet/ der allein ¶ [...] ¶ So hab ich doch aus besserem Nachdencken gefunden/ daß man sich durch den gezwungenen Reim viel Krafft und Nachdruck muß entgehen lassen. ¶ [aq]3[/aq]. Ja/ wenn der Herr Lutherus nach Erfoderung der Sache/ wenn er einen eyfrigen [aq]raptum[/aq] hatte/ was hohes und [aq]oratori[/aq]sches mit einmischen wolte/ so gieng es ihm nicht unglücklich von statten. Man sehe nur das Lied an/ welches er [aq]1522[/aq]. auf die zwey Studenten gemacht/ die zu Brüssel wegen der Religion verbrant wurden. Die zehende [aq]Strophe[/aq] ist diese: ¶ Die Asche will nicht lassen ab/ ¶ [...][S][...] ¶ Und mit dieser ward beschlossen: ¶ Die laß man liegen immerhin/ ¶ [...] ¶ [aq]IX[/aq]. Nachdem nun die Schrifften und die Lieder allenthalben ausgebreitet und gelesen wurden/ so liessen sich viel [aq]ingenia[/aq] darzu auffmuntern/ daß sie vornehmlich in geistlichen Liedern/ die wir noch in der Kirche behalten haben/ was sonderliches thaten. ¶ [aq]1[/aq]. Was [aq]D[/aq]. Justus Jonas vor einen Geist gehabt/ und wie schön er die freye Zeile hat anbringen können/ solches sieht man aus dem Liede: Wo GOtt der HErr nicht bey uns hält. [S] ¶ [aq]2[/aq]. Es hat sich auch der Herr Lutherus trefflich gefreuet/ wenn sich etliche geistreiche Männer des Werckes wol angenommen haben. Z. E. Es hatte der bekandte [aq]Paulus Speratus[/aq] in Preussen das Lied gemacht: Es ist das Heil uns kommen her. Solches bringt ein Bettler mit nach Wittenberg/ und singet es gleich gegen über/ wo der Herr Lutherus sein [aq]Logement[/aq] hat. Der rufft den Bettler und läst sichs auch singen/ und erfreut sich von Hertzen drüber/ daß GOtt sein Evangelium auch durch solche wolgesetzte Lieder ausbreiten wolte. ¶ [aq]3[/aq]. Wiewol unter allen/ welche sich in diesem Stücke wol hervor gethan haben/ hat meines Bedünckens niemand so eine liebliche und richtige Manier zuführen gewust/ als [aq]Bartholomaeus[/aq] Ringewald Pfarrherr zu Langenfeld in der Marck unter dem Amte Sonnenburg gelegen/ davon man nur die zwey Lieder zur Probe nehmen kan: Es ist gewißlich an der Zeit/ und: HErr JEsu Christ du höchstes Gut. Wenn man auch seine zwey Bücher die lautere Warheit und den treuen Eckhart ansiehet: so merckt man wol/ daß sich der stylus allemahl durch etwas ungezwungenes [aq]recommendirt[/aq]. Z. E. Wenn er eine böse Magd beschreibt: ¶ Darzu zerbricht auch dieser Rüssel ¶ [...][S] ¶ [aq]X[/aq]. Im Jochims Thal hat der Pfarrher Johannes [aq]Matthesius[/aq] und der [aq]Cantor[/aq] Nicol Herman was sonderliches gethan: denn mehrentheils hat Herr [aq]Matthesius[/aq] die realia und der andere die [aq]formalia[/aq] darzu getragen. Also muß man sich vielmahl über die [aq]sententiö[/aq]se Manier verwundern. Denn der vielfältigen Kirchen-Lieder zugeschweigen/ so sehe man nur die Haus-Regeln an/ da ich nur etwas zum Exempel setze: ¶ [...] ¶ Ferner: ¶ Was du wilst/ das man dir nicht thu/][27][aq]XVI[/aq]. Und bey so gestalten Sachen ist der [aq]Erudition[/aq], wie man dieselbige bey dieser Zeit in Deutschland zu führen pfleget/ sehr viel daran gelegen/ daß man bey der Mode bleibt/ wie sie von Hr. Opitzen eingeführet worden/ und daß wir vergnügt seyn in geistlichen und weltlichen Stande gute Redner/ zuerziehen.[28][aq]XVIII[/aq]. Doch solches wird vielleicht in Deutschland so leicht nicht zu [aq]practici[/aq]ren seyn: denn an denselben Orten wohnen vor eins viel Standes-Personen beysammen/ zum andern sind Geistliche/ die köstliche [aq]praeben[/aq]den haben/ und dergestalt auch im Studiren nach ihren blossen [aq]plaisir[/aq] leben [S können/ da hingegen bey uns die [aq]curieu[/aq]sen Leute hin und wieder zerstreuet sind.][29][aq]IV[/aq]. Aus den [aq]discipli[/aq]nen bekommen wir die [aq]generalia[/aq], wie eine jedwede Sache nach ihrem [aq]fundamente[/aq] beschaffen ist. Drum wer ein Buß-Lied schreiben will/ der muß aus der [aq]Theologie[/aq] wissen/ was der [aq]Articulus de Poenitentia[/aq] vor ein Absehen hat [.... ¶ [aq]V[/aq]. Aus der [aq]Experienz[/aq] bekommen wir allerhand [aq]specialia[/aq]. Z. E. Wenn einer ein Buß-Lied schreibet/ der entweder selbst in Sünden-Angst gestecket/ oder andern betrübten Gewissen in der Schwermuth hat rathen sollen/ dem werden die Einfälle gewiß viel besser von statten gehen/][30][aq]XIV[/aq]. Und ich hab es viel Jahr nacheinander [aq]probi[/aq]ret/ wenn man im [aq]doci[/aq]ren begriffen ist/ und das Seine bey der Ju-[Sgend würcklich thut/ so ist GOttes Gnade viel kräfftiger/ die Einfälle sind auch viel glückseliger/ als wenn man zu Hause noch so fleißig [aq]mediti[/aq]ren will/][31][aq]XVII[/aq]. Doch haben die [aq]Acrosticha[/aq], welche die Zeile mit einem gewissen Buchstaben anfangen/ was sonderliches/ wenn man einen gewissen Nahmen darunter lesen kan. Vornehmlich wenn das [aq]Thema[/aq] von geistlichen Sachen handelt/ so giebt es bey der Person/ welche den Nahmen hier findet/ sonderlich bey den Frauenzimmer eine gute Vergnügung.[32][aq]IV[/aq]. Ein Poët/ welcher den Nahmen in der That führen soll/ ist ein solcher Mann/ der in artigen und annehmlichen Gedichten die Göttliche und Menschliche Weißheit vorstellen kan/ wie etwan der alte [aq]Plato[/aq] die Poëterey [griech., das ist/ alles mit einander/ und den gantzen Begriff der Weißheit zunennen pflegt. Und eben deswegen ist [aq]Homerus[/aq] auch hernach [aq]Virgilius[/aq] in allen Schulen/ so sehr [aq]aestim[/aq]irt und getrieben worden/ nicht/ daß die jungen Leute solten lernen Verse machen/ sondern/ daß sie von den [aq]arcanis[/aq] der Götter/ der Opfer/ und aller Tugenden etwas ausführliches begriffen solten. Und wie etwan bey unsrer waren und von GOtt erleuchteten Religion die Psalmen und Propheten gelesen werden/ nicht daß wir neue Psalmen und Prophezeyungen solten nachmachen/ sondern/ daß wir uns daraus zu unserer Seeligkeit erbauen sollen: so hatten sich die Heyden in ihrer Blindheit auch gewisse [aq]vates[/aq] ausgelesen/ welche bey der Jugend auch nachgehends bey den Leuten/ die man aus Schulen zu nehmen pflegt/ mehr zur [aq]admiration[/aq] als zur [aq]imitation[/aq] dienen solten. [S] ¶ [aq]V[/aq]. Je mehr aber dieselben Gedichte theils [aq]ad theologiam mythicam[/aq], theils [aq]ad prudentiam hieroglyphicam[/aq] geneigt sind; desto weniger haben wir einen Staat darvon zu machen/ nach dem wir die Erkäntniß Gottes und die Lehre der Politischen Klugheit etwas deutlicher und verständlicher in unsren Büchern enthalten wissen. Also ist es kein Wunder/ daß mancher in den alten Poeten weniger findet/ als die Leute vorzeiten darinnen gesucht haben. Wenn auch jemand bey den Christen auff so ein Gedichte gedencken wolte/ so würde doch solches mehr zum Zeitvertrieb angenommen/ als den Schulen/ unter dem Titul eines hochnöthigen Buches/ [aq]recommendiret[/aq] werden.][33][aq]XIII[/aq]. Hingegen sind die [aq]Studiosi poeseos[/aq] und hernach die [aq]Professores[/aq] von welchen die [aq]Studiosi[/aq] lernen sollen/ nur solche Leute/ welche die Verse vor ein manierliches Ne-[Sbenwerck halten/ und die gantze Zierligkeit als ein [aq]Instrumental[/aq]-Wesen ansehen/ damit andern und höhern [aq]studiis[/aq] gedienet wird/ dahero verlangen sie auch an diesem Stücke keinen sonderbaren Vorzug/ so wenig als ein Zimmermann der schönen Art wegen das Meister-Recht verdienet; sondern es werden die jungen Leute bald dahin angehalten/ daß sie lieber den Nahmen eines guten Predigers/ Hoff-Raths/ [aq]Advocatens[/aq]/ Rathherrns/ [aq]Secretarii[/aq] und dergleichen/ als eines guten Poetens verdienen.][34][aq]DEUS autem, quem ordinis, luminis & veritatis auctorem honoramus, fortunam Tibi servet ordinatissimam, lucidissimam, certissimam, h. e. qualem omnes boni studioremque fautores precantur[/aq].[35]Bey so bestalten Sachen/ kan man die Madrigale in geistlichen [aq]Inventio[/aq]nen gebrauchen/ als Z. E. auf ein Söhngen/ welches um Ostern begraben ward. ¶ GOtt Lob/ nun fangen wir die Oster-Wochen an.[36][aq]XXXIX[/aq]. So must ich auch einmahl den gewissen Trost/ welchen Christliche Eltern bey unverhoffter und betrübter Beerdigung eines todtgebohrnen und also ungetaufften Kindes bey sich erwegen sollen/ den [aq]5. Febr. 1688[/aq]. dergestalt besingen lassen. ¶ WIe kan sich unsre Seele grämen?[37]Hat doch zu Anfang dieses [aq]Seculi[/aq] Jacob Vogel ein Bader zu Stössen im Ammte Weissenfels, welcher auf Anordnung eines [aq]Comitis Pala[/aq]-[S[aq]tini[/aq] zum Deutschen Poeten ist gekrönt worden/ dadurch so hochmüthige Gedancken geschöpfet/ daß er den [aq]Prologum[/aq] in einer [aq]comoedie[/aq] so anfangen läst: ¶ Deutschland hat zwar einen [aq]Lutherum[/aq], ¶ [...] ¶ So viel wuste sich der einfältige Mann/ daß er sich rühmen kunte/ wie der Herr Lutherus das [aq]donum propheticum[/aq] oder die Gabe zu lehren in einem unvergleichlichen gradu bekommen hätte/ so wäre ihm auch das donum poëticum oder die Gabe zierliche Verse zumachen/ so kräfftig beygelegt/ daß er niemand seines gleichen/ in gantz Deutschland finden könte.][38][aq]XIIX[/aq]. Ich habe hier die Gewohnheit/ in dem ich alle viertel Jahr/ meine untergebenen zum Heil. Abendmahl führe/ so pfleg ich sie durch eine [aq]meditation[/aq] zu [aq]praepariren[/aq]/ daraus sie hernach ein gewisses Buß-Lied machen müssen/ und weil ich ihnen dergestalt meine [aq]elaboration[/aq] schuldig bin/ so hab ich von vielen Jahren her nichts anders gethan/ als daß ich die alten in ihrer deutlichen [aq]realen simplici[/aq]tät habe [aq]imiti[/aq]ren wollen/ und da bin ich viel Dings gewar worden/ welches manchem in seinem Lorber-Krantze verborgen ist. Ich will nur etliche Exempel setzen: ¶ [aq]XIX[/aq]. Eine Ubersetzung des [aq]46[/aq]. Psalm. ¶ Nach der Melodey: ¶ Nun freut euch lieben Christen gemein. ¶ DEr HErr ist unser Zuversicht/[39]Man sehe nur die [aq]Ode[/aq], welche meines Erachtens eine von den besten ist/ darinn er [Opitz, J.T. auff die [aq]variab[/aq]len [aq]conjunctu[/aq]ren/ die sich im Deutschen Kriege dem Ansehn nach der Religion zum schlechten Vorthel hervorthaten/ recht heroische [aq]meditationes[/aq] suchet. ¶ AUf/ auf/ wer Deutsche Freyheit liebet/][40]Es wird dem geneigten Leser nicht unangenehm seyn/ wenn ich etliche kurtze Proben anführe/ damit ich Gottergebenen und Christliebenden Frauenzimmer zuweilen gedie-[Snet habe. [...] ¶ [aq]1[/aq]. ¶ ACh mein JEsu/ laß den Segen/][41][aq]X[/aq]. Als Herr Johann Christian Meyer Vornehmer Herr des Raths/ seine Eheliebste Fr. Annen Rosinen geb. Baderin begraben ließ/ floß die [aq]Allegorie[/aq] von der unergründlichen See der Göttlichen Liebe/ aus dem [aq]Dicto Chrysostomi ad 2. Corinth. I. Homil. I. p. m. 729[/aq]. ¶ [aq]Quemadmodum, si exiguam scintillam in magnum pelagus injicias, eam protinus extinxerit: eodem modo molestia omnis, quamlibet ingens, si in animum bene sibi conscium inciderit, confestim perit & evanescit[/aq]. ¶ EIn Kind ist schon zu viel/ wann solches unsre Thränen/[42][aq]XIII[/aq]. Ein Abschied um Weynachten/ darinn auff die Christ-Bescherung [aq]alludi[/aq]rt wird. ¶ NUn weist die liebe Zeit schon auff das Weihnacht-Fest/[43]
Kindermann, Balthasar
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[44]Und hab ich mich offters zum höchsten verwundern müssen/ daß auch an den allerheiligsten Oertern/ da man dem unsterblichem GOtt die Farren der Lippen/ in Geist und in der Wahrheit/ hätte opffern sollen/ der berühmtesten Scribenten nicht ist geschonet worden. ¶ Ob ich nu zwar mich/ unter denen/ welche ihr von Gott geliehenes und anvertrautes Talent der studierenden Jugend zum besten anwenden/ für den allergeringsten erkennen und nennen muß;[45]Nun könte ich vieleicht der einfältigen Leute/ mit besserem Rechte lachen/ demnach ich befinde/ daß sie entweder eines gar geringen und blöden Verstandes sind/ oder ja ihrer guten und gesunden Vernunfft sich nicht recht zu-[Sbedienen wissen: Allein ich habe billich ein hertzliches Mitleiden mit ihrer Schwachheit/ und wünsche von grund meiner Seelen/ daß sie GOtt erleuchten/ und zu besseren Gedancken bringen wolle][46]Das [aq]IV[/aq] Kapit. ¶ Darinnen erwiesen wird/ daß Deutschland eine Mutter und Seugamme sey der Göttlichen Poesie/ und wie dasselbige sich bereit für so viel hundert Jahren/ mit dieser herrlichen Wissenschafft/ durch ihre Barden oder Druiden/ so trefflich herfür gethan habe/ wobey dann auch zugleich von den Meister-Sängern etwas gedacht wird. ¶ [aq]§ 1[/aq]. So wenig das gelobte Land seines Davids/ Salomons/ Assaphs/ Calchals/ Dardans/ und Ethans;[47]Denn es ist bekant/ daß sie/ ehe sie weder lesen noch schreiben können/ schon gereimet/ und ihre Gesetze/ Rechte und Religion in kurtze Verse und Gesänge gefasset/ welche/ damit sie in frischem Gedächtnis blieben/ auf Gastereyen und anderen löbl. Zusammenkunfften sind gesungen worden.[48][aq]§. 6[/aq]. Und solches geschah durch ihre Priester/ die sie Barden oder Druiden hiessen/ oder Gesang-Meister. Herr Hanneman/ in den Anmerckungen/ in die deutsche Opitzianische Prosodie/ hat dieser Barden Urkunft und Wesen/ aus des grundgelehrten [aq]M. Cyriacs[/aq] Spangenbergers seinem Buche/ von den Meister-Sängern/ vollkömmlich zusammen gezogen/ darinnen dann gedacht wird/ daß um die zeit/ als Abraham gestorben/ bey den Celten Deutschen des Orts/ da itzo Franckreich ist/ der erste Bardus die KunstLieder in gewisse Reime/ Verse und unterschiedene Thöne zufassen/ erfunden habe/ nach welchem Bardo man hernach alle SangMeister die Barden/ das ist/ die werthen [aq]dignos, venerandos, reverendos[/aq], die Würdigen und Herbarden oder Ehrwürdige [aq]honorandos[/aq] genannt.[49][aq]§. 12[/aq]. Daß nun diese alle/ eine von dergleichen grundmässigen Richtigkeit/ in der Poeterey/ solten gehabt haben/ als wol wir/ Gott lob/ itzt haben/ ist weit gefehlet. Denn sie beobachteten allein die Anzahl der Sylben und Reimen; Daß aber eine Sylben lang-die ander kurtzlautend sey/ das galt ihnen gleich viel. Dennoch/ ob schon ihre Gedichte schlecht waren/ und der Gesang dem Choral/ oder der Ebreer Music nicht ungleich zuhören/ so hatten sie doch feine Regeln/ und ihre Wissenschafft in solcher Verfassung/ daß sie ungezweifelt sagen konten/ was gut oder böse sey.[50]Denn die [aq]Critici[/aq] meinen/ [S daß [aq]Astoreth[/aq] oder [aq]Astaroth[/aq], bey den Syren/ herkomme von dem Hebräischen [hebr.], [aq]divitem esse[/aq]; oder von [hebr.] [aq]gregibus pecudum[/aq], darinnen vorzeiten das höchste Reichthum bestand.][51][aq]§. 46[/aq]. Hieher können auch gezogen werden alle Tugenden/ welche/ als Göttinnen/ von dem Poeten/ auf mancherley weise/ beschrieben/ und eingeführet werden. Ingleichen die Engel/ Außerwehlten/ Sternen/ Winde/ und andere Creaturen.[52][aq]§. 3[/aq]. Die LustFabel nennet oben gedachter Herr Hübner/ ein solches Gedicht/ welches zwar auch ziemlich weitläuftig/ und mit einführung allerhand irrdischer und himlischer Personen/ kan gesetzet werden/ darf aber/ an Pracht und Majestät der Rede/ der vorigen Fabel nicht gleiche gehen/ zumahlen es nur auff gemeine und geringere Leute gerichtet/ auch nur einig dahin ziehlet/ daß es den Leser mit vorstellung seltzamer Dinge/ und poßirlichen Schertzreden belustigen möge.[53][aq]§. 14[/aq]. Endlich so giebet uns auch nicht eine geringe Erfindung an die Hand/ die Anführung der alten Geschichten/ so sich von Anfang der Welt biß auf diese Zeit begeben/ in gleichen alle Sitten/ Gesetze und Gebräuche der Welt/ wie nicht minder die Eigenschafften aller Geschöpffe Gottes u.s.f.[54][aq]§. 2[/aq]. Die [aq]I[/aq]. Ahrt ist ein Heroisch oder Helden-Gedicht/ welches gemeiniglich sehr weitläufftig/ und von hohen Wesen/ als von vortrefflichen Heldenthaten/ langwierigen Kriegen/ auch wol von natürlichen/ Himmlischen/ Politischen/ und andern Sachen/ so zu einen Tugendhafften Leben gehören/ zu reden pfleget. Es wird aber in denselben stracks der Inhalt gesetzt/ [aq](A)[/aq] hernachmals Gott um Beystand angeruffen/ [S [aq](B)[/aq] und drittens die Zuschreibung und Ursache/ warum man eben dieses Werck vor sich genommen/ angefüget. [aq](C)[/aq] ¶ [aq]§. 3[/aq]. Ein Exempel dessen stehet in Herrn Opitzen [aq]Vesuvio[/aq]: ¶ [aq]A[/aq]. Natur/ von derer Kraft/ Lufft/ Welt und Himmel sind/ ¶ [...] [S] [...] ¶ [aq]§. 4[/aq]. Und in seinem Vielguet an Hn. Heinrich Wentzeln/ Hertzogen zu Münsterberg u.s.f. hat er sich eben dergleichen Ahrt gebrauchet: ¶ [aq]A[/aq]. In dessen daß mein Sinn der Welt gemeines Ziel][55][aq]§. 1[/aq]. Das [aq]IX[/aq]. Gedichte/ sind die Hymni oder Lobgesänge/ darin zwar vornehmlich Gott/ iedoch zuweilen auch andere Sachen/ als die Engel/ die Sternen/ Gerechtigkeit/ Ehestand/ das Gold/ der Wein/ das Bier/ die Druckerey/ u. d. gl. gelobet werden:[56][aq]§. 6[/aq]. Oder wir ermuntern ¶ Anfänglich den Himmel und desselben Bürger/ daß sie das junge Kund in ihre Gemeinschafft annehmen/ [aq](a)[/aq] ihm die Bahn zur heil. Taufe bereiten [aq](b)[/aq] und den Weh weisen sollen. [aq]A[/aq]. ¶ Danach reden wir das neugebohrne Kind selbst an/ und preisen seinen seligen Zustand/ bey der Wiedergeburt. [aq]B[/aq]. [S ¶ Drittens weissagen wir demselben alles guts/ und sagen/ wie es seinen Eltern (die wir dan nach ihrem Verdienst heraus streichen können/ [aq](c)[/aq] an Tugend/ Frömmigkeit und Zucht/ nachschlachten werde. [aq]C[/aq]. ¶ Endlich ermahnen wir die Eltern zur Freude/ und beschliessen mit einem kurtzen Wunsch [aq](d)[/aq] daß sie GOtt/ mit dergleichen Frucht noch weiter segnen und ergetzen. [aq]D[/aq]. ¶ [aq]§. 7[/aq]. Als Herr Heinrich Adam von der Osten/ S. Churf. Durchl. zu Brandenb. über dero Armee hochbestalter General Quartier-Meister/ uf Karstorf/ am 2. Julius/ des [aq]1660[/aq]sten HeilJahrs/ in Brandenburg sein erstes Söhnchen tauffen ließ/ haben wir folgendes gedichtet/ und überschicket: ¶ [aq]A[/aq]. Der Himmel freue sich/ und seine Bürgerschafft.][57][aq]§. 8[/aq]. Wir rühmen auch: ¶ Erstlich des HErren Segen/ womit er Land und Leute reichlich fruchtbar machet. [aq]A[/aq]. ¶ Darnach ziehen wir solches auff das Land/ darinnen wir sind und schreiben/ und sagen/ wie GOtt sonderlich dasselbe habe reich gemacht an Kindern/ in allen Ständen. [aq]B[/aq]. ¶ Drittens bestätigen wir dieses fürnemlich mit dem Exempel gegenwärtiger Eltern/ welche der Himmel abermahl/ mit einer gesunden Leibesfrucht erfreuet. [aq]C[/aq].[58][aq]§. 10[/aq]. Wir können auch also bald ¶ [... ¶ Drittens den Eltern hierzu Gottes Segen wünschen. [aq]C[/aq]. ¶ [aq]§. 11[/aq]. Nur gedachter Poet/ Herr Sieber/ hat an Herrn Siegmund Gottfried Peißkern/ [aq]S. S. Theol. D[/aq]. und wolverdeinten [aq]Superintendenten[/aq] zu Bischoffswerda/ als seine geliebte Hauß-Ehre eines Söhnchens genesen war/ nachgesetztes geschrieben: ¶ [aq]A[/aq] Ich freue mich mit dir/ du hochgelehrter Lehrer/][59][aq]§. 3[/aq]. Dafern wir auf den Nahmnens Tag einer hohen Standes-Person etwas wolten aufsetzen/ solte es sich nicht übel schicken/ daß wir ¶ [... ¶ Drittens auch um ihre fernere Gunst uns bewerben und GOTT anruffen/ daß Er dieselbe mit seinen Himmlischen Segen erfreuen wolle. [aq]C[/aq]. ¶ Und Endlich/ so wir mercken/ daß dieselbe Person nach was sonderliches Verlangen hat/ daß wir den Höchsten GOtt bitten/ Er wolle ihrer Bitte statt und Gehöre geben. [aq]D[/aq]. ¶ [aq]§. 4[/aq]. Ein Exempel hierauf/ finden wir beym Herrn Tscherning/ auf einer hohen Standes-Person NahmensTag/ welcher einfiel den vier- und zwantzigsten Christmonats: ¶ [aq]A O[/aq] Morgenstern des Landes/][60][aq]§. 40[/aq]. Es kömmt auch wol/ das eben diese Person/ welcher wir zu ehren was schreiben wollen/ um dieselbe Zeit einiges Bekümmernis im Hertzen hat/ und sehr betrübt ist. Derowegen müssen wir unser [aq]Pöema[/aq] darnach anstellen/ und sagen/ ¶ Erstlich/ wie doch GOTT gemeiniglich gute und böse Zeit zusammen füge/ doch aber auch auf den Regen uns die Sonne wieder scheinen lasse. [aq]A[/aq]. ¶ Darnach machen wir die [aq]Application[/aq], und trösten die Person in ihrem betrübten Zustande/ mit der Allmächtigen Hülffe GOttes/ nach welcher Er/ in einem Augenblicke/ all unser Anliegen wenden kan; Ingleichen mit ihren wolgerathenen Kindern/ so sie derselben welche hat/ [aq]B[/aq]. ¶ [...[S] ¶ [aq]§. 41[/aq]. Ein Exempel stellet uns Herr Sieber für/ in seiner Poetis. Jug. da Er an eine Adeliche Frau/ wie an derselben Nahmens Tage Ihr liebstes Söhnchen kranck lag/ also schreibet: ¶ [aq]A[/aq] TugendBild/ Ihr Tag erscheint/][61][aq]§. 42[/aq]. Es pflegen auch wol die Kinder ihre Eltern anzubinden/ und mit einigem Gedichte zubeehren/ darinnen sie sich [... ¶ Zum Dritten einen Christlichen Wunsch dazu thun. ¶ [aq]§. 43[/aq]. Ein Exempel stehet beym Herrn Sieber: ¶ [aq]A[/aq]. Es ist mein Federkiel zwar noch nicht da gewesen/][62][aq]§. 56[/aq]. Wir mahnen sie auch an/ daß sie ¶ Erstlich GOtt sollen dancken um das böse/ welches er diesen Tag von ihnen wendet/ und daß er sie und uns diesen Tag in guter Gesundheit erstreben lässt; [aq]A[/aq]. ¶ Darnach ermahnen wir sie zur Fröligkeit/ weil sichs gar wol reimet/ Gott dancken/ und sich frölich bey seinen Freunden bezeigen. [aq]B[/aq]. ¶ [aq]§. 57[/aq]. Herr Flemming hat/ nach dieser Art/ an Herrn Hartmann Grahmannen folgender gestalt geschrieben: ¶ [aq]A[/aq]. Danck erstlich deinem Gott mit zwiefach frohem Muthe/[63][aq]§. 1[/aq]. Nach den Geburts und Nahmens Gedichten/ setzen wir nun auch die Hochzeit Gedichte/ oder Braut-Lieder/ welche Braut und Bräutigam zu ehren auf ihr Hochzeit Fest geschrieben werden. Und machen wir billich den Anfang von den Vornehmen und Standes Personen/ bey dero Beylager wir ¶ [... ¶ Drittens Gott für solches Werck dancken/ [aq]C[/aq]. ¶ [...] ¶ [aq]§. 2[/aq]. Ein Exempel hierauf finden wir beym Hn. Opitz/ auf S. Fürstl. Durchl. Friederichens/ Hertzogen zu Holstein/ und Fräulein Marien Elisabethen/ aus dem Churfürstl. Hause Sachsen/ Beylager/ im 2. B. der Poet. Wälder. ¶ [aq]A[/aq]. Sonne/ derer schönes Licht][64][aq]§. 19[/aq]. Man nimmt auch die Erfindung von der Natur/ und schreibet [... ¶ Darnach kommen wir auf unser Land/ [aq](a)[/aq] und folgends auf unsere Stadt [aq](b)[/aq] und rühmen alle die Vortheil/ welche Gott derselben vor Andern gegönnnet/ entweder den Fischfang/ Felder/ Wälder/ u. d. g. oder gelehrte Leute/ [aq](c)[/aq] oder schönes Weibesvolck [aq](d)[/aq] u. d. g.][65][aq]§. 35[/aq] Schreiben wir an eine Wittwe/ so wundern wir uns/ ¶ [... ¶ Drittens loben wir/ an unser Braut/ etliche Tugenden einer rechtschaffenen Wittwen/ in derer Ansehen GOtt ihr wiederumb zum Manne geholffen. [aq]C[/aq] ¶ [...] ¶ [aq]§. 36[/aq]. Ein Exemprl finden wir/ beym Opitz auff Herrn Valentin Sanfftleben/ und Frauen Elisabethen Queisserin Hochzeit Tag. [S] ¶ [aq]A[/aq] So sind dan dieses nun die eysernen Gedancken/][66][aq]§. 1[/aq]. Demnach wir in diesem Kapitel von den Liedern/ so den Verstorbenen zu ehren geschrieben werden/ handeln/ wenden wir erstlich Unsern Fleiß auf hohe Standes-Personen/ und führen bey derselben Hintrit ¶ [... ¶ Vierdtens/ sagen wir/ daß GOtt die Seele des Verstorbenen zu denen Helden versetzet/ welche durch einen seligen Todt dieser Welt vorlängst gute Nacht gegeben/ und erzehlen hierauf [S] etliche derselben/ und wie sie sämtlich vor des Verstorbenen Ankunfft auffgestanden und sich gebücket. [aq]D[/aq]. ¶ Zum Fünfften/ gedencken wir auch/ daß die Seele des Verstorbenen nun im Himmel wohne/ und auf das Thun der Sterblichen herab sehe/ und wie sie wünsche/ daß GOtt seinem Nachfolger in der Regierung das Leben wolle gönnen/ welches Er Ihme zu früh entnommen. [aq]E[/aq]. ¶ [...] ¶ [aq]§. 2[/aq]. Ein Exempel hierauf setzet Herr Opitz im [aq]3[/aq]. Buch seiner Poetisch. Wäld./ über den Abschied ihrer Hochfürstl. Durchl. Ertzhertzogen Carlens von Oesterreich/ welches Er Ihrer Kays. Majestät dazumahl übergeben: ¶ [aq]A[/aq]. Allhier in diese Grufft liegt Carolus gesencket/][67]Zum Siebenden thun wir einen Wunsch für die hinterlassene Wittwe/ daß sie GOtt wolle trösten u. s. f. Ingleichen für die nachgelassene Erben/ dafern welche verhanden. [aq]G[/aq].[68]Vierdtens halten wir seine Glückseligkeit im Himmel/ und unsere Unglückseligkeit auf Erden gegen einander/ und beklagen unsern Zustand/ den seinigen aber rühmen wir. [aq]D[/aq]. ¶ [... ¶ [aq]§. 10[/aq]. Ein Exempel hierauf schreibet Herr Tscherning auf Herrn D. Caspar Cunrads/ berühmten Medici und Poeten Absterben: ¶ [aq]A[/aq]. Wie eine Taube kirret/][69][aq]§. 11[/aq]. Sollen wir an einen Wittwer/ der ein guter Poet ist/ schreiben/ so mahnen wir [S [...] ¶ Zum vierdten trösten wir den Wittwer/ mit dem Willen GOttes. [aq]D[/aq]. ¶ [...] ¶ Zum Beschluß der Seligen auch eine Grabschrifft: [aq]I[/aq]. ¶ [aq]§. 12[/aq]. Ein Exempel hierauff hat der niedliche Dreßnische Poet/ Herr David Schir-[S]mer/ auff das selige Absterben Frauen Annen Margarethen/ gebohrner Voigtin/ Ihrer Churf. und Chur-Printzlicher Durchl. zu Sachsen vornehmen Hoff-Bedienten/ Herrn Christian Brehmen hertzgeliebten Eheweibes/ auffgesetzet: ¶ [aq]A[/aq]. So stimme nun die Goldne Leyer an/][70][aq]§. 17[/aq]. Wan Kinder sterben/ schreiben wir an die Eltern folgender gestalt/ daß wir ¶ [... ¶ Drittens trösten wir sie/ daß ob sie wol zeitlich gestorben/ doch desto eher in Himmel kommen sind. [aq]C[/aq]. ¶ Und endlich auch mit der Hoffnung/ daß GOtt ihnen noch mehr dergleichen Kinder bescheren werde. [aq]D[/aq]. ¶ [aq]§. 18[/aq]. Auf Herrn Johann Mochingers/ geliebten Söhnleins Ehrenfriedes Begräbnis/ hat Herr Tscherning nachgesetzten Pindarischen Gesang geschrieben: ¶ [aq]I[/aq]. Satz. ¶ [aq]A[/aq]. Wer ihm Hoffnung macht auf Erden][71][aq]§. 20[/aq]. Auf Begräbnisse der Jungfrauen können wir [sagen, J.T. ¶ [...] ¶ Zum Andern/ daß sie nicht gestorben/ sondern ihre Seele bey GOtt lebe. [aq]B[/aq]. [...] ¶ [aq]§. 21[/aq]. Ein Exempel stehet beym Herrn Opitz auf Jungf. Susannen/ gebohrner Eichhäuserin seligen Hintrit. ¶ [aq]A[/aq]. So viel hier Menschen sterben/][72][aq]§. 25[/aq]. Wan wir auf den Abschied einer Braut was schreiben/ sagen wir [S ¶ Vornehmlich/ wie GOTT alle unsere Anschläge so bald zu nichte mache/ und ziehn unser eigen Exempel an/ in dem wir uns vorgenommen/ der Seligen ein HochzeitLied zu schreiben/ nun aber dasselbe in einen Leichen-Gesang verwandelt werde. [aq]A[/aq]. ¶ [...] ¶ [aq]§. 26[/aq]. Ein Exempel hat Herr Tscherning: ¶ [aq]A[/aq]. Hilf GOTT/ wie eitel ist/ was krancke Menschen tichten!][73]Auf das Absterben eines Kindes/ das nur jung worden. ¶ [aq]§. 27[/aq]. Uber das Absterben eines Kindes/ das nur jung worden/ schreiben wir [... ¶ Drittens/ daß es GOttes Gabe sey/ welcher macht hat dieselbe nach seinem Gefallen wiederum von uns abzufodern. [aq]C[/aq]. [...] [S] [...] ¶ [aq]§. 28[/aq]. Ein Exempel hat Herr Flemming/ auf Herrn Timothei Poli neugebohrnen Töchterleins/ Christinen/ Ihr Absterben gesetzet: ¶ [aq]A[/aq]. Ists dan wieder schon verlohren?][74][aq]§. 29[/aq]. Auf den Hintrit eines Studenten dichten wir also/ daß wir denselben [... [S] ¶ Drittens/ den Schluß des Höchsten darauff setzen/ welchem nach/ er der Sterbligkeit habe müssen gute Nacht geben. [aq]C[/aq]. Auf welchen dan [...] ¶ Zum fünfften gleichwol einen Trost daraus schöpffen/ in dem wir desto eher zum Himmel kommen. [aq]E[/aq]. [...] ¶ Und endlich ihn selig preisen. [aq]G[/aq]. ¶ [aq]§. 30[/aq]. Herr Flemming/ hat auff Herrn Christoph Schürers/ Studentens Leichbegängnis folgendes gedichtet: ¶ [aq]A[/aq]. Preiß der Jugend/ Lob der Stadt/][75][aq]§. 32[/aq]. Oder wir billichen das weinen der Eltern anfänglich. [aq]A[/aq]. [... ¶ Zum fünfften trösten wir die Betrübten/ [aq](a)[/aq] mit GOttes unerforschlicher Weißheit/ und alle dem [aq](b)[/aq] welchen er der Welt entgangen; Ingleichen [aq](c)[/aq] weil er bey so vielen herrlichen Leuten ruhet/ und in seine solche Schule durch den Tod versetzet worden/ [aq](d)[/aq] in welcher GOtt selbst die außerwehlten unerforschliche Dinge lehret. [aq]E[/aq]. [S] ¶ Und endlich reden wir den Verstorbenen selbst an/ daß er seiner Fröligkeit solle geniessen/ und wir/ nach GOttes Wolgefallen/ zu ihn kommen wollen. [aq]F[/aq]. ¶ [aq]§. 33[/aq]. Ein Exempel ist Herrn Opitzen/ auff Herrn David Rhenisches von Breßlau/ welcher zu Straßburg auf der [aq]Universitet[/aq] gestorben/ sein Grabelied: ¶ [aq]A[/aq] Die Thränen voller Angst/ die Seuffzer mannigfalt/][76][aq]§. 1[/aq]. Bey der Kröhnung eines vornehmen Potentaten/ ermahnet man [... ¶ Drittens ermahnet man die Räthe des Reichs/ die Priester/ Bürger u. s. f. zur Danckbarkeit. [aq]C[/aq]. ¶ [...] ¶ [aq]§. 2[/aq]. Ein Exempel hierauf hat Herr Rist/ seinem deutschen Parnaß einverleibet/ als dem Durchläuchtigsten/ Großmächtigsten Fürsten und Herren/ Herren Friede-[S]rich/ dieses Nahmens dem Dritten zu Dennemarck/ Norwegen/ der Gothen und Wenden Könige/ [...]. In deroselben Haubt- und ResidentsStadt Kopenhagen die Königliche Krohn ward aufgesetzet/ welches geschehen am [aq]23[/aq]. des HerbstMonats/ im [aq]1648[/aq]. Jahre. ¶ [aq]A[/aq]. Laß/ altes Dennemarck/ laß itzt mit tausend Freuden][77]Zum fünfften/ wünschen wir/ daß ihnen beyden Gott wiederum gesund wolle zusammen helffen/ und bitten/ daß sie vor ihre Person/ uns ihre Fürstl. Gegenwart/ auf etliche Zeit/ wolle gönnen. [aq]E[/aq]. ¶ [... ¶ [aq]§. 6[/aq]. Ein Exempel hat Herr Flemming schon im [aq]1631[/aq]. Jahre auff der Durchläuchtigsten Frauen/ Frauen Marien Eleonoren/ der Schweden/ Gothen und Wenden Königin/ Ihr. Maj. Ankunfft in Leipzig verfertiget: ¶ [aq]A[/aq]. Nimphe/ welcher ich zuehren][78]Darnach melden wir die Person/ welcher solche Ehre erwiesen wird/ und sagen/ daß solches seine Tugenden verdienet haben/ mit welchen ihn der Himmel vollkömmlich ausgezieret. [aq]B[/aq]. [...[S][...] ¶ [aq]§. 8[/aq]. Ein Exempel hierauf hat/ der vornehme Poet/ Hr. Christian Hübner/ auf des Erleuchten [...] Herren Magnus Gabriels de la Gardie/ Grafen zu Leckoo und Arnsburg/ [...] der Königl. Maj. und Reiche Schweden Raht und Krieges-Raht/ Generalen über die Schwedischen und Finnischen Völcker in Deutschland/ wie auch General Gouverneur über Liefland/ Einzug in Stettin gedichtet: ¶ [aq]A[/aq]. Wem erregt sich das Gezitter?][79][aq]§. 2[/aq]. Bey Empfahungen fürnehmer Leute können wir wol die Erfindung von der Zeit hernehmen/ und/ da es zur Herbstzeitz geschehe/ reden wir [...[S][...] ¶ Endlich Ihm/ Glück und Segen/ von GOtt dem Höchsten. [aq]E[/aq]. ¶ [aq]§. 3[/aq]. Als der HochEdle/ Veste und Hochgelahrte Herr/ Augustin Strauch/ weitberühmter [aq]ICtus, Comes Palatinus Caesareus[/aq]/ Churfürstl. Durchl. zu Sachsen Hochansehnlicher Geheimbter Raht/ [...] [aq]Senior[/aq], des Churf. Sächs. Hofgerichts/ Schöppenstuls und geistlichen [aq]Consistorii[/aq] daselbst [...]/ nach dem Frankfurtischen Käyserlichen Wahltage/ den [aq]8. Octobr[/aq]. des [aq]1658[/aq]. Jahres/ in Wittenberg/ einkam/ ward derselbige/ von denen daselbst studierenden Dreßdnern/ mittelst einer Nachtmusic/ mit nachgesetzten empfangen: ¶ [aq]A[/aq]. Blase nur du rauher Nord.][80]Darnach unsere Zufriedenheit/ nach dem Willen deß Höchsten/ hierüber außdrücken. [aq]B[/aq].[81][aq]§. 4[/aq]. Oder wir nehmen die Erfindung von der Tugend/ und derselben Belohnung/ und sagen [... ¶ Darnach preisen wir der Ehre ihr Lob/ und schreiben/ wie nicht allein rechtschaffene Gemühter nach derselben streben/ sondern daß auch Gott selbst begierig sey/ von uns geehret zu werden. [aq]B[/aq]. ¶ [...] ¶ Und vierdtens bekräfftigen wir/ daß/ ob schon die Welt zuweilen unsere Arbeit nicht belohnet/ dennoch GOtt und der Keiser die treuen Dienste nicht unbelohnet lassen. [aq]D[/aq]. [...][S][...] ¶ [aq]§. 5[/aq]. Als dem Hoch- und Wolgebohrnen Herrn/ Herrn Gottlieb Grafen und Herrn von Windischgrätz [...] Die Hochansehnliche ReichsHof RahtStelle/ zugleich auch/ unter dem Namen des Kühnen/ die Mitgliedschafft der Hochlöbl. Fruchtbringenden Gesellschafft/ und kurtz hernach die Gräfliche Standshoheit auffgetragen worden/ hat der edle Herr von Bircken nachfolgende Ode abgesungen: ¶ [aq]A[/aq]. Die Tugend muß doch Tugend bleiben][82][aq]§. 3[/aq]. Oder/ wir reden bald ¶ Anfänglich den neuen regierenden Bürger-Meister an/ daß Er das ihme auffgetragene Amt willig annehmen/ und die Gaben/ so ihme GOtt gegeben/ hierbey anlegen wolle. [aq]A[/aq]. ¶ Darnach sagen wir/ wie alles/ so wol im Himmel als auch auff Erden/ an guter Regierung sich ergetze/ und/ ausser GOtt/ derselben nicht entrahten könne. [aq]B[/aq]. ¶ [... ¶ [aq]§. 4[/aq]. Als der selige Herr [aq]AEgidius[/aq] Siegler/ in Wittenberg/ das BürgerMeister-Amt antrat/ wurde ihm nachgesetztes zu ehren verfertiget: [S] ¶ [aq]A[/aq]. Nehmt an/ Geehrter Herr/ die auffgetragne Würde/][83]Fünfftes folget das Glück zu/ welches verbunden ist/ theils [aq](a)[/aq] mit der Schwere des Amts/ theils [aq](b)[/aq] auch mit dem Göttlichen Beystande und Segen. u. s. w. [aq]E[/aq]. ¶ [aq]§. 8[/aq]. Als Herr M. Martin Lehman/ von Guben zum [aq]Archidiaco[/aq]nat/ in sein Vaterland beruffen worden/ hat mehrgerühmter Herr Francke folgendes ausgefertiget: ¶ [aq]A[/aq]. Daß ungesparter Fleiß dennoch den Thron der Ehren[84][aq]§. 9[/aq]. Solte aber iemand von einem Orte zu dem andern/ aus einem Lande in das ander/ oder nur aus einer Stadt in die ander befördert werden/ so sagen wir ¶ Anfänglich/ wie unser Leben recht eine Pilgerfahrt sey/ und wir/ auf des Himmels Geboht/ von einem Ort zu dem andern wallen müssen. [aq]A[/aq]. ¶ Darnach ziehen wir solches auf den Neubeamteten/ und bestetigen GOttes Weise/ mit desselben Exempel. [aq]B[/aq]. ¶ [... ¶ Vierdtens wünschen wir/ wie auch mit noch andern lieben Freunden/ denselben länger/ an unserm Ort/ zubehalten; trösten uns aber hierauf mit der wunderbahren Regierung Gottes. [aq]D[/aq]. ¶ [...][S] ¶ [aq]§. 10[/aq]. Als Herr M. Johann Rotlöben/ dero Königl. Majestät zu Dennemarck/ Norwegen bestalter Hoffprediger/ und der Graffschafft Pinneberg wolverordneter Probst/ von höchstgedachter Ihrer Königl. Majestät/ nach Hadersleben zur Probstey daselbst allergnädigst ward beruffen/ und numehr seine Reise daselbst hin anstellete/ schrieb Unser Ruhmwürdigster Herr Rist/ nachgesetzte Glückwünschung/ so zu finden auf dem [aq]179[/aq]. Blate/ seines Deutschen Parnassus: ¶ [aq]A[/aq]. Nun werdet ihr samt mir/ Hochwehrter Probst/ bekennen/][85]Drittens mahnen wir ihn an/ der Regierung GOTTes zu folgen/ und seine Reise anzugehn. [aq]C[/aq]. ¶ [... ¶ [aq]§. 14[/aq]. Als der Hochwürdige/ Fürtreffliche und Hochgelahrte Herr Sebastian Gottfried Starck/ der Heil. Schrifft berühmter Doctor sich von dem Ertz-Englischen Lüneburgischen Pastorat/ die Freybergische Superintendentur anzutreten/ auf die Reise begab/ schrieb Herr Sieber nachgesetzte Ode: ¶ [aq]A[/aq]. Delia/ die edle Nimphe/][86][aq]§. 23[/aq]. Ins gemein ist hierbey zumercken/ daß man fast allen Erfindungen könne zur Einfassung Kindlein zuordnen/ welche man zu geistlichen Sachen/ mit Federflügeln/ als Engel; in andern Tugendlehren/ mit Mückenflügeln/ als flüchtige Stunden/ zieret. Sollen aber die Kindlein was böses bedeuten/ so machet man sie ungestalt/ und mit Fledermäußflügeln.[87][aq]§. 34[/aq]. Gewißlich ist es zu betrauren/ schreibet der Herr von Harsdorf/ daß die edle Poeterey so verächtlich gehalten wird. Sie ist eine keusche Jungfrau/ wleche alle Unreinigkeit hasset/ und anfangs sonderlich zu dem Gottesdienst gewidmet gewesen/ auch von denen Völckern/ welche sonsten aller andern Wissenschafften und Künste unwissend gewesen. Nun wird sie/ als eine gemeine Metze/ zur Wollust und Uppigkeut gezogen. ¶ [aq]§. 35[/aq]. Doch kan man dieses nicht alsobald von denen sagen/ welche eine oder die andere keusche Liebessachen/ in ihren Schrifften/ mit unter gemenget haben/ weil ihre Liebe in der Warheit nichts anders ist/ als ein eiferiges Gemüht zur Tugend/ Kunst und hohen Wissenschafften/ welches von dem Himmel angereitzet worden.[88]Das [aq]II[/aq]. Kapit. ¶ Darinnen die beyde Fragen erörtert werden/ ob man die heidnischen Poeten/ in Schulen/ gebrauchen/ und der falschen erdichteten Götter-Nahmen/ in unsern Gedichten und Liedern sich bedienen dürffe? [S ¶ [aq]§. 1[/aq]. Wann wir aber die Liebhaber der Göttlichen Poesie zu beharrlicher ausübung ihres geistigen Gehirns/ aufzumuntern gedencken/ so ist dieß nicht unsere Meinung/ als wenn solches allein und fürnehmlich durch Hülffe der Heidnischen Scribenten geschehen müsse. Zu dergleichen wil ich der studierenden Jugend/ welche wir allhier allein gemeinet seyn/ zur himmlischen Poeterey/ nechst Göttlicher Hülffe/ anzuführen/ keines weges rathen. ¶ [aq]§. 2[/aq]. Denn wer ist wol/ unter den Christlichen Theologen und Philosophen/ welcher nicht gestehen müsse/ daß die jenigen Lehrer gar übel thun/ welche die Zarte Jugend/ in ihren Schulen/ auf die Klugheit und Kunst der Heidnischen Scribenten führen/ und mehr noch wol zuweilen/ als auf die heilige Bibel selbst? ¶ [aq]§. 3[/aq]. Sagt mit doch/ lieber! was es sey/ das wir in Schulen lehren und lernen sollen? Ohne allen zweiffel die Tugend und Weißheit/ welcher wir aber nicht so sehr aus den Fabeln der Heiden/ als aus dem von Gott selbst geoffenbahrtem Worte/ können und müssen schöpffen. ¶ [aq]§. 4[/aq]. Wir fragen Euch/ die ihr in Schulen sitzet/ was doch die rechte Weißheit sey? Daß wir/ nemlich/ dich/ O GOtt/ und den du gesand hast/ JEsum CHristum/ recht erkennen/ und in solcher seiner Erkenntniß/ Ihn/ von grund un-[S]srer Seelen/ lieben und ehren. Daß aber dieses hohe Erkänntnis solte aus den Büchern der verdammten Heiden können erlernet werden/ das wird niemand/ im fall Er nur weis/ wie weit sich solches Erkenntnis erstrecke/ leichtlich erweisen. ¶ [aq]§. 5[/aq]. Denn wie solte doch von denen der warhafftige GOtt mögen erkennet werden/ die sich so vieler Götter berühmt/ so manches von ihnen getichtet/ und in beteurung einer oder der andern wichtigen Sache/ ihnen so vielfältige gantz erlogene Nahmen zugeschrieben? Es ist unmüglich/ und nicht wol zugläuben/ daß ein blinder Führer sich und den/ welchen er führet/ vor einer Grube/ ohne gewissen hineinfall/ sicher kan fürüber führen. ¶ [aq]§. 6[aq]. Ich mag für diesesmahl nichts gedencken/ von dem hohen Geheimnis der heiligen DreyEinigkeit/ von welchem die Heiden nicht das geringste verstehen und reden können. Denn Gott hat alle Heiden ihre eigene Wege wandeln/ und sie/ nach dem Er von ihnen gnugsam verachtet/ in ihrem verstockten Sinne wandeln lassen. Nun ist es ja Fleisch und Blut nicht möglich/ daß es dergleichen hohes und unerforschliches Geheimnis einigem Menschen offenbahren solte; sondern der Vater muß es thun/ der im Himmel wohnet. [S] ¶ [aq]§. 7[/aq]. Dahero trauen wir/ weder dem Homerus/ noch dem Hesiodus/ noch dem Pindarus/ und andern heidnischen Poeten/ zu/ daß sie/ von dem einigen und wahren GOTT/ was warhafftiges hätten reden und schreiben sollen. Und sind eben diese Leute auf eine solche Thorheit gerahten/ daß sie auch dasjenige von ihren stummen Götzen getichtet und gegläubet/ welches wir uns/ nur nachzusagen/ schämen müssen. Sie haben sich solche höfliche Götter eingebildet/ welche/ so es Menschen weren/ gewiß in keiner erbahren Stadt würden geduldet werden. Wie dann daher [aq]Palingenius[/aq] im [aq]I[/aq]. Buch/ welches Er den Widder nennet/ geschrieben hat: ¶ [/aq]In coelo est meretrix, in caelo est turpis adulter.[/aq] ¶ [...][S] ¶ [aq]§. 8[/aq]. Und das heisst recht den von Natur verterbten Menschen noch mehr verterben/ und Feuer zum Feuer tragen/ dafern wir dergleichen ärgerliche Schrifften/ der noch zarten Jugend/ ohne unterscheid und gantz unbedachtsam in die Hände geben. Wir sagen/ ohne unterscheid und gantz unbedachtsam. Denn sonst haben die heidnische Schrifften auch ihren sonderbahren Nutz/ bey den erwachsenen/ welcher doch so groß nicht sein kan/ bey den unerwachsenen. ¶ [aq]§. 9[/aq]. Es lesen ihrer viel/ saget H. D. Mengering [aq]in Scrut. Consc[/aq]. in der [aq]103[/aq]. GewissensFrage/ die doch gut Evangelisch sein wollen/ den Knaben in der Schulen ehe und mehr [aq]Ovidium de arte amandi[/aq], dann den lieben Catechismum des heil. Vaters Lutheri. Ja die gantze Woche haben die alte heidnische Hurenjäger und Schandlappen/ [aq]Ovidius, Terentius, Virgilius &c[/aq]. stat und raum in den meisten Schulen; Christus aber auf seinem Esel/ mit dem heil. Catechismo und Gottseliger Kinderzucht/ muß kaum auf den Sonnabend eine Stunde haben. Nun hat es wol seine Maaß/ daß die Kinder die Lateinische Sprache/ auß den Scribenten lernen/ wann man auch Christum zu rechter zeit mit zuliese/ und nicht gar lateinisch würde. Es rühmen auch solche viel-[S]mehr von ihren Knaben/ daß sie viel guter Sententz und Verse aus den heidnischen Poeten können/ dann daß sie sich solten vernehmen lassen/ sie hätten ihre Knaben dazu gehalten/ daß sie viel feiner Trostsprüche/ aus den Sontags- und FestEvangelien/ oder sonst aus Göttlicher heiliger Schrifft gelernet hätten/ wie/ Gott lob! dennoch in etlichen Herrschafften und wenig Städten geschehen ist/ und noch geschicht: Dancken nu auch Gott desfals/ wegen dieses Orts. Des Pfaffenwercks/ meinen sie/ hätten sie schande/ und jenes lassen sie sich düncken/ haben sie grosse Ehre. Denn es diene [aq]ad Eloquentiam[/aq]. Aber sie werden/ an jenem Tage sehen/ daß ihre Zeit und Arbeit übel angelegt/ so sie allein an die [aq]Eloquentiam[/aq]/ in heidnischen Büchern/ gewendet/ mit verlassung des heiligen Catechismi und Vermahnung zur Gottseligkeit. ¶ [aq]§. 10[/aq]. Das HochEhrwürdige [aq]Ministerium[/aq] zu Hamburg schreibet hiervon also: Wir haltens dafür/ wenn man zu des Hn. Lutheri Zeiten/ des [aq]Frischlini[/aq] und [aq]Schonaei Comoedien[/aq] und [aq]Tragoedien[/aq] hätte gehabt/ Er diese viel eher/ als den [aq]Plautum[/aq] und [aq]Terentium[/aq] der Jugend würde [aq]recommendiret[/aq] haben/ biß dieselbe [aq]confirmatius Judicium[/aq] hätte/ und solche heidnische Autores selbst lesen/ und das [aq]pretiosum â vili[/aq] discerniren könte. [S] Und ob gleich ein Unterscheid zwischen einem und andern ist/ und dem [aq]Plauto, Terentio, Ciceroni, Demostheni, Virgilio[/aq] und anderen/ die so allerzierlichst geredet und geschrieben haben/ die neuen [aq]Comici, Oratores[/aq] und Poeten/ vielleicht nicht gleich thun; so ist doch keiner zu verwerffen/ insonderheit sol bey uns Christen die Jugend also [aq]informiret[/aq] werden/ daß sie nicht allein in guten Künsten und Sprachen/ sondern für allen dingen/ in wahrer Gottseeligkeit/ [aq]proficire[/aq] und zunehme/ und solte ja einerley fehlen/ ists viel besser etwas zuentbehren/ in den grossen freyen Künsten und hohen Sprachen/ als an der wahren Gottseligkeit. Denn mit herrlicher Geschickligkeit/ und vieler Gottseligkeit/ kan man den Himmel erben/ und dieser Welt auch nutzbar dienen: Aber mit Epicurischer WeltWeißheit und hohen Sprachen/ ohne Gottseligkeit/ ist weder GOtt noch Menschen recht gedienet. Und für solche hochgelahrte Atheisten ist der Himmel verschlossen. ¶ [aq]§. II[/aq]. Hiermit stimmet auch überein/ der Hocherleuchte Rist/ Mein Ruhmwürdigster Kröhner/ wann Er in seinem Nothwendigen Vorbericht/ bey dem neuen Teutschen Parnaß/ ein solches Urtheil von sich giebet: Wir dürffen/ spricht Er/ uns in aufsetzung vielerhand Getichten/ der heidni-[S]schen Lügen/ und ihrer verfluchten Abgötzen schändlicher Laster und Untugenden/ so wenig bedienen/ so wenig wir von nöthen haben/ daß wir aus Deutschland in die Indien schiffen/ und daselbst/ zu erhaltung des Lebens/ ihre Wurtzeln Aypi und Maniot genannt/ oder auch ihr Korn/ welches sie Abati/ andere aber Mais nennen/ in diese Länder bringen/ dieweil wir/ GOTT lob/ aus Weitzen und Rocken viel besser Brod/ als aus den dürren Indianischen Wurtzeln und gar zu dichten Korn oder Mais können machen. Und daß ich nur dessen ein eintziges Exempel gebe: Warum muß man der lieben Jugend/ in den Schulen eben des Terentien Schauspiele oder Comoedien so gar fleissig fürlesen? ist dann solches gantz nicht zu endern? Antwort. Unsere Herren Schulfüchse (etliche meine ich/ aber nicht alle) sind der gäntzlichen Meinung/ daß dieses herrliche Buch ja so fleissig/ ja auch wol fleissiger/ als der Catechismus oder die Evangelien und Episteln/ in die Jugend müsse geblauet/ und ihnen viel besser/ als die heilige Schrifft/ bekant gemacht werden. Fragestu aber/ warum? Eben darum/ das nicht allein dieses Buch in der Lateinischen Sprache eine gute Redensart führet/ sondern auch/ dieweil wol zwantzig schöne Sprüche oder [aq]senten[/aq]tien (welche sie die Schulfüchse [aq]Gemmulas[/aq] [aq]Te[/aq]-[S][aq]rentianas[/aq], oder Terentianische Perlen nennen) in denselben zu finden. Ist aber das nicht eine überaus grosse Blindheit/ daß man um etlicher gar wenig guter Zeiten willen/ welche doch gegen wolausgearbeiteten Christlichen Schriften/ nur wie Koht sind zu schätzen/ ein gantzes Buch/ mit heidnischen Narrenpossen angefüllet/ den Knaben in die Köpffe bringet/ und sie zugleich dadurch unterweiset/ wie sie mit der zeit gute [aq]Pamphili[/aq] werden/ mit den schönen [aq]Glycerien[/aq] Kundschaft machen/ ja wol gar von dem Plautinischen Jupiter erlernen sollen/ mit was Behendigkeit man dem [aq]Amphitruo[/aq] Hörner könne auf setzen. Pfuy der grossen Schande/ daß man Christen Kinder/ mit heidnischen Greueln/ wil klug machen: Ich frage aber ein anders: Warum werden doch des überausgelehrten und fürtrefflichen Erasmens von Rotterdam/ unschätzbahre Bücher und Schriften/ an stat dieser Heidnischen/ nicht in die Schulen geführet? Wil man fürwenden: Es finde sich in den Büchern des Erasmen keine so gute Redens- oder Schreibensart/ als bey den Terentien/ Plauten/ uud anderen dieses schlages: So antwortete ich abermahl: daß der jenige/ der dieses darf fürgeben/ gantz und gar kein Latein verstehet. Es hat ja der Erasmus rein/ deutlich und zierlich geschrieben/ wie mir dessen [S] alle rechtschaffene gelahrte Leute werden Zeugnis geben. Will man sagen: Man könne in des Erasmi Büchern solche schöne sententien oder Sprüche nicht haben/ als bey denen heidnischen Schauspielschreibern/ so antworte ich abermahl: daß/ wer solches gläubet/ derselbe verstehe weder gute/ noch böse Sprüche: Ich wil klärlich darthun und beweisen/ daß auf vier Blätern/ in des Erasmens [aq]Milite Christiano[/aq], oder Christlichen Ritter/ (anderer seiner herrlichen Schrifften zugeschweigen) mehr nützliches und der Jugend zuwissen dienliches/ als in allen Schauspielen des Terentien zufinden/ noch machet man sich dieser wegen kein Gewissen/ wann man die liebe Jugend/ mit sondern Fleisse und Ernst/ verhindert/ daß sie mit den Sprachen ja nicht zugleich den Grund ihres Christentums erlernen/ und so wol zur Gottseligkeit/ als Sprachübung werde gehalten. ¶ Bißhieher mein Ewiggeliebter Herr Ristius. ¶ [aq]§. 12[/aq]. Ob es nu gleich höchstscheltbahr und gantz unverantwortlich ist/ den Kunstverstand der lieben Jugend/ mit den ärgerlichen Schrifften/ der heidnischen Scribenten/ anzufüllen; so folget doch hieraus noch lange nicht/ das Christliche Poeten nicht solten befüget seyn/ in ihren Gedichten/ der Heidni-[S]schen Götter Nahmen bisweilen zugebrauchen. ¶ [aq]§. 13[/aq]. Die Liebe/ saget an einem Orte Herr Harsdörffer/ der Neid/ die Furcht/ die Gewissensplage/ sind so mächtig in den Menschen/ das die Heiden solche für Götter und Beherscher der Menschen Hertzen gehalten. Wir Christen lassen sie für Götzen gelten/ nennen ihren Nahmen/ und gebrauchen ihrer Gestalt/ um sie abscheulich und verhasst zu machen: Weil ihre Vorstellung sich mit der Eigenschafft der Laster/ und Laster straffen/ artig vergleichet: So ist mir wol erläubet/ von dem Avernischen Reiche/ von den Elyserfeldern zusagen/ aber ich muß sie nicht beschreiben/ wie sie die Heiden beschrieben haben.][89][aq]§. 38[/aq]. So iemand hievon weitern Nachricht begehret/ der ersehe sich nur in dem Nothwendigen Vorbericht/ zu dem andern Theil/ des Musicalischen Seelen-Paradieses/ Meines Väterlichen Gönners/ des unsterblichen Ristii/ mit dessen Worten ich dieses Kapit. wil beschliessen/ wann Er/ an gedachtem Orte/ saget: Wann alle die Bücher ärgerlich/ und des lesens unwürdig solten geschätzet werden/ in welchen von lieben/ küssen und hertzen etwas gedacht wird: So müste man offt die allerChristlichste Bücher/ ja die heilige Schrifft selber nicht [S lesen/ zumahlen in derselben so viel mahlen/ nicht allein des liebens/ küssens/ umfangens/ sondern auch so gar des Beischlaffens wird erwehnet/ und zwar mit so klaren Worten/ daß man es fast nicht deutlicher könte geben.][90][aq]§. 8[/aq]. Diese/ sagt obgemeldter Herr Spangenberg/ haben auch ihr besonder Stifft und Hayn gehabt/ an der IlmenAu/ nicht weit von der Elbe/ so nach ihnen Bardwich geheissen/ des Orts/ da vor zeiten den gantzen Strich die Longobarder bewohnet/ und itzt das Lüneburger Land ist/ da sich allezeit im Heidenthum solche Barden enthalten/ biß auf die Zeit des grossen KönigsCarols zu Francken/ welcher alle die SachsenLande etliche Jahr lang bekrieget/ und letzlich bezwungen/ und zum Christl. Glauben gebracht hat. Nach derselben zeit haben sich die zum Christlichen Glauben bekehrte Barden auch befliessen Christliche Lieder/ von den Zehen Geboten Gottes und dem Glauben/ deßgleichen von den Sacramenten/ auch etliche andächtige Gebeth zu GOtt/ in Reime/ und unter ihre gewöhnliche Thöne zu bringen/ und dem gemeinen Volcke vorzusingen/ welches ihm König Carol/ so hernach Anno [aq]801[/aq]. ist Römischer Kayser worden/ hat so wol gefallen lassen/ daß Er auch selbst/ nach solcher Art/ Geistliche und andere Lieder gedichtet/ und wenn Er etwa gereiset/ im Felde/ mit Lust/ gesungen. Welche auch hernachmahls von dem Kayser Otto stattliche [aq]Privilegia[/aq] bekommen/ nebest einem goldenen Krantz/ d'auf ordentlich ausgeschriebenen Singschulen/ demjenigen/ welcher für andern das beste that/ eine zeitlang mit Ehren zutragen [S gegeben ward; aber doch für und für bey der Gesellschaft bleiben/ und insonderheit zu Meintz/ in guter Verwahrung/ muste behalten werden/ wie dann dieser erste Krantz noch daselbst sol verhanden sein.][91]Von diesen wird gerühmet/ daß Er [Frauenlob, J.T. den ZugThon erfunden/ welchen auch [aq]Anno 1317[/aq]. am [S] [aq]Sanct[/aq] Andreas-Tage/ zu Meintz etliche ehliche Matronen/ aus seiner Herberge/ bis in den Dom/ zu Grabe getragen/ mit vielen Thränen und Weinen/ auch so viel Weins ihm auf sein Grab gegossen/ daß es umb das Grab von lauterem Weine geschwommen.][92][aq]§. 16[/aq]. Ingleichen/ als itzund gedachter Herr Tscherning an Herrn Baumann geschrieben/ saget Er/ daß derselbe recht den Nahmen führe von Bauen/ denn er baue [aq](a)[/aq] sich schon bey seinem Leben einen Sitz im Himmel/ und verlache die Eitelkeit der Welt. Er baue [aq](b)[/aq] nicht auf Geld und Gut/ sondern auf CHristum [aq](c)[/aq] Nicht auf Menschen Tand/ sondern auf die heilige Schrifft selbst. [aq](d)[/aq] Nicht auf die betrieglichen Menschen/ sondern auf den treuen GOTT. [aq](e)[/aq] Er baue sich durch seine Druckerkunst/ Gunst bey Leuten/ und einen unsterblichen Nahmen bey den Poeten: Und endlich [aq](f)[/aq] weil es eben zur Zeit des Frülings war/ da die Vögel ihre Nester bauten/ ermahnet ihn der Poet Er solle auch sein Ehbet wieder aufbauen u. s. f. ¶ [aq]§. 17[/aq]. Wir wollen das Gedicht selbst hieher schreiben: ¶ So viel ich etwa kan[93]Zuzeiten müssen sie zweene Cupidines führen/ auf einen Wagen/ und halten wir dafür/ als sey hiermit auf des Göttlichen Platonis seinen Spruch gezielet worden/ in welchen er der Meinung ist/ als wenn zweene Cupidines gefunden würden/ ein irrdischer und ein Himmlischer/ von welchen dieser eine Himmlische/ jener aber eine irdische Liebe in uns entzündete.[94]Der grundgütige GOtt erhalte unsere weitbe-[Sruffene Vater-Stadt/ bey solcher ruhmwürdigen Glückseligkeit; Die Väter aber derselben/ für so sorgfältiges fortpflantzen/ der Göttlichen Studien/ bey ewigen Friede/ Ruhe und Segen/ daß auch wir sagen können: Von Machir sind Regenten kommen/ und von Sebulon sind Regierer worden/ durch die Schreibfeder/ aus dem Buch der Richter am [aq]5. 15[/aq].][95][aq]§. 26[/aq]. Die Humoristen oder Befeuchtenden zu Rom führen/ in ihrem Sinnbilde eine Wolcke/ welche sich von dem Meer in die Lufft erhebt/ und von dar wiederum hernieder tauet/ mit der Beischrifft: [aq]Redit agmine dulci[/aq]: Mit süsser Macht es wieder tropfft. Anzudeuten/ weil durch des Pabsts/ Cardinäl/ und anderer vornehmer Herrn Gegenwart/ Ihre Versamlung gleichsam biß an die Wolcken erhaben worden/ so müsse auch ihre saure und bittere Arbeit/ zu Ihren Anhörern [S und zugethanen/ gleich dem Thau wiederkehren/ und zu Nutz gelangen.][96][aq]§. 10[/aq]. Also ist es unrecht/ wie Herr Tscherning schreibet/ wan man in des Herren Gebete spricht: Verlaß uns unsere Schuld. Denn man saget nicht recht/ einem die Schuld verlassen/ sondern erlassen. Man muß allhier auf den rechtmässigen Gebrauch/ und des Wortes Eigenschaft sehen. Wir wissen ja/ wie der seel. Herr [aq]Lutherus[/aq] jenen Ort [aq]Matth. 18. cap[/aq]. im [aq]27. v[/aq]. verdolmetschet: Da jammert den Herren desselben Knechts/ und ließ ihn loß/ und die Schuld erließ Er ihm auch. [aq]Item Joh[/aq]. am [aq]20. cap[/aq]. im [aq]20. v[/aq]. Welchen ihr die Sünde erlasset/ denen sind sie erlassen. Nun ist ja der theure Wundermann [S [aq]Lutherus[/aq] eben der jenige/ der sich zuföderst um die Reinligkeit und Ausbreitung unsrer Muttersprache/ vor dieser Zeit/ treflich verdienet/ daß Er auch deßwegen/ bey den Außländern selbst/ hochgerühmet worden. Wie dan der fürnehme Frantzösische Poet/ der Herr von Bartas/ in seinem Babylon/ die Zier und Reinligkeit unsrer Sprache/ auf ihn und Peucern/ mit ihrem unsterblichen Lobe/ gegründet hat. Herr Buchner/ in seiner Anleitung zur deutschen Poeterey.][97][aq]§. 4[/aq]. Ein solches LobLied ist des [aq]Anthyri[/aq], des Königes der Wenden. Von welchen die hochlöbliche Hertzogen zu Mecklenburg ihren Ursprung genommen und gewonnen/ welches/ nach dem es vor etlichen Jahren in dem Kloster Dobberau/ im Fürstenthum Mecklenburg/ von etlichen Kayserlichen Soldaten/ in einem vermaureten heimlichen Schranck/ wunderbahrer weise gefunden/ von dem hochberühmten Unverdrossenen in seinem Deutschen PalmBaum in Gothischer Schrifft/ wie folget/ versetzet worden: ¶ [aq]I[/aq]. ¶ Dü Tugend hat ken Rast/ sy schlaffet nicht in Betten/[98][aq]§. 4[/aq]. An den Durchläuchtigsten/ Hochgebohrnen Fürsten und Herrn/ Herrn Fridrich/ Erben zu Norwegen [... hat der HochEhrwürdige/ und Hochedle Herr Rist/ eine solche LobRede geschrieben/ daß Er in derselben auch die hohen Fürstlichen Tugenden/ als die Gottesfurcht/ Geschickligkeit in den Himmlischen/ irdischen und unterirrdischen Sachen/ die kluge Regierung/ [S] und der gleichen mehr/ auf das Allerziehrlichste anführet/ in seinem nie zur gnüge gepriesenen Teutschen Parnaß: ¶ [aq]§. 5[/aq]. ¶ Laß/ meine Feder itzt/ all andre Fürsten stehen][99][aq]§. 43[/aq]. Jener rühmet ein Nonnen-Kloster/ daß es eine sehr gesunde Lufft hätte/ weil in hundert Jahren keine Jungfrau daraus gestorben; Aus welchem wir folgendes Gedicht machen: ¶ Warlich dieses NonnenKloster mag von guter Luft wol sagen/[100][aq]§. 48[/aq]. Soldaten sind fromme gutthätige Leute/ weil sie so viel arme Häuser stifften: ¶ Es ist ein frommes Volck/ Soldaten/[101][aq]§. 14[/aq]. Wan die Sechswöchnerin zur Kirchen gehet/ mit ihrem Kinde/ kan man sein Gedicht solcher gestalt einrichten/ daß man ¶ Anfänglich die Freude der Heiligen Engel beschreibe/ so sie empfinden/ bey darstellung des kleinen Kindes/ in dem Tempel. [aq]A[/aq]. ¶ Darnach auch die Eltern zur Freude ermahne. [aq]B[/aq]. [S ¶ Drittens dero löbliche Ordnung lobe/ welche darinnen verfasset ist/ daß sie den ersten Gang zur Kirchen/ den folgenden zum Tische/ den dritten aber ins Bette thun u. s. w. [aq]C[/aq]. ¶ [aq]§. 15[/aq]. Ein Exempel hierauf hat Herr Sieber/ auf den Kirchgang der HochEdlen Frauen Marthen von Gerstorf/ Gebohrnen Löbinn/ ausgearbeitet: ¶ [aq]A[/aq]. Die Engel werden ihn itzt eine Freude machen/][102]Insonderheit aber können wir/ nach beschaffenheit der Person/ dieselbe wol andern vorziehen wegen der guten LeibesGesundheit/ welche dan von männiglich für ein hohes Geschenck der Barmhertzigkeit des Himmels zu achten ist/ [aq](a)[/aq] wegen der Schönheit; [aq](b)[/aq] wegen der wolgerahtenen Aufferziehung [aq](c)[/aq] wegen der Ruh [aq](d)[/aq] der sie in ihrem Ehestand zu geniessen hat/ u.s.f. [aq]A[/aq]. ¶ Hernachmals wüschen/ daß sie GOtt bey dergleichen Glückseligkeit ewig erhalten wolle. [aq]B[/aq]. ¶ Und endlich sie zur Fröligkeit und Vertrauen auf GOtt anmahnen u.s.w. [aq]C[/aq].[103]Hernach kan man die Person/ an die wir schreiben/ zum Exempel aller frommen/ fried- und tugendliebenden Matronen anführen/ und dieselbe/ nach allen ihren guten Eigenschaften/ rühmen/ von der Zucht und Schönheit/ von der Geschickligkeit im Haußhalten/ von der Treu und Freundligkeit u.s.w. [aq]B[/aq].[104]
Stieler, Kaspar von
Seite
[105]Ein ieder Reicher auch ¶ steckt voll vom Eigensinn, bleht auf den dicken Bauch, ¶ ist eitel, zärtlich, streng, ruhmredig, voller Winde: ¶ Was Armen man verhebt, heißt bey ihm keine Sünde. [S.i.O. ¶ Wie ein Soldat auch tuht, der noch hierüber frech, ¶ gottlos' und grausam ist und Hände hat wie Pech, ¶ dran alles klebend bleibt:][106]Ein Edelmann kan fromm, ein Bauer böse seyn,[107]Mann sucht bey Degen Trost, Pistol, Strick, Gift und Teufeln, ¶ verzagt und gibt verspielt, wenn Ehrdurst, Silbersucht ¶ und Liebesbrunst mislingt, und des Begehrten Frucht [S.i.O. ¶ nun unerstreblich wird, wiewol sich oft in Wüte ¶ ein zagend Herz verkehrt.][108]Ein unverschämter aber, ¶ Fuchsschwänzer, Hurenwirt, Markschreyer, Geltliebhaber, ¶ ein Schwelger, Tuhnichtgut, Gottohn und geiler Sinn, ¶ der seinen Leib verkaufft, verlachen, üm Gewinn, ¶ Soffreyheit, schnöde Lust, was man von ihnen richtet, ¶ sind taub auf allen Raht, in grund verbösewichtet, ¶ und rühmen noch darzu, was sie verrucht begehn, ¶ darob ein frommer seuffzt und Unmuht läßet sehn, ¶ zumal wenn Ehr' und Glück dem unverdienten füget, ¶ und, der von Tugend glänzt, unbillig unterlieget.[109]Hier, wenn die Frömmigkeit und Unschuld wird beschweeret, ¶ ob einem andern gleich nichts beßers wiederfähret, ¶ man üm Unbilligkeit und Undank wird entrüst,[110]Weltsucht sucht ihr Gesuch, ist wankelmütig, frech, ¶ wiegt Gott hin üm das Gold.[111]Kommts dann aufs Eyfren an, ¶ wenn Amt, Beruf, Gesetz und der gemeine Nutzen, ¶ Gott, Nechster, Vaterland fühlt der Verbrecher Trutzen, [S.i.O. ¶ So wird die scharfe Streng' in Lindigkeit getaucht, ¶ an statt der Grausamkeit die milde Zucht gebraucht, [S] ¶ wie wol zur Unzeit nicht, nicht Frechheit sanft zulegen, ¶ nicht Muhtwill, Meuterey, noch Aergernüß zuhegen.][112]Gerecht seyn ist die Stütze, ¶ worauf der Stat sich lähnt, glänzt auf der Fürsten Sitze, ¶ ist aller Herrschaft Seel' und Herz, Form, Band und Hand: ¶ Von Menschen Händeln darf sie werden nie verbannt, ¶ stellt iedem zu sein Teil: Belohnung gibt sie Frommen, ¶ der Böse wird in Straf' allein durch Sie genommen.[113]Wenn Josef wird verkauft, versucht und kommt in Banden, ¶ bald Landesvater wird, zeugt Kinder, schüttet auf ¶ redt mit den Brüdern hart bey dem GetreydeKauf, [S ¶ versöhnt sich, weint und gibt sich endlich zuerkennen. ¶ Ist so ein Mischmach wol ein Schauspiel zubenennen?][114]Kan er seyn weggenommen, ¶ gleich einem Habakuk, vom Engel durch die Luft?[115]Wie wol die Schmeicheley oft macht den Dichter lügen, ¶ daß er sich minder schämt, nachdem auch Kanzeln trügen ¶ und bey der Priestertreu' ein ieder heißt ein Christ, ¶ der eine Predigt zahlt, wenn er gestorben ist.[116]Ein ander Wunsch entsteht, ¶ wenn was noch künftig ist, und nicht nach Wollen geht, ¶ man suchet und verlangt: als bey Neujahressegen, ¶ üm algemeines Heil, wann Gift, Glut, Flut und Degen ¶ verstören Schlaf und Ruh' und man den Kranken gönnt ¶ gesundes Auferstehn, der Acker ungesönnt [S ¶ und ungenetzet lechzt, da schreyt man Göttlichkeiten ¶ üm Hülf' und Beystand an.][117]Nicht selten auch erhebt man seine Würdigkeit, ¶ wie deßen Großverdienst erwerb' ein frey Geleit ¶ und unbekränkt zu seyn erfordr' auf Weg- und Stegen, ¶ wie an dem Zuge sey der Kirch' und Stat gelegen, ¶ und er erwartet werd' in brünstiger Begier ¶ dort, wo der Zug geht hin.[118]Noch pflegt bey Leichgedichten ¶ man auf das Christentum den Trostvers auch zurichten, ¶ und diß greift stärker ein. Wenn man den Tod sieht an ¶ als einen Port und Tühr zum Leben aufgetahn, ¶ das Larfenspiel der Welt als einen Tod hingegen, ¶ als einen Nohtstall, da man hat in Haft gelegen, ¶ und andern Dinges mehr, das Nerons Meisters Fleiß ¶ nicht als ein Heyd', als Christ, uns zubeschreiben weyß.[119]sagt, daß der Himmel das, was von ihm ab- war -kommen, ¶ vor ihn zu spat, zu früh vor uns, zurück genommen, ¶ daß dieser treue Riß der Kirch' ein Haubt, dem Raht ¶ kost' einen klugen Raht, und Schutz gesammter Stadt:[120]Mehr, schweifft man auch nicht selten ¶ in Einschaltung hier aus, beschreibt der Zeiten Stand ¶ Krieg, Hunger, Mangel, Pest und anders, drein das Land ¶ ietzt eingewickelt ächzt, den Abgang frommer Leute ¶ zustehen vor den Riß, lebt aber wer noch heute ¶ und ist noch übrig, der ersetze den Verlust;[121]Doch ist es nicht gewehrt ¶ wenn solch ein Rasekiel an- den Verrähter -fährt, ¶ schärft am Herostratus, am Nero seine Spitze, ¶ tobt wieder Julian mit Wuht und toller Hitze ¶ und macht des Timons Haß mit scharfem Schelten aus. ¶ Der Kain, Absolon, und, der in stetem Saus' ¶ ohn Nahmen zwar, gelebt, verdienen wol diß Wüten, ¶ Herodes, Judas auch. Sonst soll ein Christ sich hüten ¶ von Ehrraub Schmach und Fluch, wormit ein solch Gedicht ¶ dicht' angefüllet ist.[122]Zur Lust und Munterkeit sind Predigten nicht eben.[123]Wer teutscht Privatperson ¶ Altar und Sakrament, Natur, Kommunion? ¶ So wird das Amen auch und Alleluja bleiben, ¶ und Sela, Zebaot kein Zesen ie vertreiben.[124]Was springt und lachet, kan ¶ das Hüpfmaaß stellen vor, so wol auch das Kurzlange: ¶ langkurz dagegen tritt einher im ernsten Gange ¶ und druckt die Sitten aus, ist voller Herrenpracht ¶ und Andacht, lobet Gott, vermahnet, schilt und acht.[125]Dort ist ein Held ein Löw', ein Engel, Palmgerecht, ¶ Hans Unverschämt ein Bloch und schandbeschmitzte Fliege.[126]Was acht ich Zoils Zung' und Katons Ernstgesicht? ¶ Vor Gottes Aug' und ohr birgt sich ein Frefler nicht, ¶ bald wird er andern seyn ein Abscheu und Exempel. ¶ Jetzt leidet hohe Noht so Rahthaus, als der Tempel.[127]Das Glücke Gottes Raht, Verhängnüß und Geschicke, ¶ Heil, wolfart, Sternenschluß.[128]Man glaubt nicht, was zur Kraft die Dichter Lesung tuht! ¶ wie da der Geist empor sich von der Erde schwinget, ¶ wie durch die Mittelluft Er nach dem heitern dringet ¶ und heilge Wärm' empfindt, die Herz und Andacht stärkt, ¶ daß der erklärte Sinn erstaunend wunderwerkt ¶ und Einfallsreich wie traumt![129]Will wer beweglich greiffen ¶ dem Leser in sein Herz, der muß Affekten heuffen. ¶ Was göttlich, wunderbar, und heldenmäßig ist, ¶ auf große händel zielt, sich streubet und vermißt, [S ¶ will eine Redeform von ungemeinen Bünden, ¶ worinn sich hohe wort und Sprüche laßen finden, ¶ sich Pracht und Nachdruck zeigt, da alles sich empor ¶ fast bis zum blehen schwingt und reichlich füllt das Ohr.][130]Seit, daß, an statt der werke, ¶ die worte schwollen auf, und man kaum ein Gemärke ¶ der alten Treue sieht, kömmt knechten nur das du ¶ Gott, Feinden, Tugenden, und tummen Tieren zu.[131]Ein Mann ist ein Mann nicht, ein Gott ist auch den Heyden, ¶ den Christen ein Gott nur.[132]Gott hat Poeten lieb. Ihr Geist wird aufgelüftet ¶ durch mehr als Menschenwitz. Wenn Moses dicht und stiftet ¶ ein hohes Heldenlied, Debora sieghaft singt, ¶ und Davin einen Reim in seine harfe zwingt ¶ hört ihnen merksam zu das himmelheer und schallet ¶ ein schönstes Echo nach. Also, wenn nachtigallet ¶ das Ständlein Salomos üms Bett der Sulamit, ¶ brennt ihres Freundes herz, erwallet, hitzt und glüht, ¶ mit Flammen, die mehr stark sind, als der Tod und helle. ¶ Wer stürzt ein Trähnen Meer nicht aus der Augenquelle ¶ wenn er das winseln hört, das Jeremias treibt, ¶ in dem er Salems Sturz und Mauerfall beschreibt ¶ mit einem kiel, den ihm recht in Parnaßen Mitten, ¶ (Ich meine Sions Burg) Melpomene geschnitten? [S.i.O. ¶ kein Redner, möcht er auch Demostenen bestehn, ¶ und deme von Arpin an Nachdruck übergehn, ¶ gleicht ie dem donnermund' aus dem ein hiob wittert ¶ und Gottes Recht verficht, daß Unschuld drob auch zittert. ¶ Fällt schon ein Zweyfel vor, wie der und jener denkt, ¶ die Schriften wären nicht in Versen eingeschrenkt! ¶ macht doch der große Geist, wär' auch die Red' unbündig, ¶ den Himmelstrieb verklärt und den Poeten kündig, ¶ der sich nicht bergen kan, wie tief er gleich sich deckt:][133]Durch Venus süßen Orden ¶ ist, ich bekenn es gern, oft ein Poete worden; ¶ doch, wett' ich, einer kaum, ja keiner, glaub' ich, hat ¶ im leben so gelebt, wie ihn gezeiht sein Blat. ¶ Die Heyden nehm' ich aus, die doch auch Tugend ehrten ¶ und mit dem Laster Schäm oft ihre Stirn verkehrten ¶ da doch ihr herz blieb rein. Wer meint, daß Opitz, Rist, ¶ Dach, Flemming, Tscherning, nicht gewesen sey ein Christ, ¶ Ob schon die Flavien, Amanden, Amaryllen, ¶ Dorind' und Galatee viel ihrer Blätter füllen? ¶ Die liebe schleifft den Sinn, macht munter, schärft den Geist, ¶ daß er sich von der Erd' ab- und zur Luft hinreißt, ¶ sucht aus, was zärtlich ist, entzuckend, voller Leben, ¶ geht die Affekten durch, die wir herzneigung geben, ¶ und klaubet wörter aus die niemand fallen ein ¶ und gleichsam von der Sprach' ein fünftes Wesen seyn. ¶ hat ein Garsthammel nun sich gleich hierinn vergangen ¶ und mit der Sauklock wo zu läuten angefangen; ¶ was kan der Misbrauch tuhn? Man schüttet aus dem Haus' ¶ ein kind ie nicht gleich mit dem Badewaßer aus.[134]Was kan auch Menschenhand, ¶ wie mühsam sie schon ist, der sterbliche Verstand ¶ und eitle Bettelkunst, die man doch nur muß borgen, ¶ wol gegen Gottes Macht mit allem Fleiß und Sorgen? ¶ Vor solch ein Meisterstück bleibt es ein Flickwerk nur ¶ und Schönes auf den Schein. Des Höchsten Magd, Natur, ¶ macht das Original: Wir ahmen in Kopeyen ¶ den Hauptriß spöttlich nach.[135]ja Gottes Konterfey, der Mensch, hat selbst sein Leben ¶ nicht sicher und gewiß. Wie eine Lilje schlafft, ¶ wird todtengelb und faul: So wird auch hingerafft ¶ der Mensch das edle Tier: Und dennoch ist diß Ganze ¶ üm seinetwegen da. Der Liljen Fürst der Franze, ¶ hat einen Liljenschild, wormit Er würdig prangt, ¶ aus eines Engels Hand vom Himmel selbst erlangt. ¶ Was waren anders dort die Blumen an den Schalen, ¶ der Leuchter, so der Sohn des Amrams dem Bezalen ¶ zubilden anbefohl? Was anders jene Pracht, ¶ so König Salomo durch Hiram hat gemacht, [S.i.O. ¶ als güldne Lilien? So läßt ihm Gott gefallen ¶ der Liljen Meisterguß von andern Blumen allen. ¶ Der Liljen Ursprung wird von Heyden auch geschätzt ¶ und in die Galaxie zu ihrem Ruhm gesetzt.][136]Drückt Gottlieb, Dagobert nicht Gottesfurcht und Tugend, ¶ Haldan nicht den Bestand, nicht Trautwin Lieb' und Jugend, ¶ nicht Reinhart Ehrlichkeit, Ernst, Grimhold strengen Sinn ¶ Alwin den Adel nicht, nicht Winbrecht Sieg, Gewinn, ¶ und Asch den Priester aus?[137]
Ludwig, Gottfried
Seite
[138][aq]I[/aq]. Eine Ode läst sich auff allerley Fälle/ geistliche/ lustige/ traurige/ u. s. f. machen;[139][aq]V[/aq]. Viel Oden werden nach den bekandten Kirchen-Melodien gemacht/ davon einige zum Exempel unten folgen sollen; nur/ daß sie gewisser massen auch [aq]Madrigali[/aq]sche Oden heissen/ besonders/ so der Reim zurücke bleibt.[140]([aq]8[/aq].) Der Nutz von [aq]Madrigalen[/aq] ist ungemein groß/ und erstrecket sich auf geist- und weltliche Gedichte.[141][aq]2.)[/aq] Die Rätzel pflegen offt den Hochzeit-[aq]Carminibus[/aq] und insgemein aus den Nahmen der Verlobten angehängt zu werden/ welches/ so man in seinen Schrancken bleibt/ nicht uneben ist/ weil die Ge-[Swonheit Rätzsel auf den Hochzeiten vorzutragen von den alten Hebräern auf die Griechen/ und von diesen auf die Römer gekommen. Ich weiß auch/ daß An. [aq]1693[/aq]. der sel. [aq]Theologus[/aq], Herr [aq]D[/aq]. Carpzov in Leipzig/ vermöge seines damahligen [aq]Methodi Schematicae ex Evangelio Dom. II. post. Epiph[/aq]. seinen Zuhörern drey Hochzeit-Rätzel vorlegte: ¶ [aq]1[/aq]. Bey der allerherrlichsten Hochzeit mangelt es am Getränck. [...]][142][aq]2.)[/aq] Ob nun wohl solche [aq]Chronosticha[/aq] nicht unbequem in guten Versen kommen/ so scheint doch gar öffters dergleichen [aq]Eteostichon[/aq] ein Biblischer Spruch sehr wohl abzugeben: Und diß vielleicht nach der Hebräischen Art/ da man ein Wort in einem Biblischen Spruche sucht/ das die Zahlen/ die man verlanget/ hat/ und wird so dann der gantze Biblische Spruch beygesetzet.[143][aq]XIV[/aq]. Die [aq]Cabbalis[/aq]tischen oder [aq]Paragrammati[/aq]schen Verse. Dabey zu mercken vorkömmt: [S ¶ [aq]1.)[/aq] Die [aq]Cabbali[/aq]stischen oder [aq]Paragramma[/aq]tischen [aq]Inventiones[/aq] beruhen auf Erklärung unterschiedener Wörter oder wohl gar Zeilen durch andere Wörter und Zeilen/ und diß zwar durch Beyhülffe gewisser Zahlen/ die man aus gleichfalls gewissen [aq]Cabbali[/aq]stischen Registern sucht. Der Uhrsprung solcher [aq]Cabbalen[/aq] oder Auslegungen kömmt von der Juden/ welchen es Michael Stiefel/ der bekandte Rechen-Meister/ zu erst nachthun wollen: Und vor einiger Zeit haben sich Leute gefunden/ die dergleichen so wohl in Teutschen als Lateinischen [aq]Carminibus[/aq] anzuwenden gesucht. ¶ [aq]2.)[/aq] Da aber solch [aq]Cabbali[/aq]stisch oder [aq]Paragramma[/aq]tisch Wesen gar weitläufftig ist/ und mehr/ als ein [aq]Alphabeth[/aq] hat/ darinn ein Buchstabe bald diß den Zahlen nach/ bald ein anders/ aus gesetzten [aq]Proportio[/aq]nen/ gilt; so will ich mich hierbey wieder nicht auffhalten/ sondern den/ so ein mehrers verlangt/ auf Hn. Hennings [aq]Cabbalologiam[/aq] weisen/ und indeß zu einiger Wissenschafft von solchen [aq]Cabbali[/aq]stischen/ [aq]Alphabet[/aq]en viere hersetzen [...][S][...] ¶ Wenn man nun zu einer Materie die [aq]Invention[/aq] haben will/ suchet man aus seinem [aq]Themate[/aq], wie viel wohl solches nach diesem und jenem [aq]Cabbali[/aq]stischen [aq]Alphabet[/aq] an Zahlen austrage/ und so man in andern nachdencklichen Worten eben diese Zahl finden kan/ scheint hernach die Ausarbeitung desto leichter zu werden.][144]Und so kömmt das erste [aq]Alphabet Cabbalae Triangulis[/aq] heraus.[145][aq]XXI[/aq]. Ich dörffte fast bey den Spiel-Gedichten zum Beschluß diejenigen Klapp-Reime anführen/ deren sich ihrer annoch viel in den [aq]Dispositionibus[/aq] ihrer Predigten bedienen/ solcher Gestalt aber mit Zwang den Vortrag in Reimen abfassen/ weil ich keine andere Ursache solches Verfahrens sehen kan/ als daß man sein Poetisch [aq]Ingenium[/aq] zur Unzeit zu weisen denckt/ und dem Text öffters die höchste Gewalt thut. Also trug einer einst in einem [aq]Collegio Homiletico ex I. Petr. V, 10[/aq]. vor: GOttes Treuheit/ und des Creutzes Schlechtheit/ wozu der [aq]Theologus[/aq] in der [aq]Censura[/aq] sagte: Warum nicht auch/ der Menschen Narrheit? Doch wider diesen [aq]Lusum[/aq], der vor Alters noch (besiehe Hn. [aq]Morhof[/aq]. Unterricht [aq]p. m. 606[/aq].) hat mögen [aq]excusi[/aq]ret werden/ wird mehr in den [aq]Libellis[/aq] und [aq]Collegiis Homileticis[/aq] geredt. ¶ [aq]XXII[/aq]. Es giebt auch endlich noch einige/ die es denen Alten nachthun wollen/ und nach denen in der Kirche beliebten Liedern/ [aq]Puer natus &c. In dulci, &c[/aq]. Teutsche und Lateinische/ oder auch anderer Sprachen Verse unter einander mischen. Welches aber/ wie es sich durch genannte Lieder nicht behaupten läst/ bey deren Ursprung [S gantz ein andrer Zustand war/ viel weniger durch ältere Zeugnisse/ als da die Wissenschafft der Teutschen [aq]Poësie[/aq] nicht so weit kommen; also kan man es anietzo nicht anders/ als [aq]Lusum ingenii tituliren[/aq]. Und so viel von den Spiel-Gedichten/ über welchen ich mich fast müde geschrieben habe.][146]allermassen ich noch hieher zu zehlen kein Bedencken trage die Braut-Messen/ die [aq]Dramati[/aq]schen Verse/ die völligen [aq]Dramata[/aq], die Jäger-Lieder/ die Berg-Reyhen/ die Poetischen Wälder/ die Braut-Suppen/ und endlich die [aq]Versiones[/aq] oder Ubersetzungen. Von ieder Art etwas. ¶ [aq]I[/aq]. Braut-Messen sind Gedichte/ die bey [aq]Copulation[/aq]en pflegen abgesungen zu werden/ solcher Gestalt aber in der [aq]Invention[/aq] was Geistliches/ zur [aq]Composition[/aq] was Geschicktes/ und zwar meistentheils in Oden-Art [aq]praesenti[/aq]ren. Ich will eine solche [S Braut-Messe hierbey fügen/ die zum Grunde die Worte hat aus Psal. [aq]XLVIII, v. 10[/aq]. ¶ GOtt/ wir warten deiner Güte in deinem Tempel. ¶ [aq]Sonata[/aq]. ¶ [G: [aq]Cant. I. & II[/aq].] GOtt/ durch dessen weises Fügen][147]Ob nicht gewisser massen hieher zu rechnen/ Wenn die Paßions-Historie mit untermischten Versen abgesungen wird/ mögen andere urtheilen. Denn obgleich die [aq]Fictiones[/aq] abgehen/ so werden iedoch frommer Christen [aq]Suspiria[/aq] an derer Stelle gesetzt/ und hat man andere Biblische Historien unter diesem Nahmen vorgestellet/ warum wolte man hier den Titul eines [aq]Dramatis[/aq] nicht auch brauchen? Also ist auf Hoch-Fürstl. Durchl. zu Sachsen-Römhild gnädigsten Befehl An. [aq]1701[/aq]. die Geburt und Beschneidung unsers Heylandes in solcher [aq]Dramati[/aq]schen Art recht erbaulich zusammen gezogen und abgesungen worden.[148]Es kan aber nicht nur unter dem Titul der Poetischen Wälder ein solche Buch [aq]passi[/aq]ren/ das allerhand Gedichte/ geist- und weltliche/ Hochzeit- und Geburts-Lieder u. s. f. in [S sich hält/ wie die also bekandt gewordene Bücher zeugen; sondern es mögen auch solchen Nahmen alle die Gedichte führen/ welche in geschwinder Hitze/ oder/ wie man zu reden pflegt/ [aq]ex tempore[/aq] gemacht werden.][149][aq]V[/aq]. Es ist zwar ein Unterscheid in Erwehlung des [aq]Generis[/aq] zum [aq]Carmine[/aq] in Acht zu nehmen/ davon unten; ein Anfänger aber bleibet am besten entweder bey dem [aq]Alexandrini[/aq]schen/ oder in den [aq]metris[/aq] der Kirchen-Lieder.[150]Wie so gar geistliche Materien in berührter Brieff- und Liebes-Gestalt vorkommen können/ ist in Herrn von Zieglers Helden-Liede/ a. T. zu sehen; und wird vielleicht besser zu sehen seyn/ wenn die versprochene [aq]Epistolae Heroicae[/aq] Herrn [aq]Pritii, de amore mystico Jesu & fidelium[/aq], solten an das Tages-Licht kommen.[151][aq]VII[/aq]. Folgen dahero einige Exempel zur Erläuterung obiger Reguln/ daraus die unterschiedliche Arten von blossen und vermischten Oden/ die [aq]Alexandrini[/aq]schen Oden/ die [aq]Imitationes[/aq] der Kirchen-Melodien/ die Endigung des [aq]Sensus[/aq] mit einer Strophe/ die bräuchliche Zahl der Zeilen in einer Strophe/ und [aq]a. m[/aq]. zu erkennen; sonderlich/ wenn man dazu nimmt/ was unten von [aq]Madrigali[/aq]schen Oden wird gesagt werden. ¶ [aq]I[/aq]. ¶ Als dem Hoch-Wohlgebohrnen Herrn/ Herrn Adam Liebmann von Beust [... ein Hoch Adel. Männl. Erbe erwünscht gebohren wurde/ erwieß das [aq]Gymnasium[/aq] allhier seinen gehorsamsten [aq]Respect[/aq] in einer Nacht-[aq]Music[/aq] und folgender Ode: [S] ¶ [aq]I[/aq]. ¶ Wir wollen nicht hinfort als Schuldner bleiben/ ¶ [...][S][...] ¶ [aq]II[/aq]. ¶ Herrn [aq]Ephori[/aq], Friedrich Ernst Meisens/ Hoch-Ehrwürden ward nach dem am [aq]10. Nov. 1699[/aq]. in Leipzig erhaltenen [aq]Gradu Doctoris Theologiae[/aq] folgende Ode in geziemender [aq]Observan[/aq]tz und unter einer A-[S]bend-[aq]Music[/aq] vom gedachten [aq]Gymnasio[/aq] abgesungen: ¶ [aq]1[/aq]. ¶ O du wohlgeprießner Mann! ¶ [...][S][...] ¶ [aq]III[/aq]. ¶ In mehr genanntem [aq]Gymnasio[/aq] gehn die [aq]me[/aq]-[S][aq]ditationes poenitentiales[/aq] acht Tage vor der Beichte an. Da ich nun A. [aq]1697[/aq]. solche mit einer Buß-Ode anzufangen pflegte/ hierzu aber im Winter das Evang. [aq]IV. Adv[/aq]. und der Tag [aq]Thomae[/aq] gute Anlaß gaben/ geriethen die Verse auff die Melodey: Wer nur den lieben GOtt läst walten etc. also: ¶ [aq]1[/aq]. ¶ Wer bistu? heist ietzund die Frage/][152][aq]II[/aq]. ¶ Der fürnehme [aq]Theologus[/aq] und Hochfürstl. Hof-Prediger zu Moritzburg an der Elster/ Herr Michael Christian Ludwig/ starb den [aq]27[/aq]. May An. [aq]1700[/aq]. und ich stellte aus behöriger Observantz in einer [aq]solennen[/aq] Lateinischen [aq]Oration[/aq] in hiesigem [aq]Gymnasio[/aq] denselben als [aq]HEROEM ECCLESIAE CIZENSIS[/aq] vor/ wozu mir Gelegenheit gab das [aq]Elogium[/aq], so man [aq]BUCERO[/aq] an einem Ort gesetzt: [aq]In Bucero fuit Augustini acumen, Hieronymi linguarum varietas & doctrina, disciplina Cypriani, Ambrosii autoritas, Origenis scientia, Chrysostomi in docendo perspicuitas, Bernhardi integritas in vita. Etsi uberiora haec fuerint in illis priscis ECCLESIAE HEROIBUS, tamen particulas ex omnibus excellentissimis Bucerus tanto studio arripuit, tot ornamentis perpolivit, ut, si non unus cum omnibus, tamen separatim cum singulis comparari possit[/aq]. ¶ Er selbst/ der selige [aq]Theologus[/aq], hatte diese Verse in dem von ihm hinterlassenen [aq]Curriculo vitae[/aq] zu Anfang gebraucht: ¶ [aq]Jesus me fecit, Jesu cum sanguine purus[/aq] ¶ [...[S][...] ¶ Nun solten sothane Materien zugleich zu einem [aq]Inscriptions[/aq]-Exempel/ vielleicht nach folgendem Abriß/ wohl gedienet haben: ¶ Zu so vielen unglückseligen Oertern muß sich nunmehro leider! auch die Hochfürstl. Residentz zur Moritzburg an der Elster zehlen!][153]Ich habe in den [aq]Lectionibus poëticis[/aq] bißher die [aq]Cantica Hennebergica[/aq] zum Griechisch-Lateinisch- und Teutsch-Poetischem [aq]Exercitio[/aq] angewendet/ und besinne mich/ daß/ da des seel. Herrn [aq]D. Samuel. Zehneri[/aq] Lied/ Ach HErre du gerechter GOtt/ etc. zu einer teutschen [aq]Variation[/aq] im [aq]Genere Alexandrino[/aq] dienen solte/ ich [S den [aq]Sensum[/aq] behielt/ die [aq]Phrases[/aq] auch guten theils/ den [aq]Rhythmum[/aq] aber zum gemeldten [aq]Genere[/aq] aussuchte: Welches/ damit es klärer erhelle/ und die Jugend erkenne/ wie auch aus den Kirchen-Gesängen so gottselige als Poetische Ubungen vorzunehmen/ will ich ([aq]1[/aq].) gedachten Herrn Zehners drey Verse/ so [aq]varii[/aq]ret worden sind/ und im Gesang-Buch stehen/ ordentlich hersetzen/ ([aq]2[/aq].) die [aq]Materie[/aq], die von mir zur [aq]Variation[/aq] gegeben ist/ beyfügen/ ([aq]3[/aq].) das [aq]Carmen[/aq] selbst hinzu thun/ das sich auff obgemeldte Freyheit im [aq]varii[/aq]ren bezieht. ¶ [aq]I[/aq]. ¶ Herrn [aq]D[/aq]. Sam. Zehners Lied: ¶ Drum laß auch ietzt die gottloß Rott][154]Noch besser geschicht eine solche Ubersetzung aus Biblischen Sprüchen/ worinnen zum Exempel dienen kan die Ubersetzung des Macht-Spruchs [aq]Joh. III[/aq]. Also hat GOtt die Welt geliebet/ etc. in folgende Ode: ¶ [aq]I[/aq]. ¶ Also/ also hat GOtt die Welt/[155][aq]Casus[/aq]. ¶ Am verstrichenen [aq]18. Octobr. Anno. 1702[/aq]. hat die [aq]Academie[/aq] zu Wittenberg durch GOttes Gnade ihr andres Jubel-Jahr/ nach zurück-gelegten [aq]200[/aq]. Jahren seint ihrem Ursprung/ erlebt. Was mir hierbey vor [aq]Themata[/aq] zu Jubel-[aq]Carminibus[/aq] aus genennten [aq]Fontibus[/aq] eingefallen sind/ will ich kürtzlich anmercken: ¶ [aq]à re ipsa[/aq], heissen die ¶ [aq]Themata[/aq]: ¶ Das [aq]A. 1702[/aq]. gefällige Wittenbergische Jubel-Fest.[156]
Zesen, Philipp von
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[157]daß ich doch am meisten/ auff anhalten guter Freunde/ ein Büchlein gleichlautender Worte/ nicht mit geringer mühe zusammen getragen/ denenselben/ so hierinnen noch ungeübt/ die hand zu bieten/ weil eben der mangel solcher Worte mehr nachsinnens und zeit/ so wohl in Deütschen als Hebräischen Reimen erfodert/ welche in diesem fall ein ander fast ähnlich scheinen; wiewohl die Hebreer dreyerley Reimworte haben/ als erstlich die ein-[Sfachen/ [hebr.] und nennen ein Gedichte von solchen Reimen [hebr.] [aq]carmen transiens, tolerabile[/aq], dergleichen Reim Wort haben wir Deütschen auch/ und nennen sie Männliche [...]. Zum andern die zweyfache/ als: [hebr.] diß wird [hebr.] [aq]carmen conveniens, aptum, dignum[/aq], [...] bey uns aber ein Weiblichs [...] genennt. Zum dritten haben sie auch dreyfache Reim: als: [hebr.]/ diß wird [hebr.] [aq]carmen laudabile[/aq] genennet/ wird bey ihnen gar selten/ bey uns aber gar nicht gebraucht.][158]nun wunderts mich nicht wenig/ daß sich niemand unterwindet/ dieser art Verse weiter auszuarbeiten/ in dem sie nicht weniger anmuth mit ihrer so flüchtigen liebligkeit den ohren erwecken als etwan andere/ wo sie nur recht ausgemacht und zu rechter zeit gebraucht werden/ denn bey begräbnüssen haben sie schon solche anmuth nicht/ als bey Hochzeiten und andern frölichen dingen/ es sey denn sache/ daß ich deß verstorbenen freünde trösten und die übergrosse lust der Himlischen Bürgerschafft/ dahin er durch den zeitlichen todt versetzt/ ihnen vorlegen und beschreiben wolte/ so könten sie etlicher massen vergönnet werden.[159]Es hat aber die Deütsche mit der Hebräischen/ wie auch alle andre Sprachen gar eine andre beschaffenheit in Versen als die Griechische und Lateinische/ welche beyde allein was sonderlichs haben/ wie [aq]Scaliger[/aq] erinnert/ kann also die Deütsche denen beyden nicht verglichen werden.[160]Die Elegien werden entweder aus Alexandrinischen oder gemeinen versen/ gemacht/ und wird allzeit der männliche und weibliche vers [S abgewechselt/ und mögen sich weiblich oder männlich anfangen/ doch ist das erste besser/ weil auch die Hebreer den ersten vers [hebr.] [aq]ostium, introitum seu ingressum metri[/aq] und den andern so hier der männliche [hebr.] oder wie es Buxdorf: [aq]p. 582[/aq]. schreibt [hebr.] [aq]hoc est, clausuram[/aq] nennen/ undder weibliche anstatt des Hexameters der männliche anstatt des pentameters stehen soll/][161]
Händel, Christoph Christian
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[162][aq]Quod fieret, si, contra naturam alicujus rei, Emblema aliquod excogitaremus; item ubi grandibus applicaremus vilia, & vice versâ. Lemma sive Inscriptio maximè à Brevitate commendatur, & mutuatur optimè à Sacris Literis, ab Excellentissimis Poëtis, Oratoribusque[/aq]. [... [aq]Caeterùm tamen usitatum admodùm est, ipsa Emblemata, cujuscunque ea Inventionis fuerint, teneri à pusillis sive Infantibus quibusdam denudatis: quae, si Emblemata sacras res tractant, Angelorum; si morale quid continent, muscarum alas gerunt; si verò mali quid denotant, verspertilionum remigiis deformantur[/aq].][163][aq]Inventio eorum[/aq] [der 'Anagramme', J. T. [aq]longè est vetustissima, antiquissimisque Judaeis cognita & usurpata[/aq].][164][aq]Nempe ego, cùm, solenni ante annum ritu, Philosophiae Magister, & Poëta Caesareus, in hac Alma nostra Musarum Sede, crearer, actis, variô Carmine, Gratiis, DEO T. O. M. Reliquisque, queis post DEUM grates debui; Studiosis denique & Hospitibus easdem, ceu mos fasque erat, sequenti solvi Echo, omnemque eâdem Actum clausi[/aq]: ¶ Annon jam satis imbibêre prata?[165]
Schelwig, Samuel
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[166]Z. B. Wenn ich den Glauben einer Laute vergleiche/ weil jene ohne die Hand des Künstlers; dieser ohne die Wercke keinen Klang von sich giebet.[167]Bisweilen setzet man ein kleines gegen das grosse. Z.B. Wo das Licht der Sonnen uns Menschen erfreuet; wie viel annehmlicher wird uns seyn das Licht des ewigen Lebens. Bisweilen setzet man ein grosses gegen das kleine. Z.B. Wo GOtt den Menschen erhöret/ wenn er um zeitliche [S Sachen anhält/ was wird er nicht thun/ wenn er umb das Ewige bittet.][168]Also beschreibe Ich den dreimal grossen Gott[169]Also nenne Ich die H. Maria eine Gotts-Gebehrerin[170]Also heisse Ich den Himmel die blaugestirnte Burg/ das Götter-Hauß/ die rundgewölbte Feste/ u.d.gl.[171]167. In den Lob-Getichten rühmen wir Gott/ die Menschen: auch unvernünftige/ ja unbelebte Sachen[172]
