{"entities":{"Q3760":{"pageid":3850,"ns":120,"title":"Item:Q3760","lastrevid":25374,"modified":"2025-01-31T13:51:52Z","type":"item","id":"Q3760","labels":{"de":{"language":"de","value":"4. Hier gibts Gelegenheit zu reden/ ob/ und wie fern wir/ als Christen/ die Heydnische G\u00f6zzen-Namen und Fabeln/ in unseren Gedichten/ gebrauchen d\u00f6rfen? Der R\u00fcstige/ in dem nohtwendigen Vorberichte seines Teutschen Parnasses/ scheinet den Gebrauch und Misbrauch mtieinander aufzuheben/ wenn er fast zu Ende desselben also schreibet: Ist schon ein guhter Teil lustiger Hochzeit- und anderer dergleichen fr\u00f6licher Gedichte in diesem Buche enthalten/ so wird man doch weder von Venus/ noch Cupido/ weder von Hymen noch Adonis/ weder von Leda noch Jupiter/ und wie die saubere Bur\u00df alle mehr heisset/ etwas darin zu lesen finden/ diese K\u00fcnste lasse ich den elenden und n\u00e4rrischen Reimmacheren/ die keine andere/ noch b\u00e4ssere Erfindungen aus Ihrem dummen Gehirn/ an den Tag wissen zu geben. Und ein wenig hernach f\u00e4hret er also fort: Wir d\u00fcrffen uns in Auffsetzung vielerhand Gedichten der heidnischen L\u00fcgen und Ihrer verfluchten Abg\u00f6tzen sch\u00e4ndlicher Laster und Untugenden so weinig bedienen/ so weinig wir von n\u00f6hten haben/ da\u00df wir au\u00df Teutschland in Indien schiffen/ und daselbst zur Erhaltung [S] des Lebens/ Ihre Wurtzlen/ Aypi und Maniol [?] genant/ oder auch Ihr Korn/ welches Sie Abati/ andere aber Mais nennen/ in diese L\u00e4nder bringen/ dieweil wir/ Gottlob/ aus Weitzen und Rokken viel besser Brod/ als aus den d\u00fcrren Indianischen Wurtzlen und gahr zu dichten Korn oder Maitz k\u00f6nnen machen. \u00b6 5. Der Erwachsene/ in seiner Anweisung im 63. und folgenden Bl\u00e4ttern/ ist auch stark darwider/ und zihet/ f\u00fcr die verneinende Meinung/ den Spruch an aus dem andern B. M. am XXIII. 13. Anderer G\u00f6tter Namen sollt ihr nicht gedenken/ und aus eurem Munde sollen sie nicht geh\u00f6ret werden. Welchen er fast etwas zu weit ausspannet/ in dem das Randgl\u00f6sslein dar\u00fcber dieses Lautes ist: Ihr sollt von keinen Heiligen predigen/ als von G\u00f6ttern/ die euch helfen/ noch daf\u00fcr danken/ sondern Gott allein. Denn Gedencken heisset/ hie so viel als predigen/ r\u00fchmen/ dancken/ Gottesdienst pflegen/ [aq]ut, hoc facite in mei commemorationem[/aq]. Daraus schliessen wir/ da\u00df nicht eben die blosse Erwehnung anderer G\u00f6tter/ welche in H. Schrift selber Erzehlungs- und Warnungs-weise geschihet/ sondern derselben G\u00f6ttliche Verehrung/ verbotten sey. Lassen uns unterdessen nicht \u00fcbel gefallen die von ihm angef\u00fchrte Worte eines Gotteslehrers: Es ist zu zweiflen/ ob Gott deme beiwohne/ der an h\u00f6llischen G\u00f6tzen gefallen hat? und ob der an den Himmel recht gedenke/ der \u00f6fter die Venus/ als die Gottes [S] Mutter Maria/ den Cupido/ als