Männling, Johann Christoph
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[173]EIne <aq>Parodie<aq> sonst Gegen-Gedichte genannt ist/ wann ich eines Gedichtes Meinung auff gar andere Sachen <aq>applicire<aq>, als wenn man die weltlichen Erfindungen ins geistliche setzt/ und sind solche bey denen alten grichischen und lateinischen Poeten üblich gewesen/ weilen sie eine liebliche Anmuth/ durch die <aq>Metamorphosin<aq> geben.[174]Ein dichter soll vornehmlich seine Arbeit dahin anstellen/ daß er GOtt zu Ehren dichte/ wie solches absonderlich die Oden erfodern.[175]Die Fabeln und Gedichte waren nichts anders als der Mantel der Alten/ worein sie ihre Sachen wickelten/ und wer etwas verborgenes wolte vorstellen/ der that es in Versen/ in welchen die Warheit verborgen lag. Denn gleich wie eine vergoldete Pille/ die Bitterkeit verdeckt/ also verdeckte man den Nachdruck seiner Rede mit dieser Art zu schreiben/ wie <aq>Georgius Sabinus<aq> redet/ weilen keine andere Wissenschafft die Freyheit hat/ die diese Kunst ihr nimmet. Sie war der Spiegel/ so den Menschen in geist- und weltlichem Leben alles vorstellete/ was ihnen zur Sitten und Tugend lehre/ ja selbst zur Gottesfurcht vonnöthen solte seyn. ¶ §. 4. <aq>Marcellinus Lib. 5.<aq> und <aq>Strabo Lib. 5. Geograph.<aq> schreiben: Es waren dreyerley Leute/ die man in höchsten Ehren hielt: <aq>Bardi, Vates<aq>, und <aq>Druiden<aq>. Die <aq>Bardi<aq>, welche Sachsen und die <aq>Lombardeu<aq> bewohneten/ so hernach von <aq>Carolo M<aq>.sind bekehret worden/ die sungen ihre Lob-Gedichte/ und waren Poeten/ welche <aq>Nonius, Nobilitatis Cantores<aq>, und <aq>Diodorus Siculus, Poetas Melodiarum<aq> nennen <aq>Lib. 16.<aq> Von diesen kamen hernach die Meister-Sänger. Die Vates opfferten und betrachteten die Natur aller Dinge. Die Druiden pflegten über die natürliche Wissenschafft auch von guten Sitten zu unterrichten. Besiehe hievon <aq>Lucanum L. 1.<aq> von bürgerlichem Kriege. <aq>Polydorum Virgilium<aq>. Herr <aq>D. Scharffens<aq>, meines hochgeehrten <aq>Patro-<aq> [S <aq>nis<aq>, welchen Gott mit Segen kröne/ seine <aq>Disputation, de Gallorum Druidis<aq>. ¶ §. 5. <aq>Zoroaster, Eumulphus, Museus, Orpheus, Homerus, Plato, Johannes Grammaticus<aq> und andere vornemlich Grichen/ die sind die ersten Anherren dieser Kunst gewesen/ daß man also wohl sagen kan: die Dichter waren eher als die Redner und Geschicht-Schreiber: welchem <aq>Lactantius<aq> selbst und <aq>Strabo Lib. I. Geograph.<aq> Beyfall giebet: Die Poeterey sey nach der Alten Sprichwort/ die erste <aq>Philosophi<aq>, daher sie in den grichischen Städten zu erst die Knaben in der Dichterey unterweisen ließen/ daß sie theils Sittsamkeit lehreten/ theils auch desto grössere Lust zum Studiren schöpfften; und hielten die Heyden die Poeten vor Propheten wie die Schrifft weiset <aq>Act. 17. 28. Tit. I. 12. I. Cor. 15. 33<aq>. besiehe Sr. <aq>Excellentz<aq> Herr <aq>D. Scharffens Problemata Poetica<aq>. ¶ §. 6. <aq>Aristoteles, Cicero<aq>, die gaben zu erst ihre Meinungen in gebundener Rede heraus; Ja wie <aq>Livius<aq> und <aq>Cicero<aq> selbst gedencket/ so habe man alles damahls abgesungen. Und so wir das Zeit-Maß von Adam anziehen/ so will <aq>Polydorus Virgilius Lib. I. c. 14. de rerum invent<aq>. daß die Reim-Kunst dem Adam wäre von GOtt nebst andern Wissenschafften mitseinem Leben eingeblasen worden/ welcher sie den dem Seth, und der folgends seinen Nachkommen beygebracht hätte. Daher hernach Moses/ als er durch das rothe [S] Meer glücklich gegangen wäre/ Gott zu Ehren/ in Versen sein Danck-Opffer gebracht; nach <aq>Josephi<aq> Bericht <aq>Lib. 2. Antiquit. Judaic<aq>. welchem David hernach mit seinen Psalmen/ Assaph mit seinen Liedern/ Salomon mit seinem Hohenliede/ und andere mehr gefolget. Besiehe Herr <aq>M. Küpffenders Disput<aq>. vom Lob der Poesie/ desgleichen <aq>Meisnerum de Leg. p. 8<aq>. ¶ §. 7. Was <aq>Homerus<aq>, der zur Zeit des Königes Assä lebte/ und also noch vor Elia/ vor Erfindungen gehabt/ davon will noch nicht der Ruhm schweigen. Von den Griechen worde solche Kunst in dem ersten <aq>Seculo<aq> durch <aq>Livium Andronicum<aq>, und <aq>Paccuvium<aq> zu den Römern gebracht& biß sie nach und nach solche <aq>Maecenates<aq>, und Augustos erweckte/ die sie beföderten/ und es hernach <aq>Seculo X. XII. & :III<aq>. so hoch darinnen kam/ daß man es die goldene Zeit der Poeten nennete.][176]Alle Künste so nicht einen Nutzen sollen nach sich ziehen/ die verdienen mehr geflohen als geliebt zu werden; Allein unsre edle Poesie erzeiget einen dreyfachen Nutzen; Da ist sie (1) nützlich wegen GOttes/ (2) wegen unsers Nechsten (3) wegen unser selbsten. ¶ §. 2. Nützlich ist diese annehmliche Wissenschafft wegen Gottes/ denn da kan ein verpflichteter Mensch die Ehre seines Schöpffers ausbreiten/ wie Rist/ Opitz und andere gethan. Kayser Ludwig der Gottselige genannt/ wolte diesen Nutzen im Wercke weisen/ in dem er aus Liebe zu der Poesie die Biebel in Reime bringen ließ/ wie das Register <aq>Testium Veritatis pag. 1035<aq>. berichtet / und <aq>Otfridus Wissemburgensis<aq>, wie eben daselbst <aq>pag. 934<aq>. zu finden ist/ ließ ein Theil des Evangelien-Buches in deutsches Verse bringen/ um seine <aq>Devotion<aq> gegen GOtt zu bezeugen.[177]§. 4. Nicht genung ists/ wie etliche meinen/ wenn man nur reimen könne/ und dörffe man dahero keiner nothwendigen <aq>prosodi<aq>; allein von denen heist es/ was Lutherus zu einem sagte/ welcher meinete/ er könne eine Predigt vom Zaune brechen/ ja sprach Lutherus/ man hört es auch ziemlich prasseln. Wer ohne Regeln schreibet/ der ist gewiß aus der Stamm-Linie der Meister-Sänger die Knittel-Reyme machen.[178]
Zesen, Philipp von
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[179][ROsemund, J.T.: Ach! wie glüklich ist die seelige Laure/ indem sie noch vor ihrem tode so einen geschikten Dichtmeister gefunden: welcher ihre hohe himmelstugend/ nicht allein bei ihrem leben ein [S] und zwanzig/ und nach ihrem tode zehen jahr/ geliebet; sondern auch/ üm solcher ihrer vereinbahrten treuen Liebe willen/ dem unvergänglichen buche der ewigkeit einverleibet][180][M., J.T. Und es bleibet doch ewig darbei/ daß nüchterne gedanken heiliger/ volkommener/ weiser/ und unsträflicher seind/ als trunkene.][181][M., J.T. Jedoch wolte ich darbei bedungen haben/ daß ein solcher Nahme nur den volkomnesten Meistern der Dichtkunst zugeeignet werde: den andern aber/ die mit ihrem lappen- und lumpen-werke bei allen begräbnüssen/ hochzeiten/ kindertauffen/ gebuhrts- und nahmens-tagen/ mit des Ertzvaters Abrahams groß knechte/ dem hohen adel der Dichtkunst zum höchsten nachteile/ betteln lauffen als auch denen/ derer Reime nach des ersten Egiptischen Königes tantze so anmuhtig klingen/ daß seine gemahlin/ die liebliche Vene/ wan sie noch lebete/ ohren und augen verstopfen würde][182]Wan sterbliche bei irdischen geschöpfen iedmahls eine götliche weisheit vernommen/ ein Englisches wesen verspühret/ eine himlische gestalt geschauet/ eine überirdische schönheit erblikket/ und solches auch wohl alles zusammen/ und auf eine zeit bei einem Erdenkinde; so ist es doch schweerlich so gewis und so volkommen/ als alhier bei unserer Schönen/ an diesem zehenden Rosentage/ noch niemahls geschehen.[183]Ob es ein mans- oder weibes-bild sei/ konte er nicht erkennen. Das angesicht war überaus schön gebildet/ weis wie der schnee/ mit einer anmuhtigen röhte vermischet: über die achseln/ die halb entblößet/ flog ein sehr schönes goldgefärbtes haar/ dadurch ein so liebliches Englisches wesen herfürblikte. Die kleidung befand sich eben also/ wie sonst die mahlerkunst die tracht der Engel [S zu bilden pfleget/ lang und weis.][184]Dis hohe fest/ ist auch zu hoch gesprochen von menschlichen fest- oder gebuhrts-tagen/ und kömt den Götlichen allein zu.[185]vom zwitschern und gleissen: bergpech/ d.i. kamfer damit/ nach Gottes befehle/ des Noe kasten/ und Moses papiernes schilfkästlein verpicht gewesen[186]Deuwille [(a) = d.i. [aq]Sibylla[/aq], vom alten Griechischen [griech., d.i. [griech.], und [griech.]: welches so viel als unser Deuwille (daraus das hartklingende t/ des wohllautes wegen/ weggeworfen) d.i. Gottes wille/ heisset.]][187][M., J.T. Die Bluhtpfennige/ dafür Judas unsern Heiland verrahten/ nennet der Heilverkündiger in der grundsprache auch [griech.]; die wohl arg genug gewesen. Der seelige Luhter giebt es nach dem buchstablichem verstande Silberlinge][188][M., J.T. NAch volendeten diesen reden/ gelangten sie ans land/ und besuchten/ mit noch andern fremden/ die schon des vorigen abendes daselbsten angelanget/ das GOtteshaus. Von hier/ so bald sie ihren Gottesdienst verrichtet/ begab sich die gantze geselschaft in das nähstgelegene würtshaus][189][M., J.T. Dan wil ein Dichtmeister von Geist-und Göttlichen sachen schreiben; so mus er ein Gottsgelehrter sein. Wil oder sol er/ durch seine feder/ etwan die Rechte/ und derselben an-[S]hang / die Stahtsgeschäfte/ nur ein wenig berühren/ wie oft fürfället/ wan eine Rechts- oder Stahtssache sol erörtert werden; so mus ihm des zweifachen Rechtes heiligtuhm samt der Stahtskunde/ wohl bekant sein.][190]M. Es ist eben dieselbe Stadt an der Elbe/ die noch itzund Magdeburg heisset: da üm die zeit der gebuhrt unsers Heilandes der Röhmische Feldherr Drusus Nero/ und nicht sein sohn/ Drusus der Deutsche/ (a) wie etliche wollen/ das Bild und Heiligtuhm der Vene oder Feine gestiftet;[191][M., J.T. Nun ist ja S. oder J. Durchl. lange so ein hohes wort nicht/ als Hoheit: welches das allerhöchste in unserer gantzen sprache/ und keinem andern/ als dem allerhöchsten GOTTE/ der sich so hoch gesetzet hat/ und schauet auf das niedrige im Himmel und auf erden/ und dan seinen Stathaltern hienieden/ als den höchsten irdischen Göttern/ den Weltherren/ Keisern/ Ertzkönigen/ Großkönigen/ Großherren/ Großfürsten/ Königen/ udg. zukomt.][192]D. Mein Herr geruhe günstig und im besten zu vermerken/ daß ich wider seine kluge gedanken den Niederländern das wort rede/ und bejahen darf/ daß sie recht getahn/ wan sie ihren Fürsten S. Hoheit genennet; weil er das höchste Heupt bei Ihnen/ sein eigner Herr ist/ und keinen andern/ als GOTT im Himmel/ über sich erkennet.[193]Itzund war eben die sonne aufgegangen/ als sich Mahrhold aus seiner nachtruhe erhub/ diesem des HERrn ruhetage sein recht zu tuhn/ und dem Höchsten der Götter/ durch etliche andachten/ seine gebühr zu erweisen/ ehe sein Deutschlieb ihn abforderte: welcher mit ihm hinüber ins Wasserland/ zur kirche/ zu fahren versprochen. Und so hatte er kaum ein stündlein mit lesen verschlossen/ als sich sein Hertzensfreund schon einstellete. Weil es aber in etwas zu früh war/ auch die wasserbeume noch nicht eröfnet/ ergetzten sie sich beiderseits noch eine guhteweile mit lesen der h. Schrift;[194]Ich versichere Ihn/ daß Er tausend guhte redliche Leute bei uns finden wird/ die zweier oder dreier Neidhämmel boßheit/ die sich wider seinen hertzlich guhtgemeinten fleis rüsten und brüsten/ in die hölle verdammen. Einer Seiner boßhaftigsten Verleumder/ denen Er doch nichts anders getahn/ als daß Er/ durch Seine himlische Tugend und Göttliche gaben/ in erhöbung unserer Heldensprache aus ihrem schlamme/ das natterngift ihrer lästerzungen erreget/ mus itzund vor seine boßheit/ an Seiner un-[Sschuld bewiesen/ mehr als genug büßen/ nam. Er kan wohl errahten/ wen ich meine. Nun er stehet schon vor Gottes Gerichte/ und mein Herr hat sich seinet wegen nichts mehr zu bekümmern. Besser ist es/ daß er hier zeitlich/ als dort ewig leidet: welches fürwahr eine sonderliche gnade Gottes ist/ die ihn zur buße lokket. [Der Wohlriechende, J.T.]][195]Es were sünde/ wan man könte/ und es unterliesse/ ja die gaben des Götlichen lichtes also unter den scheffel stekte. Was vor einen lieben dank mein Herr bei den frommen Sprachliebenden/ durch ausfärtigung seiner Verschmäheten doch wieder Erhöheten Majestäht/ verdienet/ ja was vor ein unsterbliches lob Er hierdurch erlanget/ kan ich nicht gnugsam aussprechen. [Der Wohlriechende, J.T.][196]Ach! es ist eine solche schwacheit/ die/ sonderlich itzund/ in vieler/ auch wohl großer Männer hertzen herschet; welche noch darzu Andächtige und Gottsfürchtige heissen wollen. Man weis doch wohl/ daß Er nach dem seeligen Opitz der erste ist/ der von der Deutschen Dichtkunst etwas tüchtiges heraus gegeben. [Der Wohlriechende, J.T.][197]Aber darüm darf Er sich nicht ärgern/ daß nach der zeit/ da Er sich/ in seinem reiffen alter/ in der Deutschen Sprache/ durch unvergleichlichen scharfsinnigen verstand/ und unaussprechlichen fleis immer höher und höher geschwungen/ der Neid die wahrheit verkehret/ und man gerufen/ Kreutzige/ kreutzige Ihn/ er ist ein verführer des Volks. [Der Wohlriechende, J.T.][198]Mein Herr fahre nur fort in seiner höchst-rühmlichen Tugend: darinnen Er schon so hoch gestiegen/ daß man itzund mehr als wahr zu sein befindet/ was jener Hohe Priester Kaifas/ der das Hochdeutsche Gedicht vor seine Sprachübung gemacht/ in der letzten zeile desselben von Ihm gleichsam geweissaget. Und so ist Saul noch unter den Profeten/ und saget zu weilen wahr/ wan er nicht wil. Hiermit befehle ich Denselben der Göttlichen beschirmung/ [Der Wohlriechende, J.T.][199]D. Bei diesem fehler im worte des verlangen/ den mein Herr eben verbessert/ erinnere ich mich itzund/ daß ich in einem liede gelesen: hilf mir/ du Schutzherr Israel ach! hilf/ hilf meiner seel'. Nuhn habe ich mich allezeit daran gestoßen/ und es für eine sünde wider das erste geboht gehalten/ daß man solcher gestalt redete/ indem alhier Israel/ als ein schutzherr/ angebehtet würde. Ja ich meinte nicht anders/ als daß es ein Päbstler gemacht. Aber nun sehe ich aus seiner erinnerung/ daß es du Schutzherr Israels heissen sol: darunter ich dan den wahren GOTT verstehe/ nähmlich den GOTT Israels oder Jakobs. ¶ M. Freilich ist es nicht wohl getahn/ daß etliche zuweilen/ des reimes wegen/ das end-s von derglei-[Schen wörtern weglaßen/ und also den gantzen sin der rede verändern/ verkehren und verwürren: gleich wie man alhier im worte Israels getahn/ nur darum/ daß es sich mit seel' reimen könte. Auch kan ich demselben nicht gleich geben/ der nach Lateinischem gebrauche/ fürgiebet/ man möchte die fremden eigenen nahmen in unserer sprache/ durch ihre beugendungen und fälle/ den eingebohrnen Deutschen wörtern nach/ beugen/ oder nicht/ es sei alles eins. Ja wan in obangezogenem liede dem worte Israel das geschlechtswort des vorgesetzt were/ daß man daraus die fälle sehen/ und den eigendlichen sin vernehmen könte/ damit es hiesse/ du schutzherr des Israel; so möchte es zwar/ als eine pritschmeisterische freiheit/ hingehen. Aber der rechtmäßige gebrauch wil auch dieses in denen fremden wörtern/ die nicht schon auf ein s ausgehen/ gantz nicht billigen; sondern man mus dannoch das s darzu setzen/ ob gleich das geschlechtswörtlein des voran stehet/ und sagen: du Schutzherr des Israels/ des Jakobs/ des Abrahams/ des Davids; oder du Schutzherr Israels/ Jakobs/ Abrahams/ Davids/ usf. ohne das geschlechtswörtlein des. Ein anders ist es/ wie wir nur itzund gesagt/ wan dergleichen undeutsche eigene nahmen schon auf ein s ausgehen/ als Demostenes/ Pindarus/ Jesaias/ Enos usf. Als/ dan sagt man nicht unrecht: der GOtt des Jesaias/ des Enos/ die rede des Demostenes/ das lied des Pindarus. Aber wan man auch bei diesen das geschlechtswort des allezeit weglaßen wolte; so würde es zuweilen ohne verwürrung und verdunkelung des sinnes nicht geschehen: es sei dan/ daß man solche nah-[S]men auf unsere ahrt/ wo es sich schikken kan/ beugen wolle/ und sagen: der Gott Jeremisens/ oder Jesaisens Gott/ Pinders lied/ usf. Die rede Demostenesens kan ich nicht sagen/ weil das wort zu lang wird: auch nicht/ die rede Demostenes: aber wohl Demostenes rede/ wan der eigene nahme voran stehet. Dan also kan iederman wohl vernehmen/ was ich sagen wil. Hierbei mus ich noch eins erinnern. Einsmahls kahm mir ein Lied vom Leiden unsers Heilandes zu handen/ darinnen sein künstler unsern Heiland also anredete: Du starker zwinger Belial/ erhöre meiner stimme schal: das reimete sich zwar/ aber was es dem sinne vor eine verdunkelung gebracht/ habe ich wohl erfahren. Dan ich fragte straks sechs ümstehende/ die doch sonst ziemliches verstandes waren: wer alhier durch die worte/ du zwinger Belial/ angeredet würde? Diese gaben alle zur antwort: der Teufel; dan also werde er ja in den h. Schrift genennet. Das war erschröklich zu hören/ daß die leser den Teufel verstunden/ wie dan auch die worte/ dem buchstaben nach/ keinen andern verstand hatten; da doch der Reimenschmid (dan anders konte es nicht sein) unsern HERRN und Heiland/ den Widersacher und Bezwinger des Teufels/ wolte verstanden haben. So bald ich sie aber ferner fragte: wen sie dan durch diese worte/ der überwinder Belials (die ich mit fleis also veränderte) verstünden? gaben sie zur antwort: den Heiland der welt/ der ein überwinder des Belias oder des Teufels sei. Daraus sage ich/ was vor erschröklicher irtuhm aus dem falschen und unbedachtsamen schreiben und reden entsprüßet. Dan einfältiger leute verstand [S] gehet gemeiniglich dem buchstaben nach: ist nun der buchstab falsch/ so ist ihr verstand auch falsch. ¶ D. Der verfasser solches Gesanges mus ohne zweifel auf die worte des bekanten Harfenliedes/ die Bäche Belial/ usf. gesehen haben: da Belial eben also gesetzt ist. ¶ M. Es ist zwar eben also gesetzt: aber gleichwohl verdunkelt es alhier den verstand und sin nicht so gar/ wie in denen reden/ da ein selbständiges wort/ welches ein amt oder verrichtung eines menschen bedeutet/ darbei stehet/ als in den obangezogenen reimen. Zudem möchten wohl zehen darüm streiten/ ob es der hocherleuchte Luhter also gesetzet: dan in einem der ersten drükke seiner übersetzung habe ich die Bäche Belials deutlich gedrükt gefunden. Und wan er es schon also gesetzt hette/ so ist er doch auch ein mensch/ als andere/ und daher zugleich mit ihnen der menschlichen gebrechligkeit unterworfen. Ja darüm sage ich/ daß ein Bücherschreiber sich wol zu hühten habe/ daß er durch dergleichen dunkele und zerstümmelte sinne (die zwar er recht verstehet und fasset/ aber andere unrecht/ und nach dem bloßen buchstaben) die einfältigen/ die mehr der wörter bloße zeichen/ als der sache/ davon die worte reden/ eigendlichen sin und verstand/ ansehen/ oder so weit nicht nachdenken können oder wollen/ ja nicht in den greulichsten irtuhm führe/ und sich also/ als einen verursacher/ desselben mitteilhaftig mache. ¶ L. Wan nun hinter dem worte Belial ein s in der gebuhrtsendung mus angefüget werden/ sol es alsdan nicht nach ahrt der Ebreer/ weil es ein Ebrei-[S]sches wort ist/ lang gezogen/ oder das lange s gebraucht werden.][200]
Pfefferkorn, Georg Michael
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[201]IV. Man muß nicht Lust tragen an garstigen unflätigen Possen/ und ärgerlichen Liedern/ denn sonst triffts ein/ was [aq]Hieronymus[/aq] beym [aq]Grutero[/aq] in Face artium lib. Syll. 5. c. 7. p. 120. spricht/ [aq]Poetarum Versus esse pabulum Dæmonum[/aq], und mus darnach heissen/ was [aq]Paulinus Epist[/aq]. 7. gesagt: [aq]Negant Camænis, nec patent Apollini dicata Christo pectora[/aq]. Nicht alle Gedichte sind zu lesen verboten/ sagt [aq]Gregorius lib. 9. Regist. Ep. 49[/aq]. sondern nur diejenige/ [aq]quae libidinis fomenta excitant[/aq], denn man opfert dem Teufel nicht nur allein/ wenn man ihm Weirauch anzündet/ sondern wenn man auch Lust hat an garstigen und lust-reizenden Rede-Arten und Liedern.[202]§. 2. Nun müssen wir Christen zwar gestehen/ daß [aq]Martialis[/aq] nicht darmit auskomme/ [aq]Lasciva est nobis pagina, vita proba[/aq], und wie [aq]Adrianus[/aq] von dem [aq]Voconio[/aq] gesagt/ [aq]Lascivus versu, mente pudicus erat[/aq]; Dann es ist nach unsers Heilandes Meinung kein einiges unhöfliches Wort zu reden vergönnt/ in Erwegung daß darvon soll Rechenschafft gegeben werden: Sondern diejenige loben wir/ welche ehrliche Scherze mit ehrlichen keuschen Worten einführen. Denen kan nicht allein das obige Urtel CHRisti nicht nachteilig seyn/ sondern sie sind noch zu loben/ weil auch der S. [aq]D. Finkius[/aq] sagt/ die H. Schrift ließ solche Scherzworte auch wol zu/ wenn sie sagt: Eure Rede sey gewürzet/ da [aq]Sal[/aq] so viel könte heissen/ als eine ehrliche Scherz- und Lust-Rede. ¶ §. 3 Also wann ich solt und müste Sachen einführen/ derer man sich zu schämen hat/ macht ichs wie Opiz ¶ Es kam dahin/ wohins zu kommen wehrt/ ¶ Da wo man auf die Wand den blossen Rükken kehrt. ¶ Also hat auch der edle Poet [aq]Sannazar[/aq] etwas genennet: [S ¶ -- [aq]Unde prodire solent[/aq] ¶ [aq]Qvæ de Sabaeis nil spirant messibus auræ[/aq]. ¶ [aq]Virgilius[/aq] nennt/ das ich nicht sagen mag/ arvum genitale, wie solche Keuschheit auch bey den Ebräern bekannt ist/ die nennen [aq]partes genitales, Pedes, hinc urina dicta est[/aq] Pedum aqva 2. reg. 18. 27. [aq]Sumere aqvam est ad secreta ventris ire Jud. 3. 25. 1. Sam. 24, 4[/aq], Drusius qq. Ebr. l. 1. q 35. p. 29. sqq. ¶ §. 4. Buhlen Lieder und garstige Hochzeit Sachen zuschreiben kömt keinem rechtschaffenen Christen viel weniger Poeten zu/ welcher dem gemeinen Wesen in Lobung der Tugenden und Scheltung der Laster dienen soll. [aq]vid. sup. p. 9[/aq]. ¶ §. 5. Derowegen mag niemand meinen/ daß die unhöffliche Lieder/ so hin und her bey den Liedermännern anzutreffen/ von einem ehrlichen Gemüht/ sondern vielmehr von ungelehrten Liedes-Phantasten geschmiedet seyn.][203]Bisweilen auch von einem Anagrammate oder Letterwechsel/ [aq]cui magnam efficacitatem inesse ridiculè putant Cabbalistae[/aq]. Capnio. l. 1. (wie dieser Wechsel leicht zu machen/ und daß darbey ein völliger [aq]Sésus[/aq] heraus kommen müsse/ berichtet Harsdorf. im Trichter.) [... Andere machen ein Gedicht vermittels der Trigonischen oder dreyekk Zahl-art. Durch welche Zahlen/ nach Rabbinischer [aq]Cabbalae[/aq]-Art/ der Name dessen/ welchem man ein Gedicht aufsezt/ in andere Wörter verändert wird/ die eben sol-[S]che Zahl Summa machen/ als das [aq]nomen convertendum[/aq] hatte.][204]UM GOtt/ Kunst und die Tugendhafften nach Vermögen zu ehren/ und meine andere Studien zu ver-fassen habe ich die Feder zu diesen Sachen angesezzet; und weil ihrer viel andere Ergözzungen suchen und ihre Zeit dadurch verkürzen wollen / auch solche nicht selten mit Gefahr grosser Beschimpfung verüben/ habe ich gedacht/ stat eines solchen Nebenwerks mich der göttlichen Dichtkunst zubedienen. Und ob gleich etliche sagen/ daß solche sich mit denen / so der Gottes Lehre obliegen/ nicht befreunden könte/ massen es gleiche Fügniß hätte/ als wenn man Greiffe zu denen Pferden spannen wolte/ wie H. D. Dannhawer mit solchen Worten derer obgedachten Irrtuhm erzehlet; So weis doch iedweder/ so Verstand hat/ daß solches weit vom Ziel der Warheit abgehe. Denn ich wil hier nicht anführen / daß GOTT selbsten die Dichtkunst geehret / in dem er (nach etlicher Ausleger Meinung/ wie der Ehrw. [aq]Beda[/aq] in der Erkl. [S des 45. Ps. des schönen Gedichts/ auf die Vermählung des HErrn JEsu mit seiner Kirchen/ [aq]p.m.[/aq] 528. schreibet) also singet: [aq]Ebullit cor meum (rem) verbum bonum[/aq]; alwo zwar durch das [aq]ebullire[/aq], von etlichen verstanden wird die [aq]ineffabilis generatio[/aq], und durch das [aq]Cor meum[/aq], die [aq]intima substantia DEI, quâ occultus est quicquid est[/aq]; so hat doch solche Worte H. Lutherus gegeben/ mein Herz dichtet ein feines Lied; Dieses sag ich/ wil ich aniezt übergehen/ und nur das erwehnen/ wenn der obgenennten irrenden Sazz auf festem Grunde bestehen solte/ so hätte Moses nicht singen dürffen/ der sinnreicheste Orfeus auf Sion/ David hätte auch seine Lauten und Dicht-Kunst hinlegen müssen/ Salomo hätte das herrlichste und vortrefflichste Lied/ wie es [aq]Münsterus[/aq], das geistliche Gedicht/ wie es [aq]Glasius[/aq], das [aq]Carmen Spirituale Bucolicum[/aq], wie es der S. Gerhard nennet/ das hohe Lied/ von der Liebe des Himmelischen Bräutgams und seiner Braut der Kirchen/ in den Weingärten Engaddi unter den schönsten Palmen und wolriechenden Balsambaumen nicht dichten/ und über die 1005. Lieder/ (1. König 4.) nicht 500. Bücher voll Gesange/ wie Josephus 8. B. 2. Cap. bezeuget/ schreiben/ und der rechtgläubigen Kirchen hellflammende Liechter/ Lutherus/ Selnekker/ Bekker und andere hätten ihre Lieder-Schreib-Feder nicht ansezzen dürffen. Und zu dem/ wer wolte sagen/ daß es Gott mißfiele/ wenn man ihn lobte/ wer lobet aber GOtt mehr/ als ein Dichter / wie Herr Rist singt: ¶ Wenn lobet GOtt ein reiner Mund? ¶ Wer ehret ihn aus Herzen-Grund? ¶ Ich mein/ es thuns Poeten. ¶ Wer singet GOtt ein Liedelein? ¶ Ich sage/ daß es Dichter seyn. ¶ Wer wolte doch sagen/ daß die übel thäten/ welche mit Dichten die teutsche Mutter Sprache wo nicht vermehren/ doch auch nicht vermindern/ und durch dz Lobgetöne der aufrichtigen Zungen/ und mit warhafftiger Feder die [S] Tugendhafften also bebalsamiren/ daß sie in undenklich Jahre hinaus/ auch ob gleich entseelet/ einen lieblichen Geruch behalten können?][205]Aber das Außhöhnen/ welches alle Künste leiden müssen/ achtet ein Liebhaber der Tugend so wenig/ als jener [aq]Philosophus[/aq], welcher/ als man sagte/ es lachten ihn die Leute wegen seiner Gelehrsamkeit aus/ sprach; [aq]rident me illi, & illos rident asini[/aq], nach Aussagen des [aq]Hugonis d. S. Victore l. 3. erudit. Didasc. c. 15. p. 15[/aq]. Ein Tugendhaffter/ sage ich/ achtet solches wenig/ in dem ihm über dieß wol bewust/ daß die Poesis, wie [aq]Cherus[/aq] im Ersten Teil der zusammen gedrukten Holländischen Poeten sagt/ [aq]rerum divinarum humanarumqve quinta essentia[/aq], oder/ wie [aq]A. S. Minturnus[/aq] in seinem Buch vom Poeten p. 18 spricht/ daß sie sey [aq]Oceanus omnium disciplinarum[/aq], [S [aq]qvò illæ, ut inde ortum habuerunt, ita confluunt[/aq]; Er giebt auf die Verhönung nichts/ weil er weis/ daß ihr Ursprung Göttlich sey; Dann [aq]Poëtica elocutio à Scripturis sumsit exordium[/aq]/ nach dem Zeugniß des [aq]Cassiodori[/aq] über die Psalmen; Wie dieses Herr [aq]D. Bakius n Prolegomenis[/aq] seines erklärten Psalters weitläuftiger ausführet. Und ob gleich die Heiden was darzu gethan/ hat sie uns doch nebst der beweglichen Beredsamkeit wieder werden müssen: Dann wie die Israeliten das Gold denen Egyptier abnahmen; also haben wir Christen auch diese zwey edle Künste denen Heyden wieder entwendet/ und zu unserm Christlichen Gebrauch angewendet wie diese Redens-Art nachdenklich gelesen wird in [aq]I. Canon. can. 7. distinct. 37[/aq]. Dannenhero schleust ein Verständiger/ ie höher Ursprung der Tichtkunst/ ie wol anständiger sie auch allen Zierlich-gelährten sey.][206]Wie zierlich und nützlich ist sie [die Tichtkunst, J.T. einem Gottesgelehrten? Was kan der durch ein Geistliches Lied einem betrübten Menschen vor Trost und Freude von GOtt und der Seeligkeit machen? Da man geht in vollen Sprüngen/ wenn man GOTTES Wort hört singen/ wie hierinnen der Seel. [aq]Luthierus[/aq] und der wolgeprüfete [aq]Paul Gerhardi, D. Müller[/aq] und [aq]D. Olerarius[/aq] bewehrte Meister seyn. Kein schlechtes Gebet beweget so sehr/ als dasjenige/ so in Reimen gefasset ist/ welches auch der Heyde gewust / wann er gesagt. [aq]Carmine dii superi placantur, carmine Manes[/aq].][207]so geht doch solches nur dahin/ daß man sich nicht einzig und allein drauflegen und eine Profeßion daraus machen solle/ und leßt es zu/ daß ein verständiger David/ ein kluger Salomo ein gelährter [aq]Carolus Magnus[/aq] (a. [[aq]Gryphiand[/aq]. Weichbild [aq]c. 5. p. 10[/aq]) ein verständiger [aq]Alphonsus[/aq], (b. [[aq]Buchanan. l. 10. rer. Scot. p.m. 372.[/aq]]) ein erfahrner [aq]Jacobus[/aq] in Engeland/ einen Vers mache/ und nicht aus Dürfftigkeit/ sondern zur Lust und Gemühts Ergözzlichkeit sich des Tichtens bediene/ und etwann ein geistlich Lied wie vor diesem [aq]Wilhel. IV. D. Sax[/aq]. Das Lied GOTT der du hast Friede gegeben/ dem Himmel zu Ehren aufsezze/ oder sonst was Zierliches zur Ergezzung verfertige.][208]§. 2. Wie nun die Reimen in der Hebreischen Sprache anzutreffen (welches Buxdorff [aq]Gramm. p. 629[/aq]. aus dem Psalter beweiset;) wie sie auch anzutreffen in der Lateinischen/ (da [S man nicht allein in der Mitte des Wortes den Reim/ als [aq]bella puella decoræ more pa læstræ[/aq] beobachtet/ wie [aq]P. Caroli. Aim. Gell, c. 19. p. m. 499[/aq]. schreibt/ sondern auch am Ende/ wie [aq]Bernhardus und Cremcovius[/aq] gethan: Also auch [aq]Lucanus: Majores in luce moras tu sola furentem, inde virum poteras atqve hinc retinere[/aq] parentem. Wie hiervon zusehen seyn [aq]Massenius l. 2. Pal. E. Poët.c. 29. und Jac. Balde in Philomela[/aq], und gedachter [aq]Ph. Caroli d. I[/aq]. ;) Also sind sie in der teutschen Sprache am allerbekantesten.][209]
Frohne, Johann Adolph
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[210]In Gedichten von GOtt/ Königen/ Fürsten/ Tragischen Thaten/ Stadwesen/ u.d.g. braucht man prächtige/ hochtrabende etc. Worte.[211]
Hadewig, Johann Heinrich
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[212]Zu dieser poetischen Bescheidenheit gehört auch die Schamhafftigkeit/ da sich einer hütet/ daß er im Getichte nicht garstige und unverschamte Wörter einführe; dan dadurch werden ehrliebende Gemüter geärgert/ [S die [aq]Poesie[/aq] verachtet/ und welches das schwerste ist/ die Engel im Himmel betrübet/ und Gottes Zorn und Straffe erwekket: dan man am Jüngstenthage von einem jeden unnützen Worte Rechenschafft geben soll: Schreibet demnach [aq]Georgius Sabinus[/aq] recht][213]Zum Exempel wie die Alexandrinischen Verse am übligsten gebrauchet werden/ habe auf gutachten guter Freunde/ einen Lobgesang von der Geburt Jesu Christi/ den ich ohnlängst mir/ zu gottseligen Weyhnachtgedancken/ aufzumuntern/ verfertiget/ zugleich mit dieser [aq]Prosodie[/aq] absonderlich müssen drukken lassen; denselben kan der günstige [S Leser/ die gegebene Regulen desto besser zu fassen/ nützlich hinter die [aq]Prosodien[/aq] am Ende hinzufügen.][214]Die Hochzeit- und andere Glükwunschungs- können auch Freuden-Getichte genandt werden: So wird auch dieser Name einem solchem Getichte/ der von geistlichen Freu- [Sdensachen handelt/ bequemlich zugeeignet. ¶ Dan wie man in jenen von leiblicher Freude und Ergetzligkeit handelt. Also wird in diesen die geistliche Freude entdekket; wie wir dan unsere Freude und Lust an dem HErren haben und ihm im Hertzen spielen und singen sollen. Also kan ein Getichte von der Geburt/ Auferstehung oder Himmelfart unsers HErrn Christi/ größlich verfertiget und ein Freuden-Getichte genandt werden.][215]Dan da der Geburtstag in Gesundheit [S erlebet/ freuet man sich billich darüber; und zielet der Wunsch dahin/ daß er bey der Gesundheit möge gestärkket werden/ da aber in grosser LeibesSwachheit der Tag der Geburt erreychet/ wünschet man/ daß der HErr die Swachheit ändern/ und nach diesem den Tag frölicher wolle erleben lassen.][216]In den Begräbniß-Liedern aber/ wird sonderlich die Nichtigkeit menschliches Lebens/ und hergegen die Herrligkeit des zukünftigen FreudenLebens eingeführet.[217]Und weil die Traur-Getichte Traurigen zu Trost billich müssen gemachet werden/ schikken sich zu denselben die Trochaischen und Jambischen Verse am bequemlichsten; Dactylische und Anapästische aber werden dazu nicht gebraucht; man wolle dan mit frölichen himmlischen Reden/ die traurigen Hertzen aufmuntern und Trostgedankken beybringen[218]ES hat der allwissender Schöpffer vor andern Teutschland sonderlich gezieret und mit herrlichem Lobe außgeschmücket[219]Ich lasse allerley Künst- und Sinnreiche Arbeit wolwissent unberühret; Stelle dir aber zu bedencken vor/ in was Auffnehmen die Künste und Sprachen/ wie auch Geist- und Weltliche/ Himlisch- und Irrdische Sachen/ bey uns schon vorlängst kommen sind/ und wie diesen allen noch täglich mit emsigen fleiß tieffer nachgesinnet werde![220]Die Heyden machten auß blindem Eyfer ihren Götzen in ihrer Sprache unterschiedliche Ehrengetichten/ und wir Kristen solten träg seyn unsern Gott/ den wir zu Ehren ohne das höchlich verbunden/ in unser MutterSprache zu ehren? Die heiligen GOttes/ haben so wol im alten als Neuen Testament durch Antreib des H. Geistes in ihrer gewöhnlichen Sprache den Drey-Einigen Gott mit Danck-Psalmen und Ehren-Liedern gepriesen/ die von dem HErrn so wehrt geschätzet/ daß sie uns zur Nachfolge in der Schrifft sind gesetzet worden; und uns solte in unser MutterSprach dergleichen zuversuchen einzig verarget und verüblet werden![221]warum solte mit Teutschen Worten Verse zu schreiben unmüglich seyn/ da doch die Sprache vollkommen ist/ und sie alles was ihr vorkömpt außsprächen kan? Sprichstu weil sie die übliche [aq]quanti[/aq]tät der Griechen und Lateiner nicht gebraucht? Ey so wisse daß diese beyden in diesem Stück etwas sonderliches haben/ daß ihnen andere Sprachen in solcher Zierligkeit schwerlich oder nimmer nachthun können; So aber das allein ein Versch ist/ der nach einer Sprachen erfoderung gemacht wird; so werden die Rabbinen (dann sie die [aq]quanti[/aq]tät auch weit anders als die Griechen und Lateiner suchen;) keine Verse machen können/ und mit ihnen andere Läner sich der [aq]Poesie[/aq] überall enthalten müssen.[222]Sprichstu aber wir beweisen ja ein anders in dem Gebett des HErrn/ daß wir nach des Herrn [aq]Lutherus[/aq] Verdolmetschung Vatter unser anfangen: Aber daß der Herr [aq]Lutherus[/aq] daselbst [griechisch, Vatter unser verdeutschet/ hat er nicht auß unwissenheit der teutschen Sprache gethan/ dan seine Außlegung viel anders davon zeuget; wenn er saget/ Gott will uns damit locken daß wir gläuben/ sollener sey unser rechter Vatter. Und nicht er sey der rechter Vatter unser. So können auch seine geistreiche Schrifften annoch sattsam außweisen/ daß er vor andern die teutsche Sprache trefflich wohl verstanden/ und derselben Reinlichkeit emsich gesucht und fleißig befodert habe; besihe unter andern den 5. Jenischen [aq]Tom[/aq]. am 140 und folgenden Blättern/ sondern wie das ein sonderlich Gebett/ und von Gott selber gestellet/ [S] so hat er auch mit dem ersten Wort einen sonderlichen Nachdruck andeuten/ und nicht eben so genaw in diesem einzigen die Art unser Muttersprache achten wollen; weil uber das die Meynung der Rede leicht begriffen und vernommen wird.][223]Dan in den Gedichten muß die Rede nicht wider den rechten Gebrauch der Sprache gesetzet werden/ sondern so wenig im hebraischen Versen wegen des Reimes wider die Art der Sprache gehandelt wird/ eben so wenig ist auch billich daß man in den teutschen Reimen die rechte Eygenschafft der Sprache aufhebe.[224]Gleicher weise [wie im Hebräischen, J.T. ist auch der Reim bey den Teutschen nicht allein längst üblich/ sondern stehet auch in den Versen zierlich/ jedoch daß man den Vers nicht nach dem blossen Reim schätze][225]Und dieses nach Art der Hebreer/ den so schreibet [aq]Buxtorf[/aq].[226][hebräisches Wort][227]
Kempe, Martin
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[228][aq]Mihi tamen religio sit, heîc silentii peripetasmati planè involvere, vel etiam dissimulare, quae omnes aequitatis amantes gratâ mente agnoscunt & honorant. Nihil certè est, quod homines tàm a beneficiis de-[/aq] [S.i.O. [aq]terreat, quàm ingratus accipientis animus, verè quondam sapiens dixit. Quam ob rem, ne & mihi quispiam contumeliae cauteriô notam foedissimi criminis inurat, VOBIS aliquid, quantum mea supellex permittit, in gratae mentis indicinam, offerendum duxi.[/aq]][229]Was vormahls Palumed und ¶ Cadmus kunt' ergründen/ ¶ Was Rom in Ertz und Wachs/ ¶ und Pergamus hernach ¶ Auf Pergament gebracht/ ist ¶ durch die schöne Sach ¶ Das Nutz-bereichte Werk/ der ¶ Drukker-kunst erfinden ¶ Uns glükklich mitgetheilt: wir ¶ haben was gelehret/ ¶ Ja die selbst eignen Wort' und ¶ Sprüch' in grosser Zahl/ ¶ Wir wissen was geschehn/ bald ¶ dieß bald jenes mahl. ¶ Wie Capua/ Corinth/ Numan- ¶ tien/ verstöret/ ¶ Und Didons grosse Stad/ wer ¶ Persien besieget/ ¶ Was Annibal versucht/ was ¶ Ninus auf erbaut/ ¶ Wie sich dem Fichten-baum' hat ¶ Jason anvertraut ¶ Um Colchis güldnes Fell/ wie ¶ Mithridat gekrieget/[230]sie [die deutsche Sprache, J.T. muste traurig wallen ¶ Im Elend' hin und her als eine ¶ Bettlerinn ¶ Und wuste keinen Freund/ biß ¶ daß ein Fürsten-Sinn ¶ Durch himmlisches Geschikk' ein ¶ hertzliches Gefallen ¶ Zu ihr vor andern trug/ worauf ¶ der Palmen-Orden/ ¶ Die Hochgelehrte Zunfft ver- ¶ ständig angestellt/ ¶ So sie biß diesen Tag beschützet ¶ und erhält/][231]Du [die Palme, J.T. bist und bleibest wehrt vor ¶ andern zu erheben/ ¶ Um deine Nutzbarkeit/ darauf ¶ Aegypten zielt ¶ In seiner Bilder-Schrifft/ und ¶ die als heilig hielt ¶ Das stoltze Babylon/ du nährest ¶ Leib und Leben!][232][aq]Imperator Orientis, sub quo 8. Christianorum persecutio, infensissimus literatis, quos propter summam inscitiam, pestem venenum & aulicos mures nominabat; ipse tàm rudis, ut ne nomen mandatis quidem subscribere posset. vid. Text. Offic. Tursellin libr. 5. p. 146.[/aq][233]Die alten Dähnen/ bey welchen der Bischoff Uphila die Buchstaben aufgebracht/ beschrie-[S.i.O.ben ihrer Vorfahren thaten Verßweise/ und gruben sie in Stein; dieser war das Papier/ der eiserne Grieffel die Feder/ und der Schlegel oder Hammer die Dinten. [aq]legesis Hist. Danic. Sax. in. praefat. Ol. Worin. in monument. Danic. Nobiliss. D. Conringius praefat. ad Tacit. de Germ. & Dilherr tom. 2. dissertat. pag. 417. 426.[/aq]][234]Bey den Ebräern heißt es [das Wort Wein, J.T. [hebr.] [aq]Chaldaic.[/aq] [hebr.] ([aq]à Janô, puta Noah, qui vini inventor creditur, & à quô JENAM nomen accepisse nonnulli autumant: cùm verò Janum Germanos coluisse ex Historiis non constet, probabilior videtur esse sententia eorum, qui JENAM à[/aq] [hebr.] [aq]dictam volunt, quemadmodum etiam olim Stigelius cecinit[/aq]: ¶ [aq]Hinc placet Hebraeô nobis hanc nomine dici[/aq], ¶ [...][S.i.O.][S] ¶ [aq]vid. plura in Atlante Minori Gerardi Mercatoru pag. m. 433.[/aq]) Von dem Hebräischen stammet vielleicht das griechische [griech.]][235]Der Heillose Schwermer Severus hat fürgegeben: der Wein wäre ein Geschöpf des Teufels/ daher auch die Weinstökke rund wären und sich wie die Schlangen krümmeten/ die nichts als Giffttropffen von sich geben könten. Fast auf [S.i.O. diesen Schlag hat der Türkische Mahomet gesagt als sich einsmahls seine Soldaten am Rohten Weine bezecht][236][aq]Prohibet mea infantia omnia ac singula tangere; Liceat igitur hîc Aegyptios sacrificulos imitari: qui Divos suos parvâ & inarticulatâ voce colere solebant, ut se facultate magis, quàm voluntate destitui, indicarent. Penicillò uti Apelleô, aut cothurno altiore vehi illum oporteret, qui adcuratam VESTRORUM praeconiorum tabulam sistere praesumeret. Meae autem pietatis in VOS, & cultus, quò vestigia in oris Germanicis relinquam, hunc libellum, VESTRO, Fulgentissima Coeli Poëtici sidera, sub umbone ad radiatum insigne diei expono.[/aq][237]Was war die alte Welt? Ein gar ¶ verwirrtes Wesen/ ¶ Ein nebel-voller Klumpf/ eh sie ¶ der Weisheit Strahl ¶ Erleuchtet/ und als sie zum al- ¶ lerersten mahl ¶ Die Weisen angehört/ und man- ¶ ches Buch gelesen. ¶ Sie ward erst angeblikkt zu Mo- ¶ ses alten Zeiten/ ¶ Der ein Prophete war/ und ¶ gleichfalls ein Poet/ ¶ (Man weiß ja/ wie er GOtt mit ¶ manchem Lied' erhöht/ ¶ Um bei der Heidenschaft ihn wei- ¶ ter auszubreiten.) ¶ In dieses Alter ist die Poesie zu ¶ zehlen: ¶ Sang Salomon und Job und ¶ David nicht ein Lied/ ¶ In dem die Gottesfurcht und ¶ Andacht feurig glüht? ¶ Nach diesem kunte sie Cecropien ¶ erwehlen/ [S.i.O. ¶ Wo durch beliebten Schein die ¶ Sonn' ist aufgegangen ¶ Der wahren Wissenschafft/ hie ¶ merket man die Spur/ ¶ Als nunmehr Land und Stadt ¶ gesondert die Natur/ ¶ Bei Griechen/ wie man meint/ ¶ hat Weisheit angefangen.][238]So wurde dieses Land mit der ¶ Vernunfft geflügelt/ ¶ Der Himmel wolt' ihm wohl/ daß ¶ es in Aufwachs kam/ ¶ Und alle Wissenschafft daselbst ¶ die Wohnung nahm/[239]So ist es auch mit ihr/ der längst ¶ versühnte Himmel ¶ Erweiset unsrer Sprach' erwün- ¶ schte Gnad und Gunst/ ¶ Und breitet durch sie aus die viel- ¶ verlangte Kunst/ ¶ Nach dem ein End' erreicht des ¶ krieges mord-getümmel![240]Aventin. setzt die Zerstörung Trojas auf das [aq]2788[/aq]. Jahr der Welt/ vor Christi Geburt [aq]1183[/aq].[241][aq]Lotich ad Petron. Satyricon lib. 2. c. 8. tradit Poetices originem antiquissimam, ab Ebraeis inventam esse, ab Ethnicis excultam, & ab utrisque semper sanctam esse habitam: Poetas fuisse[/aq] [S.i.O. [S] [aq]plerumque Regum atque Imperatorum Praeceptores, à quibus ad summas dignitates evecti, imò Prophetas, Imperatores, Reges, Pontifices & Cardinales nomen non detrectasse Poetae[/aq].][242]Hievon spricht der Edle Spielende Seel. Gedächtniß [S.i.O. [S] im [aq]151[/aq]. Gesprächspiel: Die Edle Poeterey ist eine keusche Jungfrau/ welche alle Unreinigkeit hasset/ und anfangs sonderlich zu dem Gottesdienste gewiedmet gewesen/ auch von denen Völckern welche sonsten aller Wissenschafft und Künste unwissend waren. [aq]Conf. Aventin. diligentissimus vetustatis indagator, (ut eum nominat Althamer. in Tacit.) G. Joh. Vossius de Arte Poet c 3 n. 12[/aq] [?] [aq]12. 13 fol. 205. Dannerher auch die Poeten Theologi genennt worden: Papias: Theologi Poetae ideò dicebantur, quoniam de Deis carmina faciebant: addit Casp. Barth. in Animadversion ad Britonis[/aq] [?] [aq]Philippid p. 22. Sane vero antiqua Theologia humana in literis Poeticis, & Mysteria numinum introducta ab iisdem, ut exemplo vides Orphei apud Lactant. lib. 1. Cic. lib. 3. De Natura Deor. Clem. Alexandrin. Storm. 5. Plutarch. de Pythae Oracul. p. 342. Carminibus etiam antiqua oracula dicta sunt.[/aq]][243][aq]v. 94[/aq]. Sang Salomon und Job und David nicht ein Lied etc. Salomon [aq]circa Ann. M. 2930 de cujus peritiâ Poetices vid. Alex. Donat. Instit. Poet. l. 1. c. 39. p. 90. Job Josepho Patriarchae suppar, ut censet Hieronym. circa Ann. M. 2250. alii tamen multo juniorem faciunt. vid. Horat. Tursellin. Histor. pag 10. Communis Patrum est Sententia Jobum fuisse Regem Edom. qui Genes. 36. 33. vocatur Jobab filius Serah, Raguelis nepos, ex Esavo & Ismaelis filia Basmath; liber ejus vulgò inter Poeticos SS. recensetur vid. Dn. D. Heinric, Philipp Friedlieb Theolog. Exegetic. Prolegom. Sect. 4. it. in Job. Classe tertia p. 540. add. Analect[/aq]. [S.i.O. [S] [aq]Sacr. Ursini. B. D. Schupp[/aq]. im geplagten Hiob.][244]Atlas Promethei Bruder/ ein vornehmer Astrologus/ [aq]1580[/aq]. Jahr vor Christi Geburt/ der die himmlische Sphäram erfunden/ und nachmahls in einen grossen Berg verwandelt/ der den Himmel auf den Achseln träget. [aq]Virgil 4 AEneid. v. 481. 482[/aq].[245][aq]27. 28[/aq]. GOtt hat von Anfang seine Werk wohlgeordnet/ und einem ieglichen sein eigen Wert gegeben/ und erhält sie für und für in solcher Ordnung/ daß sie ihr Amt immerdar ausrichten/ und keines das andere hindere/ sondern sind immerdar seinem Befehl gehorsam.[246]Der vornehme griechische Philosophus/ den die Heiden so hoch gehalten daß er auch ein Gott der Weisen benennet worden wie [aq]Cic. ad Attic. l. 4. Epist. 15[/aq]. Meldung thut. Ein alter Pythagoreischer Lehrer/ schreibt bey [aq]Clem. Alexand. Strom. l. 1[/aq]. [griech. [aq]Quid est Plato nisi Moses, qui loquitur Atticè? Fuit apud Graecos Theologiae Doctor celeberrimus: de eo scripsit aliquando Augustinus: quod in AEgypto audiverit Prophetam Jeremiam, quam autem sententiam posteà retractavit l. 8. de C. D. c. 1. &[/aq] [S.i.O.] [S] [aq]23. lib. 18. c. 37. lib. 7. retract. cap. 4. monente D. Mich. Walthero dissertat. de praetensâ Ethnicor. Salute aeternâ. p. 73. Floruit annis ante Christum natum 428. juxta sententiam Joh. Baptist. Riccioli. Chronici part. 2. Almagesto novo annexi[/aq].][247][Epictet, J.T. Hat [aq]100[/aq]. Jahr nach Christi Geburt gelebt wie [aq]D. Quenstedt in Dialogo viror. Claror[/aq]. erwehnet. [aq]Lipsius libr. 1 stoic. Phil. dissertat. ult. Ille vir totus a se, & à Deo, nihil à fortunâ fuit, de lucernâ ejus fictili quanto sit aestimata precio leg. Lucian[/aq].][248][aq]v. 135[/aq]. Protagoras. Ein Heidnischer Philosophus der [griech. genennet worden/ wie [aq]Laert. lib. 9[/aq]. berichtet; ist von den Atheniensern ins E-[S.i.O.]lend getrieben/ weil er eins seiner Bücher angefangen [griech.]. [...] [aq]Lactant. 1. divin. Instit. c. 2. & lib. de Ira Dei. c. 9. Euseb 14. Demonstrat. Evangel. c. 6 Theodoret. 3. libr. Graecan. affect. Augustin. l. 3. contra lit. Petil. c. 21[/aq].][249][aq]Max. Tyr. dissertat. 39[/aq] spricht von ihm [Socrates, J.T.: [aq]Homo & corpore purissimus &[/aq] [S.i.O.] [S] [aq]animo optimus, & vivendi ratione perfectissimus, & in dicendo suavissimus, qui piè cum Deo, & sanctè cum hominibus versabatur. Lectu dignum est, quod de illo Fab Quinctilian. habet; Illum primum omnium Philosophiam à coelo devocasse, & in urbibus collocasse. Claruit Olympiad. 89. v. Quensted. Dialog. sive juxta Aventini calculum A. M. 3503. ante Christ nat. 468[/aq].][250]Wie dieses zu verstehen sey/ berichtet [aq]Alexand. Donatus. l. c. p. 90. Ex Tyrii[/aq] [S.i.O. [S] [aq]Sermon. 21. p. 161[/aq]. Mit diesen Worten: [aq]At inter Reges, Amphion Thebarum Rex vetutissimus, Judicum Hebraeorum (puta Othonielis, test. Tursellin. Hist. p. 17.) avo, poeticis cantibus Saxa permovisse perhibetur, h.e. saxeos rudesque homines, ut moenia conderent, impulisse[/aq].][251][aq]Otto Frisingensis lib. 4. c. 13. Urbis[/aq] [S.i.O. [S] [aq]antiquae, terrarum Dominae, dignitatis tantùm ac nominis vestigium mansit, Lubet etiam adscribere verba Wurffbain. in Relat. Hist. part. 8. p. 238. cit Besold. in Thes[/aq].][252][aq]Gifan Apolog. pro Poet. Lat. Tantae semper omnibus fuit admirationi Ovidius, ut non ingeniosus, sed ingenium ipsum, non Latinus, sed Latinitas, non musarum Sacerdos, sed ipsum Musarum numen sit habitus. Quod ad Linguam Latinam attinet, eruditiores uno ore confitentur, si funditus esset amissa, unius autem Ovidii scripta exstarent, ex illis commodissimè posse restitui. conf. Barclaj. Euphorm. p.2 . pag 174. vixit 41. ann. ante Nat. Christum post Mund. condit. 3923[/aq].[253]Davon hat M. Annaeus Lucan. geschrieben/ der umbs Jahr Christi [aq]62[/aq]. gelebet.[254]Sieh Christoph Schultz. weltbeschreib. am 4. blat. [aq]Rodornius[/aq] will diesen Nahmen von einem Ebräischen Wort [hebr., herführen/ daß es so viel heisse/ als [aq]omnium Primaria Superioritas[/aq].][255][aq]Mattheus Parisius Anglicus Historiographus, Germanos jam olim ante Christi tempora scriptis praesertim Rythmicis suas Historias conscribere solitos testatur, & quosdam ejusmodi libros nominatim indicat. Conf. Cluver German. Antiq. Auctor. est Helveticae Nobilitatis[/aq] [S.i.O. [aq]eruditissimus Melchior Goldastus, ante hos cIɔ cc annos scripta Christianorum Latinis juxta & vernaculis literis in Germania visa: Wileramum quem, produxit P. Mercula, clɔ praeterpropter annos aequare: Rabanum Maurum, Otfridum Wisenburg, alios ab hinc 800. annis scriptis suis claruisse Frischlin. in Culic. Virgil. Praefat[/aq].][256]Von der Türken Ursprung seind bey den Scribenten unterschiedliche Meinungen; Theils halten davor/ das Geschlecht komme von Japhets Sohne Magog der im [aq]1[/aq]. B. Mos. [aq]102[/aq]. genennet wird. Dannenhero der Türk mit seinem Reich Magog heißt Ezech. [aq]38. 39[/aq]. Und mit Verkurtzung des Nahmens [S.i.O. [S] Gog: Und streiten die Türken daß sie ihren Anfang von den Juden haben/ weil sie Hagarener von Hagar/ Abrahams Kebsweibe/ welche den Ismael gebohren/ benahmet werden.Weil sie sich aber dessen geschämet/ wollen sie nicht Hagarener/ sondern Saracenen von der Sara heissen/ deßwegen auch ihr Lügen Prophet Mahomet/ welcher der Türken Moses ist/ ihnen gleiche Ceremonien mit den Juden verordnet/ daß sie viel waschens/ fastens und reinigens haben müssen. Harsdorff im Geschichtspiegel Hist. [aq]69. §. 3[/aq]. Andere sagen ihr Ahnherr sey Esau/ der in der heiligen Schrifft [aq]1[/aq]. Mos. [aq]25. 25. 31[/aq]. Edom oder der Rothe genennet wird. [aq]Barth. Animadvers. in Briton. p. 137. ubi Joseph. l. 4. c. 6 & l. 2. c. 1. citat[/aq]. Und sollen dieselbe Völker mit den Tartern/ die sonst auch die rothen Juden heissen/ ein Volk gewesen sein/ und nach der Trojanischen Schlacht in Scy-[S.i.O.]thien ihre Wohnung aufgeschlagen haben: Sieh [aq]Barclaj. Icon. anim. cap. 8. p. m. 308[/aq].][257][aq]Joh. Schoefferum Moguntinum denominat auctorem, Anno Salutatis 1450[/aq].[258][aq]v. 335[/aq]. Wie sich dem Fichtenbaum hat Jason anvertraut etc. Aesons [S.i.O. und Polymedae Sohn der [aq]1231[/aq]. Jahr vor Christi Geburt/ oder im [aq]2740[/aq]. der Welt/ durch Hülffe Medeae das güldne Schaff erlanget.][259]Nicht ohne sonderbahre Schikkung Gottes ist eben [aq]100[/aq]. Jahr nach der [aq]Reformation[/aq] Lutheri/ nemlich [aq]1617[/aq]. die teutsche Sprache mehr und mehr empor kommen/ und von dem Christl. und teutschliebenden Fürsten/ Ludwig v. Anhalt Seel. Gedächtnüß/ die nutzreiche Fruchtbringende Gesellschaft gestifftet worden/ von derer Gebräuchen/ Satzungen und Fortgang/ der Palmbaum aufzu-[S.i.O.[S]schlagen. Ausführlichen bericht wird ehistes H. Neumark in einem absonderlichen Tractat erheilen.][260][aq]Dicta autem Britannia Anglia est Anno Christi 1310[/aq].[261][aq]Ibid[/aq]. De Bartas. Ein vornehmer Französischer Poet/ dessen Biblische Geschichte/ wegen ihrer Lieblichkeit ins Niederländische/ Lateinische und Englische von etlichen Liebhabern gebracht seind: Der Nutzbare in der Fruchtbring. Gesellschafft/ Tobias Hübner hat sie auch Teutsch gemachet. Wieviel auf ihn in Frankreich gehalten meldet [aq]Sammarthanus[/aq] ein vornehmer gelehrter Mann mit nachfolgenden Worten: [aq]Guilielmum Salustium, (qui ab avitô praediô Bartasii nomen habet) sublimis animi Scriptorem, nobilis in Gasconiâ locô, patre quaestore genitum, praeterire nec possum, nec debeo. Gallicum ejus Poëma de mundi primordiis Hebdomadis nomine inscriptum, in Galliâ cum admiratione & adplausu, quantô non alius liber,[/aq] [S.i.O. [aq]legitur passim & celebratur. Et, quis cum eô non praeclare actum putet, qui vivus vidensque celeberrimae suae famae interfuerit, Musaeque lenociniis exteras etiam nationes & principes ad sui amorem pellexerit? Obiit patriae quidem in solo, inter arma & turbas, cum sub Mantignone Legato Regio, equitum alae praefectus, ab Apolline ad Martem pro temporis & rerum perturbatione, defecisset. Claruit A. C. 1590. vid. Clariss. Fechneri oration. de Literar. & armor. concordia. & Lansii Orat. pro Galliâ p. m. 183[/aq].][262]Harsdorff schreibt an einem Ort die Teutsche Sprach ist wortreicher als die Hebräische/ [.... [aq]vid. quoque Glauber. Linguae Teuton. Etymol. & in eâ Bisterfeldii Epist. Ubi Post linguam, inquit, Hebraeorum non scio, quae subtilius feliciusquè rerum naturas explicet[/aq].][263][aq]Strabo & Plutarch. memorant Babylonios carmen cantare solitos in laudem palmae, quod CCCLX. habeat utilitates, quot in anno Lunari dies sunt. Ut proinde non immerito arbor vitae dici possit, de quâ Prov. 3. v. 18[/aq].[264]Bartholdo Schwartzen einem Cöllnischen Franciscaner München wird bey den Teutschen die Erfindung der Geschütze und Büchsen zugeschrieben/ und auf das Jahr Christi [aq]1380[/aq]. geleget/ [... [S.i..O] [S] [...] Heutiges Tages wird in der weltberühmten Dresdischen Kunst-kammer/ eine solche Büchse gewiesen/ die nach des oben benanten München Manier gemachet sein soll.][265][aq]Hieroglyphicam Lothi interpretationem videsis apud Athanas. Kircher. Obelisci Pamphilii lib. 2. c. 5. fol. 123. de Institut. & Fabrica Hieroglyphicor[/aq].[266]
Reimmann, Jacob Friedrich
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[267]WEnn wir die [aq]Hieroglyphica[/aq] nach ihren ersten Uhrsprung betrachten/ so sind sie in der Wahrheit nichts anders/ als [aq]pallia ignorantiae[/aq], das ist solche Bilder/ derer sich die Aegyptischen Priester vor Zeiten an statt der Schrifft bedienet/ wenn sie die Blösse ihrer armseeligen [aq]Theologie[/aq] und [aq]Philosophie[/aq] vor denen Augen des gemeinen Mannes nicht [aq]prostitui[/aq]ren wollen; Denn daß ich an die elenden Sachen anitzo nicht gedencke/ die durch diese H. Bilder-Schrifften [S zu weilen abgeschattet worden/ was konte wohl ungesaltzener und abgeschmackter ausgesonnen werden/ als die albernen Merckmahle selbst/ die zu der Bedeutung derselben gebrauchet wurden. Da muste ein kleines Kind den Eintritt des Menschen in die Welt/ ein alter Mann ihren Ausgang aus derselben/ ein Falcke den Allgewaltigen GOTT/ und ein Crocodill das unverschämte Wesen bedeuten. Und wenn denn diese zweifelhaffte [aq]Figuren[/aq] nun endlich mit grosser Mühe fertig worden; So bestand das gantze Geheimnis darinn/ daß dadurch diese einfältige und überall bekannte Warnung solte abgebildet werden; O ihr Menschen/ die ihr in die Welt kommet und daraus gehet/ GOtt hasset das unverschämte Wesen. Wannenhero der scharffsinnige und wohl belesene Engelländer [aq]Edvardus Stillingfleet[/aq] in seinen [aq]Origin. Sacris c. 2. p. m. 244[/aq]. diese [S] Aegyptischen [aq]Characteres[/aq] nicht uneben mit unter die [aq]difficiles nugas[/aq] rechnet/ und sich über den [aq]Athanasium Kircherum moquiret[/aq]/ daß er in seinen [aq]Oedipo Aegyptiaco[/aq] mit diesen elenden Träumen so viel Zeit verspielen wollen.][268][aq]§. 3[/aq]. Und freylich wenn wir elenden Menschen nach dem Fall noch so viel Vermögen hätten/ daß wir die himmlischen und irrdischen Dinge recht klar erkennen/ und dieselben so wohl nach ihrem [S Wesen als auch nach ihren Eigenschafften fein gründlich vor Augen stellen könten: So wolte ich dem [aq]Empedocli[/aq] selst Beyfall geben und die [aq]Oratores[/aq] und [aq]Poetas Parabolicos[/aq] dem [aq]AEsopi[/aq]schen Hund vergleichen helffen/ der nach dem Schatten schnappete und das Fleisch aus dem Munde entfallen ließ; Allein weil nebst der Heil. Schrifft auch die tägliche Erfahrung bezeuget/ daß es unserm Verstand in dem Erkäntnis der Dinge nicht viel besser gehet als denen blöden Augen der Fleder-Mäuse/ die in dem schönsten Lichte der Sonnen erblinden müssen: So kan ich biß [aq]dato[/aq] noch nicht absehen/ warum die [aq]Oratores[/aq] und [aq]Poet[/aq]en zu tadeln seyn/ die die Beschaffenheit der Sache mit einem Gleichnis erleutern/ davon sie das wahre Wesen noch nicht deutlich vor Augen stellen können. Ein Bräutigam vergnüget sich an dem Brust-Bilde seiner Geliebten/ wenn er dieselbe in Person noch [S] nicht besitzen kan. Und wir alle mit einander halten das [aq]Contrafait[/aq] unsers Heylandes JESu Christi in hohen Ehren/ ungeachtet wir von der Aehnlichkeit desselben nichts allerdings überzeuget sind. Und wenn wir hiebey bemercken/ wie sehr sich der Heil. Geist in denen Schrifften des Alten und Neuen Testaments in die Gleichnisse verliebet hat; so werden wir von uns selbst erkennen/ daß wir den wahren Gebrauch derselben wegen des vielfältigen Mißbrauchs nicht gäntzlich aufheben dürffen. Ich geschweige daß unter einem [aq]Logico[/aq] und [aq]Oratore[/aq] eine grosse Klufft befestiget/ und daß der [aq]Augustinus[/aq] in seiner [aq]119. Epist[/aq]. von denen [aq]Similibus[/aq] nicht unrecht geschrieben hat; [aq]Quemadmodum multa per vitrum & succinum per lucent jucundius; Ita magis delectat veritas per allegoriam relucens[/aq].][269][aq]§. 4[/aq]. Zwar was die Exempel belanget/ so solte mirs eben wohl nicht sauer werden einige Blätter damit anzufüllen; Allein weil ich die [aq]pias fraudes[/aq] dererjenigen nicht [aq]imiti[/aq]ren mag/ die den Verleger unter den [aq]Titul[/aq] einer neuen [aq]Poësie[/aq] sonst nichts als alte [S [aq]Carmina[/aq] verkauffen: So wird sich der geneigte Leser mit denen nachfolgenden [aq]Exempeln[/aq] anitzo vergnügen laßen.][270][aq]§. 2[/aq]. Jemehr aber diese wohlgemeinte Absicht an einem Christen zu loben ist/ je weniger wird ihm von denen unpartheyischen Gemüthern verübelt werden können/ wenn er sich der [aq]Fabeln[/aq] in solchen Fall als eines angenehmen Mittels der Erbauung bedienet. Als dort der Jotham denen Bürgern zu Siechem [aq]remonstri[/aq]ren wolte/ wie unbedachtsam sie gehandelt/ daß sie den Abimelech zu ihrem Könige erwehlet/ da [S erdichtete er seinen sinnreichen [aq]Apologum[/aq] von denen Bäumen. Und als der Nathan dem König David zu Gemüthe führen wolte/ wie sehr er sich vergriffen/ daß er dem Uria sein Weib weggenommen/ da erzehlet erihm vorhero eine [aq]Fabel[/aq] von einem Schaafe. Und gesetzt auch daß diejenigen was Fabel-hafftes zu behaupten trachten/ die die [aq]Fabeln AEsopi[/aq] dem König Salomoni zuschreiben wollen; so lässet sich doch aus denen angeregten [aq]Exempeln[/aq] so viel erkennen/ daß der rechtschaffene Gebrauch der [aq]Fabuln[/aq] nicht gäntzlich verbothen sey/ und daß der Paulus I. Tim. 4. v. 7. nicht alle sondern nur die Unchristlichen und Alt-Väterischen [aq]Fabuln[/aq] verworffen.][271][aq]1410[/aq]. Hat [aq]Petrus Dresdensis[/aq] das bekante Lied: [aq]In dulci Jubilo[/aq], nun singet und seyd froh; verfertiget und damit den Weg zu denen deutschen Kirchen-Gesängen algemach gebahnet. ([aq]13[/aq] [[Morhoff, J.T. [aq]I. c. p. 368[/aq].])][272]
Kaldenbach, Christoph
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[273][aq]ANNO Salutis[/aq][274][aq]Quanquam enim scribuntur Versus aliquando ad certae tantùm dimensionis, non autem Rythmi, legem: ad perfectionem tamen, & elegantiam laudati Carminis is, prout in Hebraea, Italica, Gallica, Polonica, aliisque nonnuliis, sic nostra etiam in liguae requiritur[/aq].[275][aq]Nam Rhythmos trisyllabos, quales Hebraei non habent saltem, sed omnium perfectissimos judicant, usus respuit[/aq].[276][aq]Quae tamen exempla quod integra non adscripsi pleno undique numero, spes facit, fieri adhuc posse, ut junctim, unoque corpore, in publicum, DACHII praesertim, Viri, vatisque ad decus & laudem Musarum in universum omnium nati factique, mittantur. Haec autem universa, quantulacunque sunt caeteroquin, quod vestro inscripta nomine luci commisi, beneficii exigebat memoria, quod vobis ego & filius meus nuper admodum debemus, quando stipendio Burckhardiano inclyto, quo frui poteratis, cedere spontè in uti-[Slitatem nostram voluistis. Atque ita in Patrem & filium pater & filius, in Filium inde unicum, hinc item unicus, grati sumus pro viribus, dum ultra meritum vos benefici fuistis. Quibus proinde nec in posterum colendis, venerandis, si vires abfuerint, animus abfuturus est unquam. DEUS T. O. M. Vos ambos, fulcrum & spem patriae, familiae ac nominis columnam unicam, sospites quam diutissimè, & incolumes conservet. Tubingae, ipsis Cal. Julii, Anni salutaris M. DC. LXXIV[/aq].][277]
Neumark, Georg
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[278]Aus dem andern/ wenn man nehmlich der empfangenen Gutthat vergisset/ fliesset das/ Gott und der gantzen ehrliebenden Welt verhassete Laster/ die abscheuliche Undankbarkeit her/ und wird dardurch das ädle Geschöpf/ der Mensch/ das Göttliche Ebenbild mit einem nicht geringen Schandflekken bemakelt/ und in seinem herrlichen Wesen dergestalt besudelt/ daß auch ein Christliches Tugendhertz/ vor einem solchen undankbaren Menschen/ ([aq]c[/aq] [[aq]In ingratitudine nihil mali non inest. Cic. ad attic. 8[/aq].) als einem Enthalt aller andern Laster/ nicht allein einen Abscheu hat; Sondern auch/ so viel müglich/ dessen Wandel und Gesellschaft/ wie eine Schlange fliehet.][279]Wolte GOtt aber/ es würde iede Undankbarkeit also/ wie an diesem/ belohnet[280]Denn durch dieses/ nehmlich die ädle Dankbarkeit/ ([aq]i[/aq] [[aq]Gratitudo omnium virturum mater est; ex qua in Deos Religio in patriam charitas in parentes pietas, inter homines amicitia profluit Cael Rhodig. antiq. lect. lib. 5 cap. 3[/aq].) als eine Mutter aller andern Tugenden wird diesem Schandflekken und seinen anhangenden Fehlern abgeholffen/ die Christliche Liebe fortgepflantzet/ das freundliche Vertrauen fest gemacht/ die Wohlthaten gegen einander erkennet/ und der Gesellschafts-Wandel/ gestalten Sachen und Stande nach/ auf einen unbeweglichen Tugend-Grund gesetzet/ ([aq]k[/aq] [[aq]Laudatissima virtutum omnium Gratitudo, res coelo & hominibus grata. Sabellicus lib. 7. cap. I. Exempl[/aq].]) woran denn nicht allein der Allerhöchste als Liebhaber eines dankbaren Hertzens/ sondern auch die ehrliebenden Menschen/ ein innig- [S] liches Gefallen haben.][281][aq]k[/aq] Hebräischer Nahmen [S Sylben. Als Sion und Sión/ Israel und Isráel/ Hérmon und Hermón/ besiehe Opitz Ps. [aq]3/ 129/ 52/ 133[/aq]. Doch soll man sich hüten/ damit es unserer Sprache nicht gar zu hart zu wider lauffe.][282]Trauer-Händel, als: [...[S][...] [aq]Threni[/aq] Geistliche Klage-Lieder oder Getichte.][283]Lob- und Laster-Händel/ als: [...[S][...] [aq]Hymni[/aq] Geistliche Lobes-Lieder oder Getichte.][284]Uberdieß ist der Türcken [aq]Alkoran[/aq] oder Gesetz-Buch in lauter Arabischen Reimen verfaßt/ wiewohl sie nicht alle gleichförmig; denn bald ist der eine kurtz/ der andere aber zwey und mehrmahl so lang; Dannenher [aq]Scaliger Animadvers. in Chronolog. Eusebii p. 7[/aq]. nicht zugeben wollen/ daß er Poetisch gesetzt wäre/ sagend: [aq]Non enim, quod vulgo persuasum video, Alcoranus ullo constat genere metrorum, non magis quàm Epistolae Ciceronis, sed ibi cola finiuntur, ubi similis desinentia est, etiamsi sit maxima membrorum inaequalitas; quae scias ibi terminari, ubi flosculi auro, aut minio picti videntur: qui nihil aliud sunt, quàm signa similium desinentiarum[/aq]. Jedoch haben etliche gelehrte Leute im Alcoran nicht allein ein gewisses [aq]metrum[/aq], sondern auch recht geschränckte Reime in acht genommen/ und halten davor/ daß [aq]Mahomed[/aq] etwas von der Poesie verstanden habe. [aq]Vid. Philip. Guadagnolus Instit. Ling. Arab. edit. Roman. An. 1642[/aq].[285]Folgends wurden auch bey den Gastmahlen etliche Lieder von des Himmels Lauf und des gewaltigen Schöpffers Weißheit hervor gebracht/ von der ersten Arht hat [aq]Virgilius[/aq] ein Exempel/ da er in dem Banquete der Königin [aq]Dido[/aq], den singenden [aq]Jopas[/aq] einführet. [[aq]AEneid. I. lib.1. Argonaut[/aq].][286]Bey den Türcken soll noch heute zu Tage gebräuchlich seyn/ Jährlich an des [aq]Mahomets[/aq] GeburthsTage ihre Poeten auf geschehene Proben mit grossen Geschencken/ an Gold/ Kleider und Pferden zu begaben. [aq]Leo. Afer. lib. 3. c. 38. conf. Theatr. Tragic. Zeiler. in Not. ex Histor. XV[/aq].[287]Die Barden waren bey den Celten/ (unter welchem Nahmen nach [aq]Lazii[/aq] aussage die Deutschen zu verstehen. [aq]Primaevi Tuiscones atque Galatae, qui posterius [aq]Alemanni[/aq] Germanive, Celtae Gallive nominati fuerunt. lib. I. p. 20[/aq].) Meistersänger; und soll/ nach [aq]Aventini[/aq] Meldung/ der erste Bardus zu Abrahams Zeiten in der Gegend/ wo ietzund Franckreich ist/ die Singekunst Feyer- und Tantztage/ wie auch eine sonderlich-bewegliche Ahrt in Deutschen Reimen aufgebracht haben.[288]Imgleichen daß in dem gantzen Revier/ da ietzund das Lüneburger Land ist/ in der [S blinden Heidenschafft solche Leute gewohnet/ biß der Franckische König [aq]Carolus[/aq], der hernach den Nahmen des Großen erworben/ die Sachsen-Länder eingenommen/ und zum Christlichen Glauben bekehret. Von der Zeit an seind die erleüchtete Barden mit geistlichen Liedern umgegangen/ und haben dieselbe zu Erweckung Christlicher Andacht nach ihren gewöhnlichen Weisen bey den Gemeinen eingeführet.][289]Die Druiden seind alte heidnische Priester bey den Deutschen gewesen/ die in natürlichen Dingen und der Sitten Lehre den Leuten Unterricht ertheilet. Wie aus des Caesaris Wor- [S ten abzunehmen [aq]lib. b. de bell. Gall. Inprimis hoc volunt persuadere, non interire animas, sed ab aliis post mortem transire ad alios, atque hoc maximè ad virtutem excitari putant, metu mortis neglecto. Multa praeterea de sideribus, atque eorum motu: de mundi, ac terrarum magnitudine de rerum naturâ, de Deorum immortalium vi ac potestate disputant & Juventuti tradunt[/aq]. Der Hochgelährte und um Deutschland wohlverdiente Hr. [aq]D. Schottelius[/aq] schreibet davon in seiner Sprachkunst in der [aq]4[/aq]. LobRede also. Die Druiden haben gleich den [aq]Pythagoricis[/aq], ohne sonderliche schrifftliche Aufzeichnung ihre Geheimniße fortgepflantzet/ damit nicht durch die Gemeinmachung ihr heiliches Ansehen verringert/ auch damit das verständliche Gedächtniß/ als etwas Göttliches desto mehr ausgeübet/ und die volle Gereitschafft ihrer Weißheit darinn erhalten würde. Darauf führet gedachter [aq]Autor[/aq] folgendes aus [aq]D. Schardio[/aq] an: Die Deutschen haben vormahls ihre gelährte und weisen/ Druiden genant/ gehabt/ die an statt der Zeitbücher Lieder gemacht/ und dieselbe zur lebendigen Gedächtniß ihrer/ der Deutschen dapffern Thaten pflegen zu singen. etc. Haben also die Barden und Druiden ihre sonderliche und geheiligte Schulen gehabt/ Reime/ Gesänge/ Gedichte von den Göttern und den alten Deutschen Helden gemacht/ dazu die Jugend/ doch nur dieselbe/ welche zu ihrem heiligen und hohen Stande gewürdiget wurden/ gelehret und unterrichtet. [aq]Aventinus[/aq] nennet diese Schüler Sananner oder Schranner. Solche Schulen hatten die Alten Deutschen/ und also ward die Jugend von den Geistlichen darinnen unterwiesen/ ruffet [aq]Cluverius[/aq] aus [aq]in Germ. Antiq. lib. I. cap. 24[/aq].][290]Und überdieß berichtet noch [aq]Alfricus[/aq] in [aq]Glossario Saxonico[/aq], daß die alten Sachsen in Engelland ([aq]Britannia[/aq]) ihren Priester [aq]DRY[/aq] genant haben. Dannenher so viel weniger zu zweiffeln/ daß dieses Wort aus der [aq]Celti[/aq]schen Sprache/ die vor Zeiten bey den Britten und [aq]Gallis[/aq] üblich gewesen/ herstamme. Das alte deutsche Stammwort Dru/ welches andere [aq]trou[/aq] aussprechen/ heißet nach unserer hochdeutschen Mundahrt Treu/ oder Glauben. Von demselbigen haben die Alte Gott Drutin oder [aq]Trutin[/aq] genant/ wie aus des Münchs [aq]Otfridi Evangelio[/aq] und an- [G: [aq]vid. Rodorn. Scriekk. l. 3. Adversar. c. II. Gorop. Becan. Alhamer. A. ventin[/aq]. dern zu sehen. Deßwegen hat man die Priester/ [aq]divinos[/aq] oder [aq]fideles[/aq], Göttliche/ und getreue Leute oder Druiden geheißen.][291]Sehen wir uns heutiges Tages in unser Hochdeutschen Sprach ein wenig um/ müssen wir uns [S über ihrer Reinigkeit billich erfreuen/ und haben Ursach dieselbe in Ehren zu halten/ weil der lieblich-abfliessende Laut der Reime/ in den Ohren eine sonderbahre Ergötzlichkeit erwecket/ nach der leichtlich der Unterscheid zwischen den ietzt-üblichen und denen/ die vor [aq]800[/aq]. Jahren der Münch Otfrid geschrieben hat/ zu treffen ist. Denn Er lässet sich in der Vorrede seines Wercks also vernehmen. [aq]Hujus linguae Teutiscae proprietas nec numerum nec genera me conservare sinebat; numerum pluralem singulari, singularem plurali variavi, & tali modo in barbarismum & soloecismum saepè coactus incidi[/aq].][292]Die vortrefflichsten Gemüther können sich am allermeisten mit einer Platonischen Ergötzung in ihren Gedancken beruhigen und vergnügen. ¶ Das Hertz ist weit von dem was eine Feder schreibet/ ¶ [... ¶ Singet mein hochgeneigter Hr. von Birken. ¶ Sind derowegen gar zu scharffe [aq]Catones[/aq], die dieses alles verwerffen/ und einem Christlichen Poeten ein keusches Liebes-Lied [S] zu schreiben nicht gestatten wollen.][293][aq]§. XVIII[/aq]. Daß aber zu diesen Zeiten die Poeterey in grosse Verachtung kommen/ rühret vornehmlich aus zweyerley Ursachen her/ die eine ist der Neid und Unverstand etlicher Leute/ welche der Poeterey geschwonre und abgesagte Feinde seyn; denn gleich wie ihm/ zu des Käiser [aq]Valens[/aq] Zeiten/ jener aufgeblasene Koch belieben ließ/ des [aq]Basilius[/aq] geistliche Bücher zu verlästern/ wiewohl sich sein Verstand nicht weiter als über die Fleischtöpffe erstreckte; also finden sich noch ihrer viel/ die sich an berühmten Poeten wagen/ wie die Sau an [aq]Minerven[/aq], in der bekanten Fabel/ und wie [aq]Themistocles[/aq], der von der Leyre nichts verstand/ dieselbe verachten und vernichten.[294]Zuletzt hat der bekante [aq]Philosophus[/aq], der alle Wissenschafft durch der Fische Sprache/ das stillschweigen/ ergründen wollen/ dem Gezänck abzuhelffen/ eine neue Lehrart erfunden/ und alles in dunckele Sprichwörter verkleidet/ welches auch nach [aq]Philonis[/aq] Zeugniß bey den Jüden im Gebrauch war.[295]Andere aber haben kein bedencken/ dergleichen Gedichte [in Prosa, J.T. unter die [S] [G: [aq]Masen. Palaestr. Eloq. Ligat. cap. I. p. 2[/aq].] Poetische Sachen zu rechnen/ weil der vornehmste Theil darvon/ als die Erfindung und der Inhalt/ Poetisch ist. Wie das Helden-gedicht von der [aq]Diana[/aq] und [aq]Dianae[/aq], und des Hochgebornen Ritters, Hn. von Stubenberg Sel. Gedächtniß. [aq]Eromena[/aq] und [aq]Kalloandro[/aq]; imgleichen des berühmten [aq]Theologi, Johann. Valentini Andreae Mythologia Christiana[/aq]. Harsdorffs Lehrgedichte/ und seine Lateinische [aq]Comoedi Pseudo-Politicus[/aq] betitelt/ die er ineinem Theil der künstlichen Gesprächspiele verteutschet. Diesen ist auch billich das herrliche Werck vom teutschen [aq]Hercule[/aq] und der [aq]Valisken[/aq] beyzusetzen/ wiewol es einigen nicht allerdings gefallen will. Davon mein Herr Rist in der Vorrede seines Musicalischen Seelen-Paradises/ über die Sprüche des N. T. handelt.][296]Die Hebräer haben in ihrer [aq]Cabala[/aq], welches eine Wissenschafft ist von den Geheimnissen/ so theils in eintzeln Buchstaben/ theils in gantzen Worten bestehet/ ([aq]Cabala est divinae revelationis ad salutiferam Dei & formarum separatum contemplationem tradita symbolica receptio. Johan. Reuchlin. lib. I. de arte Cabalisticâ[/aq].) sehr viel seltzame Dinge durch die Wortforschung hervorgebracht/ in dem sie einem jeden Buchstaben im Alphabeth eine Bedeutung zugelegt. Davon der H. Kirchenlehrer [aq]Hieronymus in Epist. ad Paulam, und in praefat. commentar[/aq]. über die Klaglieder [aq]Jeremiae[/aq] handelt. [aq]Aleph[/aq] heisst [aq]doctrina, Beth domus, Ghimel plenitudo, Daleth Tabularum[/aq], welche Buchstaben/ wenn sie mit ihrer Auslegung zusammen gesetzt werden/ diesen Verstand geben: [aq]Doctrina domus plenitudo Tabularum[/aq], und also von ihm erkläret seyn: [aq]Doctrina Ecclesiae, quae est Domus DEI[/aq], [G: [aq]I[/aq]. B. Mos. [aq]in librorum divinorum reperiatur plenitudine, &c[/aq]. Von dem ersten Wort der H. Schrift/ [aq]Bereschit[/aq], (mit welchem Nahmen sie auch ein theil der Cabalae benennen/ und ihnen so viel als [aq]Cosmologia[/aq] ist/ darinn von der Kraft und Würkung aller erschaffenen Dinge am Himmel und auf Erden gehandelt wird/ und unterschieden ist von der [aq]Merchiana[/aq], als dem 2. Theil der [aq]Cabalae[/aq], so die Göttlichen Sachen/ Buchstaben/ Zahlen/ Linien und Punkten begreifft/ daher sie auch von etlichen [aq]Cabala Elementaria[/aq], von andern aber [aq]Theologia Symbolica[/aq], genennet wird) hat [aq]Picus Mirandulanus[/aq] in seinem [aq]Heptaplo[/aq] viel nachdenkliche Meinungen aufgezeichnet/ wie bey ihm zu [S] lesen. Sieh was [aq]Nicolaus Causinus in Eloq. Sacr. & profan. f. 174. seqq[/aq]. und [aq]Caramuel. Apparat. Philosophic. lib. 2. de omnium gentium characteribus & literis secretis[/aq], insonderheit aber [aq]Athanasius Kircherus in Oedipo AEgypt. Tom. 2. classe 4[/aq]. angemerket. Wir Deutschen können an stat der Hebräer [aq]Cabala[/aq] die ZahlBuchstaben gebrauchen/ unter denen entweder ¶ a gilt [aq]10[/aq] ¶ [...] ¶ Oder den Mitlautenden wird eine gewisse Zifer zugelegt/ davon bey Hn. Harsdörffern im [aq]CXLVII[/aq]. Gesprächspiel/ wie auch im Poet. Trichter [aq]8[/aq]. Stunde. [aq]§. 12. &c[/aq]. ausführlich zu vernehmen ist. Daß die Griechen gleicher weise die [aq]5[/aq]. Buchstaben [griech.] vor heimlich und geistlich geachtet/ erwehnet [aq]Isidorus[/aq]. ¶ Durch die erste das [griech.] ist das menschlich Leben abgebildet/ wie bekant; durch die andere der Tod/ sintemahl das [griech.] bey den Namen der Verurtheilten von den Richtern gesetzet worden. Die dritte zeigt auf das Creutz Christi/ damit alle Betrübte zum Trost sollen gezeichnet werden/ welche Meinung auch etliche den Hebräern beygemessen/ weil bey dem Propheten Ezechiel befohlen wird [aq]Signa Tau in fronte gementium & dolentium[/aq]: Zeichne ein [aq]Tau[/aq] auf die Stirne der Seuftzenden und Klagenden. Die [aq]2[/aq]. übrigen/ als [griech.] und [griech.] eignet ihm unser Heiland selbst zu/ wenn er von sich sagt: Ich bin das [griech.] und [griech.]/ der Anfang und das Ende. Diesen hat [aq]Justinus Martyr[/aq] in seiner [aq]2. Apologia ad Antonium[/aq] noch das [aq]X[/aq] zugesellet/ wodurch gleicher weise das Creutz Christi angedeutet würde.][297][aq]Augustinus[/aq] vergleicht sie [die Gleichnisse, J.T. mit einem hellen Glase: Denn wie durch selbiges alle Säffte und Blumen so viel herrlicher gläntzen/ also wird der Verstand durch die Gleichnüsse desto mehr beleuchtet und vergnüget. Es sind aber zweyerley Gleichnüsse/ die entweder etwas erklären oder beweisen/ und haben einen grossen Nachdrukk bey den Zuhörern. Dannenher der HErr Christus so viel Lehrgedichte/ welche nichts anders/ als in vielen Stükken bestehende Gleichnüsse sind/ in seinen Predigen gebraucht.][298][aq]§. XXIV[/aq]. Die beweisende Gleichnüsse sind fast wie die Exempel geartet/ und können auf eine Schlußrede gezogen werden. Ein hieher gehöriges Exempel ist in dem Eintritt von des Agrippae Fabel beygebracht/ und könte man unterschiedliche aus der Bibel anführen/ womit der HErr Christus die Jüden vielmahls widerleget hat/ wenn es die Zeit leiden wolte.[299]Etliche gelehrte Leute haben beobachtet/ daß die Ebræer mit den Deutschen [G: [aq]lib. 5. Op. p. 1024[/aq]. im Verse-machen ziemlich übereinkommen/ zu welchem Ende [aq]Clajus[/aq] geschrieben: [aq]Germani ut Hebraei carmina scribunt, observantes in fine Rythmum, id est[/aq], [griech.], [aq]ut[/aq]: ¶ [G: [aq]Grammat. German. de ratio. Carm. German[/aq].] HERR JESU Christ/ ¶ [...] [S] ¶ [aq]Versus non quantitate (ut apud Latinos & Graecos diphthongo, vocali ante vocalem & positione) sed numero syllabarum mensurantur, sic tamen, ut[/aq] [griech.] [aq]&[/aq] [griech.], [aq]i. e. acutus & gravis accentus observetur. Juxta quam pedes censentur aut Jambi, aut Trochaei, & carmen fit vel Jambicum, vel Trochaicum. Syllabae enim, quae communi pronunciatione non elevantur, sed raptim, tanquam scheva apud Ebraeos, (ut geliebt/[/aq] bekannt) [aq]pronuntiantur, in compositione versûs nequaquam elevandae sunt, sed deprimendae: & contra, syllabae longae, & accentum sustinentes, nequaquam deprimendae, sed elevandae sunt, ut[/aq]: ¶ Im Gesetze steht geschrieben/ ¶ [...] ¶ [aq]Trochaici sunt. Nam si Jambici essent, syllabae deprimendae elevarentur, & elevandae deprimerentur. Binis enim syllabis fit dimensio, quarum prior deprimitur, altera elevatur, in carmine Jambico; in Trochaico verò prior elevatur, posterior deprimitur[/aq]. ¶ [aq]§. III[/aq]. Hiebey fället auch vor zu erinnern/ daß viel Lateinische Getichte/ aber Geistliche/ nicht nach ihrer rechten [aq]quanti[/aq]tät; sondern nach dem [aq]accent[/aq] gesetzet seyn. Diese Abmessung nennet [aq]Beda lib. de metris Rythmum[/aq][?], und schreibt davon also: ¶ [aq]Videtur Rythmus metris esse consimilis verborum modulata compositio, non metricâ compositione, sed numero syllabarum, ad judicium aurium examinata; ut sunt carmina vulgarium Poëtarum Et quod Rhythmus per se sine metro esse potest; metrum verò sine rhythmo esse non potest. Quod liquidius ita definitur Metrum est ratio cum modulatione: Rhythmus est modulatio sine ratione. Plerunque tamen, casu quodam, invenies etiam rationem in Rhythmo, non artificii moderatione servatam; sed sono & ipsa modulatione ducente: quem vulgares Poetae necesse est faciant rusticè, docti faciant doctè. Quomodo ad instar Jambici metri pulcerrimè factus est hymnus ille praeclarus[/aq]: [S] ¶ * [* [aq]fortè O Rex, vel Rex aevierne[/aq].] [aq]Rex aeterne Domine[/aq], ¶ [...] ¶ [aq]Et alii Ambrosiani non pauci. Iem ad formam metri Trochaici, canunt hymnum de die Judicii per Alphabetum[/aq]: ¶ [aq]Apparebit repentina dies magna DOMINI[/aq],][300][aq]§. IV[/aq]. Sonst ist bekannt/ daß bey den Hebraeern die Reime in drey Hauffen abgesondert werden. Denn [aq]I[/aq]. haben sie die einsylbige Reimung/ wie wir Deutschen die männlichen Reime/ als: Welt/ [G: [aq]Buxtorff. Thes. Gramm. Ebr. Tractat. de Prosodia metrica p.m. 636[/aq]. Geld/ Stand/ Land/ Gunst/ Dunst. Solche nennen sie [hebr.] [aq]carmen transiens, (tolerabile, quod transire & ferri possit, etsi parum elegantiae, habeat & auctores raros.) II[/aq]. Die zweysilbige Reimung/ als: Leben/ streben/ kennen/ brennen. [hebr.] [aq]Carmen conveniens, (aptum, dignum, estque omnium usitatissimum) III[/aq]. Die dreysylbige Reimung/ als: Stehenden/ gehenden/ Wichtigkeit/ Nichtigkeit. [hebr.] [aq]Carmen laudabile (etsi ob paucitatem talium vocum non ita frequens sit, aut si usurpatur, brevius est.)[/aq] Welche Ahrt bey uns Deutschen nicht löblich oder angenehm scheinet/ ob man gleich solche Worte/ die sich [S] dazu schikken/ hervor suchen könte/ ohne daß bisweilen dergleichen dreyreimige Verse/ in Liedern/ mit angebracht werden möchten.][301]Diese Nennung haben die Reime darum erlanget/ weil den Männern eine starke und durchdringende Rede zukommt; den Weibern aber eine gelinde und subtiele anstehet. Nicht aber/ wie etliche gemeinet/ weil die Weiber eine Riebe mehr hätten/ als die Männer: [S Denn daß solches falsch und irrig sey/ erweisen die wohlerfahrnen [aq]Medici[/aq] und [aq]Anatomici[/aq]. Die gemeine Meinung ist/ der erste Mensch Adam hab eine Riebe weniger als sein Weib die Eva gehabt/ weil sie aus derselben von GOtt erbauet. Aber sie wird nicht von allen zugegeben und bejahet/ und dannenher ist auch nicht eben gewiß/ daß die Männer allezeit und durchgehends eine Riebe weniger haben/ sondern es trifft sich der Überschuß derselben unterweilen so wol bey dem männlichen als weiblichen Geschlecht/ nach dem die Wunderkünstlerin die Natur spielet. ([aq]Costae numero plures sunt, ut faciliùs moveatur thorax: utplurimùm utrinque sunt duodecim tam in viris, quàm in foeminis. Rarò tredecim, rarius undecim utrinque, saepiùs verò unicasuperest. Verisimile ergo est, in Adami uno latere fuisse tredecim costas, aut in uno duodecim costas, in altero undecim, schreibt der vornehme Dänische Medicus D. Caspar Bartholinus Instit. Anatomic. lib. 4. de offibus[/aq], dem andere/ darunter auch ist der hochberühmte [aq]D. Eichstadius Colleg. Anatomic. quaest. 10[/aq]. widersprochen.)][302]Die Lobgetichte werden nach der Personen Stand und Eigenschaft gerichtet/ darinn der Poet von dem Redner nicht viel unterschieden ist. Diesen sind entgegen gesetzt die Verfluchungs- und Verachtungsgedichte/ von welchen/ wie auch den geistlichen Lob- und Dankgesängen/ itztbenante Scribenten gnüglichen Nachricht ertheilen.[303]Es ist merkwürdig/ daß in allen [aq]72[/aq]. Sprachen (welche/ wie die Gelehrten ins gemein davor halten/ geschrieben werden) das [aq]A[/aq] den Anfang macht/ wovon Frantz [aq]Loredano[/aq] in seinen [aq]Bizzarien fol. 560[/aq]. dreyerley Ursachen giebt. [aq]I[/aq]. Weil das [aq]A[/aq] einer Thüren gleich/ dadurch man zu den andern Buchstaben allen gleichsam eingehen müsse; wiewohl in der Ebraeischen/ Syrischen und Deutschen Sprache das [aq]A[/aq] so wenig einer Thüre gleicht/ was die Figur betrift/ als das [hebr. einem Hause. [...][S][...] [aq]Petrus Bungus[/aq] setzt noch eine andere Ursache: weil nemlich das [aq]A[/aq] einem [griech.] gleiche/ und GOtt wird das [aq]A[/aq], der Anfang/ und das [aq]O[/aq], das Ende genant. Dadurch die Vollkommenheit zu bedeuten/ wobey aber zu bedenken/ daß das [aq]A[/aq] nur im Lateinischen einem [griech.] gleiche/ und angezogener Spruch nicht durchgehends alle Sprachen antreffe/ sondern sich allein auf die Grichische beziehe. Der Weltbekante [aq]Jesuit, Athanasius Kircherus[/aq] suchet ein Geheimnüß in diesem Buchstaben/ und meint/ daß dadurch das Ab- und Zunehmen des gantzen Weltwesens könne abgebildet werden; [GRAFIK] von Eins in zwey/ von zwey bis drey gehet das Wachsthum/ denn fället es ab von drey [G: [aq]vid. Column. Pamphil. fol. 385[/aq].] biß vier/ von vier in fünf/ und dieses Ab- und Zunehmen wird miteinander zwey und vier gleichständig verbunden.][304][aq]§. XX[/aq]. Zum Beschluß dieser Tafel/ damit ich nun wieder auf die Stükke/ so in einer Rede zu betrachten sind/ komme/ soll sie ([aq]i[/aq]) erbar und höflich seyn: Es soll sich auch der Poet höchstes Fleisses von Beschreibung abscheulicher Sachen enthalten/ wo nicht der Inhalt des Getichtes nohtwendig solche erfodert: Denn sonst wird es dem Leser oder Zuhörer einen Ekkel machen/ da doch iederzeit sein Zwekk dahin gerichtet seyn soll/ daß seine Erfindung beliebt werde. Von den Lacedaemoniern meldet [aq]Valer. Max. lib. VI. cap. IV[/aq]. daß sie des [aq]Archilochi[/aq] Schriften aus ihrer Stadt weggeschaft haben/ weil etliche schandbare Sachen darinnen enthalten gewesen: welche sie ihren Kindern nicht haben wollen vortragen lassen/ auf daß derselben zarte Gemüther und Sitten dadurch nicht bemakelt würden. Wie vielmehr will denn einem Christlichen Poeten geziemen/ vor so schädlichen Sachen einen Abscheu zu haben/ der künftig einmahl/ wie Christus bey [aq]Matthaeo[/aq] am [aq]XII, 36[/aq]. lehret/ von einem ieden unnützen Worte Rechenschaft geben soll. [aq]Augustinus[/aq] schreibt im ersten Buch seiner Bekäntnüß im [aq]XVI. cap[/aq]. von den heydnischen Poeten also: [aq]Non omninò per hanc turpitudinem verba ista commodiùs discuntur; sed per haec verba turpitudo ista confidentiùs perpetratur. Non accuso verba quasi vasa electa atque pretiosa; sed vinum erroris, quod in eis nobis propinatur ab erbriis doctoribus. Conf. Lactant. Firmian. lib. V. Divin. Institut[/aq].[305]Alles hüllen sie ein/ und verwirren es auf mancherley weise in lauter schwere Poetische eigene Nahmen/ daß man sie billich neue [aq]Heracliten[/aq] (der vormahls den Zunahmen des Dunkelen geführt) nennen möchte. Und dieses ist eine Würkung der Ehrsucht/ in dem solche Leute angesehen seyn wollen/ daß sie die Lateinische Poeten von Anfang bis zum Ende auswendig können/ da mancher mehrmahls kaum in einen gegukket/ und an dessen statt/ auf seinem Tisch/ des [aq]Natales Comitis[/aq] Fabelbuch/ und den [aq]Thesaurum Poëticum[/aq] mit starken Ketten angefesselt/ und mit ihnen/ so oft er einen Vers machen will/ dermassen streng und übel verfähret/ als wohl kaum ein Türk mit einem gefangenen Christen ümgehet.[306]WIe zeiget sich nun als auf einem öffentlichen SchauPlatze das keusche und liebseelige Jungfräulein/ die Poeterey/ allen denen/ die zu ihr ein Belieben tragen/ und an Sinnreichen Erfindungen die Augen des Gemüthes belustigen wollen. Der Nahme den sie führet/ stammet nach [aq]Boccatii[/aq] Bericht in [aq]Genealogiâ Deorum[/aq], von dem Griechischen Worte [griech., welches so viel heißt als machen/ weil der Poet nach den Grund-sätzen seiner Kunst den Vers oder Reim machet/ damit er so wohl was wahrhafftig ist/ zierlich beschreibet/ als auch/ etwas von ihm selbst erfindet/ und solches/ ob es vorhin nichts war/ geschicklich ausbildet und gestaltet. In welchem Stücke die Poesie etwas Göttliches bey sich hat/ nach Außage des unvergleichlichen Heldes der gelehrten [aq]Jul. Caes. Scaligeri[/aq]. Die andere Wissenschafften/ [G: [aq]Lib. I. Pöet. c. 1[/aq].] spricht er/ erzehlen blößlich das Ding oder Wesen/ wie es an ihm selbst etwa gewesen oder sey; Die Poesie aber machet gleichsam eine andere Natur/ zwinget (was sonst ungut) mehr als ein gutes zu haben: und also ist sie Göttlich/ und machet ihre Liebhaber zu Nachfolgern und Vorstellern alles dessen/ was Göttlich/ himmlisch/ herrlich/ hoch/ in der Natur das anmuthigste/ und in der Tugend das [S] lieblichste sein kan. [...] ¶ [aq]§. II[/aq]. Nicht weniger nachdencklich ist bey uns Deutschen der Nahme Tichter/ und Tichtkunst/ vom tichten/ oder dichten/ welches entweder so viel heißt als/ etwas genau zusammen fügen/ daß es an einander bleibet/ oder einem Dinge scharff nachsinnen und genau nachdencken: In welchem Verstande die H. Schrifft saget/ daß das tichten und trachten des Menschen böse sey/ von Jugend auf. [aq]I[/aq]. B. Mos. [aq]VI. 5[/aq]. Syrach [aq]XVII. 30[/aq].][307][aq]§. III[/aq]. Die Bild-Kunst eignet ihr ein Himmel-blaues Kleid zu/ damit man aus dem eußerlichen Zeichen ihre innerliche Eigenschafft beurtheilen könne. Keine Farbe stehet ihr besser an als diese/ weil sie ihrem ersten Ursprunge nach himmlisch ist/ und anfänglich zu dem Gottesdienst gebrauchet worden. Der gelehrte Holländer [aq]Anton. Rodorn. Scriekkius[/aq] sagt davon also: [aq]Divi-[/aq] [G: [aq]lib. I. adversar. Scal. l d.[/aq] [aq]nam esse Poeticam antiqui & recentiores omnes crediderunt, & loquuntur. Metri originem suggestam afflatu divino, quod magnum mundum certâ ratione quasi metro dirigat, ipso vero videmus[/aq]. Und der [aq]Phoenix[/aq] unserer Zeit [aq]Casp. Barth[/aq]. meldet über die Worte [aq]Papiae: Theologi Poetae ideò dicebantur, quoniam de Diis carmina faciebant; Sane verò antiqua Theologia humana in[/aq] [G: [aq]V. m. Augustin. l. 6. de C. D. c. 5. p. m. 584[/aq].] [aq]literis Poeticis & mysteria Numinum introducta ab iisdem, ut exemplo Orphei vides apud Lactantium[/aq]. Ja auch nach dem Zeugnisse des allerberedesten unter den Römern/ [aq]Ciceronis[/aq], hat niemals ein Barbarisches und wildes Volck den Nahmen eines Poeten vernachtheiliget/ sondern sie sind allezeit hoch und heilig gehalten worden. Um welcher Ursache willen auch die alten Heyden vor gewiß und unfehlbar gegläubet: Es könte keiner sich mit dieser holdseligen Nymphen befreunden/ wenn ihn nicht die mildreiche Gunst des Himmels vor anderen Leuten [S] beglückseliget/ und seiner Natur eine sondere Fähigkeit eingepräget/ dadurch der Verstand erleuchtet/ und die Sinnen begeistert würden. Welches [aq]Socrates[/aq] andeuten wollen/ wenn er zu dem [aq]Jone[/aq] gesprochen: Wenn er (jo) von dem [aq]Homero[/aq] wohl reden wolte/ so könte ihm hierinn nicht so wohl die Kunst behülfflich seyn/ als eine Göttliche Gewalt/ die ihn bewegen müste; gleich als ein Magnetstein/ welcher nicht allein das Eisen an sich zeucht/ sondern auch demselben eine Ziehungs-Krafft/ mittheilet/ daß ein ander Eisen daran hangen bleibet/ eben als das vorige am Magnet. Als wolt er sagen; man sehe zwar/ daß von dem Magneten das Eisen angezogen würde/ aber die Ursache wäre unbekant: Solche Bewandniß hätte es auch mit der Poeterey/ die sich auf eine unerforschliche Weise in dieses oder jenes Natur befindet. ¶ [aq]§. IV[/aq]. Bey einem ieglichen/ der sich einer Kunst ergeben will/ werden nach Außage der Weltweisen/ dreyerley erfordert: Nemlich die Natur/ die Unterweisung und die Ubung In allen andern Wissenschafften können die zwo letzten Stücke viel verrichten/ In der Poesie aber wird nothwendig die natürliche Neigung vorangesetzet; Wohin des [aq]Ciceronis[/aq] Worte zielen: [aq]Sic à summis ho-[/aq] [G: [aq]Orat. pro Arch[/aq].] [aq]minibus eruditissimisque accepimus, coeterarum rerum studia & doctrinâ, & praeceptis & arte constare; Poetam naturâ ipsâ valere & mentis viribus excitari, & quasi divino Spiritu afflari[/aq]; Welchen [G: [aq]lib. 2[/aq].] nicht ungleich seind die in den [aq]Tusculani[/aq]schen Fragen gelesen werden: [aq]Mihi verò ne haec quidem notiora & illustriora carere vi divinâ videntur, ut ego aut Poetam grave plerumque carmen sine coelesti aliquo mentis instinctu, putem fundere & c[/aq]. Und [aq]Ovidius[/aq] hat frey heraus bekant: ¶ Es ist ein Gott in uns/ so bald sich der nur reget ¶ Brennt unser Geist auch an und wird mit ihm beweget.][308][aq]§. VIII[/aq]. Ins gemein wird davor gehalten/ daß die Hirten-Lieder die ältesten unter allen Gedichten seyn; Andere hergegen wollen erhärten/ daß von den Wintzern oder Weinhäckern die ersten Gedichte gesungen worden/ dahin sie denn die Sprüche der Propheten ziehen. [aq]Jerem. XXIIX. 33. 45[/aq]. Der Creter wird nicht mehr sein Lied singen/ Und [aq]Esa. V. 1[/aq]. Ich will meinem Lieben ein Lied meines Vetters singen. Damit sie diese Meinung desto scheinbarer machen/ gebrauchen sie das Griechische Wörtlein [griech., [aq]Carmen[/aq], und wollen es von dem Hebräischen [hebr.] [aq]vinea vel racemus[/aq] herführen. ¶ Dem sey nun wie ihm wolle/ so wird doch keiner leichtlich das undenckliche Alter der Poesie streitig machen können. Aus der H. Schrifft ist offenbahr/ daß schon zu Moses Zeiten die Lieder im Ge- [G: [aq]Alsted. Chronol. p. 485[/aq].] brauch gewesen/ gestaltsam er im zweytausend/ vier hundert und drey und funfzigsten Jahre der Welt/ als Pharao im Rothen Meer umgekommen/ GOtt mit einem schönen Loblied gedancket. [aq]Exod. XV[/aq]. Denckwürdig ist auch/ daß das Triumph-Lied der Israeliter über den erhaltenen Sieg von den Amoritern/ zwischen dem Fluß [aq]Arnon[/aq] und [aq]Jabock[/aq], [aq]Num. XXI. 27[/aq]. Von einem [aq]Chananaei[/aq]schen Poeten verfertiget worden. Der um die Grundsprachen Hochbelobte [aq]Buxtorfius[/aq] hat aus einem Alten [aq]Rabbinen Mosche Schem tobh[/aq] angemerckt/ daß auch zu [aq]Amasiae[/aq] des Jüdischen Königes Zeiten/ dessen [aq]2. Reg. XIV[/aq]. gedacht wird/ auf die Leichsteine in Reimen bestehende Grabschrifften eingehauen worden. Und führet auch etwas weniges zum Beyspiel an. [aq](a[/aq] [[aq]Tractat. de Prosodiâ Metricâ Thes. Grammat. annex. pag. 636[/aq].]) Der [S] Königliche Poet/ dessen Parnassus die Burg Zion gewesen/ hat sein gantzes Leben mit heiligen Liedern und Psalmen bezeichnet. Als er ein Hirtenknabe gewesen/ hat er den [aq]XXIII[/aq]. gedichtet/ vor Erlegung des Riesens [aq]Goliath. 1. Sam. XVII[/aq]. Den [aq]XX[/aq]. in seinem Elende [aq]I. Sam. XXII[/aq]. Wieder [aq]Doeg[/aq] den [aq]LII[/aq]. und CIX. Bey seinem Abschied von [aq]Nobe[/aq] den [aq]XXXIV. 1. Sam. XXV[/aq]. Wieder die Philister den [aq]LVI[/aq]. In der Höle Adullam den [aq]LVII[/aq]. zu [aq]Kegila, I. Sam. XXIII[/aq]. Den [aq]LV[/aq]. wieder die [aq]Siphiter, I. Sam. XXIII[/aq]. und [aq]XXVI[/aq]. Den [aq]XI[/aq]. und [aq]LIV[/aq]. In der Hölen/ den [aq]CXLII[/aq]. in seiner Regierung machet er den [aq]L[/aq]. und [aq]CI[/aq]. Als er die Bundeslade eingeholet/ [aq]2. Sam. VI[/aq]. Den [aq]CXVIII[/aq]. Als ihm Christus verheissen worden/ den [aq]LXXXIX[/aq]. und [aq]CX[/aq]. Seine Sieg-Lieder seind der [aq]XXI. XLVI. LX. LXIIX[/aq]. und [aq]LXXXIII[/aq], Psalm. Seine Buß- und Thränen-Lieder/ der [aq]III. IV. V[/aq]. und [aq]LI[/aq]. Seine Lob- und Danck-Lieder/ der [aq]XCIII[/aq]. und [aq]LXXI[/aq]. Daher der ZuchtLehrer Syrach mit Wahrheit von ihm gesagt: [aq]Cap. XLVII. 9[/aq]. Für ein iegliches Werck danckt er dem Heiligen/ dem Höchsten mit einem schönen Liede. Ich wil hie nicht weitleufftig gedencken/ daß des Davids wohlgerathener Sohn/ König Salomon tausend und fünf Lieder ertichtet: von dem gleichfals in der H. Schrifft [aq]I[/aq]. Kön. [aq]IV[/aq]. 32. zu lesen ist. Daraus gar wohl zu schliessen/ daß die Poeterey schon dazumahl im Flor gewesen/ und lange zuvor den Leuten ist bekant worden. ¶ [aq]§. IX[/aq]. Von den Hebräern und Chaldäern schreiten wir zu ihren Gräntz-Nachbarn/ den Arabern und Persern;][309][aq]XVI[/aq]. Aber lasset uns ein wenig weiter gehen/ und den vorigen Zustand der Poeterey mit dem heutigen in etwas genauer überlegen: Vorzeiten ward diese keusche Jungfrau in großen Ehren gehalten/ und von allerhand Stands-Personen bedienet. Da schämeten sich nicht die klügsten Leute/ die durch das Orakel zu Delphos vor weise ausgeruffen worden/ mit ihr Gemeinschafft zu halten. Ich will nicht von dem [aq]Orpheus, Linus, Musaeus, Thales, Cleobulus, Pittacus, Periander, Chilo, Bias, Socrates, Plato[/aq], und [aq]Aristoteles[/aq] weitläufftig melden/ wie sie so wohl die Poeterey geliebet/ als auch viel darinnen verrichtet. Von dem letzten wird gelesen/ daß er mehr als fünff undn viertzig tausend Gedichte verfer- [[aq]Vid. Alexand. Donatus, Instit. Poëtic. lib. I. p. 36[/aq]. tiget; worinn ihm der berühmte Sternkündiger [aq]Zoroaster[/aq], der [aq]Bactrianer[/aq] König vorgegangen/ als der nach [aq]Plinii[/aq] Bericht im [aq]30[/aq]. Buch [aq]cap. I[/aq]. zwantzig mahl hundert tausend Vers von der [aq]Philosophie[/aq] soll gemachet haben. [aq]Conf. Augustin. de Civ. D. lib. XXI. p.m. 981. T. 2[/aq]. Was bey den Römern darauf gehalten worden/ ist fast unnöthig zuerzehlen; [aq]Varro[/aq] hat dadurch nicht den geringsten Preiß verdienet. Ja Käyser/ Fürsten und andere vornehme Herren/ haben ihre Würde durch den unverwelcklichen Lorbeer-Krantz viel herrlicher und scheinbarer gemachet. Was [aq]Augustus, Tiberius, Germanicus, Claudius, Nero[/aq] und andere nach ihm/ dieser Kunst zu Ehren gethan/ ist der beständigen Unvergessenheit [S] längst einverleibet. Was soll ich von den alten Kirchenlehrern sagen/ unter denen die niemals genug gelobte Poeterey/ als in einem köstlichen Pallast gewohnet? [aq]Cyprianus, Hilarius, Ambrosius, Fulgentius, Nazianzenus, Juvenculus, Venantius, Licentius, Sedulius, Prudentius, Paulinus[/aq] u.a.m. haben ingesamt allerhand schöne Poetische Schrifften hinterlassen/ und werden mit höchster Beliebung auch auf den heutigen Tag durchgesuchet. Diese aber wird nach Hochverständiger Leute Gutdüncken keiner zur Gnüge verstehen/ wo er nicht von der lieblichen Poeterey eine Wissenschafft und Vorschmack hat. Dannenher es auch keinem [aq]Studioso Theologiae[/aq] zur Schande oder Schaden gereichet/ daß er diese Kunst in einer und andern Sprache verstehet/ wie etliche frühzeitige Klüglinge meinen; sondern es ist vielmehr nöthig/ daß der jenige/ so einmahl der Kirchen Gottes mit Nutzen vorzustehen gedencket/ nebst den Grundsprachen auch auf die Deutsche Muttersprache acht habe/ und darin ein geschickliches Lied aufsetzen lerne. Man bläuet sich viel Jahre/ voran im Griechischen/ ein wenig weiter im Lateinischen/ endlich aber ist es unsere Deutsche Sprache/ davon man sich ernähret/ und die so wohl den Geistlichen/ als Weltlichen/ ihr Brodt verdienen muß/ und gleichwohl ist man so wenig darum bekümmert. Schreibet der Edle Hr. [aq]Schottelius[/aq] in seiner SprachKunst/ in der ersten Lobrede. Ein Hocherleuchteter Lehrer der H. Schrifft zu Straßburg/ hat gar verständog gerathen/ Es soll ein ieglicher/ der zu Kirchen-Diensten befördert werden will/ zu seiner erbaulichen Ergetzlichkeit deutsche Poeten lesen/ und ein Gedicht zu Papier bringen lernen: Weil man dadurch zierlich und beweglich reden/ eine Sache mit dringenden Worten vorbringen/ und zu Erweckung brünstoger Andacht/ nach Begebenheit auch ein Geistliches Lied werde verabfassen können. (Harsdorff im Sendschreiben vor die Welt- Feld- und Garten-Betrachtungen.) Auf gleichen Zweck zielet auch die Vermahnung des [aq]Laurentu à Villa Vincentio[/aq], (welcher sich sonsten nicht gescheuet/ fast sein gantzes Buch aus des [aq]Andreae Hyperu[/aq] zu schreiben/ ohne daß er was weniges geendert/ wie [aq]Enoch[/aq] [S] [aq]Hannman[/aq] über [aq]Opitii Prosodie[/aq] errinert am [aq]125[/aq]. Blat) an die Prediger/ wenn er sie zu Ausübung der reinen Muttersprach reitzet [aq]lib. 3. de Ratione Stud. Theolog. c. 8. p. 429. Nam quò quis sermonis patrii est peritior, & in eodem disertior, eò judicatur ad docendum populum magis idoneus. Ac decet omninò concionatorem aliquid supra vulgus praestare in Sermonis patrii munditie ac puritate: Et non modò verbis quibusdam elegantibus & acquisitis, verùm etiam copiâ eorundem locupletatum prodire. Puritatem sermonis patrii non haurias, nisi vel ex convictu familiari eorum, qui tersissimè & nitidissimè illum sonant, vel ex libris commendatissimâ dialecto editis: qualis multorum judicio censetur in Italiâ dialectus Tuscanica: in Galliâ Turonesis: in Germaniâ Misnensis, in Britanniâ Londinensis[/aq]. Dannenher der Seel. Herr [aq]Lutherus[/aq] sich so sehr um die Reinigkeit der Teutschen Sprache bemühet/ daß er billich von fremden [aq]Nationen[/aq] gelobet wird.][310]WEil die Poeterey so wol weltliche als Göttliche Sachen in sich begreifft/ wie im Anfang des vorhergehenden [aq]3[/aq]. Cap angedeutet/ mag sie mit Recht und Ehren eine Aeltere [aq]Philosophia[/aq] genennet werden: wie sie denn auch der vornehme [aq]Platonist/ Maximus Tyrius sermon. 6. p. m. 57. adde Lipsii Manuduct. ad Philosophiam Stoicam lib. I Dissertat. 7[/aq]. mit diesem Titel beleget. Sintemal sie dem Alter nach/ nicht alleine den Geschichtschreibern/ sondern allen andern Scribenten vorgehet. Und seyn die Poeten/ ehe der Name [aq]Sophia[/aq], oder [aq]Philosophia[/aq] aufkommen/ vor weise Leute geschätzet worden. [aq]Plato[/aq] heisset sie der Weisheit Väter und Erhalter; weil sie zuerst in [G: Sihe den Eingang c. 2. [aq]§. 6[/aq]. dem guten Wandel und löblichen Sitten die Leute unterrichtet: als die [aq]Druides[/aq] bey den alten [aq]Celtis[/aq]; bey den [aq]Thraciern Zamolxis[/aq] und [aq]Orpheus[/aq]; bey den Griechen [aq]Musaeus[/aq] und [aq]Linus[/aq]. Welche alle zu ihren Zeiten berühmte Poeten gewesen. Von dem [aq]Orpheus[/aq] findet man bey den [aq]Autoren[/aq] unterschiedliche Meinungen/ die ich hie mit stillschweigen nicht vorüber gehen kan. Aus dem [aq]Aristotele[/aq] meldet [aq]Cicero lib. I. de naturâ Deorum[/aq], daß er gemeinet/ es hätte niemals derselbe [aq]Orpheus[/aq], von dem bey den Poeten so viel gelesen wird/ gelebet. Andere wollen nicht zugeben/ daß er weise und gelehrt gewesen sey/ wie [aq]AElianus lib. VIII. Histor. Var. cap. VI[/aq]. aus [aq]Androtione[/aq] mit folgenden Worten anführet. [aq]Ajunt, neminem antiquorum Thracum novisse literas. Imò, quotquot barbarorum Europam inhabitant, turpissimum duxerunt literis uti. At qui in Asiâ sunt, magis, ut fama est, iis sunt usi. Unde est, quod dicere audent[/aq], [S][aq]ne Orpheum quidem fuisse sapientem, quia Thrax fuerit, sed alios ejus fabulas ementitos[/aq]. Hingegen hält ihn [aq]Lactantius Instit. Divin. lib. I. cap. V[/aq]. vor den ältesten Poeten. [aq]Teodoretus[/aq] meldet aq[]Serm. 2[/aq]. [griech.]. daß er noch vor dem Trojanischen Kriege gelebet. [aq]Augustin. lib. XVIII. cap. XIV. de civit. Dei[/aq] gedencket so wol seiner/ als des [aq]Lini[/aq] und [aq]Musaei[/aq] mit folgenden Worten: [aq]Per idem temporis intervallum (quô Haebraeis judices praeesse coeperunt, ut praecedenti capite XIII. innuit) exstiterunt Poëtae, qui etiam Theologi dicerentur, quoniam de Diis carmina faciebant, &c. Ex quorum numero fuisse perhibentur Orpheus, Musaeus, Linus. Verùm isti Theologi Deos coluerunt, non pro Diis culti sunt. Idem capite XXIV. ejusdem libri scribit: Eodem Romulo regnante Thales Milesius fuisse perhibetur, unus è septem Sapientibus, qui post Theologos Poëtas, in quibus Orpheus maximè omnium nobilitatus est, Sophi appellati sunt, quod est Latinê Sapientes. Confer. Justin. Martyr. Orat. ad Gentes[/aq].][311][aq]§. XI[/aq]. Aber wenn wier gleich alle [aq]Fabeln[/aq], so von Natürlichen [G: [aq]Masen. cap. 5[/aq]. Dingen und der SittenLehr handeln/ beyseit setzen und paßiren lassen/ so bleibet dennoch ein nicht geringer Scrupel und Zweiffel übrig/ ob man zulassen soll was von den Göttern gedichtet worden? Es ist unleugbar/ daß die Alten um dem gemeinen Mann ihre Geheimnisse der Lehren zu verbergen/ gleich einem köstlichen Schatz in die Erde/ unter die Fabeln verstecket haben. [aq]Solebant Poetae fabulis quasi nubeculis quibusdam sua & mysteria & praecepta Philosophiae naturalis & moralis operire atque involvere: sicut Medicus acerbiora Pharmaca exhibiturus prius oras pocula circum conspergit mellis dulcis flavoque liquore[/aq]. schreibt mein hoch-geehrter Patron Hr. von Birken [aq]in Monumento Dom. August. Sacr. Teuton. praefix. §. 37[/aq]. Nichts desto weniger ist übel und unrecht gethan/ daß ihrer viel von den Göttern als von groben Säuen geredet/ wie [aq]Scaliger l. 4. c. 1. Poet. p. m. 414[/aq]. klaget. Imgleichen [aq]Tertullian. adversus gentes c. 14[/aq]. Es sey nicht leicht einer unter den alten Poeten gefunden [S] worden/ der nicht die Götter solte beschimpffet haben. [aq]Etsi fabula cantat crimen Numinum falsum, delectari tamen falso crimine, crimen est, urtheilet gar wohl Augustinus lib. IX. de C. D. cap. 12. p. 556[/aq]. Ja selbst der Heyden eigene Zeugnisse seind dawieder/ und bestraffen sie deshalben/ wie bey dem [aq]Isocrate[/aq] in [aq]Busiride[/aq] zuvernehmen. [aq]Pythagoras[/aq] soll gesagt haben/ daß [aq]Homerus[/aq] in der Hölle gemartert würde/ weil er so viel schändliche [aq]Fabeln[/aq] in seine Gedichte gesetzet; [aq]Dionys. Longin[/aq]. [griech.] spricht von ihm. Er hätte aus den Göttern Menschen gemacht/ weil er ihnen so viel Laster und Schand-thaten angedichtet; und die Sternen unter unzüchti- [G: [aq]lib. 10. de Rep. & Dial. a[/aq]. [?] [aq]f. 581[/aq]] ge Bildnisse verhüllet. Dieser Ursache wegen hat [aq]Plato[/aq] weder den [aq]Homerum[/aq] noch andere/ die ebenmäßige Freyheit der Schmachsüchtigen Feder gestattet/ im Stadwesen dulden wollen/ da er doch sonsten den [aq]Poeten[/aq] nicht hat abgeneigt seyn können/ wo er sich selbst nicht hätte zu bestraffen gesuchet/ alldieweil er ein guter [aq]Poet[/aq] mit gewesen/ wie [aq]Jul. Caes. Scaliger apicular. part. I. p. 13[/aq]. andeutet. [aq]Dion. Chrysostom. orat. 53[/aq]. schreibt von des [aq]Platonis[/aq] Gesetz also: [aq]Plato Homerum reprehendit in fabulosis sermonibus de Diis, ut qui nequaquam hominibus conducentia ea dixerit, nempe cupiditates, & mutuas insidias & adulteria & contentiones, litesque de Diis recitans: undè noluit eum participem esse civitatis Reipublicaeque suae sapientis, ut ipse putabat, futurae, ne haec audirent de Diis Juvenes. Conf. Theodoret. lib. 2. de curat. Graec. affect. Euseb. lib. 13. de praeparat. Evang. cap. 1. & 2. Athenaeus lib. 2. Max. Tyrius Serm. 7[/aq]. Das ärgeste ist/ daß sie allerhand Ubelthäter mit unter die Götter gezehlet. Worüber auch [aq]Nazianzenus[/aq] mit diesen Versen geeyfert: ¶ [aq]Nunc Graeci fingunt, quorum vaesania Divos[/aq] ¶ [...] ¶ [G: Verthäd. der Kunstliebenden 2. Theil [aq]p. 200[/aq].] [aq]Jupiter[/aq]-Jungfrau-Raub hatte nicht gnugsam an des Tages Licht kommen können/ da man solchen nicht unter die Sterne gesetzt hät- [S] te. Es wäre nicht genug gewest/ daß man sie in Marmel ausgehauen/ in Metall gegossen/ in die Gemähle gesetzet/ und in offentlichen Freuden-Spielen dargestellet hätte/ wenn man ihnen nicht noch dazu den Himmel zu einem Schauplatz einräumete/ die Sternen durch sie abbildete/ und die gantze Welt zum Beschau einladete. Deßwegen hat die Königin [aq]Dido[/aq] von ihrer eigenen Person bey [aq]Ausonio[/aq] den Leser gewarnet/ daß er nicht alles/ was bey Poeten von ihr gemeldet wäre/ gläuben solte/ wenn sie also heraus gebrachen: ¶ [aq]Vos magis Historicis lectores credite de me[/aq] [G: [aq]Epigramm. III[/aq].] ¶ [...] ¶ Was von mier Geschichte melden könnt ihr Leser besser gläuben/ ¶ [...] ¶ [aq]§. XII[/aq]. Etliche wollen zwar die Poeten hierin entschuldigen/ vorgebend/ sie hätten die Götter nicht nach ihrem Wesen beschrieben/ sondern nur nach dem gemeinen Wahn des Pöfels/ den er von ihnen geschöpffet. Daß sie aber so viel Götter ertichtet/ davon giebt [aq]Cicer. lib. 2. de Natur. Deor[/aq]. den Bescheid: [aq]Suscepit vita hominum consuetudoque communis, ut beneficiis excellentes viros in Coelum famâ, ac voluntate tollerent. Hinc Hercules, hinc Castor & Pollux, hinc Aesculapius[/aq]. Wenn von dem [aq]Jupiter[/aq] geredet wird/ [G: [aq]Voss. lib. I. de Idololatr. cap. 14. p. 110[/aq].] so ist zu wissen/ daß die Alten ihre Fürsten und Könige mit diesem Nahmen beehret/ weil sie über alle eine Gewalt/ und also gleichsam was Göttliches an sich hatten. [...] Andere meinen/ man müß einen Unterscheid halten/ unter denen Sachen die sich in Wahrheit begeben/ und de-[S]nen die Poeten/ also zu reden/ ein Färbchen angestrichen/ welches [G: [aq]Lib. de Fals. Religion. cap. XI. p. m. 27[/aq].] auch [aq]Lactantius[/aq] erinnert/ wenn er von dem [aq]Jupiter[/aq] und der [aq]Danae[/aq] schreibet: [aq]Danaen violaturus Jupiter aureos nummos largiter in ejus sinum infudit. Haec stupri merces fuit. At Poetae, qui quasi de Deo loquebantur, ne auctoritatem creditae majestatis infringerent, finxerunt ipsum in aureo imbre delapsum, câdem figurâ, quâ imbres ferreos dicunt, cum multitudinem telorum sagittarumque describunt. Rapuisse in aquila dicitur Catamitum. Poeticus color est. Sed aut per legionem rapuit, cujus insigne aquila est; aut navis, in quâ est impositus, tutelam habuit in aquila figuratam: sicut taurum, cum rapuit & transvexit Europam. Eodem modò convertisse in bovem traditur Io, Inachi filiam, quae ut iram Junonis effugeret, ut erat jam setis obsita, jambos tranâsse dicitur mare, in Aegyptumque venisse at´que ibi receptâ pristina formâ Dea facta, quae nunc Isis vocatur, &c. Non res ipsas gestas finxerunt Poetae, sed rebus gestis addiderunt quendam colorem: cum Poetae officium sit in eo, ut ea, quae gesta sunt verè, in aliquas species obliquis figurationibus cum decore aliquo conversa traducat[/aq]. ¶ [aq]§. XIII[/aq]. Dem sey nun wie ihm wolle/ und ob gleich etliche Außlegungen zu den nachtheiligen Fabeln gemacht würden/ so ist doch gewiß/ daß dadurch die guten und erbaren Sitten untertretten/ und die züchtigen Gemüther geärgert werden/ deßwegen man sie gantz nicht billigen kan. Zu dem Ende ermahnen auch verständige Leute/ daß Christliche Poeten so viel als müglich dieselbe Getichte/ darinnen schandbare Possen enthalten/ mit Fleiße fliehen/ und in ihren Schrifften sich der Heidnischen Abgötterey nicht gebrauchen sollen. Denn es ist fast unverantwortlich/ daß ein Christ/ der den wahren Gott aus seinem Wort und mannichfaltigen Wunderwercken erkennet/ die ärgerliche Götzen in seinem Munde oder Feder führet/ und unter geistliche Sachen vermänget/ nicht anders als wenn ein Heyde in seinem blinden Wahn von den Göttern und Göttinnen schwärmete. Pfui des Teufflischen Wesens/ saget mein HöstchgeEhrter Hr. Rist im Vorbericht seines Schauplatzes/ und der mehr als Heydnischen Blindheit/ daß [S] ihr/ die ihr euch der wahren Erkäntniß Christi rühmet/ so gar nicht schämet der elenden Heyden-Götter/ welche ihrer Alten Lehrer und Mährlein-schreiber selbst-eigenem Bekäntniß nach/ Hurer/ Ehebrecher/ Diebe und Räuber/ ja gar leibhaffte Teuffel gewesen/ so andächtig anzuruffen/ und so meisterlich heraus zu streichen. Träget aber iemand sonderlich Belieben zu den Alten Poeten/ und begehret etwas daraus zu nehmen/ der sehe wohl zu/ daß er nicht gleichsam mit heißhungerigem Magen alles was ihm vorkommt/ zu sich nehme/ sondern mit Bedachtsamkeit auslese was ihm dienet/ und nicht gar zu schwer verdauen fällt/ damit er keinen Schaden davon tragen dörffe. Er soll es nach [aq]Augustini[/aq] [G: [aq]de Doctrin. Christian[/aq].] Ermahnung anfangen/ wie die Israeliter mit den Egyptern thaten/ da sie die güldene Geschirre aber nicht die Götzen/ ob sie schon gülden waren/ mit sich genommen haben. Er kan die Sichel seines Verstandes auf der Alten Poeten Wetzstein schleiffen/ doch darff er nicht eine Aerndte von diesen Feldern ohne einiges Bedencken anstellen/ damit er nicht statt des Getreides lauter Unkraut/ und vor die Mühe Verdrüßlichkeit einsamle.][312]Zu wünschen wäre es/ daß/ nach dem die Poeterey wieder unter die Christen kommen/ sie nach dem Beyspiel der Spartanischen [aq]Venus[/aq] überall erblicket würde.[313]Von wem aber haben die Griechen und Lateiner an-[Sfangs etwas erlernet? Traun von den [aq]Hebraeern[/aq] und [aq]Celten[/aq], als [G: [aq]Harsdorff. Disquis. 9. in specim. Philol. p. 184. seqq[/aq].] derer Gedichte eigentlich in Reimen bestehen; darauf weder die Lateiner noch die Griechen acht haben. Dannenher leichtlich zu ermessen/ daß die Deutsche Poeterey nicht nach der Latein- und Griechischen Thon-forschung zu zwingen sey/ sondern nach ihrer eigenen Sprachen Ahrt beurtheilet werden müsse. Wie nun ferner die [aq]Hebraeer[/aq] die alten und neuen Reime haben/ also ist bey uns die alte Poeterey von der neuen und kunstrichtigen zu unterscheiden.][314]Nachgehends hat unter der Regierung des Käisers [aq]Valentis[/aq] um das Jahr Christi [aq]364[/aq]. ein Gothischer Bischoff/ [aq]Gulphilas[/aq] oder [aq]Ulphi[/aq]-[G: [aq]Petr. Crinit. lib. 17. de Honesta disciplin[/aq]. [aq]las[/aq] genant/ seinen Leuten eigene Buchstaben erfunden/ wie die bekanten Verse bey [aq]Lilio Gyraldo dialog. I. de Historiâ Poetarum p. 9. & 10[/aq]. andeuten. ¶ [aq]Primus Hebraeas Moyses exaravit literas[/aq], ¶ [...] ¶ Welcher Meinung auch beystimmet [aq]Socrates Histor. Ecclesiastic. lib. IV. c. XXVII. Jornandes in Geticis, Ricobaldus Ferrariensis in Chronico, cui titulus pomoerium Ecclesiae Ravennatis[/aq].][315][aq]Johannes Magnus[/aq] will [aq]libro I. Historiae Suecicae cap. 7[/aq]. behaupten/ daß die Gothen eher als die Lateiner/ und also fast tausend und zwey hundert Jahr vor Christi Gebuhrt/ ihre Buchstaben gehabt. Welches/ wenn man es recht bedenckt/ gantz und gar der vorigen Meinung zu wieder läufft/ und dannenher nicht unbillich dem Unvergleichlichen [aq]Vossio[/aq] und dem [aq]Cornelio Agrippa lib. I. de Vanit. Scientiar. cap. II[/aq]. verdächtig vorkömmt. Denn weil [aq]Gulphilas[/aq], wie allbereit erwehnet/ die Gothische Buchstaben erfunden/ und um das Jahr Christi [aq]364[/aq]. gelebt hat/ so können sie ja nicht so lange zuvor/ als [aq]Johannes[/aq] und [aq]Olaus[/aq] wollen/ dieselbigen gehabt haben. Es wäre denn/ daß offt ernanter Bischoff nicht so wohl die Gothischen Buchstaben erfunden/ als in üblichen Gebrauch gebracht hätte: Wohin [aq]Theodorus Zwingerus in V. H. Theatr. volum. IV. lib. I. gehet. Vossius[/aq] schreibet in seinem überaus gelehrten [aq]Aristarcho lib. I. cap. IX. pag. m. 38[/aq]. davon/ wie folget: [aq]Plane vereor, ne hoc majori gentis suae amore scripserint, quàm veritatis. Lubens quidem illud dedero, quod Ulphilas Gothicas dicitur literas invenisse, id ex eo profectum videri, quod antequam ille Biblia in Gothicam transtulisset linguam, paucis ex eâ gente literae essent cognitae, ac propterea nec habere illas nationibus crederentur: Attamen istud persuadere mihi non possum, fuisse Gothis suas literas, antequam eas haberent Latini. Siquidem tardè admodum has didicére gentes ad Septentrionem sitae; etiam quae Orienti, unde homines & Scriptura, non paulo viciniores, ac cultioribus populis commerciis magis frequentatae, Sanè Thraces, utcunque apud eas Orphea natum fabulentur, nec dum literas nôrunt Aeliani aetate. &c[/aq].[316]Gleicher Gestalt erzehlet ein Engelländischer Geschichtschreiber [aq]Mattheus Parisius[/aq], daß die deutschen allbereit vor Christi Geburt ihre Geschichte in Reimen aufgezeichnet. Und [S [aq]Tacitus[/aq], der vor anderthalb tausent Jahren gelebet/ bezeuget/ daß ob wohl weder Mann noch Weib unter ihnen zu seiner Zeit den freyen Künsten obgelegen/ sie dennoch was merckwürdig gewesen in Reime verfasset und ihre Götter mit alten Gesängen gepriesen haben: [aq]Celebrabant Carminibus antiquis (quod unum apud illos memoriae & anualium genus est,) Tuisconem Deum è terrâ editum & filium Mannum Originem Gentis, Conditoresque. Fuisse apud eos & Herculem memorant, primumque omnium virorum fortium, ituri in praelia, canunt[/aq].][317]Ein solcher Gesang ist von dem Hrn. Unverdrossenem dem Deutschen Palmbaum einverleibet/ wiewohl es nicht unter die gar Alten Deutschen Gedichte zu zehlen. Es handelt von dem Wendischen Könige [aq]Anthyro[/aq], und ist vor wenigen Jahren in einem Kloster/ Dobberau genant/ im Fürstenthum Mechelnburg gelegen/ von etlichen Kaiserlichen Soldaten/ in einem gemaurten Schrancke gefunden worden.[318]Man darf auch nicht meinen/ daß die H. Schrifft vor solchen klugen und gelehrten Fabeln einen Abscheu habe/ sintemahl nach Aussage [aq]Brentii[/aq] am vor angezogenen Ohrt/ darunter gerechnet werden können die Gesichte der [aq]Propheten[/aq], und die Träume [aq]Pharaonis[/aq] und [aq]Nabucadnezaris[/aq], welche traun an ihnen selbst nichts waren/ und doch der Sachen Wahrheit durch des H. Geistes Offenbahrung darthäten. Wie? Wenn wir auch die Parabeln und Gleichnüsse Christi mit darzu rechneten? durch welche er ja auch auf ietzt beschriebene Arth die Wahrheit der Dinge angedeutet.[319]Nicht alles/ was erdacht wird/ ist eine Lügen/ sondern wenn das erdachte Nichts bedeutet/ alsdenn ist es vor eine Lüge zu halten. Wenn aber ein Gedicht zur gewissen Bedeutung ertichtet wird/ so ist es eine [aq]Figur[/aq] der Wahrheit/ sonst müssten alle Sachen die in figürlichem Verstande/ so wohl von Weisen und heiligen Leuten/ als auch selbst von Christo vorgebracht worden/ in die Ordnung der Lügen gerechnet werden. Weil darinn [G: [aq]lib. II. Quaest. Evangelic. quaest. 51[/aq]. die Warheit nach dem eigentlichen Verstande nicht gefunden wird. Seind Worte des H. Kirchenlehrers [aq]Augustini[/aq], welcher auch fer- [S] ner hinzu thut. [aq]Sicut autem dicta, ita etiam facta finguntur sine mendacio, ad aliquam rem significandum. Unde est etiam illud, ejusdem Domini, quod inficit arbore quaesivit fructuum eo tempore, quo illa poma nondum essent. Non enim dubium est, illam ininquisitionem non fuisse veram; quivis enim hominum sciret, si non divinitate, vel tempore, poma illam arborem non habere. Fictio igitur, quae ad aliquam veritatem refertur, figura est, quae non refertur, mendacium est[/aq].][320][aq]§. IV[/aq]. Was von den Fabeln [aq]AEsopi[/aq] zu halten/ meldet der Seel. Vater Lutherus im [aq]5[/aq]. Jehnischen Theil am [aq]247[/aq]. Blat: Nach der H. Schrift/ spricht er/ sind wenig Bücher/ welche so verständig und heilsam von der Tugend und des Menschen Leben lehren/ als die Fabeln [aq]AEsopi[/aq] . Ein unbenannter [aq]Autor[/aq] hat vorgegeben/ als ob [aq]AEsopus Assaph[/aq] des König Davids und Salomonis Capellmeister gewesen; den die Hebreer [aq]Aesop[/aq] genennet/ und habe des Salomonis [aq]3000[/aq]. Sprüche/ so er über der Tafel erzehlet/ von den Fischen/ Vögeln/ Gewürm und dergleichen aufgezeichnet/ und weil etwas davon unter die Heyden kommen/ so hätten sie gedichtet/ es sey einer von ihren [aq]Philosophis[/aq] beym Könige [aq]Croeso[/aq] mit Namen [aq]AEsopus[/aq] gewesen/ welcher diese Fabeln alle erdacht hätte/ und den Phrygiern/ die da- [S mals noch einfältige Leute/ und in dem ältesten Handwerke der Viehzucht bemüssiget waren/ dardurch unterrichtet. Welche Mei- [G: [aq]D. Schuppius im Fabel Hans. Lib. 5. c. XI[/aq].] nung auch der vortreffliche [aq]Laurenbergius[/aq] aus alten Scribenten erweisen wollen. Andre stehen in den Gedancken/ daß sie [aq]Socrates[/aq] geschrieben.][321]In der H. Schrift/ damit ich etwas näher trette/ wird des königlichen Propheten Davids süßhallende Harffe sehr hoch gerühmet/ worein er denn/ ausser zweiffel/ einen lieblichen Psalm mag gesungen haben/ dadurch der höllische Geist gehemmet worden. Also daß wir fast nicht vor ein Mährlein halten dörffen/ was von dem [aq]Orpheus[/aq] erzehlet wird/ daß er mit der Thon-Kunst seine [aq]Eurydice[/aq] aus der Hölle zurükk geholet.[322]Ein solches ist auch Werlet/ für Welt/ welches die alten Deutschen [G: [aq]id[/aq]. [[aq]Tscherning. p. 37. Bedenk[/aq]. [aq]p. 42[/aq].] Poeten/ Walther von der Vogelweid/ und Weihbekke/ der üm das Jahr Christi [aq]1153[/aq]. gelebt/ gebraucht/ und heute noch bey den Niederländern gehöret und gelesen wird.][323]
Harsdörffer, Georg Philipp
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[324]10. Der Poet handelt zuzeiten von der keuschen Lieb/ als einer Tugend/ von unkeuscher Liebe/ als einem viehischen Laster/ nicht zu dem Ende/ daß er dardurch iemand/ mit buhlerischen Gril-[Slen/ ärgern wolle/ sondern daß solche von unziemlichen Begierden/ unterscheidet werden solle. Wir Menschen können die Neigung zum Bösen nicht von uns werffen; aber selbe wol im Zaum halten/ und beherrschen. Man kan wol bey Frölichkeiten ein erfreuliches Schertzwort hören lassen: aber nicht mit groben Schandbossen/ und Narrendeutungen/ die den Christen nicht geziemen/ aufgezogen kommen: jenes ist höflich und zulässig/ dieses unhöflich/ verwerflich/ und bey groben Gesellen/ aber nicht bey ehrlichen und tugendliebenden Personen gebräuchlich.][325]18. Die Wörter sollen seyn höflich und erbar/ die unzüchtigen aber gäntzlich vermieden werden: dann zu geschweigen/ daß wir/ als Christen/ wissen sollen/ daß wir von einem ieden unnützen Worten Rechenschaft geben müssen/ so träget unsre Sprache gleichsam von Natur ein Abscheuen von aller Unsauberkeit/ daß wir viel unflätige Sachen nicht wol nennen können ohne sondere Umschreibung.[326]4. Es sollen aber alle Liebhaber dieser Kunst getreueiferichst gewarnet seyn/ daß sie sich von unreinen Liebsdichtern nicht verkuplen/ und zur Unkeuschheit verleiten lassen. Ein Christlicher Poet handelt von der Liebe/ als von einer Tugend/ und bleibt in den Schranken der Erbarkeit. Die Weltling hingegen und Wollüster schreiben gleichsam mit einem Schwefelholtz/ aus welchem die buhlerische Hurenbrunst aufflammet/ und die unschuldigen Hertzen entzündet. Solche Gedichte lassen sich mit den Egyptischen Fröschen vereinbaren/ von welchen wir lesen/* [2. Mose. 8. v. 3. daß sie gekommen in das Hauß/ in die Kammer/ auf die Lager und Bette/ etc. in dem man sich be-[S]liebter unreinen Gedanken auch in dem Schlaf schwerlich erwehren kan. Ob nun wol in dergleichen bösen Büchern auch gute und schöne Wort zu finden/ so ist doch gewißlich darunter tödlicher Schlangen-Gifft verborgen/ und möchte man von solchen mit dem weisen Mann sagen:* [Sirach. 12. v. 13.] Wann ein Schlangen-Beschwerer gebissen wird/ das jammert niemand als wenig/ als wann einer mit wilden Thieren ümgehet/ und von ihnen zerrissen wird. ¶ 5. Es ist die edle Poeterey eine Jungfrau/ die ihr lange Zeit aufwarten lässet/ und nicht sonder grosse Mühe/ benebens zuvor besagter Fähigkeit und Belieben/ zu erwerben.][327]8. Die Obschrift/ welche den Inhalt des Gedichts vermeldet/ ist gleichsfals zweyerley/ und bedeutet selben entweder ins gemein [… [S] […] oder weiset den Inhalt des Gedichts absonderlich/ dahin der Leser seine Gedanken richten sol/ als da ist die Ruhe des Gemüts/ des gekrönten/ die Sicherheit der Frommen/ in der 3. Stunde §. 21. Wercke deß Glaubens/ in der ersten Stund § 19. und in den Andachts-Gemählen hin und wieder.][328]Als wann man in den Trauergedichten von dem Tod/ der ewigen Seeligkeit/ des Menschlichen Lebens Kürtze/ Jammer und Eitelkeit handelt. [… In den Lobgedichten/ pflegt man der vorwesenden Sache Uhrheber/ erforderten Fleiß/ Nutzen und Frommen/ etc. zu betrachten und solches alles oder nur ein Stück derselben mit Poetischen Worten zu beschreiben.][329]Also ist uns mehrmals das Gleichniß angenemer als die Sachen selbsten/ und sagt hiervon ein Kirchenlehrer also: *[[aq]Augustin. Epist. 119[/aq].Ich glaube/ daß die Bewegung unsers Gemüts/ so lang sie in das Irdische verwickelt ist/ sich träg und faul zur Erden neiget/ bis es durch die Betrachtung deß Himmlischen/ und Vergleichung deß Zeitlichen und Ewigen aufgemundert und angefrischet wird. Was theur ist/ achten wir wehrt und hoch/ was wir mit Mühe erlernen/ oder durch grosse Arbeit erarnen/ beliebet [S] uns mehr/ als was wir leichtlich gewinnen; und gleichwie ein Safft/ durch ein Glas/ fährt er fort/ schöner scheinet/ also gefället uns die Wahrheit in einem schönen Gleichniß: Oder/ wie der Sonnen Stral vermittelst eines Hohlspiegels hefftiger brennet/ also durchdringet und beflammet auch die Gleichniß der Menschen Sinn.][330]4. Es sind ferners dreyerley Arten Gleichnissen/ von welchen absonderlich zu reden seyn wird. Die I. Art ist das Lehrgedicht/ wann in vielen Stücken das Gleichniß fortgesetzet wird: wie dort in dem Evangelio/ das Gleichniß von dem Seemann/ von dem Weinberg/ von dem guten Hirten. Diese Gleichnissen werden Lehrgedichte genennet/ weil sie gute Lehren auszubilden und vorzustellen pflegen/ wiewol sie auch zu andern Händeln mißbrauchet werden. Dem Poeten dienen sie auf mancherley Weise/ und sol er sich in solchen Erfindungen sinnreich erweisen/ und seine Sachen auf nicht gemeine Weise vorzutragen wissen. In den Andachts-Gemählen sind unterschiedliche Exempel der Lehrgedichte/ wollen aber auch eines hieher setzen. Der Inhalt [S ist folgend. Eine Jungfrau hatte eine Perle hohes Werths gefunden][331]6. IV. Ferners ist deß Poetischen Schauspiels Inhalt entweder einschichtig oder mehrschichtig (a [[aq]Fabulae argumentum est vel simplex, vel compositum[/aq].) Einschichtig/ wann eine erdichte Geschichte ohne Nebeninnhalt/ (b [[aq]Episodium[/aq].]) merklicher Veränderung/ (c [[aq]Peripetia[/aq].]) oder endlicher Erkantnuß vollzogen/ (d [[aq]Agnitio. Vid. Heins. de Constit. Trag. f. 48. & 49[/aq].]) oder durch ein Himmelsgeschicke (e [[aq]Machinam[/aq].]) geendet wird/ daß also die Haubtperson allein alles zuthun hat.][332]Zuzeiten setzt man beedes zusammen/ die Erkantniß zu versichern: zuzeiten ist die Sache so verwirrt/ daß man durch ein Himmelsgeschik/ (welches [aq]Aristoteles Machinam[/aq]** [[aq]Vid. Heins. de Constit. Trag. c. 12. f. 96[/aq]. nennet/ und [S] darauf einen Gott kommen läset) daß der Sache abgeholffen wird. Dieses pflegen gute Poeten nit zuthun][333]Hingegen könte der Fried als eine verjagte Königin vorgestellet werden/ welche vermittelst der Tugenden und Wissenschaften geringen Aufenthalt hat/ und den Teutschen Heldenmut absondert/ die Einigkeit zu suchen/ und des alten Vertrauens Ehrenseule/ mit Verwilligung des Kriegs-Königs aufzurichten/ und den güldnen Frieden in vorigen Besitz wieder zu bringen. Zu dieser Handlung wird abgeordent der Betrug/ etc. Wolte man jetzt besagte Personen in einem Trauer-Freudenspiele vorstellen/ so könte die Vorrednerin seyn die Christliche Kirche/ oder auch Teutschland/ und könte auch alles in ein Gedicht verfasset werden. Dem Verständigen gnug gesagt.[334]Weil aber hierdurch die guldne Tugendzeit/ und die alte Redlichkeit/ Frömmkeit und Erbarkeit/ *[[aq]Tasso nell Aminta. f. 25[/aq]. vorgestellt und gleichsam abgemahlet werden soll/ müssen sie sol-[S]che Gedanken/ Wort und Wercke hören lassen/ welche Baurenhändel übertreffen/ und sich gleichstellen denen Hirten/ so vor Zeiten mit den Nymphen und Göttern Gemeinschaft gehabt/ wie die Heydnischen Poeten dichten. Die Betrachtungen der Geschöpfe Gottes/ der Eitelkeit der Welt/ Todesgedanken und des höllischen Satyri Betrug/ etc. ist der beste Inhalt der wieder erneurten Hirtengedichte.][335]massen nichts so gut in der Welt/ das man nicht solte mißbrauchen können/ und ist auch Gottes Wort der bösen Auslegung nicht befreyet.[336]Also sol auch der Poët mit fast natürlichen Farben seine Kunstgedanken ausbilden/ und muß so wol eine schwartze Kohlen aus der Höllen gleichsam zuentlehnen wissen/ die abscheulichen Mord-Greuel eines bejammerten Zustandes aufzureisen; als eine Feder aus der Liebe Flügel zu borgen die Hertzbeherrschende Süssigkeit einer anmutigen Entzuckung zu entwerffen/ wie hiervon in nachgesetzten Betrachtungen ein mehrers zu befinden ist.[337]werden aber darüber zu Schanden/ wie dorten die Bauleute/ welche nach der Bleywaage ihres Unverstandes/ den Babilonischen Thurnbau frevelich unternommen/ und mit Schanden unterlassen müssen.[338]27. Wir wollen die H. Schrift betrachten. [S Die Historien oder Geschicht-Erzehlungen sind mit einfältigen Worten fürgetragen; Gestalt ein Geschichtschreiber der Warheit allein verbunden/ und sich mit vielen beygedichten zierlichen Worten zu weilen verdächtig machet. Wann aber die Gemüter zuerregen/ die Hertzen zubewegen/ und in demselben Hoffnung oder Furcht auszuwürken ist/ da findet man alle Rednerische Poëtische übertrefflichkeit in den Psalmen/ in Job/ in den Propheten/ in dem Hohenlied Salomonis/ und sonderlich in den Episteln deß H. Pauli/ der unter den XII. Aposteln zu den Füssen Gamaliels allein das Gesetz studieret gehabt/ daß gewießlich der vollständige Nachdruck der Grundsprach/ auch dem aller geübtesten Dolmetscher zu schaffen machet/ wie hiervon urtheilt [aq]August. l. 4. de Doctr. Christiana. c. I[/aq]. Hieher gehöret/ was von deß H. Pauli Beredsamkeit in der Apostelgesch. am 14. gelesen wird daß man ihm nemlich für den Mercurium gehalten. ¶ 28. Diesemnach kan man in Geistlichen Reden und Gedichten keine Hertzbewegliche Wort und Red-Arten finden/ als die jenigen/ welche von GOTT dem H. Geist/ durch die Männder Gottes aufgezeichnet/ auf uns geerbet/ dieses sind Wort deß Lebens welche die Gnaden durstige Seelen/ mit voller Gnüge tränken und überschitten/ wie ein jeder glaubiger Christ und Kind [S] GOttes in sich selbst empfindet/ und sich derselben in Noht und Tod zugetrösten hat. ¶ 29. Wie nun etliche Prediger die Sprüche hochgerühmter H. Schrifft also zusammenfügen/ daß es eine gantze Rede scheinet/ und die Lateiner [aq]Centones[/aq] aus dem [aq]Virgilio[/aq] verfassen/ wie [aq]Lipsius[/aq] seine [aq]Politicam[/aq] von lauter denkwürdigen Sprüchen/ als hat man auch gantze Gedichte gemachet/ darinnen jede Reimzeil zum wenigsten einen Spruch aus der H. Schrifft begreifft. Wir wollen hier ein Exempel solcher biblischen Spruch-Gedichte von dem Friede beysetzen. ¶ 10. Der GOtt (a [[aq]Col. 3, 15[/aq].]) und Herr (b [[aq]Thess. 3, 15[/aq].]) deß Frieds/ deß Sohn heisst Frieden-Fürst (c [[aq]Es. 9,6[aq].])][339]Dergleichen sind etliche zu lesen in den Sonntags-Andachten. ¶ 30. Also bleibet es darbey: daß das Geistliche mit Geistlichen/ das gemeine mit gemeinen Worten/ das seltne und tieffsinnige mit seltnen und [S gleichfals eingriffigen Worten sol ausgeredet werden/ darzu die gemeinen Reden viel zu schwach und kraftoß sind.][340]39. Die Rede sol zierlich und doch nach Beschaffenheit nachsinnig seyn; Massen wir in unsrer Sprache so schöne und eingriffige Wörter und Red-Arten haben/ die durch die Hertzen schneiden/ ihre Deutung prächtig und mächtig in den Sinn legen/ das Gemüt kräfftig bewegen/ [… und im Gegenstande zu der Barmhertzigkeit ermilden/ zu der Vergebung erweichen][341]59. Wie nun durch diese Art der Gleichnissen ein Beweiß geführet wird/ also wird auch eine Meinung/ dardurch widerleget/ ([aq]per instantiam[/aq].) Die Juden wolten nicht glauben/ daß ihnen Christus nach seinem Tode würde nutzen können: Dieses widerlegte der Herr Christus mit dem Gleichniß von Weitzenkorn/ welches zuvor verwesen muß/ ehe es Frucht bringet: und beweiset also/ daß eine Sache nach und durch dem Tode kan Nutzen bringen.[342]Betrachtet man die Vorbilder deß Alten Testaments/ und hält sie gegen der Erfüllung deß Neuen Testaments/ so wird erhellen/ daß das Alte/ so auf Christum abgesehen/ nachdenklich erfüllet worden/ und daß nicht nur die Wort/ sondern auch die Geschichte geistliche Geheimnissen ausgebildet/ wie hiervon zu lesen die Vorrede der Sonntags Andachten. Diese Bildkunst/ und Sinnbild-Kunst dienet nicht nur dem Redner zu beweglicher Darstellung seiner Sachen/ sondern auch den Poëten[343]Also bedeutete die Sonnen Finsterniß den Tod CHRISTI/ wie der neue Stern sein Leben angekündiget.[344]4. Aberglaube.[345]11. Almosen.[346]12. Alter.[347]20. Apfel.[348]22. Argwohn.[349]23. Arm/Armut.[350]24. Artzney.[351]25. Asche.[352]29. Aug.[353]32. Barmhertzigkeit.[354]33. Bauch.[355]38. Begierd.[356]43. Beten/Gebet.[357]45. Betteln.[358]52. Blum.[359]61. Buß/Büssen.[360]62. Cantzel.[361]63. Cederbaum.[362]64. Christus.[363]66. Cypreß.[364]69. Danken/Dankbarkiet.[365]72. Demut.[366]73. Dichten.[367]84. Ehre.[368]87. Eid.[369]89. Einigkeit.[370]90. Einsamkeit.[371]94. Eltern.[372]95. Engel.[373]103. Ewig.[374]105. Fackel.[375]107. Falsch[376]109. Fasten[377]112. Feyer/Feyertag.[378]129. Fromkeit.[379]132. Frucht.[380]133. Fürst.[381]134. Fürsehung Gottes.[382]137. Geberen.[383]143. Gedicht.[384]144. Gedult.[385]149. Geilheit.[386]151. H. Geist.[387]152. Geitz/ Geitzige.[388]154. Gelusten. => Begierden.[389]158. Geruch.[390]162. Gesundheit.[391]164. Gewissen.[392]167. Der Glaub.[393]168. Glocke.[394]170. Gold.[395]171. GOTT.[396]172. Gottes Diener.[397]173. Götzenbilder.[398]174. Grab.[399]181. Gut.[400]182. Haar.[401]187. Haubt.[402]190. Heilig.[403]194. Hertz.[404]197. Die Heucheley.[405]198. Heyden.[406]199. Himmel.[407]204. Hoffnung.[408]205. Honig.[409]208. Hunger.[410]211. Jagen.[411]213. Jesus.[412]215. Irren.[413]217. Jud/Juden.[414]219. Jungfrau.[415]220. Jüngling.[416]225. Kebsweib.[417]226. Keiser/Keiserthum.[418]227. Kertz.[419]229. Ketzer/Ketzerey.[420]230. Keusch/Keuschheit.[421]232. Kirch.[422]235. Kleid.[423]236. Kloster.[424]237. Klug. Klugheit.[425]243. Korn/Getreid.[426]247. Krieg.[427]258. Larv.[428]264. Leben.[429]266. Leib.[430]267. Leiche.[431]269. Lerch.[432]272. Liebe.[433]273. Liebe deß Nechsten.[434]274. Liebe der Welt.[435]281. Lorbeer[436]283. Lügen.[437]284. Lust.[438]285. Magd.[439]287. Mager.[440]290. Mann.[441]291. Mark.[442]293. Marter/Märtrer.[443]294. Mässigkeit.[444]300. Mensch.[445]302. Metall.[446]310. Mord.[447]312. Most.[448]316. Muschel.[449]320. Nahrung.[450]322. Natur.[451]329. Nüchtern.[452]331. Obrigkeit.[453]336. Opfer.[454]338. Orgel.[455]339. Ostern.[456]342. Paradis.[457]348. Pfingsten.[458]352. Poët/Poêterey.[459]355. Predigt.[460]356. Psalm.[461]358. Puls.[462]360. Rab oder Raab.[463]361. Rache.[464]363. Retsel oder Rähtsel.[465]366. Rauch/Rauchwerk.[466]367. Recht.[467]368. Rede.[468]370. Regenbogen.[469]372. Das Reich.[470]381. Ruhe.[471]386. Säen.[472]39[!. Schand.][473]395. Schiff.[474]397. Schlacht.[475]400. Schleuder.[476]409. Schönheit.[477]412. Schul.[478]415. Schwan.[479]416. Schweiß.[480]418. Seele.[481]419. Seelig.[482]420. Seidenwurm.[483]422. Sichel.[484]425. Soldat.[485]437. Stadt.[486]439. Sterben.[487]440. Stern.[488]441. Stimm.[489]442. Stoltz.[490]444. Straff.[491]445. Streit.[492]447. Sünde.[493]448. Sündflut.[494]452. Taube.[495][!53. Tauff.][496]455. Teuffel.[497]461. Der Tod.[498]467. Trunkenheit.[499]468. Tugend.[500]475. Verleumdung.[501]476. Verloben/ Gelübd thun.[502]477. Vernunfft.[503]482. Uneinigkeit.[504]484. Unglück.[505]485. Unschuld.[506]486. Unzucht.[507]487. Vogel.[508]491. Wachsamkeit.[509]498. Wandersmann.[510]499. Wappen.[511]500. Warheit.[512]503. Weg.[513]505. Weib.[514]505.[! Weib so gebieret.][515]509. Weißheit.[516]510. Welt.[517]514. Will.[518]519. Wollust.[519]520. Wolthat.[520]522. Würde.[521]528. Zeit.[522]536. Zunge.[523]9. Lernen wir Hebraische/ Griechische und Lateinische Verse machen/ warum wollen wir es in dem Teutschen nit auch so weit bringen/ daß wir zum wenigsten von einem Gedicht urtheilen können.[524]14. Wolte man den Hebreern ferner nach ahmen/ könte man die Anfangsbuchstaben/ wie sie die Endlettern zu den mehrern Zahlen gebrauchen also.[525]16. Gleiche Meinung hat es auch mit de- [Snen Worten/ die mit der Christlichen Religion eingeführet worden/ und der Ankunfft nach aus einer andern Sprache herstamomen/ als: Sacrament/ Apostel/ Evangelium etc. Welche sonder grosse Aergerniß nicht geteutschet werden könten/ nach dem sie bereit jedermann bekant sind.][526]Ja/ wann uns Teutsche keine andere Ursache zu unser Poeterey treiben solte/ so wären doch die geistlichen Lieder/ zu Erweckung hertzbrünstiger Andacht darzu gnugsam/ welche/ ohne kunstrichtigen Bericht/ nicht können verfasset werden. ¶ 10. Von alters her ist das Lateinische Singen in unsrer Kirche geblieben/ damit die studirende Jugend zu üben; der gemeine Mann aber hat vielersprießlichern Nutzen von dem Teutschen Singen/ durch welches wir gleichsam den Englen nach ahnen/ und näher zu GOtt tretten. Wie soll der/ sagt der heilige Apostel Paulus/ 1. Corinthern 14. v. 16. so an statt deß Laien stehet/ Amen sagen/ auf deine Dancksagung? sintemal er nit weiß/ was du sagest. Ein andrer wird nicht davon gebessert/ etc. Welche fremde Sprachen reden/ daß sie nicht jederman versteht/ pfleget man für unsinnig zu halten/ wie in fol- [Sgendem 26. Verslein/ besagter Epistel/ folget.][527]2. Aus Betrachtung der Natur/ und Erforschung der Weltgeschöpffe/ entstehet deß höchsten Lobgesang[528]4. II. Haben diese Spiele ins gemein das Absehen/ zu nutzen und zu belustigen. Obwol zu Nachfolge der Ebreischen Poeterey alle Gedichte zu GOTTes Ehre billich gerichtet werden sollen/ so ist doch verantwortlich/ daß man sich des Nechsten Neigung nach bequemen/ und denen/ welche theils nicht lesen wollen/ theils nicht lesen können/ die Liebe zur Tugend/ durch ein lebendiges Ge-[Smähl auffstellet/ vor- und einbildet.][529]22. Was die Rede für eine herrliche Gnaden Gabe deß Gütigen GOTTES erkennen die jenigen am meinsten/ welche sie verlohren haben: Andre die solche mißbrauchen/ und GOTT nie dafür gedanket haben/ sind viehisch gesinnet und hassen alle Tugenden und Wissenschafften/ samt dem einigen Mittel zu derselben zugelangen. Ich will nicht sagen daß GOtt der Herr der Urheber aller Sprachen seye/ und daß der einige Sohn GOttes/ des Vaters Wort genennet/ durch seines Geistes Wort geprediget und von allerley Zungen in der Christenheit gelobet und gepriesen wird; sondern allein/ daß durch den Verstand und die Rede der Mensch von den Thieren unterschieden/ und so viel höher gehalten wird/ so viel mehr Gaben in beeden Stücken erweisen kan. Hiervon besihe in dem nachgehenden Theil im Buchstab. M. Mund.[530]Hierbey möchten etliche vermelden/ daß der Heidnischen Götter und Poëtischen Fabeln keine Meldung beschehen/ [S die zu den Gedichten nohtwendig scheinen. Hierauf ist zuwissen/ daß ich für verantwortlicher halte/ wann die Christen der Heidnischen Götzen Namen noch im Munde noch in ihrer Feder führen/ oder ja ihrer/ (wie die Juden die fremden Weiber mit abgeschnittnen Haaren und Nägeln annehmen dörfften/) mit grosser Bescheidenheit gebrauchen. An solcher Stelle kan die Personbildung ([aq]Prosopopoeja[/aq]) tretten/ welche die Mahlerey und Poëterey meisterlich vergesellschaftet/ und zu solchem Ende bey aller Begebenheit beygerücket worden ist gebrauchet werden.][531]18. Gleiches Bewantniß hat es mit den eignen Namen/ die von dem Ebräischen/ Griechischen oder Lateinischen herkommen/ und so wol in der gantzen H. Schrifft/ als in dem gemeinen Gebrauch für Taufnamen ungeändert behalten worden/ und scheinet/ daß solches von dem Christenthumb/ welches in Lateinischer Sprache auf uns Teutsche gebracht worden/ [S biß auf diese Zeit verblieben seye. 9. Hiervon werden ausgeschlossen der Heydnischen Götzen Namen/ die ein Christlicher Poët billich vermeiden/ und sie auch nicht in dem Munde führen sol/ als zur Verachtung. An solcher Stelle aber dienet die Bildkunst/ daß ich den Früling für die Florem/ den Sommer für Cererem/ den Herbst für Bacchum etc. einführe/ beschreibe und ausbilde/ wie in der Xten Betrachtung folget.][532]so lässet sich doch der Poet von dem abgesetzten Vorsatz nicht wendig machen/ daß er wegen eines artigen Schimpfs/ er sey so sinnreich er wolle/ Gottes Huld/ oder einen guten Freund verlieren solte: Nichts ist in der Welt/ daß allen solte ge-[Sfallen können: die Alten lachen der Jungen Einfälle/ die Jungen der Alten Geschwätz: Ist also darauf zu sehen/ was recht geredet ist/ und nicht was diesem oder jenem Klügling oder Faulwitzer/ wie solche Leute Herr Lutherus nennet/ übel oder wolgefället. Ihr Lob ist eine Schande/ und eines Verständigen Urtheil ist höher zu achten/ als hundert Unverständiger dünkler Verwerffung.][533]mit hertzlichem Anerwünschen/ daß er [S lange Zeit mit allem erspriesslichen Wolergehen verschliessen/ und endlich nach dieser zeitlichen Eitelkeit/ der ewigen Seeligkeit mit allen Frommen und Auserwehlten theilhafftig werden möge. Hiermit verbleibe ich/ nächst Empfehlung des Höchsten gnädiger Obhalt/][534]Andre vergleichen besagte Lehrsprüche mit dem Gewürtz wel-[Sches mässig und mit Verstand gebrauchet/ Nutze und Lust zu der Speise mache/ welcher Meinung vielleicht auch S. Paulus saget; Daß der Christen Rede mit Saltz (das ist erbaulicher Lehre) sol gewürtzet seyn. Gebrauchet man aber dieser Würtze zu viel/ so hält man es für ungesund und dem Mund unangenehm.][535]und solche sind gewesen die geelen Läpplein auf der Juden Kleidern darbey sie der Gebete GOTTES eingedenk seyn sollten. 4. Mos. 15/38. Ob wol solche Läpplein/ sich mit besagtem Göttlichen Gebeten gantz nicht vereinbaren. [S Wie von diesem Unterscheid §. 99. ein mehrers folget.][536]Du solst ein Gedicht schreiben von dem Glauben/ davon sehr viel zu melden/ dieses Orts aber soll er betrachtet werden/ als der waare seligmachende Glaube/ ohne welche der Mensch keine Gottgefällige Wercke thun kan. Kommet nun ein Versstimpller darüber/ so möchte er vielleicht besagten Inhalt also verfassen: ¶ Gott wil ein reines Hertz/ das ihm allein vertraut[537]
Wagenseil, Johann Christoph
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[538]Ein Bild oder Figur Gedicht ist/ dessen Zeilen nach der Kürtze oder Länge also eingeordnet/ daß sie eine gewisse Figur/ als einen Becher/ Kreutz/ Birn/ Hertz/ oder dergleichen zeigen. Zum Beyspiel. ¶ Trinck-becher von [aq]Anapaestischen[/aq] Reimen. ¶ Im[539]Die Sinnbilder/ [aq]Emblemata[/aq], sind ein Gleichnuß-Gemähl/ welches durch das Beywort erkläret wird. Solche Gemähl erzeigen sich vernünfftiger/ wann sie keine Menschenbilder vorstellen: weil das verglichene [S und gleichende nicht einerley seyn soll. Doch werden [aq]Genii[/aq], Knaben/ oder Engel mit Tauben- und Mucken-Flügeln zugelassen: Etwan auch wol Frauenbilder/ wann man Tugenden und Laster wil vorstellig werden. Die Beyschrifft je in wenigern Worten sie bestehet/ je schöner und schicklicher ist sie: und soll sie allein in der ersten und dritten/ nicht aber in der zweyten Person reden. Und wird eine sonderbare Zierde darinnen gesuchet/ wann ein [aq]Hemistichion[/aq] oder Halbverse aus einem bekannten Poeten/ oder ein kurtzer Spruch aus heiliger Schrifft dazu genommen wird.][540][aq]ut sic via muniretur, ad discendam porro Latinam Poësin, & illam, quam Gentiles, Deorum sermonem esse crediderunt, Graecanicam. ¶ Quamobrem serio iussi, me imitaretur, & aevi maturus, Poëtas omnium gentium, quarum idiomata callere contingeret, praecipue autem Graecos & Latinos, omnis divinae humanaeque sapientiae magistros illos, diurna nocturnaque manu versaret[/aq][541]
Zesen, Philipp von
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[542]Die alten Meister-gesänge bestunden auch in unterschiedlichen dergleichen reimen; gleichwie noch itzund die geistlichen Lieder/ welche für diesem der große Luter Filip Niklasen/ und andere Gottes-gelehrte männer verfasset haben. Die unserer itzigen Dichterei vielmahls gahr nahe kommen/ ja bisweilen wohl gantz gleich seind. Zum beweis sei dieser des Beusts alter vierling: [S ¶ [aq]Wer ist das kind? Immanuel[/aq].][543]Die letzten Ebreischen Rabinen oder sprachmeister haben sie [die Dichtkunst, J.T. nach dem gemeinen griechischen nahmen in ihrer sprache [hebr.]; und den Dichter [hebr.] genennet/ sonst in ihrer eignen Sprache haben sie das wort [hebr.] das ist ein gesang/ daher [hebr.] d.i. ein reim-gedicht; und [hebr.] d.i. ein Sänger/ in dem verstande/ wie bei den Griechen ein dichter [hebr.], und bei den Lateinern einer/ der etwas besinget/ genennt wird. David nennet sie im 49. Andachts-liede/ in der fünften spruch-rede [hebr.] ein gleichnüs/ und [hebr.] ein Rätzel/ welche beide nahmen Assaf im 78. Andachts-liede/ 2. zusammen setzet. Die Alten/ so wohl die Ebreer und Deutschen/ als die andern völker/ pflegten dannenher ihre gedichte mehr zu singen/ als herzusagen/ wie von jenen die H. Schrift/ von diesen aber Tazitus und andere bezeugen.][544]Der reim ist bei uns Deutschen fürnehmlich zweierlei. I. der mänliche/ wan die schlüsse nuhr mit einem wort-gliede/ darinnen die lauter lang/ und mit den folgenden mit-lautern gleich seind/ gemacht werden. Solchem ist der Ebreer [hebr. gleich.][545]Diesen [reim, J.T. nennen wier den weiblichen/ weil er weich- und weiblich ausgehet. Dan er hat das erste wort-glied lang und steigend/ das andere kurz und fallend. Die Ebreer nennen ihn [hebr.] den bekwehmen. III. Man kan auch/ nach ahrt der Ebreer und Welschen/ den dritten haben/ welchen jene [hebr.] den fürtreflichen/ diese aber [aq]versi sdruccioli[/aq] d.i. zischlende/ oder gleitende nennen.][546]Hierher gehöret auch das jenige/ welches bei den Ebreern gebräuchlich ist/ und ein halb-reimiges genennet wird/ da nuhr ein und der andere schlus/ oder einer üm den andern sich reimet.[547]Die Ebreer machen ihre einfache [hebr. aus lauteren zweifach-langen schritten/ oder nuhr einem langen tritte allein: die viel-fachen aber [hebr.], aus allerlei schritten oder tritten/ die sie haben/ durcheinander/ d.i. zugleich aus kurtzen und langen wort-gliedern.][548]I. das ein-reimige/ welches vom anfange bis zu ende einerlei reim-endungen hat. Dergleichen gedichte werden bei uns bisweilen zur lust/ und spiel-weise gebrauchet. bei den Ebreern aber seind sie gar gemein und gebräuchlich/ ja fast ihr eigen.[549]Dieser nahme widerkehr wird ins gemein und fürnähmlich den sang-gedichten und liedern/ welche in unterschiedlichen/ doch an reim-bänden gleichen sätzen bestehen/ zugeeignet/ und von den Ebreern ein haus/ dessen eingang d.i. das ehrste reim-band/ die thüre/ und das letzte der schlus genennet.[550]
Kornfeld, Theodor
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[551]§. 2. Wie werden dann die Teutschen Gedichte genant nach der [aq]Materie[/aq]? ¶ [aq]Resp. (1) Heroische[/aq]/ oder [aq]Alexandrinische[/aq]; Welche sind die langen Verse/ oder/ die langzeiligen Verse; Damit hohe/ und heilige Sachen/ auch Helden-Thaten beschrieben werden.[552][aq]§. 6[/aq]. Wie nimmt man von den [aq]Adjunctis hominum Materi[/aq]en zum schreiben. ¶ [aq]Resp[/aq]. Deren sind schon einige genennet/ und folgen die rechten/ als: [aq](1) ab Affectibus horum[/aq], als: von den Glauben/ liebe/ Hoffnung/ Gedult/ Verlangen/ Freude/ Zorn/ Haß/ Furcht/ Traurigkeit. [aq]&c. (2) â Virtutibus (a) moralibus[/aq], als von der Gerechtigkeit/ Tapfferkeit/ Mäßigkeit/ Keuschheit/ [aq]&c. Vide Ethicam. (b) Intellectualibus[/aq], als/ vom Verständnüß/ Wissenschafft/ Weißheit/ Klugheit/ und von mancherley Künsten und Sprachen. ¶ [aq](3) A vitiis[/aq], oder von den Lastern so den [aq]Ethischen[/aq] Tugenden [aq]in Excessu & Defetu opponiret[/aq] werden. [aq]Vide Ethicam[/aq].[553][aq]§. 8[/aq]. Wie nimmt man [aq](4)[/aq] von [aq]rebus Specialibus h.e[/aq]./ von den sonderlichen Sachen/ [aq]Materi[/aq]en zum schreiben? [S ¶ [aq]Resp[/aq]. Da nimmt man [aq]Materi[/aq]en [aq](1) â rebus sacris & profanis[/aq]; von Geist- und Weltlichen-Sachen][554][aq]§. 4[/aq]. Was sind diese/ und sonsten für Gedichter/ dazu man [aq]Materi[/aq]en [aq]Specialiùs[/aq] erfinden muß? ¶ [aq]Resp[/aq]. [… [S] […] (6.) [aq]Hymnus[/aq], ein geistlich Lied/ zu Gottes Ehren.][555]§ 3. Wie kan man [aq](1)[/aq] von der Zeit [aq]Materien[/aq] der Gedichter nehmen? ¶ [aq]Resp[/aq]. [… [aq](3)[/aq] Von den Zeiten der Fest-Tagen/ als: Wynachten/ Neuen-Jahr/ Oster-Pfingst- und Michaels-Fest/ &c.][556]
Rinckart, Martin
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[557]3. Unnd also Jambisch seyn unter meinen auch Die Schrifft-Lieder Altes und Newes Testaments/ besonders aber die jenigen/ so nach den bekandten Lutherischen gemeinen Kirchen-Weisen gemacht seyn; biß auff die Psalmen/ und sonst noch etwa ein oder 7. andere/ darumb sie alle allhier anzusetzen zu weitläufftig/ unnd vnnöthig. Wie auch in der Catechismus-Christen-Hoheit bey jedem Häuptstück der Christlichen Lehre die letzten: unnd bald das gantze Hertz-Büchlein.[558]5. Bevoraus aber lesset sich das [aq]Sapphicum genus[/aq], dessen unterschiedene Lateinische Gesang-Weisen/ auch dem gemeinen Manne/ aus Kirchen-[aq]Hymnis[/aq] nicht gar unbekant/ im Teutschen schön anbringen[559]NAchdem Uns/ Gutherziger/ und recht-Teutsch-gesinnter Leser/ die Königin der Teutschen zungen/ unsere hoch-geehrte Sprach-Mutter oder hoch-Teutsche Mutter-Sprache/ durch die so eisen-schwere an uns nunmehr (Gott helffe bald) abgeschlagene Zorn-Ruthen/ und dabey mit unter-blickenden Gnaden-Strahlen des Allerhöchsten/ in bißher schon ziemlich-vielen von newen-ausgegangenen rein-Teutschen Schrifften/ die Augen so weit eröffnet seyn/ daß beydes die studierende Jugend/ und was noch übrig von Teutsch-liebenden Bieder-Leuten/ an dem so unzehlich-viel Kauder-Welschen/ Frantzösischen Aussatz/ und Spanischen Fliegen-Geschmeisse/[Sbeginnet einen billichen Eckel und Abschew zu gewinnen/ und sich wieder nach Rein-Teutschen Schrifften und Reden unnd Redenern ümbzusehen/ und gleich/ als von newen an dieselbe zu gewehnen][560]Zum (3) den Psalter belangend/ weil selbiger schon längst von vielen/ und sonderlich von H. D. Cornelius Beckern Geistreich/ nach den bekandten Lutherischen; und newlichst von Herrn Martin Opitzen Sprach-Rein/ nach den Lob-Wasserischen Weisen/ wie noch ferner von H. Jacob Vogel gantz Alexandrinisch/ und newlichst von Herrn David Bernhard wieder auff unterschiedene Lutherische Weisen von Anfang biß zum Ende gesetzet: Als hab ich an demselben unnöthige Arbeit vorzunehmen/ und zwar beydes mich an denselben gantz zu machen: und auch Jhn/ unter den gesampten Schrifft-Liedern (als die schönste Krone deroselben) gantz zu übergehen/ ein billiches Bedencken getragen/ bevoraus/ dieweil mich so wol die vielfältige Angst und Noth der Zeiten/ als folgends vielfältige Erlösungen mit Macht hienein getrieben/ auch in und an denselben meine Andacht zu suchen und zu schärffen. Demnach/ und wie der hocherleuchte König in etlichen seiner Psalmen etwas besonders/ und besondere Andacht spüren unnd mercken lassen: Also hab ich mir auch aus denselben etliche/ und zwar 7. mal 7. sonderbare/ und zu dessen desto mercklicher Erinnerung eine besondere Ordnung/ und denn auch die besondern letzten beyde newen Reim-Art Weisen darzu erkohren und auserlesen/ als nemlich: [S ¶ Sieben Christliche Buß-Psalmen. ¶ Sieben Güldene A.B.C.-Psalmen. ¶ Sieben Heilige Fest-Psalmen. ¶ Sieben Evangelische Jubel- und Sieges-Psalmen. ¶ Sieben Zeitlichen Friedens-Psalmen. ¶ Sieben Allerley Noth- und Danck-Psalmen. ¶ Sieben Evangelische Catechismus-Psalmen. ¶ die alle in solcher Ordnung in diesem Gesang-Ringe zu befinden/ und dieses beyläufftig dabey in acht zu nehmen. ¶ Die 7. Christliche Buß-Psalmen ¶ Sind der 6. der 32. der 38. der 51. der 102. der 130. unnd 143. nach Davidischer Ordnung/ dero meisten/ und namentlich den 6. 38. 102. unnd 143. hab ich gesetzet Dactylisch und Anapaestisch/ und doch nach den uhralten Lutherischen Gesang-Weisen: Aus tieffer Noth! Erbarm dich mein O HERRE Gott! Gott der Vater wohn uns bey! zu versuchen unnd zu weisen: daß die gedachte Anapaestische und Dactylische Reim-Arten/ nicht nur zu Frewde und Frewden-Springen/ nach den drey-Schlägen (dazu sie wol eigentlich gehören) sondern auch zu Klag- und Trawer-Liedern gut und tüchtig seyn: und wie sich zu solchen newen Reim-Arten auch die alten Kirchen-Gesangweisen gar leicht beydes erweitern/ und von männiglich erlernen lassen. Herrn D. Luthers Buß-Psalm den 130. hab ich mit H. D. Beckern ungeendert gelassen: Hochgedachten H. D. Beckers einen aber/ den 32. hab ich dazu gesetzet/ unnd in wenig Worten was versetzet/ ümb zu versuchen/ wie sich dieselben nach itzo [S] mehr ausgeführter Reim-Art in andern mehrern möchten anbringen lassen. ¶ Die 7. güldene A.B.C.-Psalmen. ¶ Sein der 25. 34. 37. 111. 112. 119. und 145. aus und bey welchen unter andern merck-würdig und beweißlich: ¶ Am 1. Theil dieses/ daß das Ebreische Aleph-Beth und dessen noch heut gebräuchliche Ordnung/ mit nichten kein Babylonisches noch Esdreisch [?] Werck; wie auch ¶ Am 2. Theil/ nach dem Alphabeth versificiren/ und die ersten Buchstaben desselben in Gesängen unnd Gedenck-Ordnungen zu gebrauchen/ keine liederliche/ Schützische und Schul-Füchsische Einbildung; sondern beydes warhafftig schon zu Königs Davids Zeiten in der Kirchen GOttes im Brauch gewesen, und unwidersprechlich eine Erfindung des guten und hohen Geistes/ der durch den Mund dieses hoch-Königlichen Propheten geredet/ getichtet und gesungen hat/ davon in der Vorrede meiner Biblischen Gedenck-Ringe/ und anderwerts mit mehrern. ¶ Die 7. heilige Fest-Psalmen/ ¶ Seyn auff die heilige Advents-Zeit/ der 24. mit dem Hosianna aus dem 118. Auff das heilige Weynacht-Fest der 72. Auff die heilige Leidens-Zeit der 22. Auff das H. Oster-Fest der 118. Mit dem Teutschen [aq]Salve Festa Dies[/aq]! und Also heilig/ etc. Auff die Himmel-Fahrt der 47. Auff das H. Pfingst-Fest der 68. und endlich der 33. auff das Fest der H. Dreyfaltigkeit. Dabey auch dieses/ wie auch bey den folgen-[S]den 7. Sieges- 7. Friedens- 7. Noth- und 7. Catechismus-Psalmen/ und in gemein bey allen meinen Schrifft-Liedern in acht zu nehmen/ daß ich wol bedächtig/ mit besonderm Fleiß/ und nach den klaren und offenbahren Exempeln nicht allein des obgedachten H.D. Beckers/ sondern auch D. Luthers selber allenthalten dahin gearbeitet/ daß die Gesäng unnd Sänger/ weil sie itzo nicht mehr Ebreische Jüden/ die im Schatten gewohnet; sondern (nach dohingehender Anweisung dero allgemeinen Titul) Teutsche und Evangelische Christen/ als welche an der klaren und hellen Sonnen wohnen; allerseits und in allen Articuln/ nicht mehr also dunckel-schattirte und Prophetische; sondern Sonnen-klare Evangelische unnd Apostolische Wort und Arten zu reden führen: Gottes und Christi Wolthaten öffentlich und ausdrücklich preisen und ausbreiten: also/ und auff die Weise/ wie sie uns der Sohn Gottes vorzeiten in seinem sichtbaren Wandel/ und itzo in der letzten Kirchen Erlösung öffentlich erzeiget unnd erwiesen hat/ daß die Armen und Elenden Leyen sie auch hören/ sehen/ erkennen und sich frewen/ und alles/ was zuvor geschrieben und geschehen ist/ nach Art des wahren seligmachenden Glaubens auff sich und ihre Zeiten ziehen/ und auch zu ihrem Theil und Heyl gebrauchen lernen.][561]Wann ich dann solcher meiner Kindlichen Pflicht-Schuldigkeit und Anheissung so gar nicht vergessen/ [S daß ich/ zumal bey gegenwertigen/ so offt und wunderlich- durch Frewd und Leid verendertem Stande und Zustande der Christlichen Kirchen/ einen ziemlichen Vorrath unterschiedener solcher Sachen gesamlet und zu Hauffe bracht/ und aber die Eisen-schwere Zeiten den Verlag und alles dermassen gefässelt/ daß weder Tichter noch Verleger/ weder waten noch schwimmen können/ also gar/ daß ich bey mit-folgenden Alter muß anstehen und zweiffeln/ ob ich den gesampten Druck erleben möchte: Als hab ich vor Noth und Rath seyn erachtet/ bey gegenwertigen Poetischen Discurs (als nach welchem die meiste Nachfrage) was und wie viel ich/ durch Gottes Gnade/ hierinnen bißher verfertiget: und mit was Gelegenheit ich darzu veranlasset/ in ein und das ander Register zu bringen: Womit es sich helt/ wie nachfolget: Nachdem in vor-Jahren bey angehendem ersten Evangelischen Jubel-Fest von dem Wol-löblichen Grafen und Herren zu Mansfeld/ in H. D. Luthers Vaterland/ ich durch Gottes Gnade unwürdig in unterschiedene Schul- und Kirchen-Dienst-Bestattung gnädig befördert: ein und das andere Schawspiel an ihrer Hoch-Gräffl. Land-Schule/ vom angehenden Lutherischen Reformations-Wercke summarischer Weise helffen setzen und auffführen: Und solches die Wol-löblichen Herren Grafen in Gnaden vermercket/ und mich/ die gantze Geschicht auff solche Weise zu vollführen ermahnet und befehlichet: Als habe ich solche zu unterthäniger Folge ab und eingetheilet/ in nachfolgende [S] ¶ Sieben Lutherische Fest- und Zeit Comoedien/ als da seynd: ¶ 1. [aq]Eques Mansfeldio-Christianus[/aq]: Der Eislebische Christliche Ritter: Darinnen der gesampte Religions-Streit zwischen den Päbstischen/ Lutherischen und Calvinischen. ¶ 2. [aq]LUTHERUS DESIDERATUS[/aq]: Der lang-gewündschte Luther/ darinnen 200. jährige Reformations-Vorboten/ von Anno 1300. biß 1500. ¶ 3. [aq]INDULGENTIARIUS CONFUSUS[/aq]: Der unverschämpte Ablaßkrämer: [aq]Doctor[/aq] Martin Luthers erstes Schul-Recht von Anno 1510. biß 20. ¶ 4. [aq]LUTHERUS MAGNANIMUS[/aq]: Der Groß-müthige Luther/ und sein grosser Lutherischer Reichs-Tag zu Wormbs. Anno 1521. ¶ 5. [aq]MONETARIUS SEDITIOSUS[/aq]: Der Müntzerische Bawren-Krieg/ und was mehr vorgangen/ von 1521. biß 26. ¶ 6. [aq]LUTHERUS AUGUSTUS[/aq]: Der hocherleuchte Luther/ unnd sein Augspurger- Reichs-Tag/ und andere Kirchen-Händel/ von Anno 1526. biß 36. ¶ 7. [aq]LUTHERUS TRIUMPHATOR[/aq]: [S] Der triumphirende Luther/ und sein Lutherischer Triumph unnd Ausgang. Von Anno 36. biß 46. ¶ Also hetten mit an- und fort-gehenden hundertjährigen Gedenck-Circul diese Comœdien von Jahren zu Jahren erfolgen sollen: Es haben aber die schon damals hoch-schwürig mit eingefallene Kipper-Wipper und Krieges-Zeiten verursachet/ daß zwar die meisten verfertiget: Aber nur die Erste/ Dritte und Fünffte zu offenem Drucke kommen/ und beydes zu Eisleben/ Eilenburg/ Altenburg/ und in der Churf. Sächs. Land-Schule Grimme agiret und gespielet worden. Darzu kommen ¶ Anno 1627. Meine Biblische Gedenck-Circul. ¶ Es ist mir aber mit dieser Lutherischen Arbeit gangen/ wenn ich geringes darff mit grössern vergleichen/ wie dem Herrn D. Luthern mit dem Reinigungs-Werck selber. Denn wie ihm: durch Gottes Gnaden-Erleuchtung Fleiß und Arbeit die Augen ie weiter und weiter auffgangen/ und daher ein grosser Unterscheid unter seinen ersten und letzten Büchern: Also hat uns der Allmächtige in mitten dieser Arbeit einen newen Sprachen-[aq]Reformatorem[/aq] unnd Teutschen Reim-Tichte-Meister erwecket/ der uns durch Gottes abermahlige Gnade vom übermachten toll und thörichten Kauder-Welschen Sprachen-Gemenge zu befreyen/ und Natur-mässige recht- gebundene und ungezwungene Vers zu machen/ die Bahn dermassen gebrochen/ daß ich mich der vorigen Reim-Arbeit billich und wil-[S]lig geschämet/ und eben dadurch von newen lassen aufbringen/ mich in etwas anders/ und auff bessere Weise zuversuchen. Sind also mit der Zeit auff Opitianischen Schlag/ verhoffentlich besser gerathen/ und nun/ Gott Lob/ unter andern ¶ Vollkömmlich verfertiget: ¶ 1. [aq]LUTHERUS AUGUSTUS[/aq]: Der hocherleuchte und durchleuchtige Luther! Darinnen die gantze Summa des Augspurgischen grossen Reichs-Tages/ und was von 1526. biß 36. in der Kirchen Gottes vorgangen/ in Alexandrinische Vers gesetzet/ unnd auffs grosse Jubel-Fest gerichtet und zugerichtet. An. 1630. ¶ 2. [aq]FERA ARUNDINIS! FERARUM FEROCISSIMARUM FERACISSIMA[/aq], Daß an Grösse/ Gewalt und Grawsamkeit unerhörte/ vom grossen Mitternächtigen Alexander auffgetriebene/ und verjagte Rohr-Thier! in itztbemeldten Jubel-Fest (aus dem 31. Versicul des 68. Psalms) in Lateinische unnd Teutsche Fessel gefasset und auffgeführet. Anno 1630.][562]4. [aq]ALEXANDER MAGNUS DRAMA[/aq]! Der Mitternächtige mit That und Namen hülffreiche Reginen-Erlöser [aq]GUSTAVUS ADOLPHUS[/aq], darinnen der gesampten Christlichen Kirchen in gemein über 200. jährige/ besonders aber letzte 5. jährige blutige Zustand unnd Wunderherrliche Errettung von Anno 1630. biß 35. in lauter nicht weit verstackten Griechischen Namen/ beschrieben unnd auffgeführet! darunter auch die gut-Schwedischen Klage-Weiber/ und der Evangelischen Helden-Panier und Sieges-Fahnen und derogleichen Sachen zubefinden. ¶ 5. Der 1. Gesang-Rinck/ darinnen hundert Schrifft-Lieder/ die ohne Mittel vom heiligen Geiste den Uhr-Alten Gottes-Heiligen/ vom Anbegin der Welt/ ins Hertz und in Mund gegeben: Uns aber im Alten und Newen Testament hin und wieder zum besten auffgeschrieben/ und demnach auch billig von uns auff unsere gegenwertige Zeiten gerichtet unnd zugerichtet Anno 1636. [S ¶ 6. Der 2. Gesang-Rinck/ darinnen 100. Christ-Lieder/ unnd das hiebevor absonderlich gedruckte Hertz-Büchlein. ¶ 7. Der dritte Gesang-Rinck/ darinnen 100. Klage-Lieder! Die Meißnische Threnen-Saat/ Anno 1637. wie auch unter andern die Teutschen Anno 1637. 38. 39. Un-Teutsch bedrengte Himmel-Schreyer: Als der Un-Teutsch erwürgte Abel: Un-Teutsch gequälte Loth: Un-Teutsch gedruckte Weyse: Und Un-Teutsch belohnte Arbeiter. Jtem die Meißnischen Brodt-Noth- und Todt-Schreyer/ etc. ¶ 8. Der vierdte Gesang-Rinck/ darinnen 100. Danck- und Frewden-Lieder/ in der Meißnischen Fried- und Frewden-Ernde! bey theils vergangenen Jubel-unnd Reginen-Festen: theils stündlich-erwündschte Frieden-Schlusse füglich zugebrauchen. Dazu insonderheit gehörig: ¶ 9. [aq]MUSICA APOCALYPTICA[/aq]: Der in der heimlichen Offenbahrung S. Johannis heimlich-offenbahrten himmlischen Cantorey-Gesellschafft himmlisches Liebe- und Lobe-Streit-Kräntzlein/ und immer und ewig steigende ein oder 50. Triumph-Lieder: durch alle Capitel. [S] ¶ 10. König Salomons des irrdischen unnd himmlischen 1. Prediger/ 2. Braut-Messe/ und 3. Weißheit/ iedes absonderlich gedruckt. ¶ 11. Der König Salomo/ unnd sein Welt-Grosser Reichs-Tag! Darinnen seine und seiner friedfertigen [aq]SULAMITHIN[/aq], höchste Weißheit/ bester Lobe-Streit/ und schönster Friedens-Schluß/ in ein ernstes Schaw-Spiel gesetzet/ und dem aller-hertzliebsten Vaterlande und dessen hoch-löblichsten Friedens-Stifftern/ zum aller-glückseligsten/ Gott gebe bald frölich/ unnd über-Salomonischen Friedens-Glück-Wundsch gestellet und auffgeführet. Und endlich: ¶ 12. Der Außerwehlten Kinder GOttes Christen-Hoheit / und Catechismus-Lieder etzliche 20. ¶ Wie nun die letzten Gedancken natürlich besser/ als die ersten: Also habe ich die letzten zwey/ und sonderlich auch die Schrifft-Lieder/ beydes auff gegenwertige Zeiten/ und zugleich auch dahin gerichtet/ daß die studierende Jngend und liebhaber der Teutschen Tichte-Kunst möchten Exempel haben/ allerley Reim-Arten/ so viel als deren itzund nicht allein im Brauche seyn / sondern in künfftig möchten erdacht und auffgebracht werden/][563]2. Und denn zumahl mit wieder auffgehendem Liechte des H. Evangeliums unnd aller freyen Künste/ zu erst auff die Bahn bracht/ und nach deroselben uns zu allererst lehren machen und singen die allermeisten und vornehmsten Kirchen-Lieder. Denn also Jambisch seynd alle nachfolgende sechs-sieben- und acht-syllabige/ als nemlich: ¶ Allein GOTT in der Höh sey Ehr.[564]Das uhralte Oster-Lied: Also heilig: nicht zwar überall in Worten/ aber überall in Noten/ biß auff eine einige Syllabe/ so zwar an drey Orten aber in einer einigen dreymal wieder holeten Clausul/ den Hurtigen Fuß auff [aq]Anapæstisch[/aq] versetzet: Doch aber/ wie es die andern Noten alle geben/ nur etwa durch den langen Gebrauch und Mißbrauch der Unwissenden (wie in unzehlich vielen andern zu geschehen pfleget) also verzogen/ vom Tichter aber ohn allen Zweiffel gantz Dactylisch gesetzet worden/ also: ¶ Also heilig ist der Tag. ¶ Wie es gantz Dactylisch auch in Worten ergäntzet/ ist in meinem 118. Psalm zu sehen.[565]und in unterschiedenen/ gemeinen und bekanten/ in vornehmsten Kirchen-Gesängen gegründet und zubefinden. ¶ Denn also sind Jambisch und Trochæisch/ Einmal in eintzeln Versen und Zeilen: ¶ Jamb. Wir gläuben all an einen GOtt.[566]sondern wol alle viererley Arten: Jamben; Trochen; Anapæsten; und Dactylen zu befinden: wie solche in meiner Catechismus-Vorrede/ und Könige Salomo/ und sonst versucht worden: Und der Kunst-beliebte Leser in Griechischen und Lateinischen/ und andern Gesängen und Gesang-Arten wird nach-schlagen und nach-ahmen/ und also von Zeit zu Zeit/ gantz Rom/ Athen unnd Zion/ mitten im Teutschlande helffen auffbawen[567]
Schottel, Justus Georg
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[568]Allhie vermengt sich der Abschnitt in Waffen mit dem folgenden Gliede/ welches dieses ortes wegen der erschrecklichen Augenblicklichen und Höllischen zusammenwerffung und wunderbarer Spreng- und Mengung der Dinge/ eine sonderliche nachtruckende Zier hat.[569]Ungeachtet ihnen von hochverstendigen Königen/ Cardinälen/ Fürsten und Herren/ iederzeit die hülfliche Gnadenhand geboten worden; Welchen nemlich nicht unwissend/ daß sie sterben müssen wie andere Menschen/ Gott aber ihnen vor anderen Menschen die Mittel gegeben/ Sich durch Guhttähtigkeit gegen die Poeten unsterblich zumachen.[570]Also auch wenn Herr [aq]Ristius 4.10[/aq]. sagt: ¶ Ein Bräutigam wenn Er die Liebste schauet [… [S] Alhie wird der sonst nötige Abschnitt/ nicht abgeschnitten/ sondern henget sich in dem Worte Meiner an/ daß also nicht unrecht angedeutet das feste unzertrenliche Vertrauen/ und die wehrende Frolockung eines Christen/ wohin das schöne Lied zielet.][571]
Moller, Alhardus
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[572]sondern vielmehro solches einer Gott-Kunst- und Tugend-lieben-[Sden Seelen/ selbst aus dem Gebrauch und Wort-klang/ zuerlernen/ heimstellend.][573][aq]Finis[/aq] oder der Zwekk/ dieser Kunst ist: daß durch Hülfe der süßklingenden [aq]Harmonia[/aq]: vieler zierlich-eingefügten Wort-Glieder/ mancher art/ von herrlich- und vernünfftigen Red-arten leuchtende/ beides zum högsten Preiß/ des Allgewaltigen/ wie dann auch zu offtmahligen Mänschlichen Ehren-Ruhm und Belustbarkeiten dienende Gedichte/ können außgearbeitet und ans Licht geführet werden. Wiewol aber als der teur-edle [aq]Poëta[/aq] Herr Georg Filip Harsdorfer/ in seinem 151. Gespräch-Spiele redet: Die edle Poeterey/ als eine keusche Jungfrau/ welche alle Unreinigkeit hasset/ [S anfangs sonderlich zu dem Gottes-dienst gewidmet worden; Demnach aber will kein unseliges Werk/ durch Hülfe deren/ bei zu Hand-kommender Gelegenheit/ besonders deren Ehe- und Ehren-Tagen/ eines wehrtem Hertzen-Freundes einiges Ehr- und Lust-Gedicht/ uffzusetzen: Als hat nachgehents dieselbe/ anderweit/ und zwar vielmehr (Mänschlich verderbter Natur gemäß/) in Welt- als Geistlichen Reim-setzungen sich müssen gebrauchen lassen. Dieses aber ist hertzlich zubetrauren/ daß sie gar offt ihrer Jungfrauschafft beraubet/ vielen leichtfertigen und den Christen nicht geziemenden Gedichten/ muß bedienet sein/ welches dann wie es leider unmüglich in dem Mänschen durch Mänschen zu endern; also vergeblich zu schelten ist.][574]Massen ein anders ist kluge Erfindungen haben/ ein anders ist dieselbe in Reim-arten fügen und binden können. Nicht wenige werden gefunden/ die zwar den Geist ihres Verstandes durch die Flügel der Vernunfft/ über die gemeine ersinnungen tragen/ und in wol nachdenkbahren einfallen glükkselig erfunden werden; dennoch aber keinen einfluß der Natuhr/ dieselbe Poetisch darzustellen/ spüren und empfinden können. Im gegentheil werden etzliche gestehen und bekennen müssen: daß sie zwar/ (wie in des sehl. Hans Sachsen zwey und viertzig jähriger Arbeit/ dem [aq]Grobiano[/aq], Theurdank/ und alt-gesetzten [aq]Comm[/aq]- und [aq]Tragaedien[/aq] auch vielen jüngsthin außgefertigten Gedichten zuersehen/) mit Gaben der Natur/ Biblische Historien/ hochgelehrter Leute Sprüche und Reden/ auch Welt-Geschichte und Gedichte/ Reim-weiß/ doch einsmahl ohne gewißmässige Reim-Glieder und art der [aq]Poëte[/aq]rei/ andermahl ohne sinnliche Erfindungen/ einzufügen/ außgerüstet gewesen. Alldieweilen aber von einem [aq]Poët[/aq]en/ nicht allein die lieb- und zierliche einkleidung der Wort-Glieder erfodert; besondern auch wie obbemelt ein/ von GOtt im Hause des Verstandes angestekktes Gnaden-Vernunfft-Licht/ bei demselben gesucht wird; so muß derselbe (wiewol solches ein ungewohnt-seltenes Ding/) welcher den edlen Nahmen eines [aq]Poët[/aq]en zugühren geden-[Sket mit beiderseits Gnaden-Gaben blühen und außgerüstet stehen.][575]zu dem ich annoch gar jung (zwar dem Allgewaltigen sey Lob/ an Jahren/ nicht an Gnaden-Gaben dessen Mayst.) und dannenhero unerfahren: jedennoch alldieweilen auch die einfältigkeit ihre Liebhaber weiß und kennet/ gleich einig die Ewigkeit keinen überfluß des guten erkennet/ nicht weniger/ die Wucher-reiche [aq]pensiones[/aq] himmlischer Gnaden[576]alsdann dancke ich erfreuet meinem GOtt/ daß nicht allein die öde- und Gesetz-Welt; besondern auch die erfüllungs Zeit/ beydes unter denen in GOtt gelahrten/ Reichs- und Rechts-verständigen/ Artznei-weisen/ und Vernunfft-Lehre erfahrnen/ so viel Sinnreiche und hochbegabte Geister/ hervor gegeben[577]In zu Gemüth-fassung dessen/ wollen wier (negst hülfreicher Gnaden-verleihung der allerheiligsten Mayst. Gottes/) zeigern hoch-herrliche Wissenschafft/ deutscher Verß-Kunst/ richtig/ kurtz/ hell und deutlich/ vorzutragen/ uns mit Mühe unbemühet erfinden lassen/ zu forderst aber: wie in Außleg- und Erklärung; aller herrlichen unter den Kreisen des Himmels beschlossenen Tugend-Wissenschafften übbahr[578]Inzwschen hertz-innig wünschend/ GOtt Zebaoth/ wolle gemäß seiner gnädigen Leutseligkeit und leutseligen Gnade/ dier meinem hochgeneigten Leser/ alle selbst-wehlende Leibes und Seelen ersprießligkeit geben und verleihen/ nicht weniger Gnade ertheilen: daß du alhie in diesem Jammer-traur- und Threnen-thal also streiten mögest: damit du dort in jenem grossem fried- und freüden-sahl/ deine hier Krist-Ritterliche gefürte Waffen/ an die tausend-herrliche triumf-pforte des himmlischen Paradeises uff henken/ und mit der sieges-Krohne der unsterbligkeit prangen mögest: biß zu der unvergänglichen Ewigkeit. ¶ ENDE. ¶ [aq]SIs VItae, qUIsqUis te LInqUere VInCULa DIsCe[/aq]; ¶ [aq]HanC, tIbI qUò Laetô CLaUDere sIne qUeas[/aq].[579]
Tscherning, Andreas
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[580]darumm H. Schottel in seiner Sprachkunst in der ersten Lobrede p. 15. sehr wol und verständig urtheilet/ wann er also spricht: ¶ Wan bläwet sich viel jahre/ voran im grichischen/ ein wenig weiter im Lateinischen/ endlich aber ist es unsere deutsche Sprache/ davon man sich ernehret / und die so wol den geistlichen als weltli-[Schen ihr Brodt verdienen muß/ und gleichwol ist man so wenig darum bekümmert][581]
Rotth, Albrecht Christian