das HimmelKind Immanuel/ den [aq]Phoebum[/aq], als den H. Geist/ den Berg Parna\u00df/ als den Oelberg/ die Elysische Felder/ als das Paradeis/ und Fabeln/ als das himmlische Wort der Warheit/ in dem Mund seiner Feder f\u00fchret? Denn diesem haben wir in dem 3. Absazze dieses Ganges bereit vorgebauet/ mit der Erfoderung/ da\u00df man hierinn sparsam und behutsam fahren solle. \u00b6 6. Etwas milder ist di\u00dffalls der Spielende/ welcher in dem F\u00fcnften Th. S. Gespr\u00e4chsp. im 36. 37. und 38. Bl\u00e4ttern/ auch diese Frag er\u00f6rtert: Ob die Christen/ in ihren Gedichten/ der Heidnischen G\u00f6zzen Namen gebrauchen sollen? zu Beantwortung dieser Frage/ saget er/ ist erstlich zu wissen/ da\u00df der Poet die Personen nicht erdichtet/ welche er/ zu Vorstellung wahrer Geschichte/ auf den Schauplazz f\u00fchret/ sondern er ist schuldig/ selbe auszubilden/ nach ihrer Ankunft/ Religion/ Gem\u00fctsneigungen/ Begierden/ Tuhn und Lassen. Diesen Personen leget er seine Worte in den Mund; iedoch dergestalt/ da\u00df sie/ so viel m\u00f6glich/ ihren Gedanken/ Worten und Sitten gem\u00e4\u00df und anst\u00e4ndig kommen/ und verstellet sich gleichsam in die ienige/ welche er vorstellet. Zu solchem Ende holet und entlehnet der Poet aus allen Religionen/ was ihm von n\u00f6hten ist. Er f\u00fchret aber der Helden Redarten nicht in der Kirche Gottes/ sondern auf dem [S] Schauplazze/ nicht ihren G\u00f6zzen zu Ehren/ sondern zur Verachtung/ nicht die Wahrheit in der Christen Herzen zu verfinstern/ sondern die abscheuliche Laster und grosse Blindheit der heidnischen Greuel ihren Augen und Ohren vorzuweisen. Solcher gestalt haben die Christliche Poeten sich iederzeit der G\u00f6tter Namen bedienet/ aber iedesmals was anders darunter verstanden/ wie auch die V\u00e4ter der ersten Kirchen/ und die H. Schrift selbst. Sollte nun hierbey einige Abg\u00f6tterey zu befahren gewesen seyn/ w\u00fcrde dergleichen nicht gefunden werden. Wer wei\u00df nicht/ da\u00df Neptun das Meer/ Mars den Krieg/ Apollo die Poeterey/ Pallas die Wissenschaft/ Musa die Kunst/ Venus die Wollust/ Ceres die Erden/ Bacchus den Wein/ Vulcan das Feur/ Jupiter den Regen/ Juno die Luft/ bedeutet? Die Liebe/ der Neid/ die Furcht/ die Gewissens-plage sind so m\u00e4chtig in den Menschen/ da\u00df die Heiden solche f\u00fcr G\u00f6tter und Beherrscher der Menschen Herzen gehalten. Wir Christen lassen sie f\u00fcr G\u00f6zzen gelten/ nennen ihren Namen und gebrauchen ihrer Gestalt/ um sie abscheulich und verhasst zu machen: weil ihre Vorstellung sich mit der Eigenschaft der Laster/ und Lasterstrafen artig gleichet: So ist mir wol erlaubt/ von dem Avernischen Reiche/ von den Elyser-Felder zu sagen/ aber ich mu\u00df sie nicht beschreiben/ wie sie die Heiden beschrieben haben. Das w\u00e4re des Spielenden Er\u00f6rterung. \u00b6 7. Unsere Meinung \u00fcber diese Frage zu