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[582]Sie [die Meistersänger, J. T. machen aber keinen nicht zum Meister-Sänger/ er könne denn eine geistliche oder weltliche Historie nehmen/ dieselbe durch allerhand Gedichte fein ausführen/ sie hernachmal in [aq]3[/aq]. Thönen oder [aq]4[/aq]. Thönen absingen und fein hoch hinaus führen/ dabey nicht räuspern oder husten/ auch nicht stocken bleiben][583]Denn indem sie [die Griechen, J.T. die erste Strophe gesungen haben/ so haben sie sich von der Rechten zur Lincken üm den Altar (Sintemahl bey den Altären der Götter solche Lieder zu allererst von den abgöttischen Heiden gesungen worden/ von dannen sie hernach in die Comoedien und Tragödien mitgenommen worden seyn/) herum gedrehet/ vielleicht einander bey den Händen haltend/ wie heute zu Tage bey uns die Bauer-Mägde/ wenn sie die Fest-Tage im Sommer auf den Angern spiegeln. [...] Endlich traten sie vor den Altar hin/ und beschlossen mit den letzten Versgen ihren Gesang/ [...]][584][aq]§. 28[/aq]. Die eilffte Regel heisset also: So vielmahl man aus einem oder den andern wichtigen Umstande/ gleichsam [aq]per Cabalam quandam[/aq], etwas kan heraus bringen/ entweder indem ich einen iedweden Buchstaben eines Wortes nehme und ein gantzes Wort/ welches sich von demselben anfängt/ da vor hinsetze;[585][aq]§. 29[/aq]. Es ist dieses eine bey den Jüden sehr gebräuchliche Arth/ daß sie durch ihre [aq]Cabalam[/aq] was heraus suchen/ und haben unterschiedliche [aq]species[/aq] der [aq]Cabalae[/aq], die man beym [aq]Glassio[/aq] in seiner [aq]Philologia sacra Lib. II. part. I. Tract. II. sect. III. art. VII. p. m. 302. seqq[/aq]. mehrentheils angeführt und erörtert findet. Sie brauchen aber dieselbe insonderheit bey Auslegung der H. Schrifft/ und meinen sie haben darinne grosse Geheimnisse zu erfischen/ daher sie solche Auslegung auch [aq]Cabalam[/aq] nennen [aq]i. e. acceptionem[/aq] eine solche Sache/ die sie [aq]per traditionem[/aq] [S [aq]quandam[/aq] von ihren Vorfahren als ein sonderbahres empfangen haben. Aber insoweit/ so ferne man die H. Schrifft damit wil meistern/ und das/ was man durch solche [aq]Cabalam[/aq] herausgebracht hat/ als eine unfehlbare Warheit und gleichsam vor eine Weissagung wil annehmen/ sie habe sonst wo ihren Grund oder nicht/ ist es billich verworffen/ weil es doch nichts ander ist als ein Sinnen-Spiel eines lustigen Kopffes. Weswegen auch/ wenn heilige und die Seeligkeit betreffende Sachen abgehandelt werden/ man billich solcher lustigen Einfälle sich enthält. ¶ [aq]§. 30[/aq]. Inzwischen ist doch nicht zu läugnen/ daß wenn man durch solche [aq]Cabalam[/aq] nichts anders herausbringet/ als welches sonst anderswo seinem Grund hat/ auch das heraus gebrachte nicht anders annimmt als ein lustiges Sinnen-Spiel/ solches nicht gäntzlich zuverwerffen sey. Wiewohl man dennoch sich dabey zu mäßigen hat.][586]Und auf gleiche Arth kan auch nach andern [aq]Cabalistischen Alphabeten[/aq] verfahren werden. ¶ Um junger Leuthe willen wil ich etliche [aq]Alphabeta Cabalica[/aq] hieher setzen/ damit sie sich lernen darein schicken ¶ Alphabetum juxta ordinem literarum. ¶ [... [S] ¶ Alphabetum Cabalicum Vulgare. ¶ […] ¶ Alphabetum Cabalicum trigonale][587][aq]§. 64[/aq]. Dieses alles zeiget in Warheit eine solche Menge der Materie/ daß ich fast davor erschröcke/ und mich nicht genug wundern kan über den sehr reichen Schatz/ den der grosse Gott der Beredsamkeit der Menschen hat wollen vorstellen/ daß sie sich darinne üben können. Und [S wird gewißlich kein einiger Mensch den Brunnen dieser Erfindung durchsehen/ geschweige ausschöpfen können.][588]Ja ich sage/ daß alles/ was zur [aq]Amplificationi verbali & reali[/aq] dienlich ist/ (welches ich in einem absonderlichen Büchelchen/ nach den Vermögen so Gott dargereichet hat/ gar genau/ und wie mir deucht/ deutlich gewiesen/ auch solches meinen [aq]di[/aq]-[S[aq]scipeln[/aq] schon ein und andermahl zur Feder [aq]dictiret[/aq]) auch allhier Raum finde und gleichsam zum Vorausgesetzet wird.][589][aq]I. §. 4[/aq]. Zu der künstlichen Art demnach was zu erzehlen gehöret erstlich wenn ich ein Ding nicht nur gleich hin erzehle/ sondern meine Rede so anstelle/ daß ich per [griech. bald lebende bald verstorbene Menschen/ denen die Sache anzugehen scheinet/ bald Engel/ bald andere leblose Creaturen anrede/ und ihnen die Sache vorstelle/ die zu erzehlen ist.][590][aq]§. 6[/aq]. Insonderheit beschreibet man Weibes Personen/ die noch jung sind/ von der euserlichen Gestalt und Schönheit/ oder auch von ihrer Zucht und Keuschheit/ als welches bey ihnen am meisten angesehen wird; kömmt denn hernach Klugheit und Vernunfft/ Gottesfurcht/ und andere Tugend darzu/ so wird es üm so viel desto besser.[591]Ist aber etwas natürlicher Weise unmügliches darbey/ so kan ichs durch eine neue [aq]fiction[/aq], da ich Gottes oder der Engel Beystand und absonderliche Hülffe einführe/ alles scheinmüglich machen. Erdichte ich aber eine Person/ so muß sie auch nach dem Stande beschrieben werden/ nach welcher sie eingeführet wird/ eine himmlische himmlisch/ eine irdische irdisch/ eine höllische höllisch/ eine hohe hoch/ eine niedrige niedrig &c.[592][aq]TIT. VII[/aq]. ¶ Von der Materie/ die aus dem Letter-Wechsel und [aq]Cabala[/aq] entsprungen. ¶ [aq]§. 1[/aq]. ¶ Was ein Letter-Wechsel sey/ kan man in etwas aus demjenigen/ was oben [aq]cap. 1. §. 23. seqq[/aq]. erwehnet/ herausziehen. Deßgleichen was die [aq]cabala[/aq] sey [aq]cap. 2. §. 29. seqq[/aq]. Mein Vorsatz ist auch alhier nicht alle Lehren/ die bey einem Letter-Wechsel und bey der [aq]Cabala[/aq] in acht genommen werden müssen/ abermahl anzuführen; sondern nur zu zeigen/ wie man nach gesche-[Shenem Letter-Wechsel und [aq]Cabala[/aq] bei der Ausarbeitung sich zu verhalten habe. ¶ [aq]§. 2[/aq]. Nun ist zwar nicht zu leugnen/ daß die durch den Letter-Wechsel/ wie auch die durch die [aq]Cabalam[/aq] erfundene Materie eine [aq]General[/aq]-materie ist/ welche dannenher nach den obenangeführten Arthen kan ausgearbeitet werden; iedoch muß man auch gestehen/ daß dennoch in diesen beyden Arthen der Materie bey ihrer Ausarbeitung was sonderliches mit unterlaufft/ dessen man auch billich absonderlich gedencket. ¶ [aq]§. 3[/aq]. So hat man demnach insgemein dieses dabey zumercken/ daß die durch den Letter-Wechsel oder [aq]Cabalam[/aq] erfundene Materien kürtzlich und nachsinlich müssen ausgearbeitet werden/ daher denn auch Sonnette/ Madrigale und Klingegedichte sonderlich wohl dabey gebraucht werden können. Aber gar genau was davon zu lehren/ wil sich nicht füglich thun lassen/ und wird dabey eines Poetens kluger Kopff allemahl das beste thun. ¶ [aq]§. 4[/aq]. Zuföderst muß man dabey in acht nehmen/ daß man Gelegenheit bekommt das durch den Letter-Wechsel oder [aq]Cabalam[/aq] herausgebrachte wohl anzubringen/ es komme die Ausarbeitung mit oben angeführten Arthen überein oder nicht. Wiewohl ich fast nicht anders sehe/ als daß er auch unwissend auff eine derselben Arth fallen muß. ¶ […][S][...] ¶ [aq]§. 6[/aq]. Ich wil zum Andencken der ungewöhnlichen Vertrauligkeit/ die zwischen allen meinen liebwerthen Herren [aq]Collegen[/aq] bißher sich gefunden/ derer Nahmen allhier mit einrücken/ und versuchen/ was ich aus eines iedweden Nahmen durch den Letter-Wechsel oder durch die [aq]Cabalam[/aq] kan hervorbringen; sinnreichern Geistern aber bessere Erfindungen überlassen. Als ¶ [aq]Johan. Praetorius Rector[/aq], [...]][593][aq]§. 2[/aq]. Was man nun Gründe habe/ die man wieder alles Creutz anwenden kan/ wil ich hier nicht erzehlen/ sondern es aus GOttes Wort und Theologischen Schrifften einem iedweden nehmen lassen. [… ¶ [aq]3[/aq]. Den Trost aus Gottes Wort (der allemahl starck genung ist/ solte uns auch das gröste Elend treffen) mit deutlichen Umständen dargegen setzen. […] ¶ Alle diese Stücke sind enthalten in dem Carmine/ welches auff das Absterben Tit. Hn. Levin Ziegens/ HochFürstl. Magdeb. Cantzley [aq]Adjuncti[/aq], welcher Anno [aq]1682[/aq]. den [aq]Decemb[/aq]. zu Calbe/ wohin Er nebst der Cantzeley [S] wegen der in Halle graßirenden Pest hatte weichen müssen/ verblichen uns auch daselbst in der S. Laurentz-Kirche begraben ist. Das Carmen ist folgendes: ¶ Es müssen billich Ihr itzt heisse Zähren fliessen][594][aq]SECTIO V[/aq]. ¶ Von geistlichen Liedern. ¶ [aq]§. 1[/aq]. ¶ Geistliche Lieder gehören entweder zur Lehre oder Wiederlegung/ oder zur an- und Abmahnung/ oder auch zum Troste. Denn wie alle geistliche Texte zu einem unter diesen können gezogen werden/ also werden auch leichtlich die geistlichen Lieder zu einem derselben gezogen. Jedoch sind die meisten geistlichen Lieder aus etlichen/ wo nicht aus allen/ zusammen vermischt/ und als denn [aq]fit denominatio à potiori[/aq]. ¶ [aq]§. 2[/aq]. Die Ausarbeitung derselben nun ist nicht einerley/ auch wenn wir die Materie an und vor sich betrachten (daß ich itzo von der Arth vorzutragen nichts erwehne). Denn etliche derselben müssen [aq]themata simplicia[/aq], etliche als [aq]themata composita[/aq] ausgearbeitet werden. [aq]vid. supra cap. I. §. 3. 4. & seqq[/aq]. und von der Ausarbeitung derselben [aq]cap. 3[/aq]. durch und durch. ¶ [aq]§. 3[/aq]. Wiewohl wir einem andächtigem Gemüthe nicht eben regeln setzen wollen/ sondern es in diesem Fall vielmehr dem Triebe des H. Geistes frey überlassen. Denn es gewis ist/ daß die ohne Regel gemachte Lieder offt die kräfftigsten und nachdruck-[Sligsten sind/ wie ich an meiner eigenen Arbeit sehr offt gespühret. Jedoch ists nicht unrecht/ daß man die Fußtapfen der Kunst dabey wol anmerckt/ wenn dieselben schon ausgearbeitet sind/ und lernet denselben nachgehen. ¶ [aq]§. 4[/aq]. Was demnach die Arien betrifft/ so zur Lehre gehören/ (wie den unter diesem [aq]genere[/aq] gar viel [aq]species[/aq] begriffen sind; von welchen allen insonderheit hier nicht zu reden ist/) so beschreiben sie entweder etwas bloß hin ohne Beweiß/ als wen ich etwan die Barmhertzigkeit Gottes beschreibe nach ihrer Natur/ Wirckung/ Eigenschafften und andern Stücken; oder erzehlen etwas; oder führen eine gewisse [aq]proposition[/aq] oder Satz aus und erweisen denselben zu weilen. Die ersten beyden Arthen gehören zu einem [aq]themate simplice[/aq]; Die letzte aber zu einem [aq]themate composito[/aq]. Und obleich unter die beyden ersten Arthen etwas von Troste/ Vermahnung/ Abmahung [aq]&c[/aq]. mit eingeruckt were/ so bleiben sie doch noch [aq]themata simplicia[/aq]/ weil daß andere nur zufälliger Weise mit darzu kömt. ¶ [aq]§. 5[/aq]. Was die Wiederlegung betrifft; desgleichen die An- und Abmahnungen; weiter auch den Trost (unter welchen [aq]generibus[/aq] abermahl viel [aq]species[/aq] enthalten sind)/ so haben dieselben allemahl [aq]themata composita[/aq], von deren Ausarbeitung oben [aq]c. 3. t. 4[/aq]. weitlaufftig gehandelt worden. ¶ [aq]§. 6[/aq]. Die Vermischung unter einander hat keine Gesetz/ wenn nur die Lehre/ so dabey vorlaufft/ zu [S] einem Troste/ Vermahnung etc. angewendet wird/ daß dadurch das Gemüthe eines Menschen (welches die Seele eines Geistl. Liedes ist) zu einer Andacht beweget wird. Ich will eine und die andere Ode erst noch einem jedem [aq]genere[/aq] und denn [aq]promiscuè[/aq] untereinander hersetzen/ damit ein Anfänger ein wenig anleitung haben kan.][595]Oder/ wenn es natürlicher Weise nicht hat geschehen können/ daß man durch GOttes oder der Engel sonderbahrer Bey-Hülffe solches scheinbar [S macht.][596]Ergetzlich ist eine Sache/ wenn sie entweder rar ist/ oder vielerley ist/ oder anmuthig ist. Rar ist sie/ wenn sie entweder natürlicher Weise selten geschiehet/ als da sind Erdbeben/ Gleichheiten der Personen/ die einander gantz ähnlich sehen etc. oder die durch GOttes und der unsichtbahren Geister Beyhülffe geschehen zu seyn/ erdichtet wird/ da sie sonst ungewöhnlich ist. Und zu solchen raren Sachen gehöret wenn gewisse Nahmen erdichtet/ und den Engeln gegeben werden/ die deroselben Macht und Ampt [S andeuten; [aq]item[/aq], wenn Tugend und Laster in dem Habit der Personen dargestellet werden; ferner/ wenn gantze Versammlung der Engel/ Tugenden/ Laster etc. angestellet werden;][597][aq]§. 14[/aq]. Dieses erinnere ich noch zu lezt/ daß es eine solche Arth zu schreiben ist/ worinne behutsam muß verfahren werden/ daß man der Sache nicht zu viel thut oder sein Gewissen dabey verletzt. Denn gewiß in [aq]individuo[/aq] diese oder jene Laster durchzustrigeln/ daß man der Sache nicht zuviel thue/ bedarf viel Nachsinnens und einer rechten Klugheit ja auch Christlichen Bescheidenheit. Wolte daher lieber/ daß sich mancher von solcher Stachel-Schrifft enthielt/ als daß Er viel damit umginge/ damit er sein Giwissen nicht mehr verletzte als andere besserte.[598]Denn Sie [die neue Komödie, J.T. nimt nicht allein Possierliche und lächerliche Verrichtungen zu ihrer Fabel/ sondern auch offtmal wichtige/ Gottesfürchtige/ lobenswürdige;][599]Solten nun so fromme und gerechte in Unglück gerahten/ so würde es vielmehr einen Wiederwillen und Zorn/ als Frucht bey den Zuschauern erwecken; Gottlosen aber gönnt man ihr Unglück; Darum ist am besten/ daß sie mittelmässiges Zustandes seyn und itzo wieder ihr Verdienst in solche Trubeln gerahten.[600][aq]§. 7[/aq]. Solcher Irrthüme muß man sich enthalten/ da man keinen andern Ausgang ersehen kan/ als durch Göttliche Hülffe: Denn durch das/ was Menschliche Kräffte übersteiget/ kan die Klugheit eines Poetischen Kopffes nicht wohl an den Tag gelegen werden. Jedoch ist er nicht gar schlechter Dinge zu verwerffen/ man muß sich aber hüten/ daß es nicht offt geschiehet.[601]a wie eine Tugend der andern vorzuziehen ist/ so kan auch ein Gedichte seines Zwecks wegen dem andern vorgezogen werden. Ich möchte wünschen/ daß ein solches Gedichte [S auch in dieser Art vorhanden wehre/ daß auff die Gottseeligkeit sein Absehen hätte/ so würde vielleicht nicht wenig Nutz dadurch geschaffet werden.][602][aq]§. 11[/aq]. Es ist aber des Hr. [aq]Happelii discours[/aq] folgender/ den ich aus angezogenem Orte von Wort zu Wort hieher setzen wil. (354) [III; 369 [...][S][...] und kan man auch hieher ziehen die Geschichts-Schreibung des Münches [aq]Annii[/aq] vom [aq]Viterbo[/aq], welche so rauch angelogen/ daß sie nicht würdig sind von einen Gelehrtem gelesen zu werden. (358) [III; 373] [...][S][...] Die fabelhaffte Historia von Barlaam und Josaphat ist auffgesetzet worden von einen Nahmens S. Johann aus Damasco der Haupt-Stadt in Syrien. (359) [III; 374] [...][S][...] [G: [aq]2. ex nationis indole, quae ad fabulosa propendet[/aq].] Es stehet auch kaum zu glauben/ wie sehr sich die Völcker auff Gedichte/ Verzierungen und Einfindungen legten/ alle ihre Reden sind angefüllet mit zierlichen Sprüchen/ sie erklären ihre Meinung durch verdeckte Reden/ ihre wissenschafft in der [aq]Theologia, Philosophia[/aq] und vornehmlich in der stats und Sitten-Lehre wird allemahl durch Fabeln und Gleichnisse ausgedruckt. ¶ [G: [aq]Conf[/aq]. [griech.] [aq]AEgyptii[/aq]] Die [aq]Hieroglyphica[/aq] der Egyptier bezeugen gnungsam wie sehr die Landes Art den verborgenheiten zu gethan gewesen. Es wird alles bey ihnen durch Bildnisse ausgedruckt/ alles war vermummet/ ihr Gottesdienst war bedecket und mit einer Larven bezogen/ welche nicht abgenommen ward/ als vor denjenigen/ welche dessen würdig geachtet/ und in ihren Orden treten wollen. [aq]Herodotus[/aq] erzehlet/ daß die Griechen von ihnen ihre in Fabeln vergrabene und verdeckte [aq]Theologie[/aq] genommen und bringet etliche Erzehlungen hierbey/ welche er von den [S] Egyptischen Priester verstanden/ die er/ ohn erachtet er doch sonsten sehr leichtgläubig und lügenhafftig ist/ selber als Fabeln anziehet. ¶ Diese Fabeln scheinen angenehm zu seyn und den neugierigen Geist der Griechen sehr zu treffen/ wie solches [aq]Heliodorus[/aq] bezeuget/ daß es ein Volck/ so sehr wissens begierig und grosse Liebhaber neuer Dinge. Und ausser allen Zweiffel haben [aq]Pythagoras[/aq] und [aq]Plato[/aq] in ihren Egyptischen Reisen von denselben Priestern gelernet/ wie sie ihre Philosophie vermummen und bedecken solten unter den Schatten der Geheimnissen und Verborgenheiten. ¶ [G: [aq]Arabes[/aq].] Was denn anreichet die ARABER wann wir deren Schrifften genau ansehen/ werden wir befinden/ daß dieselbe mit lauter [aq]Metaphoren[/aq] angefüllet/ welche doch mit den Haaren herbey gezogen/ wie nicht weniger mit Gleichnüssen und Verzierungen. Ihr [aq]Alcoran[/aq] ist auff diese Weise geschrieben/ und [aq]Mahom[/aq]. sagt/ er habe es darum gethan/ daß es die Menschen desto leichter fassen und so viel schwerer vergessen möchten. Sie haben die Fabeln Esopi in ihre Sprache übersetzet und etliche ihrer Leute haben dergleichen gemacht. Der [aq]Locmann[/aq], der in gantz [aq]Orient[/aq] so berühmt gewesen/ war niemand anders als Esopi seine Fabeln/ welche die Araber in ein grosses Buch versammlet haben/ erwarben ihm so viel Ruhm bey ihnen/ daß auch der [aq]Alcoran[/aq] selber seine Wissenschafft an einen gewissen Orte rühmet/ welcher auch deswegen den Nahmen [aq]Locmann[/aq] bekommen. ¶ Die Lebens-Beschreibung ihrer Patriarchen/ Propheten und Aposteln sind allesamt fa-[S]belhafftig/ sie haben grosse Lust zur Poesie und die besten Gemüther üben sich am allermeisten darinnen/ diese Neigung ist ihnen nicht so neu: denn schon von ihres Mahomets Zeiten waren sie also geartet/ und von so langer Zeit haben sie ihre Gedichte auffzuweisen. [...] Selbst etliche [aq]Caliphen[/aq] (geistliche Käyser) haben es ihrer Würde nicht unanständig geachtet in der Dichte-Kunst sich zu üben/ und wenn man [aq]Elmacin[/aq] glauben darff/ so ist einer davon [aq]Abdalla[/aq] genant/ hierinne vor andern berühmt gewesen/ welcher ein schönes Buch vor Gleichnüssen verfertiget hat.][603]Dieses zuerweisen/ darff man nur die Fabel haffte abendtheurn ihres Gesetz gebers/ des Weltberühmten/ [aq]Zoroasters[/aq] lesen. [aq]Strabo[/aq] bezeuget/ daß die Persianer ihren Schülern selbst die Sitten Kunst untersothanen Verzierungen zu lernen gegeben/ und an einen andern Orte spricht er/ daß man den alten Historien der Persianer/ [aq]Meder[/aq], und [aq]Sirier[/aq] keinen vollkommenen Glauben beymessen darff/ angesehen ihre [aq]Scribenten[/aq] so gar geneigt zu den Fabeln iederzeit waren. [… ¶ Denn die Araber sagen/ daß er [“[aq]Locmann[/aq]”, J.T.] von den [aq]Hebraeern[/aq]; und die Perser/ daß er von den schwartzen Arabern hergestammet und entsprossen sey/ daß er auch sein Leben zugebracht habe/ in der Stadt [aq]Cazuin[/aq] welches der alten [aq]Arsaici[/aq] ist. An-[S]dere dargegen sehende/ daß sein Leben wie es von den Persischen Mirkond beschrieben worden/ mit des Esopi Lebenslauff sehr überein komme/ auch merckende/ gleich wie die Engel in Mirkond die Weißheit an [aq]Locman[/aq] gegeben/ also habe bey [aq]Philostrato Mercurius[/aq] die Fabeln Esopo gegeben/ so haben sie ihnen eingebildet/ daß die Griechen den [aq]Locman[/aq], den Orientalischen Völckern genommen/ und ihren Esopo darauus gemachet hätten.][604]Sie [die Perser haben über seine [“[aq]Locmanns[/aq]”, J.T.] Fabeln so viel Bemerckungen und Auslegungen gemacht und dieselbe also vermehret/ daß sie/ wie die Araber/ ein grosses Buch darüber gemacht/ wovon man in [S] dem [aq]Vatican[/aq] zu Rom noch heute zu Tage ein Exemplar sehen kan. [...] Die heutigen Türcken machen nichtsweniger Wercks hiervon/ und glauben nebenst Mirkond/ daß er zu Zeiten Davids gelebet habe/ worin sie aber/ so ferne er Esopus sol gewesen seyn/ und wir der Grichischen Zeit-Rechnung glauben müssen/ bey [aq]450[/aq]. Jahr irren/ doch schlagen die Türcken nicht so genau hierauf. Diese Meinung solte sich besser auff [aq]Hesiodum[/aq] schicken/ welcher zu Salomonis Zeiten gelebet hat/ und welchen man billich die Ehre der Erfindung der Fabeln/ welche man Esopo zuschreibet/ nach [aq]Quintiliani[/aq] Meinung/ zuschrieben muß. Man findet keine Poeten/ die sich grössere Freyheit anmassen zu Lügen in den Lebens-Beschreibungen ihrer Heiligen/ was den Ursprung ihrer Gottesdienste und ihrer Historien betrifft/ als die Griechen.][605]Sandaber ein Indianer hat Gleichnüsse geschrieben/ welche hernach sind übergesetzt worden/ durch die [aq]Hebraeer[/aq], und findet man noch heute dieselbe in den Bibliothecken grosser Liebhaber. Der Jesuit [aq]Pater[/aq] Pousin/ hat zu seiner so genanten [aq]Pachrymene[/aq], die er ohnlängst zu Rom hat drücken lassen/ einen Zusammen-Sprache zwischen Absolon König aus Indien und einen [aq]Gymnosophisten[/aq] über verschiedene Streitigkeiten in der Sitten-Lehre/ worin dieser Philosophus sich nicht anders als durch Gleichnüsse und Fabeln nach Esopi Manier erkläret.[606]und daß nach dem der Ruff dieses Buches [von Pousin, J.T. von den Ohren des Persischen Königes Nauchirevons erschollen/ derselbe geschwinde Abschrifft darvon bekam/ durch Vermittelung seines Artztes/ der es ins Persische übersetzte/ daß der [aq]Calipha Almansor[/aq] es aus dieser Sprache hernach in die Arabische übersetzen lassen/][607][G: [aq]populus Judaicus[/aq]. Diese Verzierung und diese Gleichnüsse/ welche ihr entheiliget gesehen habt bey den Völckern/ von denen ich euch gesaget/ sind in Syrien geheiligt gewesen; Diese geheiligte Schreiber richteten sich nach dem Geist der Jüden und bedienten sich dessen um die Eingebungen/ so sie von den Himmel empfunden/ auszudeuten. Die gantze heilige Schrifft ist voll solcher Verborgenheiten/ doppelsinnigen Reden und Rätzeln/ dannenhero die Talmudisten geglaubet/ das Buch Hiobs sey nichts anders als ein Gleichnüß/ und Erfindung der [aq]Hebraeer[/aq]. Dieses Buch der Psalmen/ die Sprüchwörter/ der Prediger/ und das hohe Lied Salomonis/ wie auch alle andere heilige Gesänge sind Poetische Wercke voller Gleichnüsse/ weil diese und dergleichen Sprüche nach [aq]Quintiliani[/aq] Meinung nichts anders sind/ als Verzierungen und kurtze Gleichnüsse. ¶ Das Hohe-Lied Salomonis ist ein Poetisch Stücke/ worinn die verliebte Gedancken eines Bräutigams und einer Braut auff eine solche durchdringende Weise ausgedrücket sind/ daß wir dadurch könten angereitzet werden/ daferne diese [aq]expressiones[/aq] und vorbildende Manieren zusprechen ein wenig mehr übereinkämen mit unserer Art; […] ¶ Unser Seligmacher selbst giebt dem Juden bey nahe die meiste Unterrichtungen und [S] Lehren durch Gleichnüsse. Der Talmud hält eine Million Fabeln eine ungereimter als die andere/ verschiedene Rabbinen haben dieselbe nach der Hand ausgeleget/ [aq]confirmiret[/aq] und in besondere Wercke versammlet/ und abermahl viel Sprüche Gedichte und Fabeln hineingeflicket.][608]Um dieselbe Zeit gab [aq]Jamblichus[/aq] die so genante Babylonische Freywerbung heraus/ worin er denn/ so biß-[Shero vor ihn geschrieben/ weit übertroffen. […] ¶ [aq]Heliodorus[/aq] hat es [aq]Jamblicho[/aq] so wohl in der Geschickligkeit des Entwurffs als in allen übrigen zuvor gethan. Zu seiner Zeit hatte man nichts zierlichers noch vollkommeners in der Kunst Romanen zuschreiben gesehen/ als die seltzame Fälle des [aq]Theagenis[/aq] und der [aq]Chariclea[/aq]. Es ist nichts keuschers als ihre Freywerbung/ woraus zu sehen/ daß ohne den Christlichen Glauben/ welchen der [aq]Scribente[/aq] hochgehalten/ seine eigene Tugend ihn zu solcher sitsamen Schreib-Art geleitet/ die in dem gantzen Wercke zusehen; Daß also nicht alleine [aq]Jamblichus[/aq] sondern fast alle andere Roman-Schreiber/ gegen den [aq]Heliodorum[/aq] gegering zu achten. ¶ Seine Verdienste erhuben ihn auch zur Bischöfflichen Würde/ denn er war Bischoff zu [aq]Tricca[/aq], einer Stadt in [aq]Thessalien[/aq], und [aq]Socrates[/aq] rühmet von ihm/ daß er in diesem Lande die Gewonheit eingeführet die Geistlichen abzusetzen/ die sich von den Weibern/ so sie vor ihren geistlichen Stand geheyrathet/ nicht enthielten. Ich weiß nicht/ was ich davon halten sol/ was [aq]Nizephorus[/aq] ein [aq]Scribente[/aq] der sehr leichtgläubig und schwach von Urtheil gewesen und dessen Worten nicht wohl zu trauen ist/ von diesem [aq]Heliodoro[/aq] schreibet/ daß ein [aq]Provincial-Synodus[/aq] sehende die Gefahr/ die junge Leute durch lesen des Romans/ der wegen seines [S] Urhebers in grossen Ansehen war/ geriethen/ ihme zwey Dinge vorgestellet/ nemlich er solte bewilligen daß sein Roman verbrandt würde/ oder sich seines Amts und Bisthum entschlagen/ und daß er das letztere erwehlet haben solle. ¶ Im übrigen kan ich mich nicht gnugsam verwundern/ daß ein gewisser gelehrter Mann dieser Zeit/ ohnerachtet der unverwerfflichen Zeugnissen von [aq]Socrate[/aq], [aq]Photio[/aq] und [aq]Nizephoro[/aq] hät dürffen zweiffeln/ ob auch [aq]Heliodorus[/aq], Bischoff von [aq]Tricca[/aq], der Autor dieses Buches gewesen. […] ¶ [aq]Achillis Tatii[/aq] Art zu schreiben ist einfältiger und natürlicher/ die andern sind hergegen gezwungener und härter. Man sagt/ er sey endlich ein Christ und gar ein Bischoff worden. Ich verwundere mich im übrigen/ daß man die Unkeuschheit dieses Romans so leichtlich vergessen kan und kömmt mir seltzam vor/ daß Käyser [aq]Leo Philosophus[/aq] die Sittsamkeit des [aq]Clitophons[/aq] durch einen Verß/ der uns übergelieben ist/ zuverstehen giebet/ und denen/ die da vor allen in Keuschheit leben wollen/ vergönnet/ ja gar gerathen hat/ ihn von einen Ende biß zum andern durch zulesen. ¶ Vielleicht bin ich zu kühne wenn ich nechst vorhergehenden nun zum Vorschein bringe den [aq]Athenagoras[/aq] unter dessen Nahmen man einen Roman siehet/ betitult/ von der wahren und vollkommenen Liebe; Dieses Buch ist nicht an-[S]ders/ als in Frantzösisch erscheinen durch Ubersetzunge [aq]Fume[/aq], welcher in der Vorrede bekennet/ daß er den Griechischen Text davon ursprünglich gehabt von dem Herrn [aq]Lamane[/aq] des [aq]Cardinals[/aq] von [aq]Armagnac Protonotario[/aq], und daß er es sonsten niemahls und nirgends gesehen habe. […] ¶ Der Ubersetzer spricht/ er glaube daß es ein Werck sey von dem berühmten [aq]Athanageras[/aq], der da vor den Christlichen Glauben eine Verantwortung auff die Manier einer Gesandschafft gerichtet/ die Käyser an [aq]Marcum Aurelium[aq] und [aq]Commodum[aq] und einen [aq]Tractat[/aq] von der Wiederaufferstehung geschrieben hat. […]][609]Was mich anlanget/ wiewohl ich mit keiner Gewißheit davon sagen kan/ weil ich das Griechische [aq]Original[/aq] nicht gesehen/ so kan ich doch aus dem übergesetzten Frantzösischen sehen/ daß es nicht ohne Warscheinligkeit ist/ wann er ['Fumeus', J.T. dieses Buch vor gedachten [aq]Athenagora[/aq] zuschreibet: Diese sind meine Beweg-Reden; Der Verantworter war ein Christ. Er spricht von der Gottheit auff eine Weise/ die niemand als den Christen zukommet: als wann er die Priester des [aq]Hammons[/aq] anführet/ daß sie sagen/ es sey nur ein einiger GOtt/ und in dem ein iedes Land das Wesen desselben dem einfältigen Pöbel vorstellen wollen/ hätten sie verschiedene Bildnüsse iedes nach seiner [S] Art/ ausgefunden/ die doch allesamt nichts anders bedeuten/ als denselben eintzigen und warhafftigen GOtt. Daß aber mit der Zeit diese rechte Bedeutung verlohren worden/ worüber der gemeine Mann auff den Wahn gerathen/ daß so viel Götter wären/ als man Bilder findet/ und daß Abgötterey davon entsprossen sey. Daß [aq]Bacchus[/aq], als er den Tempel [aq]Hammonis[/aq] auffgebauet/ kein ander Bild darin gestellet/ als des waren Gottes. Dieweil in der Welt nur ein eintziger Gott ist/ der sich in dem offenbahret/ gleich wie nur ein Himmel ist/ der die Welt beschleust. ¶ Er führet gewisse Egyptische Kauffleute an/ die so viel und noch mehr sagen/ nemlich/ daß die Götter der Fabeln bedeuten die unterschiedliche Wirckungen dieser Obersten und einigen Gottheit/ welche ohne Anfang und ohne Ende ist: und welche er dunckel nennet/ weil sie unsichtbar und unbegreifflich ist/ ja was noch mehr ist/ die Ursachen/ welche die Egyptische Priester und Kauffleute führen über das Göttliche Wesen/ sind denen Gründen [aq]Athenagorae[/aq], die er in seiner vorangeregten Gesandschafft anführet/ sehr gleich. Dieser Verantworter war ein Priester von Athen/ der ander ein [aq]Philosophus[/aq] von derselben Stadt. Es scheinet/ daß sie beyde Leuthe gewesen von gesunder Vernunfft/ guten Wissenschafften und erfahren in den [aq]Antiquitäten[/aq]. ¶ An der andern n hat man hergegen auch Gründe das Gegentheil zubehaupten/ und zwar/ daß er der Christliche [aq]Athanagoras[/aq] nicht gewesen/ sondern/ daß es nur ein gesamletes und ein gestolnes Werck ist/ welches man unter dem Nahmen [aq]Athenagoras[/aq] hat auszubringen getrachtet. Ich sage weiter: [aq]Photius[/aq] der sonsten sehr genau geschrieben hat von den Romanen/ die vor seiner Zeit gelebet/ gedencket dieses [aq]Athenagorae[/aq] nicht mit einem eintzigen Wörtlein/ man findet in den [aq]Bibliotheken[/aq] nicht ein eintziges [aq]Exemplar[/aq] davon/ und selbst das jenige/ dessen sich der Ubersetzer bedienet/ ist hier noch niemahlen wieder zum Vorschein kommen: Er führet an den Wohn-Platz/ das Leben und [S] die Beschaffenheit der Priester-Geistlichen des [aq]Hammons[/aq], welches überaus wohl übereinkommet mit den Klöstern und deren Regierung bey den heutigen München und Geistlichen/ welches nicht wohl übereinkommet mit dem/ was uns die Historie lehret vor der Zeit/ da das München-Leben seinen Anfang genommen und zu seinem völligen Stande kommen.][610]Ich wil unter die Romanen nicht setzen [aq]Damaseni[/aq] eines Heidnischen [aq]Philosophi[/aq] Bücher von denen Wunderbarligkeiten/ welcher unter dem [aq]Justiniano[/aq] gelebet hat/ dann wann [aq]Photius[/aq] saget/ daß er [aq]Antonio Diogeni[/aq], als dem Vorbilde der meisten Grichischen Romanschreibern/ nachgefolget sey/ solches muß man also verstehen/ daß er so wohl/ als Diogenes, fabelhaffte/ und nicht gläubliche Historien/ aber keine Romanische/ noch auf die Romanische Art geschrieben hat. Solche waren nichts anders/ als Erscheinungen der Gespenster und Nacht-Geister/ und übernatürliche Begebenheiten/ entweder allzu leichtgläubig/ oder mit weniger Vernunfft bedacht/ als einem ungebundenen Heidnischen Schreiber zu kommet. Zwey Jahr nach [aq]Damasco[/aq] ward die Historie von [aq]Barlaam[/aq] und Josaphat gemacht durch [aq]S. Joan[/aq] von [aq]Damascus[/aq]; viel alte Schrifften wollen [aq]Johannem[/aq] den [aq]Sinaiter[/aq] zum [aq]Autore[/aq] dieses Wercks machen/ welcher zu Käysers [aq]Theodosi[/aq] Zeiten lebte: aber Billius beweist uns ein anders/ weil nehmlich der Streit wieder die [aq]Iconoclasten[/aq], so in dieses Werck eingeführet ist/ damahlen noch nicht geführet war/ sondern lange Zeit hernach durch Käyser [aq]Leonem Isauricum[/aq] auff die Bahn gebracht worden/ unter welchem S. [aq]Johan[/aq] von [aq]Damascus[/aq] lebete. Er ist ein Roman/ aber ein Geistlicher/ er handelt von der Liebe/ aber von der Liebe Gottes/ man findet hier viel vergossenen Blutes/ aber sol-[Sches ist lauter Blut von den Martyrern. Er ist geschrieben wie eine Historie/ und nicht nach den Regeln eines Romans und unter diesen/ ob gleich die Wahrscheinligkeit gnugsam beobachtet ist/ führet er doch so viel Zeichen der Verzierungen/ doch man solches zumercken/ nur einer kleinen Auffmerckung bedarff. Im übrigen siehet man daraus den Fabelhafften Geist der Landart dieses [aq]Scribenten[/aq], welcher in der Menge der Vorbildungen und Gleichnissen/ so durch daß gantze Werck zerstreuet sind/ gnungsam erscheinet. [aq]Theodori Prodromi Roman[/aq], und der jenige/ den man [aq]Eustathio[/aq] Bischof von [aq]Thessalonica[/aq], welcher unter der Regierung [aq]Emanuelis Comneni[/aq], fast mitten im zwolfften [aq]Seculo[/aq], berühmt war/ zuschreibet/ sind fast einerley/ [...] [aq]Theodorus Prodromus[/aq] ist nicht vielmehr rühmens werth/ gleichwol hat er ein wenig mehr Kunst/ aber doch wenig genug. Aus einer schweren Sache rettet er sich nicht anders als durch Göttliche Wunder/ [...][S][...] Man hält da vor/ daß er ein Priester/ [aq]Poet Philosophus, Medicus[/aq], und von Geburt ein Russe gewesen.][611]Was anlanget die drey [aq]Xenophontes[/aq], Roman-Schreiber/ von denen [aq]Suidas[/aq] spricht/ so kan ich euch davon anders nichts sagen/ als was er saget/ daß der eine von [aq]Antiochia[/aq], der andere von [aq]Epheso[/aq] und der dritte aus [aq]Cypern[/aq] entsprossen. Alle drey haben Liebes-Geschichten geschrieben; Der erste nennet sein Buch/ (wie [aq]Jamblichus[/aq]) die Babylonische Freyereyen/[612]Wir sind nun kommen zu dem Buch/ welches beschreibet die Thaten des [aq]Charlemagne[/aq], (des grossen [aq]Carles[/aq]) dieses wird mit Unrecht dem Ertz-Bischoff Turpin zugeschrieben/ denn es ist über [aq]200[/aq]. Jahr nach seiner Zeit geschrieben worden. [aq]Pigna[/aq] und etliche andern haben gegläubet/ daß die Romans ihren Nahmen haben bekommen von der Stadt [aq]Rheims[/aq], woselbst Er Ertz-Bischoff gewesen/ weil sein Buch/ wie [aq]Pigna[/aq] berichtet/ die Quelle gewesen/ aus welcher die [aq]Roman[/aq]-Schreiber in der [aq]Provinz[/aq] (Provence) einer Landschafft in Franckreich das meiste geschöpffet haben[613]Diese Meinung zu untersuchen/ muß man sagen daß [aq]Thelesin[/aq] und [aq]Melkin[/aq] beyde Engelländer/ und [aq]Hunnibaldus Francus[/aq], von welchem man glaubet/ daß sie alle ihre Romanische Historien geschrieben/ ums Jahr 550. bey nahe 200. Jahre jünger sind/ als man sich einbildet/ dann die Rebellion des Grafens Juliani/ und der Einfall der Araber in Spanien geschahe nicht eher/ als im Jahr Christi [aq]712[/aq].[614]daß ihre [der 'Africanische Araber', J.T. Morabiten Liebes-Lieder machen/ daß in Fetz auff Mahomets Geburts-Tag/ die Poeten Versammlung und öffentliche Spiele anstellen/ da sie ihre Verse vor dem Volck hersingen/ da dann derjenige/ dessen Verse von allen vor die zierlichsten geachtet werden/ dasselbe Jahr vor den Fürsten aller ihrer Poeten geehret/ daß die Könige aus dem Hause der Benimerinen/ welche über [aq]300[/aq]. Jahr geherrschet/ und die bey unsern alten [aq]Scribenten[/aq] unter den Nahmen Bellemarine bekant/ alle Jahr auff einen gewissen Tag/ die Gelehrtesten der mächtigen Stadt Fetz versammleten/ denenselben eine herrliche Mahlzeit geben/ wornach die Poeten schöne Verse zur Ehre Mahomets sungen][615]Also kan ich auch nicht glauben daß die Frantzösische Fürsten von den Arabischen Königen die Gewonheit solten angenommen haben/ daß sie ihre Kleider den besten Dichtern verehrten/ [... gleich wie wir lesen daß auch etliche Heiligen gegen die Armen auff solche Weise ihre Milthätigkeit sehen lassen/ und daß dasjenige/ welches in Franckreich dann und wann nur von ungefähr geschahe/ in Fetz eine Gewonheit gewesen und jährlich verübet worden/ welche Fetzische Gewonheit Zweiffels frey ihren Ursprung ebenfals von ohngefährigen Zufällen genommen hat. ¶ Es ist sonsten auch gleublich genung daß die Italiener durch das Vorbild deren aus der Provintze zu verfertigung der Romanen geführet worden sind/ als die Päpste ihren Stuhl zu [aq]Avignon[/aq] hatten und auch selbst durch das Vorbild der übrigen Frantzosen/ und als die [aq]Normandier[/aq] und also auch [aq]Carolus[/aq], Graff von [aq]Anjou[/aq] Bruder des Heiligen [aq]LudWigs[/aq] ein Tugendsamer Printz/ und grosser Liebhaber der Dicht-Kunst/ ja selbst ein guter Poet in Italien kriegten.][616]Der H. Augustinus spricht an einem gewissen Ort/ daß diese Falschheiten/ welche etwas bedeuten und einen verborgenen Sinnbedeken[?/ keine Lügen/ sondern vielmehr Abbildungen der Warheit seyn/ deren sich die allerweisesten und heiligsten Personen/ ja unser Heiland selber zum öfftern bedienen.][617]und ich weiß wohl/ wessen man sie [die Romane, J.T. beschuldiget/ nehmlich sie verringern die Gottesfurcht/ führen den Menschen ungeregelte [aq]Affecten[/aq] ein/ und verderben die Sitten; dieses alles kan geschehen und geschiehet auch zu Zeiten/ aber was ist wohl ein nutzliches und gutes Ding/ welches ein böser Mensch nicht solte misbrauchen können? Die schwachen Seelen vergiften sich selber/ und sind allen ein Gift/ diesen muß man die Historien/ welche so viel schädliche Vorbildung einführen/ und die Fabeln/ darin die Fehler bekräftiget sind/ durch das Vorbild der Götter selber zu lesen verbieten; Ein Marmernes Bild/ welches bey den Heiden die aufrichtige Gottesfurcht darstellete/ erweckte bey einem Jünglinge Liebe/ Schande und Verzweiffelung. [...][S][...] [aq]D’Astre[/aq] selber und etliche die darauff gefolget/ sind noch einwenig liederlich zu lesen/ aber die/ so in dieser Zeit geschrieben worden/ ich rede aber von den guten/ sind so fern von diesem Gebrechen/ daß man darein kein eintziges Wort und keine ausdrückung finden wird/ so den keuschen Ohren ärgerlich were/ noch einige That/ so die Erbarkeit einiger massen beleidig machte. ¶ Wann einer wolte sagen: daß von der Liebe in den heiligen Romanen auff eine so durchdringende und unbegreifliche Weise gehandelt wird/ daß die Anszierung und Ansteckung dieser gefehrlichen Seuche ihr leichtlich einen Weg bahnet in den jungen Hertzen der Leser/ so antworte ich hierauff/ daß es nicht allein nicht gefehrlich sondern vielmehr einiger massen nothwendig ist/ daß die jungen Leute diesen [aq]Affecten[/aq] kennen/ um die Ohren zu verschliessen vor denen die da sündhafftig ist/ und daß sie mögen wissen wie sie aus ihren listigen Fallstricken errettet und denselben entgehen mögen/ hergegen aber/ daß sie den Verstand haben in der Liebe die einen Tugendsamen und Heiligen Zweck führet/ sich gebührlich zu verhalten/ welches so wahr ist/ daß die Unterfindung uns zu erkennen giebet/ daß die/ welche die Liebe am allerwenigsten kennen/ die empfindlichsten darinnen seind/ und daß die unwissenden von ihr am ersten betrogen worden. Hier zu kommet daß nichts ist/ welches den Verstand so sehr schärffet/ noch so wohl dienet die Menschen zu formiren und bequem zu machen/ der Welt zu dienen und sich darinn zu schicken als die guten Romanen/ diese sind fromme Lehrmeister/ welche denen von der Schul [S] folgen/ und welche sprechen und lesen lehren/ auff eine weitlehrsamere und durchdringendere Weise/ als die so in den Schulen lehren von denen man sagen kan/ welches [aq]Horatins[/aq] von der [aq]Iliade Homeri[/aq] sagte/ daß sie die Sitten-Kunst besser und vester lehren als die allerbesten [aq]Philosophi[/aq].][618]Als wenn die Poeten erdichtet haben/ daß die Pallas (die Göttin der der Weißheit) aus des Jupiters Gehirn gezeuget sey/ dadurch sie haben wollen andeuten/ daß GOtt ein Uhrsprung aller Weißheit sey. [aq]NB. 1) Fabula, nisi per similitudinem aut significationem veri, nihil persuadet. Haec autem verisimilitudo duplex est: quodres sit similis historiae s. rei gestae. Qualis illa est divitis Evangelici horrea sua implentis, sed per mortem intercepti. vel quod significationem rei alterius certa ac vera contineat, licet in se ficta videatur. Qualis illa Domiui est, talenta in servos partientis, quae donorum coelestium in homines diversitatem exponit. Poterit tamen & utraque similitudo in eodem exemplo concurrere, ut in illo Regis debitori servo remittentis debitum, quod immitis exactor idem servus ab altero extorsit. Nam hoc exemplum & historiae perquam est simile, & rem certam translate significat, peccanti videlicet fratri ignoscendum, quemadmodum tibi peccanti dolentique ignoscitur: --- Hinc triplex fabula genus verisimile, alterum verisignificativum, tertium & verisimile & verisignificativum. Quo-[Srum alterum primo, tertium utrisque praeferendum est. --- Illae fabulae, quas in Comicis Dramatibus veteres produxerunt, primi tantùm sunt generis, adeoque non adeò magni aestimandae. Masen. Poes. Dram. lib. 2. c. 13.[/aq]][619]Die [aq]Invocatio[/aq] oder Anruffung üm göttliche Hülffe ist bey den Heyden allemahl an die Heidnischen vermeinten Götter/ insonderheit den [aq]Apollinem[/aq] und die Musen gerichtet worden. Und sind etliche unter den Christen so unbesonnen und thöricht/ daß sie meinen/ sie können kein Gedichte verfertigen/ wo sie nicht der gleichenthun. Es ist aber eine grosse Sünde/ derer sich billich niemand sol theilhafftig machen. Ist derowegen Christlicher gethan/ wenn man GOtt selbst anruffet/ und zwar insonderheit also/ daß man ihn von den Eigenschafften nach welchen er sich bey gegenwärtiger Materie geschäfftig erweiset/ zuvorher beschrieben hat. Und kan durch eine solche Vorstellung das Gedichte gewißlich weit anmuthiger gemacht werden/ als durch Anruffnug der Heidnischen Götter.[620]Ich wil aber doch zuvor noch kürtzlich hieher setzen/ was ich bey oben angeführten Herrn Morhoff in seinem Unterricht der Deutschen Sprache angetroffen/ welches nicht undienlich zum Voraus zuwissen ist. Er spricht nemlich: Daß bey den alten Nordländern dergleichen Gedichte ([aq]Romaine[/aq]) schon gewesen/ geben die Fabeln an den Tag/ die man in der [aq]Edda[/aq] (*[Was die Edda sey berichtet er [aq]cap. 8.[/aq] von den Nordischen Poeterey: Bey den Ißländern (spricht er) hat man ein sonderlich Buch/ die Edda gehabt/ welches nur die [aq]Mythologia[/aq] der alten Nordischen Völcker/ oder vielmehr ihre [aq]Theologia, Physica[/aq] und [aq]Ethica[/aq]. Es sind zweyerley Edd[aq]ae[/aq] gewesen/ die eine als die älteste/ ist in alte unverständliche Verse verfasset von Sämund Sigfuson/ der mit den Zunahmen Froda/ i. e. der Weise genant worden und Anno [aq]1077[/aq]. zu Odde in Ißland Prediger gewesen. Die neue Edda hat gemacht Schnorre Sturlason/ ein vornehmer kluger Mann und Ober-Richter über Ißland Anno [aq]1222[/aq]. und aus der ältern des Sämunden zusammengezogen/ welche [aq]Petrus Resenius[/aq] mit sehr nützlichen Anmerckungen und einer weitläufftigen Vorrede herausgegeben/ darinnen er mit mehrerm von diesen beyden Eddis handelt. In der Königlichen Schwedischen Bibliotheck sol noch ei-[Sne andere und bessere vorhanden seyn/ wie Herr Rudbeck meldet. Dieser Schnorre Saturlason hat die alte Eddam etwas verändert/ und auff ihre Poeterey gerichtet. Wie nun die Edda/ ihre [aq]Mythologia[/aq], so ist die [aq]Scalda[/aq] ihre [aq]Metrica[/aq] und [aq]Prosodia[/aq] gewesen/ daher hernach die Poeten [aq]Scalderer[/aq] genant/ welche bey den Königen in solchen Ansehen waren/ wie die Cantzler/ der Auctor der [aq]Scaldae fol. Anno Christi 1216[/aq]. gelebt haben.]) [S <--] noch findet. Ja (fährt [S] Er weiter fort) wenn man des Herrn Rudbecks Meinungen annehmen solte/ dürffte wohl die gantze Mythologia der Griechen davon entstanden seyn. Welches wenn es wahr ist/ so werden dieselben nicht erst von [aq]Caroli M.[/aq] Zeiten herzu holen seyn/ wie [aq]Huetus[/aq] vermeint. Hätte man daher einen Unterscheid zu machen unter der ersten Erfindung/ und unter abermahliger Hervorsuchung und Fortpflantzung bey uns. Deren dieses von des [aq]Caroli M.[/aq] Zeiten gar wohl könte hergeholet werden.][621]Wenn [aq]Rudbeckius[/aq] ([aq]3[/aq].) noch weiter aus wunderlicher Versetzung der Worte das Alterthum der Verse schliessen wil/ weiset Er ihm/ daß es nichts erweise/ weil etliche derselben auch geschrieben seyn/ da in Schweden der Christliche Glaube schon aufkommen/ hält es daher vielmehr vor eine neue Arth/ als vor eine alte.[622]Insonderheit erweiset solches auch/ was der [aq]Aventinus[/aq] in seiner deutschen Historie/ die nach der Lateinischen/ und im ersten Buch viel vermehrt/ heraus ist kommen/ vielleicht aus den alten Helden-Liedern gemeldet hat: daß/ wie der König Tuisco zu Anreitzung der Nachkommen die Gutthaten der Frommen mit Liedern zu ehren befohlen/ hätte König Labet geboten/ daß man auch von denen die übels thäten/ damit sie sich schämeten und besserten/ Lieder machte/ dieselben bey Nachte öffentlich auf den Gassen für den Häusern sünge/ wenn man das Liecht [S angezündet hätte/ darüm man auch solche Gesanglichter genennet. Und das sind gleichsam der alten Deutschen ihre Satyren gewesen/ die zur Besserung der Sitten aufgesetzet worden.][623]Wenn der berühmte Christian Hofmann von Hofmanns Waldau solcher gedenckt/ spricht Er/ daß noch hin und wieder in vielen Klöster Bibliothecken solche zu finden/ als zu S. Gall/ zu Eichstadt/ zu S. Emeran in Regensburg.[624]inzwischen ist doch folgends zu mercken/ daß des [aq]Caroli M[/aq]. Sohn [aq]Ludovicus Pius[/aq] die gantze Bibel in deutsche Verse hat übersetzen lassen. Diß erwehnet [aq]Andr. du Chesne tom. 2. p. 326[/aq]. welcher aus der Vorrede eines alten in Sächsischer Sprache geschriebenen Buchs dieses zum Zeugnis anführt: [aq]Cum divinorum librorum solummodo literati atque eruditi prius notitiam haberent, ejus studio atque Imperii tempore, sed Dei omnipotentiâ atque inchoantiâ mirabiliter actum est nuper, ut cunctus populus suae ditioni subditus Theudiscâ loquens linguâ, ejusdem divinae lectionis nihil-[Sominus notitiam acceperit. Praecepit namque cuidam uni de gente Saxonum, qui apud suos non ignobilis vates habebatur, ut Vetus ac Nov. Testamentum in germanicam linguam poëticè transferre studeret: quatenus non solùm literatis, verum etiam illiteratis sacra divinorum praeceptorum lectio panderetur. Juxta morem verò illius poëmatis omne opus per vitteas distinxit, quas lectiones nos vel sententias possumus appellare[/aq]. Diese Ubersetzung/ meynet Morhof/ wäre wohl die älteste/ ohne daß einige von [aq]Carolo M[/aq]. meldeten/ Er habe das Neue Testament ins deutsch übersetzen lassen. Ob solche [aq]Version[/aq] des [aq]Ludovici[/aq] noch vorhanden sey oder nicht/ weil weder [aq]Hottinger[/aq] noch [aq]Lambecius[/aq] ihrer gedencken/ wie er nicht sagt/ vermeynt doch sie sey vermuthlich nicht mehr vorhanden. Er/ spricht Er/ habe zwar eine Sächsische Ubersetzung oder vielmehr eine [aq]Paraphrasin Rhythmicam[/aq] gesehen/ die aber viel neuer gewesen/ und mit vielen andern Erzehlungen vom Leben Christi/ die in der Bibel nicht enthalten/ vermischt. [aq]Theodorus Bibliander[/aq] in seinem Buch [aq]de ratione communi omnium linguarum p. 49[/aq]. hat auch einer Poetischen Ubersetzung des Alten Testaments gedacht; [aq]Legi vetus instrumentum versibus Germanicis redditum à Rudolpho quodam oriundo ex familia, quae nomen habet ab eminente arce in Rhaetiâ, quam vulgus nominat[/aq] hohen Ems/ [aq]idque rogatu & jussu Regis Conradi fil. Friderichi secundi Caesaris Au-[S]gusti[/aq]. [aq]Hottingerus Bibl. Theol. l. I. c. 3[/aq]. erwehnt einer andern/ die Er vor sehr alt hält/ aus welcher ihm einige [aq]Fragmenta[/aq] zu handen kommen wären. Und setzt Morhof p. 315. ein solches [aq]Fragmentum[/aq] aus der Historie [aq]Josephs[/aq]. Zu des [aq]Lotharii I[/aq]. Zeiten hat [aq]Ottfridus[/aq], ein Mönch des Closters Weissenburg gelebt/ und hernach zur Zeit [aq]Ludovici II[/aq]. die Evangelia in alten deutschen Versen herausgegeben/ und dem [aq]Luithberto[/aq] Meintzischen Ertz-Bischoff zugeschrieben. Er war des [aq]Rabani Mauri[/aq] Lehrjünger. [aq]Rhenanus[/aq] hat diß Buch zu erst gefunden/ hernach hat es [aq]Matthias Flacius Illyricus[/aq] zu Basel herausgegeben. In der einem Vorrede (deren 3. sind) und zwar an den Ertz-Bischoff giebt Er zu verstehen/ daß Er auf Bitte seiner Brüder und Käyserin Judithe/ der vor andern weltlichen und unflätigen Gedichten geeckelt/ die Mühe auf sich genommen/ und ein Theil der Evangelien in deutsche Verse übersetzet. Erscheinet also/ daß auch dazumahl einige Liebes-Gedichte sind gewesen. Die Verse sind rauh/ doch noch ein guter Geist darinne. Wie ihn denn [aq]Trithemius[/aq] in seinem Buche [aq]de Scriptoribus Ecclesiasticis[/aq] nennet [aq]Virum in divinis scripturis eruditissimum[/aq] & in [aq]secularibus egregiè doctum[/aq]. Er hat auch sonst noch mehr geschrieben/ als Predigten über die [aq]Evangelia, Paraphrases in Canticum Esaiae, Ezechiae, Hannae, Moisis, Zachariae, Mariae[/aq], über das Vater Unser/ des [aq]Athanasii Symbolum[/aq], die Psalmen Davids/ und noch drey grosse Bücher über die-[S]selbe. [aq]Lambecius l. 2. c. 5. p. 46[/aq]. hält es vor ein sonderliches seltenes Gedenckmal der alten Sprache/ wünschend/ daß es dermahleins ans Licht gebracht würde. Weil aber dieselbe nicht eben hieher gehören/ setzen wir sie beyseit; wie auch den [aq]Willeram[/aq], einen gelehrten Apt zu Merßburg/ welcher über das Hohe-Lied Salomonis eine Lateinische [aq]Paraphrasin metro-rythmicam[/aq] geschrieben/ und auch eine in Deutscher ungebundener Rede. Welches Morhoff ein schönes Denckmahl der alten Sprache nennet.][625]Diese [die Barden, J.T. [S] (wie er [Cyriacus Spangenberg, J.T.] weiter meinet) haben auch ihr besonder Stifft und Hayn gehabt an der Ilmenau (ist ein Wasser das durchs Braunschweigische Land fliest) nicht weit von der Elbe/ so nach ihnen Bardwich geheissen/ da sich allezeit im Heidentum solche Barden enthalen/ biß auff [aq]Caroli M[/aq]. Zeit/ der die Sachsen bezwungen. Nach derselben Zeit haben sich die zum Christlichen Glauben bekehrte Barden auch befliessen Christliche Lieder von den Zehen Geboten Gottes/ und dem Glauben/ desgleichen von den Sacramenten/ auch etliche andächtige Gebete zu GOtt/ in Reime und unter ihre gewöhnliche Thöne zu bringen/ und dem gemeinen Volcke vorzusingen/ welche ihnen König Carl selbst nachgethan/ und solche geistliche Lieder gesungen/ und der Keyser Otto hat ihnen hernach herrliche [aq]Privilegia[/aq] gegeben. So weit Spangenberg. Und ob es wohl nicht unzweifelhafftig ist/ daß diejenigen Barden/ welche der Deutschen und Gallier alte Poeten gewesen sind/ an der Ilmenau und ümb Bardewig herüm gewohnet und da ihr Stifft gehabt hätten.][626]Dennoch ist kein Zweifel/ daß auch von den Poetischen Barden viel sich werden bekehrt und Christen seyn worden/ die hernach ihre Wissenschafft GOtt zu Ehren angewendet haben. Wie denn oben der Ubersetzung der Bibel unter dem [aq]Ludovico Pio[/aq] ist gedacht worden/ welches ausser Zweifel von einem solchen Barder geschehen ist.[627]Anietzo erinnere ich nur dieses/ daß vielleicht der [aq]Lotharius II[/aq]. daher veranlasset worden/ daß er nach der Zeit andern Gelehrten/ denen im Rechte/ in der [aq]Theologia[/aq] und [aq]Philosophia[/aq], auch gewisse [aq]Privilegia[/aq] gegeben/ aus welchen denn die [aq]Doctor[/aq]- und Magister-Würde entstanden ist.[628]Kunrad von Helmstorff (welcher eine Vergleichung des alten und neuen Testaments in Versen gemacht) Hinrich von Frauen Lob (welcher den Nahmen davon bekommen/ daß Er den Frauen viel Gedichte zu Ehren gemacht/ welche ihn in seinem Tode wieder damit geehret/ daß etliche Matronen 1317. am S. Andreas Tage zu Meintz seine Leiche biß an seine Grabestatt in den Dom getragen und dieselbe mit Wein begossen/ daß es üm das Grab herumb geschwommen/ davon [aq]Wolff. Tom. I. Rer. Mem. Cent. 14. p. 604[/aq]. zu lesen)[629]Es findet sich auch in dieser Chronick [einer Limburgischen Chronick, J.T. ein Gesang einer/ die man wider ihren Willen zur Nonnen [S] macht. Dasselbe meldet/ daß ums Jahr [aq]1370[/aq]. auf dem Mäyn ein Außätziger Barfüsser Mönch die besten Lieder und Reihen in der Welt von Gedicht und Melodeyen gemacht/ daß ihm niemand auff Reines Strom/ oder in selbigen Landen wohl gleichen möchte. Und was er sung/ das sungen die Leuthe alle gerne und alle Meister pfiffen und andere Spielleuthe führten den Gesang und diß Gedichte.][630][aq]Petrus Dresdensis[/aq] hat [aq]Anno 1410[/aq]. ohngefehr das Lied [aq]in dulci jubilo[/aq] und dergleichen gemacht/ weil bey der Zeit des Reims wegen gerne Latein und Deutsch gemischt wurde. Zur Zeit des Trimbergs lebte Freydanck/ der von [S jenem auch offt angeführet wird/ hat ein Buch in deutschen Reimen geschrieben/ so er der Leyen Bibel nennet/ darinnen er die fürnehmste Historien Altes und Neues Testaments in Reime bringet. Er hat auch einen Auszug der [aq]7[/aq]. Zahl aus der Bibel und den Chronicken hervorgegeben/ seynd zu Franckfurth [aq]1569[/aq]. gedruckt.][631]Der wahre Auctor ist nicht der Käyser [aq]Maximilianus[/aq] selbst/ sondern Melchior Pfintzing/ der solches dem [aq]Carolo V. 1517[/aq]. zugeschrieben. Er nennet sich Ihr Majest. Capellanen zu St. Alban bey Meintz und St. Seebald zu Nürnberg Probsten. Das Buch ist in ansehnlicher Form gedruckt mit einer Arth Buchstaben/ welche noch heutiges Tages den Nahmen Theurdanck davon behalten.[632]Diese der Deutschen Gedichte und Nahmen hat Morhof [aq]I. c[/aq]. nach einander erzehlt/ daraus ich den Kern vorgestellet. Drauf schliest Er: Nach Hans Sachsen weiß ich niemand zu nennen/ der einige des Andenckens würdige Verse geschrieben. Es sind aber doch hin und wieder auch nach der Zeit artige Büchelchen in solchen alten Reimen heraus kommen. Bartholomaeus Ringwald/ Pfarrherr in Langenfeld/ hat [aq]Anno 1558[/aq]. ein Buch lassen ausgehen/ welches er nennet die lautere Warheit/ in demselben zeigt er an/ wie sich ein weltlicher und geistlucher Kriegsmann in seinem Beruff verhalten sol in allen Ständen. Ist hernach [aq]Anno 85[/aq]. und wieder [aq]97. ejusd. seculi[/aq] aufgelegt. Eben derselbe Ringwald hat den Zustand des Himmels und der Hölle in einer Parabel vom treuen Eckart den Frommen zum Trost/ den Bosen zur Warnung geschrieben/ so [aq]Anno 1597[/aq]. wieder nachgedruckt.[633]Wie ich denn von Grund des Hertzens den Höchsten anruffe/ daß Ihre [aq]Studia Academica[/aq] also möchten gesegnet seyn/ damit zu grossem Ruhme Ihrer [aq]Familie[/aq] durch Dieselbe dereinst zuföderst Gottes Ehre/ der noch lebenden hohen Eltern ihre Frede/ vieler frommer Christen Wohlfarth und nach GOttes Willen auch grosser Herrn und dero Lande Auffnahm möge befördert werden.[634][aq]§. 3[/aq]. Ob nun wol nicht einem iedweden GOtt solche Gaben verliehen/ daß er [S entweder vorbeniemten die Wage halten oder doch geringern nichts zuvorgeben möchte/ so verbindet doch gleichwohl die Liebe zu seinem Vaterlande und der nothwendige Gebrauch der Mutter-Sprache männiglich/ daß er sich darinne vor andern übe/ und sie der Ausländer/ sonst wohl nützlichen/ uns aber nicht allemahl so gar nöthigen Sprachen/ vorziehe.][635]Gott gebe/ daß auch diese geringe Sache zu seiner Ehre und der [aq]studirenden[/aq] Jugend zu Nutz gereiche![636]Denn was sonst noch übrig ist/ wird nach GOttes Willen ins künfftige in einem andern Werckgen dargestellet werden.[637]so hat sich meine liebe Mutter/ der ichs noch in der Erde nachzurühmen weiß/ nebst der damahls noch lebenden Groß-Mutter/ äusserst bemühet/ damit wir GOtt zu Ehren und andern Leuthen zu Nutz möchten aufferzogen werden.[638]Nach selbiger Zeit wiese mir GOtt Gelegenheit in Sondershausen/ in die zwey Jahr mein Hinkommen zu erlangen/[639]Massen mein Bruder/ der jetzo in der Marck der Gemeinde Christi zu Friedersdorff/ als Seel-Sorger/ fürgestellet ist/ mir nicht alleine in Greussen in [S Bedienung der Gelegenheit fast eben so lange gefolget/ sondern auch meine Mutter hat bey erwehnter Stadt solche Gunst verspühret/ (massen sie auch ihres Wandels wegen darinne nicht unbekandt gewesen) daß sie ihr die daselbst blühende Jugend Weibliches Geschlechts zur Auffsicht und Unterricht/ sowohl in der Gottesfurcht als andern ihnen anständigen Dingen anvertrauen wollen. Ja nach ihrem Hintritt hat auch die Schwester/ die sich bißher bey ihr auffgehalten und gleicher Gewogenheit mit genossen/ die entledigte Stelle vertreten müssen/ biß ihr GOtt anders Ortes eine nicht unanständige Heyrath und gleiche Verrichtung auffgetragen. ¶ In Erwegung dieses meines Schicksals pflege ich nicht wenig zu gedencken/ wie mir der liebe GOtt gleichsam ein dreyfaches Vaterland verliehen/][640]Ich wünsche/ nebst Uberreichung dieses/ daß der grund-gütige GOtt mit allem Segen so wohl über das gantze hohe Schwartzburgische Hauß/ als insonderheit über Dero hohe Eltern walten wolle/ auch Eure Hoch-Gräfliche Gnaden Denenselben zum Preise und dem gantzen Römischen Reiche zum sonderbaren Nutz wolle lassen auffwachsen. [S Werde auch nicht ablassen/ vor Ihr und Ihres Hohen Hauses Wohl iederzeit den Höchsten anzuflehen/ dessen Schutz ich Sie auch hiermit befehle.][641][aq]§. 5[/aq]. GOtt der Ursprung alles guten gebe nach seiner in unserm Heylande sich gründenden Gnade/ daß solches der studirenden Jugend zum besten und seinem Nahmen zu ewigen Ehren gereichen möge. Amen![642]Und ob ich mich wohl nicht unterstehe einen Meister in solcher Wissenschafft zu rühmen/ so deucht mir doch ich werde nicht unrecht thun/ wenn ich meinen Untergebenen/ üm deren willen ich meistentheils schreibe/ den Anfang des Weges/ welchen ein Künstler hierinne zu gehen hat/ gleichsam nur von ferne zeige/ ihrem Glück aber und Fleisse/ nebst GOttes Seegen zuförderst/ überlasse/ ob sie den Gipfel des Vorsatzes hierdurch ersteigen und zur Vollkommenheit endlich gelangen werden/ darzu ich bißher gekommen zu seyn weder erachten kan noch wil.[643]GOtt gebe/ daß auch dieses nicht ohne Frucht abgehe.[644]Und daher meinet oben angezogener [aq]Casaubonus[/aq], sie habe von solchen Schüsseln den Nahmen bekommen/ schreibet auch eben um solcher Ursachen willen nicht [aq]Satyra[/aq], sondern [aq]Satura[/aq]. ¶ [aq](a) Satura, an â carminis rerumque varietate; an â Satura, lance, quae referta multis variisque primitiis Diis olim in Sacrificiis offerabantur; an à lege Saturâ, quae uno rogatu simul multa complectebatur; an à Satyris quod in hoc genere carminis res ridiculae pudendaeque scriberentur; an ab Hebraico [griech., â latendo, quod rarò in conspectum hominum veniret; schreibt von der Etymologia des Wortes Hofmannus in Lexic. universali part. 2[/aq]. […] ¶ [aq]§. 2[/aq]. Es sind aber die [aq]Satyri/[/aq] wie gedachter [aq]Rappolt[/aq] in seinem [aq]Commentario p. m. 1287[/aq]. anzeucht/ nicht einerley/ sondern/ wie er daselbst erweiset/ dreyerley. Etliche nennet er Natürliche. Und das sind nichts anders als von GOtt erschaffene Thiere/ die wie ein auffgerichter Bock gestalt seyn/ von welchen er/ wie er berichtet/ [aq]Anno 1666[/aq]. eine gantze [aq]Disputation[/aq] geschrieben. [...][S][...] Etliche nennet er [Plinius, J.T.] Sathanische/ nehmlich die Feld-Götter der Heiden/ welche sich in eines natürlichen [aq]Satyri[/aq] Gestalt/ als die den Sathan am meisten beliebte/ meistentheils sehen liessen. Und ist darunter der vornehmste der [aq]Pan[/aq] oder [aq]Faunus[/aq]. Er wurde aber unter die schädlichen Götter mit gerechnet [...]. Ist auch wohl kein Zweiffel/ daß eben der Satan offt der natürlichen Satyren gemißbrauchet hat/ sich in dieselbe verkapt/ und aus ihnen/ wie vormahl zu Even aus der Schlange/ geredt. Wie denn der heilige [aq]Hieronymus[/aq] in dem Leben des [aq]Pauli Eremitae[/aq] eines sonderlichen [aq]Satyri[/aq] gedencket/ den der heilige [aq]Antonius[/aq] soll in einem Thale liegend angetroffen und mit ihm geredt haben/ welcher hat vorgeben dürffen/ daß er ein Abgesandter von seiner Art wäre den heiligen [aq]Antonium[/aq] zu bitten/ daß er sie bey GOtt möchte verbitten helfen/ der der Welt zu gute kommen wäre.][645]Des Hochgebohrnen Grafen und HERRN/ Hn. Christian Wilhelms zu Sondershausen/ [... Vielgeliebten jüngerem Sohne/ Herrn Günthern/ [...] Meinem Gnädigen Grafen und Herrn/ Wünsche ich von GOTT dem Höchsten Glück und Heyl!][646]Des Hochgebohrnen Grafen und HERRN/ Hn. Christian Wilhelms zu Sondershausen/ [... Vielgeliebten jüngerem Sohne/ Herrn Günthern/ [...] Meinem Gnädigen Grafen und Herrn/ Wünsche ich von GOTT dem Höchsten Glück und Heyl!][647][aq]Unam autem Actionem voco, quae licet physicè diversa sit, ethice tamen eundem finem exitumque spectat. v. g. Josaphati à gentili vita ad Christianam Religiosamque transitus: ad quem caetera Barlaam etiam & Abenneri gesta, tanquam Adjuncta, episodice referuntur. Cui nihil obstat, etiamsi finis Dramatis unius cum alterius infelicitate connectatur. Masen. Lib. II. Poes. Dram. cap. 2[/aq].[648][aq]§. 6[/aq]. Der Endzweck solcher [aq]Romaine[/aq] ist/ daß man dem Leser mit der Lust zugleich allerhand nützliche Sachen beybringe. Daher kan man/ zum Exempel/ aus des klugen [aq]Barclai Argenide[/aq] ersehen/ was bey Hofe [aq]passiret[/aq]; Aus der Englischen [aq]Arcadia[/aq], worinne die wahre Tugend bestehe; der deutsche [aq]Hercules[/aq], als der erste Christliche Roman/ führet einen Heiden von dem Götzendienste des wahren GOttes; andere haben ein anderes Absehen. Nebst diesem aber werden iederzeit die Tugenden gelobt und die Laster gescholten.[649]Der Auctor des [aq]Herculiscus[/aq] sucht die Gottesfurcht mit seinen Schrifften ein zu blauen. Und ist [S wahr/ er ist nicht unglücklich darinnen. Massen ich selbst manchmal/ als ich meinen jüngern Jahren es einmahl durch gelesen/ nicht ohne Erregung heiliger Andacht auch manchmal nicht ohne Tränen das Buch gelesen.][650]Ich solte einen verstorbenen Prediger ein Leichen-Gedichte auffsetzen/ so geben mir die Umstände dieses an die Hand/ daß ich ihn nennete: Den treuen Knecht. Dieser Tittel zeigt ein [aq]thema simplex[/aq] an/ ich kan auch denselben gar wohl zum Tittel meines Gedichtes behalten und doch ein [aq]thema compositum[/aq] ausarbeiten/ als etwan folgendes: Dieser Verstorbene ist ein treuer Knecht Gottes gewesen.[651]Als: [aq]Anno 1686[/aq]. den [aq]20. Febr[/aq]. ist Herr [aq]D[/aq]. Gottfried [aq]OLEARIUS[/aq], weyland wohlverdienter [aq]Superintendens[/aq] allhier zu Halle/ seelig verstorben/ wenn ich nun ihm ein Leich-Gedichte zu Ehren hätte auffsetzen sollen; so were dasjenige/ worauff das Gedichte zuverfertigen gewesen/ das Absterben des seel. Mannes. Hierbey müsse ich nur durch die Umstände gehen/ und fragen zu erst: ¶ [aq]1[aq]. WER ist gestorben? Nemlich: Ein Gottfried; ein [aq]OLEARIUS[/aq]; ein [aq]Doctor Theologiae[/aq]; [S [aq]ein Superintendens[/aq]; ein Lehrer/ der [aq]51[/aq]. Jahr im Predigamt gewesen; ein [aq]Presbyter[/aq] aller [aq]Theologorum[/aq] in Teutschland/ ein Diener Christi etc. ¶ […] ¶ [aq]3[/aq]. WO ist er gestorben? zu Halle in Sachsen; in der daselbst befindlichen [aq]Superindentur[/aq]; im Saal-Refier etc. ¶ [aq]4. Quibus auxiliis[/aq]? durch wessen Beystand? Durch GOTTES der ihn aufgelöset? der Engel/ die ihn begleitet; der streitenden Kirche/ die ihr Gebet vor ihn abgeleget etc. ¶ [aq]5. Cur[/aq]? Warum? Daß er die Last ablegte; das Creutz loß würde; seinen Heiland sehe; ewig seelig würde etc. ¶ [aq]6. Quomodo[/aq]? Wie? sanfft; in beyseyn der Seinigen; mit zusammen gehobenen Händen; unter dem Gebeth der Seinigen etc.][652][aq]§. 7[/aq]. Ich wil bey dieser Regel Voriges Exempel von den seel. Herrn [aq]D. OLEARIO[/aq] wieder durchlauffen und meine Gedancken an demselben erkären/ damit es um so viel desto eher gefaßt werden könne. Nehme ich demnach den Umstand: WER? Vor mich/ finde ich erst: Den Nahmen Gottfried. Ich setze nachfolgende [aq]epitheta[/aq] hierzu: Der Friedliebende/ der in GOtt befriedigte/ der Unfriedhassende/ der Gottliebende etc. Ein iedes unter diesen/ wenn es mit dem Nahmen selbst vereinbahret wird/ gibt mir ein [aq]Thema[/aq]. Denn da kan ich vorstellen: Den friedliebenden Gottfried; den in Gott befriedigten Gottfried; den unfriedhassenden Gottfried; den gottliebenden Gottfried. [... Weiter ([aq]3[/aq]) find ich daß er ist [aq]DOCTOR THEOLOGIAE[/aq]; ich setzte darzu [S] der Grundgelehrte/ Rechtlehrende/ Rechtberühmte etc. Ich finde ([aq]4[/aq]) daß er ist [aq]SUPERINTENDENS[/aq] ich setze darzu: Der Wachsame/ Sorgfältige/ Vernünfftige/ mit seinen Exempel Vorleuchtende etc. Ich finde ([aq]5[/aq]) daß er ist ein Prediger. Ich setze darzu: Der Eyfrige/ Muthige/ Freudige/ Durchdringliche etc. Ich finde ([aq]6[/aq]) daß er ist Pastor, ein Hirte. Ich setze darzu: Der Wolmeinende/ Treue/ Wohlwartende etc. Ich finde ([aq]7[/aq]) daß er ist [aq]Theologorum Lutheranorum Presbyter[/aq], der älteste unter den berühmten Lutherischen [aq]Theologen[/aq]. Ich setze darzu: Der Wohlversuchte/ Wohlerfahrne [aq]presbyter &c[/aq]. Ich finde (8) daß er ist ein Diener Christi. Ich setze darzu: Der Treue/ Anständige/ Wohlbelohnte/ Wohlversorgte etc. zugeschweigen anderer Ehren-Titul welche Lehrern und Predigern zukommen/ die alle mit ihren [aq]epithetis[/aq] können ausgeschmücket werden.][653]Es ist ([aq]2[/aq]) da [in Halle, J.T./ die [aq]SUPERINTENTUR[/aq]. Ich setze hinzu: die ausgeleerte/ ausgeräumte/ zerfallene/ zerrissene/ entblöste [aq]&c[/aq].][654]Es kömmt auch der vierdte Umstand: [aq]Quibus auxiliis[/aq] durch wessen Beyhülffe? da findet sich ([aq]1[/aq]) GOTT. So viel ich demselben nun [aq]epitheta[/aq] kan beylegen/ welche dessen Verrichtung bey diesen Sterben anzeigen/ so viel neue [aq]themata[/aq] geben si[unleserlich, J.T. an. Als ich nenne Ihn: den Hülffreichen/ Wohlführenden/ aus diesem Elend reissenden/ Allmächtigen/ Gnädigen/ Wohllohnenden etc. Zum (2) finden sich die Engel. Ich setze hinzu: die Geschäfftige/ Auffwartende/ Bedienende/ Fröliche/ Empfangende &c. Zum (3) findet sich die streitende Kirche. Ich setze hinzu: die Betende/ zum ewigen Leben Gebehrende/ Nachruffende &c. Zum (4) die Triumphirende Kirche. Ich setze hinzu: die Erfreuete/ Glückwünschende/ Vermehrte &c. ¶ Ferner kömmt der Umstand [aq]CUR[/aq]? WARUM? da findet sich (1) die Last. Ich setze hinzu: die Abgelegte/ Abgenommene/ Verwechselte. (2) das Creutz. Ich setze hinzu: das Uberstandene/ Uberwundene &c. (3) das Sehen GOttes. Ich setze hinzu: das Seelige/ Himmlische/ Ewige/ Fröliche [aq]&c[/aq]. (4) das Seeligseyn oder die Seeligkeit. Ich setze hinzu: die Erlangte/ Ewigwehrende/ Mitgetheilte &c.][655]Ich nenne es: die eröffneten/ erleuchteten/ himmelschauende Augen [aq]&c[/aq]. die bethenden/ die vom Heyland ergreiffende Hände [aq]&c[/aq].[656]Ich nenne es: einen betrübten/ finstern/ unangenehmen Morgen; oder auch wohl einen seeligen/ den Engeln gewünschten/ der Triumphirenden Kirchen erfreulichen/ einen längst verlangten Morgen. [... Er ist gestorben ([aq]4[/aq]) am Tage. Ich nenne ihn: den rechtlichten/ den von aller Finsterniß gereinigten/ den schönen/ seeligen Tag [aq]&c[/aq].][657][aq]§. 8[/aq]. Damit es aber desto deutlicher werde/ wil ich noch ein Exempel/ und zwar aus der Bibel/ hinsetzen/ damit man nicht meine/ solche Erfindung gehe allein in weltliche Sachen an. Als: Ich solte ein Gedicht auf Ostern verfertigen/ alwo von der Aufferstehung Jesu Christi geprediget wird. So ist nun das [aq]factum[/aq] oder die Sache/ davon ich das Gedichte verfertigen sol/ die Aufferstehung Christi. So frag ich demnach ¶ ([aq]1[/aq]) Wer ist aufferstanden? Und antworte: Es ist ([aq]a[/aq]) JEsus ([aq]b[/aq]) Christus/ ([aq]c[/aq]) Gottes und Marien Sohn/ ([aq]d[/aq]) der Welt Heyland [aq]&c[/aq]. ¶ ([aq]2[/aq]) Was hat er gethan? Er ist von den Todten erstanden. ¶ ([aq]3[/aq]) Wo denn? Im Jüdischen Lande/ im Garten/ in seinem felsichten Grabe. ¶ ([aq]4[/aq]) Durch wessen Beyhülffe? Gottes des Vaters/ und des heiligen Geistes. Die Engel aber haben es verkündiget. [S ¶ ([aq]5[/aq]) Warum denn? daß er wisse ([aq]a[/aq]) Er sey Sieger/ ([aq]b[/aq]) Er habe der Hölle ihre Macht zerstöret. ([aq]c[/aq]) Tod und Leben sey in seiner Hand ([aq]d[/aq]) die Sünde sey getilget. ([aq]e[/aq]) Gott und dessen Gerechtigkeit sey genug geschehen [aq]&c[/aq]. ¶ ([aq]6[/aq]) WIE? ([aq]a[/aq]) mächtig/ ([aq]b[/aq]) prächtig/ ([aq]c[/aq]) sieghafft (siegreich) [aq]&c[/aq]. ¶ ([aq]7[/aq]) WENN? nach Mitternacht/ gegen morgen/ vor Auffgang der Sonnen. ¶ Diese Umstände nehme ich nun vor und setze zu jedem wiederum anständige und feine [aq]epitheta[/aq], so hab ich abermahl Erfindungen genug. ¶ [aq]§. 9[/aq]. Als bey dem ersten Umstande: WER? findet sich zu allererst ([aq]1[/aq]) der Nahme JEsus/ welcher heist ein Heyland. Ich setze darzu: der Heylbringende/ der mächtig Erwiesene/ der Erfreuende/ der Allgemeine [aq]&c[/aq]. ([aq]2[/aq]) Der Nahme CHRISTUS/ welcher heist ein Gesalbter. Ich setze darzu: der Kräfftig-Gesalbte/ der Ungesalbte Gesalbte [denn er war auferstanden/ ehe sie ihn mit Spezereyen salben kunten/) der durch di gantze Welt wohlriechende Gesalbte [aq]&c[/aq]. ([aq]3[/aq]) GOTTES Sohn. Ich setze hinzu: der Allmächtige/ der Triumphirende [aq]&c[/aq]. ([aq]4[/aq]) Marien Sohn. Ich setze darzu: der in Göttlicher Gestalt erschienene/ der über Marien Sohn Erwiesene [aq]&c[/aq]. ([aq]5[/aq]) der Welt Heyland Ich setze darzu: der Siegende/ der aus dem Gefängniß Hervorgehende [aq]&c[/aq]. [S] ¶ Bey dem andern Umstande ist die Aufferstehung. Ich setze hinzu: die Mächtige/ Tröstliche/ Lebendigmachende/ Seeligmachende [aq]&c[/aq]. ¶ Bey dem dritten Umstande Wo? ist ([aq]1[/aq]) das Jüdische Land. Ich nenne es: das mit neuen Leben erfreute/ das fröliche/ das siegreiche/ das glückseelige Land. ([aq]2[/aq]) der Garten. Ich nenne ihn: den verjungten/ mit neuen Bluhmen ausgezierten/ den lebhafften Garten [aq]&c[/aq]. ([aq]3[/aq]) das Grab. Ich nenne es: das unvergleichliche/ das rechte verneute/ das Lebenvolle Grab [aq]&c[/aq]. ¶ Bey dem vierdten Umstande kömt vor ([aq]1[/aq]) GOTT der Vater. Ich nenne ihn: den Liebreichen/ Wunderthätigen/ Errettenden/ Versöhnten [aq]&c[aq]. ([aq]2[/aq]) der H. Geist. Ich nenne ihn: den Lebendigmachenden/ den Hülff-reichen ([aq]3[/aq]) die Engel. Ich nenne sie: die Erfreuten/ die üm die Betrübten Geschäfftigen [aq]&c[/aq]. ¶ Bey dem fünfften Umstande komt vor ([aq]1[/aq]) daß Er sey Sieger. Ich nenne ihn: den mächtigen/ den siegreichen/ den ewigen Sieger [aq]&c[/aq]. ([aq]2[/aq]) die Hölle. Ich nenne sie: die Uberwundene/ die Zerstörte/ die zerissene [aq]&c[/aq]. ([aq]3[/aq]) die Macht der Hölle. Ich nenne sie: die Unmächtige/ die durch mächtige-[S]re Macht überwundene [aq]&c[/aq]. ([aq]4[/aq]) der Todt. Ich nenne ihn: den getödteten Tod/ den todten Tod [aq]&c[/aq]. ([aq]5[/aq]) das Leben. Ich nenne es: das erwiesene Leben/ das lebhaffte/ das genommene [aq]&c[/aq]. ([aq]6[/aq]) Die Sünde. Ich nenne sie: die nicht sündige Sünde ([aq]propter non imputationem[/aq],) die getilgte/ die überwiegte ([aq]7[/aq]) die Gerechtigkeit GOttes. Ich nenne sie: die entrechtete Gerechtigkeit GOttes/ die Rach-vergnügte Gerechtigkeit Gottes.][658]Als wenn ein gelehrter Mann ein Bräutigam ist und Hochzeit machet/ und ich wil ihm zu Ehren ein Gedichte auffsetzen/ so kommt aus dem Umstand: Wer? unter andern etwa heraus: der rechtweise Juriste/ oder [aq]Theolog. &c[/aq].[659][aq]§. 12[/aq]. Also könte der Herr JESUS ad [aq]§. 8[/aq]. genennt werden: Das friedbringende Täubgen/ [aq]ad similitudinem columbae Noachicae[/aq]; oder die Sonne der Gerechtigkeit [aq]ex Malach. 4. v. 2[/aq]. Wozu denn leicht hernach neue [aq]epitheta[/aq] können gesetzt werden. ¶ Die Aufferstehung könte genennet werden: ein Auffgang der Sonne/ eine kräfftige Uberwindung/ ein Triumph. ¶ Das Jüdische Land könte genennet [S werden: Das Auge der Welt; der Edelgestein im Ringe &c. Den Garten könte man nennen: Das neue Paradieß. Das Grab nennte man etwan: den Kercker [aq]&c[/aq].][660]Als ich könte den Tod/ wenn ein Geistlicher gestorben/ nennen: einen Kirchen-Räuber;[661][aq]§. 21[/aq]. Aber ich bleibe wieder bey dem Tod des seel. Herrn [aq]D[/aq]. Gottfried [aq]Olearii[/aq] unsers vormahligen Hochverdienten [aq]Superintendentis[/aq]. [... Wenn ich bedencke das [aq]QUIS[/aq] oder Wer gestorben? so ists ein wohlverdienter [aq]Superintendente[/aq]. Dabey kriege ich Gelegenheit zu sagen: Geistliche sind nicht von allem frey/ zum wenigsten nicht vorm Tode;][662]Als ich könte bey dem Absterben des seel. [aq]Olearii[/aq] sagen: Der Tod ist unverschämt; darüm reist er auch die Frommen hin; insonderheit aber müssen ihm auch treue Lehrer und Wächter herhalten; wir betrüben uns billich darüber; doch freuen wir uns auch/ wenn wir ihre Seeligkeit bedencken; Wünschen daher den seelig Verstorbenen Glück in der Ruhe/ haben auch die gute Hoffnung sie bald wieder zu schauen. Das sind sieben unterschiedliche [aq]propositiones[/aq], die alle in einem [aq]Carmine[/aq] können ausgearbeitet werden/ deren die [aq]3[/aq]. und [aq]6[/aq]. insonderheit mit des seel. [aq]Olearii[/aq] Exempel erlautert werden kan.[663][aq]§. 23[/aq]. Als daß ich abermahl bey dem seel. Tode des Herrn [aq]Superintendenten[/aq] [aq]Olearii[/aq] bleibe/ so hätte ich den seelig Verstorbenen anmahnen können sich zu freuen/ weil er nunmehr die Seeligkeit erlanget; der Welt zuvergessen/ weil sie voller Angst; seinen Gott zupreisen/ als den er nun von Angesicht schaue [aq]&c[/aq]. [... Die Seeligkeit könte ich anmahnen/ den Verblichenen in ihren Schoß auffzunehmen/ weil er durch des Lammes Bluth gereinigt [aq]&c[/aq].][664]So könte ich von dem seel. [aq]Oleario[/aq] sagen: Du thust recht/ daß du dich deiner Seeligkeit freuest/ [aq]ô Oleari[/aq]; daß du der Welt vergissest; daß du deinen Schöpffer preisest; Von dem Leidtragenden: Ihr thuh nicht unbillich/ daß ihr euch betrübt [aq]&c[/aq].[665][aq]IV[/aq]. Durch wessen Beyhülffe oder Fügung? [aq]Resp[/aq]. ([aq]1[/aq]) durch Gottes Schickung/ der dieses Paar zusammen gebracht. [[aq]2[/aq] der H. Engel/ die sich darbey gefreuet und geschäfftig erwiesen. [[aq]3[/aq]] der lieben Eltern/ insonderheit des Herrn Vaters der Jungf. Braut/ der seine älteste Tochter versorgen wollen. [aq]&c[/aq]. ¶ [aq]V[/aq]. WARUM? Dahin gehören nun erstlich die [aq]causae finales[/aq] oder End-Ursachen/ darunter ([aq]1[/aq]) daß sie die Welt vermehren. ([aq]2[/aq]) Die Kirche Gottes allhier erbauen ([aq]3[/aq]) den Himmel dermahl-[S]eins füllen helffen [...] [[aq]11[/aq]] Gottes Schickung nicht verachteten. [[aq]12[/aq]] Sich dem Befehl Gottes Gehorsam unterwürffen [aq]&c[/aq].][666][aq]I[/aq]. Die Schickung Gottes. Und zwar so ([aq]1[/aq]) da dieselbe nach ihrem wunderlichen Begebnissen/ sonderlich in Liebes-Sachen/ beschrieben wird. ([aq]2[/aq]) daß sie sonderlich mit gegenwärtiger Heyrath erläutert wird. ([aq]3[/aq]) wird daher geschlossen/ daß Gott noch weiter mit seiner Schickung auch ins künfftige bey ihnen seyn werde. ([aq]4[/aq]) wird mit einem Wunsche beschlossen. ¶ [aq]II[/aq]. Der Engelgeschäffte. Und zwar ([aq]1[/aq]) wird derselben Geschäfftigkeit und Thätigkeit bey frommen Braut und Bräutigam beschrieben. ([aq]2[/aq]) wirds insonderheit vermuthet/ daß sie sich auch allhier werden geschäfftig erweisen. ([aq]3[/aq]) wird daraus die Glückseeligkeit der Heyrath geschlossen und zum Voraus beschrieben. ([aq]4[/aq]) wird mit einem Wunsch beschlossen. ¶ [aq]III[/aq]. Der Braut Herr Vater. [... ([aq]3[/aq]) wird Gottes Schicksal und Beystand dabey gewiesen.][667][aq]I[/aq]. Der Welt Vermehrung. Und zwar also/ daß ich ([aq]1[/aq]) die Vermehrung der Menschen beschreibe/ wie sie durch Gottes Seegen allenthalben geschiehet ([aq]2[/aq]) die Güthe GOttes/ die sich hierdurch spühren läst/ herausstreiche. [[aq]3[/aq] die jenigen lobe/ die den Trieb der Natur (den ich auch beschreiben kan) nicht verachten. […] ¶ [aq]II[/aq]. Der Kirchen Gottes Erbauung. Da man denn sagen kan ([aq]1[/aq]) Es werde durch den Ehstand auch GOttes Kirche erbauet. ([aq]2[/aq]) wird die Glückseeligkeit derer/ die Gottes Kirche erbauen/ beschrieben. […] ¶ [aq]III[/aq]. Die Erfüllung des Himmels. Dabey kan gesagt werden ([aq]1[/aq]) daß es ein grosses sey/ Gott den Himmel vermehren. ([aq]2[/aq]) daß solches Glück fromme Ehleute zu hoffen hätten ([aq]3[/aq]) kan die Glückseeligkeit des Himmels und daher des Ehstandes/ der auff den Himmel sein Absehen hat/ vorgestellet werden.][668][aq]VII[/aq]. Die besiegte Wollust. Dabey beschreibt man ([aq]1[/aq]) wie leicht es geschehen könne/ daß der Mensch die Wollust sich überwinden liesse. ([aq]2[/aq]) wird die beste Verwahrung davor/ der Ehstand [aq]recommandiret[/aq]/ und dessen Krafft wieder die Wollust beschrieben. [... ([aq]4[/aq]) wird ihnen Glück darzu gewünschet/ und dabey erwehnt/ wie sie einst in ewiger Crone der Keuschheit prangen werden. ¶ [aq]VIII[/aq]. Die Ehrliebende Ergetzung. Dabey zu erwehnen [...] ([aq]3[/aq]) daß diese Ergetzung nicht nur zu-[S]läßig/ sondern auch von Gott befohlen.][669][aq]X[/aq]. Die Liebe. Dabey wird [... [aq]3[/aq]. demselben deswegen Glück gewünscht und dabey gebethen/ Gott möchte dieselbe erhalten und vermehren. ¶ [aq]XI[/aq]. Der erwiesene Gehorsam gegen den Befehl GOttes. Dabey kan man sagen [aq]1[/aq]. gegenwärtiges Paar habe Gottes Befehl in acht genommen/ da er den Ehstand eingesetzt.][670]Das er ist [aq]Sacerdos Justitiae[/aq] (denn so werden insgemein die Juristen ehrendwegen beniemet.)[671]Bey em vierdten Umstande findet sich [aq]1[/aq]. Das Geschicke GOTTES. Ich [S nenne es: das Wundersame/ das Liebreiche/ das Gute/ das erfreuliche [aq]&c. 2[/aq]. Der Engel Beyhülffe.][672]Bey dem fünfften Umstande findet sich [... [aq]2[/aq]. Der Kirchen Gottes Erbauung. Ich nenne sie: die den Christen Anständige [aq]&c. 3[/aq]. Die Erfüllung des Himmels Ich nenne sie die seelige/ Ewig erfreuende [aq]&c[/aq]. [...] [aq]5[/aq]. Die Ehliche Vertrauligkeit. Ich nenne sie: die Liebreiche/ die Vergnügende/ eine den himmlischen Vorschmack reichende [aq]&c[/aq].][673]Vermiedene Wollust/ oder die Vermeidung der Wollust. Ich setze darzu: die Sichere/ die durch GOttes Beystand Geschehene/ die Ehrliebende/ die Ergetzende [aq]&c. 9[/aq]. Die Ergetzung. Ich setze darzu: die Reine/ Keusche/ halb himmlische [aq]&c[/aq].[674]Bey dem sechsten Umstande findet sich [... [aq]3[/aq]. Die Vergnügung. Ich nenne sie: die von GOtt erbetene/ Gewünschte/ Unverhofft-Beschehrte [aq]&c[/aq].][675]So beschreibe ich [... [aq]2[/aq]. zeige ich dabey an/ wie ihnen solche [Hochzeit, J.T.] von GOtt gegönnet sey.][676][aq]2[/aq]. erweise ich sie daher: Gott führet [S euch hiermit von neuen in das Paradiß. [aq]3[/aq]. bekräfftige ich solches durch die Beschreibung des lieblichen Zustandes einer Vertrauten Ehe/ der nicht unbillich mit dem Paradiese verglichen wird. [...] Endlich [aq]5[/aq]. bitte ich zu Gott/ daß er dergleichen herrlichen Zustand ihnen stets wolle geniessen lassen etc.][677][aq]4[/aq]. wünschet man ihnen Glück und bittet/ daß ihnen Gott noch weiter alles Gewünschte verleihen wolle.[678][aq]5[/aq]. wird gewünscht/ Gott wolle ferner dessen Fürsicht segnen/ und auch den neuen Ehleuten beystehen.[679][aq]4[/aq]. wünsche ich Glück und göttlichen Seegen.[680][aq]4[/aq]. wünsche ich ihnen alhier die Crone zeitlichen Seegens/ und dort des ewigen Lebens.[681]Die Vereinigung nenne ich eine Feste/ Vertrauliche/ recht Göttliche [aq]&c[/aq].[682][aq]3[/aq]. wünsche ich den Vereinigten Glück und bitte/ Gott wolle sie fein einig erhalten.[683][aq]2[/aq]. kan ich solche erweisen durch Beschreibung derjenigen Bezeugung/ die man an frommen Ehgatten findet. [aq]3[/aq]. kan ich sagen/ daß sie dadurch vielen Frommen ein löblich Exempel geben würden. [... [S] ¶ [aq]III[/aq]. Eine recht Göttliche. So stelle ich demnach vor: die recht Göttliche Vereinigung. Will ich nun dieselbe Materie vortragen ¶ Als ein [aq]thema simplex[/aq], so beschreibe ich [aq]1[/aq]. die Unvermuthete Schickung GOttes/ so sich bey ihrer Verbindung hat blicken lassen. [aq]2[/aq]. beschreibe ich auch die künfftige göttliche [aq]direction[/aq], so weiter über die halten wird. […] ¶ Als ein [aq]thema compositum[/aq] aber solches vorzustellen/ so sage ich [aq]1[/aq]. Es ist ausser Zweiffel ihre ehliche Verbindung aus göttlichen Triebe geschehen. [...] [g] weil sie nichts als göttliches zum Zweck haben [aq]&c. 3[/aq]. wird daraus noch weiter Gottes Gnade gegen sie versichert.][684][aq]§. 49[/aq]. Ich könte aber an diesem Orte den Herrn Bräutigam nennen: Den andern Sohn des seeligen [aq]Rector[/aq] Bergers. (Denn er ist der andere/ ob er wohl der älteste von den noch ietzt lebenden ist.) [... Die Schickung GOttes kan ich nennen: Gottes Regierung etc.][685]Als ich könte den andern Sohn des seeligen Bergers/ die Vermählung dieses Paares/ die Chur-Fürstl. Residentz-Stadt/ GOttes Regierung [aq]&c[/aq]. vortragen.[686][aq]§. 51[/aq]. Als wenn ich etwa den andern Sohn des seeligen Bergers vorstellen wolte [... [S] [...] [aq]1[/aq]. der andere Sohn des seel. Bergers were der erste worden. [aq]2[/aq]. Die [aq]ratio[/aq] were etwan/ weil der erste Bruder ihm nicht alleine durch zeitlichen Tod gewichen/ sondern weil er auch in dieser Welt mehr Ehre und Freude/ als jener/ erlanget. [...] [aq]4[/aq]. wünsche ich/ daß GOtt ihn nebst seiner Liebsten noch weiter ehren und erfreuen wolle [aq]&c[/aq].][687]oder den gesegneten Wunsch/[688]Von dem Herrn Bräutigam/ der zu dem ersten Umstand gehöret/ ist mit dieses bewust/ daß er von Jugend auf nicht nur ein fähigen und [S feurigen Verstand gehabt und fleißig studiret/ sondern daß ihm auch/ gleich wie andern seinen Geschwistern/ sein seeliger Vater noch auff seinem Tod-Bette einen sonderlichen Seegen gegeben/ der in diesem seinen Glücke nicht wenig zugetroffen; weiter/ daß es ihm in seinen Academicis studiis anfänglich wunderlich gegangen/ biß er sie zu solchem Stande gebracht/ davor er Gott zu dancken.][689]Oder: Die Hochzeit ist der Verliebten himmlische Vorkost;[690]GOtt wirds auch erhören und ihm alles gutes geben [aq]&c[/aq].[691]ch kan die Schickung des Höchsten anreden/ sie wolle das angefan-[Sgene gute Werck zu völligem Stande bringen. Die Gesellschafft der heiligen Engel/ sie wolle sich noch weiter geschäfftig erweisen;][692]die schnöde Wollust/ sie solle betrübet seyn/ als die nun abermahl überwunden worden;[693]Nach dem [aq]Alphabeto Cabalico Vulgari[/aq] hält das Wörtgen Braut in sich [aq]293[/aq]. weil nun eben die Zahl nach eben dem [aq]Alphabete[/aq] steckt in den Worten: O ein Rath![694][aq]V[/aq]. WARUM? Weil ihr Sohn Hochzeit hat; (ist allhier die [aq]causa impulsiva[/aq];) daß sie ihr mütterliches Hertz an den Tag lege; daß sie üm so viel desto eiffriger Gott dancke [aq]&c[/aq]. [ist also die [aq]causa finalis[/aq]. ¶ [aq]VI[/aq]. WIE? Aus treuem Gemüthe/ mit Thränen/ mit beygefügten mütterlichem Gebethe und Seegen [aq]&c[/aq].][695]Als ich wil alleine die Mutter-Freude hier vornehmen/ die kan ich nennen: die Unverfälschte/ Seegen-bringende den Sohn Erfreuende/ Hertzbewegliche [aq]&c[/aq].[696]Als droben C. [aq]2. S. 9[/aq]. mache ich aus den Worte: der heylbringende Jesus/ nachfolgende [aq]Enunciation[/aq]: JEsus bringet Heyl/ und zwar [wie es in dieser Materie zu [aq]restringiren[/aq] ist durch seine Aufferstehung. Dieses ist hernach ein [aq]thema compositum[/aq], muß auch/ wenn es so [aq]formiret[/aq] ist/ als ein [aq]thema compositum[/aq] ausgearbeitet werden. Wenn ich aber den HErrn JEsum beschreibe nach seiner Aufferstehung/ und zwar also/ daß das Heyl daraus zuentstehen pfleget/ so ist es als ein [aq]thema simplex[/aq] ausgearbeitet/ und doch eben die Materie behalten.][697]Denn/ wenn ich zum Exemple den heylbringenden JEsus beschreibe/ so ist es ein [aq]thema simplex[/aq], nehme ich aber diese [aq]proposition[/aq]: JEsus bringet Heyl;[698]Als wenn ich wolte die Aufferstehung des HErrn Christi beschreiben/ könte es etwan auff folgende Art geschehen/ worinne die meisten Umstände ausgedrucket seyn. ¶ Die Aufferstehung Christi. ¶ [G: [aq]quando?[/aq] Die Zeit/ da Mitternacht auff ihrer Wache stehet/][699]Ich wil alhier den Lebenslauff meiner seel. Mutter Christiana Rothin/ aus schuldigen Andencken mit beysetzen/ welche Anno [aq]1634[/aq]. den [aq]31. Decembr[/aq]. zu Tieffensee/ in Meissen gelegen/ zur Welt gebohren worden; Ihr Vater ist gewesen [aq]Tit[/aq]. Herr Andreas Dörffler/ erst [aq]Rector[/aq] der Schulen zu Radeberg: Dann [S Pfarr zu Tieffensee in der Haupt-Kirchen und dem dabey befindlichen [aq]filiale[/aq] Schnaditz/ und hernach bey Königl. Schwedischer Armee in de [aq]13[/aq]. Jahr Feld-Prediger: die Mutter Frau Maria/ gebohrne Heroldin. Ist Anno [aq]1648[/aq]. Sonntags nach Johannis mit [aq]Tit[/aq]. Herr Johann Rothen/ unter Königl. Schwedischen Regimente des Obristen Lilienstrohms wohlbestelltem [aq]Cornete[/aq] zur Neustadt in Mähren getrauet; Anno [aq]1682[/aq]. den [aq]10[/aq]. Febr. in Greussen/ im [aq]49[/aq]. Jahre ihres Alters gestorben/ und den [aq]12[/aq]. ][aq]ejusdem[/aq] daselbst begraben. ¶ Lebens-Lauff. ¶ [G: [aq]Exord[/aq].] Diß Denckmahl bau ich ihr als ein gehorsams Kind/][700]Die Engel. ¶ Werden angeredt in folgender Erzehlung/ welche ich auf den seeligen Abschied meines Töchterchens Christianen Eleonoren verfertiget/ welche Anno [aq]1681[/aq]. den [aq]9[/aq]. May zur Welt gebohren/ und Anno [aq]1685[/aq]. den [aq]17[/aq]. Febr. aber wieder verschieden ist. ¶ [G: [aq]descriptio Angelorum[/aq]. Ihr Geister/ die ihr Gott in seinem Glantze schauet/][701]Dergleichen Beschreibung ist in der himmlischen Hoffstadt/ welche ich Ihrer HochAdelichen [aq]Excell[/aq]. Herrn Caspar von Dießkau/ weyland Hochfürstlicher Durchlauchtigkeit Sachsen Merseb. hochbestaltem Hoff-Marschall in eines andern Nahmen verfertiget/ die also lautet. [S ¶ I Weil der von DIESKAU stets der Hoffstatt treu gewesen/][702]Weil es nun gleich der Sonnabend vor H. Dreyfaltigfaltigkeit war/ so gab einer folgende [aq]proposition[/aq] auff: ¶ [aq]Deus est rationi impervestigabilis[/aq]. ¶ In der Ausarbeitung/ die gleich darauff an der Tafel geschahe/ ließ ich erst das [aq]subjectum[/aq] der [aq]proposition[/aq], nemlich [aq]Deus[/aq], mit vielen Worten beschreiben; hernach ließ ich das [aq]praedicatum[/aq] nehmen und dasselbe gleichfals weitläufftig vortragen/ indem insonderheit die [aq]proprietates[/aq] des [aq]subjecti[/aq] gleichsam allezeit [aq]rationes[/aq] gaben/ warum GOtt unbegreifflich were. Der Vers ist folgender. ¶ [G: [aq]descriptio Dei ab essentia[/aq]. [aq]Est Deus, est unus certè trinusque, potenti[/aq] ¶ […][S][...] ¶ NB. Das [aq]subjectum[/aq], wenn es eigendlich hieher hätte gebracht werden sollen/ hätte müssen so eingerichtet seyn: [aq]Deus, qui unus & trinus est, coelum terrasque creavit &c[/aq].][703]Die [aq]praeposition[/aq] selbst ist folgende: [aq]Spiritus Sanctus exhilarat Christianos[/aq]: Welche abermahl von einem unsers [aq]Gymnasii[/aq] auff das damahl bevorstehende Pfingst-Fest aus zu arbeiten ist vorgeschlagen worden/ welches auch also bald an der Tafel geschehen. Die Verse lauten also. ¶ [G: [aq]Exordium[/aq]. [aq]Quid faciat laetas mentes, quo Numine corda[/aq],][704]Als Ihre Churfürstliche Durchl. zu Brandenb. unser gnädigster Herr/ Anno [aq]1681[/aq]. den [aq]4[/aq]. Junii die Erbhuldigung des Hertzogthums Magdeburg alhier zu Halle einnahm/ muste meine Wenigkeit im Nahmen des [aq]Gymnasii[/aq] was auffsetzen. [... Die andere [aq]ration[/aq] ist ([aq]b[/aq]) weil Sie GOtt zu uns in unsre Stadt/ als unsre hohe Obrigkeit. gebracht. [...][S][...] Das Gedichte ist folgendes. ¶ [G: [aq]Exord[/aq].] Wir scheuen/ Grosser FURST/ uns zwar vor seiner Sonne/][705][aq]§. 19[/aq]. Anno [aq]1680[/aq] den [aq]12[/aq]. Julii wurde die HochFürstliche Leiche des vormahl höchst-seeligsten [aq]ADMINISTRATORIS[/aq] des damahl sogenandten Magdeburgisch. Ertzstiffts Herrn Augusti/ Hertzogs zu Sachsen etc. nacher Weissenfels abgeführet/ und damit dem in in die [aq]700[/aq]. Jahr gestandenen Ertzstiffte ein Ende gemacht. [... Die erste [aq]ration[/aq] ist/ [aq]1[/aq]. weil sein Fall den Magdeburgischen Mauren Risse macht/ das Land erschuttert/ und das Ertzstifft niederreist. [...] [aq]2[/aq]. weil Er zuvor bey der gefährlichsten Zeit (die [aq]per[/aq] [griech.] erzehlt wird) das Ertzstifft nechst Gott erhalten. [...][S][...] Darauff wird das [aq]subjectum[/aq] der [aq]proposition[/aq] der höchstseeligste August gleichsam in den Grabe beschauet und beschrieben [aq]stroph[/aq]. [aq]27-37[/aq]. […] ¶ [G: [aq]Proposit[/aq].] Augustus liegt nunmehr des gantzen Landes Stütze/][706][aq]§. 23[/aq]. Als des Herrn Rathsmeisters [aq]Doct[/aq]. Johann Christian [aq]GVEINZII[/aq] jungste Tochter erster Ehe/ Jungf. Christiana Elisabeth/ [S mit [aq]Tit[/aq]. Herrn Christian Hiepen/ wohlverordneten Ober-Pfarr zu Walhausen/ Anno [aq]1686[/aq]. den [aq]20[/aq]. Junii ehlich vertrauet ward/ ist nach Anlaß des Spruches Sirachs [aq]cap. II. v. 30[/aq]. Was einer für ein Mann gewest sey/ das findet man an seinen Nachkommen/ folgendes aufgesetzt worden. In welchem die [aq]proposition[/aq] ist: GOtt nimmt sich der [aq]Gvein[/aq]zischen Nachkommen an. Wie solche ausgeführet worden/ ersiehet man am Rande. ¶ [G: [aq]Exordium[/aq].] O [aq]GVEINZI[/aq], den ich erst im Tode lernen kennen/][707]Sonst hab ich auch ehmahl auff den andern Sonntag nach [aq]Epiphanias[/aq], von der Hochzeit zu Cana aus der [aq]36[/aq]. Ode des ersten Buchs der [aq]Carminum[/aq] des [aq]Horatii[/aq] folgende [aq]parodiam[/aq] machen lassen/ in welcher die [aq]propositio[/aq] ist: Last uns den Hochzeit-Gast Christum loben; die [aq]ratio[/aq] war: denn Er ist freygebig. Dieselbe wil ich hier auch mit her setzen. ¶ [G: [aq]Propos[/aq]. [aq]Et voce & fidibus juvat[/aq]][708]Ich setze zum Exempel hieher das Gedichte/ welches ich auff die Hochzeit meines Hn. Schwagers [aq]Tit[/aq]. Christian Jacob Ratschens/ wohlbestalten Amt-Verwalters zum Wendelstein/ [S als Er Anno [aq]1685[/aq]. den [aq]1. Dec[/aq] sich mit Jungfer Johannen Magdalenen Stielin vermahlet/ verfertiget habe. Der Satz in demselben ist dieser: GOtt sorget vor die Wäysen und versorget sie/ oder: Gott ist der beste Amts-Verwalter in Versorgung der Wäysen. […] ¶ Der beste Amts-Verwalter bey Versorgung der Wäysen ist GOtt. ¶ [G: [aq]Ratio antithesios[/aq].] Wir Menschen/ wenn uns Gott zu früh die Väter nimmet/][709]Bey der Ausarbeitung ist folgendes beobachtet worden/ [aq]1[/aq]. ist des Zorns des Papisten/ welchen nach sie noch immer solche Stiffter wieder an sich zu bringen gedencken/ nur gespottet/ und also [aq]per generosum contemptum[/aq] der Gegensatz abgeleinet/ v. [aq]1-5[/aq]. hernach [aq]2[/aq]. ist die [aq]proposition[/aq] gesetzt v. [aq]5-9[/aq]. Darauff ist [aq]3[/aq]. die [aq]proposition[/aq] mit etlichen [aq]rationibus[/aq] erwiesen/ deren die erst ist: weil es in eine gantz andere Gestalt gebracht und aus einem Bischoffthum ein Hertzogthum worden v. [aq]9-14[/aq]. [... Denn kömmt die andere [aq]ration[/aq]: weil die Veränderung GOtt/ dem Käyser und andern Potentaten gefallen. v. [aq]17-21[/aq]. […][S][...] ¶ [aq]Jam freme, Roma, tuo quae quondam robore, folis[/aq]][710]Ein Exempel dessen hab' ich dem Gedichte erwiesen/ welches ich auff den Hintrit [aq]Tit[/aq]. Herrn Johann Rudolph Kesersteins/ weyland Sr. Churfürstl. Durchl. zu Sachsen Amts-Geleitmann zu Eylenburg/ im Nahmen des Herrn SchwiegerSohns verfertiget/ das lautet also: ¶ Das hohe Geleite Gottes im Leben und Tode. ¶ [G: [aq]Dubia[/aq] Wir müssen in der Welt als Wallfarths-Brüder wallen/][711]Als ich nehme etwan die [aq]proposition[/aq] vor mich: Ein Christe darff sich nicht fürchten. Die [aq]ration[/aq] ist. Denn Gott schützt ihn. Hieraus fliesset nun folgender [aq]Syllogismus[/aq]: [S ¶ Wen GOTT schützt der darff sich nicht fürchten. ¶ […] ¶ Die Ausarbeitung dieses [aq]Syllogismi[/aq] ist auff folgende Art geschehen. ¶ [G: [aq]Conclusio per modum adhortationis[/aq].] Ein Christe fürchte sich in keinem Ungelücke/][712]Also hab' ich abermahl die [aq]proposition[/aq] vor genommen: Die H. Schrifft ergetzet: [aq]Ratio[/aq]. Denn sie versichert uns der Gnade GOttes. Daraus fliest folgender [aq]Syllogismus[/aq]. ¶ Was uns der Gnade GOTTes versichert/ das ergetzet; ¶ […[S][...] ¶ [G: [aq]Minor[/aq].] Die Schrifft/ so GOttes Mund selbst ehmahl schreiben heissen/][713]Der daher fliessende [aq]Syllogismus[/aq] ist folgender: ¶ Wobey man sich vieler Gefahr zu besorgen hat/ das fängt man billich mit Wunsch und Gebet an. ¶ [… ¶ [G: [aq]Minor[/aq].] Das Jahr hat vieler Noth sich jährlich zu besorgen/][714]Ich gebe die [aq]ration[/aq]: Denn der Satan stellet ihnen nach. Dieses kan in folgenden [aq]Syllogismum[/aq] gebracht werden. ¶ Wem der Satan nachstellet der sol nicht sicher seyn. ¶ [… ¶ [[aq]Conclusio per de & adhortat[/aq].] Last nicht die Sicherheit der Augen Licht befallen/][715]Hieher gehöret das Lateinische Gedichte/ welches Anno [aq]1683. Tit[/aq]. Herrn [aq]JOHANNI PASTOCHIO, Panonio Exuli, Collegae Nono[/aq] an unserm [aq]Gymnasio[/aq], da Er nebst seinem gantzen Hause an der Pest drauff gieng/ gleichsam zum Andencken verfertiget worden. Und weil sonst bey seiner Beerdigung nichts in öffentlichen Druck herausgekommen/ welches doch bey den andern [aq]4[/aq]. geschehen/ als hab ich dieses geringe mit anfügen wollen. Die Materie zu demselben [aq]carmini[/aq] gab mir ein bekanter Verß beym [aq]Ovveno[/aq] an die Hand/ der auff den [aq]Originem[/aq] des Wörtgens [S [aq]Exul[/aq] und [aq]Extorris[/aq] sehend/ gar arthig und tröstlich sich vernehmen läst. [...] [aq]2[/aq]. [aq]ex parte Dei exauditio. Stroph. 25[/aq]. Darzu kömmt endlich auch der Schluß [aq]Stroph. 32. ad finem[/aq]. ¶ [aq]Pastochi, tua vita fuit, dum vita manebat[/aq],][716]Ich wil zum Exempel vor mir nehmen folgende [aq]proposition[/aq]: Der Gottfürchtige ist GOtt lieb; oder wie die Heil. Schrifft redt: Wer GOTT fürchtet der ist ihm angenehm. ¶ Die erste Arth. ¶ [G: [aq]Subjectum[/aq] Wer seinen GOtt erkennt und ihn von Hertzen liebet/][717]nach dem ich aber die Liebe [aq]ab effectu[/aq] beschrieben habe/ so sich auch durch der Engel Schutz erweist/ als hat solcher Umstand auch mit angeführet werden können. ¶ Die dritte Arth. ¶ [G: [aq]Proposit[/aq]. Dem ist der Höchste huld/ der ihn zwar kindlich liebet/][718]Die vierdte Arth. ¶ und zwar ¶ Ein [aq]ENTHYMEMA[/aq]. ¶ Gott hat sich ewiglich mit solchen Sinn verlobet/ ¶ […[S][..] ¶ [aq]NB. 1[/aq]. Der gantze [aq]Syllogismus[/aq] dieses [aq]enthymematis[/aq] müste folgender seyn: Mit wem sich GOtt verlobt hat/ der ist ihm lieb; Nun hat Er sich mit dem Gottesfürchtigen verlobt; Darüm ist ihm der Gottesfürchtige lieb.][719]In der vierdten: GOtt ist alleine Allmächtig; sind diese: Gott ist allmächtig; und: was nicht Gott ist/ ist nicht allmächtig. In der fünften: Alle Menschen/ ohne der HErr Christus/ sind sündig: sind folgende: Christus ist nicht sündig; aber die andern Menschen sind sündig.[720]Auf diese vorgeschlagene Art ist folgende [aq]proposition elaboriret[/aq] worden: Frömmigkeit ist besser als Ehre und hohes Ansehen. […[S][...] ¶ [G: [aq]Proposit[/aq].] Frömmigkeit geht Hoheit vor/ Redligkeit der eiteln Ehre][721]Ich wil hier ein einziges Exempel mit hersetzen/ in welchem unterschiedliche Beschreibungen enthalten/ als; eines entstehende Ungewitters; des Doms alhier; des Altars in dem Dome; und des Donner-Schlages der dieses [aq]1687[/aq]. Jahres den [aq]8[/aq]. Aug. etwan [aq]3[/aq]. Viertel auf [/aq]2[/aq]. Uhr hinein geschehen ist. ¶ [G: [aq]Exordium[/aq] Damit es nicht so leicht vergessen möge werden/][722]Im Jahr [aq]1677[/aq]. denn [aq]II. Decembr[/aq]. Wurde mein ehmaliger guter Freund Herr Christian Schönberg/ [aq]Calb. Saxo[/aq], nunmehr seeliger/ nach unterschiedlich abgelegten [aq]speciminibus[/aq] und allerhanderlebtem Glücke zu Jena mit gutem Ruhme Magister; demselben machte ich auf Begehren ein [aq]Carmen[/aq]/ in welchem die [aq]proposition[/aq] folgende war: GOtt füret wunderlich/ doch glücklich. Worinne zwo [aq]proposit[/aq]. liegen/ die einerley [aq]subject[/aq]. und doch unterschiedl. [aq]praedicata[/aq] haben/ nehmlich die erste: GOtt führet wunderlich; die andere: GOtt führet glücklich. [... Denn [aq]Stroph. 2. 3[/aq]. wird sie mit dem Exempel Davids/ Daniels/ Mosis/ Ißraelis/ [aq]Stroph. 4. 5. 6[/aq]. mit dem Exempel des neuen Magisters erwiesen. Darauf wird mit Erweckung eines fernern Vertrauens auf Gottes Güthe und einem guten Wunsch beschlossen. Das [aq]Carmen[/aq] lautet also: ¶ Der Höchste weiß es wohl was einen Menschen dienet/][723][aq]§. 6[/aq]. Im nechstfolgendem Gedichte ist enthalten: Die böse Welt und der zornige GOtt. oder/ welches eben das ist: die Welt ist böse/ und GOtt ist Zornig. [… ¶ [G: [aq]Propos. I[/aq].] Die Welt sucht itzt nicht mehr dem Höchsten Gott zu dienen/][724][aq]Anno 1678. d. 27. Novembris[/aq]. starb [aq]Tit[/aq]. Herr Simon Andreas Becker/ [aq]Medicinae Licentiatus[/aq], als Er nicht lange zuvor unpäßlich von seiner Reise [... wieder nach Hause kommen war. [...] daher demselben bey seiner Beerdigung zum Andencken folgendes aufgesetzt. [...] Und insonderheit erwehnt/ wie Er den [aq]Doctor[/aq]-Hut im Himmel nun mehr erlangt/ den Er hier verdient hätte gehabt. [...] [S] ¶ Erst hastu/ Seeliger/ die Bücher lieb gewonnen/][725]Bey der Geburth des HErrn Christi ist folgende Pindarische kleine Ode gemacht worden/ in welcher in der [griech. die Geburt Christi und deren Nutz erzehlet worden/ in der [griech.] aber und dem [griech.] ist das [aq]morale[/aq] ausgeführt/ das ihn deswegen iederman loben sol. Und ob ich wol sonst nicht viel Grichisch habe mit einrücken wollen/ so kan ich doch nicht unterlassen nur ein eintziges Exempel mit her zusetzen/ damit junge Leuthe sehen/ es sey in der [S] Arth eine Sache auszuarbeiten in keiner Sprache ein Unterscheid. ¶ [aq]I[aq]. [griech.] ¶ [griech.]][726]Als [aq]Tit[/aq]. Herr [aq]M[/aq]. Israel Fincke/ hiesiges [aq]Gymnasii[/aq] anitzo wohlverdienter [aq]Collega Tertius[/aq], mein werther Freund/ Anno [aq]1678[/aq]. den [aq]15. Oct[/aq]. zu Wittenberg Magister wurde/ habe ich mich nach seinem und meinem damahligen Stande richtend/ folgendes auffgesetzt. In welchen zwo [aq]propositiones[/aq] stecken: Das Glück der Menschen rühret nicht aus den Sternen; es rühret aber von Gott. […[S] ¶ [G: [aq]rop.1[/aq].] Vergeblich sucht man Glück und Ungluck aus den Sternen;][727]Als ich einem guten Freunde ehmahl in einer [aq]Disputation[/aq], die Er zu Jena mit grossen Lobe hielte/ [aq]praesidirt[/aq] hatte/ verehrte Er mir des Gottholds zufällige Andachten in schönen [aq]Corduan[/aq] vergüldt auf dem Schnitt eingebunden/ und hatte in dasselbe Buch das Sprüchelchen hinein geschrieben; Der HErr erfülle alle deine Anschläge: nebst seinem Namen. Weil nun derselbe bald darauf selber starb/ hab ich folgendes hineingesetzt. ¶ Nachdem ich dich/ Mein Freund/ zum Lehr-Stul' erst begleitet[728]Als/ da [aq]Tit[/aq]. Herr [aq]D[/aq]. Joachim Oelhafen/ des Churfürstl. Schöppen-Stuls alhier [aq]emeritus Assessor, Anno 1686[/aq]. den [aq]5[/aq]. Martii in dem [aq]84[/aq]. Jahre seines Alters/ sein treues Ehgemahl Frau Mariam Justinam/ geb. Zeisin/ so den [aq]1[/aq]. Martii gestorben war/ in die so genante Schul-Kirche hatte beerdigen lassen/ wurde ihm unter verdeckten Nahmen geschickt nachfolgendes ¶ Trost-Schreiben. ¶ [G: [aq]Exord[/aq]. Ich zweiffle/ grosser Freund/ daß seiner Thränen Fluthen][729]Damit der Leser mercken kan/ solcher Trost gehe nicht alleine an bey verstorbenen/ sondern bey allerhand Creutz und Elend/ so will ich nach eben obangezogenen Stücken einen trösten/ welchen Gott bey einer Feuers-Brunst das seinige genommen hat. ¶ Das Dach ist nun dahin/ mein Freünd/ so dich bedeckte/[730][aq]§.4[/aq]. Oder [... [aq]3[/aq]. hat man das gute Vertrauen/ GOtt werde es erhalten und vermehren. [...][S][...] Alle diese Stücke hab ich angetroffen in einem [aq]carmine[/aq], mit welchem ich die Hochzeit meines leiblichen Bruders [aq]Tit[/aq]. Herrn Christoff Andreae Rotthens/ Seel-Sorgers in Friedersdorf/ welche Er mit der Tugend begabten Jungf. Catharinen Herr Johann Beschewitz Rathsherrn in Breßko hinterlassener Tochter in Storkau den [aq]28. Augusti 1683[/aq]. beging/ in meiner Abwesenheit beehret habe. Wil derohalben solches hier mit hersetzen. ¶ Daß Heyrath Gottes Werck und dessen Schickung sey/][731][aq]§. 6[/aq]. Als der nunmehr seelige Herr [aq]M. CHRISTOPHORUS[/aq] Lucht/ vom [aq]Diaconat[/aq] bey der Ulrichs Kirchen zum [aq]Pastorat[/aq] daselbst beruffen und also auch des [aq]Gymnasii Inspect[/aq]. worden/ haben Ihm einige [aq]alumni[/aq] aus dem [aq]Gymnasio[/aq] damahls eine Nacht-Musick gebracht. […[S] ¶ Sterne lasset euern Schein][732][aq]§. 13[/aq]. Bey einer Kind-Tauffe wurde vormahls einem nunmehr Verstorbenen von seinem [aq]Paedagogo[/aq] eine Nacht-Musick gebracht/ in derselben wurde [... [aq]2[/aq]. Gott davor gedanckt. […] ¶ Das Hauß ist itzt beglückt][733][aq]§. 8[/aq]. Im folgenden ist eine Erzehlung/ wie sich GOtt seines Volcks und Häuffleins stets angenommen/ und wird dabey der Trost mit angehängt/ daß Er auch itzo desselben sich noch werde annehmen und wieder alle Tyrannen Wuth schützen. ¶ GOtt hat von Anbeginn[734][aq]§. 9[/aq]. Folgendes gleichschliessendes Lied [... führt diesen Satz aus: Daß GOtt der Menschen bester Trost und Helffer sey. ¶ [G: [aq]Propositio[/aq]] GOtt ist der Menschen Heyl][735][aq]§. 10[/aq]. Hieher gehören solche Lieder/ in welchen sich eine gläubige Seele zu etwas entschleust oder [aq]resolvirt[/aq]. Denn dasjenige/ wozu sie sich entschleust/ ist ihre [aq]propositio[/aq] oder Satz; darauff folgen die andern [aq]amplificationes[/aq], mit welchen man einen Satz ausarbeitet. Als. ¶ [G: [aq]Propositio[/aq] Unter tausend Ungemach][736][aq]§. 11[/aq]. Desgleichen sind auch diejenigen Lieder/ in welchen eine gläubige Seele sagt/ wozu sie sich schon entschlossen hat/ als etwan folgender Ende-Reim. [aq]vid. §. 9[/aq]. ¶ [G: [aq]Propositio[/aq] Ich laße meinen GOtt nur walten][737]Als im folgenden Liede ist in [aq]hypothesi[/aq] der Satz wiederlegt: Gott hilfft dir nicht im Unglücke. [… ¶ [G: [aq]Propositio negata[/aq].] Solte meiner Gott vergessen?][738][aq]§. 13[/aq]. Zu dieser Arth gehören alle diejenigen Lieder/ in welchen man Gott worum bittet. Denn dieselbe mahnen GOtt gleichsam an/ uns etwas zu geben. Bey schon angegangener Pest wurde folgendes verfertiget: ¶ Ach/ Vater/ schlage nicht[739][aq]§. 14[/aq]. Zur Abmahnung gehöret nachfolgendes Lied/ welches mitten in Sterbens-Läufften [aq]1683[/aq]. allhier in Halle verfertiget/ in welchen ein frommes Gemüthe von der Furcht abgemahnet wurde. ¶ [G: [aq]Propositio[/aq] Erschrick nicht/ Blöder Sinn/][740][aq]§. 18[/aq]. Folgen nun etliche wenige geistliche Lieder/ welche/ obigen Versprechen nach/ untereinander hergesetzet sind/ damit mit denselbigen dieses gantze Werckgen beschlossen werde. [S ¶ Ich lebe zwischen Nesseln][741][aq]b)[/aq] Als wenn einer den Tod-Schlag Abels nehme/ welches eine wahrhafftige Geschicht ist/ davon [aq]Gen. 4. v. 8[/aq]. zu lesen/ und erdichtete darbey/ wie solches Unglück seinem Vater Adam unterschiedliche mahl in Symbolischen Traumen sey vorgestellet worden; wie der Engel Gabriel dem Cain in die schon auffgehobene Keule gefallen; wie der [aq]Apollyon[/aq] ihn dennoch angetrieben/ indem er ihn durch die [aq]Orgiphilen[/aq] gantz unsinnig gemacht etc.[742]Ich habe droben [aq]§. 6. lit. b[/aq]. die Geschichte von dem Abel angeführet/ und darbey etliche Umstände erdichtet/ als daß es dem Adam unterschiedliche mahl in Symbolischen Träumen sey angedeutet worden. Hierdurch wird gelehrt/ daß GOtt seine Kinder offt warne/ wenn sie sich nur allemahl drein schicken könten. Weiter/ daß der Engel Gabriel dem Cain in seine schon erhabene Keule gefallen. Deutet an/ wie GOtt [aq]moraliter[/aq] & [aq]physicè[/aq] uns offt vom bösen abhält. Noch weiter/ daß der [aq]Apollyon[/aq] ihn gleichwohl angetrieben: Bedeutet/ daß der Sathan die Haupt-Ursache aller Sünde sey. Abermahl/ daß die [aq]Origiphila[/aq] ihn unsinnig gemacht. Deutet an/ daß der Zorn den Menschen so betöbere/ daß er nicht wisse/ was er thue etc.[743]Als [... wenn ein Student erst fleißig gewesen wäre/ hernach aber liederlich worden/ gefressen/ gesoffen etc. so darff ich ihn nur erstlich aufführen/ daß er mit frommen Leuten umgehet/ fein gekleidet ist/ keine andere als anständige Reden führet etc. hernach aber führe ich denselben in liederlicher [aq]conversation[/aq] und in liederlichem [aq]habite[/aq] auff/ stelle auch seine Reden so an/ daß man leicht ein liederliches Gemüthe verspüret.][744]Die Poesie wird unter dem Bilde einer Weibes-Person dargestellet/ die einen Rock hat voller Sterne/ einen Lorbeer-Krantz auff dem Haupte/ tieffsinnig/ mit nackten und ausgespannten Brüsten/ üm welche herum 3. Engel fliegen/ einer mit der Leyer/ der andere mit einer Flöthe/ der dritte mit einer Trompete etc.[745]Die Liebe zu GOTT wird durch ein Knäblein dargestellet/ welches nach dem Himmel siehet/ und mit der Lincken auch darnach weiset/ mit der rechten aber auff seine Brust zeiget.[746][aq]c)[/aq] Die Frömmigkeit [aq]praesentiret[/aq] eine Jungfrau/ die Flügel hat und ein Scharlach-Kleid/ nebst einer Flamme auf dem Haupte.[747][aq]d)[/aq] Als: die Gotteslästerung wird gebildet als ein alter Mann/ mit blossen auffgesperrtem Munde/ das Gesicht nach der Erde zuschlagend/ die er auch mit einem Stecken stöst.[748][aq]§. 12[/aq]. Ich habe ehmals auff das bevorstehende Weynachts-Fest zwey Jüdische Bauren aufgeführet/ die/ indem sie beyde mit einander nach der Stadt Nazareth gehen/ von dem [aq]Messia[/aq] unterwegens mit einander reden. Den einen habe [S ich [aq]Pynthanon[/aq] genennet/ ist ein Griechischer Nahme/ und heist so viel als Forscher/ weil er meistentheils in dem Gedichte geforschet oder gefraget hat; Der andere heist [aq]Coelicus[/aq], ist ein lateinischer Nahme/ und heist so viel als himmlisch oder himmlisch gesinnt/ weil er als ein gottfürchtiger und von dem Meßia ziemlich erfahrner Mann eingeführet wird: Das Gedichte selbst soll zum Titul führen das Wort [aq]Messias[/aq]; weil von demselben darinne gehandelt wird. ¶ [aq]Messias[/aq]. ¶ [aq]Pynth/aq[]. Wo/ Nachbar Coelicus, denckstu so früh denn hin?][749]Anitzo aber höre ich/ daß es [die Stadt Greussen, J.T. gantz abgebrandt/ indem [aq]1687[/aq]. am Mariä Heimsuchungs-Tage unter der Früh-Predigt/ ein ungewöhnlich Feuer auskommen/ und das liebe Städtgen gantz hingerichtet. Diesem Städtgen nun zu schuldiger Danckbarkeit habe ich ehmahls folgendes Feld-Gedichte auffgesetzet/ in welchen [aq]2[/aq] Wintzer/ [aq]Earinus[/aq] und [aq]Philoporus[/aq]/ das Städtgen loben/ und es weiter zu Ehren versprechen. Will es doch mit hersetzen/ und dabey wünschen/ GOTT wolle ihm den erlittenen Schaden reichlich ersetzen. Die Uberschrifft sey: ¶ [aq]Nergusse[/aq]. ¶ […] ¶ Als einsten Earin den Philoporus fand/][750][aq]§. 2[/aq]. Von dem Mose wird Exod. [aq]2. v. 21[/aq]. berichtet/ daß ihm Reguel ([aq]v. 18. sic dicitur[/aq]) oder Jethro/ der Priester in Midian/ seine Tochter Ziporam/ eine Morin/ zum Weibe gegeben/ da Er sich bey ihm in der Flucht auffhielt. Mehr Umstände sind bey dieser Heyrath in H. Schrifft nicht beniemt. Diese Verheyrathung des Moses wil ich zur Materie meiner Comödie annehmen. Denn ihr kommen alle [aq]requisita[/aq] zu. [...[S][...] [aq]§. 4[/aq]. Sehe ich demnach die Personen an oder auch die Sachen der Umstände/ welche ausdrücklich in der Erzehlung oberwehnter Geschicht aus-[S]gedrucket werden/ und erwege/ unter was vor Beschreibung und Habit sie uns in der Bibel schon vorgestellet sind/ so findet sich [aq]1[/aq]. Moses/ der wird uns vorgestellet als ein Fremdling/ und unter dem Bilde eines tapffern Mannes/ weil er nemlich zu unterschiedlich mahlen ein Egyptischer Mann in dem Capitel genant wird. [aq]2[/aq]. Zipora die wird uns als eine arbeitsame Jungfer vorgestellet [aq]Exod. 20. v. 16[/aq]. als eine Morin [aq]Num. 12. v. 1. 3[/aq]. Reguel oder Jethro/ der Ziporä Vater/ wird uns vorgestellet/ als ein Priester in Midian oder auch wohl/ wie das Grund-Wort anzeigt/ als ein vornehmer Bedienter [aq]Exod. 2. v. 16[/aq]. als ein Vater vieler Töchter. [aq]4[/aq]. Der [aq]Ziporä[/aq] Bruder Hobab [wie Er [aq]Num. 10. v. 29[/aq]. genennet wird; denn sonst heist er auch Kain/ [aq]Num. 24. v. 23[/aq]. daher die Keniter kommen/ oder Reguel) als ein kluger und gereister Mann/ weil wel Er die Kinder Israel in der Wüsten hat führen müssen. [aq]5[/aq]. Das Land Midian/ weil es im steinigten Arabien liegt/ ist leicht seiner Beschaffenheit nach zuerkennen. Was nun ausdrücklich in der Historie beniemt ist/ das lasse ich ungeändert stehen/ aber ich kan doch noch viel bey diesen in der Schrifft schon ausgekleideten Umständen erdichten. Als bey dem Mose kan ich [aq]probabiliter[/aq] erdichten/ daß er in dem Habit eines Schäfers erschienen und sich vor einen Schäfer ausgegeben/ weil die Schrifft/ in was vor einem Habite er erschienen/ [S] nicht ausdrücklich sagt/ und doch dazumahl die Schäfereyen die gemeinste Handthierung gewesen/ auch Moses nach der Zeit der Schafe des Jethro gehütet. Ich kan erdichten/ damit ich seine Hertzhafftigkeit anzeige/ wie ein junger Löwe/ an stat eines Hundes/ bey hergelauffen und um ihn herumgesprungen etc. Bey der Zipora kan ich erdichten/ daß Sie die jüngste Tochter gewesen/ daß sie die schönste Schwärtze gehabt/ daß sie nicht allein eine kluge Schäferin/ sondern auch Haußwirthin gewesen/ daß sie von den andern Schwestern sey geneidet gewesen etc. Bey dem Reguel kan ich erdichten/ daß Er nicht alleine Priester/ sondern auch Fürstlicher Rath gewesen/ daß Er bey dem Fürsten und gantzem Lande in grossen Ansehen gestanden; daß Er in seinen nunmehr grauen Alter gewesen etc. Bey dem Hobab/ daß Er dem Moses stets wol gewolt/ daß Er von dem Moses sey in guten Künsten auch in der Erkäntniß Gottes unterrichtet worden etc. Bey dem Lande Midian erdichte ich/ daß es ein dornichtes und bergichtes Land sey/ daß es voller wilder und rauher Menschen gewesen; oder auch wohl/ daß es dem Fremden geneigt gewesen etc. [aq]§. 5[/aq]. Von den Umständen/ die in der Historie nicht ausgedruckt sind/ erdichte ich nach meinem belieben so wohl die Umstände selbst als derer Ausrüstung. Als es wird in der Historie nicht [S] gemeldet. I. Der Umstand: [aq]QUIBUS AUXILIIS[/aq]; Da kan ich nun erdichten ([aq]1[/aq].) es habe der Braut Mutter darzu geholffen [Der ich nach Belieben einen Nahmen geben kan/ auch unter einer Beschaffenheit vorstellen wie ich wil/ als etwan daß sie mitleidig/ fremde im Lande/ belobt wegen ihrer Kinder-Zucht etc. gewesen] [aq]2[/aq]. Es habe der Braut Bruder/ der Hobab/ auch das Seinige dabey gethan. [aq]3[/aq]. Der Fürst im Lande und dessen Gemahlin habens auch gerne gesehen/ daß der hurtige Mann Moses möchte in dem Hause des Jethro versorget werden/ und dazu unterschiedlich mahl Anlaß gegeben. Ja wil iemand weiter gehen und der Göttlichen Hülffe dabey nicht vergessen/ so kan Er nach Poetischer Freyheit auch wohl erdichten [aq]4[/aq]. Der Engel Raphael sey unterschiedlichmahl in der Sache beschäfftig gewesen/ welchen GOtt in der Gestalt des Nachbars Tochter (Ich wil dieselben Nigrillen und ihren Vater Sylvanus nennen/ auch von ihr erdichten/ daß sie der Ziporae alltägliche Gespielin gewesen und sehr f[]eundlich] geschickt/ daß Er der Ziporae heilsame Gedancken geben müssen etc.][751][aq]II[/aq]. Der Umstand: [aq]QUOMODO[/aq]. Dabey kan nun ein Poet der Ubergebung und der Trauung erdichten. Als etwan [aq]1[/aq]. daß sie ihm von Vater und Mutter zugeführt worden. [aq]2[/aq]. daß sie unter einem Teppiche/ wie bey den Jüden noch itzo gebräuchlich/ zum Tempel gebracht. [aq]3[/aq]. Daß [S ein grosser Zulauff der Nachbarschafft dabey gewesen [aq]4[/aq]. Daß der Schwieger-Vater Jethro oder Reguel ein grosses Opffer dabey gethan und den Armen Spende gegeben. [aq]5[/aq]. Daß er diese neuvermählten und das gantze Volck gesegnet. etc. [aq]III[/aq]. Der Umstand: [aq]QUANDO[/aq]. Dabey steht mir nun frey zuerdichten [aq]I[/aq]. Es sey im Frühling geschehen/ insonderheit im Mäy. [aq]2[/aq]. Es sey eben den Tag geschehen/ da Er aus Egypten geflohen; oder was mir sonst zuerdichten beliebet. [aq]IV[/aq]. In dem Umstande [aq]UBI[/aq] ist alleine des Landes/ als des [aq]loci communis[/aq] Erwehnung geschehen/ ich kan aber wohl dabey einen [aq]locum specialem[/aq] ausdrücken und denselben erdichten. Als etwan/ daß Reguel in einem schönen Lust-Hause vor der Stadt Madian/ welches die Hauptstadt in Midien war/ gewohnet/ daß der allgemeine Tempel unweit darvon auff einem Berge gelegen etc. [...] [aq]§. 6[/aq]. Diese Umstände nun/ (so wohl die in der Historie selbst ausgedrückte/ als die aus Poetischer Freyheit ersonnene) nebst ihren Eigenschafften; oder deutlicher zu reden/ die Eigenschafften aller dieser Umstände fein auszuschmücken und mannierlich vorzu-[S]stellen (welches das dritte ist/ so zu einem Poetischen Wercke erfodert wird) so kan ich bey dem Moses abermahl erdichten/ wie Er hier und dar sey angefeindet und geneidet worden/ welches den Fremdlingen meistentheils wiederfähret. [aq]vid. part. I. c. 3. §. 3. Reg. 4[/aq]. [...] oder/ wie Er eine andere Sprache geführet und daher offtmahl von den fremden Midianitern sey sey ausgelacht worden. [aq]vid. ib[/aq]. oder/ wie er eine Feindin gehabt/ die nechst an ihm gewohnet/ und Woldinne geheissen/ [...] welche ihm viel zu thun gemacht. [aq]vid. ib. Reg. 5[/aq]. Wie seine Tapfferkeit an den jungen Löwen/ welcher immer üm ihn gewesen/ könne abgebildet werden/ ist schon droben erwehnet worden. Bey der Zipora kan ich erdichten/ daß Ponophila und Phronöca ihre vertrautesten Schwestern gewesen (Ich deute dadurch ihre Liebe zur Arbeit und ihre Klugheit in der Haußhaltung an) mit denen sie sich alleine in dieser Sache bereden können; Daß ihr ihre Schwester Neania gerne alles Unheil habe zufügen wollen. (Ich verstehe die Jugend und deren hitzigen Unverstand) indem [S] sie ihr am meisten geliebkoset. Indem ich erdichte/ daß Nigrille fleißig mit ihr umgangen/ zeige ich schon ihre Schwärtze an. Bey dem Reguel oder Jethro/ daß ich ihn als einen Priester kan darstellen/ erdencke ich/ wie Er gerne nach den Egyptischen Geheimnissen gefraget/ stets vom Himmel und göttlichen Sachen geredt; als einen vornehmen Bedienten ihn vorzustellen/ kan erdichtet werden/ wie der Fürst offt nach ihm geschickt/ wie die wichtigsten Reichs-Geschäffte von der Jungfrau Regio ihm hinterbracht worden. Seine vielen Kinder anzudeuten/ kan ich erdichten/ seine Gemahlin habe [aq]Polytecna[/aq] geheissen. Bey dem Hobab dessen Klugheit anzudeuten kan ich sagen [aq]Phronimus[/aq] sey sein Junge gewesen; dessen Reisen aber anzuzeigen/ erdichte ich/ wie ihn der [aq]Polyodus[/aq] offt von den Seinigen abgelencket habe. Bey dem Lande Midian die Rauhigkeit des Landes und der wilden Menschen anzuzeigen/ kan ich erdichten/ wie der Moses/ Reguel/ Hobab/ offt mit vielen Tieger-Thieren/ Schlangen/ fliegenden Drachen [aq]&c[/aq]. zuthun bekommen oder auch mit ungeheuren Riesen/ Poliphemen [aq]&c[/aq]. in einen Zwey-Kampf sich müssen einlassen. Also bey den erdichteten Umständen des Lust-Hauses Schönheit abzubilden/ kan ich erdichten/ wie Sylvanus und Nomius und Aehrreich alleine daherüm gewohnet/ die Marina aber oder die [aq]Fon[/aq]-[S][aq]tana[/aq] haben auch ihre Schäffereyen nicht weit davon gehabt. Der Mutter Fremdlingschafft anzudeuten/ erdichte ich/ daß sie gerne Fremde gesehen und mit ihnen gesprachet. [aq]vid. ib. Reg. 4[/aq]. Den Volckreichen Zulauff der Frolockenden anzudeuten/ kan ich erdichten wie viel weisse Tauben dem Tempel zugeeilet. Den Tag anzudeuten/ erdichte ich wie Moses/ als er in dem Tempel gehen wollen/ ein Gemälde gesehen/ allwo ein Held eine von Raubern ergriffene und übel[aq]tractir[/aq]te Jungfer erlöset/ habe sich dabey des Volcks Israel erinnert und Gott gebethen/ daß Er auch dergleichen Held schicken möchte/ der sie errettete/ welches Er nicht habe thun können [aq]&c[/aq]. [...][S][...] [aq]§. 8[/aq]. So sey demnach der [aq]Affect[/aq]/ den wir alhier erregen wollen/ die Freude über der Vorsorge Gottes/ so Er frommen Fremdlingen erweiset. ¶ Die Fabel selbst aber wollen wir erstlich als eine [aq]Fabulam simplicem[/aq] vortragen/ und dabey den Mosen zum [griech.] oder zur vornehmsten Person machen/ daß derselbe Hochzeit hält. […][S] ¶ [aq]ACT II[/aq]. ¶ Sc. I. ¶ WIrd des Reguels oder Jethro lustiges Wohnhauß vor Madian [aq]praesenti[/aq]ret und ein Schäffer dabey in einer Flur/ der von der Ziporen Freündligkeit und des Moses Glückseeligkeit singet.][752]Es ist in sonderheit berühmt des [aq]Grotii Christus patiens[/aq]. Welche Tragödie weil sie nach Art der alten beschrieben worden ist/ wil ich dieselbe kürtzlich durchlauffen. ¶ Die Materie dieser Tragödie ist das Leiden Christi/ welches in folgenden Worten enthalten: Christus leidet vor das Menschliche Geschlecht. ¶ [… ¶ [aq]ACT. I[/aq]. ¶ ERscheint der HErr JEsus auff dem Schauplatz/ und erzehlt seinem himmlischen Vater [aq]per episodia[/aq] alles was er bißher gethan/ wie er seinen Befehl erfüllet/ und sehe doch seines Jammers noch kein Ende. […][S][...] ¶ [aq]§. 13[/aq]. Und dieses ist also ein Abriß einer alten Tragödie/ wie sie bey den Lateinern gebräuchlich ist gewesen. Denn daß der [aq]Grotius[/aq] diesen seinen [aq]Christum patientem[/aq] auf den Schlag derselben gemacht habe/ insonderheit nach Art des [aq]Senecae[/aq], ist droben schon erwehnet worden.][753]Die Tragung eines Dolches/ die aus Aberglauben geschieht/ vor eine Anzeigung eines mördlichen Gemüthes hält;[754]So machten die Canniter mit ihren Feinden Friede/ daß üm und üm von ihren Mauren/ weil sie zu hoch were/ solte ein Stein genommen werden; welches diese auch zu gaben. Der Feind aber/ nachdem er die Stadt inne hatte/ grub unten einen Stein rauß/ daß also die gantze Maur einfiel. [aq]&c[/aq][755]([aq]a[/aq]) Als: Zopirus schnitte sich die Nase und Ohren ab und gab zu Babylon vor/ es wehre vom [aq]Cyro[/aq] geschehen. ¶ ([aq]b[/aq]) Die Phariseer und Hohen-Priester gaben vor/ die Außätzigen wehren rein worden/ weil sie Moses Gesetz in acht genommen und sich den Priestern gezeiget; da es doch Christi Macht gethan.[756]Also war jenem Pabste geweissaget worden/ er solte zu Jerusalem sterben/ welches er von der Stadt Jerusalem verstund/ es war aber eine so benahmte Capelle/ da ihn die Kranckheit überfiel und er starb.[757]([aq]a[/aq]) Als: jener Bauer sagte: sein [aq]Advocate[/aq] wehre klüger als der Richter; als er nun deswegen vor Gericht gefodert wird/ so gestehet ers zwar/ zieht aber daß [aq]Crucifix[/aq] hervor und spricht: Er meinte diesen Advocaten. Darüber die Richter einander ansahen und ihn zu frieden lassen musten.[758]Als etwan einem Wollüstigen setzt man einen alten Philosophum entgegen; einem boßhafftigen Staatsmann einen gottsfürchtigen Biedermann; einem andern frommen Menschen einen Gottlosen/ dessen Anschlägen es fast gar gelingen muß. etc.[759]([aq]c[/aq]) Wenn nehmlich einer seinen Betrug so an spinnet/ daß er nicht offenbar wird. Als wie jener Tyrann/ da er sich gerne vor einen GOtt hätte angebetet gewust/ etlichen befahl ihn zu tödten und zu begraben/ diesen hatte er wieder andere entgegen geordnet/ die dieselben musten erschlagen und begraben;[760]
Dunckelberg, Conrad
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[761]§. 142. [aq]Cabbala[/aq] [hebr. bedeutet in Ebräischer Sprache eine Nehmung/ da man ieden Alphabets-Buchstab in gewisser Geltung angesetzt/ daß er so oder so viel gelten soll/ als: […] ¶ Dieses Alphabets Cabbala dienete jenem Simon Wolff Branden/ Schutz-Jüden in Berlin/ daß er aus dem 21. Psalm Davids eine Weissagung erfunden/ worinnen er die Köngliche Crönung des Durchlauchtigsten/ Großmächtigsten Herrn Friederichs III. Chur-Fürsten zu Brandenburg/ So den [aq]18. Januar. Anno 1701[/aq]. zu Königsberg in [S] Preüssen [aq]celebr[/aq]iret wurde/ sehr genau untersuchet/ daß auch der Gecrönete/ der Crönungs-Ort und die Salbungs-Zeit in Wunder-voller [aq]Cabbala[/aq] heraus gebracht worden/ so artig/ als wenn in solcher Davidischen Ode gäntzlich auff die Hohe Friedrichs-Crönung der David gezielet hätte: Denn aus des Psalms Worte/ [hebr.], [aq]Melech[/aq], das ist/ König/ bringt er [aq]Cabbalisticè 90[/aq]. heraus/ und eben so viel trägt auch die [aq]Vocula[/aq], [hebr.], [aq]Ducs[/aq], womit die Ebräer einen Chur-Fürsten zu benennen pflegen.][762]Dergleichen Cabbalisches Werck hat auch Herr [aq]Daniel[/aq] Ernst Bablonski Ihro Königl. Majestät in Preüssen Hoff-Prediger/ nachsinnlich eben solche Darids-Ode in [aq]Cabbala[/aq] befunden. ¶ Denn er [aq]calcul[/aq]irt aus des Psalms Uberschrifft: ¶ 40.[763]§. 143. Die [aq]Cabbala[/aq] hat auch (andrer Nationen zu geschweigen) den Griechen/ Lateinischen und Teütschen gefallen/ dannenhero sich vielfältige [aq]Cabbalae[/aq] hervor thun[764]Jedoch lässet er [Morhof, J.T. zur Verwunderung des [aq]Rabani Mauri[/aq] seine [aq]Carmina[/aq], darinnen so vielerley Arten Creutze gebildet werden.][765]§. 137. In Form eines [aq]Rhombi[/aq], oder geschobenen [aq]Quadrate[/aq] möchte die Englische Weynacht-Freude also abgebildet werden. ¶ E [… ¶ [aq]Praesenti[/aq]ret nach der inwendigen Länge und Breite ein Creutz/ welches den gecreützigten Frieden-Fürst/ oder Friede-Sprächer/ JEsum/ andeutet: Von aussen wird die Figur von dem E/ auff unsern Emanuel deutenden/ rings umher geschlossen.][766]Fügen noch hierzu einen Stern/ womit am heiligen Stern-Feste iemanden zu [aq]gratuli/aq|ren: ¶ [aq]Fiatur[/aq]][767]
Titz, Johann Peter
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[768]So/ ob zwar das wort/ Gebet/ wie es nicht immer einerley bedeutet/ also auch nicht auff einerley art außgesprochen wird[769]So sind auch ig/ igen/ igeten/ iglich/ igkeit/ igung/ in heiig/ heiligen/ hei-[Sligeten/ heiliglich/ heiiligkeit/ heiligung blosse Endungen.][770]Denn durch die Lieder pfleget man auch GOtt anzuruffen/ und umb allerley gute Gaben demütig zu bitten. Und daher hat auch die Lintany/ und das Lateinische Lito oder Litor, den Namen bekommen.[771]In Versen frewen und betrüben wir uns/ wir lieben und hassen/ hoffen und fürchten/ wir sind freundlich und zornig/ wir loben und tadeln/ weinen und lachen/ bitten und dancken/ wir wünschen Glück und Unglück/ wir trösten/ segnen und fluchen/ wir reisen zu Wasser und Lande/ summa/ wir reden von himmlischen und irrdischen dingen.[772]Von unsern Deutschen ist zuhoffen/ daß sie in ihren Schrifften nicht so/ wie viel unter den Grichen und Lateinern/ die grentzen der Zucht und Ehrbarkeit überschreiten werden. Denn/ zu geschweigen/ daß sie/ als Christen/ wissen sollen/ daß sie von einem iedwedern unnützen worte werden rechenschafft geben mussen/ so träget unsere Sprache gleichsam von natur eine abschew vor [S allen unehrbaren Worten/ so daß auch die dinge/ bey welchen etwas unsauberkeit ist/ entweder gar keinen eigenen Nahmen bey uns haben/ oder ja von schamhafftigen gemüthern lieber höflich umbschrieben/ als audrücklich genennet/ werden.][773]Were in dessen nichts desto weniger wol zuwünschen/ daß/ wie wir in gemein unsere Zunge anders nicht/ als zur ehre GOttes/ und zum nutzen des Nähesten/ brauchen sollen/ also auch insonderheit die edle und Göttliche Kunst der Poeterey vielmehr darauff/ als auff andere sachen/ die nur nichtig und eitel/ ja auch offters ärgerlich/ schändlich und schädlich sind/ angewendet werden möchte[774][aq]Germani[/aq], spricht er [Johannes Clajus, J.T. daselbst/ u. [[aq]Grammat. German. cap. penult. De ratione Carminum veteri apud Germanos.] ut Ebræi Carmina scribunt, observantes in fine Rhythmum, id est, [griech.], ut[/aq], Du/ Jesu Christ/ Mein Hoffnung bist. […] [S] [aq]Syllabæ enim, quæ communi pronunciatione non elevantur, sed raptim, tanquam Schæva apud Ebræos, pronunciantur, in composione Versûs nequaquam elavandæ sunt, sed deprimendæ: & contra, Syllabæ longæ, & accentum sustinentes, nequaquam deprimendæ, sed elevandæ sunt. Ut[/aq]: Im Gesetze steht geschrieben/ Du solt Gott den HErren lieben.][775]Welcher Dialect [d.i. der Hochdeutsche, J.T./ ob er zwar/ die Zeit belangend/ unter den andern Dialecten/ (derer in unserer sich weit ausbreitenden Deutschen Sprache sehr viel sind/) nicht der älteste ist/ dennoch billich vor allen hoch gehalten/ und mit höchstem fleiß ausgeübet wird/ weil er umb seiner sonderbaren zierligkeit und ansehens halben numehr von langen jahren her in Keiser. Chur- und Fürstlichen Cantzeleyen und Höfen/ und von allen Ständen des H. Reichs/ insonderheit ist gebrauchet worden/ auch über dies unsere Theologen und andere gelehrte Leute so viel stadtliche Bücher darinn geschrieben/ und den Nachkommen hinterlassen haben.][776][aq]quem nascendi fortuna constituit tanquam patrium mihi Numen ac velut tutelarem Deum. Nihil metuo, ut adulationis damnari merear: cùm Deos Vos salutet ipse ille Summus, qui vicem suam atq; munus fungi inter homines jussit.[/aq][777][aq]Ego, cùm majora polliceri tenuitas mea non possit, DEUM Optimum Maximum, ut Illustrissimam T. Celsitud. Patriae, quae, inter extremas infelicissimorum temporum angustias, sacro Tuo & venerabili ore spiritum trahit, diutissimè superesse, & ad salutem praeesse velit, humillimis precibus invocabo.[/aq][778]VOn unsern Deutschen haben etliche vermeinet/ auch wol offentlich schreiben dörffen/ daß sie/ ich weiß nicht auß was für Ungnade des Himmels/ zu der Poeterey keine Liebe noch Anregung hetten/[779]mit Göttlicher hülffe[780]Und ob zwar in den Liedern/ die innerhalb kürtzerer zeit von frommen und gelehrten Männern gestellet sind/ bißweilen der Accent hindangesetzet wird/ so verspühren wir doch leichtlich/ daß sie solches gleichwol/ wo es ihnen nur möglich gewesen/ gern vermieden haben.[781][aq]Beda Presbyter[/aq] nennet in seinem ersten Buche [aq]de Re Metricâ[/aq] dergleichen abmessung [aq]Rythmum[/aq], und beschreibet ihn also: [… [aq]Quomodo instar Jambici Metri pulcherrimè factus est Hymnus ille praeclarus: Rex aeterne Domine[/aq] […] [aq]Et alii Ambrosiani non pauci. Item ad formam Metri Trochaici canunt Hymnum de die Judicii per Alphabetum: Apparebit repentina Dies Magna Domini[/aq], […]][782]Ja Kamphuysen hat auch in seinen Stichtelycken Rymen (wie er seinje Getichte nennet/) eine Christliche Klage von 1 Strofen/ da jegliche Strofe aus 34 Versen gemacht ist.[783]Und wolte Gott/ daß die letzten Worte nur allein vom Juvenale und nicht auch von vielen andern Poeten/ insonderheit denen/ so Epigrammata geschrieben/ dürfften gesaget werden.[784]SO wollen wir nun die Segel einziehen/ und mit unserm Schifflein/ nach dem wir dem Allergütigsten und Allerhöchsten für verliehene Gnade schuldiger massen gedancket/ in den erwünschten Hafen einlauffen.[785]Und in einem andern Getichte/ welches Er [Cats Spoockliefde nennet/ unter der Person einer Zauberinn/ den Teufel: [aq]Lucht-heerscher, Duyster-vorst, Wint-maker, Sinne-spoker,[/aq]][786]Hierher gehöret auch das jenige/ welches bei den Ebreern gebräuchlich ist/ und ein halb-reimiges genennet wird/ da nuhr ein und der andere schlus/ oder einer üm den andern sich reimet.[787]
Birken, Sigmund von
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[788]Die erste Menschen/ vor der Sündflut/ hatten ein faules freyes Leben[789]Ich vermeine auch hiemit dem lieblöblichen Frauenzimmer zu dienen/ indem ich alles Teutsch vorgetragen: wie dann heutigs tags derer viele/ sonderlich in unserer Genosschaft/ sich dieser edel-schönen Kunst befleißigen/ und in die Fusstapfen der Biblischen Debora/ Hanna und Judith/ ja auch der hochgelobten GottesMutter Maria treten.[790]Diese zweitrittige Art Sprungzeilen/ ist auch im Latein üblich/ wird [aq]genus Adonicum[/aq] genennt: und können wir sie auch wol/ dem höchsten HErrn zu ehren/ von Adon/ *[hebr.Adonische nennen.][791]Die Mönche haben vordessen/ die Grabschriften und andere Carmina, in dieser Art verfasset/ dergleichen eines von einen Erzbischof zu Mainz also redet: ¶ [aq]Nudipes Antistes! non curat Clerus, ubi stes[/aq]: ¶ [aq]Si non in coelis, stes ubicunque velis[/aq]. ¶ Leswürdig ist das große Gedicht eines Mönchs/ [aq]Bernhardi Morlanensis[/aq], von Verachtung der Welt/ ([aq]de contentu Mundi[/aq]) in welchem jeder Vers in der Mitte zweimal/ und allemal zween Verse hinten/ auf einander/ wiewol nicht allemal richtig/ sich reimen. Etwas davon zu zeigen/ werden die vier allerlezten hiermit angesetzet und geteutschet. ¶ [aq]Respice, respice nos, Patris unice Virgine nate![/aq] [… [S] […] ¶ Schau zurücke/ uns anblicke/ Gottes und Marien Sohn!][792]69 Auf solche weise kan man/ von allen Dingen/ von GOtt und Menschen/ von Engeln und Teufeln/ von Thieren und Pflanzen/ von Vögeln und Fischen/ von Himmel/ Meer/ Luft und Erde/ und was darinn ist/ von ihrem Werken/ Wesen und Theilen/ Zufällen und Eigenschaften/ Gleichniße hernehmen. Ich kan sagen: der ist mein GOtt/ wie Moses des Farao/ wie Augustus des Virigilius/ nämlich durch Wolthaten.[793]Ich sage/ das Bild ist Engel-schön/ diß Weib sein Teufel ist/ diß mich in Himmel hebt[794]73 Noch eine andre ist/ wann man zwar angenehm Gleichnis-redet/ aber zur Beschimpfung es widersinnig verstehet: wie der Prophet Esaias von dem Lucifer redet: ¶ Wol bist du Himmel-auf gestiegen! [… ¶ Also sagte GOtt/ von dem gefallenen Adam/ als er ihn aus dem Paradeis ausstieße: ¶ Nun Adam lebt in höhern Orden/ […] ¶ Wiederum die gottlose Soldaten/ in der Passion/ zu Christo: [S] ¶ Ja/ König/ sei gegrüßt! […] ¶ Diese Art/ wird von den Latinern [aq]Antiphrasis[/aq], die Widersinn-Rede/ genennet: wiewol sie solche unnötig/ mit den Namen [aq]Ironia[/aq] und [aq]Sarcasmus[/aq], eigentlicher ausdrucken wollen.][795]93 Auf die Gebändlinge/ folgen die SatzGebände oder Lieder/ in Latein [aq]Odae[/aq] oder (wann sie GOtt zu Ehren singen) [aq]Hymni[/aq] genannt.[796]Die gemeinste Lieder/ sind die gleichzeilige Jambische oder Nachtrittige: so vor alters die einige Poesy unsrer Vorfahren und die [aq]antiqua Carmina[/aq] gewesen/ wie sie [aq]C. Tacitus[/aq] ([aq]a[/aq] [[aq]de mor. German.[/aq] nennet/ darinn sie ihrer Helden Thaten beschrieben und gesungen. In dieser Gebänd-Art/ wurden auch die gewönliche KirchenLieder verfasset/ worunter von dem berühmten Hanns Sachsen eines zu funden. Ein neues Beispiel hiervon/ sei das folgende ¶ BußLied.][797]94 Weil die Vorspiele oder Exempel/ zur Nachfolge den Geist anfeuren/ als wird hiermit noch ein gleichzeiliges Lied von der Trochaischen Art angeführet/ welches aus einem Welt- zu Geistlichem Innhalt übertragen worden: ¶ Abend-Lied.[798]98 Wiewol jetzige Zeit sehr reich ist/ an fürtrefflichen [aq]Componisten[/aq]/ und daher viel schöne Arien täglich hervorkommen: so sind doch auch viel schöne alte GesangWeisen/ sonderlich von Weltlichen Liedern/ die man zum Geistlichen Lieder-setzen gebrauchen kan. Und obschon etliche solches verwerfen/ (wiewol es ehedessen von vornehmen Theologen viel geschehen) so finde ich doch dessen keine bündige Ursache: da ja jede Stimme GOtt loben sol/ der sie zu seiner Ehre erschaffen hat. Es dienet auch/ die Leute/ denen solche Melodien bekannt sind/ dadurch von der Eitelkeit zu GOtt abzuwenden. Ein Beispiel zu geben/ weil das bekandte Lied/ Laß ab laß ab mein Cavallier/ eine überaus-schöne Singweise hat/ als ist in selbiger gesezt worden hiernächst-folgendes auf die JEsus-Fürbitte absehendes ¶ Gebet-Lied.[799]104 Eine ungemeine Art von Liedern ist auch/ wann ein Spruch erkläret/ und von dessen Worten allemal etwas an jedes Gesetze gehänget wird. Ein Beispiel sei dieses/ über das gewönliche Vor-Tischgebet/ so aus Davids XLV Psalm V. 15/16 genommen ist. ¶ Mensch/ Fische/ Vieh und Vögelein/[800]112 Die Bildgebände/ deren viel Beispiele in den Schäfergedichten der Blumgenoßen hin und wieder anzutreffen/ sind keine neue Erfindung/ sondern fast vor zwei tausend Jahren allbereit üblich gewesen: maßen der uralte Griechische Poet und Hirtengedichtschreiber [aq]Theocritus[/aq], eine Axt/ ein paar Flügel und einen Altar/ in Versen ausgebildet/ hinterlassen. Ein Christlicher Poet kan ausbilden/ das heilige Creuz/ an welchem alle Welt/ durch den Tod des selbsten Lebens/ von Tod und Hölle ist erlöst worden: wovon ein Vorspiel hierneben folget. In der Guelfis/ ist zu finden ein Herz/ Becher und Buch; im I Hirtenged. des I Theils der Pegnesis ein Ambos; im V Hirteng. des II Theils/ ein Zepter/ Buch/ Kranz und Wage. Wer seinen JEsum recht kennet und liebet/ wird neben-stehendem Creuz noch viele nachmachen/ auch dergleichen mit der DornKrone der Geisel-Seule/ und andrem unsers theuren Heilands Passion-Zeug/ ersinnen können. [S ¶ Ach! diese Stätt][801]115 Die Letterkehren oder BuchstabWechsel/ in Latein [aq]Anagrammata[/aq] genannt/ lauffen auch mit in die Redgebänd-Arten/ mit ihren Erklärungen. Sie sind aber gleichfalls eine Sinnen-Marter/ und klingen übel/ wann sie erzwungen werden. Ist eine uralte Erfindung/ und bei den Ebreern/ [S schon gebräuchlich/ da sie von den Cabalisten [aq]Gematriia[/aq] genennt wird: maßen deren einer einen schönen Letter-Wechsel aus H. Schrift hervorbringet. ([aq]a[/aq] [Esa. 40 V. 26 [hebr.] [aq]Quis creavit haec? Anagr[/aq]. [hebr.] [aq]Deus creavit[/aq].])][802]In Franken/ heißt Dot/ einen TaufPaten/ und gibt diesen Ausfund: ¶ Tod : Dot.[803]146 Wir wollen nun die Gedichtarten nach einander beschauen/ und wie solche zu erfinden seyen/ in betrachtung ziehen. Die erste unter denselben sind/ die so-genannte [aq]Hymni[/aq] oder GOtt und den Himmel zu Ehren verfasste Geistliche Lieder: dergleichen zwar billig alle Lieder seyn solten. Droben ist erinnert worden/ wie übel es stehe/ wann ein Christlicher Poet/ die Namen der Heidnischen Götzen/ in seinen Gedichten anführet. Was ist dann erst dieses für ein Ubelstand/ wann man solches thut/ in Geistlichen Liedern und Gedichten/ und also die Lade des [S Bunds neben den Dagon/ den Belial neben Christum/ setztet? Dergleichen Unform/ erscheinet in diesen Reimen: ¶ Wann soll doch mein Leid sich enden/ ¶ […] ¶ Weil Geistliche Lieder für jederman/ auch für Ungelehrte/ gesetzet werden/ so hat man auch darum diesen Unform zu vermeiden. ¶ 147 Es folget aber hieraus nicht/ daß man/ zum gegenspiel/ in dergleichen Gedichten/ alle Poetische und Figürliche Redzierden hinweg lassen/ und nur schlechthin leblose Reimen leimen und daher lirlen müße. GOtt/ der uns den Verstand und die Rede verliehen/ hat uns ja nicht verboten/ zierlich von und vor ihm zu reden. Er hat auch befohlen/ daß man ihm ja nichts gebrechlichs/ dürres oder dergleichen/ sondern etwas gutes und unmangelhaftes/ opfern solle/ ([aq]a[/aq] [3 B. Mos. 22 V. 22]) sonst [S] werde es nicht angenehm seyn. Und wie solte es können GOtt gefallen/ wann ein fauler Gesell/ der das Gehirne nicht anstrengen mag/ ein rechtschaffenes Gedicht zu verfärtigen/ oder verfärtigen zu lernen/ ein leeres Gewörtel ohne Geist und Andacht/ wie es ihm ungefähr und in der Eile zwischen die Backen und Finger kommet/ auf das Papier sudelt/ und solche Schalen ohne Kern/ wie jener/ ihm aufopfert? ¶ 148 Da auch Geistliche Lieder zu des Nächsten Gebrauch/ und daß auch andere GOtt damit verehren/ geschrieben werden: wie kan/ durch ein solches HülfenLied/ die Andacht bei jemand erwecket und dessen Geist angefeuret werden/ da es ohne Geist und Andacht geschrieben worden? Ich setze/ zum Beispiel/ dieses Geschmiere. ¶ Was sagt König Salomon/ ¶ […]][804]Wer hiernächst-folgendes schönes Lied des seel. [aq]Gregorii[/aq] Richters nicht für bäßer hält/ als das vorige/ der verdienet/ daß man ihn/ durch aufsetzung der Midas-Krone/ hochgeohrt mache. ¶ Abmahnung vom Dienst der Eitelkeit. [… ¶ [S] […] ¶ 150 Dieses Lied ist so fürtrefflich und lehrreich/ daß es billig/ nicht nur in der Kirche/ sondern auch in allen Häusern erschallen/ und durch eine weitläufige Rede erkläret werden solte. Solches kan mit lebendiger Stimme geschehen/ durch die Belehrer der [S] Poesy-begierigen Jugend: um/ die schlimme Pöbelwähne von der eitlen zeitlichen Glückseeligkeit/ ihnen aus dem Sinne zu rucken/ und hingegen ihres himlischen Ursprungs sie zu erinnern/ daß sie dahin wieder zu kehren bedacht seyn sollen. Sonsten gibt dieses Lied auch anlaß zu erinnern/ daß die Geistliche Lieder/ wann sie Lehr-Lieder sind/ hinten mit einem GebetSeufzer/ wie hier in den drei letzten Gesetzen beschihet/ sollen beschlossen werden. Sie klingen aber sonst annemlicher/ wann sie Gebet-Lieder sind: da man gleichwol/ hin und wieder/ gute Lehren mit einstreuen kan. [S]][805]152 Bei dem Kind/ wird angeführet/ und als Prophetisch vorverkündet/ wie dorten von Noah/ und von dem Täufer und Vorläufer Christi Johanne/ wie der Sohn an Alter und Gnade bei GOtt und Menschen zunehmen/ was seine [aq]Studi[/aq]en und guter Wandel seyn[806]Wann man einer erwachsenen Person an seinem GeburtsTag glückwünschet/ so danket man dem Himmel/ daß er diesen Tag glücklich wiederkehren lassen; [… und wünschet endlich/ bittet auch den Himmel darum/ daß sie noch vielmale diesen Tag in Gesundheit und Wolstand erleben][807]Man kan auch sie selber/ von ihrer Liebe redend/ einführen/ und wie etwan eines und das andere ein Mönch oder Nonne werden wollen.[808]von Stiftung des Ehestands im Paradeis[809]Man spricht den Himmel um einen schönen Tag an/ wandert mit den Gedanken ins Hochzeitshaus[810]und daß sie endlich/ mit hinterlassung ihres gleichen lieben Leibs-Erben/ miteinander zu Gott in die süße Ewigkeit sanft und seelig abfahren mögen[811]159 Es ist zu beklagen/ daß bei Christlichen Hochzeiten/ meist nur von Uppigkeit geredet wird/ und der HochzeitGedichte absehen ist/ allein Braut und Bräutigam/ samt den Gästen/ mit (oft-schandbaren) ScherzReden zu ergetzen. Es ist ja der Ehestand ein heiliger Stand/ von Gott selbst/ noch im Stand der Unschuld/ eingesezt/ und der nicht allein vielen Lastern wehret/ sondern auch das Reich des Himmels mit seel. Bürgern anfüllet/ und die Welt fortpflanzet. So solte er demnach billig mit Gebet und Ardacht/ gleichwie von den Verlobten angefangen/ also auch von andern eingesegnet werden. Da solte man anführen die schöne Exempel der Heiligen/ wie Adam [S mit Eva bei dem Hochzeitgesang der Engel/ Isaac mit Rebecca da er ausgegangen zu beten/ Jacob mit Rahel nach großer Mühe und Arbeit/ gleichwie auch Tobias und Sara/ vermählet worden/ und wie Christus dem HochzeitFest zu Cana beigewohnet/ und dasselbige gesegnet: welcher dann billig/ vor allem andern/ zu einer jeden Christlichen Hochzeit soll eingeladen/ und bei der Hochzeit also tractirt werden/ daß er lust bekomme/ der neuen Eheleute ihr Hausgenoß zu bleiben. Man könte auch jedesmal einen Spruch aus H. Schrift/ der vom Ehestand handelt/ unter die Feder nehmen/ und mit einem Geistlichen Gedicht erklären: Insonderheit aber anführen/ wie der Ehestand mit Christi Liebe gegen seiner Gemeine von S. Paulo*[Ephes. 5 V. 25 seqq.] verglichen werde. Kein zweifel ist/ daß die Ehen viel gesegneter seyn und bäßer ersprießen/ wann sie also mit Gott angefangen würden. ¶ 160 Dißorts ein Beispiel zu geben/ weil/ die Menschwerdung des Ewigen [S] und einigen Sohns GOttes JEsu Christi/ sich wol eine ¶ Vermählung der Himlischen Gottheit mit der Irdischen Menschheit ¶ nennen lässet/ wird solche als eine Geistliche Hochzeit/ mit folgendem Gedichte besungen. ¶ Diß ist der Tag/ das Wunder-Fest/ […] [S] […] ¶ 161 Ich will hier noch beibringen einen Christlichen Hochzeitwunsch/ mit welchen ich vor 25 Jahren Herrn Joachim Pipenburg/ bei der wollöbl. Stadt Lüneburg vornehmen Ratsherrn und Gerichts Präsidenten/ verehret. Weil selbiger in einem siebenständigen Sinnbilde bestehet/ und von den Sinnbildern dißorts noch nichts gesaget worden/ so ist zu wissen/ daß selbige mit den GleichnisReden (S § 68 im I Buch 7 Cap.) eine große Verwandschaft haben/ und in selbigen dreien Stücken/ nämlich in der Sache/ von der man redet/ in dem Gleichenden/ und in der Gleichis/ bestehen.][812]162 Alle Dinge und Thaten/ die sich bilden lassen/ sind die Materie von dieser schönen Kunst. Gott selbst/ und sein Sohn unser Heiland/ haben auf Erden/ mit den Profeten und Aposteln durch Gleichniße und Sinnbilder geredet: wie an des Jonas Kürbis zu sehen/ der ihm die Liebe Gottes gegen den bußfärtigen Niniviten vorbilden müßen. Also wird man/ in heiliger Schrift/ viel tausend Sinnbilder finden/ und darf man nur eine Deutschrieft darzu setzen[813]Doch werden [aq]Genij[/aq], Knaben oder Engel mit Tauben- und Muckenflügeln (gute und böse) zugelassen/ etwan auch wol Frauenbilder/ wann man Tugenden und Laster will vorstellig machen.[814]Sonsten wird deren sonderbare Zierde darinn gesuchet/ wann ein [aq]Hemistichion[/aq] oder halb Vers aus einem bekannten Redner oder Poeten/ oder ein kurzer Spruch aus heiliger Schrift/ darzu genommen wird. Dergleichen hat das Zweite SchäferGedicht des Zweiten Theils der Pegnesis: da der Danae Fabel-Thurn/ mit Gold beregnet/ den Him-[SmelSegen anwünschet/ mit der Beischrift aus [aq]Horatij XVI Ode III[/aq] Buchs V. 8. ¶ [aq]Converso in precum Deo[/aq] ¶ und des Teutschen BibelSpruchs I B. Mos. 15. V. I. Ich bin dein sehr grosser Lohn. ¶ 164 Vor-erwehntes Siebenständiges Hochzeit-Sinnbild/ zeiget I ein beladenes Karrgeschier mit einem zerbrochenen Rad/ da ein Engel-Knab ein neues anstecket: den wieder-vermählten Witwerstand bemerkend. Das Wort ist/ ¶ Komt Eins ihm wieder bei; ¶ Und die Erklärung: ¶ Was ist diß Leben hier? Ein Leidbeladener Wagen/ […] [S] […] ¶ 165 Das zweite [aq]Emblema[/aq] machten zwei SaumRosse/ deren eines unter der aufgebürdeten Last erliget/ dazwischen ein EngelKnab stehend ihme die Last zum theil ab- und dem andern Roß´aufbürdet; mit der Schrift: ¶ Viel leichter tragen Zwei. ¶ Solches wird erkläret/ durch folgende Zeilen: ¶ Freilich sind wir Roß’ und Mäuler. Sünde hat uns eine Last/ […][S] […] ¶ 166 Das dritte [aq]Emblema[/aq], bringet durch eine Hand aus der Wolken/ auf einer güldnen Schale/ eine köstliche Perle/ darunter ligt ein Herz mit dem Namen GOttes bezeichnet: ausbildend die Sprüche/ daß ein Tugendsam Weib edler dann/ Gold und Perlen sei/ vom HErrn komme/ und dem gegeben werde der GOtt fürchtet. ([aq]a[/aq] [Sir. 7 V. 21 c. 26 V. 3 Spr. 31 V. 10 c. 19 V. 14]) Diß erkläret folgender Spruch/ samt den Versen: ¶ GOtt dieses Gut verleih! ¶ Ein Weib/ das reich an Witz und Tugend-Haab/][815]Mit denselben haben eine große Verwandschaft/ die KlagLieder oder [aq]Threni[/aq]: also benamet/ weil sie gleichsam mit Threnen geschrieben werden. Es wird damit der Untergang/ nicht allein großer Leu-[Ste/ sondern auch der Städte und Länder beschrieben: dergleichen sind/ die KlagLieder des Profeten Jeremiae/ womit er dem verstörten Jerusalem und Tempel zu Grab gesungen/ welche unser Gekrönter gar schön und beweglich Vers-geteutschet. ¶ 170 Diese Lieder sind recht Poetisch gesetzet/ klagen und reden schön figürlich/ wemmern beweglich/ und sagen alles/ was zu dieser Materie dienlich ist. Dann erstlich beschreibet er die Verwüstung der Stadt und des Landes/ die hinmordung und entführung der Inwohner/ und wie sie ihren Nachbaren ein Spott worden. Dieser Verderbnis/ hält er entgegen/ den vorigen Wolstand. Er bekennet/ daß man solchen Jammer mit Unbusfärtigkeit herbei gezogen: weswegen jeder/ nicht wider den Verderber/ sondern über seine eigne Sünden/ zu murren habe. Er erkennet/ daß diese Straffe von GOtt komme/ der sie/ aus dem Himmel ihrer Glückseeligkeit/ auf die Erde alles Elends geworfen. Er wünschet/ daß GOtt die stolzen Verfolger/ weil [S] sie damit seine Ehre nicht suchen/ sondern allein ihren Frefel üben/ auch also zurichten wolle. Er klaget zwar/ daß GOtt sich versteckt habe/ und kein Gebet zu ihm hindurch wolle. Er tröstet aber hierbei/ daß die Güte des HErrn alle Morgen neu und seine Treu groß sei; daß er nicht ewiglich verstoße/ sondern sich wieder erbarme/ und die Menschen nicht von herzen plage. Darum beschließet er/ es sage ihm sein Herz/ und er hoffe/ daß GOtt an sie gedenken/ sie wieder zu ihm bringen und heimkommen lassen werde. ¶ 171 GOtt bewahre unser Teutschland/ für der Juden Sünde und deren Straffe/ und verhüte/ daß kein Jeremias dergleichen KlagLieder zu verfassen Ursach gewinne. Es ist aber/ solang die Welt stehet/ keine größere Verheerung geschehen/ als da Juden und Heiden sich an den Menschen gesmacht/ in welchen die Fülle der Gottheit/ als in dem rechten Jerusalem/ wohnet/ und ihn am Stamm des Creutzes schmerzlich sterben gemacht. Demnach/ zum Beispiel eines KlagLieds/ [S] werden hiermit angeführet/ diese ¶ Unter dem Creutz Christi vergossene Creutz-Threnen.][816]Man klaget über das leidige Gesetze der Sterblichkeit und Irdischen [S Vergänglichkeit: wodurch alles/ was uns labet/ vergehen muß/ und uns wieder genommen wird/ gleichwie es uns auch von GOtt/ nicht geschenket/ sondern nur geliehen worden. Man beneidet das Grab/ daß es forthin das Gefäße sovieler Gaben haben/ und bewemmert/ daß der fürtreffliche schöne Leib verfaulen soll. Alles/ was den Augen begegnet/ redet man an/ und heist es mit trauren. Man klaget/ daß die Bürger und Kinder ihren Vatter/ der Tempel seinen Simeon oder Hanna/ das Haus sein Dach und Grund/ die Armen ihre Wolthaten-Qwelle/ die Befreundten ihre Freude und Zierde verlohren.][817]173 Zu kräftigem Trost wird gedeyen/ wann man ihm selber/ oder andern Leich-betrübten/ vorstellet: wir GOtt diß Kleinod zu sich genommen/ bei dem es nun aufs allerbäste verwahrt sei; wie es nach Gottes Willen ergangen/ deme man nicht widerstreben müße; wie dieser Göttlicher Wille allezeit gut sei/ und auf unser bästes denke/ ob schon die Umstände böse scheinen; wie man/ mit Hiob/ GOtt auch im Creutz loben und sagen müße/ der HErr hats gegeben/ der HErr hats genommen; wie GOtt/ was er gegeben und genommen/ dort im Himmel wiedergeben werde/ und es billig heiße/ Wiedersehen macht/ daß man Scheidends nicht acht. Man muß anführen/ daß diß Leben ein täglicher Tod sei/ da man nur immer sündigen/ leiden und streiten muß; und wie man im Tode/ der alles Ubel endet/ und die Thür zur Seeligkeit ist/ erst ewig zu leben anfahe; wie der Verstorbene hier beschwerlich in der Fremde gereiset/ mühsam gearbeitet und gelaufen/ gefärlich gekrieget und See-gefahren/ elendiglich [S gefangen gesessen: den der Tod hingegen nun ins ewige Vatterland heimgeführet/ zu Ruh und in den Himmels-Port gebracht/ mit dem SiegesKranz gekrönet und aus dem Gefängnis erlöset/ die JEsus-vermählte Seele ihrem Bräutigam zugeführet/ und den UnglücksWinter in einen immerwährenden Freuden-Früling verwandlet. Man kan hinzu setzen/ daß es darum ein Neid seyn werde/ wann man den Verstorbenen in seiner Freude betrauren wolte/ und daß man gleichseeligen Wechsel vielmehr zu wünschen habe.][818]Man kan auch den Verstorbenen/ oder einen Engel/ redend einführen/ wie er beschreibet/ in was Freuden er jezt lebe. Man kan eine Trostschrift machen/ als wann sie der neue Seelige selbst/ seinen betrübten Ehegatten zu trösten/ von Himmel herab gesendet hätte: Der-[Sgleichen im V Schäferged. des II Theils der Pegnesis zu lesen ist. Einen Vatter oder Regenten kan man damit trösten/ daß er seines gleichen hinterlassen: weswegen es soviel sei/ nach der H. Schrift Ausspruch/ als wann er nicht gestorben wäre. Zum Vorspiel dessen/ was bisher gesagt worden/ folget hier ein der Heiligsten Leiche unsres Erlösers JEsu Christi gewidmetes GrabLied. ¶ 1 Wo trägt man meinen JEsum hin?][819]180 An den Personen/ (welche/ je höher sie sind/ je bäßer ihnen das Lob anstehet/ als welches fürnemlich Gott und frommen ErdGöttern gebühret) wird erstlich gepriesen ihre Ankunft/ Ort und Zeit der Geburt/ die Familien und löbliche VorEltern.[820]181 Nach diesem preiset man ihren Wandel im Weg der Tugenden/ und vörderst die Königin unter denselben/ die Gottesfurcht/ (welche den Erd-Göttern voraus wol anstehet/ weil sie Gottes Ebenbilder und Statthaltere auf Erden sind) durch deren antrieb sie Gott geehret und geliebet/ auch Kirch und Schulen/ und deren Vorstehere/ ingleichen Witwen und Weisen/ gefördert und geschützet. Man erzehlet/ wie sie/ gleichwie in der Macht/ also auch in ihrem Thun/ Gott-ähnlich gewesen/ und ihme in allen Tugenden/ in der Heiligkeit/ [S Güte/ Sanftmut/ Gedult/ Gerechtigkeit und Mildigkeit nachgeahmet; wie sie/ in Demut/ Keuschheit und Mäßigkeit/ Engel im Fleisch gewesen.][821]Einem Hohen kan man rühmlich zulegen/ daß er/ nicht allein die Göttliche Schrift/ sondern auch das WeltBuch die Historien/ daraus die (nicht-Machiavellische) StaatsKunst erlernend/ und das schöne Buch der Natur/ ämsig gelesen und durchblättert.[822]Geistliche Lobgedichte sind nützlicher/ wann sie können gesungen werden: wie dann hier/ zum Beispiel/ folget/ ein [S ¶ Lobgesang GOttes des Himlischen Vatters.][823]Im NeuJahrswunsch/ danket man dem Himmel/ daß der die Person/ deren man glükwünschet/ bei Gesundheit und Wolstand erhalten/ und sie das Neue Jahr wolerleben lassen.[824]Man vorsaget/ entweder aus der Zahl des Jahrs/ und durch einen die JahrZahl haltenden Spruch/ oder aus der GestirneZusammenblick und Einflüßen/ oder aus wolgesinnter Mutmaßung/ viel Gutes/ und stellet sich an/ als wann man aus Profetischem Geist weissagte. Man erzehlt/ was man/ oder wol Stadt und Land/ von der Person im vorigen Jahr Gutes empfangen/ erkennet und nennet sich darum Schuldner/ und stellet Gott/ als den Allvergelter/ zum Dank- und ZahlBürgen. Von demselben nun wünschet man/ der Person und den ihrigen/ gesundes [S Auf- und unaussetzliches Wolwesen/ Göttlichen Segen und Beistand zum Beruff/ Aufnahm an Ehren/ der Engel Schirm wider die Feinde/ Sicherung für Gefahr und Schaden/ Freude und Vergnügung/ und noch viel solcher lieben Jahre. Man empfihlt sich endlich von neuem in die alte Gunst/ und erbietet sich zu ersinnlichen Diensten. ¶ 185 Ein Geistlicher NeuJahr-Wunsch folget hier/ der alles kurz zusammen fasset/ und gleichfalls zu Anfang der Woche und des Monats kan gebrauchet werden. ¶ NeuJahr-WunschLied.][825]Man kan vom Binden und Anbinden sagen/ das Glück der Person durch einen Wunsch an die Hand Gottes binden/ und sich verbunden bezeugen.[826]Also kan man/ gegen einer Lucretia und Catharina oder Reinhild/ von ihrer Keuschheit/ gegen einen Joseph von seinem Ehrwachstum reden/ und aus Gabriel Gar-Lieb/ aus Simeon in Mose/ aus Daniel in Adel/ aus Gustavus Augustus/ machen. Wer den Namen über alle Namen/ den [S allerwürdigsten Namen JEsus liebet/ der wird ihme/ mit mir/ gerne folgendes Bitt- und EhrenLiied widmen. ¶ 1 JEsu! dich verehre ich/][827]Man kan erwehnen/ wie zwar hauptsächlich GOtt allein die Ehre gebühre: aber auch denen/ die auf Erden an Gottes stat andern Menschen vorstehen/ und GOtt in tugendlichen Eigenschaften nachahmen. Billig werden solche geehret/ als Gefäße der Gaben Gottes: dem die Ehre/ die man selbigen anthut/ selber zukommet. Man kan sagen/ wie große feurige Geister nicht feiren/ sondern immer aufwarts [S und zur Höhe lohen/ bis sie solche ersteigen; wie die Ehre der Tugend/ gleich als der Schatten den Leib/ nachfolge/ und denjenigen selber suchen/ der durch Tugendliche Verdienste sich deren würdig machet.][828]Man wünschet hierauf/ da seine Tugend-Arbeit ihm Ehre gebohren/ und nun der Ehre Frucht wiederum die Arbeit seyn werde/ daß GOtt/ zu ertragung dieser Last/ ihm Leibs- und SeelenKräfte verleihen wolle/ damit er wol heben und tragen könne/ was ihn erhoben. Man verspricht dem Vatterland und Ort viel Glückwesen von ihme/ und wünschet auch ihme hierzu Glück/ Gesundheit und ein langes Leben/ mehrern Ehr-wachstum/ und endlich die ewige Ehre in jenem bäßern Leben/ samt dem Nachruhm auf Erden. [S ¶ 189 Weil so ein EhrenWunsch in dem IV Hirtenged. des II Theils der Pegnesis zu finden/ auch hernach dem Abreis-Wunsche angehängt wird/ als lassen wir es hierbei bewenden/ und schreiten fort zu den Buch-Ehr Gedichten. Selbige loben erstlichen den Verfasser des Buchs/ nach inhalt der Lobgedichte: sonderlich darum/ daß er sich befleißet Gott und dem Nächsten mit der Feder zu dienen.][829]Ists ein Werk/ daß von GottesWort und zu dessen Ehre redet/ so saget man/ wie daß Gott dieses Buch in sein Buch des Lebens schreiben/ und den/ der ihn damit beehret/ wieder ehren werde. Dergleichen EhrenZuruff/ ist nachfolgendes Gedichte. ¶ Was ist das große Buch/ das Gottes Geist geschrieben/[830]Man vergleicht ihn mit andren/ die vordessen gelebt und ihre Nation errettet: sonderlich mit Abraham/ Josua/ Gideon/ Simson/ David und andren Bekandten des Volks Israel/ und mit andren Helden aus den Welt-Historien.[831]Man danket ihme folgends/ daß er um das Vatterland sich so wolverdient ge-[Smacht/ welches nun ihme/ nächst GOtt/ sein Heil schuldig; und saget/ wie er/ dessen Sohn/ forthin billig dessen Vatter heiße/ als dessen Erhalter.][832]192 Hat jemals ein Held dergleichen SiegZuruff verdienet/ so ist es unser HErr und Heiland/ der Mensch-Gott JEsus Christus: als welcher den grösten Feind/ Gottes und der Menschen/ den höllischen Erzmörder/ und seine Helfer/ den Tod und die Hölle/ geschlagen und überwunden/ und am Heil. Ostertag von ihnen wiederkehrend/ den SiegesFahn geschwungen/ und sein/ Ich lebe und ihr solt auch leben/ ausgeruffen hat. Diesem Siege und Sieger/ sei dann hiermit folgendes Lied gewidmet. ¶ Wer ist es dann/ der dorten zieht herauf?[833]Man bekennet/ daß man/ durch des Wolthäters Gnaden Mänge/ Dank-mangelhaft worden/ und bei Reichtum arm sei. Man vergleicht ihn andern/ die vor ihm gewesen/ ja dem großen Gott selber: dessen Eigenschaft ist/ immer und jederman geben/ und nichts dafür empfangen. Man klaget/ mit jenem [aq]Philosopho[/aq], man habe diß einige Unrecht von ihm erlitten/ daß man undankbar sterben müße.[834]Endlich/ weil man bei sich kein Vermögen/ solche Wolthaten abzudienen/ findet/ so stel-[Slet man GOtt/ den Höchsten Allvergelter/ zum ZahlBürgen/ wünschet lang-gesundes Leben und allen Wolstand/ und opfert seine Feder der Fama/ in des Wolthäters Lob zu fliegen][835]194 Wer ist/ der uns zu mehrerm Dank verbindet/ als der große GOtt/ unser Vatter und Erlöser? Was hülfe uns aber die Erschaff- und Erhaltung/ wann wir nicht von Sünden erlöst und also zum Ewigen Leben erkauft wären. So folget dann hiermit ein zu GOtt aus dem CXVI Psalm abgehendes ¶ DankLied ¶ für die Vergebung der Sünden. [… [S] […] ¶ 195 Solch ein DankGedicht ist auch/ des geistreichen Paul Gerhards Lied/ (Wer wol auf ist und gesund) worinn man GOtt für die Gesundheit danket/ welche/ nach der Seel-Versöhnung/ wol die edelste Gabe Gottes ist. Dieses schöne Lied/ wird mit GOtt/ künftig in meiner Geistlichen HausCapelle zu finden seyn. Bei den Latinern und Griechen/ werden dieser Art Gedichte [aq]Soteria[/aq] genennet. Dergleichen eines/ von dem preiswürdigen Preußen/ H. [aq]Kempio[/aq] A. 1664 an mich geschrieben/ in ermangelung eines andern/ allhier zum Beispiele dienen kan. ¶ Clio! sei mit mir erfreut/][836]Man wünschet ihme/ das [S SchutzGeleite der himmlischen Leibwacht/ und sonst gute Gefärtschaft/ auch insonderheit/ daß er/ wie Herkules/ Gott und die Tugend zu Führern haben möge. ¶ 198 Der schmerzlichste Abschied mag zweifelsfrei gewesen seyn/ als die lieben Apostel ihren HErrn JEsum musten von der Erde abfahren sehen: wiewol dieses hierbei ihr Trost gewesen/ daß sein Hingang die Zukunft des H. Geistes gefördert. Wir wollen/ mit ihnen/ auf das Himmelfart-Fest/ diesen unsren getreuen Heiland also abgesegnen. ¶ Muß es hier dann sein geschieden/][837]200 Der gewön- und sehnlichste Abschied ist/ wann wir diese Welt segnen. Da erzehlet man/ wie man auf [S Erden gekränkt gelebet/ Unrecht erlitten/ vom Neid verfolgt/ von der Bosheit geplagt worden: das nun alles aufhören werde. Man danket Gott/ den Obern/ den Befreundten und guten Freunden/ für alle Gnad und Wolthaten/ Liebe und Treue. Man nimmt Abschied von den Seinen/ befihlt sie GOtt/ vermahnet sie zur Gottesfurcht und Tugend/ wünschet ihnen tausend Gutes/ tröstet und segnet sie/ und freuet sich ihrer seeligen Nachfart. Man verzeihet den Feinden/ bittet hinwieder jederman um Verzeihung/ wünschet Bekehrung/ und danket für die Verfolgung/ die nur ein Wegweiser zu Gott gewsen. Man freuet sich/ einmal von der Wanderschaft ins Vatterland/ von der Mühe zur Ruhe/ von der Meergefahr in den Port/ von dem Kampf zur SiegsKrone/ vom Wettlauf zum Kleinod zu gelangen. Man gibt endlich gute Nacht/ befihlt seine Seele in Gottes Hände/ bittet um den H. Geist/ der im Herzen ruffe und tröste/ wirft sich in JEsu Wunden/ und glaubet/ daß die Heil. Engel [S] den Geist in Abrahams Schoß tragen/ den Leib im Grab bewahren und einmal aus denselben verklärt gen Himmel abholen werden. Ein dergleichen kurzes AbschiedLied/ ist folgendes. ¶ HErr! es steht in deinen Händen!][838]Man danket dem Himmel dafür/ und dem Orte/ der die Person hergesendet/ und erfreuet sich/ daß man den Tag erlebet.[839]Man erwehnet/ weil er das Land beglücke/ so müße es ihm wieder beglücken: und wie man bisher um ihn gebetten/ also werde man hinfort für ihn den Himmel bitten.[840]202 Keinen größern Gast können wir bekommen/ als in unsere Herzen den Heil. Geist: der kan dann/ nicht nur am PfingstFest/ sondern alle Tage/ also bewillkommnet werden. ¶ Sih auf/ mein Herz! es kommt ein edler Gast.[841]Weil diß Buch/ gleichwie billig Alles/ der Ehre des Himmels sich widmet/ als ist jede Art mit einem Gedichte Geistlichen inhalts bebeispielet worden. In meinen Gottes- und Todes Gedanken/ Lorbeerhainen und BirkenWäldern/ sowol auch im gedruckten Ostländischen Lorbeerhain/ in der [S Guelfis und in beiden Theilen der Pegnesis/ werden auch viel solche Exempel/ zur beliebigen Nachahmung/ dem begierigen leser sich anbieten.][842]Doch darf man auch von Sonne/ Mond und Sternen/ von Wolken/ und von allen andern natürlichen Dingen/ auch von Städten und Vestungen/ von Sitten und Tugenden/ von der WeltEitelkeit/ vom Sterben/ von Höllischen Satyren und deren Betrug/ reden. Wann man von [S Hohen Personen redet/ so erwehnet man/ wie unter ihrem Schutz der Feldman in Sicherheit und Segen lebe/ frölich weide und auf seiner Schalmei spiele: und wird hierauf Heil gewünschet/ gewünschet/ und abgeredet/ wie man sie/ zum Dank/ von der Heerde und den Feldfrüchten/ wieder beschenken wolle. ¶ 206 Es ist hieraus leichtlich zu erachten/ was reiche Materie ein gelehrter Schäfer habe/ dem Allerhöchsten/ von dem er insonderheit allen Segen seines Feldes erwarten muß/ seinen Danken zu zusingen: maßen diese Gedicht-art/ als die ältste und edelste/ billig vor andern in ihren Ursprung wiederkehret/ und den Himmel ehret/ den ein Feldmann stets vor augen/ auch in sovielen schönen Geschöpfen zu betrachten anlaß hat. Wie man auch ihn/ um Geistliche Wolthaten/ durch Eclogen verehren könne/ folget hier ein Vorspiel des nun im Himmel singenden PegnitzSchäfers und Poeten Klajus/ worinn er etliche Ebreische Hirten/ die Geburt JEsu Christi besingend/ aufführet/ und dadurch ande-[S]ren/ gleichwie anch sonst in seinen GottesGedichten/ zur Geistlichen Poesy-Nachfolge/ vorleuchtet. ¶ Bei Eder/ jenem Thurn/ gieng dorten auf der Weide][843]211 Einer Christlichen Feder stehet wol an/ daß sie einen frommen unsträfflichen Helden erwehle: um/ des allgemeinen Absehens aller Schriften eingedenk/ nicht allein damit den Lehrer zu belusten/ sondern auch ihm zu nutzen. Ists aber ja eine verkehrte Person oder That/ so muß deren Untergang und Ubelauslauf den Gottlosen zum Busspiegel aufgestellt werden: es sei dann/ daß man einen geplagten HerzChristen wollte vorstellig machen. Wer mit seinem Buch erbauen will/ der muß die Laster bestrafft/ und die Tugend belohnt beschreiben. Sonsten muß der Gedichtschreiber nicht/ wie der Geschichtschreiber/ von vornen/ sondern mitten aus der Historie mit einer namhaften Begebnis anheben/ und das vorhergehende hernach durch Personen erzehlen lassen. Insonderheit hat er zubeobachten/ daß die Per-[Ssonen/ die er einführet/ einerlei Gemütsregungen behalten/ und/ der einmal ein genügsamer Fabricius gewesen/ nicht hernach ein Crassus erfunden werde.][844]Als aber nachmals fromme Regenten anlaß gegeben/ von ihren löblichen Thaten zu red-spielen/ die dann auf einen guten Beschluß hinaus gelauffen/ hat man solche Spiele Tragico-Comoedias oder TraurFreudenspiele genennet.[845]maßen/ da ja in Comödien von Tugenden/ und in Tragödien von Helden und Helden-Thaten gehandelt wird/ jene schicklicher TugendSpiele/ diese Helden-Spiele/ können genennt werden. Dieser letzern Gattung sind/ meine Margenis/ die vom Teutschen Frieden und Unfrieden/ unter dem Fürhang [S eines Gedichtes handlet/ und der aus H. [aq]P. Masenii[/aq]Latinischem übersezte Androfilo. Diesen aber ist vorgegangen die Psyche/ welche/ gleich dem vorigen Schauspiel/ unter einem Gedichte/ von der Erschaffung/ Abfall und Erlösung des Menschen handlet/ aber die Historie weiter und bis zur lezten JEsus-Zukunf hinausführet. Und dieses wird/ als ein Beispiel/ drunten zu Ende angehänget.][846]Daß/ auf Christlichen Schaubühnen/ Heidnische Götzen nicht auftreten sollen/ ist droben im VI Cap. erinnert worden: und können/ an derer stat/ Göttliche Eigenschaften/ Tugenden und Laster/ auch Flüße/ Länder und Städte in Frauen Gestalt/ oder als gute und böse Engel/ Genii und Knaben/ in der Luft erscheinen/ oder durch [aq]Machin[/aq]en heruntergelassen werden/ und wieder verschwinden. Damit werden wir erlangen/ daß auch Gott und seine Engel unsere Spielschauer seyen/ und Wolgefallen daran haben: die hingegen fliehen/ wann sie Teufel oder deren Qwalgenoßen auftreten sehen. ¶ 226 Der Held/ welchen man als Hauptperson vorstellet/ muß ein Für-[Sbild aller Tugenden/ und zwar erstlich gekränkt seyn/ aber endlich ergetzet werden. Ist er aber ja ein Tyrann oder Böswicht/ so soll ihm seine Straffe auf dem Fus nachfolgen/ oder er endlich/ wie der König Manasse/ bekehrt werden. Dann wann/ in Schauspielen/ die Tugend nicht belohnt/ und die Laster nicht gestrafft erscheinen/ so ist solches ärgerlich und eine Gottslästerung/ weil es der Göttlichen Regirung zuwider lauffet.][847]Nicht minder muß man hier viel LehrSprüche einmängen/ oder gar Spruch-reden/ wovon in der Psyche leztem Auftritte der III Handlung ein Beispiel zu sehen: dann Schauspiele [S müßen lehrreich seyn/ und neben dem Belusten zum Nutzen dienen.][848][Frontispiz][849]Daß Jacob der Patriarch/ Moses der Fürst und David der König in Israel/ zugleich Hirten und HimmelsDichtere [S gewesen/ ligt von diesen beiden am tag/ und ist von jenem zu mutmaßen. Sie sangen anfangs/ (schreibt der Edle Scaliger (a [[aq]de re Poët[/aq].])/ der dieser meinung zustimmet) gekrönt mit Blumen und Grün zweigen/ unter schattichten Bäumen stehend/ lehnend oder sitzend/ oder mit der Heerde fortspazirend/ den Schäferstab in der Hand/ und die Hirtentasche/ darinn Brod und Wein/ am Leib tragend. Arcadien und Sicilien/ sind bei den Griecheu/ von solchen gelehrten Hirten berühmte Landschaften. ¶ Es scheinet/ die Zeit/ die nun bald in die Ewigkeit sol verwandlet werden/ kehre mit ihrem Ende/ wie eine in Zirkel [S] geschlungene Schlange/ in ihren Ursprung zurücke. Sie höret auf mit diesem Thun/ wie sie angefangen/ und macht ihre jetzige Poeten zu Schäfern.][850]Es sind zwar deren schon Neune/ aus dieser WeltWüsten/ zu unserer heiligen PassionBlume in den himmlischen WollustGarten abgefahren: aber ihr Gedächtnis grünet noch/ im ewigem Andenken/ und in dem von unsrem preiswürdigen Myrtillus sinnreich-angelegten Irr-Wald/ welchem der Himmel immer-grünen Wachstum verleihen wolle.[851]daß Sie/ GOtt Ehr-wucherend/ auf Erden Ruhm-leuchte/ und dorten in aller Glori fortgrüne![852]Und daher/ glaubt man nicht ohne Warheit-schein/ hat Jubal anlaß genommen/ wie das Buch der Schöpfung von ihm berichtet/ Geigen zu erfinden/ und aus Rohren/ darein der Wind gepfiffen/ ihme Pfeifen zu schneiden. ¶ 2 Plutarchus nennet die Musik/ eine Göttliche Erfindung: (a [griech.) gleich als wäre sie/ durch die himmlische Heerschaaren/ die Gott ohn unterlaß lobsingen/ als ein Vorschmack des Himmels/ auf Erden herab gebracht worden/ damit die Menschen etwas hätten/ womit sie ihr [S] Elend trösten mögen. Indem nun/ des Jubals und Jabals Schüler und Schäferei-genoßen/ also aufspielten und sangen/ ward ihre Schwester/ die schöne Naema/ samit ihren Gespielinen damit herzu gelocket: die dann einen Reihen schlossen/ und nach dem Thon ihrer n- und Pfeifenspiele gedanzet. Als nun selbige Feld-Musikanten in diese Dänzerinnen sich verliebet/ wurden sie veranlaßet/ Liebesklagen zu verfassen und in das nspiel zu singen. Und solcher gestalt hat/ die Liebe/ zu erfindung der Poesy/ den ersten anlaß gegeben. So ein Liebgedichte sol vor alters die Erifanis dem Menalcas/ einem berühmten Jäger/ gemacht und gesungen haben. ¶ 3 Dieses thäten die Cainiten. Löblicher aber verfuhren/ die von der Kirche der Erzvätter. Adam/ der Fürst und Vatter unter denselben/ hat ohnezweifel/ mit seiner Eva im Paradeis unter dem Baum des Lebens/ GOtt ihrem Schöp-[S]fer Lob-gesungen. Nachmals/ wann diese heil. Vätter im Grünen lagen/ hatten sie ihre Gedanken zu Gott/ schwebten damit im Himmel/ den sie über und vor sich sahen/ betrachteten in den Geschöpfen den Schöpfer/ auch an der Sternenburg den Ursprung ihrer Seelen/ und/ an stat der eitlen irdischen Liebe raum zu geben/ dichteten sie Lieder zur Ehre GOttes/ und sungen solche bei Verrichtung des Gottesdienstes/ oder ließen sonst Gesänger voll Tugendlehren erklingen. Diß geschahe/ wie zu vermuhten ist/ in der ersten Welt vor der Sündflut: da man ja nicht in der Beehrung GOttes wird gefeiret haben/ sonderlich in des Henochs Schule/ der ein Göttliches Leben geführet. ¶ 4 Nach der Sündflut/ ist/ vor Mose Zeiten/ keiner Poesy oder einiges Lieds gedacht worden: außer daß sich vermuten lässet/ Noah werde/ nach der Sündflut/ beim Opfer/ ein Lob- und Danklied GOtt zu Ehren gesungen/ und [S] der Schäfer Jacob/ zu Haran in Mesopotamien/ auf der Weide bei den Heerden/ seiner schönen Rahel/ die er innigst geliebet und 14 Jahre um sie gedienet/ manches HirtenLied gedichtet haben. Er wohnte nachmals bei den Thurn Eder/ ([aq]a[/aq] [Gen. 23. V. 21]) nahe bei Betlehem/ welcher Ort ohnezweifel von ihm und seiner SchafeTrift/ diesen Namen (Heerde) bekommen: und wird er daselbst seinem GOtte/ der ihn beschirmet und gesegnet/ manches DankLied gesungen haben. Daß aber die Hebreer/ und andre Völker in den Morgenlanden/ Poeten gewesen/ erscheinet aus den vielen in Heil. Schrift aufgeschriebenen Liedern und Psalmen/ wie auch aus des Lügen-Profetens Mahumed Alcoran/ welcher in lauter/ wiewol übel-abgemessenen/ Reimzeilen bestehet: aus welchem letzern abzunehmen ist/ daß die Poeterey bei den Arabern/ der Ebreer Nachbaren/ sehr üblich müße gewesen seyn. [S] ¶ 5 Im Jahr der Welt 2415 ungefähr 800 Jahre nach der Sündflut/ lebte mit 40 Jahren der Poet und Profet Mose/ und wohnte ebensoviel Jahre im Land Midian/ bei einem Brunnen/ dahin er aus Egypten geflohen ware: und daselbst hütetete er der Schafe Jethro/ des Priesters in Midian/ der ihm eine von seeinen sieben Töchtern zum Weibe gegeben. Mit diesen sieben Schäferinnen/ insonderheit mit seiner lieben Zipora/ wird Moses sich oft im Singen auf dem Feld ergetzet haben ([aq]b[/aq] [Ex. 2. V. 15/16/24. C. 2. V. 1]). Dann/ daß er ein Poet gewesen/ ist zu ersehen aus dem schönen DankLied/ damit er Gottes Hülfe gepriesen/ da der Feind seines Volks mit allen seinen in rohten Meer ertrunken: worbei seine Schwester Miriam auch das ihre gethan/ und den andern Frauen/ als Sängerinnen/ vorgesungen ([aq]c[/aq] [Ex. 15. V. 21]). Er sange auch/ kurz vor seinem Tod/ ein langes [S] Lied ([aq]d[/aq] [Deut. 32.)/ darinn er aus Profetischem Geist vorgesaget/ wie das erwehlte Volk von GOtt abfallen würde. Es wird auch der Neunzigste Psalm ihme/ durch die Obschrift/ zugeschrieben/ womit er die in der Wüsten sterbende 600000 Israeliten getröstet. Welchergestalt das Volk an der Gränze von Moab/ über einen Brunn/ ein Liedlein wechselweis gesungen/ hat eben dieser ihr Fürst und Capellmeister nicht unerwehnt lassen können. ([aq]e[/aq] [Num. 21. V 17/18.]) ¶ 6 Ein huntert Jahre nach der Zeit Mose/ thäte sich auch in Griechenland die Poesy herfür/ und zwar erstlich in Bäotien zu Dodona und Delfi: da die Götzen oder vielmehr Teufel/ Jupiter/ und nachmals Apollo/ so in seiner Jugend auch/ wie Mose/ ein Schäfer gewesen/ aus Hölen (aus der Hölle) und zwar allemal in Versen/ geredet/ und den Leuten/ die um künftige Dinge gefragt/ Antwort gegeben/ daher sie Oracula genennt [S] worden: und soll zu Delphi das erste Weib/ durch welche der Geist geredet/ namens Phemonoe/ die Verse-art/ so bei den Griechen und Lateinern [aq]Hexametri[/aq] heißen/ erfunden haben. Es ist aber ohnezweifel Fabelwerk/ wie alle der Griechen erste Geschichten/ und hat der Höllen Fürst/ als jederzeit Gottes Affe solches von dem Profeten Mose und der Miriam abgesehen/ und nachgedichtet. ¶ 7 Im Jahr der Welt 2620 trate im Volke GOttes hervor/ die Heldin/ Richterin/ Profetin und Poetin Debora: welche mit dem Barak/ nachdem sie die Canaaniter geschlagen/ dem Herrn mit einem schönen Lied dafür gedanket ([aq]f[/aq] [B. Richt. 5.]). Von dieser glaubet man/ daß sie eine von den Sibyllen gewesen: welche auch Poetinen gewesen/ und ihre Weissagungen in Versen geschrieben.][853]Auf die Debora folgte/ nach 200 Jahren/ im heiligen Volk/ die fromme Hanna/ des Profeten Samuels Mutter: welche diesen ihren Sohn von GOtt erbetten/ und dafür ein schönes DankLied gesungen. ¶ 8 Endlich um das Jahr der Welt [S 2680 sezte die Poesy sich erstlich auf den Königsthron/ und zwar im Volke Gottes. David der Sohn Isai/ weidete damals bei vor-erwehntem Bethlehem und Thur[?] Eder/ wo Jacob seine Hütten gehabt/ seines Vatters Schafe/ war ein künstlicher Harffenspieler/ fienge an Psalmen zu dichten/ und ward also zugleich ein Schäfer und Poet/ und zwar ein Geistlicher Poet/ ein Himmels-Dichter. Daher haben die Blumgenoßhirten die zugleich Schäfere/ Poeten/ und Gekrönte sind/ und den Spruch Alles zur Ehre des Hummels/ zum Gesellschaft-Wort und zum Absehen ihrer Schriften erwehlet/ diese Hirten und Gold-gekrönten Himmel-Poeten ihren Gesellschafter ([aq]g[/aq] [S. Pegnes. II Theils I Hirtenged. § 3.]) benennet. Seinem Freund Jonathan/ auch seinem Feind und Schweher Saul/ schriebe er/ nachdem sie in der Schlacht umgekommen/ ein klägliches LeichLied/ nennte es den Bogen und ließe es in Is-[S]rael offentlich singen: und hierauf ward er zum König in Israel gekrönet. Seine ewige Ehre ist/ auf Erden und im Himmel/ was Sirach ihm nachrühmet: Für eine jede Wohlthat/ dankte er dem HErrn/ mit einem schönen Lied ([aq]h[/aq] [Sir. 49. V. 9]). Wie er dann derer/ im Psalter oder Ebreischen Liederbuch/ eine große Anzahl hinterlassen: und ersihet man aus selbigem Buch/ und den Obschriften der Psalmen/ das damals und hernach viel Poeten in Israel gewesen. Von seinem Sohn und Reichs-Nachfolger/ dem König Salomo/ schreibt das Biblische Buch der KönigsGeschichten ([aq]i[/aq] [I B. Kön 4. V. 32.])