er\u00f6ffenen/ halten wir daf\u00fcr/ man k\u00f6nne zu Zeiten der Heydnischen Fabel und G\u00f6zzennamen sich noch bedienen/ und zwar mit diesen Bedingungen: [S] \u00b6 (1) Wenn ich mit einem Zusazze zu verstehen gebe/ was ich von solchen Namen halte/ als wenn ich sage/ der Weing\u00f6zz Bacchus/ so h\u00f6ret man schon/ da\u00df ich ihn nicht vor einen Gott halte/ wie die Heyden getahn haben/ weil ich ihn einen G\u00f6zzen heisse. \u00b6 (2) Wenn ich dergleichen Namen und Fabeln remotiv\u00e8 oder Verwerfungs-Weise anf\u00fchre/ wie ich einst in einem Klag- und Trost-Liede von den Parzen solcher gestalt geredet/ und aus nachkommendem Sazze erhellet: \u00b6 Der Himmel wei\u00df/ und zwar am allerb\u00e4sten/ \u00b6 [...] \u00b6 Also hat Herr Sieber/ in seiner Poetisirenden Jugend/ am I. Blate/ sein geistl. Gedichte: Der Bethlehemitische Wunder-Stall/ mit folgenden Versen angefangen: \u00b6 Hier/ wo der Lebens-F\u00fcrst in einer Krippen lieget/ \u00b6 [...][S] \u00b6 (3) Wenn ich solche Fabeln auf einen andern Zweg richte/ als wohin die Heyden gezielet haben. Wenn ich z.b. durch die Elis\u00e4ische Felder den Himmel/ und durch das Avernische Reich die H\u00f6lle verstehe. Hieher geh\u00f6ret auch/ was der Seel. Herr von Birken in einem Ehren-Gl\u00fckkwunsche an Den Hoch- und Wohlgebohrnen Grafen und Herrn/ Herrn Franz Albrechten/ Grafen von Harrach etc. etc. folgendes Schlages gesezzet/ und in dem 351. und folgenden Bl\u00e4ttern des Ostl\u00e4nd. Lorbeerh. befindlich ist: \u00b6 Nein! es ist ie kein Gedicht/ alles was die Dichter schreiben. \u00b6 [...][S] \u00b6 Wie er ferner auf die R\u00f6m. Keyserl. Majest\u00e4t/ die Herren ReichsR\u00e4hte/ und insonderheit auf den Grafen von Harrach die Zueignung mache/ kann am besagten Orte nachgesuchet werden. Also wird hoffentlich ohne alle Gefahr seyn/ wenn man durch den Parna\u00df oder Pindus eine iede Universit\u00e4t/ durch den [aq]Phoebum[/aq] den [aq]Rectorem Magnificum[/aq] oder [aq]Decanum[/aq], durch den Musen-brunn die [aq]Collegia[/aq], durch das Trinken aus demselben den Kunst-Flei\u00df u.f.m. verstehen will. \u00b6 8. Das sey gesaget von der Erlaubni\u00df. Doch ist die Christliche Jugend dahin zu bedeuten/ es sey am sichersten/ man \u00fcberlasse den Heyden ihren Heydnischen G\u00f6zzentand/ und halte sich zu der H. Schrift/ welche eine reiche Schazzkammer ist/ woraus sie haben kann/ was sie verlanget. Und ist ein falscher Wahn darbey/ wenn man in den Gedanken stehet/ es falle alle Zier der Gedichte hinweg/ wenn die Heydnische Fabeln und G\u00f6zzen-Namen davon bleiben m\u00fcssen. Denn hat doch der Teuffel/ als Gottes Affe/ sein Gaukel-Werk alles/ aus dem H. G\u00f6ttl. Schriftbuche/ abgesehen/ und Ovidius die Geschicht von der Welt Erschaffung fast ganz aus dem ersten B. Mose genommen. Will man aber Historien haben/ und seine Gedichte damit auszieren/ was ist sch\u00f6ner/ als die Welt-erschaffung/ nach dem Wahrheitsgrunde/ beschrieben? k\u00fchner/ als der Babylonische Thurnbau? himmlischer/ als die Erscheinung Gottes/ dem Abraham geschehen? tr\u00f6stlicher/ als die Erhaltung des Loths/ des Josephs/ des Kinds Mose? beweglicher/ als das Opfer Isaac? anmuhtiger/ als der Traum und Sch\u00e4ferstand [S] Jacobs? denkw\u00fcrdiger/ als dessen Ringen mit dem Sohne Gottes? kl\u00e4glicher/ als der leidige S\u00fcndenfall? schrekklicher/ als die S\u00fcndflut/ der Feur- und Schwefel-Regen/ welcher \u00fcber die ganze Sodomer-Gegend ergangen/ die zehen Egyptische Plagen/ die Verschlingung der aufr\u00fchrischen Rotte Korah/ Dathan und Abiram? wundernsw\u00fcrdiger/ als die reiche Zuf\u00fchrung der Wachteln/ das Man oder Himmelbrod/ das Gehen durch das rohte Meer und den Jordan/ das Gr\u00fcnen/ Bl\u00fchen und Mandeln-tragen des Stekkens Aarons/ das Stehen der Sonne zu Josua Zeiten? Was annehmlicher/ als die Traum-Auslegung und Erh\u00f6hung Josephs/ die Eroberung des gelobten Landes? u.s.f. Wollen wir Berge haben? so erh\u00f6hen sich die Berge Sion/ Hermon/ Carmel/ Thabor und Libanon. Wollen wir einen F\u00f6bus haben? da ist Jesus Christus/ der rechte F\u00f6bus und die Sonne der Gerechtigkeit/ welcher den h\u00f6llischen Python erw\u00fcrget. Wollen wir eine Venus und einen Cupido haben? da stehet die keusche Gottesgeb\u00e4rerinn Maria/ mit ihrem allersch\u00f6nesten Jesulein. Wollen wir Poeten haben? da sind ber\u00fchmet David / Salomon/ Assaph/ Ethan der Esrahiter/ Heman/ Chalchal und Darda. Poetinnen? da sind die Vorsingerinn Mirjam/ Aarons Schwester und die Prophetinn Debora. Wollen wir Tyrannen und Risen haben? da tretten hervor der gewaltige J\u00e4ger Nimrod/ der dr\u00e4ngende Pharao/ Ahiman/ Sesai/ Thalmai/ Goliath und andere. Wollen wir einen Kunstbrunn haben? da schleichet der stillgehende Brunn Siloha/ an den Wurzeln des [S] Berges Sion. Bed\u00f6rfen wir etwan einen Herkules? der Simson stellt ihn. Sonst tapfere Helden? Gideon/ Jephthah/ Jasabeam/ Eleasar/ Abisai/ Benaja und andere Helden Davids bieten sich an. Kurz: es ist nichts zu ersinnen/ damit uns das H. Schriftbuch/ auf bed\u00f6rfenden Fall/ nicht an die Hand gehen k\u00f6nnte. Da\u00df mir demnach die jenige kein Gen\u00fcgen tuhn/ welche/ da sie wol Mandeln auffezzen k\u00f6nnten und sollten/ nur Eicheln f\u00fcrtragen. Ich will sagen/ sich mit heydnischen Fabeln schleppen/ da sie es/ aus der Bibel/ und sonst/ weit b\u00e4sser haben k\u00f6nnten."}},"descriptions":{},"aliases":{},"claims":{"P86":[{"mainsnak":{"snaktype":"value","property":"P86","hash":"1d552ab94ea94f24e4f2f1318cf3f2250cb7dc2a","datavalue":{"value":{"entity-type":"item","numeric-id":116,"id":"Q116"},"type":"wikibase-entityid"},"datatype":"wikibase-item"},"type":"statement","id":"Q3760$39866792-C486-4BD2-B4C7-949929DE3B27","rank":"normal"}]},"sitelinks":{}}}}