/ daß er über tausend Lieder gedichtet: unter denen aber allein das so-genannte Hohe Lied noch vorhanden ist/ welches ein SchäferGedichte ist/ und unter dem Namen Salomo und Sulamith/ den Sohn Gottes mit seiner Braut/ dem Menschlichen Geschlecht/ verliebt redend einführet. ¶ 9 Nach Davids und seines [S] Sohns zeiten/ wurden in Griechenland berühmt/ der Fürst selbiger Poesy Homerus/ und hernach Hesiodus: deme Tyrtäus/ die Dichterinnen Telesilla und Sappho/ Aleman/ Arion/ und die andern/ nach und nach gefolget. Zwischen denselben waren im Heil. Land berühmt die Profeten und Poeten/ Esaias und Jeremias: deren jener seinem Lieben/ dem König Usia oder Jothan ein Lied seines Vettern/ des Herrn Messias/ gesungen ([aq]k[/aq] [Esa. 5. V. 1]): der andere aber/ seine KlagLieder über die Verstöruug des Jüdischen Landes und der HauptStadt Jerusalem/ angestimmet. Also hat auch die Heldin Judith/ dem HErrn ein DankLied gesungen. Aus bisher-erzehltem erhellet nun/ daß keineswegs die Griechen/ wie zwar von ihnen gerühmet wird/ sondern die Ebreer und Israeliten/ die erste Poeten gewesen/ und zwar nur GOtt zu Ehren Lieder gesungen. Unterdessen hat diese Kunst [S] auch in Italien sich fest gesetzet: maßen/ schon zu [aq]R[/aq]. Numae Zeiten/ die Priester des Kriegs Gottes/ [aq]Salii[/aq] genannt/ gewiße Lieder gesungen. Lang und wol 300 Jahre hernach/ folgten die Poeten Livius/ Ennius/ Lucilius/ Lucretius/ Plaucus/ Terencius/ Virgilius/ Ovidius/ Horatius/ und huntert andere. ¶ 10 Zur Zeit der Hochheiligen Christgeburt sangen im Jüdischen Land/ die hochgelobte Gottes-Mutter Maria/ und ihr Vetter der Priester Zacharias/ zwei schöne Dank- und LobLieder: gleichwie auch die Engel selber/ in der Christ-Nacht/ diese der Welt HeilGeburt feirlich besungen haben. Auf diese folgten/ nach 300 Jahren/ eine große Anzahl Irdischer Engel oder GOtt- und Christliebender Poeten/ als Juvencus/ Hilarius/ Avitus/ Ambrosius/ Augustinus/ Gregorius/ Apollinaris/ Ausonius/ Prudentius/ Nonnus/ Paulinus/ Synesius/ Sedutius/ Sidonius/ Boëtius/ Venantius/ Fortunatus/ Theodulphus/ Bernhardus/ so meistenteils der ersten Kirche Christliche Bischofe gewesen/ und unter denselben auch zwo Weibspersonen/ Proba Falconia und die Käiserin Eudoxia.][854]11 So ist nun klar und wahr/ daß die edle Poesy/ nach der Musik/ die ältste Kunst/ und vor allen andern Künsten am ersten sei erfun-[Sden worden/ da noch keine Gottes-Staats-Verstand-Tugend-oder Natur-Lehre am tag gewesen. Ja es sind/ von dieser/ nach und nach die andere Wissenschaften entsprungen. Es hat ja Orfeus/ der ältsten Griechischen Poeten einer und unter den Heiden der erste [aq]Theologus[/aq], die Götter mit [aq]Hymnis[/aq] und Liedern verehret/ und nach dem Vorspiel Amfons/ mit seinen Poetischen Sitten- und Tugend-Lehren/ die wilde in Wäldern und auf Bergen herum schweiffende verstreute Leute/ in Dörfer/ Märkte und Städte zuhauf gesammlet/ und in das Band Menschlicher Gesellschaft eingefangen: daher von ihm die Fabel entstanden/ er habe mit seinem Sing- und nspiel/ die Thiere/ Steine und Bäume an sich gezogen. Die Poesy ist freilich die Kunst/ so mit den Gottes-Liedern angefangen. Sie ist die rechte Pallas/ von deren die Griechen gedichtet/ daß Jupiter sie aus seinem Gehirne [S] gebohren habe: wie dann alle Weißheit von GOtt kommet. ¶ 12 Die Heiden wusten dieses: darum haben sie/ nicht nur eine Pallas oder KunstGöttin/ sondern auch einen Apollo oder Vorsteher der neun Musen erdichtet/ ihm eine Cyther in die Hand/ und die Berge Parnassus und Helikon zur Wohnung gegeben/ einen Brunn daraus herabfließen gemacht/ und vorgegeben/ man trinke Geist-Feuer mit selbigem Wasser in sich/ und man erwache ein guter Poet/ wann man auf dieser Berge einem eingeschlaffen. Dieses hat/ der Feind und Affe Gottes/ von David dem König und Poeten abgesehen: welcher viel Sänger und Poeten/ als Musen/ um und unter sich gehabt/ auf dem Berg Sion gewohnt/ daraus der Brunn Siloha gefloßen/ auf der Harffen gespielet/ und in deren Thon viel Psalmen gesungen. Im I SchäferGedichte des II Theils der Pegnesis/ der Norische Parnaß [S] genannt/ wird dieses umständlicher ausgeführet. ¶ 13 Von den Brunnen insonderheit/ ist bei den Heiden viel Aberglaube gewesen/ und haben sie dieselben/ weil sie also unabläßig rinnen und ihren Lauf behalten/ für Göttlich gehalten/ auch ihneu Nymfen und Najaden zu Vorsteherinnen zugeeignet. Daß aber ein Brunn den Geist der Poesy eingießen soll/ scheinet daher entsprungen zu seyn. In der ersten Welt/ wann die Weibspersonen bei den Brunnen/ um Badens willen/ zusammen kamen/ haben sie die Mannspersonen nach sich gezogen/ welche/ ihre Leibsschönheit zu beschauen/ begierig gewesen: dergleichen mit der Diana und ihren Nymfen/ und mit dem Actäon/ sich zugetragen. Weil nun/ durch solche Anschauung/ in den Herzen der Mannspersonen die Liebe angezündet worden/ haben sie mit Gesang-Rede derselben Weibsbilder Schönheit gepriesen/ und [S] um deren Holdschaft angesuchet. Daher entstunde die Sage und Fabel/ man lerne bei den Brunnen ein Poet seyn/ schöpfe und trinke diese Kunst (mit den Augen/ aber nicht mit dem Munde) aus denselben. Also haben die heilige Hirten Jacob und Mose/ bei Brunnen/ ihre Schönen gefunden die sie hernach geliebet und mit Liedern beehret: wie dann auch sonst gemeinlich junge Poeten/ mit Liebssachen/ zu poetisiren anfangen. Sidonius verlachet solche Brunn-Poeten/ und saget/ Ein Gedichte müße/ nicht aus dem Strom/ sondern aus der Stirn hervorschwitzen. ([aq]l[/aq] [[aq]Carmen non tàm fonte, quàm fronte Sudari[/aq]. I. 8. Cp. 3.]) ¶ 14 Es ist aber ein anderes Wasser/ mit welchem die Dicht-fähigkeit einfließet/ nämlich die Feuer-Flut des himlischen Geistes/ von welchem Plato also redet: Das Gemüte kan keine Brut empfangen oder gebähren/ es werde dann durch einen Strom von Himmel herab über-[S]gossen und beschwämmet. Der Himmel/ oder die Wohnung der Herrlichkeit Gottes/ wo nicht nur Neune/ sondern viel 1000000 Musen wohnen und ein LobLied nach dem andern anstimmen/ ist der rechte Parnassus/ daraus diese Geistes-Flut erqwillet und herabschießet. Gleichwie aber das von oben abfallende Wasser/ wann es durch Röhren in ein Brunngefäß geleitet wird/ in demselben wieder empor und hervorspringet: also soll die DichtKunst/ weil sie vom Himmel einfließet/ wieder gen Himmel steigen und Gott zu Ehren verwendet werden. Sind also die Poeten himlische Spring Brunnen/ oder sie sollen solche seyn/ und das Himmels-Flut Feuer nicht Irdisch verwenden: worauf mit dem Titel-Sinnbild gezielet worden/ da die Poesy und Andacht/ als die wahre Uranie in zweyen Personen/ vor einem solchen Brunnen sitzet. Solcher gestalt wird/ die Erde/ zum Echo und Gegenhall des Him-[S]mels/ und GOtt/ wie billig/ droben und hierunten beehret. ¶ 15 Es haben jederzeit Welt-Hohe sich gefunden/ die nicht allein die Poesy geliebt/ sondern auch selber Poeten gewesen. Waren nicht/ wie erwehnt/ David und Salomon große Könige?][855]Also wurden gekrönt/ zu Käis. [aq]Domitiani[/aq] zeiten/ [aq]L. Valerius Pudens[/aq], und in der Christenheit [aq]Prudentius[/aq], beide erst dreizehnjärig.[856]18 Es möchte endlich noch vergönnt seyn/ daß ein Poete/ seinem hohen Patron/ von dem er befördert oder bewolthätigt worden/ weil er seine Dankbarkeit sonst mit nichts bezeigen kan/ mit einer Lob-[SSchrift/ doch daß damit dessen Verdienst nicht überschritten werde/ aufdiene: weil dadurch GOtt/ als die Urqwelle solcher Wolthaten/ mit beehret wird.][857]20 Es gereichet auch der Poesy zur Schmach/ wann man/ sonderlich zu Hochzeiten/ unschambare Sau-Verse machet/ Ehrliebende Ohren damit beleidigt und die Allgegenwart Gottes erzürnet[858]Zu wünschen wäre solchen Versesudlern/ daß sie die Kunst der Poesy recht erlernten/ und alsdan Lieder GOtt zu Ehren widmeten? Sie würden erfahren/ daß GOtt/ dem sie auch allein gebühret/ die Ehre erkentlicher von ihnen annehmen/ auch mit Wolthaten/ die sie oft bei Menschen mit Versen vergeblich suchen/ sie reichlich überschütten würde. Rechtschaffene Poeten/ die sich erinnern/ daß ihre Kunst vom Himmel einfließe/ daß diese Kunst-Ergebenen vor alters für [S die allein-Weißen gehalten/ und von dem Weltweißen-Vatter Plato Vätter und Fürsten der Weißheit/ größer als Menschen und kleiner als Götter/ ja Söhne der Götter und Göttlich genennt worden: werden diese HimmelsTropfen und Perlen viel zu edel achten/ als daß sie solche auf die Erde verschütten sollten. ¶ 25 Gegenwärtige Poesy-Anweisung/ zielet auf der frommen Zweck/ daß diese Edle Kunst zur Ehre dessen/ von dem sie einfliesset/ möchte verwendet werden. Ich schriebe/ fast vor 30 Jahren/ auf gnädiges Ansinnen eines hohen Cavalliers/ ein halb-huntert LehrSätze von dieser Wissenschaft: welche/ als nur in einem paar Bögen bestehend/ ohne mein Wissen/ vielfältig abgeschrieben/ und endlich gar in die Schulen einzuführen mir abgeheischet worden.][859]Es sind zwar/ viel Teutsche [aq]Prosodi[/aq]en/ nach und nach hervor gekommen. Ich aber/ habe in dieser mich beflissen/ nach dem Lehrspruch unserer Blum-SchäferGesellschaft/ alles zu Ehre Gottes einzurichten/ und den Lehrsätzen Exempel oder Beispiele Geistlichen inhalts zu zu ordnen. Solcher gestalt verlange ich/ mit einer Arbeit/ zween Nutzen zu schaffen: daß nicht allein die Jugend zugleich zur Poesy und Gottesfurcht angewiesen/ sondern auch jeder Leser/ durch die Geistliche Lieder/ zur Andacht angefeuret werde.[860]139 Wann man fragen wolte/ was für ein Ort zum Poetisiren schicklich sei? so ist die Antwort leicht: massen ein ein-[Ssames stilles Zimmer bäßer hierzu dienet/ als der offentliche Markt/ und wo viel Leute sind. Sonderlich ist dieses wahr/ wann man Geistlich dichtet: dann JEsus ist gern bei einer Seele/ die er drausen/ nämlich nicht in der Welt/ findet.][861]141 Das Absehen oder der Zweck/ wornach ein Poet zielet/ ware bei den Heiden/ Nutzen und Belusten/ [aq]prodesse & delectare[/aq], wie [aq]Horatius[/aq] redet/ oder [aq]simul jucunda & utilia, vel utilia jucundè dicere[/aq], nützliche Sachen lieblich ausreden/ lieblich nutzen und nützlich belustigen. Es haben aber die Heiden/ auch zur Ehre ihrer Götter/ die Poesy mit Lobgesängen verwendet/ daher [aq]Horatius[/aq] saget: [S ¶ [aq]Disceret unde preces, Vatem nisi Musa dedisset?[/aq] ¶ Woher könt man lernen beten/ ¶ wan nicht wären die Poeten? ¶ So nennen dann wir Christen den dritten Zweck der Poesy/ vielmehr den ersten/ die Ehre Gottes. Die Poetische Dichtfähigkeit/ wie zuvor erwehnt/ und der Geist/ komt von Himmel: so ist ja billig/ daß dessen Wirkung in seinen Ursprung wiederkehre. Aller Thon/ alle Rede und Schrift/ sol Gott loben: weil Gott allein/ das Leben/ die Redfähigkeit/ den Geist und die Kraft/ gibet. Der Heidenlehrer befihlet: Alles/ was ihr thut/ mit Worten oder Werken/ das thut im Namen und zur Ehre GOttes. ([aq]a[/aq] [I Cor. 10 V. 31]) Und wann schon das Absehen nicht eigentlich auf Gott zielet/ soll doch iedes Gedicht also abgehandelt werden/ daß es anmutig zur Gottes-Ehre und Tugend-Lehre gereiche. ¶ 142 Zu einem wahren rechten Poeten/ der da fähig seyn soll/ von allen Dingen zu poetisiren/ gehört notwendig die Wissenschaft aller/ sonderlich [S] himlisch- und natürlicher Dinge.][862]Alsdann kan man den Reimweiser vor sich nehmen/ das Gedichte dapfer anheben/ kurz und nachdrücklich verfassen/ richtig binden/ Lehrsame Sprüche von GOtt und Tugend einmängen/ in frölichen Materien auf Belustigung/ und in allem auf GOttes Ehre zielen/ von hohen Sachen hoch/ von nidrigen nidrig reden/ viel mit wenig sagen/ und dem Gedichte einen nachdenksamen Schluß geben.[863]Der unvergleichliche Roterdamer Erasmus/ schreibet an einem Ort: Es wäre gut/ wann man alle Biblische Historien zu Schauspielen machte/und die Jugend sich darinn offentlich üben ließe; maßen solches oftmals mehr/ als eine übereilte Predigt/ verfangen und Nutzen schaffen würde. ¶ 233 Also wird nun hiermit diese Poesy-Anweisung mit GOTT beschlossen/ in dessen Namen sie auch angefangen/ und zu dessen Ehre geschrieben worden: unter Absehen/ daß die Poesy-begierige Jugend/ und etwan auch sonst ein anderer Leser/ durch die GOtt-ehrende ange-[Szogene Beispiele/ zur Gottes-Liebe aufgemuntert werden/ und solche zugleich mit dieser Kunst Lehr-Sätzen gleichsam in sich trinken möge. […] Unterdessen ¶ GOtt ich Ehr’ und Dank zusende: ¶ der mir halfe/ daß ich ¶ ENDE.][864]Der fürtreffliche Poet [aq]Horatius[/aq], hat hierüber diesen ausspruch hinterlassen: ¶ [aq]Neque enim concludere versum * [Horat. ad. Pison.[/aq] ¶ [aq]dixeris esse satis, neque, si quis scribat, uti mos,[/aq] ¶ [aq]sermoni propiora, putes hunc esse Poëtam.[/aq] ¶ [aq]Ingenium cui fit, cui mens divinior atque os[/aq] ¶ [aq]magna sonaturum, do nominis hujus honorem[/aq]. ¶ Nicht gnug ist/ Zeil und Zeil wol binden/ und wol reimen: ¶ Nicht ist Poetisirn/ all Tages-Reden leimen. ¶ Der Geist und Feuer hat/ der höher denkt und redt ¶ als sonst ein PöbelKopf der heist mir ein Poet. ¶ 127 So folget dann hieraus/ daß ein SylbenKlecker und Reimträumer kein Poet sei/ und daß dieser Name viel ein mehres hinter sich habe/ als die Unwissenden ihnen traumen lassen. Bei [S] den Römern/ gienga das Sprüchwort: [aq]Orator fit, Poëta nascitur[/aq]; Rednere werden gemacht/ nämlich durch die Redkunst-Lehre/ aber Poeten werden gebohren. Solches erkläret [aq]Cicero[/aq], da er saget: ([aq]a[/aq] [[aq]Or. pro. Arch.[/aq]]) [aq]Poëtam naturâ valere, & quasi divino spiritu afflari[/aq]; ein Poet werde von der Natur zum dichten gefähigt/ und gleichsam von einer Göttlichen Begeisterung angeflammet. Und anderswo ([aq]b[/aq] [I [aq]Tuscul. quaest.[/aq]]) schreibet er: [aq]Poëtas gravia carmina coelesti instinctu fundere[/aq]; Die Poeten dichten aus Antrieb einer himmlischen Regung. Vielleicht hat er von dem Plato also reden gelernet/ welcher schreibet: ([aq]c[/aq] [[aq]Pl. in Ion[/aq]. [griech.]]) Sie/ die Poeten/ reden nicht aus eignem Kunstvermögen/ sondern durch Kraft eines Göttlichen Triebs. Sie sinds nicht/ die da reden/ dann ihr Geist ist entzückt/ sondern Gott ist es/ der durch sie redet. ¶ 128 Diese Kunst/ ist freilich etwas [S] Göttliches oder Englisches: wie dann zu vermuten ist/ daß die Engel im Himmel/ die Gott immer mit Lobgesang ehren/ fürtreffliche Poeten seyn müßen. Man sihet/ daß mancher Gelehrter/ der das ganze Buch der Weißheit hinein geschlucket/ mit aller seiner Wissenschaft keinen guten Vers zu wege bringen kan: da hingegen mancher geistiger Kopf oftmals ein Gedicht hervor gibet/ das so angenehm redet/ als wann es von Himmel herab geflogen wäre. [aq]Ovidius[/aq]/ der wol ein gebohrner Poet heißen mag/ weil sein Reden in der Kindheit lauter Verse gewesen/ ([aq]d[/aq] [l. 4.[aq]Trist.[/aq]]) hat dieses wol gewust/ und daher also hiervon geschrieben: ¶ [aq]Est Deus in nobis, agitante calescimus illo:[/aq] ¶ [aq]impetus hic sanae femina mentis habet (e[/aq] [l. 6. Fast.] ¶ [aq]Est Deus in nobis, sunt & commercia coeli:[/aq] ¶ [aq]Sedibus atheriis spiritus ille venit. (f[/aq] [l. 3 de A. A.] ¶ D.i. ¶ [aq]Gott weht und webt in uns/ von dem wir brennend werden:[/aq] ¶ [aq]sein Odem ist die Flamm/ die unsre Sinne speist[/aq][S] ¶ [aq]Gott wohnt in uns/ vermählt den Himmel mit der Erden:[/aq] ¶ [aq]von seiner Sternenburg steigt dieser Dichter-Geist.[/aq] ¶ Und um deß willen ist je billig/ daß dieser Göttliche Trieb nicht zu ungöttlichen Sachen verwendet/ und eine so heilige Regung nicht mit den Koht der Eitelkeit bemailigt werde. ¶ 129 Es wird aber/ solcher Göttlichen Begeisterung/ gleichsam durch die Natur der Weg gebahnet/ mit einpflanzung/ sowol eines hurtigen Geistes/ als einer redfärtigen Zunge oder Feder: welches die Griechen die Wolangeborenheit ([griech.]) nennen. Vor allem muß ein Poet seyn Scharfsinnig/ ([griech]) und ihme von einem Dinge mancherlei Bildungen vorstellen können. Dann seine Kunst und das Dichten/ hat den Namen vom Denken/ und fließet aus den Gedanken in die Worte. Die Scharfsinnigkeit/ muß mit der Wolredenheit vereinigt seyn/ welche wol hervorzugeben wisse/ was jene ersonnen: Daher haben die Alten Römer/ aus ihrer Pallas und dem Mercurius/ aus bei-[S]den eine/ Seule gebildet/ und sie auch mit dem Zwidter-Namen [aq]Hermathena[/aq] ([aq]g[/aq] [[griech].] benennet. Die Erfindung aber ist die Seele des Gedichtes/ und dessen Hauptstuck/ daher jener gesagt: mein Gedicht ist färtig/ bis auf die Worte. ¶ 130 Es folget aber hieraus nicht/ daß ein Poet von Natur ein Poet sey/ und ganz keine Belehrung vonnöten habe.][865]50 Es waltet auch hier die Frage/ ob ein Christlicher Poet/ in seinen Gedichten/ der Heidnischen Götter Namen gebrauchen dörfe? Die/ so es be-[Shaupten wollen/ halten dafür / daß der Poesy gröste Zierde in einführung solcher Namen bestehe. Sie wenden auch vor/ man verstehe darunter/ nicht die Heidnische Götter/ sondern die Tugenden/ Laster und andere Eigenschaften Gottes und der Menschen. Ferner spötteln sie/ es seyen nur Worte/ und keine Gefahr dabei/ daß jemand dadurch zum Heiden gemacht werde: weil man sie nur nenne/ aber nicht anbete. ¶ 51 Es ist aber hiergegen zu sagen/ daß GOtt/ nicht allein in dem Ersten von seinen Donner-Geboten verboten/ keine andere Götter neben ihm zu haben/ sondern auch sonst ausdrücklich befihlet: Anderer Götter Namen solt ihr nicht gedenken/ und aus eurem Mund (Feder) sollen sie nicht gehört werden. ([aq]a[/aq] [2. Buch Mos. 23. V. 13.]) Diese Götter oder Götzen/ sind entweder Menschen/ die den wahren GOtt nicht erkennet/ oder gar Teufel gewesen/ die auch nun in der Hölle beisammen wohnen. Es haben ihnen auch die Heidnsiche Poe-[S]ten allerhand Laster und Bosheiten zugeschrieben/ als daß sie Ehbrecher und Huren/ Diebe/ Mörder/ Säuffer gewesen/ einander geneidet und angefeindet: welches ja die höchste Unvernunft ist/ weil der Gottheit kein Laster eignet/ sondern vielmehr die höchste Unschuld und Tugendvollkommenheit. Deswegen hat auch Plato/ die Poeten/ von seinem Regir-Staat ausgeschlossen. Da nun ein Heide nicht dulten können/ daß man Göttern Bosheit zugeschrieben: wie solte es dan GOtt an seinen Christen nicht misfallen/ wann sie den Dagon neben die Bundslade stellen/ und mit der Hand/ da sie in der H. Taufe ihm gehuldigt und dem Satan abgesaget/ von Teufeln reden und schreiben. ¶ 52 Man wil zwar sagen/ [aq]Homerus[/aq], unter den Poeten (soviel man weiß) der ältste/ habe nur eine Fabel geschrieben/ wie heutigs tags die Romanzen oder Geschicht-Gedichte sind/ und unter den Namen der Götter/ das Verhängnis/ den Krieg/ die Liebe und anders dergleichen verstanden. Es ist [S] aber solches nicht erweislich/ weil der Götzendienst schon vor ihme üblich gewesen: und hat er damit [aq]Virgilio, Ovidio[/aq] und andren folgenden Poeten/ von Götzen zu reden/ Ordnung und Anlaß gegeben. ¶ 53 Es ist wol die gröste Gottslästerung/ wan man GOtt mit einem Namen nennet/ den vordessen ein Götz oder Teufel geführet. Wie sol GOtt gut heißen/ da man ihn Jupiter nennet: ob es schon [aq]juvans pater[/aq], ein Helfe-Vatter/ zu Teutsch heißet. So kan er auch nicht vertragen/ da er die Liebe selber ist/ daß man diese Tugend oder Eigenschaft mit den Namen der geilen Venus bekleide. Die Israeliten/ verstunden/ unter den güldnen Kälbern/ und unter dem Namen Baal/ den wahren GOtt: aber GOtt ergrimmte über das Kalb-Fest/ und wolte darum das ganze Volk verderben. Er sagte auch/ durch den Profeten: Du solst mich nimmer Baal nennen/ und ich wil den Namen der Baalim von ihrem Munde weg thun/ daß man deren nicht mehr gedenken soll. ([aq]b[/aq] [Hos. 2. V. 17.]) [S] ¶ 54 Daß Gefahr hierbei sei/ erhellet gnugsam: da manche sich dermaßen in die Heidnische Altertum-Sachen verlieben/ daß sie darüber/ wo nicht zu Heiden/ jedoch zu Atheisten werden. [aq]Hubertus Golzius[/aq] hat sich nicht gescheuet/ nach verrichteter LänderReise/ dem Wander Götzen [aq]Mercurio[/aq] einen [aq]Hymnum[/aq] zu schreiben. Dergleichen GötzenGedichte/ findet man hin und wieder in den Schriften unserer Poeten/ und werden insonderheit die Venus und ihr Cupido fast von allen/ als Götter/ angeruffen. [aq]Justus Lipsius[/aq] hat/ für seinen Garten/ eine Fürbitte an sie geschrieben. ([aq]c[/aq] [[aq]Epist. Cent. I 27.[/aq]]) Also haben [aq]Dan. Heinsius[/aq] und unser Opitz/ den Kriegs- und Wein-Götzen [aq]Marti[/aq] und [aq]Baccho[/aq], Lobgesänge verfasset. Von solchen Poeten/ kan man mit eines vornehmen GottesLehrer Worten ([aq]d[/aq] [[aq]J. V. Andreae Mythol. man. II 35.[/aq]]) sagen: Es ist zu zweiflen/ ob GOtt deme beiwohne/ der an höllischen Götzen gefallen hat? und ob der an den Himmel recht gedenke/ der öf-[S]ter die Venus als die GottesMutter Maria/ den Cupido als das HimmelKind Immanuel/ den [aq]Phoebum[/aq], als den H. Geist/ den Berg Parnaß als den Oelberg/ die Elysische Felder als das Paradeis/ und Fabeln als das himlische Wort der Warheit/ in dem Mund seiner Feder führet? ¶ 55 Daß aber nicht eben alle Zier der Gedichte an diesen Heidnischen Götzengewäsche gelegen sei/ zeigen die erste Christliche Poeten [aq]Juvencus, Prudentius, Venantius Fortunatus[/aq] und mehr andere/ die viel schöne [aq]Carmina[/aq] ohne solchen Götzen-kleck hinterlassen. Die H. Schrift hat viel warhafte schöne Geschichten/ die man/ an stat dieser Lügen/ einführen kan. Es ist auch ohnedas/ der Heidnische Götzen-Krempel/ lauter Affenwerk des Satans/ aus H. Schrift genommen. Was sind Jupiter und Juno anders/ als Adam und Eva/ das erste paar Menschen? Jubal, Tubalkain und Naema/ ([aq]e[/aq] [[aq]à rad.[/aq][hebr.], [aq]amoenus, venustus.[/aq]]) sind Orfeus/ Vulcanus [S] und Venus. Noah/ ist Janus/ Bacchus und Deucaleon. Was sind die Himmelstürmende Riesen anders/ als die Babylonische Thurn-bauer? Was ist gleicher/ als Jacob oder Mose und Apollo/ beiderseits Exulanten und Hirten? Miriam und Diana? Joseph/ und Phryxus mit der Phädra? ¶ 56 Will man das Gedichte mit Historien zieren/ was ist schöner/ als die Welt-Erschaffung/ welche [aq]Ovidius[/aq] fast ganz aus dem Ersten Buch Mose genommen? Was ist trübseliger/ als der Menschen-Fall/ die Sündflut/ der Sodomer-Gegend SchwefelSee? Was ist himlischer/ als die Erscheinung Gottes/ dem Abraham geschehen/ da er warhafter/ als Baucis und Filemon/ den Gott Elohim bewirtet? Was ist annemlicher/ als das Opfer Isaac/ der Traum und Schäferstand Jacobs/ die Verfolg- und Erhöhung Josefs/ die Hinwerfung und Erhebung des Kinds Mose/ die zehen Plagen von Egypten/ der Gang durch Meer und Jordan/ des Josua Sonnestillstellen/ das Manna oder Himmel-[S]Brod/ die Eroberung des Gelobten Landes? Will man von Tyrannen und Riesen reden: hier sind Nimrod/ Og und Goliath. ¶ 57 Und wil man einen Parnaß und Apollo/ einen Delfis-Tempel/ die Musen und ihren Künste-brunn haben: Hier sind/ die Berge Sion/ Hermon/ Carmel/ Thabor und Libanon; der König David/ mit der Harffe und dem Lieder-Psalter/ mit dem Goliaths-Sieg; der Tempel Salomons mit seiner BundsLade; die gelehrte andächtige Weibspersonen Miriam/ Debora/ zwo Hannen/ die Tochter Jephtha/ die Arabische Königin Maqueda/ die Hulda und Judith/ die H. Gottes Mutter Maria/ und mehr andere; der Jordan/ der Bach Kidron/ und der Brunn Siloha/ so aus dem Berg Sion entqwollen. Und hat nicht JEsus Christus/ der rechte Föbus und Sonne der Gerechtigkeit/ den höllischen Python erwürget/ die Menschheit angenommen/ die Gemeine/ wie Salomon seine Sulamith/ geliebet/ und sie/ wie Perseus die [S] Andromeda/ von dem höllischen Drachen erledigt? Da haben wir/ an stat des Hercules/ den Löwenzwinger Simson und viel andere Helden; an stat der Venus/ die keusche Gottesgebärerin/ da ein Christlicher Poet wol sagen und dichten kan: ¶ Weg mit eurer Huren-Göttin/ Heide/ Mahler und Poet! […] ¶ 58 Aus besagtem wil nun erhellen/ daß auf unsere Frage mit Nein zu antworten sei. Dieses ist zwar erlaubt/ daß man eine Tugend/ oder ein Laster in der person eines Engels oder Knabens/ einer Jungfrauen oder Matron/ oder einen Baum/ wie Jothan in H. Schrift/ einen Fluß/ Stadt oder Land/ und dergleichen/ unter erdichteten Namen/ mit einführet: nur daß es nicht [S] solche seyen/ die von den Heiden angebetet worden. Also kan man dichten/ wie den Paulus ein Engel aus dem Schiffbruch gezogen/ dem Judas Maccabeus ein Schwerd in der Schlacht zugestellt/ und den Tobias in Menschengestalt begleitet; wie ein Gottloser die böse Geister zu Hülfe beruffen. Und hierinn hat man zum Vorgänger den Italischen Poeten [aq]Torquato Tasso[/aq], welcher solches in seinem Erlösten Jerusalem meisterlich zu werk gerichtet. ¶ 59 Es erscheinet auch hieraus/ was von Schau- und Danz-Spielen zu halten sei/ da Heidnische Götter redend oder sigend eingeführet werden: wovon hier/ um kürze willen/ nur noch diese ehmals hierüber verfasste Verse reden. ¶ Sind sie es dann alleine/ die Walonen/][866]Es ist aber damit nicht ausgemacht/ daß man allein suche die Menschen zu belustigen oder zu schrecken. Die blinde Heiden/ die vom wahren Gott nichts wusten/ haben hierinn gröblich und verdammlich geirret/ und sich nicht gescheuet/ allerhand Bosheiten offentlich vorzustellen/ wann sie nur besagten Zweck erreichen mochten: da dann Schauspieler und Spielschauer miteinander dahin gefahren/ wo sie nun/ auf dem feurigen Schauplatz ihres Götzen Plutons ein ewiges Traurspiel spielen. ¶ 231 Wir Christen sollen/ gleichwie in allen unsren Verrichtungen/ also auch im Schauspiel-schreiben und Schau-spielen das einige Absehen haben/ daß Gott damit geehret/ und der Neben-Mensch zum Guten möge belehrt werden: da dann das Belusten/ [S in seiner Maße mit folgen kan. Dieser Zweck wird aber nicht beobachtet/ wann man nicht allein solche Schauspiele vorschreibet/ die Gott verunehren/ und den Leser ärgern/ sondern auch dieselben offentlich vorstellet: da manche Matron oder Jungfrau/ die schamhaftig und züchtig in das Spielhaus gegangen/geil und frech wieder nach Haus gehet. Und solches geschihet/ wo nicht durch die HauptSpiele/ doch durch die schändliche Nachspiele: zu welchen man ja/ an stat der Buhlereyen und losen Händel/ andere lustige Materien/ deren ganze Bücher voll im Druck sind/ erwehlen könte. Wann man bedächte/ wie Gott und seine Engel überall zugegen seyen/ alles mit ansehen und anhören/ und wie die Teufel alle unnütze Gebärden und Reden aufzeichnen/ derentwegen dort ewig (wie unser Heiland vorsaget) von ihnen Rechenschaft zu fordern: ich weiß/ die Furcht vor dem Allherheiligsten All-Aug und All-Ohr/ und der Höllen-Schrecken/ würden uns bald den Lust vergehen machen/ solche Up-[S]pigkeit zu üben und anzuschauen. Es ist auch zu bewundern/ daß man in Schulen die Jugend aus dem [aq]Terentio[/aq], der ja alle Laster vorträget/ und nicht vielmehr aus dem [aq]Terentio Christiano Schonaei[/aq]/ und andern guten Büchern/ das Latein lernen lässt: da doch Gott einmal nicht fragen wird/ hast du gut Latein geredet? sondern/ bist du ein guter Christ gewesen?][867]39 Unter den vier Haupt-Sprachen/ hat allein die Hebreische Poeterei die Reimung mit der Teutschen gemein: daraus erscheinen will/ daß diese von jener näher/ als die zwei andere/ ausgegangen.[868]der Himmel wird dort in der Ewigkeit mein Zeuge seyn/ bäst gemeint gewesen. Ich vermuhte/ gleichwie ich auch innigst wünsche/ daß ich meiner Seel. Liebsten Florinda bald in das Land der Heiligen nachfolgen werde.[869]Der Himmel verfüge/ daß ich mein heiliges Ziel erreiche/ und GOTT hiermit geehret/ auch der Nächste erbauet werde![870]Ein Beispiel hiervon/ wird nachfolgendes seyn/ welches der Lasterhaften Gottsvergessnen Welt drohet mit dem ¶ Jüngsten Gerichte: ¶ ist/ zu des Seel. Suchenden schönem Buch hiervon/ verfärtigt worden. ¶ So thut/ so denkt man recht! Du blindes Volk der Erden![871]
Morhof, Daniel Georg
Seite
[872]Daß einige derselben so gar alt nicht sein/ ist daraus abzunehmen/ weil sie geschrieben/ da der Christliche Glaube in Schweden schon auffgekommen.[873][aq]Wormius[/aq] behauptet daß sie [die "Nordsche[ Poeterey" (396) [406], J.T.] vor Christi Gebuhrt schon in vollem Schwange gewesen/ und führet zum Beweißthum an/ daß kurtz nach Christi Gebuhrt der [aq]Hiarnus[/aq] dadurch das Königreich an sich gebracht. Die Teutschen haben des [aq]Taciti[/aq] klares Zeugniß/ der zu seiner Zeit ihre Lieder [aq]Carmina antiqua[/aq] nennt/ müssen sie also lange vor Christi Gebuhrt gewesen sein/ da dann niemand wird Schiedsmann sein können/ welchen der Vorzug zu geben.][874]Sie [die Lappländer, J.T. haben auch noch einen andern Gesang darin sie GOtt dancken/ daß er das Wild zu ihren Nutzen erschaffen/ und die Krafft verliehen/ daß sie ein so grausames Thier haben überwinden können.][875]Selbige [die "[aq]Haravec[/aq]", J.T. haben von natürlichen dingen Verse geschrieben/ und einige Fabeln mit untermischt/ nemlich wie der Schöpffer der Welt/ eine Jungfrau vom Himmel gesandt/ in der Hand einen Krug Wasser haltend/ welcher [S] wann er von ihrem Bruder zerbrochen wird/ Donner und Regen erreget/ und andere dergleichen/ welche er aus [aq]P. Blas Valera[/aq] geschriebenem Buche angeführet/][876]Deßhalben auch bey den Hebräern und Arabern die beyden Reime die vor- und hinter-Tühren des Hauses das ist des [aq]distichi[/aq] genant werden.[877]Es sein auch einige die von den Hebräern die Reime herziehen wollen/ welche aber hierin irren; dann die Juden hierin den Christen gefolget/ und haben ettwa vor [aq]500[/aq]. Jahren seit des [aq]R. David Kimchi[/aq] seiner Zeit dergleichen Verse wie die unsern geschrieben. Dann ihre alte [aq]Poësis[/aq] ist gar verlohren/ welche zu erforschen sich viele vergeblich bemühet und die Köpffe drüber zerbrochen haben. [aq]Scaliger[/aq] vermeinet/ daß man niemahls einig [aq]metrum in Hebraicis[/aq] gehabt: Andere/ es sey eine gewisse Zahl der Silben gewesen/ ohne eintziger [aq]quanti[/aq]tät zusammen gesetzet/ und nun in solchen [aq]Periodum[/aq] gebracht/ daß man sie desto füglicher singen können. [aq]Gomerus[/aq] in seiner [aq]Lyrâ Davidica[/aq] meinet was sonderliches gefunden zu haben/ in dem er alle art der [aq]Pedum[/aq] und [aq]metro[/aq]-[S[aq]rum[/aq] in den Psalmen Davids so zerstreuet/ auffgesuchet. Aber [aq]Capellus[/aq] wendet dagegen ein/ und zwar nicht ohne Fug/ daß wann man auff solche art die [aq]metra[/aq] in den Reden suchen wolte/ nie keine [aq]Prosa[/aq] sein würde/ darin sich nicht viele finden würde. Bleibt also bey ihnen alles ungewiß.][878]An dieser Reimsucht haben damahls fast alle kranck gelegen. Dann man hat ihrer auch nicht auff den Cantzeln und Cathedern entbehren können. Die Prediger haben ihre Predigten Reimweiß [aq]disponi[/aq]ret/ welches bey einigen noch zur Zeit gebräuchlich.[879]Weiln nun das [aq]metrum[/aq] nicht allein belustiget/ sondern auch die Rede gleichsam befestiget und verewiget/ so hat man zu dem Gottesdienst und der Helden Lob solche Gesänge erwehlet. Es ist nicht ungläublich/ daß auch vor der Sündfluth dergleichen gewesen. Nach derselben sind keine ältere als des Mosis seine/ welchen hernach die Heidnischen gefolget/ die [aq]Campanella[/aq] gar artig [aq]degeneres Prophetas[/aq] nennet. Solche [aq]Carmina[/aq] sind bey den Griechen Oden/ bey den Teutschen Lieder genant. Das Wort [S Ode ist ein Griechisch Wort/ so nun auch bey den Teutschen fast das Bürgerrecht gewonnen. [aq]Ronsard[/aq] hat es zu erst in Frantzösischer Sprache gebracht/ will auch die [aq]Lyrica metra[/aq] in derselben zu erst erfunden haben; dem aber einige den [aq]Clement Marott[/aq] vorwerffen/ der die Psalmen Davids schon vorhin in gewisse Lieder gebracht. Hievon kan mit mehren beym [aq]Menagio[/aq] in seinen Anmerckungen über [aq]Malherbe Poemata p. 563, 564, 565[/aq]. gelesen werden.][880]Ja es sein alle arten der Getichte gesungen worden/ es sey bey den Götzendiensten/ bey Gästeretzen/ bey öffentlichen Spielen oder sonsten gewesen.[881]Es können alle Sachen sich zu den Oden schicken/ Geistliche/ Sittliche/ Liebreitzende/ Kriegrische und dergleichen mehr: da dann zum Theil auch die Redensart sich nach der [aq]materie[/aq] schicken muß. Was die Geistlichen anlanget/ so sein bey den Griechen und Lateinern des vielfältigen Götzendienstes halber unterschiedliche Arten derselben gewesen/ welche [aq]Franc[/aq]. [aq]Patricius[/aq] in seinem andern Theil [aq]della poetica[/aq] nach der länge erzehlt. Das gemeine Wort/ damit sie genennet worden ist [aq]Hymnus[/aq] ein Lobgesang. Bey den alten ward die höheste Redensart in denselben gebraucht/ im Teutschen aber wird der Music und des gemeinen Gebrauchs halber eine Maasse hierin zu halten sein. Es sein aber die Geistlichen Lieder nicht alle [aq]Hymni[/aq], son-[Sdern haben auch andere verschiedene Arten unter sich. Wir müssen hie von den Liedern gedencken/ die der Sehl. Herr [aq]Lutherus[/aq] gemacht/ welche voll Geistes und nachdrücklicher Wörter sein/ darin ein richtiges [aq]metrum[/aq] ist: dann er hat gar genau auff die Sylben gesehen/ welches von den Frantzosen und Italiänern nur am meisten in acht genommen wird. Die [aq]quantitas[/aq] ist zwar nicht allezeit beobachtet; Es müssen aber solche kleine Fehler in so wichtigen Dingen/ da die Wörter und der Verstand vollenkommen/ über sehen werden. Dann man würde der Vollenkommenheit eine Gewalt anthun/ wann man hierin etwas ändern wolte. Vor [aq]Lutheri[/aq] Zeiten sein auch verschiedene [aq]Hymni[/aq] und Geistliche Lieder auch im Pabstthum schon geschrieben/ darin etliche nicht so gar übel gemacht/ und des Alters halben in Ehren zu halten/ und hat mir einer berichtet/ daß ein absonderlich Gesang-Buch von denselben zusammen gelesen und [S] jemand heraußgegeben/ das ich aber nicht gesehen. Man hat im übrigen Hr. Risten/ Hn. von Stöcken/ und vieler anderer Geistliche Lieder/ welche ihren Fleiß hierin rühmlich angewandt/ und niemand unbekant sein. Hr. Rölings seine Geistliche Oden sein voll Tieffsinnigkeit und an Erfindung reich. In der alten Kirchen hat man keine andre Psalmen zugeben wollen/ als die aus den Büchern der Heil. Schrifft genommen/ nemblich die Psalmen Davids und andre Lobgesänge. Die sonsten gemacht wurden/ würden [griech.] [aq]Psalmi Plebei[/aq] genant/ und waren verboten in öffentlichen Versamlungen zu singen. Davon sagt der [aq]LIX. Canon des Concilii Laodiceni[/aq] also: [griech.] [aq]Quod non oportet plebeios Psalmos in Ecclesiâ legere; aut libros non canonicos. Balsamon[/aq] und [aq]Zonaras[/aq] erwehnen allhie in ihren Anmerckungen/ daß unter den [aq]Psalmis Plebeis[/aq] die [aq]Psalmi Salomonis[/aq] verstanden werden/ [S] die man damahls gehabt/ und nicht für auffrichtig gehalten. Es erhellet aber aus unterschiedlichen Oehrtern der [aq]Historia Ecclesiasticae[/aq] des [aq]Eusebii[/aq], das viele [aq]Psalmi[/aq] von [aq]privatis[/aq] gemacht/ die man in den Kirchen gesungen/ wie dergleichen einer bey dem [aq]Clemens Alexandrino[/aq] am Ende seines dritten Buchs sich findet auff den Herrn Christum/ und auch [aq]Plinius lib. 10. Ep. 97[/aq]. von den Christen solches erwehnet. Von den [aq]Therapeutis[/aq] (davon doch noch zweiffelhafftig ob sie Christen gewesen) schreibt [aq]Eusebius lib. 2. c. 17[/aq]. [griech.]. [...] Widerum [aq]lib. 5. c. 28[/aq]. sagt er/ daß viel Psalmen von den gläubigen Brüdern geschrieben/ die Christum als einen wahren GOtt loben und erkennen/ und [aq]lib. 7. c. 30[/aq]. von dem [aq]Paulo Samosateno[/aq], daß er die zu Christi Ehren gemachte Psalme/ unter diesem [S] Vorwand abgethan/ daß sie neulich erstlich/ und nicht von den alten gemacht/ welches dann der [aq]Synodus[/aq] so wieder ihn außgeschrieben getadelt/ weil er dadurch die Ehre Christi angefochten. Ist also gläublich daß solcher Psalmen viel in der Kirchen gewesen/ welcher aber in dem angeführten [aq]Canone[/aq] deßhalben verbotten worden/ weiln man zur Ehren GOttes lieber die von dem Geist GOttes selbst gesetzte/ als die von Menschen erdachte [aq]Hymnos[/aq] gebrauchen wollen. [aq]Valesius[/aq] hat dieses angemerckt in seinem [aq]Commentario[/aq] über den [aq]Euseb. lib. 7. c. 24. Disertè prohibetur ne Psalmi[/aq] [griech.] [aq]id est à privatis hominibus compositi in Ecclesiâ recitentur. Invaluerat enim haec consuetudo, ut multi Psalmos in honorem Christi componerent, eosque in Ecclesiâ cantari facerent[/aq]. Deßhalben wurden auch [griech.] in den Kirchen bestellet/ welche gewisse Psalmen auff gewisse art und Weise singen müsten/ wie [aq]Bevereggius[/aq] in den Anmerckungen ü-[S]ber den [aq]XV. Canon. Conc. Laodiceni[/aq] weitläufftiger außführet/ und insonderheit der [aq]Cardinal Bona[/aq] in seiner [aq]Psalmodia. S. Agorbardus[/aq], der im Jahr [aq]840[/aq]. gestorben/ dessen Wercke der [aq]Stephanus Baluzius[/aq] heraußgegeben/ handelt hievon auch in einem absonderlichen Buch [aq]de divinâ Psalmodia[/aq]. Dann er spricht: [aq]Reverenda concilia Patrum decernunt nequaquam plebeios psalmos in Ecclesia decantandos, & nihil poëtice compositum in divinis laudibus usurpandum[/aq]. Durch welche letzten Verse der [aq]Baluzius[/aq] verstehet [aq]levia carmina & faciles versus, cujusmodi sunt, quae moteta hodie dicimus[/aq]. Zu dessen Beweiß führet er einen Ohrt an aus den [aq]Gulielmo Durandi, Episcopo Mimatensi[/aq], in seinem andern Buche [aq]de modo generalis concilii celebrandi cap. 19. Videretur valde honestum esse, quod cantus indevoti & inordinati motetorum, & similium non fierent in Ecclesia[/aq]. Diese haben sie aber nur bloß einmahl im Jahr bey dem Weynachtfest gebrauchet/ [S] welche Gesänge [aq]Noels[/aq] das ist [aq]Natalitia Carmina[/aq] genant worden. [aq]Pasquier des Recherches de la France l. 4. ch. 14[/aq]. beschreibt diese [aq]Nouels[/aq] daß sie gewesen/ [aq]Chansons spirituelles faites en l'honneur de la Nativite de nostre Seigneur[/aq]. Es ist aber auch diß Wort gebraucht worden/ wann das Volck Königen und Fürsten ein Freuden Geschrey gemacht/ da sie dasselbe ihnen zu geruffen/ wie [aq]Pasquier[/aq] weitläufftiger an selben Ohrte anführet. Dieses habe ich bey dieser Gelegenheit von den Geistlichen Gesängen beybringen wollen/ in welchen man es gerne bey dem alten bleiben lässet. Der Heilige [aq]Agobardus[/aq] ist sehr sorgfältig hierin gewesen; daß er nichts hat zugeben wollen/ als was auß den Büchern der Heil. Schrifft genommen/ wie aus seinem Buche [aq]de correctione Antiphonarii[/aq] zu sehen. Der [aq]Baluzius[/aq] thut denckwürdig hinzu. [aq]Constat res semel receptas in Ecclesia non facile mutari, cautioresque in his rebus debere esse Pontifices, ne ministerium eorum vi-[/aq][S][aq]tuperetur. Sic Urbanus VIII. hymnos correxit, & tamen semper hymni antiqui canuntur in Ecclesiâ[/aq]. Deßhalben erinnert auch [aq]Campanella Poeticor. c. 8. art. 2[/aq]. daß man auff einige kleine Fehler des [aq]metri[/aq] nicht so gar genau in den Geistlichen Gesängen sehen soll. [aq]Non tam metri curanda est regula, quam sonus auribus gratus & doctrina recondita bene restricta & destillata. Si S. Thomas mensuras inspexisset, non sic altè locutus esset, mirabili lepore doctrinam profundissimam exprimendo[/aq]. Derselbe [aq]Autor[/aq], der ein Mann von seltzamer und wunderlicher Wissenschaft gewesen/ hat selbst einige [aq]Hymnos[/aq] geschrieben/ wie er [aq]art. 4[/aq]. an dem vorigen Ohrte schreibet. [aq]Nos triplicem Psalmodiam scripsimus de rerum naturâ: in primâ caelestia & incolas, in secunda terrestria, in tertia hominem cecinimus & Dei laudes ex his & gratiarum actiones expressimus. Fecimus & poemata metaphysica, unum de summa potentia, unum in tribus cantilenis de summâ sapientiâ[/aq]: [S] [aq]unum de primo Amore: duo de summo bono[/aq]. Er hat auch an denselben Ohrte [aq]art. 1[/aq]. gar artig dargethan/ wie in den Psalmen Davids alle arten der [aq]Carminum[/aq], so viel ihr sein mögen enthalten; Drum man billig demselben als einem Göttlichen Wercke seiner Vollenkommenheit halber den Vorzug geben muß. ¶ Nechst den Geistlichen Oden folgen die/ welche ein [aq]argumentum morale[/aq] haben/ welches sich zu den Oden sehr wol schicket.][882]In Geistlichen reden hat das [aq]sententiosum dicendi genus[/aq] noch vor andern Platz. Dann die hohe Redensart/ die [aq]Longinus[/aq] [hebr. nennet/ bestehet zum Theil hierin/ welche zu Göttlichen Sachen insonderheit wol gebraucht wird.][883]Der Hebraeer ihre [aq]Cabala[/aq] bestehet zum Theil in [aq]Anagrammatismo[/aq]. Jacob Spon gedencket in seiner Reisebeschreibung [aq]lib. 2. p. 53[/aq]. daß ei-[Sner [aq]Chek-Bouni[/aq] ein Aegyptier von der Krafft des Göttlichen und Menschlichen Wortes ein Buch geschrieben/ nebst einer grossen Anzahl Linien und Figuren/ in welchen er tausenderley [aq]curieuse[/aq] Sachen durch [aq]Anagrammata[/aq] heraußzubringen versprochen.][884]Es sind fast die meisten so geartet/ daß sie vor einheimischen Dingen einen Eckel haben/ sich über alle frembde Sachen verwundern/ und dieselbe hochhalten/ welches die Teutsche Sprache auch erfahren/ die von ihren eigenen Landsleuten geringschätzig gehalten/ und [S der Hebraeischen/ Griechischen und Lateinischen unterwürffig gemachet: Da sie doch/ wenn ich ja die Hebraeische außnehme/ der Griechischen und Lateinischen am Alter nicht allein nichts nachgiebt/ sondern weit bevor thut; hingegen aber jene in Ansehung der Teutschen neue/ und etwas ehe durch Kunst außgeübet seyn/ als diese/ die hingegen viel gründlicher/ und jenen zum Theil den Uhrsprung gegeben; Welches ob es jemand gleich frembd und ungereimet scheinen solte/ dennoch der Wahrheit gemäß/ und so gründlich erwiesen werden kan/ daß niemand daran zu zweiffeln fug hat/ er habe ihm dann vorgenommen unbesonnener Weise auff seinem Wahn zu verharren/ und keiner Vernunfft zu folgen. Wovon vielleicht von mir mit mehren in einer [aq]Dissertatione de Novirate Graecae & Latinae linguae[/aq] künfftig gehandelt werden kan. ¶ Ich will zwar itzo den Vorzug der Hebraeischen Sprache nicht in Zweif-[S]fel ziehen/ wie [aq]Goropius Becanus[/aq] gethan/ welcher nach aller verständigen Leute Meinung/ mehr Sinnlichkeit als Urtheils gehabt: Und [aq]Georgius[/aq] Stiernhelm ein gelahrter Schwedischer Edelmann/ welcher die Scythische Sprache der Hebraeischen vorgesetzet. Es ist aber dennoch nicht außgemacht/ ob sie eben die erste und allgemeine Sprache gewesen/ davon die andern herstammen: Dann der Grund den Nahmen der alten Väter/ die in derselben vorkommen/ ist nicht so unwidertreiblich/ daß des [aq]Grotij[/aq] und [aq]Cluverii[/aq] Gegeneinwendungen demselben nichts an haben solten/ ob zwar [aq]Heidegger[/aq] in seiner [aq]Exercit. XVI. de Linguâ & Literis Patriarcharum[/aq] sich dieselbe zu beantworten sehr bemühet. Es ist am gläublichsten/ daß keine von den itzo bekandten Sprachen/ als die das meiste von der Kunst entlehnet/ die ersten gewesen/ sondern eine von diesen unterschiedene; von welchen alle Sprachen in ihren Wörtern/ eine aber [S] mehr als die ander/ etwas mit eingemischt haben. Auß diesem Grunde scheue ich mich nicht die Teutsche Sprache mehr für eine Schwester der andern/ als für ihre Tochter anzugeben/ und zwar also/ daß die Hebraeische und uhralte [aq]Schytische[/aq] oder Celtische Sprache/ als ältere vor den andern den Vorzug haben. Wie dann nicht allein [aq]Rodornus Schrickius[/aq] an vielen Oehrtern seiner weitläufftigen Schrifften/ und insonderheit [aq]lib. 3. Originum Celticarum[/aq] behaupten wil/ daß die Hebraeische und Teutsche Sprache nur als [aq]dialecti[/aq] unterschieden sein. Siehe hievon auch Harßtörffer in [aq]Specimine Philolog. German. Disquisit. VII[/aq]. Mit der Dänischen und Brittanischen/ welche ebenfals [aq]dialecti[/aq] der alten Teutschen Sprache sein/ wollen [aq]Lysander[/aq] und [aq]Daviesius[/aq] die Gleichheit erweisen. ¶ Wann wir die Natur hierüber fragen; denn es sein etzliche/ die auff den [aq]analogismum nominum & rerum[/aq] das Alterthum und den Vorzug der Sprachen grün-[S]den: so haben sich zwar einige tiefsehende Leute gefunden/ welche die Hebraeische Sprache gar der Natur gemäß halten; daß sie auch meinen/ es werden die Buchstaben derselben/ wann man sie außspricht/ mit eben solcher Figur von der Zungen im Halse gebildet/ davon sie schon einen anatomischen Abriß gegeben. Der jüngere [aq]Helmuntius[/aq] hat hievon ein eigen Buch geschrieben/ dessen [aq]Titul: Delineatio Alphabeti verè naturalis Hebraici[/aq], worin man diese mehr als [aq]Cabalistische[/aq] Heimlichkeiten weiter nachsehen kan. Die Rabbinen haben ihnen eingebildet/ sie könten am Himmel die Hebraeische Buchstaben in den Sternen abgebildet lesen/ davon mit mehren [aq]Claude Duret[/aq] in seiner [aq]Histoire des Langues[/aq], und insonderheit [aq]Gaffarel[/aq] in seinen [aq]corieusitez inouyies[/aq], handelt. Wir mißgönnen niemand seine Einfälle: So aber auf diesen Grund etwas zu trauen/ so ist unter allen Sprachen keine eintzige/ die der Teutschen hierin vorgehet/ welches der Herr Schottel in seinen Lobreden von der [S] Teutschen Sprache zur gnüge erwiesen/ dem ein weit mehrers hinzugethan werden könte/ wann es an diesem Orte nicht zu weitläufftig were.][885]sondern es ist nur eine [aq]Synopsis Capitum[/aq] des gantzen Werkes [von Georg Stiernhielm, J. T. dessen [aq]Titul: RUNA SUETICA[/aq] sein sollen/ zu meinen Händen gekommen. Worinnen er die Hebraeische [S] und fast alle andere Sprachen zu [aq]dialectos[/aq] der Scythischen gemacht/ und endlich ein [aq]Systema[/aq] verheisset/ von einer gewisser Anzahl [aq]Radicum Universalium[/aq], darauß so viel andere Wörter in allen Sprachen folgen. Ich will/ diesen [aq]Synopsin[/aq]; weilen er sonsten nicht leicht zu finden/ allhie gantz hersetzen; die [aq]Capita[/aq] des ersten [aq]Systematis[/aq] sein diese. ¶ [aq]1. VIderi omnes Linguas, que in Orbe cognito extiterunt, & hodiè extant, ortas ex una, & ad unam posse reduci[/aq]. ¶ [aq]2. Naturae conveniens, imò omninò necessarium fuisse, ex una Lingua multas oriri[/aq]. ¶ [aq]3. Ex confusione Babylonica nullam novam Linguam exortam: & si qua exorta est, momentaneam, & ad breve tempus extitisse[/aq]. ¶ [aq]4. Hebraeam, Phoeniciam, Chaldaeam, Syram, Arabicam, AEgyptiam, AEthiopicam, Phrygiam, Persicam, Dialectorum, non linguarum esse vocamina[/aq]. ¶ [aq]5. Temporum & Locorum intervallis, Dia-[/aq][S][aq]lectos abire in Linguas[/aq]. ¶ [aq]6. Ex Scythica ortas Linguas Primas, non minùs Orientales, quàm Septentrionales, & Occidentales[/aq]. ¶ [aq]7. Thraces & Getas, fuisse Scythas[/aq]. ¶ [aq]8. Ex his profectos primos Populos, Primamque Linguam Graeciae, quam aliàs dictam Barbaram cultu novo politam, minimè vero extirpatam, posterioribus temporibus demùm Hellenicam, & Graecam nuncupaverunt[/aq]. ¶ [aq]9. Graecos cultum, elegantias, poësin, Musas, sacra, Deosque ex Thracia habuisse[/aq]. ¶ [aq]10. Scytharum propaginem praetereà esse Europaeos, Germanos, Gallos, Iberos, Britannos, Aborigines, sive Umbros, primos Italiae Incolas. Hisce omnibus unam Linguam fuisse Scythicam, in varias Dialectos postmodum scissam[/aq]. ¶ [aq]11. Germaniae Caput & Principium, olim fuisse Scythiam Europaeam Minorem, Peninsulam nimirùm Scandiam; quam & Scanziam & Scandinaviam, antiquissimi verò Scriptores Balthiam, Basiliam, Aba-[/aq][S][aq]lum, Bannomannam, &c. Hyperboreorum Insulam indigitarunt[/aq]. ¶ [aq]12. Ex hac Insula (reverà Peninsula) derivatos in Germaniam, & diversas Orbis Terrarum Regiones, non solum multos Populos; sed etiam Sacra, Ritus, & Deos[/aq]. ¶ [aq]13. Peninsulae ejusdem, & Hyperboreorum Gentem Principem fuisse Sueonas, sive Suezios, quos hodie Suethos, Suecos, & Suedos vocitant[/aq]. ¶ [aq]14. Graecis cum Hyperboreis ab antiquissimis usque temporibus communionem fuisse Sacrorum, Amicitiae, & mutuae Necessitudinis; & quod magis est, Graecos Deos, coluisse inter Maximos, apud Hyperboreos natos[/aq]. ¶ [aq]15. Suethis cum Thracibus & Byzantinis communes fuisse Deos; adeoque ipsos Deos Phrygios ad Hyperboreos migrasse[/aq]. ¶ [aq]16. Linguam Latinam ex tribus ortam potissimùm; Aboriginum, sive Thusca, Graeca, & Phrygia[/aq]. ¶ [aq]17. Ciceronem & Varronem, qui propter peculiarem linguae Latinae peritiam, ha-[/aq][S][aq]bitus fuit Romanorum omnium sapientissimus; linguam Latinam non intellexisse; nec Demosthenem, ipsumque Platonem linguae Graecae fundamentalem scientiam habuisset[/aq]. ¶ [aq]18. Linguam Hebraeam, non minùs quàm Chaldaeam, Chananaeam, & Arabicam, Dialectum esse linguae Primae; minimè verò ipsam linguam Primam[/aq]. ¶ [aq]19. Indolem, & Proprietates vocum linguae Hebraeae veras impossibile esse, dari posse, nisi ex radicibus linguae Scythicae[/aq]. ¶ [aq]20. Voces Adamaeas, cujus generis sunt Adam, Eva, Cain, Seth, Noah, &c. quas pro antiquitate linguae Hebraeae, vulgò, ejus Assertores adducunt; non minùs Scythicas, imò Suethicas esse magis, quàm Hebraeas[/aq]. ¶ [aq]21. Ex vocabulis priscae linguae, Gallicae, & Ibericae, reliquiis; eas probari Scythicas fuisse[/aq]. ¶ [aq]22. Antiquas voces Thuscas, quae supersunt ex linguâ Aboriginum Scythicas esse[/aq]. ¶ [aq]23. Linguam Cambricam, que vetus est Cim-[/aq][S][aq]brica, Dialectum esse liguae Scythicae[/aq]. ¶ [aq]24. Voces quae supersunt linguae veteris Phrygiae, Scythicas esse[/aq]. ¶ [aq]25. Linguam Persicam hodiernam, ut & Armenam, maximam partem constare ex lingua Scythica[/aq]. ¶ [aq]26. Deorum Nomina, pleraque omnium Gentium, origine esse Scythica, & in illis Sanctum DEI Nomen Tetragammaton [hebr.] Origine esse Scythicum; nec ullum hactenus Hebraeum aut Cabalistam, veras nominis istius proprietates, multo minus mysteria aperire potuisse. Quae Deo dante, reddet author[/aq]. ¶ [aq]27. Ultimo, Sermonem, Primo homini concreatum, aut cum ipsa Ratione, cujus character est, & index in sensum incurrens, infusum[/aq].][886]Bey den [aq]AEgyptiern[/aq] ist das Wort [aq]Mene[/aq] auch ein Nahm der Könige gewesen. [aq]Goropius Becanus in lib. I. Gallicorum[/aq]. und andern Orthen mehr hat über dieses Wort Man seine sonderliche schier [aq]cabali[/aq]stische einfälle/ welche ich an seinen Ohrt gestellet sein lasse. Denn weil das Wort Man umgekehrt Nam macht/ so meinet er/ es sey hiedurch als durch eine Prophetische Figur/ die andere Person der Dreyeinigkeit abgebildet/ welche wahrer Mensch und zugleich auch das Wort des Vaters ist. Es ist nicht unangenehm zu lesen/ was er für vielfältige Betrachtungen hat/ wegen der verkehrung der Wörter in der Teutschen Sprachen/ welche so sonderlich ist/ als immermehr die [aq]cabala[/aq] der Juden und Araber sein kan. [aq]Cluverus[/aq] in dem vorher [S angeführtem Ohrte/ meinet daß der bey den Teutschen gepriesene [aq]Mannus[/aq] niemand anders als Adam sey/ womit [aq]Vossius[/aq] in seinem Buch [aq]de Idololatria[/aq] und [aq]Böcler. Exerc. in Joseph. lib. I. c. 2. Antiq. Judaic[/aq] übereinstimmen. [...] [aq]I. C. Scaliger[/aq] hat über diesem Wort [aq]Man[/aq] eine sonderliche Betrachtung/ in der treflichen Rede/ die er zum Ruhm der ienigen gehalten/ die in dem Türcken Kriege vor Wien geblieben/ welche nebst seinen Briefen herauß gegeben. Wie er nun die Teutsche [aq]Nation[/aq] vor allen andern erhebt/ und besser Urtheil von ihr fället/ als sein Sohn [aq]Josephus[/aq] gethan: So hat er auß dem Nahmen [aq]MAN[/aq], der durch alle Völcker gegangen/ die vortreflichkeit des Teutschen Volcks erwiesen. Der Ohrt ist würdig allhie hergesetzet zu werden: [aq]Hoc numen Terrae filium, sicuti Etrusci Tagem, ita hunc[/aq] [S] [aq]putarent Majores nostri: cujus proles fuerit MAN. Unde etiam nunc apud nos, quemadmodum apud Hebraeos, primi Parentis nomen hominem significat[/aq]. [...] [aq]Nam cum illi novos homines atque avorum obscuritate ignotos Terrae filios appellarent, eosdem quoque MANIOS dixerunt[/aq].][887]Es seind hiedurch etliche bewogen worden/ daß weiln die Reime viel sanffter und nachdencklicher in den Ohren klingen/ sie viel lieber die Geistlichen [aq]Hymnos[/aq] in Lateinische reimende Verse/ als in die sonst üblichen Oden und [aq]Lyrica Carmina[/aq] verfassen wollen; wie des Heiligen [aq]Thomae Hymni[/aq] von dieser art und noch ältere verhanden. [aq]Barthius[/aq] hat in seinen [aq]Adversariis lib. 32. c. 12[/aq]. eines München [aq]Erinfredi[/aq], der [aq]Anno 806[/aq]. gelebet [aq]Carmen Rhythmicum[/aq], so er in der Mertzpurgischen [aq]Bibliothec[/aq] gefunden/ vorgebracht/ dessen Anfang also lautet: ¶ [aq]Felicitatis Regula[/aq] ¶ [... [S] ¶ Der Herr Buchner urtheilet in seiner [aq]99[/aq]. Epistel des ersten Theils von diesen Lateinischen Reim-Oden also: [aq]Hoc genus poëseos etsi aut ignorarunt veteres, aut non probarunt magnoperè, ut minus grave; non aspernandum tamen penitus est: praecipuè cum pietati inservit. Quare superioribus quoque seculis nonnulli pii & sancti viri eò inprimis se delectarunt[/aq]. Dieses schreibt er an den [aq]Tobiam Hausconium[/aq], welcher ein Buch von solchen Lateinischen [aq]Odis[/aq] geschrieben.][888]Man hat auch wie [aq]Martinus Martinius[/aq] in seinem [aq]Atlanto Sinico[/aq] meldet/ ein Buch mit Gothische Buchstaben geschrieben in [aq]China[/aq] gefunden/ dem etwas von der H. Schrifft in Lateinischer Sprache beygefügt gewesen. [S [aq]Vidi[/aq], sagt er/ [aq]unà cum Sociis hîc apud literatum quendam volumen vetus, Gothicis characteribus diligentissimè exaratum. Adhibita fuit papyri loco tenuissima membrana. Maxima Scripturae Sacrae pars Latinè erat conscripta. Tentavi librum ut consequerer: ad ejus Dominus tametsi gentilis, nec prece nec precio ullo adduci potuit, ut traderet, in sua familia per multas jam nepotum progenies tanquam rarissimum quoddam antiquitatis cimelium ad servatum illud adserens[/aq], Es scheinet aber daß dieses Buch nichts anders gewesen/ als die [aq]Evangelica Gothica[/aq], die auß dem [aq]Codice argenteo[/aq] von [aq]Francisco Junio[/aq] mit seinen Anmerckungen/ und vor etlichen Jahren in Schweden heraußgegeben.][889]Die [aq]Edda Islandorum[/aq], darinnen der alten Nordischen Völcker ihre [aq]Theologia[/aq] und [aq]Mythologia[/aq] bestanden/ ist von [aq]Petro Resenio[/aq] herauß gegeben. Es sol aber eine vollständiger [aq]Edda[/aq] noch in Schweden vorhanden seyn/ welche zu seiner Zeit auch ans Licht wird gebracht werden[890]Ihr erstes auffkommen/ und gleichsam ihre Jugend ist gewesen um das Jahr Christi [aq]1300[/aq]/ da [aq]Dantes, Petrarcha[/aq] und [aq]Boccacius[/aq] gelebt haben/ als die ersten [aq]Triumvîri[/aq], unter den Italiänischen Poeten.[891]Derselbe [aq]Spelmannus[/aq] erwehnet/ in den notis [aq]ad §. 43[/aq]. daß der [aq]AElfredus[/aq] in diesen Gesängen zu machen dem heiligen [aq]Aldhelmo[/aq] der fast in die [aq]200[/aq] Jahr vor ihm gelebet/ nachgefolgt. von welchen [aq]Malmesburiensis lib. 5. de gestis Pontificum[/aq] dieses erzehlet: [... [aq]Populum eo tempore semibarbarum parum divinis sermonibus intentum cantatis missis do[/aq]-[S][aq]mos cursitare solitum. Ideo sanctum virum super pontem, qui urbem & rura continet abeuntibus se opposuisse obicem quasi artem contandi professum. Eò plus quam semel facto plebis favorem & concursum emeritum, sensimque inter ludicra verbis scripturarum insertis cives ad sanctitatem reduxisse, qui si severe & cum excommunicatione agendum putasset, profectò profecisset nihil[/aq]. Diese sein trefliche Exempel/ wie durch hülffe der Poesi die Leute zur GOttesfurcht und Tugend zu bringen.][892]Der Aelteste Englische Poet wird von dem Ubersetzer des [aq]Rapini[/aq] gesetzet [aq]Geoffry Chaucer[/aq], der im Jahr [aq]1400[/aq] gelebet. Selbiger ist mit unter den [aq]Chymischen[/aq] Poeten/ und findet sich in deß [aq]Ashmols[/aq] seinen [aq]Tractat[/aq] ein Getichte/ dessen Uberschrifft [aq]The Tale of the Chanons Yeoman[/aq]; worinnen er von dieser Kunst handelt. Sein Bildnuß und sein [aq]Epitaphium[/aq] welches in der Kirchen zu Westmünster zu finden/ hat er dabey abmahlen lassen.[893]Sehet hier ein trefliches Zeugniß/ von einem so grossen Mann/ der dieses [aq]John Donne[/aq] seine Poetische Wercke/ die er in seiner Jugend geschrieben/ (denn in seinem Männlichen Alter hat er als [aq]Decanus[/aq] der [aq]S. Paulus[/aq] Kirchen viel geistreicher Predigten hervorgegeben) so hoch gehalten/ daß er sie des Ubersetzens würdig geachtet/ der in seiner Sprache nicht allein/ sondern auch in der Lateinischen so viel herrlicher sinnreicher Verse geschrieben/ die diese selbst übergehen.[894][aq]George Herbert[/aq] hat sehr gute Geistliche Oden geschrieben/ auff welchen [aq]Abrah. Cowley[/aq] eine trefliche Lobschrifft gemacht/ und dem der Cantzler [aq]Baco Verulamius[/aq] seine in Verse übersetzte Psalmen Davids zu geschrieben hat/ welche selber von keinen gemeinen Geiste seyn;[895][aq]P. C. Hooft[/aq], Ritter von [aq]S. Michaelis[/aq], Drost von Muyden und [aq]Baljow[/aq] von [aq]Goeiland[/aq] hat nicht allein Trauerspiele/ sondern auch [S andere Getichte geschrieben/ welche eine hochtrabende arth haben/ viele sonderliche gesuchte und zusammen gesetzte Wörter.][896]In der Teutschen Historie/ die nach der Lateinischen herauß gegeben/ und insonderheit dessen erstem Buch welches er [Johannes Aventinus, J.T selbst sehr vermehret/ meldet er/ daß er zu Regensburg in S. Haymerans Kloster/ gute alte Lateinische Verse gefunden/ darinnen etlicher alter Könige und Helden Thaten beschrieben worden/ die aus Befehl Kayser [aq]Carol[/aq] des Grossen von den alten Teutschen Tichtern ins Latein gebracht. Aus denselben führet er einige merckwürdige dinge [S] an/ und ist vermuthlich/ daß solche aus den alten Teutschen Liedern zusammen getragen worden. In derselben teutschen Historie meldet er auch/ daß wie der König [aq]Tuisco[/aq] zu anreitzung der Nachkommen die Gutthaten der Frommen mit Liedern zu ehren befohlen/ hätte König [aq]Laber[/aq] geboten/ daß man auch von denen die Ubels thäten/ damit sie sich schämeten und besserten/ Lieder machete/ dieselbige bey Nachte offentlich auff den Gassen für den Häusern sünge/ wenn man das Licht angezündet hatte/ darum man auch solche Gesanglichter genennet.][897][aq]P. 67. a[/aq]. imgleichen [aq]P. 69. a[/aq]. gedencket er einiger alten [S Reime die von dem alten Teutschen Warsager Meister Alber lang vor Christi gebuhrt gemacht/ von welchen noch thörichte Leute albern genant werden. [aq]P. 93. a[/aq]. findet sich dieses: zu Regensburg in des Thumstiffts Buchkammer/ ist gar ein alt Buch auff Pergamen in Lateinischer Sprache woll beschrieben/ von dem alten löblichen herkommen der Bayern/][898]Christian Hoffmann von Hoffmanns-Waldau/ da er in der Vorrede seiner Gedichte von diesen alten Gesängen redet/ schreibet er hievon mercklich also: solche Gesänge sein nachmahls je mehr und mehr im Lauff kommen/ und haben viele bey der damahls zimlich harten und rauhen Sprache nicht üble Gedancken geführet/ wie noch in vielen Klöster. [aq]Bibliotheken[/aq]/ als zu [aq]S[/aq]. Gall/ zu Eichstatt/ zu [aq]S. Emeran[/aq] in Regensburg/ und vielen anderen Orten mehr dergleichen auff Pergament zu finden ist.[899]Von diesen vermeinet [aq]Bernegger quaest. 6. in Taciti Germaniam[/aq] sein die so genante Meistergesänge und Meistersänger hergekommen/ welche Geistliche und Weltliche Historien in Reimen gebracht/ und dieselbe in Zusammenkünfften offentlich gesungen/ den [aq]Trithenium[/aq] vor sich anführend/ der in [S seiner [aq]Historia Francorum[/aq] solcher Meinung zu sein scheinet. [aq]Mos erat[/aq] (saget er) [aq]majoribus nostris Francis & Germanis, ut Heroum facta, vel dicta memoratu digna per Sacerdotes templorum patriis commendarentur carminibus, in quibus discendis memorandis & decantandis juvenum excitarentur ingenia quae consuetudo multis duravit annis, nec hodie defecit[/aq].][900][aq]Caroli[/aq] des Grossen Sohn [aq]Ludovicus[/aq], [S hat sich zum ersten bemühet die gantze Heilige Schrifft in teutsche Verse zu bringen/ damit auch das gemeine Volck den Verstand haben/ und sie zugleich dem Gedächtniß einverleiben könte. Diß erwehnet [aq]Andr. du Chesne tom. 2. p. 326[/aq], welcher aus der Vorrede eines alten in Sächsischer Sprache geschriebenen Buchs dieses zum Zeugniß anführet: [aq]Cum divinorum librorum solummodo literati atque eruditi prius notitiam haberent ejus studio atque imperii tempore, sed Dei omnipotentia atque inchoantia mirabiliter actum est nuper, ut cunctus populus suae ditioni subditus Theudisca loquens lingua, ejusdem divinae lectionis nihilominus notitiam acceperit. Praecepit namque cuidam uni de gente Saxonum, qui apud suos non ignobilis vates habebatur, ut vetus ac Novum Testamentum in germanicam linguam poëticè transferre studeret: quatenus non solum literatis verum etiam illiteratis sacra divinorum praeceptorum lectio panderetur[/aq]. [...][S][...] Diese ist ohne zweiffel die älteste Ubersetzung die in den Historien zu finden; nur daß vom [aq]Carolo M[/aq]. einige melden/ ob hätte er das Neue Testament in Teutsch übersetzen lassen/ und [aq]Gesnerus[/aq] in seinem [aq]Mithridate p. 46[/aq]. gedencket/ es weren die Psalmen Davids zu der Zeit verteutscht noch in dem Kloster [aq]S. Galli[/aq] verhanden. [aq]Rhenanus[/aq] schreibet dem [aq]Valdoni Episcopo Frisingensi[/aq] die Ubersetzungen der Evangelien zu/ so im Jahr [aq]800[/aq] geschehen. Man hat auch noch daß Gebeht des HErrn/ das [aq]Symbolum Apostolicum[/aq] zu der Zeit oder noch vor derselben geschrieben/ so aus der [aq]Bibliotheca Vaticana[/aq] hervor gekommen/ welche [aq]Marquardus Freherus[/aq] mit Anmerckungen heraußgegeben/ und welche auch bey dem [aq]Winckelmann[/aq] in seiner [aq]Notitia Westphaliae l. 3. c. 7[/aq]. zu finden. Man hat auch noch einige [aq]Anglo-Saxoni[/aq]-[S]sche Psalmen/ welche [aq]Johannes Seldenus[/aq] mit seinen gelahrten Anmerckungen gezieret. Auch ist eine [aq]Saxoni[/aq]sche und Hochteutsche [aq]formul[/aq] des [aq]Symboli[/aq] vom [aq]Boxhornio[/aq] heraußgegeben. [aq]Lambecius[/aq] hat in [aq]lib. 2. comm. de Bibl. Vindobonensi c. 5. p. 38[/aq], noch eine Teutsche Beicht [aq]formul[/aq], die [aq]Carolus M[/aq]. gebraucht haben soll/ und [aq]p. 388[/aq]. die Erzehlung deß was zwischen Christo und dem Samaritanischen Weibe vorgegangen in alter teutscher Sprache. Es wurdert mich daß [aq]Hottingerus[/aq], da er [aq]Bibl. Theolog. l. I. c. 3[/aq]. so fleissig ist in den vielfältigsten Ubersetzungen der Biebel hervor zu suchen/ dieser/ die von dem [aq]Ludovico I[/aq]. angestellet/ nichts gedencket. Es ist aber vermuthlich daß sie verlohren gegangen. Ich habe zwar einige Sächsche Ubersetzung des Neuen Testaments/ oder vielmehr eine [aq]paraphrasin rhythmicam[/aq] gesehen/ die aber viel neuer gewesen/ und mit vielen andern Erzehlungen vom Leben Christi/ die in der Bibel nicht enthalten/ vermischt. [aq]The[/aq]-[S][aq]odorus Bibliander[/aq] in seinem Buch [aq]de ratione communi omnium linguarum p. 49[/aq]. hat auch einer Poetischen Ubersetzung des Alten Testaments gedacht. [aq]Legi vetus instrumentum versibus germanicis redditum â Rodolfo quodam oriundo ex familia quae nomen habet ab eminente arce in Rhaetia, quam vulgus nominat[/aq] hohen Ems, [aq]idque rogatu & jussu Regis Chonradi, fil: Friderichi secundi Caesaris Augusti: qui versus orthographiâ, verbis, inflexione, structura modoque carminis discrepant â praesente consuetudine. Id quod uno exemplo perstringam: nam de fide Gabeonitis â losua & caeteris Israëlitis data sic canit[/aq] ¶ Swel man den Ban GOtts breche ¶ [...] ¶ [aq]pro illo quod sermo nunc usitatus diceret[/aq] ¶ Welcher Mann den GOttes Ban bräch ¶ [...] ¶ Diese ist aber/ wie er schreibt/ viel jünger und in Hochteutsch geschrieben. [aq]Melchior Goldastus Tom. 1. Rer. Alemanicar[/aq], [S] [aq]p. 198[/aq]. thut auch hiervon einige Erwehnung/ und berichtet/ daß sie in der Schobingerschen [aq]Bibliothec[/aq] verhanden. In seinen Anmerckungen über die Teutsche [aq]Paraeneses[/aq] führet er viel aus einer [aq]Paraphrasi veteris Testamenti[/aq] an: aber er nennet den [aq]Autorem Anonymum antiquissimum[/aq], denn er selbst doch in seinen [aq]Alemannicis Rodolphum ab Ems[/aq] genant/ daß ich also im Zweiffel stehen muß/ ob es dieselbe oder ein ander [aq]paraphrasis[/aq] sey.][901]Zu des [aq]Lotharii I[/aq]. Zeiten hat gelebet [aq]Ottfriedus[/aq] ein Munch des Klosters Weissenburg/ hat aber unter [aq]Ludovici II[/aq]. Zeit erstlich die Evangelia in alten Teutschen Versen heraußgegeben/ und dem [aq]Luithberto[/aq] Meintzischen Ertzbischoff zu geschrieben. Er war des [aq]Rabani Mauri[/aq] Lehrjünger. Ist also vielleicht ein Fehler der flüchtigen Feder/ daß der Herr Hoffmann in der Vorrede seiner Getichte ihn unter die Zeit des [aq]Lotharii[/aq] und Friedrichs setzt/ wodurch niemand anders als [aq]Lotharius II[/aq]. und [aq]Fridericus Barbarossa[/aq] könte verstanden werden. Aber er hat vielleicht an stat Fridrichs den Nahmen Ludewig schreiben wollen. [aq]Beatus Rhenanus[/aq] hat zu erst diß Buch gefunden. [S wie er selbst in seinen [aq]rebus Germanicis[/aq] erzehlet. Hernach hat es [aq]Matthias Flacius Illyricus[/aq] zu Basel heraußgegeben unter dieser Uberschrifft [aq]Ottfridi Evangelium, liber veterum Germanorum Grammaticae, poëseos, theologiae praeclarum monumentum[/aq]. Mit dieser [aq]Edition[/aq] ist der Herr [aq]Lambecius lib. 2. comm. de Bibl. Vindobonensi c. 5[/aq]. nicht zu frieden/ weil er sie vor gantz unvollkommen hält/ und sehr viel Fehler darin angemercket. Er hat eine dreyfache Vorrede: die eine lautet an [aq]Salomon[/aq] einen Bischoff zu Costnitz: die andere an König Ludewig beide in Teutschen Versen/ deren erste Buchstaben wenn sie zusammen gelesen werden einen absonderlichen Verstand machen: welche [aq]Carmina[/aq] bey den Griechen [griech.] genant worden: die dritte an den Ertzbischoff zu Meintz [aq]Luitbert[/aq] in Lateinischer Sprache. Worinnen er zu verstehen gibt/ daß er auff Bitte seiner Brüder und der Kayserin [aq]Judithae[/aq], der vor andern Weltlichen und unflätigen Gedichten geeckelt [S] die Mühe auff sich genommen/ und ein Theil der Evangelien in Teutsche Verse übersetzet. Woraus denn erhält/ daß doch vorhin einige Lieder und Getichte in Liebessachen müssen gewesen sein. Die Verse sind des Maasses und der rauhen Sprache wegen sehr unlieblich/ über welche er sehr klaget in der Vorrede seiner Evangelien. Die wenigen Verse die der Herr Hoffmann in seiner Vorrede aus ihm anführet und in Verse übersetzet zeigen daß dennoch unter diesem so grobem Kittel der Sprache ein guter Geist verborgen gewesen. Er hat noch andere dinge in Teutscher Sprache geschrieben/ als Predigten über die Evangelia/ [aq]Paraphrases[/aq] in [aq]Canticum Esaiae, Ezechiae, Hannae, Moisis, Zachariae, Mariae[/aq] über das Vater Unser/ über des [aq]Athanasii Symbolum[/aq], über die Psalmen Davids/ und noch drey grosse Bucher über dieselbe. [aq]Lambecius[/aq] hat [aq]l. 2. c. 5. p. 46[/aq]. als zur Probe den ersten Psalm angeführet/ hält es vor ein sonderliches sel-[S]tenes Gedenckmahl der alten Sprache/ wünschend deß es dermahleins ans Licht gebracht würde: [aq]Trithemius[/aq] in seinem Buch [aq]de Scriptorib[/aq][?] [aq]Ecclesiasticis[/aq] nennet diesen [aq]Ottfridam, Virum in divinis scripturis eruditissimum, & in secularibus Virum egregiè doctum, Philosophum, Rhetorem, Poêtam insignum ingenio excellenti & disertum eloquio[/aq]. Zu [aq]Henrici[/aq] des [aq]III[/aq]. und [aq]IV[/aq]. Zeiten lebte [aq]Willeramus[/aq], ein gelehrter Abt zu Merßburg/ welcher über das Hohelied Salomonis eine Lateinische [aq]Paraphrasin metro rythmicam[/aq] geschrieben/ und auch eine Teutsche in ungebundener Rede. Selber gehöret woll nicht unter die Teutsche Poeten/ aber er ist werth/ daß wir ihn hier berühren. Es ist ein schönes Denckmahl der alten Sprache/ und kan man einen sonderlichen Verstand darin mercken. Die Lateinische Verse sind auch nicht so gar zu verachten/ nur daß sie mit der damahls üblichen Reimerey auch angefüllet sein. Der [aq]Paulus Merula[/aq] hat diesen [aq]Autorem[/aq] zu erst her-[S]ausgegeben mit seinen Anmerckungen.][902]Das eintzige Exempel des [aq]Ottfridi[/aq], welches er ["Der Herr [aq]de Casaneuve[/aq] in seinem Buch [aq]de l'Origine des Jeuxfleureaux[/aq]" (321) [331, J.T.] anführet/ widerlegt ihn/ welcher Reime geschrieben/ ehe noch von einigen Frantzosen etwas vorgewiesen worden. Es ist bekant/ daß die [aq]Provinciales Potae[/aq] etwa vor fünffhundert Jahren erstlich angefangen. Man kan keine Aeltere bringen/ und hat der erste den [aq]Claude Fauchet[/aq] setzet/ im Jahr [aq]1155[/aq] geschrieben/ welches eben in die Regierung des [aq]Friderici Barbarossae[/aq] fällt/ da die Teutsche Poesey in vollem schwange war/ und nach ihrer Art/ ja so gut und besser als der [aq]Provençalen[/aq] ihre außgeübt. [aq]Ottfridus[/aq] aber hat lange zuvor seine Verse geschrieben/ [S] und ist er nicht der erste gewesen/ der Reymen geschrieben/ wie [aq]de Casaneuve[/aq] meint: denn [aq]Ottfridus[/aq] gedenckt selbst in seiner Vorrede der Liebeslieder/ die damahls im schwange gerwesen/ ob gleich die Sprache grob und ungeschickt/ darüber [aq]Ottfridus[/aq] klagt. Denn es folget nicht: [aq]Ottfridus[/aq] klagt über die Mühe/ die er der rauen Sprache halber gehabt/ darum ist er der erste gewesen/ der die Reime gemacht. [aq]Carolus M[/aq]. hat die [aq]Grammatic[/aq] zu seiner Zeit erstlich zu schreiben angefangen/ und waren doch vor ihm von [aq]Taciti[/aq] Zeiten her und drüber Lieder gewesen/ die er in ein Buch versamlen lassen. Wir haben droben erwiesen/ daß auf [aq]Ludovici I[/aq]. Befehl eine [aq]Paraphrasis[/aq] des Alten und Neuen Testaments in alten Sächschen Versen verfertiget/ die noch älter als des [aq]Ottfridi[/aq] seine. Ist also falsch/ daß diese des [aq]Ottfridi[/aq] ersten Reime gewesen.][903]Es wundert mich aber daß in dem Turnier-Buch dieser Meistersänger so gar mit keinem eitzigen Worte gedacht wird. Harstörffer der uns die beste Nachricht geben kan/ weil er an solchem Ohrte gelebet/ da sie ihre meiste [aq]Exercitia[/aq] gehabt/ beschreibt im [aq]IV[/aq]. Theile der Gespräch Spiele im [aq]151[/aq]. Sp. §. [aq]8[/aq]. der Meistersänger ihr Wesen etwas außführlicher als [S sonst iemand anders/ aus welchem wir die Worte anher setzen wollen: [...] Ob nun ihre Gedichte schlecht sind/ und das Gesang der Choral oder der Ebreer Musick nicht ungleich zu hören/ so haben sie doch feine Regul/ und ihre Wissenschafft in solcher Verfassung/ daß sie ungezweiffelt sagen können/ was gut oder böß ist.][904][Harsdörffer, IV. Teil der [aq]Gesprächsspiele[/aq], J.T.: Ist also darauß zu schliessen daß die Urheber dieser Kunst das Reimwesen woll verstanden/ und die Teutsche Sprache bereit vor sechshundert und mehr Jahren darin geübet worden: nemlich zu Kayser Otto des [S] Grossen und des Pabsts [aq]Leonis[/aq] des [aq]VII[/aq]. Zeiten/ welche die vier gekrönte Töne/ wie es die Meister noch anheut zu Tagesingen/ selbst angehört/ und mit gewissen Freyheiten begabt haben/ weil es zu selbiger Zeit etzliche für eine Ketzerey außgeschrieen hatten. Ist also vermuthlich/ daß die Uhralten Heidnischen Helden Gesänge mit Einführung des Christenthums von Keyser Carl den Grossen ab/ und hingegen diese in den Kirchen eingeführt][905]Zu derselben Zeit des Hugo von Trimbergs lebte Freydanck/ der von jenem offt angeführet wird/ hat ein Buch in teutschen Reimen geschrieben/ so er die Laien Bibel nennet/ darinnen er die fürnehmste Historien altes und neues Testaments in teutsche Verse verfaßt/ und allerhand feine Lehren mit untermischt. Er hat auch einen Außzug der siebenden Zahl aus der Bibel und den Chronicken hervorgegeben/ dessen doch Leonhard Wurffbain in seinem Buch [aq]de Septenario[/aq] keine Erwehnung gethan. Sie sein zu Franckfurth [aq]Anno 1569[/aq]. gedruckt.[906]Ich muß hie auch eines nicht gar viel bekanten Hugo von Trimberg gedencken/ welcher vor etwa [aq]380[/aq]. Jahren gelebet/ und ein weitläufftig Buch in Reimen geschrieben/ so er den Renner nennet: worin die Mißbräuche die damahls in allen Ständen gewesen vorgestellet/ viel Mängel der Geistlichen endeckt/ und alle zur Tugend und Wollstand angewiesen werden. Solch Buch ist von [aq]Cyriaaco Jacob[/aq] zum Bock/ Buchdrucker [aq]Anno 1549[/aq]. unter den Titul der Renner heraußgegeben.[907]Der Herr Scheffer/ der die Alterthüme der Schweden sorgfältig gnug durchgesuchet/ und alles was ihm müglich gewesen herbeygebracht/ hat in seiner [aq]Suecia literata[/aq], da er de [aq]Scriptoribus Svecis[/aq] handelt/ und insonderheit so merck-[Swürdige dinge hätte beybringen sollen/ nur von [aq]Anno[/aq] Christi [aq]MCL[/aq]. den Anfang gemacht.][908]Dann die geistliche Lieder und Psalmen/ die bey ihnen in Verse gesetzt/ und das Finni-[Ssche [aq]Chronicon[/aq] in Finnischen Reimen/ so zu [aq]Abo 1658[/aq]. heraußgegangen/ sein wie ich vermeine/ uach art der Schwedischen eingerichtet. [aq]Petrus[/aq] Bäng [aq]Professor Theologiae[/aq] auff der Finländischen [aq]Academia[/aq] zu [aq]Abo[/aq] hat in seiner [aq]Historiâ Ecclesiasticâ Sueo-Gothorum lib. 6. cap. 6[/aq]. auß des [aq]Agricolae[/aq], eines Wiburgischen Bischoffs Poetischen Vorrede über die Psalmen Davids/ einige Finnische Verse angeführet/ worinnen die Nahmen der alten Finnischen Götter erzehlet werden/ diese sein aber nach art der Teutschen gemacht.][909]Man hat einige alte [aq]Glossaria[/aq], so billig in hohem werthe zu halten sein/ weil in diesen der ietzigen Sprache Stammwörter zum theil stecken; Da ist des [aq]Rabani Mauri Glossarium Latino-Theodiscum, in tota Biblia Veteris & Novi Testamenti[/aq], so noch nimmmer hervorgegeben. Dieses Buch hat [aq]Lambecius[/aq] auff seine Tyrolischen Reise irgend in einem Schloß unter alten Büchern gefunden/ [S und der Keyserlichen Wienischen Bibliotheck einverleibet/ hat auch versprochen in seinem [aq]Syntagmate rerum Germanicarum[/aq] es hervorzugeben/ welche Hoffnung nun verloschen. Er setzet den Anfang dieses [aq]Glossarii lib. 2. com. de Biblioth. Vindob. c. 5. p. 416[/aq]. welcher also lautet [aq]Pikinnant Samenunga Uuorto fona dero nivum anti deru altun Euu. Inchoant congregationes verborum ex novo & vetere testamento[/aq]. Dieses ist warlich eine schöne [aq]antiquität[/aq]; dann es ist etwa [aq]Anno Chr. 847[/aq]. geschrieben.][910]Welcher Meinung zum theil [S auch der gelehrte [aq]Huet[/aq] beypflichtet; dann ob er zwar in seiner [aq]Dissertation de l'origine des Romaines p. 13[/aq]. davor hält/ daß diese Reimkunst erstlich von den Arabern in [aq]Europam[/aq] gebracht nach des [aq]Taric[/aq] und des [aq]Muza[/aq] ankunfft in Spanien/ welches war [aq]Anno Chr. 713[/aq]. so setzt er doch hinzu/ daß er gar leicht beweisen wolle/ wie auch den alten Römern die reimende Verse nicht unbekant gewesen.][911]Die so genandte [aq]Versus Leonini[/aq] haben sonst in der Lateinischen Sprache zeitig den Anfang genommen/ und erweiset [aq]Naudaeus Addition. à l'Histoire de Louys XI. p. 146[/aq], daß schon [aq]Anno Chr. 480[/aq], man dergleichen art Verse gehabt. [S Nachgehends sind dieselben so in den Gebrauch gekommen/ daß man keine andere als diese beliebet/ insonderheit in dem zwölfften [aq]seculo[/aq]. Worunter des [aq]Bernhardi Morlanensis[/aq], die er [aq]de contemptu mundi[/aq] geschrieben/ die allerartigsten sein.][912]Unter allen diesen Arten [S sein des [aq]Rabani Mauri[/aq] Lateinische [aq]Carmina[/aq], darin so vielerley art Kreutze gebildet werden verwunderns würdig: dann es muß dieser Mann eine unglaubliche Mühe gehabt haben/ deren so gar verschiedene Formen/ in so vielerley art Verse zu verfassen.][913]Es will zwar der [aq]Cardinal Perron[/aq] behaupten/ daß die Frantzösische Sprache sich besser zu einen [aq]Epico Carmine[/aq] schicke/ als die Italiänische/ aus Uhrsachen/ daß bey den Italiänern lauter Weibliche Reime sein. [... Er tadelt auch an seinen Landsleuten/ daß sie nicht die Gedult haben ein weitläuffti-[S]ges Werck außzuarbeiten/ das eines Menschen Leben erfodere. Er selbst/ spricht er/ hätte in seiner Jugend ihm vorgenommen ein [aq]Poema epicum[/aq] von der Kinder Israel Außzug aus Aegypten unter dem [aq]titul la Mosaide[/aq] zu schreiben.][914]Daß bey den alten Nordländern/ dergleichen Getichte [Romane, J.T. gewesen/ geben die Fabeln an den Tag/ die man in der [aq]Edda[/aq] noch vorfindet. Ja wann man des Herrn [aq]Rudbecks[/aq] Meinungen annehmen solte/ dürffte woll die gantze [aq]Mythologia[/aq] der Griechen davon entstanden sein/ daß also dieselben nicht von [aq]Caroli M[/aq]. Zeiten nur herzu holen/ wie [aq]Huetus[/aq] meinet.][915]Der [aq]Cardinal de Richelieu[/aq] hat es seinem Geistlichen Stande nicht unanständig gehalten/ daß er der Schauspiel halber gewisse Ordnunge gemacht/ und nachdem [S er sie von den Unsauberkeiten gereiniget/ selbst Anlaß gegeben/ daß solche gespielet/ und vorgestellet worden. Wie er dann die vortreflichsten Geister seiner Zeit durch die gröste Belohnungen dazu auffgemuntert.][916]Ich will hie zu ergötzung des Lesers ein Schlacht-Lied/ so ein solcher Meisterge-[Ssänger/ der die Historia des [aq]Henrici Aucupis[/aq] beschrieben und wie eine [aq]Comoedia[/aq] in gewisse [aq]Actus[/aq] eingetheilet/ derselben mit einverleibt: Dann er führet einen Poeten ein/ der für Anfang der Schlacht ein Lied/ nach dem alten Gebrauch der Teutschen absinget/ ist nicht gar alt/ und auß einem gestümleten Buche von meinem hochgeehrten [aq]Collega[/aq] Herr [aq]D[/aq]. Reihern mir mitgetheilet. ¶ VIel Krieg hat sich in dieser Welt/ ¶ [...] [S] [...] ¶ Es ist nichts lächerliches in diesem gantzen ungeschmackten Liede/ als wann er das Kyrieleison unter Pom bidi Pom mischet/ lautet fast eben so/ als wann man Schertz oder Sprichwortsweise sagt: Fein lustig/ daß GOtt erbarm. Es scheinet aber/ daß dieses ein Gebrauch bey den Schlachten gewesen/ daß sie das Wort Kyrieeleison geruffen: Daß die alten Norweger solches gethan/ bezeuget Janß Dolmer in seiner Anmerckung über die Norske Hirdskraa/ (ist ein Buch von der Hoffhaltung) welches in uhralter Dänischer Sprache beschrieben/ er heraußgegeben und erkläret. Denn er führet in [S] der Anmerckung über das [aq]5[/aq]. Cap. auß einer Norwegischen alten [aq]Chronic. p. 483[/aq]. an. Gamle Norbagger hafve icke alleniste brugt desse Ord/ deres Kongers Kroning/ men end ocfaa udi Striid. Erling Skak befalede sit Folck/ udi Striiden mod Grafve Sigurd/ at de skulle paakalde Gud/ siunge Kyrie eleison/ oc flaa paa deres Skiolde. Es haben auch die alten Gothen wenn sie mit den Römern gestritten die Wort Herre dig forbarme ist so viel als Kyrie eleison gebraucht/ und haben die Römer solches von ihnen gelernt/ wie ein Ohrt bey dem [aq]Augustino Epistolâ 178[/aq]. solches anzeigt. [aq]Si enim licet dicere non solum barbaris lingua sua sed etiam Romanis Si hora armen, quod interpretatur: Domine miserere, cur non liceret in conciliis patrum in ipsa terrâ Graecorum, lingua propria homousion confiteri[/aq]. Es ist aber diß [aq]Si hora armen[/aq] auß dem vorigen Herre dig forbarme verfälschet.][917]Der so genante unverdrossene Carl Gustav von Hille hat in seinem Teutschen Palmbaum/ darin er von der Fruchtbringenden Gesellschafft Anfang und Auffnehmen geschrieben/ ein Teutsches Lied angeführet/ welches in dem Meckelburgischen Kloster Dobran von etlichen Kayserlichen Soldaten in einem gemauerten Schrancke gefunden worden/ von [aq]28[/aq]. dem Reimgebände nach woll gesetzten Steophen bestehend/ zu Lobe des Wendischen Königs [aq]Anthyrii[/aq] gemacht[918]mit welcher Reimsucht damahls alle behafftet waren/ daß man auch in den Lateinischen dieselben gebrauchte/ ja wol gar Lateinische unter die Teutsche mischte/ dessen wir unterschiedliche [aq]Exempla[/aq] in alten Grabschrifften haben/ dergleichen eins in dem Dobberanischen Kloster in Mecklenburg auff einen Peter Wisen zu lesen, dessen anfang also lautet: ¶ Hier Peter Wiese [aq]tumba requiescit in istâ[/aq],[919]Es wird auch noch heute unter den Kirchengesängen/ das Lied [aq]In dulci jubilo[/aq] gebraucht/ so auff diese art von dem [aq]Petro Dresdensi[/aq] etwa [aq]Anno 1410[/aq]. oder noch wol ehe gemacht. Es meinen etzliche/ daß er vor gehabt die Teutsche Gesänge in der Kirchen auffzubringen/ und were es vom Pabste also vermittelt/ daß ihm diese Vermischung mit dem Lateinischen vergönnet/ oder er hätte es deßhalben gethan/ daß allgemach der Weg zu den Teutschen Liedern gebahnet würde[920]Dann es ist der Warheit gemäß/ was der berühmte Herr [aq]Micraelius[/aq], mein vormahliger Lehrmeister/ in seiner Pommerschen Chronica/ in der Vorrede des dritten Buchs schreibet: [... Wir andern Sachsenleute haben nun auch an unsere Muttersprache einen solchen Eckel gehabt/ das unsre Kinder nicht ein Vater unser/ wo nicht in Hochteutscher Sprache/ beten/ und wir keine Pom-[S]mersche Predigt fast mehr in gantz Pommern hören mögen.][921]Des Wortes Beicht Uhr-[Ssprung wird schwerlich einer geben/ welcher nicht weiß/ daß es in dem alten Teutschen Psalter [aq]begiht[/aq], oder [aq]begicht[/aq] geschrieben wird/ und also zusammen gesetzet ist aus der [aq]praepositione inseparabili be[/aq] und dem Wort [aq]giht[/aq] oder [aq]gicht[/aq].][922]Es hat [aq]Barthius Advers. lib. 34. cap. 17[/aq]. solchen [aq]Rhythmum latino Germanicum[/aq] von [aq]Anno 1259[/aq]. der in einem Kloster bey Straßburg gefunden/ hervorgesuchet/ der also anfänget: ¶ [aq]Gens sine capite[/aq] mag keinen Rath geschaffen[923]
Spengler, Johann Friedrich
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[924]Blum: Engeltrank/ [aq]Alisma[/aq]. Spruch: Im Glauben gekostet.[925]auf den Anzugs-tag den II. des Mäymonats dieses 1687sten Heil-Jahres[926]Meiner gnädigsten Fürstinn und Frauen/ den 28. Mäymon. dieses 1687. Christen-Jahres.[927]Wer ganze neue machen/ und damit/ als ein Jesus-Liebhaber hervortretten will/ der kan die Dorn-Krone und Gelsel-Seule und andern Passion-Zeug darzu erkiesen.[928]Und fehlet es einem an Bildern und Gemählden/ der nehme das H. Bibel-Buch/ darinn wird Er viele Sinnbilder finden/ die [S er nur mit einem Deutspruche zu versehen. Als über den Regenbogen kan er schreiben: [aq]temperat iras[/aq], Er legt den Grimm. Uber den Kasten des Noah: [aq]extra nulla salus[/aq], Sonst ist kein Heil. Durch welches lezztere die wahre Gottes-Kirche überaus schön gesinnbildet wird/ als auser welcher keine Seeligkeit zu hoffen.][929]18. Von der Obschrift/ als dem zweyten Haubtstükke eines Sinnbildes/ ist zu merken/ daß sie entweder in der ersten oder dritten Person müsse eingerichtet werden. Es wäre denn etwa Sache/ daß das Gemähl den Leser anredete. Sonst mag solche entweder aus der H. Schrift/ oder aus einem bekannten Redner/ oder berühmten Poeten/ entlehnet[930]z. b. Mancher machet etwas zu einer [aq]Disputation[/aq], worinn weder von der [aq]Materia[/aq] gehandelt/ noch des [aq]Autoris[/aq] Name gemeldet wird/ also/ daß sich ein solches Gebände zu einer Theologischen/ Juristischen/ Medicinischen/ Philosophischen und Philologischen Streit-Rede eignen lässet. Dafür man sich fleissig zu hüten. Wer von der Erfindung ausführlicher will belehret seyn/ der hat in des Seel. Erwachsenen Anweisung zu lesen vom 162. Blate an bis auf das 293ste.[931]Sonderlich sind zu behalten die Wörter/ so in der Kirche Gottes eingeführet und männiglich bekannt/ ohne Aergerniß derselben nit können abgeschaffet werden/ als da sind: Testament/ Sacrament/ Prophet/ Apostel/ Epistel/ Evangelium/ Catechismus/ absolviren/ und dergleichen. Das Wort Sanct mag auch mitgehen.[932]Ubrigens ist allerdings dahin zu trachten/ daß von allen Dingen rein und höflich geredet werde/ nach der züchtig-redenden H. Schrift/ und dem löbl. Beiyspiele des züchtigen und höflichen Poeten Virgilius/ welcher daher [aq]Parthenias[/aq] oder der Jungferliche genennet worden.[933]8. Die beweisende Gleichnisse/ welcher der Exempel Eigenschaft zu haben scheinen/ und zugleich eine Meinung beweisen/ und eine andere widerlegen/ sind der Zierde eines Gedichtes auch mit einzurechnen. Als/ wenn ich beweisende Gleichnisse für die Auferstehung von den Todten anführen will/ so kann ich sagen: das erstorbene und verweste Saamkörnlein grünet in der frölichen Frühlings-Zeit wiederum herrlich herfür. Warum nicht auch unsere Leiber in der frölichen Auferstehung von den Todten? der Seidenwurm spinnet sich ein und stirbet/ und wird dennoch hernach wiederum zur Raupe/ und denn zum Seidenwurme. Warum sollte denn der Mensch/ nach der er sich in seine Arbeit gleichsam eingesponnen/ oder ausgesponnen/ nach seinem Tode/ nicht wieder lebendig werden können? die Bergleute wissen das Gold und Silber meisterlich von der Erde zu scheiden; und der Allmächtige Gott sollte den Staub und die Asche der menschlichen Cörper nicht von anderer Erde zu sondern wissen? Dadurch wird für die Auferstehung der Todten zugleich aus der Natur ein Beweis geführet/ und [S der Epicurer und Sadduceer Gegen-Meinung widerleget.][934]Oder welches fast eben so viel ist/ wenn die zwey Figuren [aq]Hypotyposis[/aq] und [aq]Prosopopoeia[/aq] gebrauchet werden. Welches denn auch auser dem Gebände/ ja gar in einer Predigt zulässig ist/ weil wir die H. Schrift da zur Vorgängerinn haben. Als wenn wir den zur [S Rache und Straffe bereitfertigen GOtt gleichsam vor Augen sehen wollen/ so schreibet uns solchen der VII. Psalm/ 12--14. GOtt ist ein rechter Richter/ und ein Gott/ der täglich dräuet. Will man sich nicht bekehren/ so hat er sein Schwert gewetzt/ und seinen Bogen gespannet/ und zielet/ und hat darauf gelegt tödtliche Geschosse/ seine Pfeile hat er zugericht zu verderben. Wollen wir die Gestalt der Verhungernden und Verschmachtenden mit lebendigen Farben abgemahlet haben/ so finden wir solche in den Klagliedern Jerem. im IV. Cap. 8. Ihre Gestalt ist so tunckel für Schwärtze/ daß man sie auf den Gassen nicht kennet/ ihre Haut hänget an den Beinen/ und sind so dürre/ als ein Scheit. Wer die allzuspäte Reue und das Jammerliedlein der Verdammten in der Hölle sich für Augen und Ohren stellen will/ der lese die erste Helfte des V. Cap. aus dem Buche der Weisheit. Im LXXXV. Psalm/ 11. wird der Güte und Treue/ der Gerechtigkeit und dem Frieden ein menschliches Tuhn zugeleget/ wenn gebetten wird/ daß Güte und Treue einander begegnen/ Gerechtigkeit und Friede sich küssen. In der Epistel an die Röm. am IX. [S] 20. lässet der auserwehlte Rüstzeug einen Topf reden/ mit den Fragworten: Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machest du mich also? Also mag ich wol sagen: Die Sünde ist ein stolzes und unbändiges Thier/ deme man einen starken Zaum auf die Nase und ein hartes Gebiß ins Maul legen muß/ wenn wir nicht zu Sandreutern werden wollen.][935]Wer im Predig-Amte anfangs lang prediget und solches eine Zeit treibet/ der kann endlich nicht kurz predigen.[936]Zur Ehre des Himmels[937]Und als dieser fromme Fürst dieses Zeitliche gesegenet/ hat die damalige Hochfürstl. Hochlöbl. Vormundschaftliche Regierung mit ungemeiner Gnade mich angesehen/ und mit dem Kostgelde auf die Universität versehen. Darauf/ als E. HochFürstl. Durchl. hochgepriesener Herr Vatter/ der bey Hohen und Niederen höchstangenehme Markgraf Herr Johann Friderich/ Christlöblichsten Ange-[Sgedenkens/ die Regiments-Sorge übernommen/ hat dessen Durchleuchtigkeit mir das Stipendium/ dann die verledigte Diaconat-Stelle/ und endlich die Ober-Caplanen hier in Krailsheim Gnädigst angedeyhen lassen.][938]MIt diesem Namen begrüsset meine Feder Jhro WolEhrwürden das erstemal/ den der Seelig-Edle Floridan allbereit vor 10. Jahren unserer Gesellschaffts Rolle eingezeichnet hat. Weil ihm aber seine geschwinde Himmel-Anwanderung nicht zugelassen den Stand und Zustand des Benameten zu entdecken/ hat inzwischen bey uns Verlangen und Zweifel gewaltet/ des jenigen Kentnus zuerlangen/ der doch allbereit Unser ware; und solches so lang: bis die kräfftige Empfehlung des Edelsten Lentilius unsere Augen öffnete/ und die Begierde sättigte. Weil wir nun die Gedanken des verhimmelten Floridans wegen Zueignung der Blume nicht zu errahten wusten/ wurde mir einige zu benennen von meinen Groswehrtesten Mitgenossen aufgetragen; derer Neigung mit eigener Freude zu vergnügen/ wehlte ich aus dem Blumen-Reiche Engeltrank ([aq]Alisma Diosco[/aq]-[S[aq]rid: & Matthioli, Chrysanthemon latifol: Dodonaei, Doronicum 4 Clusij, Doronicum folijs Plantaginis Hofmanni &c[/aq].) Deren Bildnüs eine kluge Nadel/ die mit dem Mahler-Pinsel wettstreitet/ dem beyliegenden Ordens-Band eingesticket hat. Meine einfältige Gedanken hierüber wird die Beylage weisen. So gebrauche demnach der Preiswürdigste Charicles dieses weiße Band nach seiner Weise: ¶ Den Himmel zu ehren/][939]Und ist zu Verstehen der Spruch Davids / daß Gott den jungen Raben auch ihre Nahrung gebe/ Ps. CXLVII. 9. Es haben nämlich die Naturkündiger als ein sonderbares Stükk der Göttlichen Vorsorge angemerket. Die Raben sollen ihre noch unbefederte Jungen/ weil sie ihre schwarze Farbe nicht haben/ verlassen/ die Verlassene aber soll der barmherzige Gott wunderbarer Weise erhalten/ entweder von dem Morgentaue/ oder von Würmlein/ die im Neste wachsen/ oder von Mukken/ die um die Nester herum fliegen/ bis sie befedert/ von den Eltern erkennet/ ernehret und auferzogen werden.[940]Gleiches Versehen ist zu sehen in einer Obschrift der Nacht/ welche Michael Angelo zu Florenz in einer Kirche von Marmol gebildet/ und dieses Begriffes ist; ¶ Hier schläfft und ruht die sanfte Nacht[941]Auf solche Weise hab ich der Lucretia Keuschen Selbstmord vorgestellet: ¶ Sazz. ¶ Je schöner eine Vestung steht/[942]11. Der Erwachsene hat ein Exempel/ darinn Er auf den Sazz einen richtigen Gegensazz füget/ und endlich einen Ausspruch machet/ wenn Er im Sazze das himmlische Freuden-Leben beschreibet und hoch hebet/ im Gegensazze dieses irdische Elend-Leben dargegen sezzet und endlich durch den Nachsazz den Entscheidspruch gleichsam ergehen lässet: ¶ Sazz. ¶ Glükk der Seelen/ Wunsch der Zeiten/[943]
Hofmann, Johann
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[944]Dann gleichwie der Leib ohne die Seele tod ist/ und einen Abscheuen verursachet: Also ist es auch mit einem Gedicht bewandt[945]7. Exempel [zu den Sonetten, J.T. finden sich hin- und wieder/ sonderlich bey dem Hrn. [aq]Gryphio[/aq], deme sie sonderlich beliebet/ daher ich dann auch grossen Lusten darzu bekommen/ so daß ich alle Evangelia/ so durchs ganze Jahr hindurch gefunden werden/ auf gewisse Maaß in Sonneten gebracht habe. Uber das hatte ich zu Speyer/ eine geistliche Kunst Kammer aus der H. Schrifft zusammen getragen/ welche in 400. Sonneten bestunden. Aber! Ach leyder! Aber diese nutzliche Sachen haben kein ander Licht gesehen/ als daß sie mit der grausamen Einäscherung der Marggräfflichen Residenz Durlach zugleich verbrennet worden/ und sind also jämmerlich zu Grund gegangen. ¶ 8. Damit aber doch etwas von meiner Arbeit dieses Orts mit eingeruckt werde/ so will ich ein geistliches/ und zwar ein Passions-Sonnet/ und zwar nach diesem unterzeichneten [aq]Schemate[/aq] verfertiget worden ist/ auf die Bahn bringen. ¶ 9. Wer aber andere Gattungen/ als von funffzehen-Sylbigen lang-gekürtzte Reymen/ über Gottes unbegreiffliche Regierung aus ([aq]Tit[/aq].) Fräuleins [aq]Catharinae Reginae[/aq] von Greiffen-Berg etc. genommen/][946]2. Vor allen Dingen aber wollen wir etwas von ihrem Ursprung sagen/ da dann ein belobter ([aq]b[/aq]. [= Herr Stanislauß Minck von Weinßheym in der dreyfachen Kunst-Schnur [aq]pag. 24[/aq]. Hr. und Freund der Ticht-Kunst an seinem Ort schreibet/ daß die Versetzung der Buchstaben Wechseln oder Letter-Wechsel ein Theil von der Hebreer Cabala seye][947]3. Mit diesem stimmet ein anderer ([aq]c[/aq]. [[aq]Guil. Blancus Tractatu de Anagrammatibus referente Poët. Maj. Giessenâ Lib. II. cap. 5. p. 293[/aq].) überein/ welcher auch der Meynung ist/ daß es eine alte Erfindung seye/ welche sonder Zweiffel von den Hebräern und ihrer Cabala herkomme/ wann er also setzet: [aq]Illi enim (Hebraei) juxta primam partem Cabalae per GEMATRIA literas transponunt[/aq].][948][zu den [aq]Paragrammatibus[/aq], J.T. 7. Dieses Orts kan ich mit unverantwortlichem Stillschweigen nicht vorbey gehen daß dieses tiefsinnige Kunst-Stück sich in unserm H. Bibel-Buch auch blicken lässet/ indem an seinem Ort ein recht wunderns-würdiges Exempel ([aq]b[/aq].[= [aq]Apocal. 13. vers. 18[/aq].] gelesen wird: Dann wann Johannes vom Antichrist redet/ so bricht er unter andern in diese nachdenckliche Wort heraus/ und sagt: Hier ist Weißheit. Wer Verstand hat/ der überlege die Zahl des Thiers; dann es ist eines Menschen Zahl/ und seine Zahl ist. 666. ¶ 8. Wann man nun diese beyde Wort: Römischer Pabst/ nach denen [aq]numeris monadicis[/aq] ausrechnet/ so kommt/ welch sich zu verwundern ist/ die angeregt Zahl 666. vollkommlich heraus/ welches wir aber auf sich beruhen lassen][949]3. Was ihren [der Romane, J.T. Ursprung anbetrifft/ so können wir zwar dieses Orts keine verläßliche Nachricht davon vorstellig machen; Daß es aber keine neue/ sondern ziemlich alte Erfindung seye/ will fast daher erscheinen/ weil sich auch dergleichen in den Biblischen Historien finden lassen. ¶ 4. Dann als der Prophet und königliche Hof-Prediger der [aq]Nathan[/aq] dort ([aq]a[/aq]. [= [aq]2. Samuel XII. vers. 1. seqq[/aq].]) eine recht gefährliche [aq]Commission[/aq] an den König David bekäme/ welchen er seine Laster vortragen sollte/ so ware er nicht so einfältig und so thöricht/ daß er ihm gesagt hätte: Höre Herr König! Dir soll ich sagen: Du seyest ein Ehbrecher und Mörder; sondern es bediente sich dieser kluge Prophet einer Nachdencklichen Geschicht Gedicht/ durch welche er den König gar artlich dahin brachte/ daß er sich selbst sein eigen Urthel fällte/ und er also zur Erkänntniß seiner Sünden gebracht wurde. ¶ 5. Die Sache verhält sich kürtzlich also: als [aq]Nathan[/aq] vor den König kame/ erzehlte er ihm/ daß zween Männer/ ein reicher der sehr viel Schaf und Rin-[S]der gehabt; und ein Armer/ der nur ein eintziges Schäflein gehabt/ an welchem er all seine Freude gesehen/ die er sich in der gantzen Welt hätte wünschen mögen. Nun aber habe sichs zu getragen/ daß dem reichen Mann ein Gast zu Hauß kommen; dem er gern hätte etwas zu richten lassen wollen. Ob er nun zwar besagter massen sehr viel Schaf und Rinder gehabt/ so habe er doch derselbigen allmiteinander verschonet/ und habe dem armen Mann sein einziges und recht liebes Schäflein genommen/ habe dasselbige geschlachtet/ und habe dasselbige vor seinen Gast zu gerichtet. Als David dieses recht unbilliche Verfahren angehöret/ ist er wieder diesen recht gewalthätigen reichen Mann im Eyffer entbrannt/ und hat ihm ein ziemlich schwehres Urtheil gefället/ und gesagt: so wahr der HErr lebt/ der Mann ist ein Kind des Todes/ der das gethan hat. Darzu soll er das Schaf vierfältig wiedergeben/ darum/ daß er solches gethan/ und nicht verschonet hat. Kaum David diese Wort außgeredet/ da zog der [aq]Nathan[/aq] die Larve vom Gesicht/ redete den König getrost an und sprach: Du bist derselbige Mann! Du hast das Wort des HErrn verachtet! [aq]Uriam[/aq] den Hethiter hastu erschlagen mit dem Schwerdt! Sein Weib hastu dir zum Weib genommen/ ihn aber hastu erwürget mit dem Schwerdt der KinderAmmon. Hierdurch hat [aq]Nathan[/aq] den König so mürb gemacht/ daß er in sich gegangen/ sein Unrecht erkennt/ bitterlich geweinet/ und GOtt seine Sünde abgebetten. ¶ 8. Ein ander recht bedenckliches Exempel wird uns an seinem Ort ([aq]b[/aq]. [[aq]Judic. IX. 7. seqq[/aq].]) vorgestellt an den Bäumen/ [S] was dieselbige vor merckwürdige Reden unter sich gehalten haben/ da sie einen König unter sich haben erwehlen wollen. Dann als [aq]Jotham[/aq] der jüngste Sohn [aq]Jerub Baal[/aq], (der von siebenzig Brüdern/ so alle erwürget worden/ übergeblieben war) den Sichemitern ihre Undanckbarkeit/ so sie am Hause Gideon begangen/ nachdrücklich verweisen wolte/ bediente er sich folgenden Geschicht Gedichts/ indem er die Bäume/ als redende Personen aufgeführet/ welche den Oelbaum mit freundlichen Worten angesprochen/ daß er ihr König seyn solte. Als aber dieser eine abschlägliche Antwort von sich gegeben; Seyen sie zum Feigen-Baum gegangen/ und (weil auch dieser nicht gewolt) von dem zum Weinstock. Als nun alle sich mit ehrlichen Ursachen entschuldiget/ und keiner unter ihnen die königliche Regierung übernehmen wollen; seyen alle Bäum zum Dornbusch gegangen/ und gesagt: ists wahr/ daß ihr mich zum König salbet über euch? So kommt und vertrauet euch unter meinen Schatten! Wo aber nicht? So gehe Feuer auf vom Dornbusch und verzehre die Zedern Libanon! ¶ 9. Allhier muß man nun nicht meynen daß es ein blosses Mährlein/ lächerliche Fabel/ oder ein ersonnenes Gedicht seye; sondern es wird unter diesem Gedicht eine merckliche Geschicht bemäntelt/ welche sich wahrhafftig begeben/ als die Sichemiter so viel Königs inder unrechtmässiger Weise erwürget/ und den Abimelech umgebracht haben/ wie dann solches die Historie mit mehrern Umständen ausfündig macht. ¶ 10. Ob nun diese Exempel nicht vor eine Roman [S] oder ein sinnreiches Geschicht Gedicht/ könne gehalten werden/ lasse ich andere verständige Leut urtheilen. ¶ 11. Gesetzt aber? Es werde widersprochen! daß dergleichen Geschicht Gedichte in der H. Schrifft gefunden werden/ wie wir uns deswegen mit keinem Menschen in einigen Wort-Streit uns einzulassen gedencken; (sondern wir lassen einem jeglichen seine Gedancken) so kan doch dieses durchaus nicht geläugnet werden/ daß die geschickteste Leute sich dergleichen Art zu schreiben gemeiniglich bedienen/ indem sie nemlich gleichsam in einem Gedicht eine wahrhafftig geschehene Sache in annehmlicher Erzehlung vorstellen/ und der gantzen Welt kund machen.][950]7. Ist also wohl war/ was oben angezogener berühmte Mann ([aq]d[/aq] [Herr. Harsdörffer im [aq]CLI[/aq]. Gespräch Spiel. schreibet/ wann er sagt: Die edle Poeterey ist eine keusche Jungfrau/ welche alle Unreinigkeit hasset/ und Anfangs sonderlich zu dem GOttesdienst gewidmet/ auch von den Völckern/ die sonst aller Wissenschafften und Künsten unwissend gewesen. Nun aber wird sie zum öfftern (welches zu betrauren und zu beklagen ist) als eine gemeine Metze zur Wollust und Uppichkeit mißbraucht!][951]8. Solte aber ein Gottliebende Seele sich etwan lieber mit geistlichen Gedancken ergetzen wollen? So stellen wir ihm einige Verse von Dactylischer Art/ welche der also genannte [aq]Prutenius[/aq] dort ([aq]b[/aq]. [= Hr. Mich. Kongehl in der Belust. bey der Unl. [aq]Part. I. p. 200[/aq]. gesetzt […] [S] ¶ Jauchzet ihr Himmel/ ihr Himmels-Verwandten!][952]
Uhse, Erdmann
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[953]Die Bilder-Gedichte/ so die Frantzosen [aq]Accolade[/aq] nennen/ da man die Zeilen der Verse so einrichtet/ daß aus deren artigen Setzung die [aq]Figur[/aq] eines Bechers/ Hertzens/ Eyes/ Creutzes/ Baumes (warum nicht auch eines Affens) und andern Dinges heraus kommt.[954]Die [aq]Caballi[/aq]stischen Verse/ welche auch [aq]Paragrammata[/aq] genennet werden/ da man einige Wörter nach unterschiedener [aq]Cabbala[/aq] ausrechnet/ was vor eine Zahl aus deren Buchstaben herauskommet/ und hernach andere Worte zusammen suchet/ welche eben eine solche Zahl ausmachen/ doch hat man die [S Freyheit um einige Zahlen zu fehlen. Die gantze [aq]Invention[/aq] aber aus diesem [aq]Fundament[/aq] ist nichts werth/ weil man die edle Zeit mit solchen läppischen und meistentheils gezwungenen Possen zubringet. Nichts destoweniger wollen wir einige Arten der [aq]Cabbala[/aq] hersetzen/ und daraus sehen/ was vor mancherley Zahlen die Buchstaben haben. Wer unnöthige Gedult hat/ mag Verse darnach machen.][955]Mich deuchtet/ er habe bloß auf die Schönheit/ [aq]galante[/aq] Statur/ Manierligkeit in Geberden/ Klugheit und Großmüthigkeit der Verstorbenen gesehen. Und weil er GOtt vor den Urheber aller dieser Gaben billich erkennet hat/ so hat er gleichsam eine [aq]Objection[/aq] gemacht/ ob auch GOtt sein eignes schönes Werck/ woraus man seine Weißheit gesehen und ihn davor geehret/ ohne Reue habe so zeitig verderben können. Worauf er aber selbst geantwortet/ und zwar aus drey Gründen: 1.) Weil GOtt in allen seinen Thaten nach seiner Weißheit verfahre. 2.) Weil er über alles/ was er den Menschen giebet/ eine freye Herrschafft behalten/ und solches nach seinem Gefallen wiedernehmen könne/ so/ daß die Menschen mit seinem Verfahren zufrieden seyn müssen. 3.) Weil alles/ was GOtt thut/ nützlich sey. Hierauf hat er GOtt die Seele überlassen/ auf des Leibes Aufferstehung gesehen/ die Leidtragenden getröstet/ und die jungen/ schönen starcken und muthigen Leute von der Sicherheit abgemahnet.[956]So könte ich selbige folgender Gestalt auf etwas Geistliches richten: ¶ 1. ¶ Ich rede nur mit Steinen/ ¶ [… [S] […] ¶ Wiewohl bey solcher [aq]Application[/aq] muß man sich wohl hüten/ daß man nicht etwan liederliche und garstige Sachen auf etwas Göttliches richte/ denn das würde ein Gespötte werden. Sonst wäre zu wünschen/ daß mancher aus seinen Liebes-Liedergen dergleichen Geistliche Oden machte und statt jener absänge.][957]
Omeis, Magnus Daniel
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[958]Einige haben es nur allein bei den [aq]praeceptis Prosodicis[/aq] gelaßen/ und die bloße Reim- oder Vers-Kunst getrieben; auch ihre Prosodien mit allzu vielen nicht gar richtigen Reguln und Beispielen angehäufet/ ingleichen mit allerhand unnöhtigen Neuigkeiten/ oder alten lächerlichen Mönch-Galanterien und Schul-[SFüchsereien/ angefüllet; (wie Herr Prasch in seiner gründlichen Anzeige/ auch Herr Morhof u.a. schon hierüber geklaget:)][959]Diese andere Zeit ist vom neundten Jahrhundert nach Christi heilwärtiger Geburt/ und zwar von Carl dem Großen selbst anzufangen[960]Dieses Großen Carls Sohn Ludwig der Fromme/ soll sich bemühet haben/ die ganze Heilige Schrifft/ per [aq]Poëtam quendam Saxonem[/aq], in Teutsche Verse zu bringen; welche Ubersetzung aber vermuhtlich nicht mehr vorhanden. Zu den Zeiten Keisers [aq]Lotharii I[/aq] und Ludwigs des II hat Ottfried/ ein Mönch des Closters Weißenburg/ gelebet/ welcher die Evangelien in T. Versen heraus gegeben/ und [aq]Luitberto[/aq] dem Erz-Bischoffen zu Mainz überschrieben. Dieses Werk (so genannt wird Ottfried Evangelien-Buch) hat [aq]B. Rhenanus[/aq] zu erst gefunden; wie er in seinen [aq]Rebus Germanicis[/aq] erzehlet. Die Verse/ davon Herr Hofmann einige anführet/ sind noch sehr rauh und unverständlich/ doch von zimlich-gutem Geist. Es ist von diesem Evangelien-Buch ein [aq]MStum[/aq] in der höchstschätzbaren Keiserlichen [aq]Bibliothec[/aq] zu [S Wien/ und vom [aq]Lambecio Lib. II Comment. de Biblioth. Vindobon. Cap. V. p. 415. seqq[/aq]. weitläuftig [aq]recommendiret[/aq] ; welches auch dem ienigen/ daraus [aq]Matthias Flacius Illyricus[/aq] den [aq]Otfridum[/aq] zu Basel drucken lassen/ weit vorgezogen wird. GOtt gebe/ daß wir das herrliche Werk bald sehen mögen/ so der hochverdiente Herr [aq]D[/aq]. Schilter zu Straßburg A. 1698, [aq]nî fallor[/aq], in einem sonderbaren [aq]edito specimine[/aq] heraus zu geben versprochen/ unter folgendem Titul: [aq]Volumen Evangeliorum Otfridi, Monachi Weissenburgensis, in quinque libros distinctum, ante annum Christi 876 conscriptum. Nunc infinitis locis emendatius editum, interpretatione Latina, variis lectionibus notisque illustratum a Joanne Schiltero[/aq]. Im zehenden Jahr-hundert/ unter der Regierung der Keiser Otten I und II, sind die Meister-Singer schon entsprungen; derer Lieder [aq]Reineccius[/aq] in seiner [aq]Oration de Historiae dignitate[/aq], nach den alten Helden-Liedern stellet. [aq]M. Cyriacus[/aq] Spangenberger in seinem Buch/ so er von der edlen und hochberühmten Kunst der Musica/ und deren Ankunft/ Lob/ Nutz und Wirkung/ wie auch von Aufkommen der Meister-Singer/ zu Ehren der löbl. und ehrsamen Gesellschaft der Meister-Singer zu Straßburg/ im Jahr 1598 verfertiget/ schreibet unter andern/ daß die Meister-Singer für Keiser Otten A. 691 auf dem Reichs-Tag zu Wormbs von dem Geistlichen Stande seyn verklagt worden/ als wann sie verschiedene Lieder zu dieses Standes Verkleinerung erdichtet/ und unter die Leute gebracht hätten. Es [S] hätte sie aber Keiser unschuldig befunden/ und sie vielmehr [aq]privilegi[/aq]ret][961]Es hat sich ferner dieser Blumen-Orden/ innerhalb etlich dreißig Jahren/ vom Anfang her gerechnet/ fast auf ein halbhundert vornehmer und gelehrter Mitglieder in Franken/ Schwaben/ Sachsen/ Pommern/ Preus-[Ssen/ Dennemark/ und andern Orten/ vermehret; sich auch nicht zuwider seyn laßen/ edle/ keusche und gelehrte [aq]Dames[/aq] und Weibs-Personen einzunehmen: indeme ja die Natur dieses Geschlecht von der Tugend- und Kunst-Fähigkeit mit nichten ausschließet; auch GOtt und die Ewigkeit zwischen ihnen und den Manns-Personen keinen Unterschied machet.][962]Die wolgemeinte Satzung- und Verordnungen/ worauf sich dieser Löbl. Orden freywillig verglichen/ bestehen meinstens darinnen: daß derselbe vor allen Dingen auf die Verehrung des Göttlichen Namens/ Vermehrung der Teutschen Treue/ und auf das Wachsthum unserer Mutter-Sprache/ nach ihrer Zierde und Lieblichkeit/ im Leben/ Reden und Schreiben/ als auf den fürnehmsten Endzweck/ abzielen solle.[963]Von den Oden/ oder Geist- und Weltlichen Liedern. ¶ Wann man mehrere Vierlinge/ Sechslinge/ Achtlinge und dergleichen/ in unterschiedlichen Strophen nacheinander setzet/ so werden Oden daraus/ d.i. Geistlich- und Weltliche Lieder. ¶ Ode [griech. ist ein Griechisches Wort/ hat aber nun auch bei den Teutschen fast das Burgerrecht überkommen. Vor alters/ da man die Schreib-Kunst noch nicht gehabt/ hat man die denkwürdige Sachen/ so man auf die Nach-Welt bringen wollen/ in Lieder oder Gesetze verfaßet. Auch weil zwischen der Music und Poësie die genaueste Verwandtschaft ist/ als hat man zu den Gottesdienst und der Helden Lobe/ solche Gesänge erwehlet/ die aus beeder Kunst eine doppelte Harmonie bei sich führen. Zu Zeiten Mosis sind solche Oden oder Lieder schon gebräuchlich gewesen; auch bei den ältesten Griechen und den Ur-alten Teutschen; von derer [aq]Carminibus[/aq], so sie bei ihren Opfern und Kriegs-Zügen gesungen/ wir oben Meldung gethan.][964]Wir suchen biß heut zu Tage eben so genaue nicht in unsern Oden oder Gesängen: dann wann die erste Strophe einer Ode in die Music gebracht ist/ so müßen die folgende Sätze eben solche Melodie annehmen/ sie schicke sich hierzu oder nicht; da bißweilen die Worte des Liedes handeln vom Auffahren gen Himmel/ der Ton aber immer tiefer herab gehet.[965]Es sind aber der Oden zweierlei/ Geistliche und Weltliche. Die Geistliche/ welche man GOtt zu Ehren verfaßet/ werden [aq]Hymni[/aq] oder Geistliche Lieder genennet; dergleichen bei uns Christen billich die meinsten seyn solten: und derer viele schöne von HH. Risten/ Röling/ Dachen/ Paul Gerhard/ und andern/ gemacht worden.[966]Im übrigen können auch die [aq]disciplin[/aq]en und Wißenschaften zu einer ieglichen Materie die [aq]Generalia[/aq] beitragen/ und lehren/ wie eine iede Sache nach ihrem Grunde beschaffen sey. Z. B. Wann [S ich ein Buß-Lied schreibe/ so kan mir die Theologie/ und zwar der [aq]Articulus de Poenitentia[/aq], großen Vorschub thun.][967]Allerhand [aq]specialia[/aq] aber pfleget uns die Erfahrung mitzutheilen; z. B. Wer selbst in großer Sünden-Angst gestecket/ oder andern betrübten Gewißen öffters gerahten/ dem werden die Einfälle zu einem Buß-Lied viel beßer von statten gehen.[968]Bei dem andern Geburts-Gedichte/ da man einer erwachsenen Person an ihrem Geburts-Tage Glück wünschet/ danket der Po[aq]ët[/aq] dem Himmel/ daß er diesen Tag so glücklich habe wieder geboren; er redet die Morgenröhte oder die Sonne an/ und ermuntert sie zur Frölichkeit und hellern Glanz; wie auch den [aq]Genium Tutelarem[/aq] oder Schutz-Engel/ deßen Altar er mit Wein begießet/ und mit Blumen bestreuet.[969]Die Namens-Tag-Glückwünsche/ kommen mit den Geburts-Tag-Glückwünschungen von der andern Gattung viel überein; denn es kan auch hier der Poët dem Himmel danken/ daß er diesen Tag so glücklich wiederkehren und von dem Patron erleben laßen.[970]Nach den [aq]Epigrammatibus[/aq] ist auch etwas weniges von den [aq]Anagrammatibus[/aq] zu gedenken. Diese sind schon den alten Ebraeern bekannt gewesen/ derer [aq]Cabbala[/aq] zum Theil in [aq]Anagrammatismo[/aq] bestehet.[971]Darnach darf es auch [aq]Genios[/aq], Engel- und Menschen-Bilder führen/ als Weibs-Personen/ wann von Tugenden und Lastern gehandelt wird; oder aus der Mythologie/ z. B. den Ganymed/ der von einem Adler gen Himmel getragen wird; den Phaëthon vom Himmel herabstürzend; und werden von etlichen die abgesonderte Leibes-Glieder ebenfalls erduldet.[972]Aber auf den heutigen neuen [aq]Medaillen[/aq], werden entweder [aq]suo Marte[/aq] erdichtete/ oder aus einem bekannten Po[aq]ë[/aq]ten entlehnte [aq]hemistichia[/aq], ganze Verse/ zuweiln wol gar [aq]disticha[/aq], oder auch [aq]dicta S. Scripturae[/aq] ausgedrucket. Auf die vor dreien Jahren vorgegangene Päbstliche Wahl [aq]Clementis XI[/aq] hat ein fürtrefflicher Geist ein sehr schönes [aq]Numisma[/aq]angegeben/ da auf einer [S zu sehen die Bildniß Ihrer Päbstlichen Heiligkeit/ vormals Cardinaln [aq]Albani[/aq]][973]Es gehöret eine gar große Klugheit hierzu/ daß man der Sache nicht zuviel thue: ist also rahtsamer/ sich solcher Stachel-Schrifften zu enthalten/ und die edle Zeit auf Geistliche oder andere löbliche Gedichte anzuwenden/ dadurch man vielleicht nachdrücklicher sich erbauen und ergetzen/ auch den Nechsten mit Christlicher Bescheidenheit ermahnen und beßern möge.[974]Anbey aber hat unsere Comoedie mehrere Freiheit [aq](1) ratione Objecti seu Materiae[/aq]: dann sie nimmt nicht so wol poßierlich- und lächerliche/ als ergetzliche/ und (wie es billich seyn sollte!) offtmals wichtige/ gottsfürchtig- und lobwürdige Gedichte oder Geschichte/ zu ihrem Innhalt[975]Nun fragt sichs/ Ob die Schau-Spiele/ wovon wir bißhero gehandelt/ heut zu Tage unter den Christen in wol angeordneten [aq]Republiquen[/aq] zu erdulten? Viele von denen Gelehrten antworten mit ja: indem nirgend in H. Schrifft gelesen wird/ daß dergleichen Ergetzlichkeiten schlecht hin verboten; ja es werden von [aq]Luthero[/aq] und andern die Bücher Job/ Judith und Tobiae vor schöne Comoedien gehalten. Die jenige Schau-Spiele sind freilich nicht zu billigen/ die GOtt verunehren/ und den Leser und Zuschauer ärgern; aus welchen manche Matronen und Jungfrauen/ die schamhaft und züchtig in das Spiel-Haus gegangen/ geil und frech wieder herausgehen. Und solches geschicht gemeiniglich heut zu Tage bei uns/ durch die gemeine Comoedianten und ihre schändliche Nach-Spiele; daher dann die Leute/ so von solchen liederlich- und ärgerlichen Schau-Spielen Beruf [S machen / und um das Geld den Leuten die Laster durch die Augen in das Herz spielen/ in alten und neuen Zeiten/ denen Taschen-Spielern/ Gaucklern/ Seil-Tanzern und andern verächtlichen Personen gleich geachtet worden. Aber Schau-Spiele vernünftig schreiben und spielen/ die Jugend damit zu üben/ auch zu feinen Sitten und beherzter Redfertigkeit anzugewöhnen/ solches ist nicht unlöblich noch sträflich; und schreibet der gelehrte [aq]Erasmus[/aq] an einem Ort/ Es wäre gut/ wann man alle: Biblische Historien zu Schau-Spielen machte/ und die Jugend sich darinnen öffentlich üben liesse; maßen solches offt mehr als eine übereilte Predigt verfangen und nutzen würde. Jedoch will ich dieser Frage wegen iederman bei seiner Meynung gerne laßen / und darüber mit niemand einigen Streit anfangen.][976]Viele der Heiden haben derer Erfindung dem Apollo/ die Aegyptier dem Osiris/ die Thracier dem Orpheus zugeschrieben. Andere haben denen Musen die Pallas vorgesetzet/ und gedichtet/ daß diese aus des Jupiters Gehirne gebohren worden: anzudeuten/ daß alle Weißheit und [S gute Wissenschafften von GOtt herkommen. Einige Christ-gelehrte stehen in dieser frommen Meinung/ als hätten schon die aller-älteste heilige Väter/ wann sie im grünen/ bei unschuldig-guter Muße sich erlustiret/ oder ihrem Feld- und Welt-Bau obgelegen/ Lob- und Dank-Lieder/ zur Ehre GOttes/ gedichtet und angestimmet. Zumaln aus heiliger Verwunderung und Erforschung der Natur und Welt-Geschöpfe/ die [aq]Hymni[/aq] oder Göttliche Lobgesänge entsproßen; gleichwie aus der Betrachtung des menschlichen Lebens und Wandels/ die Sitten- und Tugend-Lieder/ auch Straff- und Stichel-Gedichte/ in Gebrauch gekommen. Ingleichen seye es warscheinlich/ fügen sie hinzu/ daß noch vor der Sündflut in der Schule Henoch/ der ein göttliches Leben geführet/ der Höchste mit geistlichen Psalmen und Liedern wäre verehret worden. Ob Noah/ bald nach der Sündflut/ bei dem Opfer etwann auch einen Lob- und Dank-Gesang gen Himmel geschicket/ daran ist fast nicht zu zweifeln: gewißer aber dieses/ daß einige hundert Jahre hernach Hiob und Moses/ als geistig- und geistliche Dichter/ sich haben hervor gethan; und dieser absonderlich ein schönes Dank-Lied dem HErrn angestimmet/ nach dem triumfirenden Auszug der Kinder Israel durch das rohte Meer: * [2. B. Mos. XV.] worbei auch seine Schwester Mirjam das ihrige beigetragen/ und den Weibern am Reigen vorgesungen. Welcher Gestalt besagt-Israelisches Volk an der Gränze von Moab/ über einen Brunnen/ ein Lied wechselweiß gesungen/ hat eben deßelben Heer-[S]führer und Capellmeister Moses in seinem IV Buch ** [Cap. XXI. v. 17. 18.] angeführet. Nicht gar anderthalb-hundert Jahr hernach trat im Volke GOttes hervor die Richterin/ Prophetin und Poëtin Debora; welche samt dem Barac/ nachdem sie die Cananiter besieget/ GOtt mit einem herrlichen Triumph-Lied gedanket. ***[B. der Richter Cap. V.] Und glauben etliche/ daß diese Debora eine von den alten Sibyllen gewesen; welche auch Poëtinnen waren/ und ihre Weißagungen in Versen beschrieben. Bald darauf haben die Griechen ihren Amphion aufgestellet/ und von ihm erzehlet/ daß er durch seine liebliche Dicht- und Sing-Kunst die Steine zu den Mauren der Stadt Thebe versammlet; oder vielmehr/ durch seine geschickte Poësie und Wolredenheit/ die hart- und wilden Leute bezähmet habe/ Städte zu erbauen/ und friedlich beisammen zu wohnen. Diesem folgten ihre annoch-berühmte alte Po[aq]ë[/aq]ten/ Linus/ Orpheus/ Musaeus; wie auch in Italien die Carmenta/ Evanders Mutter/ welche aus Arcadien/ einer Griechischen Provinz/ die Poësie solle dahin gebracht haben. ¶ Um das Jahr der Welt 2890 schwange sich die Po[aq]ë[/aq]sie mit dem David auf den Könglichen Thron; von welchem Mann und Dichter nach dem Herzen GOttes/ die Po[aq]ë[/aq]tische Fabel von dem Apollo und seinen Musen auf dem Parnassus-Berg/ nach etlicher fromm-gelehrter Meinung/ soll herstammen. David nemlich hatte um sich viel Hof-Musicanten/ den Assaph/ Ethan/ Heman/ Jedithun/ und andere/ mit denen er heilige Sängereien [S] angeordnet/ und er selbst auf der Harpfe gespielet. Also hat der Satan/ GOttes Affe/ zu Delphis Pythische Gesang-Spiele angestellet/ und dem Apollo die Leyer/ auch seinen Musen verschiedene Instrumenten in die Hand gegeben. David hat den Riesen Goliath/ und der Sohn Davids den höllischen Python erwürget: dergleichen Thaten werden auch dem Apollo angedichtet. Zu Jerusalem waren zween heilige Berge/ Sion und Morijah/ auf derer jenem David residirte; diesen beeden Bergen wurde der zwei-gespitzte Parnaßus nachgebildet. In Jerusalem war das Jüdische Sanhedrim; also auch zu Delphis der hohe Griechen-Raht der Amphictyonen. Aus dem Berg Sion entsprang der Brunn Siloah/ daraus ein blind-gebohrner sich sehend gewaschen/ und anderseits die Brunnen Gihon/ Rogel und mehrere; welche durch die Dichter in die Kunst-Brunnen am Parnaßus und Helicon verwandelt worden/ als daraus man sich Kunstsehend und gelehrt trinken könne. Diese geistliche Erklärung lassen wir in ihrem Wehrt: und wißen freilich/ daß die Heiden/ weil sie vieler Sachen und Künste Ursachen nicht erkennen können noch mögen/ selbige ihren Göttern zugeschrieben; dahero auch die Erfindung der Dicht-Kunst (wie schon gemeldet worden) dem Apollo zugeeignet/ weil er durch das Delphische Orakel/ von uralten Zeiten her/ in gebundener Rede geantwortet/ und andere dergleichen [aq]Oracula[/aq] oder Götzen-Stimmen Versweiße geweissaget. ¶ Nach Davids und seines Sohnes Salomo (welcher über tausend Lieder gedichtet/ * [1 B. der König. IV. 32.] von denen [S] das so genannte Hohe Lied noch vorhanden ist) weisester Regierung/ ließ sich in Griechenland hören Homerus/ der Fürst selbiger Poësie/ und Vater der Mythischen/ das ist/ der allerältesten Philosophie;][977]Wir wollen aber bei der alten Ebreer/ Griechen und Lateiner Po[aq]ëterei[/aq] uns nicht aufhalten; sondern nur noch dieses melden/ daß auch von vielen andern alt-bekannten und barbarischen Völkern/ als den Aegyptiern/ Thraciern/ Celten u.a.m. die Po[aq]ësie[/aq] hochgehalten worden/ und bei ihrem Gottesdienst/ auch andern vornehmen Verrichtungen/ im Gebrauche gewesen: wie nun insonderheit von den alten Teutschen/ unsern Vorfahren/ soll dargethan werden.[978]Sind also unserer uralten Vorfahrer ihre Priester/ Po[aq]ë[/aq]ten und Musicanten gewesen/ welche bei ihren Opfern/ und sonsten/ ihre Stimme hören laßen/ und an statt der Chronologie und Geschichtschreibung/ verschiedene [aq]carmina[/aq] und Gesänge von ihren alten Helden gedichtet und abgesungen.[979]Gleichwie nun bei den Ebreern die Hohenpriester/ bei den Babyloniern und Persen die [aq]Magi[/aq] oder Weisen/ bei den Aegyptiern und Griechen die [aq]Hierophantae[/aq], bei den Indianern die Brachmanen/ und bei den Römern die [aq]Pontifices[/aq], den [aq]fastis[/aq] und Jahr-Büchern vorgesetzet waren: also haben bei den alten Teutschen ihre Priester/ die Barden und Witdoden/ sich der alten Geschichten und Helden-Thaten ihres Volkes fleissig angenommen/ und derer Andenken durch Lieder fortgepflanzet/ auch damit ihren Gott gepriesen. Dann was die Materie dieser ihrer Lieder anlanget/ so schreibet vorbemeldter [aq]Tacitus: Celebrant carminibus antiquis Tuistonem deum terra editum, & filium Mannum, originem[/aq] [S[aq]gentis conditoremque. Tuistonem[/aq], sagt er/ oder wie [aq]Conringius[/aq] und andere lesen/ [aq]Tuisconem sive Teutonem[/aq]; daher auch der Nahme Teutisch oder Teutsch kommet/ und seinen Sohn [aq]Mannum[/aq]; dadurch sie etwann den ersten Menschen Adam verstanden/ und daher noch das Wort Mann und Mensch bei uns verblieben; auch der Lateiner [aq]Mas[/aq], und der Aegyptier [aq]Man[/aq] und [aq]Men[/aq] fast gleiches Lautes sind. Etlichen meynen/ sie hätten durch den alten [aq]Mannum[/aq] den Noah verstanden; indem sie aus Vermischung der Historien von Adam und Noah/ welche vielleicht durch die Fabeln/ als es zu geschehen pfleget/ sehr verdunkelt worden/ [aq]ex traditione majorum[/aq] vernommen/ daß das ganze menschliche Geschlecht ersäufet worden/ und nur ein Mann/ sammt seinen dreien Söhnen/ übergelieben; welche hernach die Erde unter sich ausgetheilet.][980][aq]Beatus Rhenanus[/aq] hat in seinen [aq]Rebus Germanicis[/aq] ein alt-Teutsches Gesang/ welches zu Freisingen in einem Closter gefunden/ und/ wie er schreibt/ soll gemacht seyn worden im 485sten Jahr nach Christi Geburt/ als nemlich die Franken zu dem Christlichen Glauben gekommen/ und das Evangelium in Teutsche Reimen zu übersetzen angefangen. Die Vorrede lautet also: ¶ [aq]Nu wil ich scriban unser Heil[/aq], ¶ [... [S] ¶ D.i. ¶ Nun will ich schreiben unser Heil/ ¶ [...] ¶ [aq]Nu freuues sihes alle[/aq], ¶ [...] ¶ Nun freuen sich alle/ (oder ieder)/ ¶ [...] ¶ Und bald hernach redet er also von den Teutschen: ¶ [aq]Sie sint so sama kuani[/aq]/ ¶ [...] ¶ Sie sind so samtlich kühn/ ¶ [...]][981]Im zwölften Jahr-hundert nach unsers Seeligmachers Geburt/ unter der Regierung [aq]Friderici Barbarossae[/aq], ist die damalige T. Poesie zu sonderbarem Ansehen erhoben/ und nicht nur eine Ritterliche/ sondern Fürstlich- und Königliche Ubung worden.[982]und hier nicht übergehen/ was [aq]Lambecius[/aq] [S [aq]Lib. II Comment. de Bibl. Vindob. p. 772[/aq] meldet/ daß in diesem Keiserl. Bücher-Schatz vorhanden sey eine alte [aq]membrana[/aq], darauf die Sonntags- und Fest-Episteln/ samt andern [aq]fragmentis[/aq] A. und N. Testaments/ in alt-Teutschen Reimen meistentheils zu lesen/ um das Jahr Christi 1210 verfertiget/ derer Titul und Anfang also lautet: ¶ [aq]Hye hebt sich der Epistler an[/aq]. ¶ [...] ¶ [aq]Eod. lib. II p. 959[/aq] gedenket wolermeldter [aq]Lambecius[/aq] einer [aq]Historiae Sacrae Vet. Testamenti in Germanicam linguam rhythmice translatae[/aq], derer Anfang: ¶ [aq]Christ Herre über alle Krafft[/aq]/ ¶ [...] ¶ Sonsten hat auch [aq]Hottingerus[/aq] in seinem [aq]Bibliothecario quadripartito p. 148. 149[/aq] einige [aq]fragmenta[/aq] einer Biblischen Ubersetzung des Alten Testamentes in T. Reimen/ herausgegeben/ und sehr beklaget/ daß das ganze Werk verlohren gegangen. Allein daß selbiges annoch in der fürtrefflichen Wolfenbüttelischen [aq]Bibliothec[/aq] anzutreffen/ bezeuget [aq]b. Avunculus meus, D. Jo. Saubertus[/aq], in seiner [aq]Palaestra Theologico-Philologica[/aq] [S] [aq]p. 193, 194[/aq], da er schreibet: [...]. Ferner sind [aq]eadem in Palaestra[/aq] folgende T. Verse [aq]excerpi[/aq]ret/ welche den 26 Versicul [aq]Exod. IIX[/aq] sollen ausdrucken: ¶ [aq]Sie sprachen/ des mag nicht geschehen[/aq]/ ¶ [...] ¶ Es nennet [aq]Saubertus[/aq] diese Ubersetzung [aq]vetustissimam Versionem Bibl. Germanicam, ante plus quam quingentos annos conscriptam[/aq]. Der [aq]Auctor[/aq] soll gewesen seyn Rudolf von Hohen-Ems/ welcher diese Ubersetzung aus Befehl König Conrads/ [aq]Friderici II[/aq] Sohnes/ um das Jahr Christi 1250 soll vorgenommen haben. Ja/ es gedenket auch des dritten Exemplars einer in alt-Teutsche Reimen Biblischen Ubersetzung Herr [aq]Conringius, in Epist. Gratulatoria Natalis duode[/aq]-[S][aq]nonagesimi ad Ducem Augustum Lüneb. gloriosiss. mem. p. 59[/aq] schreibend: [aq]Inter ducentas sane sex & viginti sive universae Scripturae sive V. Testamenti, Novi item Testamenti separatas septuaginta sex editiones, quas tua manu, Principum decus, in augustam bibliothecam, thesaurum illum librarium incomparabilem, retulisti, comprehenditur etiam MSta Bibliorum translatio vernacula perantiqua, proso sermone bis, & ter verso; quas inter & illa est, cujus specimen in Theologicae Blibliothecae volumine pronuper exhibuit meritis in rem omnem sacram profanamq; celeberrimus Hottingerus[/aq]. ¶ Im Anfang des [aq]XIVten seculi[/aq], nemlich A. 1303 hat Hugo von Trimberg sein weitleuftiges Werk von Teutschen Reimen zu Ende gebracht/ so der Renner genennet wird/ darinnen er die Laster selbiger Zeiten des Geistlich- und weltlichen Standes entdecket/ und zur Gottseeligkeit/ Erbarkeit und andern Tugenden gute Vermahnung giebt. Von diesem Renner stehen auch zwei alte [aq]MSt[/aq]a in der Wolfenbüttelischen [aq]Bibliothec[/aq], aus denen man ersehen kan/ wie sehr das Werk im gedruckten verändert worden; und soll auch eines auf Papier/ in der Pauliner-[aq]Bibliothec[/aq] zu Leipzig/ anzutreffen seyn. Zu der Zeit des Hugo von Trimberg lebte Freydank/ der ein Buch verfertiget/ so er die Lajen-Bibel nennet/ worinnen er die fürnehmsten Geschichte des A. und N. Testaments in Teutsche Reimen gebracht. Es werden in der mehr belobten Hochfürstl. [aq]Bibliothec[/aq] zu Gotha unterschiedliche geschriebene seiner Gedichte [S] vorgezeiget/ mit der Uberschrifft/ Freigedank. Und schreibet obangezogener Spangenberg: Man hielte damals auf keinen Spruch nichts/ den nicht Herr Freidank gedichtet. A. 1317 starb Heinrich von Frauenlob/ welcher der H. Schrifft [aq]Doctor[/aq] zu Mainz gewesen/ und solchen Zunamen daher bekommen/ weil er zu Lob des weiblichen Geschlechts sehr viel Lieder gedichtet/ insonderheit etliche von der H. Jungfrauen Maria/ die man unserer Frauen Lied geheißen; und ist er/ am Andreas Tag gedachten Jahres/ von etlichen fürnehmen Matronen aus seinem Hause biß in den Domm zu seiner Grabstette getragen/ auch diese von ihnen mit Wein begoßen worden. ¶ Vielleicht in diesem oder folgendem Jahrhundert mag geschrieben seyn worden das alte T. Reimen-Buch [aq]de Infantia Christi[/aq]; welches auch in Griechisch- und Arabischer Sprache zu finden: massen [aq]Lambecius Lib. VII Comment. de Biblioth. Vindob. p. 270[/aq]. 271 meldet/ daß ein Griechisches [aq]MStum[/aq] in der Keiserl. [aq]Bibliothec[/aq] zu Wien anzutreffen/ deßen [aq]auctor Thomas Israëlita[/aq] genennet wird; und soll ein gleiches [aq]MStum[/aq] in der Königl. [aq]Bibliothec[/aq] zu Paris verwahret werden. Des [aq]Golii[/aq] Arabisches [aq]MStum[/aq] hat vor 6 Jahren/ nemlich A. 1697, [aq]Henr. Sike, cum versione Latina & Notis f. 8[/aq]. zu Utrecht im Druck herausgegeben/ unter dem Titul: [aq]Evangelium Infantiae, vel Liber Apocryphus de Infantia Servatoris[/aq]. In der Hochfürstl. [aq]Bibliothec[/aq] zu Gotha aber wird vorgezeigt eine Teutsche [aq]Version[/aq] auf Pergamen/ unter dem Titul: Hie hebt sich an unsers Herrn [S] Kindheit und sein Leben. Es kommen darinnen unterschiedliche Mährlein vor. Unter andern/ ¶ [aq]Daz Jesus ainem Kind sein Krüglein wieder ganz macht[/aq]. ¶ [aq]An einem Tag daz kint Jesus[/aq]. ¶ [...] ¶ Etliche nennen dieses Buch [aq]Evangelium quintum[/aq], oder [aq]Evangelium Pueritiae[/aq], und halten solches in sonderem Wehrt. Es urtheilet aber [aq]Lambecius[/aq] sehr wol davon/ wann er schreibet: [aq]Sive sub Thomae Israëlitae nomine, sive sub nomine S. Matthaei Apostoli, sive sub quocunque alio specioso titutlo Liber de Infantia Christi se venditet, certo tamen constat, eum, tanquam fabulosum & supposititium, omnique autoritate & fide carentem, a sancta Ecclesia Catholica jam olim merito improbatum & rejectum esse[/aq]. Hierauf führet [aq]Lambecius[/aq] die gemeine Meynung der Kirchen-Vätter an/ daß Christus vor dem ersten Zeichen zu Cana in Galilaea kein Zeichen oder Wun-[S]der gethan; und beweiset solches aus dem [aq]Epiphanio, Chrysostomo[/aq] und [aq]Baronio[/aq]. Ein gleiches [aq]judicium[/aq] hat schon zu seiner Zeit Lutherus hierüber gefället im [aq]VII[/aq] Haubt-Stuck der Tischreden/ vom HErrn Christo/ [aq]p.m. 93[/aq]: Viel Fabeln sind von vielen erdichtet/ was JEsus in seiner Kindheit und Jugend gethan habe/ wie zu sehen ist im Buch mit dem Titul/ de [aq]Infantia Salvatoris[/aq], oder [aq]de Vita Jesu[/aq]. Weil aber in demselben Buch viel lächerlich närrisch Ding stehet/ hat es nie kein Ansehen gehabt bei den Christen. ¶ Zu Ende des vierzehenden/ und Anfang des fünfzehenden [aq]Seculi[/aq], regierte eine Reimsucht von Teutschen und Lateinischen Reimen untermischet/ dieser Art/ als das noch bekannte Weihnacht-Lied ist/ [aq]In dulci jubilo[/aq], nun singet und seyd fro! Von deßen [aq]auctore, Petro Dresdensi[/aq] und seinen Liedern/ ein mehrers kan gefunden werden [aq]in Disputatione Acad. Jac. Thomasii de Petro Dresdensi[/aq], so zu Leipzig A. 1678 gehalten worden. Im funfzehenden Jahr-hundert lebte unter andern Sebastian Brand/ ein berühmter Rechts-gelehrter und Keiserlicher Raht/ welcher ein Lateinisch-poëtisches Büchlein/ [aq]de Moribus & facetiis mensae, sive Thesmophagiam[/aq], in T. Reimen übersetzet. Der Beschluß des Werklein lautet also: ¶ [aq]Ob nun wer ander sytt und wise[/aq]/ ¶ [...][S][...]][983]Ich könte vor allen gedenken der ungefärbten Gottesfurcht; ohne derer Liecht die Klugheit blind/ die Beredtsamkeit ein Sirenen-Gesang/ die Weißheit Unwißenheit/ auch andere schön-gleißende Gemütes-Gaben verlarvte Laster sind/ und Bilder ohne Leben. Dieser Mutter aller waarer Tugenden gleichwie Mein wehrtester Patron von Jugend auf [S sich gewidmet/ und seine Gedanken/ Wort- und Werke/ nach GOtt/ dem höchsten Heil- und Angel-Stern/ gerichtet; eben so läßet Er sein Glaubens-Liecht unabläßig leuchten vor den Menschen durch gute Werke/ und mildeste Wolthätigkeit gegen allerhand arme/ verfolgte und nohtleidende; also daß/ was [aq]Valerius Maximus[/aq] von dem Agrigentinischen Gillias mit schönen Worten aufgezeichnet: * [[aq]L. IV. c. 8[/aq].] [aq]Subnectam Agrigentinum Gilliam, quem propemodum ipsius liberalitatis praecordia constat habuisse: erat opiobus excellens, sed multo etiam animo quam divitiis locupletior ; semperque in eroganda potius, quam in contrahenda pecunia occupatus: adeo ut domus ejus quasi quaedam[/aq] [S] [aq]munificentiae officina crederetur[/aq]; ebenmäßig von unserm Norischen Gillias kan gesaget werden/ Er trage selbst der Freygebigkeit ihr Herz in seinem Busen ; und ob er wol mit großem Reichtum von GOTT gesegnet/ so seye er doch am Gemüte als Glückes-Gütern viel reicher/ und iederzeit mehr darauf bedacht/ wie er das Geld unter die bedürftige austheile/ als eincaßire: so gar/ daß seine Behausung billich vor der Wolthätigkeit Werkstatt und Wohnplatz gehalten werde.][984]Es hat Herr von Hofmannswaldau/ auch einen schönen [aq]locum[/aq] in der Vorrede über seine Gedichte/ welcher sich zu dieser ersten Zeit der Teutschen Poësie wol schicket: Die Teutsche Po[aq]ë[/aq]sie anreichende/ sagt er/ ist solche in Gesängen auch noch im Heidenthum sehr üblich gewesen/ massen denn die [S [aq]Druiden[/aq], der sich auch die alten [aq]Gallier[/aq] und Britten gebraucht/ bei den Opfern/ uns sonst/ ihre Stimme hören lassen][985]Von A. 1516 bis 1567 hat ein ehrlicher Burger und Schuhmacher anfangs/ hernach Schulmeister/ zu Nürnberg/ Hannß Sachs/ etliche tausend Stücke/ d.i. geistlich- und weltliche T. Reim-Gedichte/ Comoedien/ Tragoedien/ und allerhand seltsame Spiele/ kurzweilige Gespräche/ wunderbare Geschicht- und Fabeln geschrieben/ und zum Druck nach und nach verfertiget; auch derer noch sehr viel ungedruckt hinterlaßen. Es finden sich darunter Sachen von guter Erfindung; und ist zu bewundern/ daß ein Handwerksmann/ der Lateinisch- und anderer Sprachen unkündig/ so [S mancherlei Geist- und weltliche Gedichte/ in nicht gar ungeschickten Reimen/ selbiger Zeit nach/ zu Mark bringen können. Sein geistreiches Lied/ Warum betrübst du dich mein Herr etc. wird annoch von vielen frommen Seelen sehr wehrt gehalten.][986]Zu des Ordens Sinnbild haben sie [die Mitglieder des Pegnesischen Blumenordens, J.T. anfangs gesetzet die siebenfache Rohr-Pfeife Pans; damit anzudeuten/ daß/ gleichwie diese unterschiedliche Rohre in einer Pfeife vereiniget/ zu einen Ton zusammen-stimmen/ also auch diese Pegniz-Hirten mit ihren Liedern und Gedichten alle auf einen Zweck/ nemlich zu GOttes Ehre/ zur Tugend-Lehre/ und Teutscher Sprache und Dicht-Kunst Ausübung und Vermehrung/ abzielen sollen. Durch den Pan haben sie nicht so wol den alten Hirten-Götzen/ als den unsterblichen GOtt/ der alles in allem ist/ verstanden; und diesem Sinnbilde beigeschrieben: ¶ [aq]Melos conspirant singuli in unum[/aq]. ¶ Alle zu einem Ton einstimmende. ¶ Nach Strefons seeligsten Abschied wurde Floridan dieser Gesellschaft anderer [aq]Praeses[/aq] oder Fürseher; welcher/ etwan bei Erinnerung seines in dem Fruchtbringenden Palmen-Orden geführten Namens/ des Erwachsenen/ auch in Betrachtung/ daß es schicklich wäre/ wann diese von den Blumen benamte Gesellschaft auch eine Blume zum Sinnbild darstellete/ mit Genehmhaltung seiner wehrten Weid-Genoßen/ hierzu die Granadillo oder Passion-Blume ersonnen; derer man beischreiben kan: ¶ [aq]Divini scena doloris[/aq]. ¶ Das Leidens-Fürbild unsers Erzhirten. [S] ¶ Und dieses noch mehr/ weil auch der hochseelige Strefon die Paßion-Blume allen andern Blumen fürgezogen/ und folgende schöne Reim-Zeilen darüber verfertiget: ¶ [aq]Als einst/ in den Sommer-Stunden[/aq]/ ¶ [S]][987]Bestehet auch dieser Orden [der Blumenorden, J.T. noch von verschiedenen Herren Standes- und Adelichen Personen/ Fürstl. Geheimen- Hof- und [aq]Consistorial[/aq]-Rähten/ [aq]Theologiae, Jurium, Medicinae, Philosophiae Doctoribus[/aq] und [aq]Professoribus[/aq], auch in andern ansehnlichen Geistlich- und weltlichen Aemtern sich rühmlichst-verdienenden Mitgliedern: machet anbei/ durch des Himmels gnädigen Einfluß/ die Hoffnung/ und verspricht/ künftighin mehrere [S] seine Fleißes und Tugend-Proben an den Tag zu legen.][988]Nach der Pegnesischen hat sich eine andere Gesellschaft in Teutschland hervor gethan A. 1660/ unter An- und Aufführung Herrn Joh. Risten/ [aq]Comitis Palat. Caesarei[/aq], und berühmten Predigers zu Wedel an der Elbe; derer Ordens-Zeichen war ein verguldter Schwan an einem Himmel-blauen Band abhangend/ davon sie/ wie auch von der [S Gegend/ die Schwanen-Gesellschaft an der Elbe genannt worden.][989][aq]Nun kommt der Heiden Heiland etc[/aq]. ¶ Wir ziehen diese Beispiele an/ nicht zur Verachtung der alten geistreichen Kirchen-Lieder/ sondern weil sie unsrer Jugend vor andern bekannt sind; habens auch denen frommen [aq]auctoribus[/aq] derselben nicht vor übel/ weil man damals nur die Syllben abgezehlet/ und auf den eigentlichen Wort-Ton wenig acht gegeben.[990]
Redtel, Friderich
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[991]Bey dem [aq]Dactyli[/aq]schen Reimgeschlechte ist zu mercken/ daß es sich am besten schicke/ zu geschwinder verrichtung und schnellem Lauffe/ oder wen man Fröligkeit/ lächerliche Sachen anzeigen wil; wie wol man sie auch zu lieblichen-Gedichten gebrauchet/ wen man denn verstorbenen zur Himmlischen Freude glückwünschet.[992]Die [aq]Hymni[/aq] oder Lobgesänge sind Gedichte/ darin zwar vornehmlich GOtt; aber dennoch auch zuweilen andere Sachen/ alß die Engel/ Sterne/ Gerechtigkeit/ der Ehestand/ das Gold/ der Wein/ das Bier/ die Druckerey und deßgliechen gelobet werden.[993]Insonderheit werden die Gedichte/ was die [aq]Objecta[/aq] oder Dinge von welchen sie handeln/ [S getheilet/ betrifft. In geistlich- und weltliche Liedern/ deren unterschiedene gute vornehme Pöeten/ als Hr. Simon Dach/ Hr. Rist./ Hr. Francke/ Hr. Held/ etc. gemacht und geschrieben haben.][994]
Hunold, Christian FriedrichNeumeister, Erdmann
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[995]Dieser oder jener Land-Juncker/ anstatt sich auf die [aq]Physic[/aq], oder die Betrachtung der wunderbaren Arbeit GOttes an Wäldern/ Wiesen/ Teichen und Gärten zu legen/ legt sich auf die Mägde/ (mit Erlaubniß zu reden) und auf andere/ die er deswegen zu sich bittet/ und glaubt/ daß es besser sey/ in der Abwecheselung huren und Ehe-Brechen/ als heyrahten;[996]Der blosse Nahmen eines geistlichen Buchs ist mancher ihrem Gewissen zuwider/ daß es keines Anblicks gewürdiget wird: alleine in Roman/ darinnen manchmahl die schärffsten Sitten-Lehre enthalten/ wird nicht mit solchem Eckel durchblättert/ weil er [S bey Bestraffungen ihrer Laster auch etwas in sich führet/ das ihrer Neigung in billigen Stücken schmeichelt. Ein geistlich Buch fliehet ein wollüstig Frauenzimmer wie die Schlange den Beschwehrer/ weil sie vorher weiß/ was vor unangenehme Dinge sie daraus zu gewarten; einen Roman aber nicht/ weil sie nicht weiß/ was sie aus solchen zu erlernen; und wer sieht endlich/ der sich noch so sehr vor dem Sterben fürchtet/ die Gräber nicht mit einigen Nachdencken an/ wenn er durch einen Lust-reichen Gang unvermuhtet auf einen Gottes-Acker geleitet wird. (*[In [aq]Menantes[/aq] Satyrischen Roman/ der Spatzier-Gang auf den Gottes-Acker.]) Ein Poetisch Buch wird vor angenehm und gefällig geschätzt/ und wegen seines Ergetzens geliebet; der Tugend wegen aber selten aufgeschlagen/ bey derer man hernach mit mehrer Verwunderung/ gleichsam wie vor einer Rarität stille stehet/ wenn man sie so schön darinnen findet: Ja ich habe ein Frauenzimmer/ das vor hundert Reichsthaler nicht den Spruch: Huren und Ehebrecherinnen wird GOtt richten/ hätte aufgeschlagen/ mit Begierde ein Straff-Gedicht solcher Geilheit durchlesen gesehen. Warum? sie wuste/ wie die Schrifft solche Laster tadel-[S]te; hier trieb sie die Neugierigkeit an/ umb zu wissen/ was der Poete davon sagen würde; und unter von mir gemerckten peinlichen Seufftzern fing sie hierauf an: Es sind schöne Gedancken.][997]Wenn man denn/ welches sonder Zweifel/ vernehmen dürffte/ daß wenige solcher Ehre würdig: so kan sich ein Vernünfftiger selber zu Gemühte führen: wie man auch die Asche vortrefflicher Männer heilig halten müsse/ und der Ehre Ruhm-würdig Verstorbener was zum Nachtheil zu thun/ eben so wohl der Tugend zuwider lauffe/ als solche im Leben zu beschimpffen.[998]So wir noch ein Mittel haben/ uns einigermassen Gott gleich zu machen/ so muß es seyn/ sagt ein Weiser: Wohlthun/ und die Warheit sagen.[999]Gleichwol muß man solche Leute lieben: Es ist zwar nicht Christlich/ aber allzu menschlich/ von Leuten nicht gut zu reden/ denen wir von Natur wegen widriger Neigung des Hertzens nicht gewogen/ und die noch darzu unserm Ehrgeitz scheinen Abbruch zu thun.[1.000]An den schönen Helden/ Liebes- und Freundschaffts-Briefen/ an den [aq]galant[/aq]en/ verliebten/ lustigen/ [aq]morali[/aq]schen und zur Zufriedenheit des Gemühts dienenden [aq]Arien[/aq] [S und an den herrlichen [aq]Cantaten[/aq], geistlichen und andern Gedichten wird man alles mit besserer Anmuht lesen/ was zu ihrem Ruhm kan gesaget werden.][1.001]Allein einer ansehnlichen Menge durch allzu lustige/ natürliche/ und verblümte unreindliche Sachen gefallen wollen/ darüber ein Weiser nicht lange Raht hält/ ob es wenig Christlich/ ist das nicht tadelhafft zu nennen? Ich getraue mir zu behaupten/ daß wo nicht in allen/ doch in den allermeisten [aq]Opern[/aq] in Hamburg/ was wider den Wohlstand/ Ehrbarkeit/ und Christliche Sitten-Lehre mit untergeschlichen.[1.002]Wenn manche Priester Romanen nicht gar zu wohl wollen passiren lassen/ weil sie von der Liebe handeln/ was können sie nicht bey den [aq]Opern[/aq] sagen/ da die Liebe von lebendigen Personen/ oder durch verliebte und geschminckte [aq]Opern[/aq]-Printzessinnen/ so lebendig in die Augen fällt/ so lieblich in den Ohren klingt/ und so lebhafft in das Hertz geprägt wird? Ja/ da die Music/ die zu nichts anders als zur Wollust des Hertzens dienet/ darzu kömmt?[1.003]Es gibt so Kluge unter sie/ [der [aq]Opern[/aq]-Frauenzimmer, J.T. daß wenn sie so schön leben/ als schön (manchmahl auch garstig) sie zu [aq]raisonni[/aq]ren wissen/ so würde lauter Lob-Reden vor sie verfertigen. Gleichwol will aus Christlicher Hoffnung/ es werde eine vielleicht einen Anfang darzu machen/ mich im Voraus darauff befleißigen/ und ihnen zu Liebe annoch gantz kurtz den Grund ihrer Fehler untersuchen/ damit/ wenn selbiger gehoben/ ein edler Leben folgen könne. ¶ Alles [aq]Opern[/aq]-Frauenzimmer ist von Natur von einem wollüstigen [aq]Temperament[/aq]: denn daher kömmt es/ daß sie zur Music [aq]inclini[/aq]ren/ freundlich/ höflich und leutseelig sind. Wenn man denn solche Frauenzimmer jung in die [aq]Opern[/aq] thut/ so wird ihre [aq]Passion[/aq] zur Wollust vermehret/ die Neigung ihres Hertzens befriediget/ und ihnen Lebens-Unterhalt dabey geschafft. Was ist vermögender/ einen in übler Lebens-Art zu er-[S]halten/ als Vergnügen und Interesse? Vielmahls habe dergleichen Personen/ wenn ihnen ein Priester oder sonst jemand das Hertz gerührt/ über ihre Sünde weinen gesehen. Wollüstige Personen sind leicht zu bewegen/ und also lassen sie zuweilen eine Reue und Neigung zu einem edlen Leben blicken; allein wo ist das Beharren/ da auf der andern n das Interesse? Wodurch ernehren sie sich/ wie sie gewohnet? Die Tugend dürffte endlich siegen/ wenn die Wollust durch einen anständigen/ und das Interesse durch einen solchen Liebsten contentirt würde/ der sie ausser denen Opern honneter halten könte; und solches wünsche als ein guter Freund von Grund der Seelen. Was aber die Männer anbelangt/ solches müssen zu einer friedseeligen Ehe eine gute [aq]Opinion[/aq], und wenn sie ja nicht viel gutes glauben können/ in [aq]Regard[/aq] der künftigen Auffuhrung die Christliche [aq]Maxime[/aq] aus dem [aq]Corpore juris canon[/aq]. vor Augen haben: ¶ [aq]Meretricem in uxorem ducere, est bonum opus facere[/aq]. ¶ Und legen endlich Ubelgesinnte meine wohlmeinende Gedancken hierüber als eine [S] Verläumdung aus/ was saget denn die Schrifft darzu: Sirach [aq]cap. 9[/aq]. Fleuch die Bulerin/ daß du nicht in ihre Stricke fallest. Gewöhne dich nicht zur Sängerin/ daß sie dich nicht fahe mit ihrem Reitzen. Also will lieber mit dem Himmel ein Verläumder/ als mit den Menschen ein Schmeichler seyn. ¶ Viele schöne Regeln hat nun der Herr [aq]Autor[/aq] in diesem Wercke von den [aq]Opern[/aq] entworffen; allein ob und wie man mit eben dem tugendhafften Gemühte aus/ wie in die [aq]Opern[/aq] gehen/ und die Stimme des Frauenzimmers hören/ ohne die [aq]Sirenen Charmes[/aq] in das Hertz dringen lassen könne/ hat er mir/ ich weiß nicht/ ob einem mehr Erfahrnen / oder sonst warum/ auszuführen übergeben/ so auch nächst GOtt in einem andern Tractat mit aller bescheidenen Höflichkeit geschehen soll.][1.004]Dieses heist recht Aergerniß geben; dieses aber ein Aergerniß aus seinem bösen Hertzen nehmen/ oder Gifft aus Rosen saugen/ wenn man aus wohl anständiger Beschreibung einer keuschen Liebe böse Flammen fängt. Die ehliche Liebe ist ja eine Tugend/ [S und eine Tugend angenehm vorzustellen/ wird ja kein Laster seyn. Der Himmel befiehlt ja/ keusch zu lieben/ also wird er nicht davon zu schreiben verbiehten. Es ist vielmehr edel/ von einer keuschen Liebe schön zu schreiben/ noch edler/ dadurch einer geliebten Person das Hertz zu rühren/ daß sie uns wieder liebt/ denn wer den Ehestand so heilig schätzt/ der wird alle Mittel/ darzu [aq]honnetement[/aq] zu gelangen/ nicht verwerfflich halten. Eine angenehme/ bewegliche und scharffsinnige [aq]Poesie[/aq] von tugendhaffter Liebe/ ist wie ein Gesicht/ das die Natur vor andern schön gebildet: wer nun aus dessen zarten Zügen und Annehmlichkeiten verbotene Glut sauget/ über wen könte dieser klagen/ über den Himmel oder über sich?][1.005]Leute von [aq]Meriten[/aq] bleiben in ihrem Falle groß/ bey fremder unrechtmäßiger Beschimpffung [aq]honnet[/aq], und werden auch im Staube nicht weniger hoch geschätzt/ als [aq]ruinir[/aq]te Tempel/ vor die [aq]religieuse[/aq] Personen eben die [aq]Veneration[/aq] haben/ als ob sie noch aufgerichtet stünden.[1.006][aq]XXIV[/aq]. Zur Zeit der [aq]Reformation[/aq], wie alle Künste/ so wurde auch die [aq]Poesie reformi[/aq]ret.[1.007]Und wer weiß/ ob mancher Catholischer [aq]Pater[/aq] bey der Ohren-Beichte so viel Geheimnisse erfähret/ als der/ der einen Verliebten mit Verse trösten muß.[1.008][aq]X[/aq]. Allein wenn wir diese Leute genauer ansehen/ so sinds entweder [aq]Pedant[/aq]en oder faule [aq]Patres[/aq].[1.009][aq]XX[/aq]. In der andern Classe waren faule [aq]Patres[/aq], solche Würmer/ welche der Eigenschaft unserer Sprache nicht nachgedacht/ spndern immer bey der alten Leyer blieben sind/ und haben die wahre Losung behalten: Narr[aq]avere Patres, & nos Narravimus omnes[/aq].[1.010]Ich erachte/ es soll uns auch an unserer Seeligkeit nichts schaden/ ob wirs wissen oder nicht.[1.011]Aber eine [aq]Satyra[/aq], welche die Feindschafft der Laster/ die Liebe zur Tugend/ die Verachtung der Eitelkeit zum Zwecke hat/ kan ich nicht anders/ als gut preisen. Zumahl sie nichts anders thun/ als was die Priester auf der Cantzel an den verderbten Zeiten gegenwärtiger Welt straffen.[1.012][aq]XVI[/aq]. ¶ Von [aq]Oratorien[/aq]. ¶ [aq]CCXI[/aq]. ¶ Eine [aq]Oratoria[/aq] ist eine vortrefflich schöne Art/ und vornehmlich wird sie uns in geistlichen Sachen und Kirchen-Stücken [aq]contenti[/aq]ren. ¶ [aq]CCXII[/aq]. Sie ist aber kürtzlich also beschaffen/ daß ein Biblischer Text und [aq]Arien[/aq] unter einander gewechselt werden. Bisweilen thut man auch ein oder ein Paar Gesetze aus einem [aq]Choral[/aq]-Gesang darzu.[1.013][aq]CCLII[/aq]. Und wer wolte wegen der Göttlichen Music/ die in der [aq]Opera[/aq] ihre Vortrefflichkeit am besten sehen läst/ nicht etwas Menschliches begehen.[1.014][aq]CCLXIV[/aq]. Ehe wir aber zu den [aq]Fontibus inventionis[/aq] kommen/ wolte ich kürtzlich noch gedencken/ ob man auch Biblische Geschichte in einer [aq]Opera[/aq] vorstellen dürffte? ¶ [aq]CCLXV[/aq]. Ich weiß/ daß solches von vielen/ als etwas [aq]profanes[/aq] ausgeschrien wird; gleichwol/ wann keine Umstände darzu kommen/ welche [aq]contra ana[/aq]-[S[aq]logiam fidei, bonos mores, &, quod maximum, contra gloriam & sanctificationem Nominis divini[/aq] lauffen/ sehe ich nicht/ warum man einer [aq]impietaet[/aq] sollte beschuldiget werden/ wenn man auch eine Biblische [aq]Opera[/aq] verfertigte. ¶ [aq]CCXLVI[/aq]. Es könte hiervon weitläufftig [aq]disseri[/aq]ret werden/ so aber hat uns Herr Elmenhorst/ weyl. Prediger zu Hamburg/ der Mühe überhoben/ welcher einen gantzen [aq]Tractat[/aq], den er [aq]Dramatologiam[/aq] nennet/ hiervon geschrieben. ¶ [aq]CCLXVII[/aq]. Näher also zur Sache zu kommen/ so nehme man nun entweder eine Heydnische Fabel [aq]ex Mythologicis[/aq], oder eine wahrhafftige Historie/ sie sey geistlich oder weltlich/ oder [aq]fing[/aq]ire selber etwas.][1.015][aq]CCCI[/aq]. Denn das läst sehr läppisch/ wenn eine Person auftritt/ und behtet/ so zu sagen/ ihr Gebethgen her/ gehet so dann wieder ab: eine andere machts wieder so und fort/ bis ihrer endlich ein Paar zusammen kommen. Das machet die [aq]Spectatores[/aq] schrecklich verdrießlich.[1.016][aq]XXXV[/aq]. Er wurde oben [aq]Stylus curiae[/aq] genennet/ doch andere wollen den [aq]Stylum curiae[/aq] lieber zu einer [aq]Specie[/aq] des Politischen [aq]Styli[/aq] machen. Jeder hat es nach seinem Gutdüncken. Inzwischen werden wir doch keine Todt-Sünde begangen haben/ daß wir ihn [aq]Synonymice tracti[/aq]ret.[1.017][aq]XL[/aq]. Sind es aber Göttliche Sachen/ so behält man lieber nach beständiger Gewohnheit das [aq]Pronomen[/aq] Du.[1.018][aq]XLVIII[/aq]. Wir wollen aber eben nicht eine neue [aq]Division[/aq] des [aq]Styli[/aq], und eine [aq]Distinction[/aq] zwischen dem [aq]Stylo Ecclesiastico[/aq] und [aq]Politico[/aq] machen/ weil doch jener mit diesem eine grosse Verwandschafft hat/ ohne nur/ daß er sich mit seinen [aq]Realien[/aq] auf die heilige Schrifft und Glaubens-Lehre gründet/ und in Worten/ und [aq]Phrasibus[/aq] seine Richtschnur gemeiniglich nach unserer Teutschen Bibel nimmet. [S ¶ [aq]XLIX[/aq]. Und dannenhero muß man sich in geistl. Liedern vor allen Dingen an Biblis. Worte und [aq]Phrases[/aq] binden und halten/ wo es sich thun läst/ und dergleichen zur vorhabenden Materie vorhanden sind. Man redet doch lieber mit dem heiligen Geiste/ als aus Menschlicher Weißheit und eigner [aq]Speculation[/aq]. So dann wird es auch an Kern und Nachdruck nicht fehlen. ¶ [aq]L[/aq]. Hiernächst schreibe man so deutlich und geistlich-einfältig/ als man immer kan/ und setze sich Lutherum/ Bartholomäum Ringwalden/ Johann Francken/ Simon Dachen/ Johann Herrmannen/ Paul Gerharden/ und andere geistreiche Männer/ zur [aq]Imitation[/aq] vor/ nehmlich [aq]qua dictionem & realia[/aq], nicht aber/ zu mahl bey den Alten/ [aq]qua constructionem & Rhytmos[/aq], welche hier eben so rein/ wie in andern Gedichten seyn müssen. ¶ [aq]LI[/aq]. Man machet sonst einen grossen Staat von Johann Risten. Allein mein [aq]Judicium[/aq], ohne jemanden zum [aq]Praejudiz[/aq] von ihm zugeben/ so finde ich in dem zehenden Gesange kaum ein bisgen Safft und Krafft/ welches ein andächtiges Hertze recht vergnügen könne. Wie konte es aber auch anders kommen? Indem er den Buchführern alle Lieder/ und derer gantze Lasten voll/ ums Geld ausfertigte. Gleichwol waren sie in grosser [aq]Estime[/aq], das macht/ er hatte einen Mantel um/ welcher [aq]Opinio[/aq] heisset.][1.019][aq]LIII[/aq]. Die Warheit zu bekennen/ setze ich die Feder lieber in einer Geistlichen/ als andern Materie/ an/ und wenn ich meine geistlichen Oden gegen die Politischen zusammen rechnen wolte/ würden jener eine grössere Anzahl/ als dieser seyn. ¶ [aq]LV[/aq] Doch wer kan sich allemahl dem Triebe der freymüthigen Jugend entbrechen? Gnung hiervon/ daß man uns nicht vor Heuchler schelte![1.020][aq]XI[/aq]. Uber dis aber wird zu dem [aq]Anagrammate[/aq] das [aq]Artificium cabbalae[/aq] gezogen.[1.021]Das heisset [aq]Alphabetum juxta ordinem literatum[/aq]. ¶ Oder [aq]Cabbala naturalissima[/aq].[1.022]Dieses heisset [aq]Alphabethum Cabbalisticum naturale[/aq].[1.023]Das heisset [aq]Alphabethum Cabbalisticum vulgare[/aq].[1.024]Das heisset [aq]Alphabethum Cabbalisticum Trigonale[/aq].[1.025]Dis heisset [aq]Alphabethum Cabbalisticum Quadrangulare[/aq].[1.026][aq]XLI. Locus Testimoniorum[/aq] schliesset den [aq]Troup[/aq], und beziehet sich entweder auff ein [aq]Dictum Biblicum[/aq], oder [aq]Hypothesin[/aq] und [aq]Principium[/aq], so schon insgemein von der klugen Welt [aq]recipi[/aq]ret ist/ oder schön [aq]Apophthegma[/aq], und [aq]Sententiam[/aq] eines weisen Mannes/ oder [aq]Emblema[/aq], oder [aq]Medaille[/aq], oder Gewohnheit/ oder [aq]Symbolum[/aq], und was dergleichen [aq]Curioesitae[/aq]ten mehr sind. Z. E. Sirach spricht: Gewöhne dich nicht zur Sängerin/ daß sie dich nicht fahe mit ihren Reitzen. Einer mahlete eine Sirene/ und schrieb darzu: [aq]Incantat dum cantat, &c[/aq].[1.027]Die dritte Sorte/ die von ein und andern Exempel sich verleiten lassen/ die Wissenschafft zu verachten/ erfüllet/ so zu sagen/ die gantze Welt. Ich allein/ der die Welt nur ein wenig gesehen/ habe über tausend wegen der schlimmen Lebens-Art einiger Priester/ von allen insgesammt/ von ihrem Amte/ von Anhörung Göttlichen Worts und denn so weiter von der Heil. Schrifft selber lästerlich reden hören/ daß bey ihren [aq]Atheisti[/aq]-[Sschen Urtheilen in eine betrübte Betrachtung gerahten; Wie leichte Gründe der bösen Menschlichen Natur dienen/ ihre verfluchte Würckung in einem unordentlichen Leben zu beschönen.][1.028]Wenn sie an sich ein Licht eines vortrefflichen Verstandes/ so kan man es zum Ruhm des Höchsten/ zu einer Zufriedenheit des Gemühts/ zur Erbauung des Nächsten und dergleichen/ so wol in einem duncklen Wald/ in einer einsamen Wiesen/ unter schattigten Bäumen auf dem Lande/ als in grossen Pallästen anzünden; Und wenn mir ein übel [aq]moralisir[/aq]ter und nicht Christlich-kluger Fürst/ nebst einem an Wissenschafft reichen/ an Glücks-Gütern aber Bettel-armen Poeten zu freyer Beurtheilung vorgestellet würde/ so könte die Billigkeit selber nichts anders sagen: Als daß jener an menschlicher/ dieser aber an Göttlicher Würde den Vorzug behalte.[1.029]Die Keuschheit bleibt an sich eine vortreffliche Tugend/ ob sie gleich von allzuvielen Jungfern und Wittwen [aq]practice[/aq] nicht gerühmet wird; und wir sind desto weniger gesinnt/ der [aq]Poesie[/aq] einen [aq]Panegyricum[/aq] zu schreiben/ weil wir niemanden/ als ihr selber zu viel würden thun.[1.030]Bey Gottfried Liebernickel/ im Dom/ 1707.[1.031]Doch ist ihm [E.N., J.T. auch nicht unbewust/ das Er in einem Stande nunmehro lebet/ darinnen man der Leute Wahn viel zu Gefallen thun müsse/ und ein Priester auch zur Gesundheit seines Leibes keine Pfeiffe Toback/ den doch GOtt zum rechten Gebrauch so wohl als andere Kräuter erschaffen/ in Gegenwart solcher Leute rauche/ die aus blinden Irrthum sich daran ärgern. ¶ Aus diesen und keinen andern Ursachen enthalte mich seiner besondern Benennung der Weltlichen Gedichte wegen/ weil er/ wie mir bekandt/ seine [aq]Muse[/aq] nunmehro zu Gottes Ehren allein/ und trefflich hören läst; und wende mich zu dem Herrn Ober-Hof-Prediger bey dem Reichs-Grafen von Promnitz/ Hrn. Erdmann Neumeister/ dessen geistlicher [aq]Cantaten[/aq] wir oben bereits erwehnet. Ich will sie nicht rühmen/ sondern solche zu lesen/ oder sie in denen vielen Kirchen/ wo man sie mit der [aq]Music[/aq] eingeführt/ zu hören bitten/ so werden Seufftzer/ Thränen oder eine innerliche Tugendhaffte Bewegung ihre besten Lob-Reden seyn. Was die [aq]Poesie[/aq] [S] anbelangt/ so ist solche desto schöner/ weil sie der Schrifft-gemäß/ und von keinen hochtrabenden Menschlichen Gedancken ist. Will man sagen/ weil sie so natürlich geistlich/ so habe er nur in wohlfliessende Reime gebracht/ was in der Schrifft in ungebundener Rede stünde? O nein/ man siehet die Züge und die Gänge seiner edlen [aq]Genie[/aq] und [aq]Poesie[/aq] gar wohl/ und ist desto vortrefflicher/ daß er sie durch den Heil. Geist aus seinem Geiste genommen. ¶ Nach diesem Muster habe mich bemühet/ meine wenige geistliche Gedichte zu verfertigen/ und nach solchem werde auch meine übrigen/ deren der Himmel viel wolle seyn lassen/ einrichten. Die [aq]Music[/aq] nun solcher geistlichen [aq]Cantaten[/aq], legt der Würdigkeit der [aq]Poesie[/aq] keine Unehre/ sondern eine nicht gemeine Krafft zu andächtiger Bewegung vollends bey/ und wird solches zu glauben genug seyn/ wenn man weiß/ daß es der berühmte und in Kirchen-Stücken besonders vortreffliche Herr Capell-Meister Krüger am Hochfürstlichen Weissenfelßischen Hofe gemacht;][1.032]Eben daselbst sind unsers Herrn Ober-Hof-Predigers [aq]Cantaten[/aq] in der Schloß-Kirche eingeführet worden/ als an welchem berühmten Hofe unter andern Wissenschafften die edle und vielen grossen Herrn angenehme [aq]Poesie[/aq], durch Ihn den hohen Beyfall der höchsten Personen/ und durchgehends so viel Ruhm als Würckung erworben.[1.033]Der hochgelehrte Hr. [aq]Doctor[/aq] und [aq]Professor[/aq] Mencke/ in Leipzig/ führet mit einer zierlichen und in der [aq]Poesie[/aq] geschickten Feder in dem [aq]Gratulations Carmine[/aq] auff den Herrn Ober-Hof-Prediger Neumeister/ oder in der Frage: Ob ein Poete wohl [aq]Superintendens[/aq] seyn könne? unter andern an: daß [aq]Marcus Antonius Flaminius[/aq] einer [S von den Frömsten und Gelehrtsten gewesen/ von dem [aq]Monsieur Bayle[/aq] saget: [aq]Sa pieté n'empecha pas, qu'il ne fit un tres grand nombre de Vers amoureux, & tres-amoureux, quoi qu'il fût Ecclesiastique. Conf. Menage Anti-Baillet T. I, p. 337[/aq]. Ob er gleich im geistlichen Stande/ und dabey von besonderer Frömmigkeit war/ so verhinderte dieses dennoch nicht/ daß er eine grosse Menge verliebter/ und zwar sehr verliebter Verse machte. Und [aq]Mademoiselle de Scudery[/aq], welche den [aq]Affect[/aq] der Liebe in ihren Gedichten und Romanen vortrefflich ausgedruckt/ soll gleichwohl selbst davon frey geblieben seyn. ¶ An welchen und vielen andern angeführten Poeten wohlgedachter Herr [aq]Professor[/aq] Mencke nicht die Liebe/ sondern nur den Mißbrauch dieser edlen [aq]Passion[/aq] in der [aq]Poesie[/aq] getadelt; Und darinnen bin ich so wohl mit ihm eins/ als mit mir selber uneins bin/ in meinen ersten und vor [aq]5[/aq]. Jahren heraus gegebenen Gedichten/ einige schlüpffrige Gedancken durch die Feder fliessen zu lassen. Sie sollen [aq]Virtualiter[/aq] darinnen ausgelöscht seyn; und wiederhol ich hier zum Beschluß: [S] Daß keine vergnügtere und dabey edlere Beschäfftigung ist/ als seine [aq]Poesie[/aq] dem Himmel/ sich selber/ oder seiner Gemühts-Zufriedenheit/ und hohen/ wie auch andern tugendhafften oder Tugend bedürfftigen Personen zu Gefallen und Ruhm verfertigen. ¶ Was den Himmel und die Zufriedenheit anbelangt/ so hat/ wie der Herr [aq]Doctor[/aq] Mencke in gedachten gelehrt-geschickten [aq]Carmine[/aq] anführet/ [aq]Gregorius Nazianzenus[/aq], welcher den Poetischen Geist/ den Geist Gottes genannt/ sein Ertz-Bischoffthum zu [aq]Constantinopel[/aq] im [aq]55[/aq]sten Jahres seines Alters aufgegeben/ üm die [aq]Poesie[/aq] besser abzuwarten.][1.034][aq]XIX[/aq]. Und hieher gehören nun alle [aq]Pecora Campi[/aq], die Zesen/ Harsdörffern und andere Grillen recht [aq]pietisti[/aq]sch [aq]imiti[/aq]ret.[1.035]Gleichfalls wolte ich mich vor keinen Pietisten in der [aq]Poesie[/aq] schelten lassen/ wenn ich das [aq]Capo[/aq] zweymahl/ in der Mitten und am Ende/ setzte. Z. E. ¶ Es ist nichts umsonst gethan.[1.036]
Weise, Johann Ernst
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[1.037]Wie groß ist doch immer die vorsichtige Weißheit unsers GOttes in allen Geschöpffen/ durch die er unsern vorseyenden Wercken gleichsam/ wie getreue Lehrmeister ihrer anvertrauten Jugend/ eine geschickte Vorschrifft entgegen setzet/ durch deren offtermalige Erinnerung und Anschauen [S die [aq]Copie[/aq] je mehr und mehr sich ähnlicher stellen möchte. Gleicher gestalten gibt der unerforschliche Schöpffer einem jeden den wunderbaren Wechsel der Jahr-Zeiten als das [aq]Original[/aq] hin/ welches er/ so viel die Möglichkeit gestattet/ aufs genaueste abzubilden trachten solle/ d.i. er wirfft uns durch die Traurige Winter-Lufft ein Joch an den Hals/ welches die überleyhe und außschweiffende Gedancken/ so zu reden in der Geburt erdrucken/ und zur ernstlichen Arbeit/ sonderheitlich junge/ dem Studieren gewidmete Leute von allen eitlen [aq]Extravagancen[/aq] zu fleissigem [aq]meditiren[/aq] bereden soll. Jedoch besitzt er auch die liebreiche Art eines Vatern in der höchsten Vollkommenheit/ der zwar seinen Kindern unterweilen frostige/ aber gleich wieder gütige Wort außtheilet/ und nachdem selbige einen kurtzen Zwang mit gedultigem Gehorsam überstanden/ einen Gang ins Grüne zu wagen/ nicht abschlägt. Ich meines Orts erkenne den guten Willen dieses getreuen Vaters/ warum er durch die beschwerliche Winter-Stunden mir in meiner warmen Stunden gleichsam einen [aq]Arrest[/aq] vorgeleget/ daß ich nemlich meinen Fleiß desto emsiger beobachten möchte/ nunmehr aber den Kercker eröffnet/ und denen schwürigen Gedancken eine beliebliche Aufklärung ge-[S]stattet.][1.038]Ja so lang wir auch geile/ ärgerliche und auß verhurtem Gehirne geflossene Gedichte ansehen/ so lang werden wir nicht gebessert/ sondern der Wagen wird immer tieffer in den Koth gestossen/ da wir diese Kunst/ so zu reden/ nothzüchtigen/ und uns endlichen in die Hölle dichten.[1.039][aq]2. à Cosect[/aq]. GOttes Will muß geschehen. [S ¶ [aq]Rat[/aq]. Dann es zwecket zu unserm Nutzen ab. ¶ [aq]Concl. per solat[/aq]. Darum überlasse er sich GOtt.][1.040]Und also löset sich die zweyte Frage selbsten auf/ daß man nehmlich keine ärgerliche und sündliche/ sondern die Laster in ihrer eingeschränckten Behutsamkeit durchzihende [aq]Carmina[/aq] verfertigen solle.[1.041]Wer seine Bibel fleissig umblättert/ wird alsobald mercken/ wie die [aq]Allusiones[/aq] hier gehäufft seyn/ und wie sie sollen angebracht werden.[1.042][aq]Ursent[/aq]. [… Haben nicht die heiligste Männer ersterer Zeit ihre GOtt-ergebene Andachten in gewissen Liedern der spaten Nachwelt aufgesetzet hinterlassen. Wer solte demnach so verkleinerende Gedancken von der edlen [aq]Poësie[/aq] bey sich hegen. ¶ [aq]Mel[/aq]. Er erlaube mir/ daß ich mich einer Apologie unterfange: Dieser gelehrte Mann [Heinrich Cornelius Agrippa, J.T.] mag wol auf den Heydnischen Mißbrauch dieser Kunst gesehen haben/ da man ihm billich nicht in Abred seyn kann/ ihre [aq]Poësie[/aq] habe nichts denn schandliche/ ärgerliche und anzügliche Geburten ans Liecht gestellet. ¶ [aq]Urs[/aq]. Seiner angeführten Meynung will ich durch ein deutlich Gleichnuß die Hertz-Wurtzel leicht außstechen. Man siehet/ daß viele den edlen Wein schändlich mißbrauchen/ sich damit vollfüllen/ und der Gesundheit mercklichen Abbruch thun; Gleichwol aber [S] wird niemand so verwegen seyn/ und behaupten wollen/ dieses Gewächs seye zu dergleichen Sünden hervor gekommen/ oder man müsse deßwegen den Wein-Bau stracks verbieten. ¶ [aq]Mel[/aq]. So wird man mir doch nimmermehr läugnen können/ daß die Dicht-Kunst ihre vermeynte Zierlichkeit als eine Bettlerin von andern Wissenschafften entlehne. ¶ [aq]Urs[/aq]. Ich muß zwar frey bekennen/ daß die Poësie nach dem Außspruch des gelehrten [aq]Jesuiters Balbini[/aq] der [aq]Pandoraegleich[/aq] komme/ von deren die Poëten dichten/ daß alle Götter sie mit ichtwas gewisses beschencket. Jedoch aber folgt keines Wegs/ die Dicht-Kunst seye verächtlich. Eben wie jene vielmehr hoher und vollkommener geschätzet worden.][1.043][aq]Urf[/aq]. [...[S][...] Jedennoch fliessen unterschiedliche schöne Nutzen auß dieser Kunst her. ¶ [aq]Mel[/aq]. So möchte ich doch wol welche hören. ¶ [aq]Urf[/aq]. Ich bin willig und bereit/ ihm solche zu eröffnen: Er mercke demnach wohl/ daß man GOtt/ seinem Nächsten und sich selbst dienen könne. [S] ¶ [aq]Mel[/aq]. Wie kan aber ein Liebhaber/ der sich darinnen zu üben begehrt/ seinem GOtt damit dienen. ¶ [aq]Urf[/aq]. Bald kan es in einer andächtigen Ode/ bald durch eine anderwärtige geistliche Betrachtung geschehen; Und wohin zielen denn anderst die gewohnliche Kirchen-Lieder/ als/ daß dardurch die Ehre GOttes befördert und gepriesen werde.][1.044]
Grüwel, Johann
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[1.045]Dise Ahrt von vermischten Versen [in Pindarischen Oden, J.T. schikket sich zwâr auch wol GOtt und andre Dinge zu loben; aber zu solchen Lidern dy inn der Christlichen Kirchen sollen gesungen werden/ schikken sy sich gâr nicht/ darüm weil dy dritte Strophe eine andere Melodie würde müssen haben als dy beiden ersten.][1.046]II. Müßen gute hôchteutsche Wörter gebraucht werden/ wo dy Verse sollen angenehm seyn/ nehmlich solche Wörter/ wy sy von [aq]D[/aq]. Luttern inn der Teutschen Bibel/ von gelehrten Predigern auf der Canzel gelesen und gehöret werden.[1.047]2. Kan dy Erfindung inn Geistlichen auß der Bibel/ oder dem Text an dem Fest- oder Sontage hergenommen werden. Also hat Herr Opitz dy Psalmen und Episteln inn schöne anmutige Verse gebracht.[1.048]Der 4. Abfluß wird von dem [aq]Quirino Pegeo[/aq] genennet: Dy Abtheilung/ dadurch er nicht eben verstehet dy [aq]Disposition[/aq] der [aq]Oration[/aq]en/ der Predigten/ und langen Gedichten[1.049]Inn dem vorigen sibenzehenden [aq]Seculo[/aq] ist die Hôchteutsche Poëterey berühmt worden/ und haben sich hervor gethan mit teils geistlichen/ teils weltlichen Sachchen Herr Opitz/ Harsdörfer/ Rist/ Buchner [aq]Caesius[/aq], Hofmanns-Waldo/ Lohenstein etc.[1.050]Daher sind inn den alten Zeiten die [aq]Theologi[/aq] gemeiniglich Poëten gewesen/ und [aq]Cicero[/aq] der allerberedeste Römer bezeuget/ das kein barbarisches und wildes Volk den Namen eines Poëten verachtet/ sondern ihn allezeit hôch und heilig gehalten habe. *[[aq]Tacitus libr. 2. Annal[/aq]. Die alten Teutschen selbst haben ire Druiden und Barden nicht allein für ire Prîster gehalten/ sondern ire Meister-Gesänge/ darinn sie die grôssen Taten der damaligen Teutschen gesungen/ so heilig gehalten/ daß sie nicht haben müssen beschriben und gemein gemacht werden.][1.051]Nun aber da mit den besten Versen wenig Guht zu gewinnen ist/ müssen sie die [aq]Musae[/aq] daran genügen lassen daß inn den Kirchen und auf den Canzeln mit geistreichen Lidern GOtt gedinet wird. Die weltlichen [S [aq]Carmina[/aq] dinen zu disen Zeiten sonst wenig/ als daß man einen grôssen Herrn/ und [aq]Patro[/aq]nen damit Ere antuhe/ oder den Hochzeitern eine Lust machche/ und ire Gäste damit ergetze/ oder der verstorbenen Tugend preise/ und die Betrübte mit Trôst erquikke.][1.052]Da teilen sich dy Verse/ Reime und Gedichte nûn bald inn Geistliche und Weltliche/ wy auch im Anfange diser Kunst angefüret ist. ¶ I. Dy Geistliche haben auf nichts/ als auf GOtt ihr Absehen/ wy sy denselben loben und preisen/ und ihm Dank sagen wollen für alle Guhttaten Leibes und der Selen. Imgleichen daß sy ihn üm himmlische oder zeitliche Güter bitten. Oder daß sy ihn anrufen inn Kreuz/ Unglükk und Verfolgung. Oder daß sy Vergebung der Sünden suchen durch andächtige Buß-Gesänge. Diser Ahrt nûn sind inn der Evangelischen teut-[Sschen Kirche vîl verhanden/ und werden von Christlichen Poëten noch immer mehr zu Tage geleget. Dergleichen hihr anzufüren achte ich nicht nötig zu seyn; sondern wil den verlangenden Leser hinngewisen haben zu dem Teil dises Buches da meine geistliche Lîder/ Gedichte/ Seufzer/ Wünsche und Sprüche bey einander gefunden werden.][1.053]wywol ich weiß/ daß vorneme Poëten solche gebraucht haben/ und daß bisweilen dy Meinung/ darauf es im Vers hauptsächlich an kommt/ erfodere einen unreinen Reim zu gebrauchen/ als: wenn Oben mit Glauben inn m. geistl. Lid. No. 2. Str. 3. gereimet wird/ da es auf der Mariä Glauben ankam/ und sich sonst kein Reim-Wôrt schikken wolte.[1.054]Ein solches Lîd ist/ welches man inngemein das güldene ABC nennet/ und ich nach der rechten Vers- und Reim-Kunst eingerichtet habe/ wy solches unter meinen Geistl. verbesserten Lîdern befindlich ist/ [aq]No[/aq]. 37. Also hat der Göttliche Poët und Prophêt König Davîd seinen 119. Psalm nach Ordenung des Hebreischen Alphabêts inn 22. Absätzen/ oder Strophen/ geteilet/ deren jede acht Verse/ (so alle mit einerley hebreischen Buchstaben anfangen/) begreifet.[1.055]Inn der Cremmischen Kirchen hatten dy Herren von Bredo solche grôße [aq]Epitaphia[/aq] aufrichten/ und so wol gehauene Steine inn den Mauren aufsetzen laßen/ daß ich nirgends bessere gesehen habe.[1.056]
Wahll, Johann Samuel
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[1.057]Denn man muß sich nicht an den Reim gar zu sehr binden, und ihn gleichsam als einen Abgott anbeten; Eben dieses ist es, worinne viel fehlen, daß sie lauter Schmertzen-Kinder zur Welt gebehren.[1.058]TRaurige Gedichte sind diejenigen, wodurch man sein sonderbahres Beyleid, und hertzlichen Schmertz, wegen erlittenen Schadens dem Nechsten an den Tag leget, und GOttes Trost, wie auch alles Wohlergehen anwünschet.[1.059]Man muss sich auch hüten, daß man durch allzu grosses Trauren GOttes allein weisen Schluß nicht tadelt, und einen alten Greiß von achzig Jahren, welchen niemand bejammert, welcher auch gerne sterben wollen, nicht allzu sehr beweine. Thun also diejenigen recht thöricht, welche den Tod, da er doch GOttes Ordnung, so grausam durchziehen, und ihn gleichsam zum Schelme und Diebe machen. Ist die Wunde nicht groß, so braucht man nicht viel Pflaster, hat man aber Trost vonnöthen, so giebet so wohl die Heil. Schrifft als die gesunde Vernunfft sattsamen an die Hand. Endlich wünschet man dem Verstorbenen Glück zu der ewigen Seligkeit, welche man gegen diesem Leben herrlich heraus streicht, wobey man sich aber aller Heydnischen Fabeln und [aq]Terminorum[/aq] zu enthalten. Denn was hat eine Christen-Seele mit denen [aq]Elisi[/aq]schen Feldern, mit denen [aq]Parc[/aq]en, mit dem [aq]Cerbero[/aq], [S und mit denen Höllischen Flüssen zuthun, welche sich an Christi Verdienst und Wunden eintzig halten soll.][1.060]Die andere Art der traurigen Gedichte ist dererjenigen, welche auf erlittene Feuers-Wassers-Kriegs-Noth, Diebstahl und anderes Unheil verfertiget werden. Hier muß man erstlich das Unglück beklagen, hernach GOttes Willen und hülffreiche Hand zum Troste vorstellen, wie auch Gedult, Standhafftigkeit und gute Besserung nebst anderweitigen erwünschten Wohlergehen anwünschen.[1.061]Durch die Zeiten sind zu verstehen so wohl die Haupt-Eintheilungen des Jahres in Frühling, Sommer, Herbst und Winter, als auch die Monate, Wochen und Tage, so wohl nach ihrer Benennung derer darauf gelegten [aq]Nominum Propriorum[/aq], als auch nach ihren wöchentlichen Nahmen, ingleichen die vier Haupt-Theile des Tages: Morgen, Mittag, Abend und Mitternacht, so auch die Stunden des Tages, und alles, was sich in solcher Zeit iedesmahls zugetragen, wobey gleichfalls die Sonn- und Fest-Tags Evangelia nicht hindan zu setzen, ja sogar die himmlischen Zeichen, so auf ieden Tag fallen, geben öffter zu [aq]Inventionibus[/aq] nicht unebene Gelegenheit, auch die gantze Natur, und [S was in derselben vorgehet, muß wohl [aq]observiret[/aq] werden. ¶ [...] Im Sommer bei einer [aq]Gratulation[/aq]: Die kühlen Winde göttlicher Gnade. [...] Auf die Sonntage [aq]Cantate[/aq] und [aq]Jubilate[/aq] bey einer Leichen: Das himmlische [aq]Cantate[/aq], der Frommen Jubel-Fest im Himmel. Auf den Palmen Sonntag: Der Gläubigen Palmen-Fest im Himmel. Wenn einer in der Marter-Woche stürbe: Das in der Marter-Woche gehaltene Opfer-Fest; ingleichen auf Pfingsten: Das Lauber-Hütten-Fest im Himmel, oder auf den Sonntag, da von denen Arbeitern im Weinberbe gehandelt wird: Der Feyerabend menschlichen Lebens, oder der erfreuliche Groschen zum Tage-Lohn, desgleichen von Johanne im Gefängniß, auf Begräbniß eines Johannis: Johannes ausser dem Kercker. [...] [S] [...] Auf Ostern bey einer Leichen: Das Fest der ungesäuerten Brode. [...] Bey einer Leiche am Sonntage [aq]Rogate[/aq]: Das erhörte Gebet der Frommen, oder [aq]Exaudi[/aq] bey [aq]Rogate[/aq]. Dergleichen [aq]Themata[/aq] sind auf die Nahmen der Tage: [...] Der auf den Donnerstag des Creutzes erfolgte Freytag. Der ewige Sonntag der Frommen. [...] Wenn eine auf den Tag Regina stürbe: Die bekröhnte Himmels-Königin, oder in der Jahrmarckts-Woche: Das ewige Jahrmarckts-Fest im Himmel. [...] Wenn einer über der Mittags-Mahlzeit stürbe: Das vollführte Mittags-Mahl im Himmel. Wenn einer des Morgens stürbe: Das schleunig erhörte Morgen-Gebet.][1.062]WAs Exempel sind, ist allen Kindern bekannt, nehmlich alle alte und neue, geistliche und weltliche Begebenheiten und Gebräuche, wie etliche Exempel weisen werden. ¶ Wenn ich bey einem Leichen-[aq]Carmine[/aq], da einem Vater ein eintzig geliebtester Sohn gestorben, das Exempel Abrahams als er auf Befehl GOttes seinen Sohn Isaac aufopfern wolte. zum Grunde stellte/ ist das [aq]Thema[/aq]: Der von Abraham willig aufgeopferte Isaac. Ingleichen wenn einer durch Feuer, Wasser, Krieg oder Diebstahl um das Seine gekommen, könnte man den gedultigen Hiob, welcher auch alle seine Kinder u. Güther verlohren zum Exempel vorstellen, u. denn so das [aq]Thema[/aq] ziehen: Der unschmertzlich Verlust irrdischer Dinge. Wenn man auch lieset, daß der Heydnische [aq]Philosophus Anaxagoras[/aq] alle seine Güther abgetreten und verschenckt/ damit ihm selbige von himmlischen Betrachtungen nicht abziehen möchten, ingleichen, wie er stets nach den Himmel gewiesen und gesagt, die weltlichen Güther verhinderten ihn, nach den allgemeinen Vaterlande zu trachten[1.063][aq]§. 15[/aq]. ¶ [aq]Locus Testimoniorum[/aq]. ¶ HIeher gehören alle Biblische Sprüche, alle [aq]Testimonia[/aq] oder [aq]Effata Politica[/aq], alle [aq]Apophthegmata[/aq] und nachdenckliche Reden vornehmer auch sterbender Personen. Wie die Exempel weisen sollen. ¶ Also schicket sich bei [aq]Celebrir[/aq]ung eines Königlichen Geburths-Fests, auf das [aq]Dictum[/aq]: Dies ist der Tag, den der HErr gemacht hat/ lasset uns freuen etc. etc. das [aq]Thema[/aq]: Die von GOtt gemachte Freude. Und auf das: Ich habe einen guten Kampff gekämpffet etc. etc. bey Beerdigung einer Fürstlichen Weibs-Person: Die auf vielen Kampff gekröhnte Himmels-Fürstin. Ingleichen auf das [aq]Dictum[/aq]: Uns ist ein Kind gebohren/ ein Sohn [S ist uns gegeben etc. etc. und er heist wunderbahr etc. etc. der wunderbahre JEsus-Nahme][1.064][aq]§. 17[/aq]. ¶ Einen sonderbahren Nachdruck hat es, und stehet fein, wenn man ein [aq]Dictum Biblicum[/aq] oder [S [aq]profanum[/aq] mit eben solchen, oder wenig veränderten Worten anbringen kan, wie es heisset. Dergleichen [aq]Dicta[/aq] sind [aq]v. g[/aq]. ¶ Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan etc.][1.065]Oder er [der Stil, J. T. ist nach Beschaffenheit seiner [aq]materie[/aq] unterschiedlich, als: [aq]Oratorius, Historicus, Epistolaris, Philosophicus, Pöeticus, Theologicus. etc[/aq].][1.066][aq]§. 3[/aq]. ¶ Von geistlichen Gedichten. ¶ GEistliche Gedichte sind so wohl die Christlichen Kirchen-Gesänge, als alle diejenigen, so eine geistliche oder [aq]Theologi[/aq]sche Materie abhandeln: ¶ Wie solche auszuführen, wollen wir ietzo nicht berichten. Denn weil doch iedweder Poete zum wenigsten den Grund seines Christenthum aus dem Catechismo wird erlernet haben, als wird sich alles leichtlich von selbsten ergeben. ¶ [aq]§. 4[/aq]. ¶ Von weltlichen Gedichten. ¶ WEltliche Gedichte sind diejenigen, welche kein [aq]Theologi[/aq]sches [aq]objectum[/aq] haben, sondern nur eine weltliche Materie abhandeln[1.067]Eben also abgeschmackt ists auch, wenn man die Worte oder Syllben über Gebühr verkürtzet oder verlängert, wie in diesen Kirchen-Gesängen: ¶ Gib deinem Volck einerley Sinn auf Erd etc. ¶ [... ¶ Denn im ersten muß es völlig Erden, im andern aber nur GOtt heissen. Hier [aq]protesti[/aq]re ich zwar einmahl vor allemahl wider alle Läster-Zungen, welche mich etwan beschuldigen möchten, als wenn ich die Geistreichen Kirchen-Gesänge Gottseliger Alten bößlich durchzöge, allein ich sage von Grund des Hertzens, daß ich sie ihrem Geiste und der guten [aq]Intention[/aq] derer seel. [S] [aq]Autorum[/aq] nach höher [aq]aestimir[/aq]e, als die [aq]galantest[/aq]en [aq]Ari[/aq]en der heutigen Poeten. Sie haben freilich die reine Poesie dazumahl nicht gehabt, inzwischen lassen sich die Fehler daraus am besten zeigen. Wiewohl es finden sich auch Kirchen-Gesänge, welche fast nach allen Grund-Sätzen der heutigen Welt richtig sind, wie mich dann unter andern das Lied: HErr JEsu Christ/ du höchstes etc. offt inniglich vergnüget. [...] Ich gestehe, wie gesagt, gerne, daß dabey wenig oder keine Andacht, vielmehr aber Aergerniß empfinde, und getraue mir mit einem andächtigen Vater-unser etc. GOtt einen weit grössern Dienst zu thun. Soll und muß es aber gesungen seyn, so will ich ja lieber einen Psalm oder Lobgesang/ in ungebundener Rede anstimmen, ehe ich etwan in Ermangelung eines reinen poetischen Liedes der [aq]galant[/aq]en teutschen Sprache so viel Gewalt thun wolte. Denn da ist es gewiß, daß in einem eintzigen: O! du GOttes Lamm/ das der Welt Sünde trägt etc. oder Christe, du Lamm GOttes, der du trägst die Sünde der [S] Welt, erbarme dich unser, desgleichen in dem gewöhnlichen Gesange: GOtt sey uns gnädig und barmhertzig etc. oder in dem Lobgesange Mariä: Meine Seele erhebt den HErrn etc. etc. mehr Krafft enthalten, als in hundert so ungereimten Liedern. Ich will der [aq]Autorum[/aq] zu schonen in Exempeln anzuführen mich nicht aufhalten; gebe aber einem ieden selbst zu überlegen, woher es komme/ daß nicht nur der ungelehrte Pöbel, sondern auch wohl verständige Leute öffters ins Gelack hinein singen, daß kein Verstand heraus kömmt, und niemand verstehet, was er singet, und bey GOtt haben will. Ob, und wie solchem Ubel abzuhelffen, will ietzo, weil es eben meines Ammtes nicht, nicht berühren. So viel sage nur noch, daß ich mir öffters selbst neue Lieder nach alten beweglichen Kirchen-Melodeyen machen müssen, wenn ich in diesen oder jenen Stücke meine Andacht recht haben wollen, und in denen Gesang-Büchern nichts tüchtiges habe finden können.][1.068][aq]Collatione[/aq] geschicht es, wenn zwey Personen gleiches Nahmens mit einander verglichen werden. Bey Beerdigung eines Priesters, der Elias geheissen, wäre das [aq]Thema[/aq]: Der im [S Himmel-gefahrne Elias. Oder auf einen Priester, Nahmens Michael: Der mit dem Drachen streitende Michael etc. ¶ [aq]Oppositione[/aq], wenn man erweiset, daß zwey Personen gleiches Nahmens einander ungleich sind. Also könnte man einen Joseph durch folgendes [aq]Thema[/aq] durchziehen: Der unkeusche Joseph, oder der unrecht benahmte Joseph. Auf einen Saul: Der GOtt dienende Saulus. Johannes ausser dem Kercker. ¶ [aq]Significatione[/aq], da ich die Bedeutung des Nahmens vor mich nehme, und erweise, daß eine Person damit übereinkomme, oder nicht. [aq]v. g[/aq]. Auf einen Petrum: Der unwanckelbahre Felß: Auf einen, der Petrus Müller heisset: Die auf den Felß gegründete Mühle: Auf einen Priester/ der Petrus Fischer heisset: Der reiche Fischzug Petri. Auf einen, der Samuel heisset: Der von GOtt erbetene Samuel. Auf eine Braut Dorothea: Die beste Gabe GOttes. Eine die Maria heisset: Die wohlgeplagte Mara. Auf einen Priester/ Nahmens Kinder-Vater: Der im Werck und Nahmen getreue Kinder-Vater. Auf einen, der Christoph Maurer heisset: Die auf Christum gegründete Mauer etc. Auf den König in Franckreich, welcher allezeit [aq]Christianissimus[/aq] heisset: Der aller unchristlichste [aq]Christianus[/aq].][1.069]Bey Verehligung eines Priesters: Die wohl-vergönnte Priester-Ehe.[1.070]Wenn die Alten die Mässigkeit und Frömmigkeit haben abbilden wollen/ haben sie einen Elephanten gemahlet/ weil dieses Thier gantz mäßig lebet, und gleichsam sehr fromm ist, drum wäre das [aq]Thema[/aq]: Die ruhm-würdige [aq]Elephanten[/aq] Tugend.[1.071]
Rottmann, Johann Friedrich
Eine andere [aq]poëtisirende[/aq] Dorffschafft/ machte ihren verblichenen Prediger diese: [S] ¶ HIer liegt begraben Herr Melcher/
[1.072]Muß also ein Vers-Macher [aq]Apparatum verbalem & realem[/aq] haben/ damit es ihme an Worten und nöthiger Ausführung der Sachen nicht gebreche/ zumahlen es sonst einem solchen/ so damit nicht versehen/ gehen durffte/ wie jenes Dorff-Predigers Sohn/ welchem der Vater/ als er ihm von sich in die nächste Schule sandte/ anbefohlen/ daß er stets Vers-Weise an ihm schreiben solteAuch glaube ich/ daß/ falls den [S Urschreiber obigen Gedichts/ die Worte des [aq]Augusti Paoletti[/aq], welche in dessen [aq]Discursib. pag. 168[/aq]. zu lesen/ wären beygefallen/ er solche gar bequem hätte anbringen/ und seine Sachen noch mehr damit bekräfftigen können. Es schreibet aber derselbe folgender Gestalt: [aq]Legisse memini in Artemidoro somniorum Interprete, explicationem somni admirandam. Somniat quispiam se crucifigi: Praesagium est nuptiarum. Brevi Nuptiae sunt futurae. Ut sic forte ostenderet, nunquam posse melius, quàm Cruce statum conjugalem & Nuptias exprimi. Viro celebri in somnis crucifigi, Nuptias designat. Quidam cum adhuc esset liber, credere non potuit, ad postquam expertus, fateri ultro compellebatur. ¶ Ut potiar, patior, memini me dicere nuper. ¶ [...] ¶ Theodorus antiquus Philosophus, Nuptias senectuti comparabat, fortassis, quia sicut ea inter aetates hominis miserrima est. Crediderim etiam, Larvae infernalis hoc stratagema fuisse, quo Jobum aggrederetur, mulierem interire non est passus. Credite, nunquam Job in majori fuit periculo, ut caderet, patientiam amitteret & animam, quàm dum eum invasit mulier. Diabolus ergo uxorem non occidit, quia uti eâ voluit, ut ultimum faceret insultum, ut bene hoc expressum à Poeta: [S] ¶ Divitias Jobo, sobolemque ipsamque salutem ¶ [...] ¶ Narratur quoque, in patria longinqua hoc factum, ubi homines simplices erant valde. Audiebant è Suggestu Religiosum, dicentem verba ista Salvatoris: Qui vult venire post me, abneget semet ipsum, & tollat crucem suam, & sequatur me. Singuli ponderosam fabricant sibi crucem, & humeris imponunt: Unus è reliquis loco crucis uxorem bajulabat &c[/aq]. Aber hievon genug/ und mag sich/ das so sehr angegriffene Frauenzimmer mit jener 72. jährigen Jungfer trösten/ welche/ als sie einst von verschiedenen lustigen Brüder aufgezogen wurde/ mit diesem Worten aufffuhr: Der Gerechte muß viel leyden/ und der Gottlose hat viel Plage! Vermeynend sie hätte sich dadurch treflich verantwortet.]Bey welchem Gedicht mir eben einfält/ dasjenige/ womit vormahls die Jüden/ die teutsche Version ihres [aq]Ritual[/aq]-Buchs/ mit Teutsch-Ebräischen Buchstaben/ zu Amsterdam gedruckt/ öffentlich [aq]recommendiret[/aq]. Es klinget aber solches also: ¶ [hebr. ¶ Ihr alle Manen und Frauen.]Und ist davon [aq]in genere[/aq] zu bemercken/ daß eine Ode auff allerley Fälle/ sie mögen geist- oder weltlich/ lustig oder traurig seyn/ könne gemacht werden.ES haben mit denen [aq]Epigrammatibus[/aq] die so genandte Rätzel in etwas eine Gemeinschafft/ und ist die Gewohnheit auf denen Hochzeiten Rätzel vorzulegen/ von denen alten Hebräern auff die Griechen/ und von dar auff die Römer/ und also ferner auff uns Teutsche auch nunmehr kommen.[aq]§. II[/aq]. ¶ DIese teutsche Tichter-Kunst ist bereits vor vielen Jahren erfunden/ zumahlen einige darthun wollen/ daß um die Zeit/ als Abraham gestorben/ bey denen [aq]Celten[/aq] der erste/ Nahmens [aq]Bardus[/aq], die Kunst/ Lieder in gewisse Reime und Verse zu fassen/ erfunden/ anbey die Thaten der alten teutschen Helden in [S besondere Lieder und Reime zu schliessen/ und bey denen Zusammenkünfften des Volcks/ in die Leyre/ Harffe oder andere [aq]Instrumenten[/aq] zu singen/ erdacht.]Wie jener [aq]Studiosos Theologiae[/aq] sein Geschmier/ so er seinem [aq]Hospiti[/aq] über dem Tod seines Esels übergeben/ benahmet hatte/ davon in mehrern mag nachgelesen werden/ der Lustige Redner [aq]Part. I. cap. I. p. m. 70[/aq].Solcher gestalt ist vormahls die [aq]Invention à tempore[/aq] genommen/ als einer an [aq]Sanct Martini[/aq] Abend/ die gewöhnigliche Märtens-Ganß/ mit diesem Versen beehrte: ¶ [aq]Thema[/aq]: ¶ Die verzehrte Märtens-Ganß: ¶ [aq]Elaboratio[/aq]: ¶ Neulich wie ich tieff in SorgenDer gute Schweiß mochte vielleicht ehmahlen gehöret haben/ daß man die Schneider Böcke nennete/ derohalben er denn auff solche Version gerathen/ welches doch einen solchen jungen Menschen noch eher zu [aq]perdoniren[/aq]/ als jenem Münche/ welcher aus der Bibel diese Worte [aq]vertiren[/aq] solte: ¶ [aq]Et comedit Adam de Pomo vetito[/aq]; ¶ Welches er solcher Gestalt that: [aq]Adam comedit[/aq] Adam hat umher benagt/ [aq]de pomo vetito[/aq] von einem stinckenden Apffel.Eine andere [aq]poëtisirende[/aq] Dorffschafft/ machte ihren verblichenen Prediger diese: [S ¶ HIer liegt begraben Herr Melcher/]
Woken, Franz
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[1.073][aq]IV. Opern[/aq] möchte man nach den heutigen Mißbrauche Blase-Bälge des Teuffels nennen/ weil dadurch so viele unschuldige Seelen in geilen [S Brand gesetzet werden. Zwar geben die [aq]Operisten[/aq] für/ es wäre sonst nichts lustiges. Ich gestehe es/ daß einem nur aus Geilheit Lust-schöpffendem sonst wenig Kützel dabey seyn möchte/ wenn nichts liederliches drinnen wäre. Will man aber solchen gefallen/ so lade man keine ehrliche Gemüther dazu ein. Tugendhafte Gemüther haben hier ein besser Absehen. Die [aq]Music[/aq] und die Poëtischen Erfindungen sind auch so unschuldig/ daß mans auf solche nicht geben mag/ so etwas untadeliches durch schändlichen Zusatz verderbet wird.][1.074][aq]ORatori[/aq]en werden genennet solche Gedichte/ wie insgemein die Kirchen-Stücke zu seyn pflegen/ da Sprüche aus der Bibel und wiederum Arien mit einander abwechseln.[1.075][aq]IV[/aq]. Bilder-Reime sind nichts anders/ als solche Vermischungen von kurtzen und langen Versen/ daß sie im schreiben die [aq]figur[/aq]eines Hertzens/ oder eines Baumes/ oder Creutzes u.d.g. geben können.[1.076]
Statius, Johann Joachim
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[1.077]5. Will man [aq]Orthographice[/aq] schreiben lernen/ so darf man nur eine Teutsche [aq]correcte[/aq] Bibel für sich nehmen/ dieselbe fleißig durchlesen/ und dabey wol [aq]observiren[/aq]/ wie dieses und jenes Wort geschrieben; besonders wenn es etwas schwehr ist/ so wird man bald den Nutzen vermercken.[1.078][aq]Propositio[/aq]: Wer Liebes-Händeln nachgehet/ kan nicht [aq]studiren[/aq]. ¶ [aq]In Stylo Politico[/aq]: Wer einmahl das [aq]Propos[/aq] hat/ seine [aq]studia[/aq] zur Ehre Gottes und zum Nutz des Nächsten zu widmen/ demselben wird zu seinem Vorhaben nichts so schädlich seyn/ als wenn er sein Gemüth übel [aq]disponiret[/aq] durch abentheurliche Liebes-Händel. [S ¶ [aq]In Stylo Sententioso[/aq]: Es ist keine bessere [aq]Profession[/aq], als das [aq]studiren[/aq]/ und niemand kan die Ehre Gottes mehr befordern/ als ein [aq]Studie[/aq]render. Doch wer was [aq]solides[/aq] thun will/ der muß die unordentlichen [aq]Affecten[/aq] der Liebe [aq]changiren[/aq].][1.079]REise-Gedichte sind/ da man der von hinnen ziehenden Persohn etwas aufsetzet zum geneigten Andencken/ wobey man denn deroselben den Seegen GOttes und den Schutz der Heiligen Engel anwünschet. So that der alte [aq]Tobias[/aq], als sein Sohn in die Fremde reisete/ wie zu ersehen [aq]c. 5. vs. 23. Tobiae[/aq]: GOtt sey mit euch auf dem Wege/ und sein Engel geleite euch. Und auf diese Weise wünschet der alte [aq]Jacob[/aq] seinen Söhnen die Barmhertzigkeit GOttes/ als sie in Aegypten zogen/ Getraide zu kauffen/ wie diß erhellet [aq]Genes. c. 43. vs. 14[/aq]. [… Gleichwol aber muß man dem Abreisenden sein Gemüht zu erkennen geben/ daß die Freundschaft wol zwar in etwas/ doch nicht gäntzlich aufgehoben sey/ und der Verlust der Abwesenheit könne [S] schriftlich wieder eingebracht werden/ so GOtt wolle.][1.080]GEbuhrts- oder Nahmens-Gedichte sind/ darinn man sonderlich preiset die Güte GOttes/ daß er die Person/ die [S man nach [aq]meriten[/aq] lobet/ an das Tages-Licht gebracht/ oder/ daß er nach seiner Barmhertzigkeit dieselbe gesund erhalten/ so/ daß man mit einem [aq]Carmine[/aq] den Nahmens-Tag erfreulichst beehren kan. Man wünschet auch ferner/ daß GOtt noch viele Jahre und späte Zeit bey vergnügtem Zustande und guter Gesundheit deroselben wolle diesen Tag erscheinen lassen/ damit man Ursache finde/ sich nebst ihr hertzlich zufreuen und demühtigst GOtt dafür Danck abzustatten.][1.081]EIn Hochzeit-Gedichte ist nichts anders/ als eine wolmeinende Gratulation, da man denen jungen Ehe-Leuten alles [S Gutes und vielen Seegen von GOtt anwünschet und erbittet. Wie die Heimführung der [aq]Rebeccae[/aq], die [aq]Isaac[/aq] aus Verhängniß GOttes zum Weibe bekam/ geschahe/ hieß es [aq]Cap. XXIV. Genes. vs. 60[/aq]. Und sie segneten Rebeccam und sprachen zu Ihr: Du bist unsere Schwester/ wachse in viel tausendmahl tausend/ und dein Saame besitze die Thore seiner Feinde. Ein gleiches sehen wir/ als der junge [aq]Tobias[/aq] Saram [aq]Raguelis[/aq] Tochter wolte zum Weibe nehmen/ denn da heist es [aq]Cap. 7. Tobiae vs. 15[/aq]. Der GOtt [aq]Abraham[/aq], der GOTT [aq]Isaac[/aq] und der GOtt [aq]Jacob[/aq] sey mit euch/ und helffe euch zusammen/ und gebe seinen Seegen reichlich über euch.][1.082]TRauer-Gedichte sind nichts anders/ als daß man den Unfall wehmühtigst vorstellet/ und zugleich daran arbeitet/ wie man das Leydwesen möge versüssen. Welcher Christliche [aq]Ritus[/aq] annoch zu unserer Zeit sehr gebräuchlich ist/ daß man dadurch das gute Andencken der entseeleten Persohn suchet zu [aq]stabiliren[/aq] und zu erneuren. So schreibet auch darvon gar [aq]emphatisch[/aq] der weise [aq]Sirach Cap. 44. vs. 12. 13[/aq]. Und ihr Lob wird nicht untergehen. Sie sind in Frieden begraben/ aber ihr Nahme bleibet ewiglich. Man muß aber einem jedweden diese Ehre ohne [aq]meriten[/aq] nicht beylegen/ denn diß ware entweder eine [aq]Eclipsis judicii[/aq], oder eine falsche Verstellung; sondern diejenigen verdienen solche Grab- und Denckmahle/ die christlich geleb’t haben und seelig verstorben sind. Denn andere sind es nicht werth/ wie solches der Geist Gottes selbst [aq]exprimiret[/aq] durch den Mund des Propheten [aq]Jeremiae Cap. 22. vs. 18. 19[/aq]. Darum spricht der HErr von [aq]Jojakim[/aq] dem Sohne [aq]Josiae[/aq], dem Könige [aq]Juda[/aq]: Man wird ihn nicht klagen: Ach! Bruder/ ach! Schwester; man wird ihn nicht klagen: Ach! Herr/ ach! Edeler. Er soll wie ein Esel begraben werden/ zerschleift [S und hinaus geworffen vor die Thore [aq]Jerusalems[/aq].][1.083]Denn eben dadurch kan man in seiner Mutter-Sprache allerhand erbauliche Lieder [aq]componiren[/aq]/ die da dienen zur Ermunterung und Aufweckung den höchsten GOtt zu loben und ihm zu dancken. Es ist auch solches ferner sehr nützlich/ nach der Ermahnung des Apostels [aq]Pauli ad Ephesos Cap. 5. vs. 19. 20[/aq]. Redet untereinander von Psalmen und Lob-Gesängen/ und geistlichen Liedern; singet und spielet dem HErrn in eurem Hertzen. Und saget Danck allezeit für alles GOtt und dem Vater in dem Nahmen unsers HErrn JEsu Christi. Und in dem 3. [aq]Cap. ad Collossenses vs. 16[/aq]. Lasset das Wort Christi [S unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit. Lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen/ und geistlichen lieblichen Liedern/ und singet dem HErrn in eurem Hertzen. Diß haben denn auch wohl inachtgenommen die theuren Männer Gottes/ als [aq]Lutherus, Gerhardus, Ristius[/aq] und andere/ welchen auch zu unseren Zeiten viele nachgefolget. Und warum wolte man dieses nicht thun/ so GOtt darzu Gnade und Kraft giebet. Es dienet ja einem mannichmahl zur Stärckung und Erquickung/ wie der seel. [aq]Spenerus[/aq] auch dieses selbsten an einem Orte bekärftiget.][1.084]Vor dißmahl lasse ich davon [aq]judiciren Celeberrimum Theologum Danhauerum[/aq], welcher davon in [aq]Conc. 45. Part. II. Lactis Catechismi[/aq] oder der Catechismus-Milch also spricht: Die [aq]Comoedien[/aq] oder Schau-Spiele haben ihre fürtreffliche Nutzbahrkeit/ indem sie gleichsam [aq]mentem ac ingenium ad vivum[/aq] abschildern und [aq]formi[/aq]ren. Die alten [aq]Historien[/aq] werden eben dadurch gleichsam erneuret/ der Wille und dessen Affecten werden von Lastern abgemahnet/ die jungen Gemühter werden in denen [aq]moribus exerci[/aq]ret/ die Gestus werden nach der Beschaffenheit der Sache [aq]permuti[/aq]ret/ die [aq]Parrhesia[/aq]stellet sich auch dadurch ein/ und der todte Buchstab wird gleichsam beseelet/ und so weiter. So hat auch der seel. [aq]Doctor Lutherus[/aq] dieselben nicht gäntzlich verworffen/ wie solches die Vorrede des Büchleins [aq]Judiths[/aq] und [aq]Tobiae[/aq] an den Tag geben und eröffnen. Der berühmte Opitz machet viel Wesens davon/ und [aq]extendi[/aq]ret sie weiter als nöthig. Die erste [aq]Comoedie[/aq] soll in Teutschland gehalten seyn [aq]Anno 1497. die Reuchlinus in honorem Johannis Episcopi Dalbergensis Worma-[Stiae componi[/aq]ret hat.][1.085]Letztlich warne ich nochmahls die Jugend hertzlich/ daß sie sich doch enthalten wolle der Lesung der [aq]charmanten[/aq] Gedichte; und gesetzet/ daß sie solten wider ihren Willen dieselbe antreffen/ auch mit in denen Büchern/ die ich anfänglich als [aq]subsidia recommendi[/aq[ret habe/ so wird das beste Mittel [aq]seyn[/aq]/ daß sie sich [aq]praeserviren[/aq] mit einem eifrigen Gebet/ damit sie nicht dadurch berücket und bestricket werden zum Nachtheil ihres Heyls. Wer diese Erinnerung nicht in den Wind schläget/ der wird davon gewißlich grossen Nutzen haben. Indessen so empfehle den aufrichtigen und lehrbegierigen Leser der gnädigen [aq]Protection[/aq] Gottes.[1.086]man kan doch öfters damit sein Gemühte in denen Neben-Stunden [aq]excitiren[/aq]/ besonders da man eine Geistliche [aq]Materie[/aq] für sich nimmt/ und dieselbe [aq]Carminice[/aq] zergliedert.[1.087]Der Hr. Harsdörffer ist auch der Meynung/ wenn er an einem Orte spricht: Die [aq]Poesie[/aq] ist gleich einer keuschen Jnngfrauen/ die allem unreinen Wesen feind ist. Aber leyder! zu unserer Zeit wird sie als eine [aq]liederliche Dame[/aq] prostituiret/ und zu allerhand Uppigkeit und Unfläterey von vielen angewendet. Dem sey aber/ wie ihm wolle/ so bleibet doch diß ein richtiger und vernünfftiger Satz: [aq]Abusus non tollit usum[/aq]. Und wer demnach aufs Fleisch säet/ der wird vom Fleische erndten/ [aq]Galath. VI. 7[/aq].[1.088]
Hamann, Johann Georg
Seite
[1.089]§. XIV. Ein [aq]Oratorium[/aq] ist von der [aq]Cantata[/aq] hierinnen unterschieden, daß es nebst [aq]Ari[/aq]en und [aq]Recitativ[/aq] auch aus untergeschobenen [aq]Dictis biblicis[/aq] und Strophen aus geistlichen Liedern bestehet, auch gemeiniglich zu Kirchen-Stücken und [aq]Musicquen[/aq]angewendet wird.[1.090]
Neukirch, Johann Georg
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[1.091][aq]§. 6[/aq]. ¶ Von der Poesie erster Zeit ist zu bedauren, daß wir nichts aufzuweisen haben, als was uns [aq]Tacitus[/aq] davon meldet, wie sie nehmlich gewisse Lieder gehabt, wenn er [aq]de moribus Germanorum cap[/aq]. [aq]2[/aq]. spricht: [aq]Celebrant carminibus antiquis, quod unun apud illos memoriae & Annalium genus est, Tuistonem Deum terra editum & Filium Mannum originem gentis conditoresq[/aq]`[ZEICHEN; und zu Ende des 2. Buchs seiner [aq]Annalium[/aq] sagt er von den [S] [aq]Cherusci[/aq]schen Fürsten und teutschen Feldherrn [aq]Arminio[/aq]: [aq]Canitur adhuc barbaras apud gentes; Graecorum annalibus ignotus, qui sua tantum mirantur[/aq]. Woraus wir den Inhalt ihrer Gedichte und Lob-Gesänge wahrnehmen und daraus schliessen können 1) daß schonlängst vor [aq]Taciti[/aq] Zeiten uhralte Gedichte unter den Teutschen üblich gewesen, wodurch sie ihre Geschichte auf die Nachkommen gebracht. 2) Daß diese Lieder ein Stück ihres Gottesdienstes ausgemacht][1.092]Um welche Alterthümer wir nach und nach, theils [S in dem grossen <aq>Interregno</aq>, theils gantz und gar in dem Dreyßig-Jährigen Kriege gekommen sind, da der muthwillige und in solchen Dingen unerfahrne Soldate vollends ruiniret, was noch hier und da in den Clöstern und <aq>Bibliothequen</aq> davon verhanden gewesen. Und stehet also dahin, ob diejenigen alten <aq>Carmina</aq>, so annoch in den Closter-<aq>Bibliothequen</aq> zu St. Gall, zu Eichstädt und zu St. Emeran in Regenspurg auf Pergament geschrieben sollen zu finden seyn und wovon Hoffmannswaldau in der Vorrede seiner Gedichte Meldung thut, von der Sorte der alten Lieder sind, davon <aq>Tacitus</aq> und <aq>Eginhartus</aq> gedencket; oder nicht vielmehr von der mittleren Zeit.][1.093]Doch litte die so herrlich blühende Poesie, wie andere Wissenschafften, ihren Abfall unter den Creutz-Zügen; und wo sie nicht die so genanten Meister-Sänger noch in etwas unterstützet, wäre sie beynahe gar untergangen.[1.094]Wiewohl sich ein Poet diesen offt schädlichen <aq>Affect</aq> [die Liebe, J.T. nicht zu sehr aufopfern muß, damit er dadurch nicht unter die Zahl verliebter Narren gerathen möge; oder zu Dingen verleitet werde, wodurch GOtt erzürnet, das Gewissen verletzet und Tugend-liebende Hertzen geärgert werden, wovon zu <aq>conferiren</aq> die geschickte Vorrede des Herrn <aq>M</aq>. Rambachs über seine Poetische Fest-Gedancken.][1.095]Solche [aq]Realia[/aq] sind entweder bekante [aq]Similia[/aq] und [aq]Comparata[/aq] von natürlichen und künstlichen Dingen hergenommen, oder bekante [aq]Exempla ex Historia Sacra & profana[/aq] und der [aq]Mythologie[/aq][1.096]X. ¶ Wie mache ich es aber/ wenn ich auf Historien [aq]alludir[/aq]en will? ¶ Siehe zu, ob deine vorhabende Materie mit einer wohl bekannten Historie aus der Bibel, [aq]Profan[/aq]-Historie oder [aq]Mythologie[/aq] kan erläutert werden; hast du sie gefunden, so führe sie, [aq]quoad Nervum[/aq], kurtz an, so bekömmest du eine [aq]allusion[/aq], als: ¶ Des Glückes Paradieß ist mir zur Wüsten worden/[1.097]Will man aber in der Erfindung glücklich seyn, muß man sein Absehen richten auf <aq>Historiam Politicam, Ecclesiasticam, Literariam, Naturalem, Artificialem & Mixtam</aq>: Denn alle diese Stücke liegen einem <aq>accuraten</aq> Zeitungs-Leser vor Augen, und wird an geschickten <aq>Thematibus</aq> kein Mangel seyn[1.098][aq]VI[/aq]. ¶ Was bekommen wir nach dem dritten Umstande [aq]UBI[/aq]? vor [aq]Themata[/aq]? ¶ Dieser Umstand giebt weitläufftige Gelegenheit [S an die Hand: Denn ich betrachte die gantze sichtbahre Welt, Himmel und Erde, gantze Länder, Städte, Häuser, Wälder, Felder, Gärten, Lust-Häuser, Berge, Thäler, Kirchen, Regierungen, Rathhäuser, Schulen, [aq]Collegia, Catheder, Cantzeln, Theatra[/aq], das Vaterland, die Fremde, Summa, den Ort, wo der [aq]Casus passir[/aq]et, daruaf ich ein [aq]Carmen[/aq] machen will.][1.099]X. ¶ Was hat man dem siebenden und letzten Umstande [aq]QVANDO[/aq]? in der [aq]Invention[/aq] zu dancken? ¶ [... Auf die im Calender vorfallende Feste, als Weynachten, Fasten, Marter-Woche, Ostern, Himmelfarth, [aq]Palmarum, Laetare, Jubilate, Oculi &c[/aq]. Ja auch [S] auf die Tage, als Sonntag, Montag, Dienstag etc.][1.100][aq]VII[/aq]. ¶ Wie findet man [aq]Probantia ab honesto & turpi[/aq]? ¶ Hier [aq]examinir[/aq]en einige die [aq]Thesin[/aq] nach den [aq]4[/aq] Moralischen Regeln: ¶ [aq]1. Ama Deum[/aq]. ¶ [aq]2. Ama te ipsum[/aq]. ¶ [aq]3. Ama proximum[/aq]. ¶ [aq]4. Ama rempublicam[/aq]. ¶ Allein es ist leichter, wann ein Anfänger bey seiner [aq]Thesi[/aq] folgende Fragen anstellet: ¶ [aq]1[/aq]. Kömmt es mit den göttlichen Gesetzen überein oder nicht?[1.101][aq]3[/aq]. Tröstet man die Hinterbliebenen. Die [aq]Fontes[/aq], daraus die Trost-Gründe zu nehmen, sind theils die Heilige Schrifft als ein unerschöpflicher Brunnen voller Geist und Krafft, niedergeschlagene Hertzen aufzurichten, theils die Vernunfft und [aq]Moral[/aq]; wiewohl darunter der erste [aq]Fons[/aq] billig die Ober-Hand behält. ¶ Jedoch lauffen die meisten Trost-Gründe dahinaus: ¶ [… ¶ [aq]2)[/aq] Er ist jung gestorben, zeitig vollkommen worden, wer zeitig erben will, muß zeitig sterben, besser zeitig den Port erreichet, als lange auf dem Meere wallen. GOtt hat ihn zeitig weggenommen, da-[S]mit er nicht von der bösen Welt verführet würde. Bey GOtt ist er wohl aufgehoben. GOtt hat ihn nur als Pfand geliehen, welches er als ein Eigenthums-Herr bald wieder zurück genommen; dort wird die Vereinigung ohne Trennung in grösserer Freude und Herrlichkeit erfolgen. Er gehet voran, wir folgen, wann GOtt will. ¶ [aq]3)[/aq] Er geniesset nach der Unruhe die Ruhe; nach der Last ewige Lust; den beständigen Feyer-Abend nach mühseligen Diensten. ¶ [aq]4)[/aq] Er scheinet dort als die Sonne, da wir hier in Egyptens Nacht leben; uns drücken Dornen, er träget Krohnen; die Sünde befleckt uns noch, er ist ein Engel worden. ¶ [aq]5)[/aq] Der Leib ist nur gestorben, die Seele lebt bey GOtt, auch lebet hier sein Tugend-Lob in den Hertzen der Menschen, sein Andencken ist im Seegen. […] ¶ [aq]4[/aq]. Man wünschet auch bey Hohen an statt der gewöhnlichen Trost-Gründe Trost von [S] GOtt, daß er die Wunden, so er geschlagen, heilen, in der Nacht die Sonne scheinen lassen, und nach dem Weinen sie mit vielen Freuden überschütten wolle etc.][1.102]Ingleichen wann der Verstorbene einige Jahr auf dem Krancken-Bette gelegen oder vor langwierigen Schmertzen selbst gewünschet, daß ihn GOtt bald auflösen möchte, wäre es ungereimt, wenn man von vielen Thränen und Hände-Ringen der Hinterlassenen reden wolte.[1.103][aq]4[/aq]. Vielweniger will es sich schicken, den guten ehrlichen Todt mit Schmäh-Worten so auszuhuntzen und auszufiltzen, als wann er als der ärgste Dieb und Mörder gehandelt, daß er uns diesen wohl-verdienten Mann, diese Tugend-belobte Frau, jenen schönen Jüngling oder Jungfer in der besten Blüthe der Jahre hinweggeraubet. Der Poet zeiget bey seinen närrischen [aq]Affect[/aq], daß er kein Christ, und in der Ordnung GOttes unerfahren sey. ¶ [aq]5[/aq]. Sind die traurigen Personen Leute, von deren treuen Diensten und [aq]Consiliis[/aq] der Flor und Aufnahme des Landes, der Stadt, der Musen etc. [aq]dependir[/aq]et, billiget man zwar ihre gerechten Thränen und Traurigkeit; man hänget aber auf eine bescheidene Manier eine Anmahnung mit an, daß sie ihrer selbst dabey schonen möchten, weil an ihrem Wohl das Wohl des Landes, der Stadt, der Musen hange; da im Gegentheil ihr kostbahres Leben durch viele Thränen geschwächet würde, da ihnen doch ein jeder ein langes und vergnügtes Leben von GOtt wünschte.[1.104]Aber ihnen einen Trost von GOtt anzuwünschen, gehet in diesen und allen Fällen an.[1.105]Und dann siehet man ¶ [aq]2[/aq]. Auf die [aq]Contenta[/aq] oder den Inhalt. ¶ Dieser bestehet meist darinnen, daß man ¶ [aq]1[/aq]. Den Ehestand, als einen GOtt-gefälligen, vergnügten und geseegneten Stand vorstellet [… ¶ [aq]3[/aq]. Zuweilen [aq]prognostici[/aq]ret oder [aq]omini[/aq]ret man auch daher allen Seegen und Vergnügen.][1.106][aq]5[/aq]. Hänget man einen Wunsch an, daß sie lange eine vergnügte und geseegnete Ehe führen; auch jährlich die Früchte keuscher Liebe zu Vermehrung ihrer Freude erblicken möchten. [… ¶ [aq]6[/aq]. [...] Sind es Hohe Patronen und der [aq]Concipient[/aq] ein [aq]Cliente[/aq] von ihnen, bittet er um ihre beharrliche Gnade, wann nehmlich ihr Stamm-Baum an Seegen Glück und Vergnügen wüchse, er lebenslang in dessen Schatten zu liegen das Glück hätte.][1.107][aq]5[/aq]. Unverschämte und ärgerliche Sau-Zoten in diese Gedichte einfliessen lassen, sonderlich in die sogenannten Braut-Suppen, stehet einem Christlichen Poeten nicht wohl an. Unterdessen aber ist nicht gleich verwehret, von den Vergnüglichkeiten keuscher Liebe zu reden, so die Verbundenen zu geniessen hätten, wenn nur die Gräntzen der Erbarkeit nicht überschritten werden, und es das Alter des Poeten zulässet ohne Verdacht von den Geheimnissen ehelicher Liebes-Vergnügungen allzu teutsch zu [aq]raisonniren[/aq]. Der Ehestand führet ohnedem mehr Galle als Honigseim mit sich; deßwegen ist unverwehrt/ solchen angenehm und beliebt vorzubilden. Ein Hochzeit-[S[aq]Carmen[/aq] ist keine Predigt noch ernsthafftiger Trauungs-[aq]Sermon[/aq], sondern ist angenehm und gefällig auszuführen. Doch muß man auch den Unterscheid der Personen ansehen; Bey Predigern die [aq]Inventiones[/aq] und [aq]Expressiones[/aq] aus der Bibel zu nehmen ist löblich und ihrem Stande gemäß][1.108]Siehet man aber von diesen dreyen Gedichten [Geburtstags-, Namenstags- und Neujahrsgedichten, J.T. an ¶ [aq]2[/aq]. Den Inhalt, ¶ So läufft er auf folgende [aq]Momenta[/aq] hinaus. ¶ [aq]1[/aq]. Sie [aq]celebrir[/aq]en einen Tag, ¶ [aq]1)[/aq] Da sie GOtt vor so und so viel Jahren, Reich und Ländern, der [aq]Republic[/aq], der Christenheit, den Musen/ den [aq]Clienten[/aq], [S] den Armen etc. zum Besten geschencket, welches sie bißher bewiesen, [aq]deducatur[/aq]. ¶ […] ¶ [aq]3)[/aq] Da sie das alte Jahr glücklich zurück geleget und das Neue unter GOttes Seegen angetreten. ¶ [aq]2[/aq]. Ihr Hauß, das Land, die Musen, Freunde, [aq]Client[/aq]en etc. freuen sich, daß sie GOtt bißher gesund erhalten, darunter auch ich begriffen.][1.109][aq]6[/aq]. Der Wunsch muß sein Absehen richten auf die Person, Stand, Würde, [aq]Merit[/aq]en, Alter etc. Hat die mit einem [aq]Carmine[/aq] zu beehrende Person bereits ein sehr hohes Alter, darf man eben den Wunsch nicht auf [aq]Nestors[/aq] oder Methusalems Jahre hinaus setzen, welches bey unserm gewöhnlichen Alter nicht mehr möglich; zumahl wann die Person vielen Beschwerlichkeiten und kräncklichen Zufällen unterworffen, sondern man wünschet vielmehr, daß GOtt ihre Gesundheit und Kräffte verneuren und [S vermehren wolle, wie den Adlern, daß das [aq]75[/aq]ste Jahr sey, wie das [aq]25[/aq]ste gewesen etc.][1.110][aq]VIII[/aq]. ¶ Wie verhält man sich in den Gedichten/ da man zu Vermehrung des Hauses durch Kinder [aq]gratuli[/aq]ren muß? ¶ Man siehet in diesen Gedichten zuförderst auf ¶ [aq]I[/aq]. Den [aq]Casum[/aq]. ¶ Dieser ist, wann GOtt den Ehestand mit Leibes-Früchten geseegnet und unsere [aq]Devotion[/aq] oder Schuldigkeit erfodert, bey Durchlauchtigen oder [aq]Illustre[/aq]n Personen, Patronen, Verwandten und guten Freunden mit einem Glückwunsch aufzuwarten. ¶ [aq]II[/aq]. Die [aq]Contenta[/aq] und Inhalt. ¶ Diese bestehen mehrentheils in folgenden Stücken: ¶ [aq]1[/aq]. Man rühmet die Kinder oder den Ehe-Seegen als ein Gnaden-Geschencke GOttes, als eine Augen-Lust und Trost der Eltern, weil sie ihren Nahmen und Geschlechte fortpflantzen, rechtmäßige Besitzer ihrer Tugenden und Vermögens und im Alter ihr Trost und Stab waren. ¶ [aq]2[/aq]. Hiernechst preiset man also das Glück gegenwärtiger Eltern durch ein wohlgestaltes Kind; man drücket ihre Freude darüber [S aus, weil ihre Hoffnung und Verlangen gestillet, ihr Gebet erhöret und ihr Wunsch nunmehr vollkommen sey. ¶ [...] ¶ [aq]4[/aq]. Wünschet man den Eltern, daß sie viel Ehre und Freude an ihm erleben; dem Kinde aber zur Aufferziehung GOttes Gnade und Seegen.][1.111][aq]3)[/aq] Man füget den allgemeinen Nutzen und Seegen hinzu, so dem gantzen Lande und allen in selbigen befindlichen Ständen/ Städten etc. von einem so löblichen Regenten in allen Stücken überflüßig zuwachsen würden. ¶ [aq]4)[/aq] Man weyhet Ihnen daher Hertzen voller Liebe, Gehorsam, Treue und Gebets.[1.112]Betrachtet man ¶ [aq]II[/aq]. Den Inhalt, ¶ So kömmet es auf folgende [aq]Momenta[/aq] an. ¶ [aq]1[/aq]. Ein solcher Stand ist ein von GOtt geheiligter, unentbehrlicher und nützlicher Stand. ¶ [aq]2[/aq]. GOtt hat ihn dazu vor andern ausersehen. [... [S] […] ¶ [aq]5[/aq]. Finden sich Beschwerlichkeiten, Sorge und Mühe, GOtt wird mit am Regimente sitzen, die Last leichte machen und allen Verdruß durch seine Gnade versüssen.][1.113][aq]2[/aq]. GOtt hat mit seiner Gnade und Seegen über Sie gewaltet, Er hat heilsame [aq]Consilia[/aq] ertheilet, alle Hindernisse aus dem Wege geräumet, die schwere Amts-Last erleichtert und Ihnen dabey vieles Vergnügen geschencket, wofür ihm Danck gebühret. ¶ [aq]3[/aq]. Darum freuen sie sich in GOtt: denn die Last und Sorgen hören auf und GOtt wird die viele Mühe mit Seegen und Ehre kröhnen. ¶ [aq]4[/aq]. Wir wünschen beständige Vergnügung, daß der [aq]Successor[/aq] Dero angefangene gute Ordnungen mit gleichem Eyfer, Glück und Seegen [aq]continuir[/aq]en und gleiche Gnade dazu von GOtt erhalten möge.[1.114]Ist die Reise in fremde Länder, in das Bad oder in die [aq]Campagne[/aq], muß auch hiervon in dem Wunsche gedacht werden, daß Ihn GOtt zu des Landes Besten und Aufnnahme gesund, vergnügt und mit vielen Ehren wieder zurück bringen möge. Sind es aber andere Personen, wünschet man daß ihm GOtt zum Flor der Staaten, zum Trost der Musen und zur Aufnahme seines Hauses ein langes und vergnügtes Leben schencken und zur [aq]Expedition[/aq] seiner [aq]Affair[/aq]en vielen Seegen verleihen wolle etc.[1.115][aq]2[/aq]. Man saget: GOtt habe unser Gebet erhöret, das Verlangen gestillet, die Hoffnung erfüllet und Ihn zu allgemeinen Trost zurücke gebracht.[1.116][aq]5[/aq]. Ich wünsche, daß aus dieser Ehre viel Ruhm, Vergnügen, Seegen und Glückseeligkeit erwachsen möge etc.[1.117][aq]4[/aq]. Und da solches Amt mit vieler Arbeit und Sorgen verknüpfet, so versichert man, wie GOtt alle Mühe und Beschwerlichkeit durch seinen Beystand versüssen und erleichtern würde. […[S] ¶ [aq]6[/aq]. Man wünschet dazu den göttlichen Seegen, Kräffte, Gesundheit und alles Vergnügen.][1.118]Doch kan man auch in dem andern Falle Gelegenheit zu reden nehmen von der Unbeständigkeit menschlicher Vergnügungen;von der Weise GOttes mit seinen Frommen umzugehen, indem er ihnen immer eine Abwechselung giebet, auf den Zucker Salsen; auf Sonnenschein Regen; auf Tag Nacht etc. welches alles zu ihrem Besten gereichen muß etc.[1.119]Doch ist noch dieses hierbey zu mercken, daß auf die Anmahnung zum Trauren endlich eine Ab-[Smahnung von Trauren angehänget werde wegen der erlangten ewigen Glückseel.keit, nebst einem Wunsche, daß sie GOtt in Trauren aufrichten möge; wiewohl der Wunsch auch zuweilen wegbleiben kan.][1.120]Hält aber das [aq]Thema[/aq] eine Historie in sich, sie lauffe nun in [aq]Historiam[/aq] [S [aq]sacram[/aq] oder [aq]profanam[/aq], muß die gantze Historie durchlesen und darinnen wohl angemercket werden, in welchem Stücke sie sich mit unserer Person vergleichen lasse, und in welchem es nicht seyn könne, damit es auch in diesem Stücke heisse, der Verfasser des [aq]Carminis[/aq] hat alles in der [aq]Elaboration[/aq] ausgeführet, was er auf den Titel versprochen.][1.121]Wiewohl wer in dem [aq]II[/aq]. Anfangs-Grunde das [aq]4[/aq]. Capitel von der Poetischen [aq]Allusion[/aq] und deren Erfindung [aq]pag. 164. seqq[/aq]. ingleichen die Erfindung üblicher [aq]Thematum[/aq] durch den Umstand: [aq]Quis? pag. 241. seqq[/aq]. wohl inne hat und von GOtt mit einem hurtigen [aq]Ingenio[/aq] begabet ist, der wird auch hierinnen in allen Fällen glücklich seyn, sonderlich [S wann er derjenigen Personen Nahmen, Alter, Wapen, [aq]Professionen[/aq], Aemter, Häuser, ja Zeit und Ort etc. wohl untersuchet, denen er zu Ehren das [aq]Carmen[/aq] abfasset.][1.122]Ja diese Umstände desto annehmlicher zu machen, streuet man [aq]Locos communes, Meditationes[/aq] und [aq]Consectaria[/aq] mit ein, damit des Lesers Gemüth nicht nur erlustiget, sondern auch erbauet werde.[1.123][aq]I[/aq]. ¶ Was ist von [aq]Anagrammatibus[/aq] zu halten? ¶ EInige halten sie vor was altes, weil sie schon den alten Ebräern in ihrer [aq]Cabbala[/aq] bekant gewesen;[1.124]In Geistlichen Oden redet man mehrentheils mit der heiligen Schrifft; aber in weltlichen nach Beschaffenheit der Personen u. Sachen, bald schlecht, bald gelehrt.[1.125][aq]VII[/aq]. ¶ Was sind [aq]Oratori[/aq]en? ¶ [aq]Oratori[/aq]en sind eine schöne Art der Kirchen-[aq]Music[/aq], darinnen man Biblische [aq]Texte[/aq], [aq]Arien[/aq], Gesetzgen aus [aq]Choral[/aq]-Gesängen, auch bißweilen kleine [aq]Recitative[/aq] unter einander mischet. Es kömmet dessen Einrichtung zwar bloß auf das [aq]Genie[/aq] des Poeten an; doch hat er, was die [aq]Arien[/aq] und [aq]Recitative[/aq] betrifft, alle dasjenige zu beobachten, was davon bey den [aq]Cantat[/aq]en angemercket worden, damit er in allen Stücken die vorkommenden Sachen und [aq]Affect[/aq]en wohl ausdrücke, um dadurch desto mehr die [aq]Devotion[/aq] zu erwecken. Ob auch hier eine oder mehr Personen singend einzuführen, dazu wird der vorhabende [aq]Text[/aq] oder [aq]Materie[/aq] selbst Gelegenheit an die Hand geben; Wir wollen es in einen Exempel versuchen: ¶ Psalm [aq]LXXIII, 28[/aq]. ¶ Das ist meine Freude, daß ich mich zu GOtt halte, und meine Zuversicht setze auf den HErrn HErrn. [S ¶ [aq]ARIA[/aq]. ¶ GOtt du bleibest meine Freude!][1.126][aq]§. 1[/aq]. ¶ DIe Poesie/ eine edle Gabe GOttes und galante Wissenschafft [aq]politer[/aq] Welt, ist zu allen Zeiten in grossen [aq]Estim[/aq] gewesen, so daß nicht nur die allerhöchsten Häupter Geistliches und Weltliches Standes, sondern auch viele Kriegs Helden, der Adel und Kern von gelehrten Leuten Bürgerlicher [aq]Extraction[/aq] sich derselben gewiedmet und diejenigen, so sich darinnen vor andern hervorgethan, in hohen Wert gehalten. [S ¶ [aq]§. 2[/aq]. ¶ Es konte nicht anders seyn; man hielte sie theils vor was Göttliches und Himmlisches, weil solches herrliche [aq]Talent[/aq] nicht allen, sondern nur einigen und fast aus Gunst beygeleget würde; theils auch vor eine fähige Wissenschafft, darinnen die Göttliche und weltliche Weißheit mit Nachdruck könne vorgetragen werden, der Menschen Hertzen und Gemüther mit desto leichterer Mühe zu gewinnen; daher sie auch der unvergleichliche Lohenstein die erste Wiege der Weißheit genennet.][1.127][aq]III[/aq]. ¶ Was vor [aq]Disciplin[/aq]en helffen mir zu [aq]Probantibus[/aq] und [aq]AEtiologi[/aq]en: ¶ Keine ist so arm, daß sie uns auf bedürffenden Fall nicht mit einigen versorgen solte/ wenn man sich nur in acht nimmet, daß man das erfundene [aq]Thema[/aq] unter die rechte [aq]Disciplin[/aq] bringe, wo es hingehöret. Denn weil ein Poet von vielen Sachen zu schreiben hat, so theils unter die [aq]Theologie, Jurisprudenz, Medicin, Philosophie[/aq] etc. theils unter die [aq]Artes Mechanicas[/aq] gehören: so muß er auch aus solchen [aq]Disciplin[/aq]en und Künsten die verlangten [aq]AEtiologi[/aq]en suchen, z. E. ¶ [aq]THESIS[/aq]: ¶ Christen müssen die Lüste dieser Welt fliehen. ¶ Diß gehöret in die [aq]Theologie, hinc[/aq] ¶ [aq]PROBANTIA[/aq]: ¶ [aq]1[/aq]. Denn die Welt vergehet mit ihrer Lust. ¶ [aq]2[/aq]. Ein Wollüstiger wird das Reich GOttes nicht ererben. ¶ [… ¶ [aq]Elaboratio[/aq]. ¶ [aq]Thesis[/aq]. Ihr/ die ihr durch das Blut von euren schweren Sünden][1.128][aq]§. 15[/aq]. ¶ Fraget man: Wo dieser [aq]Enthusiasmus[/aq] eigent-[Slich herrühre? so ist der meisten ihre Meynung, daß er entweder von GOtt, vom Satan oder andern natürlichen Ursachen seinen Ursprung nehme. Kein vernünfftiger Christ wird in Zweiffel ziehen, daß die Psalmen und Lieder der Propheten im Alten Testament und die andächtigen und erbaulichen Lieder des Neuen Bundes von GOttes Eingebung und Triebe herrühren. Ob aber auch die Prophezeyungen etlicher Poeten als des [aq]Lotichii[/aq] vom Untergange der Stadt Magdeburg; [aq]Nostradami[/aq] von den Begebenheiten unterschiedlicher Fürstlichen Häuser und Simon Dachs von der Königlichen Preußischen Crone hieher gehören, das hat der unvergleichliche [aq]Buddeus[/aq] in einer zu Halle gehaltenen [aq]Disputation[/aq] über die Frage: [aq]An naturali homines polleant vaticinandi facultate[/aq], gründlich gewiesen. ¶ [aq]§. 16[/aq]. ¶ Von des Teuffels Eingebung rühren ausser Zweiffel her alle geile Huren- und Sauff Lieder, wodurch man den unreinen Heydnischen Schand-Göttern [aq]Veneri[/aq] und [aq]Baccho[/aq] auf eine unverantwortliche Weise Opfer bringet; ingleichen alle gereimte Pasquille und Sau-Zoten in den Hochzeit-Gedichten; die [aq]Expressiones[/aq] mögen auch noch so gelehrt, sinnreich und unvergleichlich seyn, als sie wollen. In welche Classe man auch setzen möchte die [aq]Carmina Sybillina[/aq], von welchen letzteren gedachter [aq]Petitus[/aq] und [aq]Korthold[/aq] zu [aq]conferir[/aq]en sind.][1.129]dancke aber GOtt/ daß Er mir Kräffte verliehen/ der Studierenden Jugend mit deutlichen und nützlichen Sachen aufzuwarten[1.130]Inzwischen werde doch nicht aufhören/ so lange GOtt Leben/ Gesundheit und Kräffte schencken wird/ der Studierenden Jugend/ sonderlich in denjenigen Wissenschafften/ welche zu Ausübung unserer teutschen Helden-Sprache etwas beytragen/ meine Dienste zu wiedmen[1.131][aq]§. 24[/aq]. ¶ Das erste [aq]Requisitum[/aq] muß ein angehender Poet besitzen, und das dritte wohl beobachten. Zu dem andern aber werden ihn folgende Grund-Regeln zustutzen, zu deren Abhandlungen wir nun mit GOtt schreiten und dessen Seegen dazu von oben erwarten wollen.[1.132]Er wiedmet sich der Keuschheit. ¶ Ode. ¶ 1. ¶ Wer sich vergnügt an geiler Liebe/[1.133]Zu Rom fanden die Arbeiter in dem Weinberge des Cardinals [aq]Alberoni[/aq] vor der so genanten [aq]Porta pia[/aq], als sie denselben umgruben, eine Schrifft mit diesen Worten: [aq]Reversus unde venerat[/aq]. ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ Zu Leichen-Gedichten: ¶ Die glückliche Wiederkehrung nach dem himmlischen Vaterlande.[1.134]Bey dem Geburths- oder Nahmens-Tage eines Predigers. ¶ [aq]Themata[/aq]: ¶ Der mit Heyl gekleidete Knecht GOttes. ¶ Das in vollem Schein stehende Kirchen-Licht. ¶ Der treue Arbeiter in dem Weinberge des HErrn. ¶ Ein treuer Moses vor GOtt. ¶ Bey dessen Vermählung. ¶ [aq]Themata[/aq]: ¶ Die unverwehrte Priester-Ehe. ¶ Ein Prediger, ein GOtt-gefälliger Ehemann. ¶ Der Gottgefällige Ehestand im Prediger-Stande. ¶ Der bey keuscher Liebe heilig bleibende Prediger-Stand. ¶ Die keusche Priester-Liebe. ¶ Die genaue Verbindung der Liebe mit der Heiligkeit. ¶ Bey dessen Beerdigung. ¶ [aq]Themata[/aq]: ¶ Der zur Freude seines HErrn eingegangene Knecht. ¶ Der seelige Feyer-Abend nach beschwerlicher Arbeit. ¶ [… ¶ Das verloschene Kirchen-Licht. ¶ […] ¶ Der annoch im Sarge lehrende Prediger von der allgemeinen Sterblichkeit.][1.135][aq]I[/aq]. Bey einer Hochzeit. ¶ Wodurch ist die Heyrath befördert? ¶ [aq]Respond[/aq]. ¶ Durchs Gebeth, durch klugen Rath, gute Zuneigung und Trieb, Tugenden, Stand, Schönheit, Freundlichkeit etc. ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ Die durchs Gebet beförderte Heyrath. ¶ Die durch andächtige Gebeths-Flammen erregte Liebes-Flammen. ¶ Der Weyrauch des Gebeths als der Ursprung einer gesegneten Ehe. ¶ [… ¶ Die Tugenden als Quellen einer geseegneten Ehe. ¶ […] ¶ Der GOtt-gefällige Trieb Ehelich-Verliebten.][1.136][aq]2[/aq]. Bey Trauer-Fällen. ¶ Wodurch ist er gestorben? ¶ [aq]Resp[/aq]. Durch GOttes Auflösung. ¶ Unter dem Gebet der Seinigen. ¶ Unter dem Verlangen nach dem Himmel. [S ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ Ob GOtt die Menschen sterben lasse? ¶ GOtt, die beste Hülffe der Sterbenden. ¶ Die seelige Auflösung. ¶ Das unter dem Gebeth erfolgte seelige Ende. ¶ Das gestillete Verlangen nach dem Himmel. ¶ Die gestillete Sehnsucht nach der Crone des ewigen Lebens.][1.137][aq]2)[/aq] Bey Sterbens-Fällen. ¶ Warum ist er gestorben? ¶ [aq]Resp[/aq]. Er will gern in den Himmel. ¶ Des Creutzes und Elendes loß zu werden. ¶ [… ¶ Das ewige Leben zu ererben. ¶ GOtt anzuschauen etc. ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ Die gestillete Sehnsucht nach dem Himmel. ¶ Die abgelegte Creutzes-Last. ¶ Die auf die Creutzes-Last erfolgte Himmel-Lust. ¶ Der ewige Feyerabend. [S] ¶ Die aus dem Lazaret der Welt befreyete Seele. ¶ Die ewige Ruhe. ¶ […] ¶ Das erlangte Kleinod des ewigen Lebens. ¶ Die erhaltene Crone ewiger Glückseeligkeit. ¶ Das seeligste Anschauen GOttes. ¶ [aq]3)[/aq] Auf Nahmens- und Geburths-Tage. ¶ Warum feyret man solche? ¶ [aq]Resp[/aq]. Sich der Güte GOttes zu erinnern. ¶ Sich mit guten Freunden zu vergnügen. ¶ GOtt zu dancken. ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ Das nützliche Andencken der Güte GOttes. ¶ Die Erinnerung der göttlichen Wohlthaten. ¶ Das GOtt-gefällige Vergnügen am Geburths-Tage. ¶ Der angezündete Weyrauch eines danckbahren Hertzens. ¶ Das Opfer eines danckbahren Hertzens vor die Göttlichen Wohlthaten.][1.138][aq]I)[/aq] In Trauer-Fällen. ¶ Wie ist er gestorben? ¶ [aq]Resp[/aq]. Freudig, gläubig, standhafftig, andächtig, [S verständig, unvermuthet, des Lebens überdrüßig, durch den Schlag etc. ¶ Erfolgen diese ¶ [aq]Themata[/aq]: ¶ […] ¶ Der freudige Hingang zum Vater. ¶ […] ¶ Der gläubige Abschied aus dieser Sterblichkeit. ¶ Das bey vollem Verstande und Glauben erfolgete Ende. ¶ […] ¶ Das unvermuthete Absterben gläubiger Christen. ¶ Die unterschiedlichen Arten der Schläge GOttes bey seinen liebsten Kindern.][1.139][aq]3)[/aq] Auf Hochzeiten. ¶ Wie wird die Hochzeit begangen? ¶ [aq]Resp[/aq]. Frölich, mit GOtt, unter Wunsch und Seegen. [S ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ […] ¶ Die zuläßige Fröhlichkeit am Hochzeit-Tage. ¶ Die GOtt-gefälligen Vergnügungen am hochzeitlichen Ehren-Tage. ¶ Die Gottesfurcht als eine Quelle alles Ehe-Seegens. ¶ Die mit GOtt vollzogene Liebes-[aq]Allianz[/aq]. ¶ Der mit GOtt angefangene, in GOtt vollzogene und von GOtt gesegnete Ehestand. ¶ Der unter Wunsch und Seegen blühende Ehestand.][1.140][aq]2[/aq]. Auf Todes-Fälle. ¶ [… ¶ Der aus dem Winter des Lebens in den Frühling des Himmels versetzte Palmbaum. ¶ […] ¶ Die seelige Himmelfarth aus der mühseeligen Walfahrt. ¶ Die in die Ostern einfallende Marter-Woche. ¶ Das dort ewig-währende [aq]Laetare[/aq]. ¶ Das auf zeitliche Marter-Wochen erfolgte ewige Oster-Fest. [S] ¶ Die am [aq]Palmarum[/aq] empfangene Palmen des Sieges. ¶ Die in Zeit und Ewigkeit grünende Ruhmes-Palmen. ¶ Die am Sonntage [aq]Oculi[/aq] zum Anschauen GOttes gelangete Seele. ¶ Die glückseeligen Augen Seelig-Verstorbener. ¶ Der gekröhnte Sieg über geistliche und leibliche Feinde. ¶ […] ¶ Der auf die zeitliche Trauer-Nacht angebrochene ewige Freuden-Tag.][1.141]Auf den Todes-Fall eines wohlverdienten Mannes. ¶ [… ¶ Schlage ich nun auf ([aq]1[/aq]) [aq]Condolenz[/aq], so finde ¶ [aq]Rom. XII. 15[/aq]. Weine mit den Weinenden. ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ Die schuldige Christen-Pflicht: Weine mit den Weinenden. ¶ […] ¶ ([aq]2[/aq]) Absterben. ¶ [aq]Apocal. XIV. 13[/aq]. Seelig sind die Todten, die in den HErrn sterben, von nun an; ja der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit. [S] ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ Die Seeligkeit der in den HErrn Verstorbenen. ¶ Die in dem HErrn Verstorbenen Seligen. ¶ […] ¶ [aq]Themata[/aq]: ¶ Der wohlverdiente Nachruhm Seelig-Verstorbener. ¶ […] ¶ [aq]Petrus Molinaeus Jun[/aq]. sagt in seinem Seelen-Friede [aq]lib. II. cap. 16[/aq]. dieses ist der Vorzug, den ein Christ hat, daß er durch den Todt das Leben erblicket, und das Ende der Natur der Anfang seiner Glückseeligkeit ist. Der Todt ist eine Ruhe nach steter Arbeit. ¶ [aq]Hinc Themata[/aq]: ¶ Der Vorzug eines Christen im Leben, im Tode und nach dem Tode. ¶ Des Lebens ende, der Anfang ewiger Glückseeligkeit.][1.142]Auf Todes-Fälle. ¶ [aq]REALE[/aq]. ¶ Als die Königin [aq]Christina[/aq] in Schweden die Papistische [aq]Religion[/aq] angenommen, nahm sie die Morgenröthe zum Sinnbilde und setzte die Worte drüber: [aq]De tenebris in lucem[/aq]. ¶ [aq]Themata[/aq]: ¶ Die aus der Finsterniß in das ewige Licht versetzte Seele. ¶ [… ¶ Ein seeliger Tod der Anbruch himmlischer Morgenröthe. [S] ¶ [aq]REALE[/aq]. ¶ [aq]Gen. XIX. 15[/aq]. Loth eilete mit seiner Familie aus Sodom und die Engel begleiteten Sie heraus, als die Morgenröthe anbrach. ¶ [aq]Themata[/aq]: ¶ Der Ausgang aus Sodom bey Anbruch der seeligen Morgenröthe. ¶ Der glückliche Ausgang aus dem Sodom dieser Welt. ¶ Die himmlische Morgenröthe ewiger Glückseeligkeit. ¶ Die Englische Begleitung nach Salem.][1.143][aq]1. QVIS?[/aq] ¶ Ob der Baum des Lebens annoch unter uns sey? ¶ Ob das Paradieß noch auf Erden anzutreffen? ¶ Wo das Paradieß anzutreffen? ¶ […[S][...] ¶ [aq]3. UBI?[/aq] ¶ Ob der Himmel auf Erden anzutreffen sey? ¶ Wo der Himmel auf Erden anzutreffen sey? ¶ […] ¶ [aq]5. CUR?[/aq] ¶ Ob es unsterbliche Menschen gebe? ¶ Wodurch sich die Menschen unsterblich machen können? ¶ [aq]6. QVOMODO?[/aq] ¶ Ob unsere angestelleten Hochzeiten GOtt gefallen können? ¶ […] ¶ [aq]7. QVANDO?[/aq] ¶ […] ¶ Ob ein Evangelischer mit gutem Gewissen Wallfarthen anstellen könne?][1.144]Hätten nun Personen diese ¶ [aq]Symbola[/aq] wären die [aq]Themata[/aq]: ¶ Wie GOtt will. ¶ Der seelig erfüllte GOttes Wille. ¶ Die Glückseeligkeit dessen, der sich dem Willen Gottes ergiebet. [S ¶ [aq]Sic itur ad astra[/aq]. ¶ Der wohlgetroffene Weg zum Himmel. ¶ Der richtige Weg zum Himmel. ¶ Ein auf dem Wege nach dem Himmel begriffener Christ. ¶ Auf Erden und doch im Himmel. ¶ [aq]In Silentio & Spe[/aq]. ¶ Geduld und Hoffnung zwey gewisse Kennzeichen wahrer Christen. ¶ […] ¶ GOttes Fügen/ Mein Vergnügen. ¶ GOttes Fügung die beste Vergnügung. ¶ Die Beruhigung des Hertzens in der Fügung GOttes. ¶ Gott wirds wohl machen. ¶ Das Wohlmachen GOttes bey den Menschen. ¶ Den alles wohlmachenden GOtt.][1.145][aq]THESIS[/aq]. ¶ Seelig-Verstorbene soll man mäßig betrauren. ¶ Diese [aq]Thesis[/aq] läufft in die [aq]Theologie[/aq]; darum können wir viel glücklicher in der Erfindung nach der [aq]Topica[/aq] seyn, wann wir auch ein Auge auf das [aq]Fundament[/aq] werffen, als: ¶ [aq]PROBATIO e LOCO[/aq]. ¶ [aq]1. Causae efficientis[/aq]: ¶ Sie sterben nicht ohngefehr; GOtt lässet sie sterben.[1.146]Wer demnach fraget: ¶ Wie vielerley ist das Leben? ¶ Erhält die Antwort ¶ [aq]1)[/aq] aus der [aq]Theologie[/aq], daß es dreyerley sey: das natürliche, das geistliche und das ewige Leben. ¶ [… ¶ [aq]Elaboratio[/aq]. ¶ Wie manchen drücket doch die Armuth an die Brüste/][1.147]Ich will es mit einem Exempel erläutern auf die Hochzeit eines Predigers, welcher bißher ein betrübter Wittwer gewesen, und von GOtt wiederum mit einer angenehmen Ehegattin erfreuet worden. ¶ [aq]Thema[/aq]: ¶ Den von GOtt geschenckten Leyd- und Freuden-Wechsel. ¶ [aq]DISPOSITIO[/aq]. ¶ [aq]THESIS I[/aq]. ¶ GOtt schenckt den Seinigen nicht immer susses Vergnügen, er schickt ihnen auch bißweilen Creutz zu.[1.148]Als der Allerdurchlauchtigste, Großmächtigste Fürst und Herr/ Herr Friederich/ Marggraff zu Brandenburg, des Heil. Römischen Reichs Ertz-Cämmerer und Churfürst/ Den [aq]18. Januar. 1701[/aq]. Unter vieler Völcker Frolocken Zum ersten Könige in Preussen gesalbet wurde/ Im Nahmen der [aq]Studiosorum[/aq] aus der Grafschafft Marck auf der Friedrichs-Universität. ¶ GRoßmächtigster,[1.149]Als HERR Johann George Bube/ Des Hällischen [aq]Gymnasii Collega Quartus[/aq], JUNGFER Sophien Elisabeth Beumlingerin/ Den [aq]14[/aq]. Octobr. [aq]1721[/aq]. heyrathete/ wurde Im Nahmen seiner Untergebenen vierdter Classe erwogen. Das von GOtt geschenckte Labsal eines treuen Schulmannes. ¶ [aq]DISPOSITIO NATURALIS[/aq]. ¶ [aq]Propositio[/aq]. ¶ [aq]1[/aq]. Ein Schulmann, der sein Amt treu verwaltet, erhält allemahl von GOtt ein süsses Labsal bey seiner sauren Mühe.[1.150][aq]Thema[/aq]: ¶ Die angenehme und GOtt-gefällige Ehestandes-Liebe. ¶ Eine [aq]Propositio ex Themate[/aq]. ¶ Die Liebe im Ehestande ist angenehm und GOtt-gefällig. ¶ [… ¶ Die durch einem seeligen Tod aus dem Lazaret dieser Welt befreyete Seele. ¶ Zwey [aq]Propositiones[/aq] aus einem [aq]Themate[/aq]. ¶ [aq]1[/aq]. Die Welt ist ein Lazaret voller Krancken.][1.151]Da ein [aq]Oxymoron[/aq] im [aq]Themate[/aq]: ¶ [aq]THEMA[/aq]. ¶ Der GOtt-gefällige Götzen-Dienst betrachtet bey der Götzisch- und Kirchhoffischen Ehelichen Verbindung/ Welche Den [aq]20[/aq]. Octobr. [aq]1716[/aq]. zu Quedlinburg vollzogen wurde. Im Nahmen der sämtlichen Brüder von der Jungfer Braut. ¶ [aq]ELABORATIO[/aq]. ¶ GOtt ist den Götzen feind; auch haßt er Hertz und Seelen/[1.152]Da eine [aq]Thesis[/aq] aus dem [aq]Themate[/aq] gezogen wird. ¶ [aq]THEMA[/aq]. ¶ Das Creutz Als der Frommen Glück in Zeit und Ewigkeit. Bey Absterben FRAUEN Barbara Eleonora Stahlin/ gebohrner Tentzelin/ HERRN G. E. Stahls/ Königl. Preuß. Hoff-Raths und Leib-[aq]Medici[/aq] Ehe-Liebsten/ Den [aq]17[/aq]. April [aq]1706[/aq]. vorgestellet. ¶ [aq]I[/aq]. ¶ [aq]DISPOSITIO[/aq]. ¶ [aq]Thesis[/aq]. ¶ Das Creutz machet die Frommen hier und dort glückseelig.[1.153]Da [aq]2. Theses[/aq] aus dem [aq]Themate[/aq] gezogen sind. ¶ [aq]THEMA[/aq]. ¶ Den ewigen Feyer-Tag eines getreuen Lehrers/ Bey Absterben Herrn [aq]M[/aq]. Israel Finckens/ Wohlverdienten [aq]Con-Rectoris[/aq] des [aq]Gymnasii[/aq] zu Halle/ Am letzten Weyhnachts-Feyer-Tage Den [aq]27[/aq]. Decembr. [aq]1720[/aq]. entworffen Von den sämtlichen Gliedern der [aq]I[/aq]. Classe. ¶ [aq]I[/aq]. ¶ [aq]DISPOSITIO[/aq]. ¶ [aq]Thesis 1[/aq]. ¶ Schul-Lehrer haben auf der Welt wenig Feyer-Tage.[1.154]Von einem [aq]Symbolo[/aq]. ¶ Auf einen Verstorbenen exemplarischen Prediger. ¶ [aq]I[/aq]. ¶ [aq]DISPOSITIO[/aq]. ¶ [aq]Thesis[/aq]. ¶ [aq]Carolus V[/aq]. hatte zu seinem [aq]Symbolo[/aq]: [aq]Plus ultra[/aq].[1.155][aq]THEMA[/aq]. ¶ Die Mit himmlischen Cronen belohnte Treue Dienste/ als HERR Johann Michael [aq]HEINECCIUS[/aq], Königl. Preuß. [aq]Consistorial[/aq]-Rath und [aq]Vice-General-Superintendens[/aq] im Hertzogthum Magdeburg etc. den [aq]11[/aq]. Sept. [aq]1722[/aq]. Als ein getreuer Knecht zur Freude seines HErrn eingegangen, Bey seiner [aq]Solenn[/aq]en [aq]Sepultur[/aq] betrachtet. ¶ [aq]I[/aq]. ¶ [aq]DISPOSITIO[/aq]. ¶ [aq]Thesis[/aq]. ¶ Wer dort Cronen erben will, muß GOtt getreu dienen.[1.156]Ein Frauenzimmer hätte immer die Worte im Munde geführet: Ich will ins Closter ziehen! könte man poetisch durchführen: Das angenehme Closter-Leben im Stande keuscher Ehe. Wären des Verstorbenen letzte Worte gewesen: Ich sehe den Himmel offen, könte man den offenen Himmel vorstellen und zeigen, wie man den Verstorbenen darinnen in seinem glückseeligen Stande erblicket und ihm eine Rede andichten, wie er die Verstorbenen tröstete etc.[1.157]Oder wann ich der Unsterblichkeit oder einem Engel eine Rede andichtete, wie sie den Tugend-Wandel des Verstorbenen erhübe, seine itzige Glückseeligkeit rühmte und die Hinterbliebenen tröstete; Oder den Verstorbenen selbst eine solche Rede zueignete; Oder die Engel, die Seeligen anredete etc.[1.158]
Anonymus
Seite
[1.159]Die Zeit/ wenn [aq]Homerus[/aq] gelebt, fällt nach einiger Rechnung in die Jahre des Jüdischen Königes Rehabeam, nach anderer aber in die Regierung Josias, Joahas u. Jojakims; oder nach der Römischen Historie in die Jahre des [aq]Numa Popilius, Tullius Hostilius[/aq] und [aq]Aneus Martius[/aq], ohngefähr also [aq]907[/aq]. Jahr vor Christi Geburth.[1.160]Ja bey vielen Christen mag wol die Bibel nicht in solcher Hochachtung stehen, als [aq]Homerus[/aq] bey ihnen gestanden; weil sie nebst allen andern Wissenschafften auch die [aq]Theologie[/aq] daraus zu lernen sich getraueten.[1.161]Denn was haben die Cardinäle in Rom anders zu thun, als daß sie sich an schönen Künsten ergötzen? und was wollten sie mit allem Gelde machen, wenn sie nicht geschickte Leute damit beschencken sollten? Demnach ist es kein Wunder, daß man in Rom herrliche Verse machet; wiewohl sie, die Wahrheit zu bekennen, so gut nicht seyn, als man sie in dem [aq]Guarini[/aq] oder [aq]Marini[/aq] findet.[1.162]Unverhoffte Gedancken aber erfindet die Seele selbst; wenn sie entweder mit der erfundenen Sache bald wieder auf was anders [aq]alludi[/aq]ret, oder eine Zweydeutigkeit darinnen heget, oder aus einer [aq]Invention[/aq] in die andere verfällt/ von GOtt aufs Licht, vom Lichte auf die Erleuchtung, von der Erleuchtung auf das Sehen![1.163]Sie [die Oden, J.T. gehören unter die allerältesten Gedichte, und sind ohne Zweiffel eine Erfindung der ersten Patriarchen, welche damit den wahren GOtt geehret. Weil man aber mit GOtt auf zweyerley Art zu reden pfleget; entweder daß man ihm vor seine Wohlthaten danckt; oder daß man ihn in Noth und Trübsal um seine Hülffe anruffet: so erhellet hieraus, daß zweyerley Oden bald bey den ersten Patriarchen im Brauch gewesen, theils Lob-Gesänge, theils geistliche Lieder, darinnen man GOtt im Geist und in der Wahrheit anruffet. Der Heilige Geist bekräfftiget diese Eintheilung selbst durch Paulum an die Epheser am 5. v. 19. Redet untereinander von Psalmen und Lob-Gesängen und geistlichen Liedern. Psalmen aber ist überhaupt der Nahme al-[S]ler heiligen Lieder. Nun wissen wir, daß sich die Psalmen alle in ein Halleluja, das ist, Lob-Gesang, oder in ein Hosianna, das ist, Bitt-Lied theilen. Die Heyden brauchten sie zu Anruffung der falschen Götter, folglich zum Lobe der Helden, und endlich zu Ausbildung ihrer [aq]Bacchus[/aq]- und [aq]Venus[/aq]-Gedancken. Heutiges Tages thun wir es ihnen ziemlich nach. ¶ §. 3. Wo etwas Krafft und Feuer braucht, so ist es eine Ode. Der Poet muß sich offt ausser sich selbsten schwingen, er muß Dinge sagen, die er ihm vorhero kaum eingebildet, und er muß mit solcher Bewegung sprechen, daß er den Leser oder Zuhörer gleich gefangen nimmt. ¶ §. 4. Daß die Biblischen Lieder von solcher Stärcke seyn, wird niemand läugnen, absonderlich wer sie in Hebräischer Sprache lieset. GOtt würcket auch noch heutiges Tages in seinen Kindern. Die Lieder des sel. Lutheri, Opitzens, Hermanns, Dachens, Gehards, Neunhertzes, Schmolckens, Neumanns und anderer mehr können dessen allen ein Beweiß und Zeugniß seyn. In der Lateinischen Kirchen war [aq]Prudentius[/aq] mit seinen [aq]Hymnis[/aq] sehr berühmt. Zu unsern Zeiten [S] hat man die besten geistlichen Lieder in Teutschland geschrieben, und vornehmlich in Schlesien. Neunhertzes in Hirschberg geistliche Lieder auf alle Sonntage sind flüssend und ungezwungen: Schmolckens zu Schweidnitz übertreffen fast jene an Geist und Nachdruck; beyden aber hat es gewiß, sowohl an schönen Worten, als auch an Geist-reichen Gedancken der seel. Neumann in Breßlau zuvorgethan; zu wünschen wäre nur, daß er auch beyde an der Zahl übertroffen. Franckens und [aq]Menantes[/aq] geistliche Oden sind auch voller Geist.][1.164]Die Schreib-Art in Oden muß prächtig und Majestätisch seyn; jedoch muß man sich auch nach der [aq]Materia[/aq] richten. In Geistlichen schickt sich die Schreib-Art der Schrifft am besten[1.165]Eine solche [aq]Arie[/aq] wird niemahls allein gesetzt; sondern allemahl mit einem [aq]Recitativ[/aq] oder mit einer andern [aq]Arie in uno contextu[/aq]; oder wird in einer [aq]Oratoria[/aq] mit einem Biblischen Spruch verbunden.[1.166]Das fürnehmste, was man bey einem Hirten-Gedichte in Acht zu nehmen hat, ist folgendes: 1) muß man sich die Hirten nicht gantz als Bauern, sondern, wie schon gedacht, nach der ersten Zeit, und so vorstellen, wie sie die heilige Schrifft selbst beschreibet. Dergleichen Leute waren Abraham, Isaac, Jacob, Hiob, David, etc.[1.167]Deßgleichen [der moralischen Gedichte, J.T. hat sich hierinnen ebenfalls der so beliebte Brockes mit seinem Irdischen Vergnügen in GOtt [aq]signalisir[/aq]et, daß wir [S] dieses schöne Werck allen Ausländern können entgegen halten sowohl wegen der angenehmen Schreib-Art, als auch der abgehandelten [aq]Materi[/aq]en, und daß darinnen allemahl sein Zweck und Ziel die Ehre GOttes gewesen; wiewohl das meiste darinnen mehr [aq]physicali[/aq]sch als moralisch ist.][1.168]Diese Gewohnheit in Stein zu schreiben [Inscriptiones, J.T. und zu graben, ist die allerälteste Schreib-Art, wie aus den steinern Gesetz-Tafeln Mosis kan erwiesen werden. [aq]vid. & Hiob 19. v. 23. 24[/aq].][1.169]Cabbala oder Cabbalistische Verse, da man ein gewisses Dictum aus der Bibel oder profanen Autore, oder auch ein Sprüch-Wort zum Grunde setzt, und hernach eines Nahmen, auf den man das Sprüch-Wort appliciren will, oder auch was anders dargegen setzt, und aus Zusammenrechnung beyder Buchstaben, deren jeder eine gewisse Zahl bedeutet, in beyden eine gleiche Zahl heraus bringt.[1.170]Es ist in Teutschland eingerissen, daß man in verliebten Gedichten sehr unflätig schreibet; und die Hofmannswaldauische Gedichte sind allenthalben mit Zoten angefüllt. Nichts besser hat es auch Günther in seinen Gedichten gemacht. Philander von der Linde, und der Herr von Logau sind hierinnen behutsamer gewesen. Es ist auch [S unrecht; denn es laufft nicht allein wider die Regeln des Christenthums, sondern auch wider die Natur eines verliebten Gedichtes, welches ja wohl das Hertze bewegen, aber nicht die Lüste des Fleisches reitzen soll. Denn so bald dieses geschiehet, so ist der Poet nicht tugendhafft.][1.171]Im Teutschen hat unter andern der Hertzog von Wolffenbüttel die [aq]Aramena[/aq] und [aq]Octavia[/aq], Herr Buchholtz den [aq]Hercules[/aq] und [aq]Herculiscus[/aq], der Herr von Lohenstein den [aq]Arminius[/aq], Ziegler die Asiatische Banise geschrieben. Allein ungeachtet die ersten eine gute Anleitung zur [aq]Morale[/aq] und [aq]Pietaet[/aq], der 3te viele Gelehrsamkeit in der alten Teutschen Historie zeigen; so sind sie doch alle wider die Regeln eines wahrhafften [S [aq]Romans[/aq], indem sie nicht natürlich genug, sondern schon zu sehr gekünstelt.][1.172]Die Redens-Art muß heroisch und majestätisch, aber auch dabey natürlich und ungezwungen seyn. Die Personen, welche leyden, müssen weder allzu lasterhafft, noch allzugrosse Exempel der Tugend seyn, denn jenes würde kein Mitleyden, dieses aber bey dem Zuhörer nur Ungeduld wider die Schickung GOttes erwecken. Wiewol was diesen letzten Punct anlangt, würde [S man sich bey dem Christenthume wohl drein finden.][1.173]Nun aber giebt man sich in die Poesie viele Mühe, mit Zehlung der Sylben, Zusammensetzung der Worte, und Zusammenreimung der Zeilen; und dennoch denckt man dabey offt sehr wenig auf die Verbesserung seines Verstandes und der Jugend, geschweige seines Nächsten. Des heiligen GOttes Absicht, als er den Mose ein Lied lernte, war wohl zugleich unter andern zu zeigen/ worzu sie die Poesie anwenden solten/ nehmlich zum Lobe GOttes. Die alten Hebräer thaten es auch ziemlich, [S welche durch ihre Lieder GOtt priesen, die Gemüther zur Tugend und Tapfferkeit, vornehmlich die Verzagten ermunterten. In dem letzten Stücke thaten es ihnen die alten Grichen mercklich nach. Was aber das erste anlangt, so führte sie ihr Aberglaube gäntzlih von dem wahren GOttes-Dienst ab; denn ein jeder machte sich einen GOtt nach seinem Gut-Düncken; und wenn sie ja was den Hebräern in ihrem wahren GOttes-Dienste nachahmten, so verstelleten sie es doch so sehr mit allerhand fabelhafften Umständen, daß es dem [aq]Original[/aq] keinesweges mehr [S] ähnlich war. Aus dieser so grossen Abgötterey erwuchs nun der Heyden ihre [aq]Mythologie[/aq]; oder, wie man sie auch heissen möchte, ihre [aq]Theologie[/aq]: Da konte nun kein Poete nichts schreiben/ wenn er nicht jede Zeile mit solchem fabelhafften Zeuge anfüllte. Dieses verderbte nun nicht wenig den Verstand/ massen man offt in vielen Zeilen nicht ein wahres Wort antraf. Solches thaten sie aber wiederum den Hebräern nach, welche sich in ihrer Poesie der heiligen Schrifft, als ihrer [aq]Theologie[/aq], bedienten. Wer nun unter den Heyden am geschicktesten war, [S] sich des fabelhafften Zeuges zu bedienen, oder auch noch mehr darzu auszusinnen/ wurde vor den geschicktesten Poeten gehalten.][1.174]§. 2. Die Natur hat sich am ersten hervor gethan, und hat sich vielerley Mittel darzu bedienet: der Andacht, der Ergötzung, der Liebe und der Danckbarkeit. §. 3. Die Andacht würckte die ersten Lieder in den Hebräern: und es ist vermuthlich, daß man nicht allein zu den Zeiten Noä, sondern auch vor der Sündfluth schon Lieder gehabt, mit welchen die Gläubigen ihren Schöpffer gelobet. Denn, ob es gleich unstreitig eine Fabel der Talmudisten ist, daß Adam den 92. Psalm verfertiget, und am ersten Sabbath [aq]componiret[/aq] und gesun-[Sgen; so scheint doch des Lamechs Anrede an seine Weiber [aq]Genes. 4. V. 24. 25. [/aq]nicht uneben ein Stücke von einem [aq]Carmine antediluviano [/aq] zu seyn, weil darinnen viele [aq]Rythmi[/aq] und Poetische Ausdrückungen befindlich. Ja weil Jubal schon das Spielzeug erfunden hatte, so werden die Formmen vermuthlich auch etwas erfunden haben, womit sie ihren GOtt gepriesen. Zum wenigsten saget es die Schrifft schon zu Mosis Zeiten. Der berühmte Opitz stehet in seiner [aq]Prosodia Germanica[/aq] in den Gedancken: daß die Poesie Anfangs nicht anders als eine verborgene [aq]Theologie[/aq] und Unterricht von göttlichen Sachen gewesen. Denen Gläubigen folgten hierinnen die Heyden. Ovidius zeigt genug, daß ihre Priester das Gebeth beym Opffer in Versen verrichtet, wenn er an einem gewissen Orte also schreibet: [aq]Exorant magnos carmina saepe DEos.[/aq] Und scheinet nicht so gar unwahrscheinlich zu seyn, daß die Heyden ihre Poetische Fabeln von dem [aq]Apollo[/aq] mit seinen neun [aq]Mus[/aq]en auf dem Berge [aq]Parnassus[/aq], von dem David und seinen Hof-[aq]Musicanten[/aq], dem Assaph, Ethan, Heman etc. entlehnet. So findet man auch, daß die [aq]Drui[/aq]ten bey denen Celten und Teutschen, (welche eben das waren, [S] was bey den Hebräern die Hohen-Priester, bey den Babyloniern und Persern die [aq]Magi[/aq], bey den Egyptiern und Griechen die [aq]Hierophantae[/aq], bey den Indianern die [aq]Brachmaner[/aq], bey den Römern die [aq]Pontifices[/aq].) die Lehre von ihrem Glauben und ihrer Weißheit in viel tausend Verse verfasset, und denen, welche [aq]Druiden[/aq] werden wollten, so beygebracht, daß sie solche auswendig lernen musten, worüber offt mancher 20. Jahr zugebracht; denn sie liessen solche nicht abschreiben, damit ihre Weißheit nicht gemein werden möchte. Besiehe [aq]Cluver. Serm. antiqu. it.[/aq] Lohenstein in seinem [aq]Arminio[/aq]. [aq]Strabo[/aq] schreibt in seinem ersten Buche: daß die Poesie die erste [aq]Philosophie[/aq] gewesen, eine Erzieherin des Lebens, welche die Art der Sitten, der Bewegung, des Gemüths und alles Thuns und Lassens gelehrt: ja die [aq]Stoici[/aq] hätten davor gehalten, daß ein Weiser allein ein Poete sey. So kan man es auch daher abnehmen, daß die Poeten eher als die [aq]Philosophi[/aq] gewesen, weil ein jeder [aq]Scribent[/aq], je älter er ist, desto näher der Schreib-Art der Poeten kömmt. Daher sagt [aq]Causabonus[/aq]: so offt er des [aq]Herodotus[/aq] Historien lese, bedüncke ihn, daß er den [aq]Homerum[/aq] lese. [S] § 4. Die eigene Ergötzung, sich die Zeit angenehm bey Weydung der Heerde zu vertreiben, ist ohnfehlbar der andere Trieb zur Poesie gewesen. Denn weil gleich nach Jabal, der eben die Viehzucht aufgebracht, die meisten Ertz-Väter Hirten waren, so werden sie nicht allein mit der [aq]Music[/aq], welche von Jubal war erfunden worden, die müßige Zeit haben suchen zu verkürtzen, sondern werden Zweiffels ohne allerhand Lieder zur Ergötzung haben drein gestimmet;][1.175]Das III. Capitel. Von dem Zustande der Poesie bey den Hebräern. § 1. DIe Hebräer sind unter allen Völckern die ersten gewesen, welche der Weißheit obgelegen; dannenhero findet man auch bey ihnen die ersten Lieder. Gesetzt, daß [aq]Marcus Meibomius[/aq] schwerlich Beyfall finden dürffte, da er [aq]statuiret[/aq], es sey der gesammte [aq]Pentateuchus Mosaicus metrice[/aq] geschrieben; so ist doch dieses gewiß, und die heilige Schrifft sagt es ausdrücklich: daß Moses und Israel dem Herrn, als sie denen Egyptern entgangen waren, ein Lied gesungen, 2. B. Mos. 15. desgleichen auch Debora und Barack, als sie den Sissera überwunden, Judic. 5. wie auch Judith, als sie den Holofernes erleget hatte, Judith am 16. GOtt sagte selbst kurtz vor dem Tode des Mosis ihm und seinem Nachfolger ein Lied, welches sie die Kinder Israel lehren sollten, [aq]Deuter[/aq]. 31 & 32 David beklagte in seinem Liede Saul und Jonathan, als sie in der Schlacht waren unkommen, 2. Sam. 1. Und was ist der gantze Psalter anders, als ein Buch voller Lieder. [S §. 2. Alle diese Lieder sind so vollkommen, daß es ihnen kein weltlicher Meister gleich gethan. Denn weder [aq]Pindarus[/aq], noch [aq]Horatius[/aq] haben sich in ihren Oden so hoch geschwungen, als der Geist derer Heiligen in diesen Liedern. Und ob gleich noch nicht ausgemacht ist, wie eigentlicnh der alten Hebräer Poesien beschaffen gewesen; so ist doch so viel aus den Psalmen zu ersehen: daß schon dazumahl auf die gleich lautende Endung und Anzahl der Sylben gesehen worden, und also [aq]Anacreon[/aq] nicht der Anfänger der Reime gewesen; sintemahl der 146. Psalm fast gantz durch Reim-weise gemacht scheinet. Daß sie auf die Zahl der Sylben, und nicht wie die Grichen und Römer auf die Länge und Kürtze derselben gesehen, erhellet aus dem 3. Psalm; daher zu schliessen, daß der Hebräer Poesie, so wie ihre [aq]Grammatic[/aq], grosse Verwandtschafft mit der Teutschen Poesie und [aq]Grammatic[/aq] gehabt. §. 3. Sie liessen es aber dabey nicht bleiben, sondern sie schrieben auch grosse Wercke. Das Buch Hiob ist ein rechtes Helden-Gedichte, oder ein Poëma epicum. Das Hohe-Lied Salomonis hat viel von der Art der Schäfer-Gedichte. Aus dem Buche Ju-[S]dith aber könnte man gar leicht ein Schau-Spiel machen. §. 4. Ich kan nicht sagen, ob die Poesie bey den Hebräern so gemein gwesen, daß man sie in öffentlichen Schulen gewiesen. Inzwischen finden wir doch, daß sie nicht allein ihre Poeten gehabt, sondern auch die Poeten unter die weisesten Leute gezehlet. [aq]1. Reg. 4. V. 31.[/aq] stehet vom Könige Salomo: Und er war weiser denn alle Menschen, auch weiser als die Dichter, Ethan der Eßrahiter, Heman/ Chaichal und Darda; seine Lieder waren tausend und fünffe. §. 5. Sie setzten zum Grunde der Poesie die Weißheit, und zwar die wahre Weißheit, deren sich die Heyden nicht rühmen konnten Sie legten sich mehr auf geistliche als andere Dinge, und brauchten also die Poesie, worzu sie GOtt selber abgezielet. Und endlich hatten sie zu ihrem Triebe den Geist des HErrn, dessen Aussprache viel herrlicher als aller irdischen Poeten und [aq]Musen[/aq] ist. Demnach konnte es ihnen auch nicht fehlen, sie musten zierlich, sie musten nachdrücklich, sie musten natürlich schreiben. Zu wünschen wäre es demnach, daß wir Chri-[S]sten uns ebenfalls wiederum zu unserer Poesie der wharen Weißheit, nehmlich der heiligen Schrifft, und nicht der Heydnischen [aq]Mythologie[/aq] und Fabeln, bedienten.][1.176]WAs die Hebräer in der geistlichen, das sind die Grichen in der weltlichen Poesie; das ist: sie sind allen Völckern darinnen zum Exempel, aber von keinen noch übertroffen worden.[1.177]Ich habe schon oben gesagt, daß die Poësie ihren Ursprung von dem Lobe GOttes genommen; und mit diesem solte sie auch allezeit zu thun haben. Bey denen Hebräern findet man nichts als geistliche Gedichte, und die Heyden haben es ihnen eine Zeitlang nachgethan.[1.178]So lange die Poësie mit GOtt zu schaffen hatte, blieb sie in ihrer natürlichen Freyheit; nachdem sie sich aber mit Menschen einließ, so muste sie auch von Menschen Gesetze annehmen. Denn GOtt verlanget nichts als das Hertz, darum klinget ihm auch alles angenehm, wenn man es nur von Hertzen saget. GOtt ist das höchste Gut: darum kan man ihn nicht gnugsam loben; GOtt ist heilig: darum kan man von ihm nichts böses dencken. Die Menschen hingegen sind voller Schwachheit, und wenn sie gleich etliche Tugenden haben, so haben sie dennoch auch alle ihre Fehler. Derowegen ist es eben so thöricht einen Menschen in allem zu loben, als einen andern gantz zu verachten; gleichwohl erfordert es einiger massen die Pflicht, daß man die Tugend loben, die Laster aber bestraffen solte.[1.179]Wir Christen solten uns nunmehr wohl billig schä-[Smen, daß da wir, wie die Hebräer, die wahre [aq]Theologie[/aq] besitzen, uns noch immer der falschen, nehmlich der heyndischen [aq]Mythologis[/aq]chen Grillen in unseren Poesien bedienen; als wenn wir uns nicht eben wie die alten Hebräer/ mit gleichem [aq]Success[/aq], der wahren [aq]Theologie[/aq] bedienen könnten. Zwar wird mancher einwenden: dieses gehe nur in der geistlichen, aber nicht weltlichen Poesie an. Dem gebe zur Antwort: daß wenn unsere Gedichte nur allezeit auf die Verbesserung des Verstandes und Erweckung der Gemüther zur Tugend giengen, und also darinnen die Er-[S]götzung suchten, so sehe nich, warum man sich nicht eben der Exempel, der [aq]Sententien[/aq] und Gleichnüsse aus der Bibel/ in allen Sorten der Gedichte/ ernsthafften als lustigen/ verliebten und [aq]satyr[/aq]ischen bedienen könne, ohne eines Mißbrauches beschuldiget zu werden. Wir mir nun vor einiger Zeit etliche [aq]Manuscripta[/aq] einiger berühmter Männer, und die sich durch ihre Poetische Schrifften sehr verdient gemacht, als B.N. E.M. C.S. sind [aq]communiciret[/aq] worden, welche eine zwar kurtze doch grübdliche Anleitung zur Poesie [S] geben, und vornehmlich hierinnen mit mir eines Sinnes seyn: daß man das alte fabelhaffte Zeug/ die Hexen und Hexenmeister/ und ander Teuffels-Geschmeiß aus unserer Poesie ausrotten solle; so habe es vor billig und nöthig erachtet, es dem Drucke zu übergeben: Vielleicht dürften einige, wo ja nicht viele, hierdurch gerühret werden, sich in ihren Poesien bescheidener aufzuführen. Nun muß ich wohl gestehen, daß man biß dato noch nicht völlig die [aq]Mythologie[/aq] und ander fabelhafftes Zeug den jungen Leuten kan aus den Hän-[S] den greiffen; massen sie solche noch zu Erlernung und Nachahmung der Lateinischen Poesie brauchen. Da doch aber die Lateinische Poesie ziemlich ins Abnehmen gerathen will, und jedwede Nation nur bemüht ist in ihrer Mutter-Sprache die Poesie zu excoliren; so wäre wohl zu wünschen, daß/ da wir Teutschen ietzo so unvergleichliche Meister in der Poesie haben, sich einige angelegen seyn liessen/ von jeder Sorte der Poesie einige vollkommene Meister-Stücke/ mit Beysetzung aller [aq]Mythologie[/aq] und lügenhafften Zeugs/ zu verfertigen, die hernach [S] der Jugend zu Regeln und Mustern dienen könnten/ und sie also nicht mehr auf die alten Grichischen und Lateinischen Poeten sehen dürfften. Zwar weiß ich wohl, daß auch noch einige wahre Historien in der [aq]Mythologie[/aq] befindlich; und die könnten, so fern sie von andern [aq]Historicis[/aq] bekräfftiget seyn, schon beybehalten werden. Ja es wäre auch zu wünschen, daß man sich aller andern falschen Exempel und Gleichnissen in der Poesie entschlüge; als: das Bocks-Blut erweicht den Diamant: der [aq]Phoenix[/aq] verbrennt sich in seinem Reste, und es ent-[S]stehet aus seiner Asche ein junger [aq]Phoenix[/aq]; weil man doch nur andern hierdurch falsche [aq]Idé[/aq]en i.e. Lügen beybringt. Die möchten allenfalls noch angehen/ die unsern Sinnen zum wenigsten so vorkommen/ wie wir sie in der Poesie gläuben; als: die Sonne steigt aus der See: der Mond mit seinen Hörnern etc. Also würde wiederum durch die Poesie die Ehre GOttes befördert/ die Tugend in der menschlichen Gesellshcaft ermuntert und erwecket/ und eines jeden Verstand mehr und mehr verbessert werden; welche drey Absichten [S] gewiß eines jeden rechtschaffenen Poeten vornehmste Absicht seyn solte.][1.180]Ja sie [die Deutschen, J.T. hätten schon gereimt, und ihre Gesetze, Rechte und [aq]Religion[/aq] in kurtze Verse und Gesänge gefaßt, ehe sie weder schreiben noch lesen können. Weil man auch in Ungarn und Oesterreich vielfältige uralte Gedächtniß-Steine mit Hebräischen Auf-Schrifften gefunden, so scheinet hieraus, daß, wie die uralten Teutschen von den Hebräern herstammen, also auch ihre vermischte Mutter-Sprache mitgebracht, und mit dieser auch ihre Poesie; weil beyder Völcker Stamm-Wörter vieles gemein haben.][1.181]Ferner [aq]Juvencus[/aq] ein Priester und [S Christlicher Poete, der die Evangelische Historie in heroische Verse gebracht. [aq]Ausonius, Prudentius[/aq] und [aq]Claudianus[/aq], welcher letztere absonderlich werth zu lesen. Er lebte zu der Zeit des frommen Kaysers [aq]Theodotius[/aq], und hat ihm viel schöne Gedichte gemacht;][1.182][aq]Bembus[/aq] hat lieber wollen wider die Bibel schreiben, als wider den [aq]Ciceronem[/aq], sintemahl er die Episteln Pauli Spottweise [aq]Epistolacrias[/aq] genannt; [aq]Casa[/aq] ist wegen seines ärgerlichen Lebens recht im Ruff gewesen; wiewohl beyde Cardinäle gewesen.[1.183]Endlich gieng mit Luthero die Morgenröthe der Poesie, mit Opitzen aber die völlige Sonne auf. Lutherus hat nichts als geistliche Lieder geschrieben, und ist zwar hin und wieder ein wenig gezwungen; er hat aber viel Krafft und Geist. Zum wenigsten that es ihm dazumahl keiner gleich.[1.184]In seinen [Hofmannswaldaus, J.T. Liebes-Gedichten, und insonderheit in Liedern, hat er etwas so ungemein süsses, daß er augenblicklich gefallen muß; aber eines ist zu beklagen, daß er die heil. Schrifft offt mißbraucht.][1.185]Zu letzt ist ein geistliches Gedichte, die sterbenden Sinnen bey dem Creutze Christi/ welches von einem guten Freunde [aq]communiciret[/aq] worden, mit beygefüget, welches zum wenigsten wegen seines Endzwe-[Sckes einigen gefallen sollte. Der weinende Petrus aber, der jenem folget, ist eine Probe von einem grössern Wercke, so ein anderer guter Freund über sich genommen auszuarbeiten, und dessen völliger [aq]Titul[/aq] etwann seyn dörffte: Das Leben Christi; wofern es nicht noch zertheilet dörffte werden, so daß die andere Helffte, von seinen Lehr-Jahren an bis zu seiner Auferstehung, den [aq]Titul[/aq] eines Helden-Gedichtes/ die erste Helffte aber etwann ei-[S]nen andern [aq]Titul[/aq] führen möchte. Es ist deßwegen eine Probe davon mit angeführet worden, um zu sehen, ob einige Liebahber zu dem gantzen Wercke sich finden werden.][1.186]Unter denen Engländern hat [aq]Milton[/aq] ein [aq]Carmen epicum[/aq] geschrieben, das verlustigte Paradeiß genannt, ist aber auch eigentlich kein Helden-Gedichte, weil Adam und Eva fallen, und nicht in der Heroischen [aq]Action[/aq] zu Ende beharren. Es ist sonst von ziemlicher Erfindung, aber sehr hoch und tieffsinnig, nach der Englischen Art.Unter denen Engländern hat Milton ein Carmen epicum geschrieben, das verlustigte Paradeiß genannt, ist aber auch eigentlich kein Helden-Gedichte, weil Adam und Eva fallen, und nicht in der Heroischen Action zu Ende beharren. Es ist sonst von ziemlicher Erfindung, aber sehr hoch und tieffsinnig, nach der Englischen Art.[1.187]